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Syrische Rechtsbiicher.
Herausgegeben und iibersetzt
von
EDUARD SACHAU.
Dritter Band.
Berlin.
Verlag von Georg Reimer.
1914.
Syrische Rechtsbiicher.
= Dritter Band. =
Corpus juris des persischen Erzbischofs
Jesubocht.
Erbrecht oder Canones des persischen
Erzbischofs Simeon.
Eherecht des Patriarchen Mar Abha.
Aus der romischen Handschrift
herausgegeben und iibersetzt
von
EDUARD SACHAU.
Berlin.
Verlag von Georg Reinier.
igi4.
Einleitung.
Es ist eine verschollene Christenwelt, von der tlic beickii l^echts-
biicher des Jesubocht uiul Sinienn mis die erste treiie mid ausfiihrliche
Kunde bringen, nicht von ihren auBeren Scliicksalen in Krie^j mid
Fricdeii, wolil aber von der Qcdani<enwelt, welclie ihr biirgerliches Lcben
ill all seineii fiezielnmgen regelte. Mir ist nicht bekannt, ob nocli Ruinen
von Kirchen mul Klostern von ihren einstnialigen Griindern und Be-
wohnern Zeugnis ablegen. Beredter aber als Rm'nen belehren ims diese
IJteratiirdenkmaier, unter welchen Kainpfen jenes Christentmn cntstanden
und unter welchen Oesetzen es gelebt hat in einem feriien Lande, wo
jahrhundertclang das Wort des Evangeliums gepredigt worden ist, und
wo jetzt alles Christliche unter einer tausendjahrigen, voiii Islam ge-
hauften Trummerschicht vcrgraben liegt. Ich meine die Persis, jene
Landschaft im Siidcn des nacli ihr heutigentags benannten persischen
Reiches, in der Hauptsache die Gegcnd um Schiraz. Ein machtigcr
Strom christlicher Mission ergoB sich friihzeitig von Antiochien gegen
Osten iiber den Euphrat und Tigris hinaus, dem letzteren parallel siid-
warts nach Babylonien und von dort in weite asiatische Fernen, und
so auch in die siidostlich von Babylonien gelegene Persis. Dort fal5te
der neue Glaube Fufi, nicht unter dem Schutz eines konstantinischen
Kaisertums, sondern im bestandigen Kampf mit der zoroastrischen Reichs-
macht und ihren Magiern, um spaterhin nach dem Untergang des Reiches
der Sapore und Chosroen dem Ansturm des Islams zu crliegen.
Von den ersten Missionaren, welche das Christentum in der Persis
gepflanzt haben, ist uns keine Kmide erhalten; nach der Sage gehort
die Persis zum Christianisierungsgebiet des Apostels Thomas; wohl aber
sind durch das Patriarchat im babylonischen Seleucia umfangreichc Kon-
zilakten angelegt und erhalten, welche auch iiber die Geschiclite des
persischen Christentums wertvolle Auskiinfte enthalten. Auf Grund
dieser Akten und einiger anderer Materialien konnen wir die Existenz
des persischen Christentums wahrend mehr als eines lialben Jalirtausends,
— VI —
zunachst von 410— Q60 n. Chr. unci spater bis in das 13. Jahrhundert
nachweisen, und finden es vertreten durch ein Erzbistum und sieben
Bistiimer, das erstere in Re\v-Arda§ir oder ReSahr, die Ictztcren in Istachr,
Darabgird, Kazerun, Ardasirkiiurra ( - Oor ^ Firuzabad), Bih-Sapur,
MaJkena-dhe-kurdu und auf der Insel Kis. Ein Biick auf die Karte zeigt,
daB der Oberhirte dieses Christenfums im auBersten Norden an dem
QrenzfliiB Tab, der Susiaiia von der Persis trennt, residierte, was jeden-
falls darauf hindeuten diirfte, daB von dieser Seite her aus dem friih-
zeitig christianisierten Susiana das Christentum zuerst in die Persis ein-
gedrungen ist. Ini Gegensatz zu dem Erzbistum liegen die meisten Bis-
tiimer weit von der susianisch-persischen Grenze entfernt gerade in dem
Zentrum des Kuiturlandes der Persis, in jener ausgedehnten Landschaft,
aus der die beiden groBen persischen Herrschergeschiechter der Achae-
meniden und Sasaniden hervorgegangen sind, und die besonders durch die
gewaltigen Ruinen von Persepolis fruhzeitig das Interesse der Reisenden
und Altertumsfreunde auf sich gelenkt hat.
Es ist eine Eigentiimlichkeit der Kirche der Persis, daB sie innerhaib
des asiatischen Christentunis eine Art Sondersteilung beanspruchte, und
speziell gegeniiber dem Patriarchat von Seleucia den Anspruch, auto-
kephai zu sein, behauptete. Sie sei die Kirche des heiiigen Thomas und
sei der Kirche des Mari, der babylonischen, als deren Oriinder Mari gait,
nicht unterordnet. Dieser Zwiespalt hat nie aufgehort. Die persische
Kirche lieB ihre Bischofe von ihrem eigenen Erzbischof weihen, wahrend
der Patriarch behauptete, daB nur er allein Inhaber der apostoJischen
Tradition sei, auf ihn allein die Nachfolge durch ununterbrochene Ober-
lieferung von den Apostehi her iibertragen sei, nur er allein die geistige
Wiirde durch die canonica manus impositio iibertragen konne, daB daher
die persischen Bischofe keine Bischofe seien und damit dem ganzen
persischen Christentimi das Fundament fehle. Uber den Ursprung dieses
hierarchischen Streites sind wir nicht unterrichtet, diirften aber nicht
fehlgehen, wenn wir annehmen, daB er aus den Kampfen, unter denen
sich die Konstituierung der ostlichen Kirche und die Erhebung des Bi-
schofs von Seleucia-Ktesiphon zum Patriarchen der gesamten orienta-
lischen Christenwelt ostlich vom Patriarchat Antiochien vollzogen hat,
hervorgegangen ist. Die Kirche der Persis (wie auch diejenige von
Susiana) diirfte schon langere Zeit bestanden und eine gewisse Bedeutung
eriangt haben zu einer Zeit, als die Christengemeinde in der Hauptstadt
Seleucia, im bestandigen Kampf mit der zoroastrischen Reichsmacht und
ihren Magiern sich langsamer entwickelnd, noch verhaltnismaBig un-
bedeutend war. Als daher infolge besonders giinstiger auBerer Umstande
im Jahre 410 der Bischof von Seleucia eine Obmachtstellung als Vertreter
— VII —
der gesamten Christenwelt im Reich gegeiiiiber dem Konige eriangte,
mag es den Bischofen der altcren Kirchenprovinzen wie der Persis (und
Ostarabiens) schwer gevvorden sein, sicli der iieueii Autoritat uiiterzii-
ordnen '. Die Patriarchen habeii niemais mit Versuciien, die persische
Kirche zu sicii heriiberzuziehen, aufgehort; sie haben Sendschreiben und
Sendboten an ihre einfluBreichsten Vertreter gescliickt, haben sie auch
in eigener Person aufgesucht, alles ohne entscheidenden Erfolg. Aiiein
auf sich selbst angewiesen erlitt dies Christentuni den Ansturm des Isianis,
und wir erfahren nicht, da6 es ihin einen nennenswerten Widerstand
entgegengesetzt habe. Einen lehrreichen Einblick in diese Kiimpfe ge-
wahren uns die ausfiihrlichen Briefe des Patriarchen Jesujabh III. ans der
Zeit der Kalifen Othman und Aii -.
Zu denjenigen Oberhauptern der ostlichen Christenwelt, welche
ganz besonders mit den Christen der Persis gerungen haben, und zwar
mit mehr Erfolg als manche vor ihm, gehort der geistig hervorragende
Timotheos I., Patriarch von 779 — 820, ein Mann von vielseitigen lite-
rarisciien Interessen. (Vgl. Band 11 dieser Rechtsbiicher, Einieitung S. XVII;
Braun, Oriens Christianus 1,313 und A. Riicker, Die Canones des Simeon
von RevardeSir S. 20. 21.) Timotheos lieB durch einen des Persischen
kundigen Mann ein in den christlichen Gemeinden der Persis geltendes
Rechtsbuch aus der persischen Sprache jener Zeit in das Syrische uber-
setzen, ein Unternehmen, das nicht etwa aus irgendeinem literarischen
Interesse, sondern lediglich aus dem praktischen Bediirfnis seiner Kirchen-
vervvaltung hervorgegangen sein diirfte. Bei seinen Beziehungen zur
persischen Kirche war es ihm wichtig, die biirgerlichen Gesetze zu kennen,
welche unter den dortigen Christen galten, denn er konnte eventuell
von streitenden persischen Parteien als oberste Appellationsinstanz lun
ein Urteil angegangen werden, (s. die Appellationsgerichtsurteile des Pa-
triarchen Chenanischo in Band I! dieser Rechtsbiicher), und dafijr muBte
er die persischen Rechtsbiicher in seiner Kanzlei haben. Auf seiche
Weise diirfte das Corpus juris von Jesubocht entstanden sein, das hier
zum erstenmal in Text und Obersetzung veroffentlicht wird.
Die Christenheit der Persis besaB, wie nicht anders anzunchmen,
eine gewisse Literatur in ihrer eigenen mittelpersischen Mundart, s. ineine
Contributions to the knowledge of Parsee literature (Journal of the Royal
Asiatic Society, 1870) und A.Rucker, a.a.O. 5.12. 13. Von dieser Literatur
ist nichts erhalten, wenigstens bis auf die Gegenwart nicht zu Tage ge-
' Siehe die Verhandliing des Patriarchen Babhai mit dem ersten Erz-
bischof der Persis vom Jahre 497 bei Chabot, Synodicon S. 314.
- Siehe Ausgabe von Duval 1904. 1905.
— vm —
komincii. Wir miissen daher dem Patriarchen Timotheos dankbar sein,
da(5 er uns in Obersetzunj^ wcnifjstens zwei Werke aus der Literatur der
persischen Christenwelt erhalten hat, die Werke zweier ihrer Erzbischofe,
das Corpus juris desjesubocht und den kleinen Rechtsspiegei iJber Erb-
reclit von Simeon.
I.
Jesubocht,
d. Ii. Jesus hat t^ereinij^t, ini christhchen Sinne= Jesus hat er-
iost, war ein unter persischen und babylonischen Christen nicht seltener
Name, der seinen zoroastrischen Ursprung auf der Stirn traj^t; er ist
verwandt mit soichen Namen wie Jazdaribocht, Izedbozed, Marabocht,
BochtiSo', Bochtsahpuhr und anderen. Unser Jesubocht, der Verfasser
des Corpus juris, ist auBer durch sein Werk nicht bekannt geworden, und
ailes, was in der Literatur iiber ihn iiberliefert wird, geht auf die Zitate
aus seinem Werk bei den Juristen der Renaissanceperiode im 11. — 14.
Jahrhundert und auf die kurze Notiz des Bucherkatalogs des Ebedjesu
von Nisibis 1290—1318 (s. Assemani, Bibliotheca orientalis III, 195) zu-
riick. Die Oeiehrten dieser Zeit scheinen nicht mehr iiber ihn gewufit
zu haben als wir. Wir sind daher fiir unsere information iiber den
Autor auf sein Werk als unsere einzige Quelle angewiesen und besclirankt.
Die Erhaltung desselben verdanken wir vermutlich dem nestorianischen
Patriarchat, mit dessen Archiv es von Seleucia-Kokhe nach dem Norden
bis nach Mosul und Rabban Hormizd gewandert sein diirfte, und dort
taucht eine Handschrift auf ', aus der es durch Vermittelung der in Rom
vorhandenen Kopie fiir uns erreichbar geworden ist.
Jesubocht wird in dem Titel seines Werkes Metropolit (Erz-
bischof) der Persis genannt. DaB der Amtssitz des persischen Erz-
bischofs Rew-Ardastr war, lehren die nestorianischen Konzilakten. Ein
anderer Inhaber dieser Wiirde, Jazdad, fiihrt uni das Jahr 497 den Titel
Bischof von Rew-Ardasir, Metropolit der Persis (s. Chabot, Synodicon
S. 64, 29; 65,10). Mit diesem Jazdad erscheint das Erzbistum Persis
zum erstenmal in den Konzilakten, wahrend das Bistuni Rew-Ardasir
schon aus friiherer Zeit bei Gelegenheit der Kirchenversammlungen der
Jahre 486 und 424 bezeugt wird. Wenn dementgegen die viel jiingere
Tradition, vertreten durch den vatikanischen Codex Arab. 153 ^ behauptet,
daB das Erzbistum Persis schon von dem Patriarchen Isaak (399 — 410)
' Siehe O. Ebedjesu Khayyath, Syri orientales seu Chaldaei, Rom 1870,
S. 122 und S. 118 Anm.
2 Bl. 198
t" ij^i ^J^' "^ J^^ '^J ^'^'^^\ J*^"^^ -^ jj-
— IX —
eingerichtet sei, und Ebedjesu, Tractatus S. 141 dasselbe durch den Pa-
triarchen Jabhalaha (415 — 420) geschehen seiii Iaf5t, so ist fur diese beiden
Behauptiingen eiii Beweis aus den Konzilakten niclit zu entnehinen.
Da nun biographische Uberlieferung iiber unseren Verfasser fehlt,
mussen wir mil anderen Mittein eine Ansicht fiber die Zeit seines Lebens
zu gewinnen suchen. Es gibt unter den aus den Konzilakten bekannten
Erzbischofen der Persis einen Jesubocht, der um 544, also unter sasa-
nidischer Herrschaft, unter der Regierung des groBen Anusirwan, lebte.
Kann mit diesem Jesubocht der Verfasser unserer Corpus juris identisch
sein? Abgesehen davon, daB nach meiner Ansicht ein amtlicher Ver-
treter des Christentums unter einem zoroastrisclicn Konige schwerlich
gewagt haben vviirde, von Zoroaster-Zarduscht so zu schreiben wie
unser Aulor in dem Kapitel von der Magierehe II, ii S. 35. 36ff. (ver-
flucht ist also Zardu§t« usw.) getan hat, ist diese Identifikatioii auch des-
halb unmoglich, weil sich in der Einleitung, welche der Obersetzer dem
Corpus des Jesubocht vorausgeschickt hat, eine Notiz befindet, die uns
notigt, ihn einer erheblich spateren Zeit zuzuweisen. In dieser an den
Patriarchen Timotheos (779 — 820) gerichteten Einleitung erzahlt der
anderweitig nicht bekannte Obersetzer, daB der Verfasser des Originals,
Jesubocht, von dem Patriarchen Chenanischo' die Weihung zum Erz-
bischof der Persis erhalten ', also damit die Suprematie des Patriarchen
anerkannt habe, wahrend vorher die Bischofe der Provinz Persis ohne
Rucksicht auf den Patriarchen sich selbst ihren Erzbischof wahlten und
einsetzten (hier S. 5, 5ff.). Es gab nun zwei Patriarchen des Namens
Chenanischo, den ersteren von 686 — 693 und 694—701, den zweiten
775 — 779. Letzterer war also der unmittelbare Vorganger des Timotheos,
der diese Obersetzungsarbeit veranlaBt hat. Ich habe in der Anmerkung
zu der Stelle (S. 289) wahrscheinlich zu machen gesucht, daB hier der
zweite Chenanischo' gemeint sei, daB daher der Verfasser unseres Corpus
juris der Zeit um 775—779 angehore. Wie ich oben S. VII angedeutet,
war dies Obersetzungswerk fur den um die nestorianische Christenwelt
hochverdienten, auBerordentlich tatigen Timotheos ein Glied in der Kette
jener Bestrebungen, durch welche er die persische Kirche mit dem Pa-
triarchal zu vereinigen strebte. Jesubocht lebte also in mohammedani-
scher Zeit unter den ersten abbasidischen Kalifen, als er es ohne Gefahr
fur sich und seine Gemeinde wagen konnte, den Zoroaster-Zarduscht
als den Verfluchten zu bezeichnen, wahrend in sasanidischer Zeit die
Vertreter des Christentums in ihren Eingaben an den Konig der Konige
' Es war dainit in Erfiillung gegangen, was jesujabh III. mehr als ein
Jahrhundert vorher in hei6eni Bemiihen erstrebt hatte.
— X —
vor seiner zoroastrischen Majestat in Unterwiirfij^keit erstarben. Die
zoroastrisciie ReiiKio" blieb, audi nacluiem tier Islam zu uiibedinpter
Herrschaft gelangt war, als Raja-F<eliginn uiiter deni Kalifat bestehen,
unci diesen Zoroastriern gegeniiber konnte Jesubocht cine freie Spraciie
fiiliren. Eine Anspielung auf licn Islam licgt vor auf S. 9, 17. 18.
Der Obersetzer gibt dem Verfasser des Corpus ein recht maBiges
Prjidikat mit auf den Weg. Zwar lobt er (S. 5, 3ff.) seine Forschung,
seine Begabung inid seine natiirliciie Beredsanikeit, iiebt audi iiervor,
daB nocii niemand an seinem Werke etwas auszusetzen gefunden habe,
nennt iiin aber dann einen Mann, der zwar in tier Kenntnis der
kirchliclien Canones nicht vollkommen war, der aber fest im
heiligen Oeiste war. Diese Worte lehren uns zunachst, dal5, als sie
geschrieben wurden, Jesubocht nicht mehr lebte. Worauf der Obersetzer
den Tadel ungeniigender kanonistischer Kenntnis grundet, ist aus dem
Werke seibst nicht zu ersehen. Tatsache aber ist, daB Jesubocht in
seinem Corpus von den Canones der Konzilien fast gar keinen Qebrauch
macht (er nimmt nur an einer einzigen Stelle Bezug auf einen BeschluB
der Synode des Ezechiel vom Jahre 576, S. 83, 3), daB er durchweg als
ein weitlicher Jurist, Gesetzsammler, Gesetzgeber auftritt, der mitgleichem
Interesse alien Richtungen des praktischen Lebens in Handel und Wandel
nachgeht, und daB nirgendwo in seinem Werke theologische oder hierar-
chische Ausfiihrungen seinen Stand als Kleriker und geistliches Ober-
haupt eines ganzen christlichen Volkes besonders hervortreten lassen.
Ein Jurist weltlichen Standes hatte in jener Zeit und in jener Umgebung
auch nicht objektiver schreiben konnen als dieser Erzbischof. Die Kirche
und kirchliche Interessen spielen in seinem Werk nur eine ganz unter-
geordnete, nebensachliche Rolle. Einmal erscheint die Kirche als Not-
erbe wie in anderen Qesetzgebungen der Fiskus (S. 145 § 2). Vgl. auBer-
deni S. 103 lit. 1 und S. 137 § 9. Das kanonische Recht, die Interessen
der Episkopalverfassung, die in den Reclitsbiidiern von Timotheos und
Jesubarnun einen betrachtlichen Raum einnehmen, werden bei Jesubocht
mit keinem Worte beriihrt.
Fiir die rechtsgeschichtliche Stellung unseres Corpus juris ist es
von Wichtigkeit, daB nach den Darlegungen des Verfassers in seiner Ein-
leitung es vor ihm geschriebenes biirgerliches Recht in der Persis
nicht gegeben haben soil. Er weist hin auf die Verschiedenheit des Rechts
in verschiedenen christlichen Landern, auch auf Verschiedenlieiten der
Rechtsauffassung in altcrer und jiingerer Zeit; er erwahnt als die Quelle
seines Wissens nur die Uberlieferung der Vorfahren und sein eigenes
Nachdenken (S. 9,30— 33; 11,2), und bdont ausdriicklich S. 11,4. 5,
daB die biirgerlichen Gesetze nicht aufgezeichnet, nicht schriftlich vor-
— XI —
handen waren. Nach dieser Einleitung zu urteilen, hat das persische
Christentum wahrend der ersten Jahrhunderte seines Bestehens eine Lite-
ratur iiber biirgerliches Recht nicht hervorj^ebracht, und auch die sonst
in der asiatischen Christenwelt so weit verbreiteten Leges Constantini
Theodosii Leonis scheinen unserem Jesubocht nicht vorgelegen zu haben.
Siehe die blasse Erinnerung an die Lex Fufia Caninia in V, xili § 1 S. 177
und Anmerkung S. 334. Ebensowenig wie die Einleitung Jesubochts
wissen auch andere Quellen von einer Literatur uber biirgerh'ches Recht
in der Persis vor seiner Zeit. Wenn aber auch Jesubocht die Leges
nicht vor sich hatte, so ist doch der EinfluB derselben mehrfach zu er-
kennen; so ist das Fundrecht (im Tukkasa iiberliefert, s. S. 344) von dort
entiehnt, und der Ausdruk -poderrula VI, 7 S. 183 diirfte gleichen Ur-
sprungs sein. Ich zweifle nicht, dal5 die weitere rechtsgeschichtliche
Untersuchung noch weit mehr Zusammenhange zwischen Jesubocht und
den Leges nachweisen und damit zugieich die Leges als die alteste
Schicht der burgerlichen Gesetzesliteratur des christlichen Orients nach-
weisen wird (s. Syrische Rechtsbiicher I, Einleitung S. VIIL X).
Jesubocht will geltendes Oewohnheitsrecht aufzeichnen und auf
Ersuchen und im Einvernehmen mit den Bischofen seines Landes (s.
S. 101, 5 — 8) moglichst einheitlich gestalten fiir den praktischen Gebrauch
bei den Gerichten und zur Abwehr der Schaden, welche die provinziellen
Differenzen des Rechts zur Folge haben (S. Q, 40). Ganz besonders be-
kampft er diejenigen geistigen und materiellen Schaden, welche nament-
lich im Ehe- und Erbrecht aus zoroastrischer Quelle erwachsen sind
(S. 31 — 33; 97; 99). Er berichtet an verschiedenen Stellen uber abwei-
chende Rechtsanschauungen (IV, i §5 S. 97— 101; S. 155 §2; 159 §8;
165 §21; 179 §2; 189 §5). Er bezeichnet einige seiner Oesetze direkt
als Gewohnheitsrecht (S. 121, Iff.; 179 §2.7) und nimmt z. B. bei
strittigen Fragen des Darlehns- und Seerechts Bezug auf den unter Kauf-
leuten herrschenden Usus (S. 165 § 1 ; 167 § 3). Es verdient besonders
hervorgehoben zu werden, da6 nach Jesubocht das Eherecht (Buch II.
Ill) bei alien Christen ein und dasselbe, so ziemlich frei von erheblichen
Verschiedenheiten gewesen sei, wahrend mit dem Erbrecht (Buch IV)
sofort vielfache Differenzen einsetzen. Vgl. seine Einleitung zum Erb-
recht auf S. 93 I. Kapitel. Nirgends zitiert er eine schriftliche Quelle.
Seine wenig zahlreichen Zitate sind ausschlieBlich dem Alten und Neuen
Testament entnommen.
Das persische Christentum war aus der Religion Zoroasters her-
vorgegangen. Kein Wunder daher, daB ihm noch einiges von zoroastri-
schen Anschauungen und Gewohnheiten anhaftete. Besonders schwer
scheint der Kampf der Vater des Christentums gegen die Inzestehe und
— XII —
ihre Konsequenzen gewesen zii sein, gegen die miser Jesuboclit init
gleiclier Macht wie vor ihm iin 6. Jahrhiimiert der Patriarch Mar Abha
ankampft (S. 263—267). Von anderweitigen Beruhrungen mit dem
Zoroastrianismiis in Wort und Saclie ist zu erwalinen, was er pber die
persischen Arten der Rechtsiibung peseiui iiiul liihdadhastani S. 13,
fiber abasakhuni Erbschaftsverzicht S. 151, fiber die zoroastrische Oe-
reclitigkeit in der Verwandtenheirat S.37, fiber dudagsalari Familien-
vormundschaft S. 127, fiber zurgerd(?) eine falsche Urkunde S. 191 §2
erwahnt. Es wird sicli cmpfeiilen, die Vergleichung des Corpus juris
von Jesubocht mit den rechtliclien Kapiteln der Parsenliteratur, z. B. dem
Dadhistan-i-dini fortzusetzen, besonders wenn erst das eigentliche Gesetz-
buch der Parsenfiberlieferung, Mati kan-i-hazar datestan, auf dessen
Bedeutung zuerst Chr. Bartholomae aufmerksam gemacht hat, in einer
brauchbaren Bearbeitung vorliegt '.
Charakteristisch fur Jesubochts Jurisprudenz ist seine Einteilung
des Rechts in drei Gebiete, namosa (yo/ios), dina imd terisutha
(rectitudo).
Namosa ist das Recht in abstracto, welches den Menschen lehrt, was
er tun und was er meiden soil. Fur das Christenvolk ist es das ideale
Recht des Neuen Testamentes, das seinen hochsten Ausdruck findet in
Matth.5,22: Jeder der seinem Bruder ohne Grund zurnt, ist schukiig dem
Gericht.* Das ist das Recht Christi, der nicht gekommen ist, urn Prozefi-
ffihren fiber Mein und Dein zu lehren. S. I, vii. ix. x und vgl. Simeon
S. 212ff.
Dina ist das gemeine bfirgerliche Recht, bestimnit nicht ffir den
voUkommenen Christen, sondern fur den in seiner Schwaciiheit irrenden,
weitlicli gesinnten Menschen. Es dient nicht bloB dem Interesse dessen,
der Unrecht leidet, sondern ganz besonders aus Barmherzigkeit dem Inter-
esse desjenigen, der seine Seele durch Unrecht wider Andere schadigt l,xii.
Die Unterscheidung zwischen namosa und dina war den Vertretern
des Christentums durch den Gegensatz zum Judentum aufgezwungen.
Letzteres kannte nur ein einziges Gesetz, das mosaisciie. Da aber das
Christentum den Pentateuch weder als Quelle seines bfirgerlichen Rechts
in toto (vgl. Simeon S. 218ff.) noch seines christlichen Gerechtigkeits-
begriffes annehmen konnte, und da das Neue Testament als Quelle fur
bfirgerliches Recht versagt, so mufite der Christ ffir seine Religion eine
doppelte Quelle aufstellen, das Neue Testament fur das Ideal des Christen-
' Es ist nach einer brieflichen Mitteilung Bartholomaes 1913 in Bombay
unter dem Titel The social code of the Parsis in Sasanian times, part II, er-
schienen.
— XIII —
turns und die Tradition, d. i. eine modifizierte Form des mosaischen
Gesetzes fiir das biirgerliche Recht. Wenn nun jiidisclie Gelehrte diese
Tradition als unverbindlichen Menschenwitz hinstellten (vgi. Simeon
S. 222, 41; 230,37) und zur Stiitze ihrer Ansicht darauf hinwiesen, dafi
sie in verschiedenen Gegenden doch recht verschieden sei, so bemiiht
sich Jesubocht seinerseits die Tradition dadurch zu stiitzen, da(5 er sie
zuriickfijhrt auf Manner, die durch den Geist der Weisheit ausgezeichnet
und imstande waren, das Laster zu tadeln und die Rechtsciiaffenheit und
die Wahrheit festzusteilen < 1, xi, und daB cr die provinzielien Rechts-
verschiedenheiten gegenuber dem Idealgesetz des Christentums als irrele-
vant darzustellen sucht; 1, IX.
Das dritte Recht Terisutha, d. i. Rechtheit, Geradheit, Rectitudo,
welche wahrgenommen vvird
in Wort,
in Gedanken,
in der Sache,
entstammt dem Avesta, und ist das bekannte Moralgesetz hukhta, hu-
mata, hvarsta der zoroastrischen Religion. Vgl. Zendavesta, traduit
par Darmsteter 1893, III S. 3. 167. 168. Jesubocht versteht darunter die
moralische Rechtschaffenheit, die nicht immer mit den Satzen des biirger-
lichen Rechts zusammentrifft. Ein Mann A verspricht dem B seine
Tochter zur Frau, weigert sich aber dann (ohne berechtigenden Grund)
sie ihm zu geben. Nach der Rectitudo kame dann ohne weiteres die
Tochter des A dem B zu, nach dem dina aber nicht; I,iv; VI, vi § 4 S. 1Q9.
Ebenso wie diese Dreiteilung des Rechts, in der sich jiidische,
christliche und zoroastrische Elemente begegnen, fiir die Jurisprudenz
unseres Jesubocht charakteristisch ist, verdient auch seine Lehre von der
Rechtspflege ' aus mehr als einem Grunde beachtet zu werden. Sie atmet
einen praktisch-humanen Sinn und zeigt uns vviederum die Heriibernahme
zoroastrischer Denkungsart in das Christentum. Hier kommen zunachst
die beiden S. XII erwahnten Arten der Rechtsiibung pesend unil bih-
dadhastani in Betraclit. Beide Termini waren schwer zu iibersetzen
und aus der von dem Syrer gewahlten Ubersetzung ist nicht zu erkennen,
was sie bedeuten; I, v. Unter ersterem ist zu verstehen, daB in einem
ProzeB der Klager aus Riicksicht auf den Verklagten seine Forderung
herabsetzt, auf einen Teil derselben verzichtet; unter dem letzteren im
Gegenteil, daB jemand in einem Rechtsgeschaft, das ihn zu einer Leistung
verpflichtet, aus Rucksicht auf die andere Partei ihr mehr leistet als das
' Ober die Oerichtsverfassung vgl. § VI der Synode des Patrlarchen
Georg vom Jahre 676 be! Chabof, Synodicon S. 484.
— XIV —
Gesetz verlangt. Die" Richter der Kirche, da sie doch Lehrer des
Christentums siiui, sollen sich des Pesend und Bihdadhastani bedienen,
iini die streitendcn Parteien zii beraten und zu ermahnen, nicht aber
von ilirer richterliciien Gevvalt Gebraiich machen. Sie sollen die Reichen
ermahnen, Barmherzigkeit zu iiben gegen die Armen, und die Verwandten
ermahnen, sich ihrer armen Verwandten anzunehmen. Aber dies alles
nicht im befehlenden, sondern im ermahnenden Tone. I, vi und V.vni
§ 3 S. 167; V, XI § 6 S. 175; V, xiii § 7 S. 179.
Neben dieser nachdriicklichen Empfehlung des friedlichen Ver-
gleiches streitender Parteien wird ein weiteres Verfahren erwahnt, das
als turrasa, d. i. als rectificatio, correctio bezeichnet ist; 1, xiii. Wenn
z. B. zvvei rite verlobte Personen ihre Verlobung auflosen oder eine Frau,
deren Ehemann verschollen ist, iiber die gesetzliche Frist hinaus nicht
langer auf ihn warten will, dann laBt ihnen der Richter eine turrasa
zuteil werden, indem er sie auffordert, in jenem Fall die Verlobung auf-
rechtzuhalten, in diesem auch iiber die Wartefrist hinaus dem ver-
schollenen Gemahi die Ehe zu wahren, damit sie den hochsten Idealen
christlicher Gesinnung nahekoinmen sollen. Ili,ii §1 S. 79; III, ix S. 85.
Eine dritte Art der Entscheidung strittiger Fragen, die Jesubocht
enipfiehlt, findet nicht statt nach dem Gesetze, sondern 2«So\JC>a %*^k*0'l
otier JS^ivJGXfNSL^, d. i. via administrationis. Dies Verfahren kommt
hauptsachlich im Obligationenrecht bei Schuld und Pfand in Anwendung,
in solchen Fallen, wo eine gesetzliche Norm nicht vorhanden, daher eine
Entscheidung ex aequo et bono zu treffen ist, wie z. B. bei der Frage,
wieviel dem zahlungsunfahigen Schuldner von seiner der Pfandung ver-
fallenen Habe fiir seinen Lebensunterhalt belassen werden muB. V, vi
§ 1 S. 151; § 5 S. 153; V, vn § 2 S. 155; § 8 S. 159.
Auf Entscheidungen nach dem lokalen Usus ist bereits oben S. XI
hingewiesen.
Es ist aulkrordentlich zu beklagen, dalJ das Werk Jesubochts uns
nicht voilstandig erhalten, dal5 in der einzigen Handschrift, der wir es
entnehmen, von den sechs Biichern das sechste am Ende unvollstandig
ist, daB von den 13 Kapitein desseiben das sechste (iiber den Eid) des
Schlusses ermangelt und die Kapitel 7 — 13 (iiber itpofka-iila, iiber Ver-
gehen und Streitsucht gegen die Gerichte, iiber den Lohn der Lohn-
arbeiter, iiber Biirgschaft, iiber Verteidigung [vor Gericht?], iiber Brunnen,
Kanale, StraBen, Briicken, Palmbaume, Weinpflanzungen und ahnliches,
iiber das, was zur Beeintrachtigung und Schiidigung eines Menschen
getan wird) ganzlich fehlen. Und daB diese Teile sclion im .Altertum
verlorengegangen (etwa schon vor dem 11. Jahrhundert), mochte ich dar-
aus schlieBen, daB in den spateren Sammelwerken und arabischen Uber-
— XV —
setzungen mir bisher nicht die geringste Spur von diesen Kapitein, auch
nicht ein einziges Zitat aus ihnen entgegengetreten ist. Sollte diese An-
nahtne sich bestatigen, so inussen wir ferner init der Moglichkeit rechnen,
daB die handschriftliche Oberlieferung unseres Corpus juris bis in die
genannten Zeiten auf eine einzige Handschrift (diejenige der Patriarchats-
kanziei?') zuriici<geht, und daher die Hoffiiung auf Wiedergewinnung
der fehlenden Teile durcli Auffindung einer zweiten Handschrift recht
gering sein diirfte.
Von dem syrischen Obersetzer des persischen Originals ist weiter
nichts bekannt, als daB er seine Arbeit auf Veranlassung des Patriarchen
Timothcos tmternahm und daB zur Zeit, als er schrieb, der Verfasser,
Jesubocht, nicht mehr unter den Lebenden weilte. Wir diirfen daher
seine Lebenszeit etwa urn das Jahr SOO ansetzen. Er auBert sich in der
Einleitung S. 3 iiber die besondere Schwierigkeit seiner Aufgabe. GewiB
mit Recht. Mag seine Vorlage mit syrischen oder Pehlewibuchstaben
geschrieben gewesen sein, es war auBerordentlich schwierig, aus einer
indogermanischen Sprache in eine semitische Spraclie ein Rechtsbuch
mit sorgfaltig gefeiltem Ausdruck zu iibertragen und fiir die oft recht
komplizierten Gedankengange, z. B. im Obligationenrecht. einen ent-
sprechenden, allgemein verstandlichen Ausdruck zu finden. DaB ihm
dies meisterhaft gelungen ist, muB dankbar anerkannt werden, meister-
haft bis zu dem Grade, daB ich kein einziges Werk aus der mir bekannten
orientalischen Obersetzungsliteratur dem seinigen an die Seite stellen
mochte. Er hat durch seine Kunst ein iniialfreiches Werk einer ganzlich
verschollenen Literatur, das einzige Denkmal derselben, uns erhalten.
Es mag sein, daB es ihm hier und da, an wenigen Stellen nicht gelungen
ist, den Inhalt seiner Vorlage vollstandig auszuschopfen oder ganz genau
wiederzugeben (s. Anmerkungen zu S. 163, 54; 191,5; 193,6); dabei ist
aber immer auch mit der Moglichkeit zu rechnen, daB sich in der hand-
schriftlichen Oberlieferung des Textes irgendein Fehler verbirgt.
Jesubochts Werk ist von den spateren Sammlern und Kompilatoren
vie! benutzt worden. Bekannt sind die von dem Nisibener Bischof Ebed-
jesu Bar Berikha (f 1318) seiner CoUectio canonum synodicorum ein-
verleibten Stiicke-. AuBer ihm konnnen besonders die folgenden Per-
sonen in Betracht:
' Vgl. was G. E Khajjath, Syri orientales, Rom 1870, S. 122 uber die
romische Handschrift sagt: descriptuni Mausiili — ex antiqiio codice jam ad
Patriarcharum Ellarum famlliam pertinente.
- Uber Ebedjesiis Zla>SX^ lA*? JOiA(k\, s. welter iinten S. XXVIII.
— XVI —
1. Erzbischof Ebedjesu Bar Bahriz um 1028,
2. der Patriarch Elias I. Gedanensis (1028 — 1049), und
3. sein Sekretar Abulfarag Abdaliah Ibn Altajjib (f 1043).
Der erstere soli eine Schrift iiher Erbrecht geschrieben haben, die niclit
eriiaiten zu sein scheint.
Patriarch Elias I. iiat wahrscheiniich in arabischer Sprache ein
groBes juristisches Sammelwerk verfaBt, das hauptsachlich in der Be-
arbeitung eines Nisibener Bischofs Elias Bar Sina unter dam Titel Vier
Biicher Canones verbreitet worden zu sein scheint.
Der dritte, Ibn Altajjib hat ebenfalls ein juristisches Sammelwerk
in arabischer Sprache verfaBt. Vgl. Syrisch-romisches Rechtsbuch aus
dem fiinften Jahrhundert, von Bruns und Sachau (S. 176. 177).
Was nun die arabischen Ubersetzungen des Corpus von Jesubocht
betrifft, so sind zwei zu unterscheiden, Arabs 1 und Arabs II. Mit Arabs I
ist diejenige Ubersetzung bezeichnet, welche sich in dem groBen juristi-
schen Sammelband der vatikanischen Bibliothek Codex Arab. 153 auf
Bl. 81 — Ql befindet, leider nicht vollstandig. Es fehlen der Anfang von
Buch I und die Biicher V und VI vollstandig (s. Anmerkungen S. 2Q3.
319). In dem vatikanischen Handschriftenkatalog (Mai, Scriptorum ve-
terum nova collectio, toni. IV S. 290) ist dies Werk des Jesubocht nicht
erkannt.
Mit Arabs II habe ich den SchluBteil derselben romischen Hand-
schrift, Bl. 149 — 222, eine wilde, ungeordnete und vielfach stark bescha-
digte Masse von Blattern bezeichnet, deren Wesen und Bedeutung in
dem genannten Katalog (S. 291 unter Nr. 21 Collectanea juridica usw.)
ebenfalls nicht richtig erkannt ist. Es ist ein inhaltreiches Sammelwerk
iiber die gesamte syrisch-nestorianische Rechtswissenschaft, aus der Fiille
der Literatur geschopft und fortgefuhrt bis zu der Zeit des Verfassers.
Den Namen desselben finde ich auf diesen Blattern nicht, mochte aber
auf folgende Notiz des Katalogverfassers (S. 291) hinweisen: Is codex
paulo post autoris ben-Attibi obitum (qui anno Oraecorum 1355. Christi
1043, mense octobri exeunte contigit Ar.) videtur exaratus. Wir diirften
demnach in diesem Sammelbande ein Werk des auch anderweitig um
die Rechtsliteratur verdienten Patriarchatssekretars Ibn Altajjib vor uns
haben, etwa dasjenige, das den Titel i^i _aJ| <ij Jurisprudenzdes
Christentums trug. Die ganze Sammlung besteht in der Hauptsache
aus Zitaten aus alteren Rechtskodizes. Diejenigen Autoren, die am
haufigsten zitiert sind, sind folgende: Reges, d. i. Leges Constantini Theo-
dosii Leonis; Jesubocht und Simeon Persae; Timotheos und Jesubarnun
patriarchae; Ebedjesu Bar Bahriz, Erzbischof von Mosul (um 1028); femer
_ XVII —
einzeln Mar Abha (f 552) '^L.J\\ DadhiSo (urn 424); Mar Isaak (urn 410);
ISo'jabh Catholicus (urn 585), Canones; Marutlias (iini 410); Dionysius
(urn 500); Henaniso (f 701) JiL.J\; Mar SabhriSo', Catholicus von Da-
maskus (t836); Joliannes der Lahme (fQOS); Qeorgius Catholicus (um
676); Hizkiel Catholicus (um 576); Johannes der Aussatzige (um 694); Surin
(um 754); Joseph (um 554); Narsai (524 — 539); Elisa (524 — 539); Alex-
ander, Bischof von Jerusalem; Theodosius (f 858). Dies grol5e Sammel-
werk der vatikanischen Handschrift ist ieider nicht vollstandig, cs wiirde
aber auch so, soweit es erhalten ist, eine wertvolle, sehr empfehlenswerte
Quelle fiir das Studium der syrischen Rechtsliteratur sein, wenn es ge-
lange, die urspriiiigliche Ordiuing der Blatter wieder herzustellen. Ich
habe aus diesem Sammelband die Zitate aus Jesubochts Werk heraus-
gesucht und in meinen Anmerkungen verwertet.
Die beiden arabischen Versionen Arabs I und Arabs II sind von-
einander verschieden, und zwar scheint niir die letztere gewisseuiiafter
gemacht zu sein als die erstere. Wenn also Arabs II vielleicht von Ibn
Eltajjib herriihrt, kann moglicherweise Arabs I der Sammiung seines
Zeitgenossen, des Patriarchen Elias i. Gedanensis entstammen. Der Oe-
wiim fiir die Feststellung des syrischen Textes aus diesen beiden Ober-
setzungen ist nicht so groH, wie man wohl erwarten mochte.
II.
Simeon.
Uber den Ursprung des kleinen Rechtsspiegels von Simeon tiber
Erbrecht ' sind vvir noch weniger unterrichtet als fiber denjenigen des
Corpus juris von Jesubocht. An dem Zustandekonunen des Werkes in
der vorliegenden Form waren vier Personen beteiligt:
1. der Verfasser des persischen Originalwerkes;
2. diejenige Person, welche diesen zur Abfassung seines Werkes
aufgefordert hat;
3. der Verfasser der syrischen Obersetzung;
4. diejenige Person, welche den letzteren zur Abfassung der
syrischen Obersetzung aufgefordert hat.
Der Obersetzer wird in der Uberschrift ohne Nennung seines Namens
als ein Kleriker aus dem Katariierlande, d. i. dem christlichen Ostarabien
in der Gegend von Bahrain bezeichnet. Die ostarabische Kirche stand
in vieifachen Beziehungen zur persischen, ostarabische Bischofe wurden
■ Zum groBten Teil bereits in einer Breslauer Doktordissertation von
Ad. Riicker, Die Canones des Simeon von Revardasir, 1908, Veroffentlicht.
Sachau, Syrische Rechtsbuclier III. b
— XVIII —
von persischen Bischofen oder vom Erzbischof tier persischen Kirche
geweiht, und beide Landeskirchen begegneten sich in der Opposition
gegen lias Patriarchat von Seleukia-Kokhe. Beiden Kirchen aber war
iirspriinglicii das Christentuni literarisch durch die syrische Sprache ver-
mitteit, und so ist es nicht verwiinderlich, daB ein ostarabischer Kieriker
beide Sprachen, das Syrisciie vvie das Persische, kennt. Er klagt fiber
die Sclnvierigkeit seiner Aufgabe (S. 210) alinlich wie der Obersetzer des
Jesubocht. Er ist einnial in der Nahe des Mannes, der iiin zu seiner
Arbeit angeregt hat, gewesen, als dieser ihm meiirere persische Schriften
zum Ubersetzen in das Syrische ubergab, sagt aber nicht, wo dies ge-
schehen ist (S. 210, 5).
Seinen Auftraggeber nennt er Mar Simeon, Priester und Lehrer
(S. 208, 4) und verherrliclit iiui in einer so iiberschwanghchen Weise,
daB man ihn fiir einen Bischof oder Erzbischof halten mochte, indessen
auf einen solchen ist der Titel Priester und Lehrer' nicht anwendbar.
Wir wcrden uns dahin bescheiden miissen, uns unter diesem Simeon
einen angesehenen Oeistlichen im syrischen Sprachgebiet (Susiana, Me-
sene oder Babylonien) zu denken, der ein Interesse daran hatte, das in
der Persis geltende Erbrecht kennenzulernen, in dieser Hinsicht also eine
ahnliche Stellung einnahm wie zu anderer Zeit der Patriarch Timotheos,
als er die syrische Ubersetzung des persischen Corpus juris von Jesu-
bocht anfertigen lieB (s. oben S. VII).
Der Verfasser des persischen Originals wird ebenfalls Simeon, nam-
lich Mar Simeon, Bischof-Metropolit von Rew-Ardasir genannt, und zwar
in der Oberschrift und in der Nachschrift, wiihrend in der Schrift selbst
sich keine auf ihn beziigliche Erwahnung findet. Diesem Simeon sind
von einer Person, die er Deine Heiligkeit anredet, 22 Fragen aus
dem Erbrecht schriftlich vorgelegt worden. Der Beantwortung derselben
schickt Simeon eine Einleifung von mehreren Kapitein allgemeinen In-
halts iiber die Quelle des Rechts unter den Christen voraus. Wer war
nun dieser Erzbischof Simeon? wann lebte er? und in welchem Ver-
haltnis stand er zu dem Verfasser des persischen Corpus juris, Jesubocht?
Die literarische Oberlieferung der Syrer, vertreten durch Ebedjesu
Bar Berikha (f 1318), gibt uns keine Antwort auf diese Frage. Er hat
' Die Stellung des Lehrers, Doktors ,^ » '^ ^*** gehort nicht zu den
kanonischen Qraden der Hierarchie. Der Biograph des Patriarchen Mar Ablia
erzahlt folgendes (ed. Bedjan S. 217): Abba studierte in Nisibis zusammen mit
Ma'na. Letzterer wird Bischof von Arzanene. Abba ziebt nun mit ihm dort-
bin und wird betraut mit dem Grade des Dokorats ItSOJ^^LAMS ^^^?
in Arzanene, bekebrt viele Haretiker zum wahren Olauben. Naeh einiger Zeit
geht er zuriick nach Nisibis.
— XIX —
das Werk Simeons gekaiint iintl wahrscheinlicli vor sich gehabl, hat
mancherlei Aiisziige daraus in seine Schriften iibertragen, und vermut-
lich auch die Zitate aus unserem Simeon, die in den Sammelwerken der
Renaissanceperiode vorkamen, gekannt. Dagegen irgendetwas Biogra-
phisches fiber ihn erfahren win durch Ebedjesn nicht. Ferner gibt auch
die Reihenfolge, in der Ebedjesu unter seinen Quelien Simeon und Jesu-
bocht anfiihrt, keine Auskiinft iiber ihr zeifiiciies Verhaitnis zu einander.
Denn im Tractatus S. 54 Kol. 2 nennt Ebedjesu den Jesubocht vor
Simeon, dagegen umgekehrt den Simeon vor Jesubocht im Catalogus,
Assemani III S. 279 und im Tukkasa bei Chabot, Synodicon S. 611. Diese
letztere Reihenfolge hat auch Eiias von Nisibis im Tractatus S. 55 Kol. 2.
Bei dem voiligen Versagen der Oberlieferung miissen wir uns dem Inhalt
des Werkes zuwenden, um zu prufen, ob es uns etwas iiber seinen Autor
und dessen Zeit zu lehren vermag.
Der Verfasser Simeon auBert sicli nicht fiber die literarischen
Quelien seines Wissens. Nur gelegentlich beruft er sich auf Theodorus
von Mopsueste (t 428) auf S. 230, 15; 232,20; 244,26 (auf den Kom-
mentar zum Romerbrief); je einmal auf das Konzil des Patriarchen Eze-
chiel voiu Jahre 576 auf S. 244, 9 und auf dasjenige des Patriarchen
Jesujabh I. voni Jahre 587 auf S. 250 § 20. Unser Autor muf5 also nach
dem Jahre 587 gelebt haben. Weiteres und mehr positives durfte
seinem Werkchen selbst nicht entnommen werden konnen.
Man hat nun bisher vermutet', dal5 der Verfasser dieses Rechts-
spiegels, Erzbischof Simeon von Rew-Ardasir, identisch sei mit dem ein-
zigen anderen Erzbischof Simeon von Rew-ArdaSir, von dem wir Nach-
richt haben und der dadurch bekannt geworden ist, dal5 der Patriarch
Jesujabh III. Briefe an ihn richtete, die Briefe XIV und XVI seiner Samm-
lung (s. Duval, Isoyabh Patriarchae III. liber epistularum, Paris 1905,
S. 179. 185, auch S. 200). Wenn also unser Simeon mit dem Zeitgenossen
des Patriarchen Jesujabh III. identisch ware, dann ware seine Zeit durch
die Regierungszeit dieses Patriarchen von 647 — 658 festgelegt, und unser
Erbrechtslehrer Simeon ware dann niehr ais 100 Jahre alter als der Ver-
fasser des Corpus Juris, Jesubocht (um 775—779).
Ich kann mich dieser Ansichf nicht anschlieBen, wenn ich auch
von vornherein bekenne, da(J ich sie nicht mit positiven Tatsachen be-
kampfen kann. Man setzt den Erbrechtslehrer und Erzbischof Simeon,
dessen Zeit ganzlich unbekannt ist, nur deshalb einem anderen Erzbischof
desselben Namens und derselben Diozese gleich, weil zufallig ein solcher
' Assemani, Bibliotheca orientalis 111,704; Duval, La litterature Syriaque
S. 181; Riicker, a. a. O. S. 18.
— XX —
in der Korrespondenz eines Patriarchen des T.Jahrhunderfs erwahnt wird,
walirend es doch auf demselben Erzbistumsthrone vorher und nachher
vicle Sirneone gegeben liabeii kann. 1st doch die Reihe der Namen der
Erzbischufe von Rew-ArdaSir iins niclit vollstaiidig uberliefert '. Was es
mir aber im besonderen bedenklich erscheinen laBt, unseren Simeon in
die Zeit 647— 658, also vorjesubocht zu setzen, ist folgender Umstand.
Jesiiboclit, ebenfalls Erzbiscliof von Rew-ArdaSir, sajjt in der Einlcitung
seines Corpus juris, S. 11,4. 5, da(S die biirgerlichen Gesefze, die in der
persischen Christenwelt galten, vor seiner Zeit noch nicht auf-
gezeichnet war en. Es Jiat nun doch etwas recht bedenkliches, an-
zunehmen, dafi Jesubocht, weiin einer seiner Vorganger im Amte bereits
ein sclirifti iches Erbrccht iiinterlassen hatte, dies cntweder nicht ge-
kannt oder absichtiich ignoriert haben sollte. Ich neige daher zu der
Annahme, daB Simeon jiinger ist als Jesubocht, nach ihm geschrieben hat.
Auch der folgende Umstand scheint mir beachtenswert. Jesubocht
kanipft leidenschaftlicii gegen die Lelire Zoroasters und ihre in das christ-
liche Familienleben ausstrahienden Wirkungen, speziell in seinem Erb-
recht Buch IV, i § 5 S. Q7ff., wahrend Simeon in seinem Erbrecht den
Zoroastrianismus nicht oder nicht mehr miteinem Worte erwahnt ^ Auch
dies scheint mir auf eine jiingere Zeit, auf die Zeit nach Jesubocht
hinzudeuten, als die Zoroastrier unter dem Ansturm des Islanis schon
so bedeutungslos geworden waren, dafi Simeon nicht mehr Veranlassung
fand, sich mit ihren Theorien und Gesetzen zu beschaftigen und etwaige
Brauche seiner Zeit auf ihren magischen Ursprung zuriickzufiihren.
Wenn ich daher geneigt bin, Simeon der Zeit nach Jesubocht,
also nach 775 — 779, zuzuweisen, so mochte ich anderseits keinen be-
sonders groBen Zeitrauni zwischen diesen beiden Mannern annehmen.
Denn die Gedanken, welche Simeon in seiner Einleitung, seinen Insti-
tutionen auf S. 212— 234 iiber die Quellen des cliristlichen biirgerlichen
Reclits, iiber ihr Verhjiltnis zum mosaischen Recht und iiber das Wesen
der christlichen Tradition entwickelt, sind ganz dieselben wie bei Jesu-
bocht. Nun konnen zwar diese Ideen aus dem Werke des einen in das-
jenige des anderen iibertragen worden sein, ich halte es aber bei der
grolkn Obereinstimmung in den Gedanken und der vullig verschicdenen
Form der Darstellung fiir wahrscheinlicher, dafi wir hierin im groBen
und ganzen die Vorstellungen eines und desselben Zeitalters zu erkennen
haben. Es mag dahingestellt bleibcn, ob die Untersuchung des juristi-
' Unter die im Synodicon genannten s. Chabot S. 681.
'^ Von pesend, bihdadhastani, abasakhuni, dudagsalari und anderen Ent-
lehnungen aus dem Zoroastrianismus, die bei Jesubocht vorkommen (s. oben
S. XII), ist bei Simeon mit keinem Wort die Rede.
— XXI —
schen Inhalts unseres Spiegels und die Vergleichung desselben mit ver-
wandten Materialien von seiten beriifener Rechtshistoriker vveitere Indizien
iiber Ursprung und Alter desselben ergeben werden; ich meinerseits
kann mich nur dahin aussprechen, daB ich das Werk Simeons fur eine
Gelegenheitsschrift halte, in der der Erzbischof der Persis einem Bischof
seiner Diozese auf dessen Fragen iiber die Hauptelemente des Erbrechts
bundigen und verstandigen Bescheid gibt, und daB sie nach Jesubocht
(um 775—779), aber in einem nicht zu weiten Zeitabstande von ihm
verfaBt worden ist Zu weiterer Charakteristik seiner Methode und Lelire
mag die folgende Darlegung dienen.
Fur Simeon ist die allein maBgebende Quelle alles christlichen
Rechts die 2JSot'oVt'f>, d. i. die Oberlieferung der Vater (vgl. Jesu-
bocht S. 11,2), die er durch das Neue Testament auf den Messias, durch
das Alte auf Moses zuruckfiihrt. Er verteidigt sie gegen die judische
Auffassung von der alleinigen Rechtsverbindlichkeit des mosaischen Ge-
setzes (vgl. Jesubocht S. 45 ff. Kap. VII) und weist darauf hin, daB letzteres
durch den Messias eine ganz andere Bestimmung bekommen habe, daB
der Messias nicht erschienen sei, um burgerliche Gesetze fiber Mein und
Dein zu geben, daB er vielmehr das Idealgesetz gegeben, das alien anderen
menschlichen Dingen zur Richtschnur dienen miisse (ebenso Jesubocht
S. 17 Kap. X). Auf den Einwand der Gegner, daB die christlichen Ge-
setze in verschiedenen Christenlandern differieren (s. Jesubocht S. 21
Kap. Xni), erklart er seiche Verschiedenheiten in weltlichen Rechtsfragen
fur irrelevant gegenuber dem Idealgesetz des Evangeliums, jedenfalls fur
nicht wesentlicher als einzelne Verschiedenheiten in den gottesdienstlichen
Gebrauchen (S. 232).
Von solchen differierenden Ansichten innerhalb des christlichen
Rechtes spricht Simeon an zwei Stellen, einmal in § 11, betreffend die
Frage der Aufnahme eines befreiten Sklaven in den Klerus (S. 244, 15),
und in § 15, betreffend die Fragen, ob die verheiratete Schwester neben
der Mutter und den rechten Brudern zur Erbschaft berufen werden soil,
und ob die Mutter ihren Sohn neben dessen Brudern beerbt oder nicht
(S. 246, 28; 248,12). Charakteristisch fiir Simeons Spiegel ist die be-
sonders nachdriJckliche Vertretung des erbrechtlichen Interesses der
Wit we, denn von den 22 Paragraphen der Schrift sind allein sechs,
die §§ 1. 3. 4. 5. 9. 19 lediglich diesem Gegenstande gewidmet. Vielleicht
war sein Interesse gerade fur die Verteidigung und Sicherung der Witwe
im Erbrecht durch solche provinzielle Sitten wachgerufen, welche Jesu-
barnun im § 27 seines Rechtsbuches (s. Band II dieser Rechtsbucher
S. 167) berichtet, nach denen z. B. in Westbabylonien, in Hira, die Wieder-
verheiratung der Witwen verboten zu werden pflegte. In dem Zusammen-
— XXII —
hang der erbrechtlichen Stellung der Witwe spricht Simeon auf S. 238,26
von Heiden .?*\.i>«. und beliaiiplet, dali bei ihnen ein ehebrecherisches
und Iiurerisches Weib niclit veraclitet werde. Da dies von Muslims und
Zoroastriern niclit gelten kanii, ist niclit rccht zu erselicn, wen er mit
diesen Heiden nieint (vgl. jedoch S. 259, 38). An einer anderen Stelle, wo er
vom Heidentum spricht (S. 248, 36), kann der Islam darunter verstanden
werden. Nicht ersichtlich ist ferner, wen Simeon mit dem Ausdrtick
judices exteri S. 246,39 bezeichnet. Vgl. die Anmerkung zu der Stelle
hier S. 358 und Riicker, a. a. O. S. 53. Wenn man den materiellen Inhalt
des Simeonschen Erbrechts mit demjenigen Jesubochts im Buch IV seines
Corpus juris vergleicht, ergibt sich sofort eine weitgehende Oberein-
stimmung in alien Hauptsachen, daneben aber treten Besonderheiten auf,
die es nach meiner Ansicht als ausgeschlossen erscheinen lassen, Simeons
Schrift lediglich als einen Auszug aus dem groBeren Werke Jesubochts
Oder etwa als eine Erganzung dazu anzusehen. So lehrt z. B. Simeon in
§ 1, daB die Witwe ihren kindcrlosen Oeniahl allein und unter AusschluB
seiner Geschwister beerbt. Und dies ist gerade derjenige Satz des Erb-
rechts, den Jesubocht S. 99, 40 ff. bekampft, denn nach ihni erbt die Witwe
luir die eine Halfte des Nachlasses ihres Gemahls, wahrend die andere
Halfte seiiiem Blutsverwandten zufallt (s. S. 103 Abs. f und g). Die Dar-
stellung Simeons ist durchweg diejenige eines weltlichen Juristen, nir-
gendwo tritt bei ihm ein kirchliches Sonderinteresse hervor, audi nicht
bei der Erwahnung frommer Stiftungen (S. 238, 2), wo ein minder objek-
tiver Geist hatte versucht sein konnen, das Interesse der Kirche etwas
mehr hervortreten zu lassen.
Das Schriftchen Simeons ist von den spateren Sammlern und Ex-
zerptoren in gleicher Weise wie das Corpus juris Jesubochts benutzf
(s. oben S. XV ff.). Von einer arabischen Ubersetzung finden sich in dem
auf S. XVI erwahnten Codex arabicus 153 der vatikanischen Bibliothek
einige zerstreute Reste.
Mar Abha.
Die Schrift, welche ich an dritter Stelle diesem Bande einverleibt
habe, ist die kleinste, inhaltlich am wenigsten ergiebige, aber dadurch
beachtenswert, dali sie alter ist als das Corpus juris von Jesubocht und
das Erbrecht von Simeon, und daB sie von eineni Manne herriihrt, der
in der Oeschichte seiner Zeit und seines Volkes als Patriarcli eine
groBe RoUe gespielt hat. Der kleine Traktat Mar Ablias iiber Ehe-
recht ist das alteste Spezimen, der alteste Versuch rein juristischer Lite-
ratur ini cliristlichcn Orient, von dem wir zur Zeit Kenntnis haben.
— XXIII —
etwas ursprunglich in der Form, aber grundlegend fiir die Einrichtung
des burgerlichen Lebens nach christlichen Grundsatzen, in der Haupt-
sache ein Kommentar zu den Ehehindernissen des mosaischen Gesetzes
in Leviticus 18 und den verwandten strafrechtlichen Bestinimungen in
Leviticus 20, 10 — 21. Zwar hatte das Christentum aus seiner antiocheni-
schen Heimat eine Sammlung romischer Rcciitssatze mitgebracht, diese
aber geniigten nicht, um dem Leben seiner Bekenner die spezifiscli christ-
liche Rechtsgrundlage zu geben. Dazu bedurfte es einer Erganzung und
Anderung aus den Quellen christiicher Erkenntnis. Und wie das Christen-
tum aus dem SchoBe des Judentums erwaclisen war, so geht der erste
Versuch einer Reciitsiehre vom mosaischen Rechte aus, zuglcich aber
diejenigen Punkte hervorhebend und ausfiihrend, durch welche die
evangeiische Lehre sich von der mosaischen unterscheidet. Erst nach-
dem die schweren Verfojgungszeiten im vierten Jahrhundert unter Sapor II.
(309 — 379) iiberstanden waren und die Christenwelt durch die Verfassung
von 410 zu einer Einheit zusammengeschlossen war, setzte eine gesetz-
geberische Tatigkeit in groBerem MaBe, ausgeiibt durch die Konzilien
der Jahre 420, 424, 484, 486, 497 ein, in erster Linie dem Ausbau und der
Befestigung der Episkopaiverfassung gewidmet, wahrend Bestinimungen
uber burgerliches Recht nur ganz sporadisch auftraten. Von alien Ge-
bieten des ietzteren lag den geistigen Fuhrern des Volkes keines so sehr
am Herzen als das Eherecht, und im folgenden Jahrhundert, in der Zeit
des gToBen Chosroes Anuschirwan (531 — 578) tritt dann unser Mar Abha
in seinen Kampfen fur christiiches Wesen gegen die magischen Priester
und Beamten des Reiches zuerst mit einer Monographic iiber Eherecht
hervor, um die christliche Ehe rein darzustellen und alle diejenigen Ele-
mente auszusondern, die ihr aus judischen, magischen und heidnischen
Kreisen, aus denen sie hervorgegangen war, noch anhafteten. Ausfiihr-
iiche Darstellungen des Eherechts folgen dann erst mehr als zwei Jahr-
hunderte spater in islamischen Zeiten unter den alteren Abbasidenkalifen,
diejenigen des Jesubocht und der Patriarchen Timotheos und Jesubarnun.
Mar (d. i. Monsignore) Abha war Patriarch von 539 — 552. Was
wir iiber ihn wissen ', geht in der Hauptsache auf eine inhaltreiche Bio-
graphic zuriick, welche Bedjan, Histoire des Mar-Jabalaha, de trois autres
patriarches usw., Paris-Leipzig 1895, auf S. 206—274 veroffentlicht hat=.
' Siehe O. Braun, Buch des Synhados S. 93— 97; Chabot, Synodicon
S. 318 Anm. 1 und Labourt, Christianisme dans I'empire Perse S. 163— 191.
= Uber den Namen des Patriarchen Abha, d. i. Vater spricht sich der
Biograph S. 209 in folgender Weise aus: er, dem der Name wie durch eine
prophetische Voraussicht gegeben war, denn sein Name war Abha (-; Vater),
und ein Vater war er alter Christen usw.«
— XXIV —
Diese Schrift ist vielleicht nicht lange nach dem Tode Mar Abhas ver-
faBt, jedenfalls aber noch in sasanidischer Zeit, denn sie gibt so viele
Titel von sasanidisclien Rcichsbeamten, die fiir cincn im Islam schrei-
benden Biographen unverstandlicli iind ohne Interesse waren.
Abha war aus dem Heidentum hervorgegangen. Im Dienst eines
sasanidischen Beamten tatig wind er Christ, getauft im babylonischen
Orte Akkad, verlaBt dann seinen Herrn und geht nach der damaligen
Hochschule der ostlichen Christenwelt Nisibis, urn sich in die Wissen-
schaften des Christentums einfiihren zu lassen. Er vollendet seine Bildung
durch ausgedehnte Reisen nach Agypten, Athen, Korinth, Konstantinopei,
Antiochien, Edessa und zuriick nach Nisibis, sowie durch Umgang mit
hervorragenden Mannern. Wahrend seines Aufenthaits in ietzlerer Stadt
empfangt er durch Kuriere die Nachricht, dafi er ohne sein Wissen in
Seleucia zum Patriarchen erwahit worden ist.
Er ubernahm sein Amt unter den denkbar ungunstigsten und
schwierigsten Verhaltnissen. 15 Jahre iang, von 524 — 539, war die ganze
ostiiche Christenwelt unter derFiihrung der beiden einander bekampfenden
Patriarchen Elisa und Narses in zwei feindliche Lager zerrissen gewesen,
und seine Aufgabe war es nun, dies Schisma niederzukampfen und die
Einheit wieder herzustellen '. Eine unermiidliche Tatigkeit zu Hause wie
auf Reisen stellte er in den Dienst der heiiigen Sache. In der Nacht
beschaftigte er sich mit dem Schreiben von Briefen, die er im Interesse
der Kirchenverwaitung nach alien Landern schickte, am Tage bis zur
4. Stunde mit der Erklarung der heiiigen Schriften, und von der 4. Stunde
bis zum Abend saB er zu Gericht und schlichtete Streitigkeiten unter den
Christen und solche zwischen Heiden und Christen< (Vita S. 226). In den
ersten Jahren seines Patriarchats konnte er sich unbehindert seinem Amte
widmen, und in diese Zeit fallt seine Reise nach Mesene, Susiana und
der allzeit gcgen das Patriarchat aufsassigen Persis, dann aber begannen
die Schwierigkeiten mit der persischen Reichsregierung. Die zoroastri-
sche Geistlichkeit verklagte ihn bei dem Konig der Konige: »Der Catho-
likos Abha, das Oberhaupt der Christen, ziihlt Euch nicht zu den Konigen
und Herren, diese Eure glorreiche Herrschaft ehrt er nicht. .^Is er nach
der Persis und den siidlichen Provinzen Eures Reiches ging, empfing
man ihn (dort) mit groBen Ehren. Die Religion des Magismus, die von
Gott Horniizd gegeben ist und nach der Euer Reich regiert wird, stellt
er als etwas verachtliches hin, widerlegt und bekampft sie. Viele Magier
hat er zum Christentum bekehrt. Unsere Religion verkleinert er und
' Abha war mir durch ein kurzes, hochstens einjahriges Patriarchal des
Paulus von dem Schisma getrennt.
— XXV —
die seinige vergroBert er. Uns, die obersten der Magier, behandelt er
wie Luft. Kiirz, er ist ein Freund des romischen Kaisers und ein
Feind Eurer Herrschaft.'- Die Foige des so entzundeten Kampfes war,
daB Abha von den 13Jahren seines Patriarchats lOJahre in Ketten und
Banden verbrachte, teils in der Hauptstadt, mehr noch in Adlierbaigan
und an dem umiierziehenden Hofiager des Konigs, wiederholf dem
Martyrertode nahe, immer wieder gerettet, und dies wohl niciit ohne
das Verdienst des GroBkonigs. Oegen Ende des Lebens erlangte er
wieder seine Freiheit, starb im Jahre 552 und wurde beigesetzt in der
Patriarchatskirche zu Kokhe-Seleucia.
Die Lebensaufgahe Ablias war eine doppelte: die Wiedervereinigung
der cliristiichen Kirche und Nation nacli langer, kampfcreicher Spaltung
und die Reinigung des biirgerlichen Lebens, besonders des Eiielebens,
das unter der Einwirkung der miteinander urn die Macht ringenden
Parteien sich von dem christlichen Ideal vielfach wcit entfernt zu liaben
scheint. Er unternahm weite Reisen um die Gemeindeu zu visitieren,
und diejenigen Kleriker, welche wahrend des Schismas ohne die richtige
apostolische Weihe angestelit waren, zu gntfernen uiui tiiircii solche,
denen er die Weihe gab, zu ersetzen. Speziell iiber seine Reise nach
Mesene, Susiana und der Persis haben wir seinen authentischen Bericht.
Und wahrend der Zeit seiner Gefangensciiaft wirkte er in gleicheni Sinne
durch seine Korrespondenz, wie es scheint, iiberall mit durchschlagendem
Erfolg. Aber nicht aiiein die geistiichen Personaiien waren es, welche
seine reinigende Tatigkeit erforderten, sondern auch die Sitten der Geist-
lichkeit. Die Episkopalverfassung war stark denaturiert, die Reclite und
Pflichten der einzelnen Kleriker voni Erzbischof bis zum eiufaciien
Priester in den Verhaltnissen zu ihrer Gemeinde wie unter einander waren
nach nienschlicher Willkiir geinodeit worden. Audi hicr niuBte ein-
gegriffen, das kanonische Recht der Kirche in Erinncrung gebracht, der
Gehorsam gegen dasselbe in aller Scharfe gefordert werden.
Neben der Reform der Geistlichkeit und ihrer Sitten kampft unser
Patriarch gegen die unchristlichen Sitten, die wahrend des Schismas in
das Leben der Laien, besonders in das Eheleben eingedrungen waren,
die Inzestehe und Bigamie persischen Ursjirungs und die Leviratsehe
judischen Ursprungs. Er befahl, dal5 niemand das Weib seines Vaters,
seine Schwiegertochter, das Weib seines Onkels (Vaterbruders), zwei
Weiber zugleich heiraten solle. Wer es tue, solle von der Kirche aus-
geschlossen sein. Wegen dieses Eingriffs in die Landessitten vor den
persischen Behorden verklagt, steiien diese ihm das folgende Verlangen :
(•LaB die Manner, welche vor deinem Patriarchal solche Weiber ge-
heiratel haben, und die Weiber, welche die Frauen solcher Manner ge-
— XXVI —
worden sind, in die Kirche kommen, da sie dies docli nicht zu deiner
Zeit getan liaben.< Der Patriarch weigert sich. Die Magier stcllen ilim
weiter die Frage, ob er dem Grolikonige gehorciien odcr cvcntueli, vvenn
seine Religion etwas Anderes von ihni verlange, deni Konige den Oe-
horsam versagen werde, worauf Abha zunachst eine ausweichende Ant-
wort gibt, dann aber auf weiteres Drangen der Gegner erklart, man
miisse Gott mehr gehorchen als den Menschen (Vita S. 235—237). Nach
einiger Zeit werden ihni in eincr scliriftlichcn Urkunde' vier Forderungen
gestellt, deren Annahme durch seine Unterschrift die gegen ihn ein-
geleitete Untersuchung aufheben werde:
1. Er solie nicht diejenigen, welche mit den Frauen ihrer Vater,
ihren Schwestern, Schwiegertochtern und anderen Weiliern,
welche er perhorresziere, verheiratet seien, aus der Kirche
ausschlieBen.
2. Er solle nicht Gericht (in biirgerlichen Streitfragen) halten.
3. Er solle nicht Magier und Heiden zum Christentum hcruber-
ziehen.
4. Er solle nicht den Christen verbieten von deni Fleisch zu
essen, iiber welches der Segen nach zoroastrischem Ritus
gesprochen sei (a. a. O. S. 238).
Abha weigert sich die geforderte Erklaning zu geben, und daniit be-
ginnt die Verfoigung, die in der Hauptsache bis gegen das Ende seines
Lebens anhielt. SchlieBlich wurde ihm gestattet zu wohnen, wo er wolle,
doch wie es scheint unter standiger Bewachung eines Polizisten (S. 26Q,
10 — 12). Die eben genamiten Klagepunkte wurden in eineni anderen
Stadium der Verfoigung in folgender Weise formuliert:
1. Du wendest die Magier ab von dem Din (der Staatsreligion)
und machst sie zu Christen.
2. Du lassest deine Volksgenossen nicht so viele Weiber wie sie
wollen heiraten.
3. Das biirgerliche Gericht hast du den Magiern entrissen und
dir angeeignet.
4. Du warst ein Heide und bist erst neuerdings Christ geworden.
5. Oberall, wo du auch bist, machst du Bischofe, Priester und
Diakone und heilkst sie das Christentum zu verbreiten gleich
dir selbst (a. a. O. S. 254).
Allem dieseni Drangen zum Trotz erlal5t Abha das Gesetz, daB derjenige,
der in einer von ihm verbotenen Ehe (Perserehe, Schwagerinnenehe,
' Sie wird bezeichnet als 'Jj ^r— -^ - ''• '• Frageschrift.
— XXVII —
Leviratsehe und Ehe mit einer Nichtchristin) lebe, etwa infolge der Oe-
setzlosigkeit, die wahrend des Schismas eingerissen war, einen Monat
bis zu einem Jahr Bedenkzeit bekommen solle; wenn er bis dahin die
Ehe nicht lose, sei er von der Kirche ausgeschlossen, und zwar so lange,
bis er sie lose, er sowohl wie die Fran (Sendschreiben ed. Bedjan,
S. 282. 283) '.
Dies allgemeine, an Kleriker wie Laien gerichtete Verbot erieidet
nur eine einzige Ausnahme zugunsten derjenigen Laien, welche in der
judischen Leviratsehe oder der aus ihr hervorgegangenen Schwagerinnen-
ehe lebten. Und wenn auch der Kampf gegen diese Form der Ehe im
Leben unseres Patriarchen eine Rolle spielt, miissen wir wohl annehmen,
daB sie vielfach vorhanden gewesen ist, dal] aus den zahlreiclien jiidi-
schen Gemeinden Babyloniens und der Nachbarlander viele Familien
zum Christentum ubergetreten waren, die sich von der nach vaterlichem
Recht empfohlenen Sitte nicht trennen niochten. Gegen diese ist das
Auftreten des Patriarchen minder schroff, ja er bequemt sich sogar dazu
sie zu dulden. Diejenigen, welche in Unwissenheit der gottlichen Gesetze
ihre Bruderswitwe geheiratet haben, gar in dem Gedanken, daB dies sehr
verdienstlich sei, sollen ihre Ehe losen. Wenn ihnen das aber schwer
werde, weil sie schon lange verheiratet sind oder Kinder haben, dann
sollen beide Eheleute ein Jahr lang fasten, Gott um Vergebung bitten,
einen Teil ihrer Habe als Almosen geben und dann Absolution erhalten
(also in ihrer Ehe weiter leben ; a. a. O. S. 284. 285).
In dem vorliegenden Eherecht legt der Patriarch Abha in § 2 seine
Ansicht iiber die Perserehe, in § 1 1 uber die Leviratsehe dar. Das Ver-
bot der Ehe mit einer Nichtchristin ist hier nicht erwahnt, wohl aber
in einer anderen Schrift von ihm (be! Bedjan S. 281, 14; Chabot, Syno-
dicon S. 336, 1).
SchluBbemerkung.
Die Werke der beiden Erzbischofe der Persis, Jesubocht uikI
Simeon, sind der Handschrift Siriaco Borgiano nr. 81, das Eherecht
des Patriarchen Mar Abha der Handschrift Siriaco Borgiano nr. 82
der vatikanischen Bibliothek entnommen. Es ist das Verdienst des
Herrn P. Cersoy, zuerst auf diese wertvollen Kodizes durch seine Notiz
in der Zeitschrift fiir Assyriologie vom Jahre 1894, Band 9 S. 361ff.,
aufmerksam gemacht zu haben. Mit der Geschichte des erstgenannten
beschaftigt sich Dr. Ad. Rucker in Canones des Simeon von Revar-
daSir S. 9.
Siehe die Ubersetzung bei Chabot, Synodicon S. 332 ff.
— XXVIII —
Fiir den syrischen Text konnten auBer den Zitaten in dem bc-
kannten Tractatus von Ebedjesu (Mai, Scriptorum veterum nova colieclio,
Rom 1838, torn. X S. 1 — 331) die reichiichercn Zitate in eincm andercn
Werke Ebedjesus benutzt werden, das zuerst durch Herrn J. B. Chabot
in seineni Synodicon Orientate S. 609ff. bekanntgemacht worden ist.
ich bin Herrn Chabot zu groBem Dank verbunden, dafJ er mir dies in
seineni Privatbesitz bcfindliche Werk, betitelt ll-.? JC»aoJ^3 IKMX^
X^iisX^ fiir meine Arbeit auf unbeschriinkte Zeit zur \'erfiiji;ung
gestellt hat. Als ich es erhieit, war der Druck des Textes schon
dem AbschluB nahe, so daB ich mich daraiif beschranken muBte, die
Varianten dieser neuen Textqnelle in meinen Anmerkungen zu veroffent-
iichen.
Wie in Band I und II dieser Sammlung habe ich auch in diesem
III. und letzten Bande den Text nach der romischen Handschrift gegeben
und meine Verbesserungsvorschlage als Anmerkungen unter dem Text
hinzugefiigt. Der iiberlieferte Text ist nicht schlecht, wenn sich auch
vielleicht noch mehr Korruptelen unter der glatten Oberflache verbergen,'
als ich bemerkt habe und berichtigen konnte. Die Punktation und Inter-
punktion der romischen Handschrift ist verstandig, aber keineswegs fur
unsere Interpretation von bindender Auktoritat. Die Kapiteliiberschriften
und Anfange hat der Kopist hier und da niit Punkten iiberschwemmt,
deren Reproduktion im Druck mir entbehrlich schien. Es ware in hohem
MaBe wiinschenswert, daB weitere Handschriften der altesten Rechtsbiicher
in den Originalen sowie der spateren Sammel- und arabischen Ober-
setzungswerke gefunden wiirden, ganz besonders aber ein Ersatz fiir die
am Ende des Corpus juris von Jesubocht fehlenden Kapitel beschafft
wiirde, und ich niochte die gelehrten Kleriker im Orient darauf auf-
merksam machen, daB in den Sammlungen in Mosul, Rabban Hormizd,
in Dijarbekir, vielleicht auch in Soord, in der Umgebung des Patriarchen
Simeon in Kocanes und in den Kirchen der groBeren Genieinden in
den Alpenlandern noch mancher Kodex vorhanden sein diirfte, der uns
in den Stand setzen konnte, unsere Kenntnis von der Rechtsgeschichte
des ostlichsten Christentums zu vervollsfandigen. Ob aus tausendjiihrigen
Grabern in dem Boden oder den Ruinen der Persis noch jemals wieder
Reste der Literatur des dortigen Christentums in der persischen Ur-
sprache zutage kommen werden gleich den Papyrusurkunden in Ele-
phantine, dies ist wohl nur als ein frommer Wunsch der Zukunft an-
zuvertrauen.
Zwischen dem Erscheinen des III. Bandes dieser Sammlung und
demjenigen des II. 1908 sind sechs Jahre ins Land gezogcn. Sehr
gegen meinen Willen, aber die Umstande waren starker als ich. Die
— XXIX —
erste Halfte dieses Zeitraums ist durch die Ausarbeitung nieines Werkes
Aramaische Papyrus und Ostraka aus einer jiidisclien Militarknlonie zu
Elephantine, Leipzig 1911, in Anspruch genommen worden.
Zum SchluB erfiille ich die angenehme Pflicht, meinen jungen
Freunden, Herrn Referendar Dr. jur. Erich Pritsch und Herrn stud. phil.
J. H. Simchovvitsch fur ihre Hiilfe bei dem Lesen der Korrektur, sowie
ersterem auch fiir die Abfassung des Sachindexes meinen Dank aus-
zusprechen.
Berlin, 20.Juli 1914.
Eduard Sachau.
Inhaltsangabe.
Seite
Corpus juris des persischen Erzbischofs Jesuboclit .... 1 — 201
Erbrecht oder Canones des persischen Erzbischofs Simeon 203—253
Eherecht des Patriarchen Abha 255—285
Anmeri<ungen zum Corpus juris Jesubochts 287—344
Anmerkungen zum Erbrecht (Canones) Simeons 345 — 362
Anmerkungen zum Eherecht .\bhas 363 — 369
Sachindex 370—385
Corpus juris
des
Jesubocht.
Sachau, Syrische Rechtsbucher III.
Inhaltsangabe
zuni
Corpus juris
von
Jesubocht.
Seite
Biich I. Institutionen 1—23
16 Kapitel, s. Inhalt auf S. 5.
Buch II. Eherechl 25—69
19 Kapitel, s. Inhalt auf S. 27.
Buch III. Eherecht 71— SQ
12 Kapitel, s. Inhalt ai:f S. 73.
Buch IV. Erbrecht 91 — 127
9 Kapitel, s. Inhalt auf S. 93.
Buch V. Obligationen 129 — 179
13 Kapitel, s. Inhalt auf S. 131.
Buch VI. Obligationen ISl 201
6 Kapitel, s. Inhalt nuf S. 183.
Text und Ubersetzung.
Buch 1.
Institutionen
16 Kapitel.
Sachau, Syrische Rechlsbiicher III.
— 2
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Hs. M^ ^^!Op niit Tilgung von u.^.
— 3
Mit Oott
fangen wir an zu schreiben (d. i. zu kopieren)
das Corpus juris,
verfaBt von
5 Mar Jesubocht (Ischobocht, i. e. Jesus sanctificavit),
Metropolit (Erzbischof) der Persis,
auf Betreiben der Bischofe seiner Hyparchie,
und
ubersetzt aus dem Persischen in das Syrische auf GeheiB und Betreiben
10 eines Mannes frommen Andenkens, des Mar (Monsignore) Timotheos,
Catholicus-Patriarch des Ostens.
Zuerst die Einleitung {wortlich: die Entschuidigung).
Wenn ich auf der Wage meines Geistes die GroBe deines her-
vorragend ehrenvollen Auftrages gegen meine mangelhafte Bildung ab-
15 wage, o frommer, in ailem gluckseliger, unser gesegneter Vater, Mar
Timotheos, Cattiolicus-Patriarch (5. Anm.), dann will mich bedunken, es
sei besser, daB die Einfalt meines Wesens, die bisher den meisten ver-
borgen war, deutlich zutage trete und ich mich ihrer bruste, als daB man
mich fiir einen Menschen halte, der zu hochmiitig ist, um deinem geehrten
20 Befehle nachzukommen. (Ich muB um so mehr deinem Befehle ge-
horchen), als ich doch weiB, daB du zugleich mit deinem Auftrage mir
auch deine Gebete fiir mich vor Unserem Herrn, dem Vollender alles
Guten, spendest. Und da mir nicht verborgen ist, daB die Kraft des Ge-
betes, das ein Gerechter betet, sogar schwere Dinge und solche, die iiber
25 die Natur des Menschen hinausgehen, zu vollbringen vermag, so schicke
ich mich an in der Hoffnung auf den heiligen Geist und seine Kraft
und mit Hilfe deiner Gebete, welche bei Gott Erhorung und Annahme
finden, an die Ausfiihrung deines Auftrages heranzutreten. Du hast mich
beauftragt, aus der persischen Sprache in die syrische das Corpus juris,
30 das von dem Metropoliten der Persis, Mar Jesubocht, verfaBt ist, zu uber-
tragen. Weil ich aber zunachst nicht genugend geschult und fur eine
solche Arbeit vorbereitet bin, und weil anderseits die persische Diktion
an vielen Stellen nicht dazu angetan ist, daB ihre Ausdrucke sich leicht
und genau in das Syrische ubertragen lassen, so bitte ich Eure hoch-
35 weise Ehrwurden, daB ihr, wo ihr in diesem Buch etwas der Ver-
besserung Bedurftiges findet, es verbessert, wie ihr mir versprochen habt.
Weil aber nicht allein die GroBe Eurer gottlichen Weisheit, sondern
auch noch andere, welche die Tiichtigkeit des Verfassers (des persischen
— 4 —
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0V»i>^^JC>p2p9po. ' i. >'n\'n\. ' add. iXt.p.
— D —
Originals) nicht kennen, diese Schrift (Ubersetzung) in die Hande be-
kommen werden, so glaube icli fiir solche Leser darlegen zu sollen,
daB der Verfasser sich nicht aliein durch seine Forschung, seine Be-
gabung und die Kunst natiirlicher Beredsamkeit vor Vielen auszeichnete,
sondern dal5 er audi sich dem Joche des Patriarchatsthrones gutwiilig
untervs'arf und sein Haupt neigte, urn die Handaufiegung von dem
frommen heiligen Cathoiicus-Patriarch Mar Chenanischo' (s. Anm.) zu
empfangen, wahrend oftmals die Inhaber des Priesterthrones der Persis
als defekt befunden warden, da die Metropoliten von den Bischofen ihrer
Hyparchic eingesetzt wurden (und nicht vom Patriarchen).
Auch in der Beziehung hat sich der Verfasser als ein vollendeter
Meister bewiesen, daB noch niemand an seinen Schriften etwas auszu-
setzen gefunden hat. Da sie geschrieben sind von einem Manne, der
zwar in der Kenntnis der kirchlichen Canones nicht voilkommen war,
trotz alledem aber von einem Manne, der fest im Heiligen Geiste war,
herruhren, so mogen sie gebuhrend studiert und geschatzt werden.
Erstes Buch.
Verzeichnis seiner Kapitel:
I. Was den Verfasser veranlaBt hat dies Buch zu schreiben.
20 II. Was man unter dina versteht.
III. Was man unter t_erisiitha (= rectitude) versteht.
IV. Wodurch sich dina (burgerliches Recht) von terisutha unter-
scheidet.
V. Was man (im Persischen) pesend und bihdadhastinih {s.Aiiin.),
25 d. i. Rechtsminus und Rechtsplus, nennt.
VI. Ob man das Rechtsminus und das Rechtsplus (bei der Judikatur)
anwenden soli oder den dina?
VII. Was der namosa (= v6nos Oesetz, Idealgesetz) ist und wodurch
er sich vom dina (biirgerlichem Recht) unterscheidet.
30 VIII. Warum die dine (biirgerlichen Gesetze) nicht bei alien Menschen
gleich sind.
IX. Warum die Christen, wahrend sie dieselben mnoi haben, nicht
auch dieselben dine haben.
X. Warum Unser Herr und seine Apostel nicht in betreff der mensch-
35 lichen dine etwas verkiindet haben.
XI. Warum wir, da doch Unser Herr und seine Apostel iJber die
menschlichen dine nichts verkiindet haben, unsere gegenwartigen
dine im Gebrauch haben.
XII. Dariiber, daB die in Tugend und Gottesfurcht vollkommenen
40 Menschen die dine nicht brauchen, daB diese vielmehr fiir solche
Menschen dienen, welche schwachen Geistes sind und zum Un-
rechttun neigen.
— 6 —
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. .h'l.Vy 2'3u3epp 2;^ea.;s3.^ i\x su^p ;^^2o -^ ^ . <n "v -.«.«
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*^*o\'x\ iJL,>^ 3b^a .^07 >.^9fp .a\.i2k>«^2 2^.t.'\ 2x:ax«. 20
^'xXOlO \x ^ ^OOVXM 3b^ .vA3^J3 M^2p ) \ 'jJ^flS
.^oiu^2p X\X3m. 2po;A ^xde .oa^^ Lx\3 ^ap .,*.\.xaep
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^ov^;s3;s ^>x^aouap ^2 >\x ^«p ^ovu^^aa .2^<v.a 2i^X3u.
2^oui.^ ^2 ;LxA^ou .oiA ^Xdo .^ctoX^2 ^07 25
<\x .^ ^eo7J>aoe ." 2^030 JLo.aoe 2;sou.x\ae 2^exobo
^-dJSw.23 uX30l3o IxA^ouAp ^2 .oa^^ exauxp ,^...\^l
2jso 307^0 lAx'tt.* \.xp 2xlxxd^ . ^p v^eoM-»e .^siop
Ay, Si ^2 . ; Ha \ V 3 y^ou-ii^l? 2;^^'x«>2e : 2^oo3o 23a^o
J30^ ^p ;^'x«2 .;.>xa2 :«^ax A.\,ao .s^2o .lih^l? Xxsop 30
Z^pcoL^p ^2 ^ecxxp^p '.aaNgO t\\.'33a2 ♦.^ft.-i.axip
' Leerer Raiim in der Hds. - 1. 2J^eXCLJC30k^O-
XIII. Wariini aiich diejenisi^en dine, die wir tiirrase (= rectificationes)
neiinen, iinter den Christen nicht yleicii sind.
XIV. Ober die Behauptung von Juden und Heiden, daB die Christen
keine dine hatteii und daB die menschliche Lebensfiihruny; ohne
5 dine nicht mciglich sei.
XV. Warum in jener ersten Anoidnung (d. h. in deni vorchristiichen
Teil des gottlichen Heilsplans) die dine notvvendig waren, jetzt
aber (seit dem Heilswerke Christi) nicht inehr.
XVI. Dariiber, daB die Sache (die Wissenscliaft) der dine sich nicht in
10 Einzelheiten und stiickweise darstellen laBt, daB sie aber in einer
allgemeinen Darstellung zasammengefaBt werden kann.
I. Kapitel.
Was den Verfasser veranlaBt hat, dies Buch zu schreiben.
Wir lernen, daB die Menschen friiherer Zeiten durch viele und
15 verschiedene Ursachen zur Abfassung von Biichern bestimmt vi^orden sind.
Einige wurden zuweilen von der gottlichen Gnade angeregt iiber die
Ereignisse vergangener Zeiten, die dem Wissen der Zeitgenossen ver-
borgen waren, zu schreiben. Zuweilen hahen sie auch iiber kiinftige
Dinge kraft des Oeistes der Prophetic Vorhersagungen geschrieben.
20 Zuweilen belchren sie uns auf Grund der Weisheit Gottes oder indeni
sie uns auffordern, einen tugendhaften Lebenswandel zu fiihren. Andere
Schriftsteller, geleitet von dem Giauben, daB sie kraft natiirlicher Weisheit
mehr wiiBten als andere, haben sich bemiiht, dies durch ilire Schriften
fiir das Studium der Nachwelt zu iiberliefern, indem einige iiber die
25 iibersinnlichen Dinge schrieben — diese Wissenschaft nennen sie scientia
rerum divinaruni , andere iiber die Sinnenwelt schrieben - - dies
nennen sie scientia naturalis, schlieBlicli noch andere iiber die in der
Mitte zwischen der iibersinnlichen und sinniichen Welt befindlichen
Dinge schrieben — , diese Wissenschaft nennen sie doctrina (Liicke im
30 Text), wie Arithmetik, Geometric, Chaldaismus (Astrologie) unil Musik
(s. Anm). Andere haben von friiheren Menschen zur Belehrung und
Erbauung der spateren geschrieben, andere von den Meeren und Fliissen,
den Bergen und Hiigein und anderen Dingen dieser Welt, sei es fur
das Studium Anderer, sei es um menschlichen Ruhmes willen. Noch
35 andere haben das Verlangen gehabt Biicher zu schreiben, um (gleichsam)
Statuen und Bildcr ihrer Wissenschaft wie zum Andenken unter fernen
Geschlechtern zu errichten (wortUcli: zusammenzusetzen).
— 8 —
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' I. ^Oj\3o2. 2 add. i^*3. ' I. ul'?.
— 9 —
Ich dagegen bin von keinem dieser Motive ziir Abfassung dieser
Schrift bewogeii worden. Demi icii halte micii niciit fiir eiii upyavov, das
geeignet ware der Wirkimg des heiligen Qeistes zii dieiieii, so daB er inich
anregen konnte Dinge zii schreiben, welche fiir das Studiuin der Menschen
5 dienlich sind. Auch bin icii in der sapientia naturalis nicht bewandert,
noch vermeine ich ein seiches Mali der Bildung zu besitzen, uni den
Sinn von Dingen, die nicht ohnehin jederniann kiar sind, erschlielJen zu
konnen. Auch habe icii wenig Verlangen, ein Menioire spateren Ge-
schlechtern zu hinterlassen, da ich niciit glaiibe, dal5 von solclien Dingen
10 die spateren Oeschlechter vie! Nutzen liaben. ich bin vielmehr durcli
folgende Griinde zur Abfassung dieses Buches veranlalit worden.
Nach meiner Beobachtung gibt es viele Differenzen unter den
Menschen ini biirgerlichen Recht (wiirtlic/t: in der Sache der dine),
niciit allein unter den verscliiedeiien Religionen, Sprachen und Nationen,
15 sondern audi innerhalb derselben Religion, Nation und Sprache, wie z. B.
innerhalb des Christentums. Wahrend diejuden iiberall dasselbe Recht
haben, ebenso auch die Haresis des Magiertums, und ebenso auch unsere
jetzigen Gebieter (der Islam), sind unter den Christen die Gesetze, die
im Ronierlande gelten, verschieden von denjenigen im Perserlande, und
20 letztere wieder verschieden von denen im Aramaerlande (Babylonien).
Anders sind die Gesetze in Susiana (Ahwaz), anders in Mesene (Maischan),
anders in anderen Landern. Von Gau zu Gau, von Stadt zu Stadt lassen
sich viele Differenzen im biirgerlichen Recht nachweisen. Und obwohl
die Religion des Christentums iiberall dieselbe ist, ist das biirgerliche
25 Recht nicht ein einziges und nicht dasselbe (s. Anm.). Von der Ursache
dieser Verschiedenheit handeln wir spater.
Ferner haben wir erfahren, daf5 auch innerhalb derselben Landschaft
die Gesetze von friiheren Generationen anders gehandhabt wurden als
von den jiingeren, je nach Wissen und Neigung. Dies hat niir den
30 Wunsch eingegeben, diejenigen Kenntnisse, welche ich durch die Ober-
lieferung der Vorfahren, sei es von den Viitern unserer Kirchen (in der
Persis), sei es von den Viitern anderer Kirchen gelernt habe oder kraft
eigenen rechten Nachdenkens fiir richtig erkenne, nach Kriiften zu ver-
einigen und in diesem Buche darzulegen, zu meinem eigenen Studium
35 und zuni Studium derjenigen, welche gleich mir einer solchen Disziplin
bediirfen. Dabei muB aber mitgeteilt werden, daB ich nicht ganz aus
eigenem Triebe an die Abfassung dieses Buches herangetreten bin,
sondern auch infolge der Aufforderung vieler Freunde, speziell aber auf
das Zureden der heiligen Bischofe unserer Hyparchic (der Persis), denen,
40 wie mir, die Verschiedenheit der Gesetze unter den Christen Besorgnis
einfloBte, und denen es am Herzen lag, daB ein und dasselbe Gesetz in
unserer gaiizen Hyparchic herrschen moge, wemi es gleich nicht
moglich ist, daB in der ganzen Kirche unter lier Sonne dasselbe Gesetz
herrschen sollte. Wenn es sich daher gelegentlich zeigen sollte, daB
45 zwischen den von uns hier verzeichneten Gesetzen und den friiher in
der Tradition der Vorfahren iiblichen Gesetzen eine Differenz besteht,
so moge sich niemand dariiber sehr wundern, denn wir folgen darin
einem Wunsche unserer heiligen Briider, der Bischcife und iibrigen weisen
Manner in unserer Hyparchic, daB wir nicht allein diejenigen Rechts-
50 anschauungen niederschreiben wollten, welche in der Oberlieferung der
friiheren Oeschlechter unseres Landes iiblich waren, sondern auch die-
jenigen, welche wir rechtem Nachdenken, derallgemeinenObereinstimmung
{wortlich : dem Bekenntnis der Gesamtheit) sowie den in andern Kirchen
Gottes bekannten Gesetzen entnommen haben. Denn das Wort Gottes
55 ist nicht auf uns (unsere Hyparchic) beschrankt, und ist nicht etwa nur
bis zu uns gelangt. Auch sind unsere biirgerlichen Gesetze nicht gleich
den vofioi (d. i. dem christlichen idealrecht), die in der liibel geschrieben
stehen oder von den Kirchenvatern verordnet sind, so daB sie gegen
— 10 —
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30
— n —
jede Alteration gefeit waren. Vielmehr sind es in manchen Fallen Dinge,
die durcti die Oberlieferung der Vorfahren auf uns Spateren gekommen
sind, und jedermann wendet eine solclie Oberlieferung je nach seinen
Absichten oder nach seinem Gutdiinken an, wei! diese unsere (burger-
lichen) Oesetze nicht aufgezeichnet waren.
Ich schreibe dies Buch in der Form von Frage und Antwort, dam it
auf diese Weise die Sache dem Leser besonders klar werde. Die erste
Frage ist folgende.
II. Kapitel.
Was ist dina?
Dina ist eine Wage, eine richtige, welche nach Gesetz verteilt
und jedem Menschen das Seine gibt (5. Anm.).
111. Kapitel.
Was ist rectitudo?
15 Rectitudo wird erkannt teiis in dem Wort, teils in dem Gedanken
und teils in der Sache.
Die rectitudo in Sachen zeigt sich z. B. an Menschen und Baumen.
Die rectitudo in Gedanken bestehf darin, daB der Gedanke das,
was er auch denken mag, genau so, wie es ist, das Gute als gut, das
20 Bose als bos, kurz alles so, wie es ist, denkt.
— 12 —
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wd.p ov^^^jC}p2poM .pobvAs L^Sk-O ^ ^^2e .o>...*V.\,^2p
> I. s\P- - I- pojcx^.
— 13 —
Die rectitiido im Wort wird ebenso erklart (wie die rectitiido im
Gedanken) (s. A rim.).
IV. Kapitel.
Wodurch wird dina (das biirgerliche Recht) von rectitude
5 unterschieden?
Rectitudo iinterscheidet sicli dadurch vom dina, daB nicht alles,
was dem dina entspricht, rectum ist, und nicht alles, was rectum ist,
dem dina entspriclit.
Was z. B. rectum ist, nicht aber dem biirsrerlichen Recht entspricht,
10 ist folgender Fall : Ein Mann (A) macht mit einem anderen (B) einen Vertrag
folgenden Wortlauts: Meine Tochter N. gebe ich dir zur Frau oder
Die und die Habe gebe ich dir als Geschenk.< Wenn nun B die Er-
fiillung des Versprechens von A verlangt, spricht dieser: -Ich wollte sie
dir wohl geben, jetzt aber gebe ich sie dir nicht. Nach der rectitudo
15 gehorte die Tochter oder die Habe dem B, aber nach dem burger-
lichen Recht gehort das Versprochene ihm nicht, solange A es ihm
nicht iibergeben hat und nicht den Vertrag ausgefiihrt hat (5. Anm).
Ein Fall dagegen, der dem biirgerl ichen Recht entspricht, aber
nicht rectum ist, ist folgender: Es bringt jemand einen Schuldschein,
20 der bereits bezahit worden ist, vor den Richter. Der Richter, nicht wissend,
daB die in dem Schuldschein angegebene Summe bereits bezahit ist, gibt
sein Urteil dahin ab, daB die betreffende Schuld bezahit vverden muB.«
Das ist biirgerliches Recht, nicht aber rectum. Die rectitudo ist
etwas viel feineres als das biirgerliche Recht. Letztcres Recht wird aus
25 dem vo'uos (5. Anm.) und aus Argumentationen abgeleitet, wahrend die
rectitudo auch ohne vofios und ohne Argumentation vorhanden ist. Gott
ist das einzige Wesen, dessen rectitudo dina und dessen dina rectitudo ist.
Deshalb spricht der selige David: Die Gerichte (dine) des Herrn sind in
Wahrheit und Recht in allem (Psalm 19, 10). Bei den Menschen dagegen,
30 die nicht allzeit und in allem die gerade Linie der rectitudo innehalten
konnen, ist nicht immer die rectitudo dem dina glcich. Spricht doch
hieriiber die Bibel: Du hast angeordnet die rectitudo und den dtnd<'
(Psalm 99, 4), wodurch sie darauf hinweist, daB die rectitudo etwas anderes
ist als der dina (biirgerliches Recht).
35 V. Kapitel.
Was wir (im Persischen) pes end und bihdadhastinih
nennen, d. i. Rechtsminus und Rechtsplus.
Diese beiden Dinge (Begriffe) sind in vielen Beziehungen einander
ahnlich. Unter pesend versteht man ein Zurii-kbleiben hinter der
40 Forderung desGesetzes. Zum Beispiel: Ein Mann schuldet einem anderen
ein Kapital und ein doppeltcs (von monatlichen Zinsen?). Und well er
nun wegen Armut oder Krankheit oder aus irgendcinem anderen Grunde
nicht zahlen kann, spricht er zu dem Glaubiger: Gestatte, daB ich dir
nur das Kapital gebe.
45 Unter Bihdadhastinih versteht man ein Hinausgehen iiber die
Forderung desGesetzes. Zum Beispiel: Die Tochter erbt nach unserem
— 14 —
>Je ;..i.^>.33 : I^xjp lu«^2 ■1-i-'? >^? I>«o3^i^ .c...^^:
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^ooc 1^ . ^i^2 IjoASaA 3io ;sia02p ^2p vVyn .liLp ^2e
I. IX. ^ax Zt*\.,o'3>3>^ xa uSs >\\.Njp .l^Ji^p .1x3 •2p'3w«. "a^
^2^.x;^p 209" oip* :s3^ol^ -^^9^ ^ ^ec*.>^^p .loo.aaui
M9iei^2 3m. oA 'jjuao A.\.aop ^e . U.\..o'aap lL.p eaabp
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\Ay ^aap ^.'aS>'\ . :jf3o.ai\ ' 'V. . eu p ^bi .Ipof ^^c 6%^i^lo
' add. X>,S,t!). I. X.2o.
— 15 —
Recht die Halfte von dem Erbteil eines Sohnes. Nun gibt man ilir aber
einen ganzen Erbteil, daniit sie nicht unverheiratet bieibe und man
nicht an ihr etvvas auszusetzen finde (s. An/n.).
VI. Kapitel.
5 Ob man das Rechtsminiis und das Rechtsplus anwenden
darf Oder nicht.
Es ist Sache der Richter, welche Urteile zu fallen haben, dafiir zii
sorgen, dal5 sie nicht der Vorvvurf und der Unwille des Volkes treffe.
Die Prozeliparteien aber werdcn, wenn sie das Reclitsminus oder Rechts-
10 plus gelten lassen, besonders gclobt von jedermaiiii. Die Richter der
Kirche, da sie doch die Lehrer des Christentums sind, sollen sich des
Rechtsminus und Rechtsplus bedienen, indem sie den streitenden Par-
teien Rat geben und sie ermahnen, nicht aber von ihrer Kommando-
gevvalt gegen die Prozefiparteien Gebrauch machen. Sie sollen die
15 Reichen ermahnen, Barmherzigkeit zu iiben gegen die Armen, und die
(reichen)Verwandten ermahnen, sich ihrer arinenVerwandten anzunehmeii,
aber dies alies nicht in befehlendem, sondern in ermahnendem Tone.
VII. Kapitel.
Was der vouos ist uikI wodurch er voni din a (biirgerlichem
20 Recht) unterschieden vvird.
Der vojios (s. Anm.) ist eine Darlegung und ein Befehl, welcher
dariegt, was man tun und was man meiden soil, und der Outes verspricht
denen, die ihn beobachten, und denjenigen Verurteilung andrcht, die
ihn iibertreten.
25 Das biirgerliche Recht [dinii] ist der Forderer (petitor) des vo'/ios (d. h.
der Sachwalter des lo^os, der dariiber wacht, dalJ die ihm zustehenden
Rechte erfullt werden) und geht wie ein inquisitor und Buchfiihrer hinter
dem vojios her. Es bringt die angedrohte Verurteilung iiber den, der es
verachtet, und belohnt mit dem versprochenen Lohne denjenigen, der es
30 beobachtet.
VIII. Kapitel.
Warimi die dine (biirgeriichen Gesetze) unter den Menschen
nicht gleich sind.
Sie sind deshalb nicht gleich, well die v6noi nicht gleich sind. Denn
35 der voHos wird zuweilen von (Konigen) den Knechten auferlegt, zuweilen
von den Vatern den Sohnen und von den Lehrern den Schiilern. Und
well die Bildung und Begabung aller dieser Personen differiert, so differieren
auch die von ihnen gegebenen vofioi. Und demgema(5 audi die dine.
Demi da, wie ich ebeii (im VII. Kapitel) gesagt habe, sie den v6^iot folgen,
40 differieren sie untereinander.
IX. Kapitel.
Warum die dine der Christen differieren, wahrend ihre
vouoi nicht differieren.
Man miiBte zunachst fragen, was der dina der Christen ist, und
45 dann, warum die Art ihres dina nicht eine und dicseibe ist. Wir ant-
worten darauf:
— 16 —
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Ullp* ^3w^c7e .IJJc ^solmo Ua^ 2oov& ^aof^ .Uaci la at. A
.2;sa»ab3 M>3 o^s . ^eoraslp :^ft%\Yt-> Ijuos ^2 . » eSoui
.I'ka^.^ ^jS^ i^e .;^9 ;^ .^o^^ z^ .^«^b^ ;2^ :o;^2p
.Ziia\x Z^e .2X33 :2ix ^JiLaa I^o . ;\n..ao l!So ^'s^, l^e
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— 17 —
Der dina der Christen (d. i. das ideale biirgerliche Recht des
Christentums) ist ein und dasselbe. Es schlieBt sich an den voiws an iind
lautet folgendermaHen : Jeder, der seinem Bruder ohne Grund ziirnt, ist
schuldig dem Gericht (find (Matth. 5, 22).
5 Indem der Evangelist dann darlegt, was der dind ist, fahrt er fort:
'Er ist schuldig (verurteilt zu) der Gehenna des Feuers^ (Matth. 5, 22).
Und ferner spricht er: Einen nichtigen Knecht fiihrt hinaus in die aulkrste
Finsternis. Dort wird sein Heulen und Zahneklappern (Matth. 22, 13).
>Und dann werden die Gerechteii leiichten wie die Sonne im Reich ihres
10 Vaters.. (Matth. 13,43).
Ahnlich spricht der selige Paulus: >WiBt ihr nicht, daR die Frevler
das Reich Gottes nicht erben? VergeBt es nicht: Die Hurer, Gotzen-
diener, Ehebrecher, die Verdorbenen, die mit mannlichen Wesen liegen,
die Unterdriicker, die Diebe, Trunkenbolde, Verleumder und Rauber,
15 diese erben nicht das Reich Gottes (I. Kor. 6, Q. 10).
Auch Salomon spricht: Jede Sache hat ihre Zeit und ihr Gericht<
(Koheleth 8, 6), indem er das kiinftige Gericht meint.
Solches ist der dind (der Christen), und dieser ist gleich iiberall.
Deshalb werden wir in alien Biichern der Heiligen Schrift iiber die
20 Beobachtung des vofios dahin belehrt, daB wir, wenn wir es beobachten,
vor dem kiinftigen Gericht gerettet vserden. Und nur selten reden die
Heiligen Bucher von den menschlichen dine (Gerichten), da sie im
Vergleich mit dem zukiinftigen dina (wie) nichts sind.
X. Kapitel.
25 Warum weder Unser Herr noch seine Apostel etwas iiber
nienschliche Gesetze (biirgerliches Recht) verkiindet haben
(s. Anm.).
Fiir Unsern Herrn, der bei der Offenbarung (5. Anm) seines Reiches
die Toten und Lebendigen richten wird und Gericht iiber Alles halten
30 kann, war es nicht angemessen, Gesetze iiber kleinliche nienschliche Streit-
sachen zu geben, voliends nicht fiir den, der da spricht: Erwerbt nicht
Gold und Silber und Erz in euren Taschen (Matth. 10,9). Verkauft cure
Habe, gebt Almosen, macht euch Taschen, die nicht schleilien, uiui einen
Schatz, der nicht ein Ende nimmt im Himmel (Lukas 12,33). Und wer
35 nicht Hauser oder Bruder, Schwestern, Vater oder Mutter, Weib, Kinder
oder Dorfer meinetwegen verlaBt, ist meiner nicht wiirdig (Matth. 19, 29,
Mark. 10,29 uml Matth. 10,37). Hatte es sich fiir ihn gepaBt zu lehren,
wie man Kapital und Zinsen einfordern soil? uns zu belehren iiber die
Dos und die Gewinnung von Frauen, iiber Sklaven und Sklavinnen, iiber
40 Geld und andere irdische Besitzarten? Darum hat er (Christus) iiber
diese Dinge nichts verkiindet, und um es kurz zu sagen: Er ist nicht
in die Welt gekommen, um irdische Dinge zu ordnen und zu leiten.
Ware es anders (d. h. ware er gekommen, um weltliches Recht zu stiften),
so ware sein Kommen in die Welt ganzlich entbehrlich gewesen, denn
45 vor ihm sind sclion viele andere gekommen, welche sich sehr um solche
Dinge bemiiht haben. Er dagegen ist gekommen, um die Menschen zu
lehren: diese Welt zu verachten, die Gliicksguter derselben gleich nichts
zu achten und sich mit ganzer Kraft der Erwerbung der Giiter der zu-
kunftigen Welt zu befleiBigen, und Zuversicht zu haben vor Gott.
Sachau, Syrische Rechtsbucher III. 2
10
— 18 —
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— ly —
Deshalb haben auch seine Apostel, die von ihm belchrt waren und
nach seinem Vorbilde handelten, nichts iiber menschliclie Streitsaciien
{dint') verkundet, sondern ilir einziger vouos jst dies: die Gebote Oottes
zu halten und sicii zu liiiten vor der Siinde Kraft der Furcht vor dem
5 zukiinftigen Gericht.
XI. Kapitel.
Warum wir Menschen, obwolil Unser Herr und seine
Apostel nichts iiber menschliclie Qesetze (biirgerliches
Recht) verkijndet haben, uns dennoch solcher Oesetze
10 bedienen (s. Anm.).
Wenn weder Unser Herr Christus noch die Apostel etwas iiber
menschliclie Oesetze verkiindet haben, so ist es nicht deshalb geschehen,
daB sie etwa ein gegen Andere begangenes Unrecht gering geachtet hatten.
Denn wiederhoit belehren sie uns iiber das Bose und das Verbrechen.
15 Weil sie aber zu Leitern der Kirche besteiit waren. Manner, die durch
den Geist der Weisheit ausgezeichnet und imstande waren, das Laster
zu tadein und Rechtschaffenheit unci Wahrheit festzustellen, so waren
sie der Ansicht, dal5 fur die Untersuchung und Leitung (aller Dinge)
die natijrliclie Einsicht der Menschen und die in alter Zeit in den heiligen
20 Biichern verzeichneten Vorschriften geniigen, indem den Menschen aulJer-
dem die Giite des Geistes der Weisheit zur Hilfe komme. Es war nicht
notig, daB uber diese Gesetzesfragen wie iiber eine unentbehrliche Sache
nochmais (von den Apostein, naciideni die Verfasser des Alten Testaments
hieriiber bereits Bestimmungen getroffen hatten) ausfiihriich gesprochen
25 wurde. Darum spricht der selige Apostel (Paulus): Wenn ihr einen
Rechtsstreit habt iiber Dinge dieser Welt, so setzt euch diejenigen in das
Gericht, welche in der Kirche gering angesehen sind (1. Kor. 6, 4), da
man eine solche Gerichtssache wie nichts achtcn muB im Vergleich mit
dem Heroldsamt der Lehre des Glaubens und dem Verdienste eines voll-
30 kommenen Lebenswandels.
XII. Kapitel.
Dariiber, daB diejenigen, die in der Tugend und Oottes-
furcht vollkommen sind, nicht der Gesetze bediirfen, son-
dern diejenigen, welche schwachen Geistes sind und zum
35 Unrechttun neigen.
Wer vollkommener Tugend und fest in der Gottesfurcht ist, bedarf
nicht des biirgerlichcn Rechts, wie der selige Apostel (Paulus) sagt
(1. Kor. 2, 15): Der Geistige richtet jedes Ding und wird von niemand
gerichtet." Auch wissen wir, daB das Gesetz nicht fur die Gerechten
40 gegeben ist. Denjenigen, die noch korperlich sind und noch wie Kinder
nach der Milchnahrung verlangen, nach dem Erwerb von irdischcn Gutern
streben und sich bemiihen, sie anderen zu entreiBen, was natiirlich nicht
zu ihrem Heile dient, denen bringen wir in gerechter Weise, gleich wie
Kindern, die burgerlichen Gesetze gleich wie Riemen zum Sciilagen, nicht
20
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1. XV.
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O 30
— 21 —
bloB im Interesse desseii, der Unreclit leidet, sondern ganz besoiuiers aus
Barmherzigkeit fur den, der seine Seele durch Unreclit wider Andere
schadigt, und wir bemiihen uns die Streitenden auf den recliten Weg
zu fiihren (wortlich : Rechtleitung iinter iiirien zii niachen), indeiii wir
uns nicht der Scharfe der Gesetze bedienen, wie der seiige Apostel spricht
(l.Kor. 6, 5): Also ist auch nicht ein Weiser nnter euch, der zwischen
einem Briuler und eineni anderen schliciiten kann. Der Apostel be-
zeichnet(ll. Tiniotli. 3, 10?) unsere richterliche Tatigkeit unter den Christen
nicht als Gericht {dind), sondern als Rechtleitung (rectif icatio, dlrectio).
XIII. Kapitel.
Wanim auch diejenifjen dine (Oerichtsentscheidiingen),
die wir rectif icatio lies nennen, unter den Christen nicht
gleich sind (s. Anm.).
Weil diese rectif icationes (5. /!«/«.) nicht etwas in den gottlichen
15 Biichern Entlialtenes, noch etvvas schriftlich von den Vorfaliren uns Ober-
liefertes sind, sondern Dinge, welche der Keniitnis und Priifung der Leiter
der Kirche iiberlassen worden sind, und daher auch die Art der Ent-
scheidung je nach der Verschiedenheit der Auffassung und der Intentionen
jedes einzelnen von den Leitern der Kirche differiert.
20 XIV. Kapitel.
Ober die Behauptung der Juden und Heiden, daB die Christen
keine dine (biirgerliches Recht) hatten und daB die mensch-
liche Lebensfiihrung ohne dine nicht nioglich sei.
Dagegen wird von unserer Seite erwidert: Gesetzt, die Heilkunst
25 ware nicht vorhanden, und Krankheit ware gar nicht oder nur in ge-
ringem Mal5e vorhanden, vvozu brauchten wir dann die Heilkunst? Und
gesetzt den Fall, wir hatten keine Gesetze, und Unrechttun ware gar nicht
oder nur in geringem MaBe vorhanden, wozu brauchten wir ilann die
Gesetze? Man moge doch das Vorkommen von Verbrechen, Meineid,
30 Mifihandlung, Beraubung, Rauberunwesen, Diebstahl miter den (angeblich)
gesetzlosen Christen niit den gleichen Vorkommnissen in anderen Reli-
gionen, welche Gesetze haben, vergleichen. Und wenn sich dann zeigt,
daB solche Dinge viel seltener unter den Christen vorkommen als bei
anderen, dann erweist sich das Sichriihmen ihrer Gesetze auf seiten der
35 Juden und Heiden als nichtig, denn das Gute, was in den Gesetze n
(unserer Gegner) ist, existiert bei uns in der Tat.
XV. Kapitel.
Warum in jener ersten Anordiuiiig (d. h. in dem vorchrist-
lichen Teil des gottlichen Heilsplans) die Gesetze not-
40 wendig waren, jetzt aber (seit dem Heilswerke Christi)
nicht mehr (s. Anm.).
Solange die Sache der kiinftigen Welt und des neuen Lebens, das
Urteil iiber die Bosen und die Belohnung der Gerechten noch nicht
(durch Unsern Herrn) geoffenbart war, da lag gebiihrenderweise das Be-
45 durfnis nach irdischen Gesetzen vor, damit wir infolge der Furcht vor
ihnen die Siinde mieden. Jetzt aber, nachdem vor den Augen der
— 22 —
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X^p Li^p l^p eo^2 : ^. . ^.x Soju Ju2 1^ 2po? >\,\.30o
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6
■ add. 23m.. ' I. Ip,^l3. ' I. 231M.30. < I. 030L^.
U\^. ' del.
— 23 —
Glaubiofen das kijnftige Gericht Kcoffenbart wordcn ist, bedarf es nicht
mehr viel der Furcht vor dem Gesetze dieser Welt.
XVI. Kapitel.
Dariiber, daB die Sache (der Wissenschaft) der Oesetze
5 (des biirgerlichen Rechts) sich nicht in Einzelheiten und
stiickweise darstellen laBt (s. Anm.).
Was dieseti Gegenstand betrifft, so muB man wissen, dal5 audi
nicht eine einzige der weltliciien Kiinste und Wissenschaften aus einer
teilartigen, stiickartigen Darstellung gelernt werden kann, sondern nur
10 aus einer das Ganze umfassenden. Denn der Arzf kann nicht alle mensch-
hchen Krankheiten durch eine nur auf Telle und Einzeines beschrankte
Schrift darstellen. Ehenso kann der Archltekt (s. Anm.) nicht (auf solche
Weise) alle Arten der Baukunst, von denen niaiiche bisher noch gar
nicht zur Anwendung gekomnien sind, darstellen. In gleicher Weise
15 konnen alle anderen Kiinste und Wissenschaften nur aus einer das Ganze
umfassenden Darstellung gelernt werden.
Dementsprechend hat der Urheber des allgemelnen Gesefzes (lo/ios)
in seiner Gesetzgebung nicht einzein iiber dies oder jenes geliandelt,
was wir meiden und was wir tun sollen, sondern hat alles In ein all-
20 gemelnes Wort zusammengefalJt, indem er sprach: Wie ihr wiinscht,
da6 die Menschen ouch tun, also tut ihr ihnen (Matth. 7, 12; Luk. 6, 31).
Denn an diesem Befehl hiingt Oesetz und Propheten (Matth. 22, 40).
Denn der Mensch wiinscht nicht, dal5 Ihm Boses angetan werde, wohl aber
mochte er aller guten DInge tellhaftlg werden. Wenn darin das Wesen
25 der Gerechtigkelt besteht, da(5 man das Bose meiden, der Gerechtigkeit
dienen soil, dann slnd evident In diesem Gebot alle Gesetze, auch alle
einzelnen fur sIch zusammengefaBt.
In ahnlicher Weise behandeln wir, auf das einzelne eingehend,
die verschledenen biirgerlichen Gesetze zur Obung und Unterwelsung
30 derjenigen, die ihrer bediirfen. Daher soil uns niemand angreifen, wenn
er (einmal irgendwo) ein Gesetz findet, das wir in diesem unserem Buche
nicht verzeichnet haben, als ob er etwas, das uns entgangen wiire, ge-
funden hatte. Denn ich bin der Oberzeugung, daB man nach Analogie
dessen, was wir ausgefiihrt haben, auch alle anderen Rcchtsfragen richtig
35 erfassen kann. Und hiermit schliel3en wir das erste Buch.
Vollendet ist das erste Buch des Corpus juris des Jesubocht.
Buch II.
Eherecht.
19 Kapitel.
— 26 —
II. \^ :- Uaoxd Ixh ov^p 3^ 07^3 <^^j^^ 2i»Z» .Je^>
7.i.«.\.pixa :%.n.\ ^ 0;^ .\.At l^p licU ^2 ^A^Ia w.07
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— 27
Das zweite Buch
von demselben (Jesubocht).
[Verzeichnis der Kapitel:]
I. Welche Weiber ein Christ nicht heiraten darf.
5 II. Was das Schadliche und das Bedenkliclie der Verwandtenheirat
und was der Vorteil der Ehe mit nichtverwandten Weibern ist.
ill. Wie einige Menschen dazu gekommen sind, all solches unreines
und siindiges Gebaren (der Blutsverwandtenheirat) nicht zu
verachten.
10 IV. Wenn nun diese Angelegenlieit (der Blutsverwandtenheirat) so
iibel und so volier Unreinheit ist, warum hat denn Gott die
Menschen nicht von Anfang an so geschaffen, daH ein Mann
absolut nicht imstande sei, mit einem blutsverwandten Weibe
Umgang zu pflegen.
15 V. Warum ist Lot nicht getadelt worden, als er seinen Tochtern
beiwohnte, und Juda, als er bei seiner SchwiegertochterTamar lag.
Vi. Warum wir nicht die Witwe des Bruders heiraten diirfen, wahrend
doch das Gesetz (Mosis) befiehlt, dafi, wenn ein Mann sohnlos
stirbt, sein Bruder seine Witwe heiraten und (ihm mit ihr) eine
20 Nachkommenschaft errichten soil.
VII. Warum wir einige der Bestimmungen des Oesetzes Mosis be-
obachten, andere dagegen nicht.
VIII. Warum wir nicht erlauben, dafi ein Christ eine unglaubige Frau,
noch daB eine Christin einen Heiden heiratet, warend doch der
25 Apostel (Paulus) spricht: Geweiht ist der unglaubige Mann
durch ein glaubiges Weib, und geweiht ist das unglaubige Weib
(lurch einen glaubigen Mann (1. Kor. 7, 14).
IX. Woher wir lernen, daB der Christ nur ein einziges Weib heiraten
soil, nicht mehr.
30 X. Aus welchen Griinden die Menschen im Altertum sich von ihren
Frauen scheiden durften, wir dagegen nicht.
XI. Aus wie vielen Griinden der Christ sich von seiner Frau scheiden
darf, und aus welchem Orunde die Frau sich von ihrem Manne
trennen darf.
15 XII. Warum ein Mann sich von seiner Frau scheiden darf, wenn sie
Ehebruch begeht, und warum sich die Frau von ihrem Manne,
auch wenn er offenkundig Hurerei treibt, nicht scheiden darf.
XIII. Von solchen Mannern, welche um der Tugend willen sich von
ihren Frauen scheiden.
— 28 —
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II. I. S^ A^ l^p 1x1 ^il >:f^i-? ^'01 ^^ l^^aoa^ .1x3 : ^3^p
§1. ^iLfnap ^Aw.2 ^as .Ixu ^2 Ajoap U^josla 23i-i\\ o^
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§3. ...^aA^AolJ vMa^ ♦\3-5oi? ^^*i t'yo .2^io2p 2>w« ^is 30
> I. ^^Xae■ ' I. ^ise.
— 29 —
XIV. Ob die Frau aus irgendeinem Grunde sich von ihrem Manne
scheiden darf.
XV. Auf welche Weise der Beweis des Ehebruchs erbracht wird.
XVI. Ob ein Mann seine Frau behalten darf, nachdem sich heraus-
5 gestellt hat, daB sie Ehebruch getrieben, oder nicht.
XVII. Ob ein Mann, nachdem er sich von seiner Frau wegen ihres
Ehebruchs geschieden, bevor er eine zweite Ehe eingeht, die
Geschiedene in sein Haus zuruci<nehmen (d. h. die Ehe mit ihr
• trotz der vorhergegangenen Scheidung wieder aufnehmen) darf
10 Oder nicht.
XVIII. Ob die wegen Ehebruchs von ihrem Manne geschiedene Frau
eine zweite Ehe eingehen darf.
XIX. Ob eine solche Frau eine neue Ehe eingehen darf, die von ihrem
Manne wegen der Tugend (d. h. wegen seines Oeliibdes der
15 Keuschheit) oder wegen seiner Reise in die Fremde verlassen
worden ist und lange Zeit auf ihn gewartet hat, oder die deshalb,
weil sie nicht mehrjungfrau war, in ihrVaterhaus zuriickgeschickt
worden, oder aus irgendeinem ahnhchen Grunde geschieden ist.
Ende der Kapitel des zweiten Buches.
20 1. Kapitel.
Welche Weiber ein Christ nicht heiraten darf.
§ 1. Von den im Alten Testament (Lev. 18, 7ff.) genannten Weibern
(sind es die folgenden, die der Christ nicht heiraten darf):
die Mutter,
25 die Tochter,
die Frau des Vaters (Stief mutter),
die Schwester,
5 die Tochter des Vaters (soror consanguinea),
die Tochter der Mutter (sorer uterina),
30 die Schwester des Vaters,
die Schwester der Mutter,
die Frau des Bruders,
10 die Frau des Vaterbruders,
die Schwiegerm utter,
35 die Schwiegertochter,
die Tochter der Frau (Stieftochter),
die Sohnestochter,
13 die Tochtertochter.
Zu besonderer Beachtung wird das Folgende hinzugefiigt:
40 Der Ausdruck Mutter begreift in sich die Mutter der Mutter, der
Ausdruck Tochter die Tochtertochter und die Sohnestochter, der Aus-
druck die Frau des Vaters auch ihre Tochter (und) Tochtertochter.
§ 2. Zu denjenigen (nichtheiratbaren) Weibern, die im Gesetz
unserer Vater genannt sind, gehort die Frau des Bruders der Mutter, da
45 sie der Meinung waren, da(5 die Frau des Vaterbruders und die Frau des
Mutterbruders einander gleich seien, wie Vater und Mutter in natiirlicher
Verwandtschaft gleich sind; ferner die Brudertochter, die Schwester-
tochter, die Schwester der Frau (Schwagerin) und die diesen ahniichen:
die Brudertochter der Frau, die Schwestertochter der Frau.
50 § 3. Zu denjenigen (nichtheiratbaren) Weibern, die Unser Herr
im Evangelium genannt hat, gehort die wegen Ehebruchs geschiedene
— HO —
§4. 2^^i2 .U.Ax U3a\.3 2^lkV.l^ » 'x.^23 ..A^2 ^o : 32\
pouAas k»23 w.o;3 ^^2 ^ai .^\X3w«o 2^»^oA,^o ^s^Om
II. II.
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' I. XJuUCT. ' 1. l^^'kaoap. ' add. OJJ3 ^sAp >*bj
s. 32, 23. 31. ' I. J..'^UQ>efi<>^2.
— 31 —
Frail, denn er sagt: »Wer eine Oeschiedene heiratet, begeht Ehebruch^
(Matth. 3, 32).
§ 4. Zu denjenigen (nichtheiratbaren) Weibern, die der selige
Apostel (Pauliis) im Briefe envahnt, gehort die Heidin, die Leugnerin
und die Zauberin. Dies gibt er zu erkennen durch den Aiisdruck nur
in Unserem Herrn (1. Kor. 7,39), d. ii. nur, wenn sie eine Christin ist.
II. Kapitel.
Was das Schadliche und das Bedenlcliche der Verwandten-
heirat, und was der Vorteil der Ehe mit nichtverwandten
Weibern ist (s. Anm.).
Der Nutzen der Fremdenheirat zeigt sich auf verschiedene Weise,
10 zunachst in einem Zuvvachs an freundschaftlichen Beziehungen, an Hilfe,
Annehmiichkeit und Forderung, welche den Menschen aus gegenseitigen
Beziehungen der Liebe und Freundschaft erwachst; ferner darin, daB sie
(die Fremdenheirat) von anderweitigen Makein, die nachher dargelegt
werden soilen, frei ist So wird ein Zuwachs, der aus den Beziehungen
15 der Liebe und Freundschaft erwachst, durch folgendes Beispiel illustriert
(s. Anm.):
Ein Mann hat Sohn und Tochter. Seine Tochter gibt er einem
fremden Manne und fur seinen Sohn bringt er eine Frau aus einem
anderen Orte. So gewinnt er mit seinem Sohn und seiner Tochter eine
20 zweite Tochter und einen zweiten Sohn, und durch diese zwei gewinnt
er zwei (neue) Familien. Auf solche Weise erwirbt und verbreitet er
die Forderung, die Annehmhchkeit und die Hilfe, welche den Menschen
aus den gegenseitigen Beziehungen der Liebe und Freundschaft zu er-
wachsen pflegt.
25 Dagegen, wenn die Frau eines Mannes zugleich seine Tochter ist,
seine Tochter seine Frau ist, oder wenn seine Tochter zugleich seine
Schwiegertochter, seine Schwiegertochter seine Tochter ist, also sein
Schwiegersohn zugleich sein Sohn, sein Sohn auch sein Schwiegersohn
ist, und wenn die Mutter des Mannes zugleich seine Schwiegerm utter,
30 seine Schwiegermutter auch seine Mutter ist, dann hat er evident keinerlei
Zuwachs (zu seiner Familie) erfahren. Daher kann er auch nicht der
Forderung und der Annehmiichkeit teilhaftig werden, welche fiir die
Menschen aus einem solchen Zuwachs (der Familienbeziehungen) hervor-
zugehen pflegen. Erleben wir es doch, dal5 unter manchen OroBen und
35 Fursten, die in Hal? und Feindschaft miteinander leben, Heiraten zwischen
den beiden Lagern die Ursache und Biirgschaft der Freundschaft werden.
— 32 —
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opo^ ^xaouXe : U:s.«.o 2;\akje : 2300 2^^a2 a)^ ^.^2p
^■^ : .u\,-\ois c;^ 2ec' X^ •p^^ 209* >tt^p l» .p-^^..3j 25
;l\^2o ov&^s** t-?* <''^^^2 e2 :073a Jip c^so isov l\3Ul^^
;^u.*.»>aa Z^p : C70j2p IXiOl^ a-^^u2 >»eo- 1^42 p^ li^^^
:c7^3>ap 2;»oaL^ 4\du2 ^.ea" 1^42 p^ \\^lo .'<roj3l ^
23M^ .^«2p Ij^2 A32e .6vi^^«* 00 ^ec- An^ioa l^p
Sk^P 3u\ ^O^ ^>\ .w.070lm2 ;SOl^ 07«N^vi2 bCLSLXO U 3m2 30
20
' I. ^ *^2p W.07 St. ^p ^aw>o7. ' I. :zxx. ' I. X3l.
add. XiOlo.
— 33 —
Da indessen der Feind iinsercs Geschlcchts (der Satan) heobachtete
und merkte, welche Forderimu;, Trost iirul Hilfe die Menscheii (aiif diese
Weise) von einander liahen, so gab er sich alle Miihe, alles, was ziir
Forderung, zur Anneliiiilichkeit mid Freiuie der Mensclieii dieneii konnte,
5 zu schmalern.
Ferner: Ein Mann hat eiiie Fran mid eiiie Tochter. Wenii nun
seine Fran stirbt, ist iiim seine Tochter Trost und Hilfe, oder vvenn ihm
seine Tochter stirbt, ist ihm seine Fran Trost und Hilfe. Wenn aber
seine Frau zugleich seine Tocliter ist, dann hat er, wenn sie stirbt, weder
10 Tochter noch Frau; er ist beider beraubt, und es ist, als ob er in dem-
selben Moment zwei Todesfalle erhtten habe.
Dasselbe gilt von dem Falle, wenn ein Weib zugleich die Mutter und
die Schwester eines Menschen ist, und von aiiiiHctien Verbindungen mehr.
Ferner: Es pflegcn die Menschen gegen Mutter, Vatcr und Schwester
15 eine keusche Licbe zu hegen, wie es sich gebiihrt, dagegen gegen die
Gemahh'n eine Liebc des Oemisses, die auch derartig sein kann, dal5 sie mit
sinnlicher Schweigerei verbunden ist (s. A/irn.). Wenn aber solche Dinge
zwischen Sohn und Mutter oiier zwischen Tochter und Vater vorkommen
in Verbindung mit der Aufdeckung der d'lcoin und der fleischlichen Be-
20 riihrung einer widerwartigen Ehe, dann ist solches eine groBe Schandc und
eine schmachwiirdige Entweihung, dergleichen bei Vatern und Mtittern
iiicht vorkommen soil, damit iiicht die Wiirde von Vater und Mutter
zu Schamlosigkeit werde. Auch liaben zuweilen Sohne und Tiichter
einen Widerwillen gegen Vater und Mutter, weil sie gar so alt sind, und
25 halten sie fiir verachtlich, schamlos, schmutzig und widerwartig. So hat
ein junger Mann einen Wiilerwillen gegen eine alte Frau, oder einem
jungen Weibe erscheint ihr greisenhafter Geniahl als widerwartig. Unter
solchen Umstanden kann aber die Ehre der Vaterschaft und der Miitter-
schaft nicht bestehen, sowenig wie die Liebe zwischen Oemalil utui Ge-
30 mahlin.
Ferner was noch schlimmer ist: Wenn das Gesetz nicht dem Manne
verbote, mit seiner Mutter, Schwester oder Tochter Umgaiig zu pflegen
oder mit anderen Weibern, denen er sich unter keiiien Umstanden und
zu keiner Zeit niihern darf, so ist evident, da!?, weil diese Weiber im
35 Qeschlechtstriebe nicht verschieden sind von den anderen (den nicht-
verwandten), der gewohnliche Geschlechtsverkehr audi von ilinen aus-
geiibt wiirde. Ware das nicht eine Schande ohne Grenzen?
Ein Mann hat Frau, Sohn, Tochter und Schwiegersohn. Diese
wohnen alle bei ihm im Hause. Wenn er ausgeht, ist er nicht sicher
w davor, dal5 seine Tochter von seinem Sohne oder seine Frau von seinem
Schwiegersohne gemilibraucht wird, noch ist der Schwiegersohn sicher,
dal5 nicht etwa, wenn seine Frau nach dem Hause ihres Vaters geht, sie
von ihrem Vater gemiBbraucht wird. Nicht ist der Mann sicher, dal5
nicht etwa seine Frau, wenn sie das Haus ihrer verheiratcten Tochter
45 betritt, von ihrem Schwiegersohn gemiBbraucht werde. Auch wer verreist
und seine Frau bei seinem Brudcr laBt, ist nicht sicher, denn es kann
passieren, daB, wenn er zuriickkommt, er findet, dali sie beide eine und
dieselbe Frau liaben. Und andere Schariilliclikeiten mehr, die man nicht
verzeichnen kann, ohne sich zu schiimen.
50 Wenn man gegen unserc Ansicht einwendet, daB sittenlosc Manner
und Frauen, auch, wenn sie mit Freniden verheiratet sind, ahnliche Dinge
tun kfinnen, so mogen sie bedenken, daB ein solches Gebaren meistens
dort aufzutreten pflegt, wo die Menschen sich bestandig sehen und nahe
bei einander wohnen. Denn ein fremder Mann kann nicht zu jeder Zeit
55 das Haus eines antleren betreten, nicht bei seinem Weibe sitzen und mit
ihr essen und trinken, nicht mit ihr reden, nicht mit ihr sich amusieren,
noch mit ihr Scherz treiben. Wenn eine Frau bei solchen Dingen be-
funden wiirde, wiirden sie (Mann und Weib) von jedermann verachtet
Sachau, Syrische Reclitsbucher III. 3
— 34 —
2xaelx» > 2e ..vOax^^aa ^^'^^ 2xm.ol^ 1^3 oAa .2'koj:
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' Lucke. - 1. Isel.
— 35 —
und verhohnt werden. Deshalb nehmen sich die meisten Menschen vor
solctiem unreineii Gebaren sehr wolil in acht.
Daijegen den Sohn, den Bruder, den Schwiegersoiin i<ann niemand
aus seinem Hause vervveisen. Aiich findet niemanii etwas daran aus-
5 zusetzen, wenn sie bei ihren Miittern, Schvvestern und Scliwieijertochtem
sitzen und mit ihnen essen. Und dann nuili eins von zvvei Dingen ge-
schehen: Entweder sie miissen einander fernbleiben, indem sie auf die
Liebe und den daraus erwachsenden Vorteii verzichten, oder sie treten
einander nahe (zu gesclileciitlichem Veri<ehr) und nehmen dann den Hohn,
10 die Unreinheit und die Anriichigkeit mit in den Kauf.
Ferner etwas nocii Schiimmeres ais dies: Wie oft ist es vorge-
kommen, dal5 Manner, die ihre Sciiwester oder die Frau ihres Vaters
Oder die Frau ihres Bruders begehrten, in ihrer Sitteniosigkeit auf Be-
treiben des Satans ieicht Mittel und Wege fanden, ihre Verwandten (, die
15 ihnen ini Wege stehen,) durch Gift oder auf andere Weise zu toten, wei!
sie nahe mit einander vervvandt waren und auf einander vertrauten. Es
widersteht mir, solclie und noch argere Dinge anzufiihren (s. Aiim.).
Der allweise Gott, Unser Herr, hat die Verwandtenheirat einge-
schlossen in drei feste Gesetzesmauern, von denen die eine in der Natur
20 (des Menschen), die andere in den Oeboten des Gesetzes und die dritte
in der Furcht und Warnung vor deni Fiuche besteht. Die Mauer in der
Natur des Menschen zeigt sich darin, dal5 diese Menschen (die Magier),
wenn sie auch ihre schmutzige Sitte fiir Gerechtigkeit halten, doch nicht
Ieicht dazu kominen, eine soiche unreine Verbindung einzugeiien, wenn
25 sie nicht vorher von schnoder Begier entflammt sind und cinen harten
Kampf mit der ihrer Natur innewohnenden Vernunft gekampft iiaben.
Und wenn sie den Schritt getan haben, erfiillt er sie oftmals mit Wider-
willen.
Die zweite Mauer ist dasGebot (derMonogamie, Liickc), wie es Moses
30 verkiindet hat, indem er zu den beiden (Mauern) noch (ais dritte) heftige
Fiuche hinzufiigte, sprechend: Verflucht ist, wer da licgt bei der Mutter
oder Schwester oder Toclitcr oder anderen solchen (nach Deut. 27, 20.
22. 23). Wenn sich daher die Menschen erfrechen, in die eine dieser
drei Gesetzesmauern durch eine Bresche hineinzudringen, werden sie
33 doch noch von den beiden anderen zuriickgehalten.
Verflucht ist also Zardust, der von wilder Begier entflammt war,
durch die er vor vieien notorisch geworden ist. Durch die Wirkung
und mit Hilfe der Damonen, welche an der Sinnengiut ihre besondere
Freude hatten, hat er samt seinen Anhangern Mut gewonnen, und sie
40 haben sich erfrecht einzudringen in dasjenige, was durch die drei Mauern
des Gesetzes vor ihnen verschlossen war (wiirtlich: innerhalb dieser drei
Gesetzesmauern). Aulier Zardust hat keiner der Haresiarchen diese Ge-
setze zu iibertreten vermocht.
— 36 —
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' 1. 2^\aA. ' i. ^L3L>.^JL^.
— 37 —
III. Kapitel.
Wie eitiige Menschen dazu gekommen sind, all solches im-
reines und siindiges Oebaren (der Blutsverwandtenheirat)
nicht zu verachten (s. Anm.).
5 (Das ist gescheheii) erstens wegen der Sundhaftigkeit der Damoneii,
zweitens wegen der Heftigkeit der Begierde (der Menschen) und drittens
wegen der Oppigkeit und Habgier.
Was die Siindhaftigkeit der Damonen betrifft, so wuHten sie, welcher
Scliaden den Menschen aus der Verachtung der Gesetze und welcher
10 Vorteil ihnen aus der Beobachtung derselben erwachst (5. Anm). Des-
halb haben sie sich Miihe gegeben, die Gesetze von ihnen fernzuhalten.
[Ferner die Heftigkeit der Begierde (5. Ann.)], insofern als es ihr Streben ist,
dafi sie ailzeit gegen ein Gesetz, das ihr irgend etwas verbietet, ankiinipft,
wie sie sich niemals einem Gebot unterordnet; daB sie vielmehr frei alles
15 zu erreichen sucht, was sie begehrt, seien es Vater oder Mutter, Tochter
Oder Schwestern, verheiratete oder unverheiratete Frauen, und uin die
ganze Frechheit der Begierde darzulegen; seien es mannliche oder weib-
liche Wesen, Menschen oder Tiere. Um es kurz zu sagen : Das Streben
der Begierde (der Menschen) ist, da(5 nichts sie aus irgendeinem Grunde
20 von solchen Dingen abhalte.
Die Habgier au(5ert sich in folgender Weise: Der Vater eines Mannes
ist gestorben. Dem Sohne geniigt nicht derjenige Erbteil, der ihm nach
dem Rechte von seinem Vater zukommt; er hat auch noch nach den
Erbteilen seiner Schwester und Mutter Verlangen. Und weil er nun
25 dies schmutzige Ziel nicht erreichen kann, weil sein eigenes Oewissen ihn
tadein und alle Mensclien ihn blolJstellen wiirden, so erfindet erdasMittel,
(eine Ehe mit diesen Biutsverwandten) fiir die grolite Gerechtigkeit
\s.Anin.) und den Gipfel aller Ehrenhaftigkeit auszugeben. Deshalb sucht
man auch das Gottesurteil, das sich oft an Kindern aus solchen schnuitzigen
30 Ehen zeigt, insofern etwas an ihnen abnorm ist, ihre Glieder, Augen,
Hande und FiiBe und andere Glieder eine Schwache zeigen und ihre
Haut verschiedene Farben zeigt, in der Weise zu erklaren, dali dergleichen
herriihre von dem Kampfe der Damonen mit dieser Gerechtigkeit, wie
die Macht der Damonen auch an solchen, die in tier Gerechtigkeit
35 vollkommen sind, wahrgenommen werde.
— 38 —
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^ * -■ «^ocu>>s«2 d^Uox : von-^>-^ w.aA«X3op *^crp M.au3p
— 3i)
Wir (Christen) sagen dagegcn vertrauensvoll, Jali liic Danioncn
keinerlei Macht haben, wo Vollkommenheit and Gereclitigkeit herrsclit.
Demi wenn die Damonen aiich kampfen, gewinnen sie doch keinen Sieg.
IV. Kapitel.
5 Wenn nun diese Angelegenheit (der Blutsverwandtenlieirat)
so iibel und so voller Unreinheit ist, waruni hat denn Gott
die Menschen niciit von Anfang an so geschaffen, daB eiii
Mann absolut nicht imstande sei, mit einem blutsverwandten
Weibe Umgang zii pflegen?
10 Zunachst muB man wissen, daB jedes Gesetz gegeben wind mit
Bezug aiif Dinge, weiche moglich sind, nicht mit Bezug auf solche, die
unmogiich sind. Weil die jetzigen Menschen, als sie zuerst geboren
wurden, von Adam und Eva geboren wiirden, und nun Weiber aus
einem anderen Oesciiiecht oder einem anderen Lande, die man iiatte
15 heiraten komien, niclit vorhanden waren, so wurden sie von Gott nicht
getadelt (weii diese Adamiten, da es fremde Weiber niciit gab, unter sich
heirateten). Und wenn man sagt: Gott hiitte, wenn er wollte, zwei
Menscheiipaare schaffen konnen, so dal? die Sohne des einen Paares die
Tochter des anderen hiitten heiraten konnen, so erwidern wir darauf:
20 GewiB war es nuiglich, daB Gott niciit blof5 zwei Paare, sondern Tausende
und Zehntausende von Paaren hatte schaffen konnen. Denn er, der die
Engel und die Sterne am Himmel in unzjihlbarer Menge geschaffen hat,
hatte auch Menschen schaffen konnen, soviel er wollte. Daraus ware
aber den Menschen ein groBer Schaden erwachsen. Denn audi jetzt,
25 wo doch alle Menschen von einem Vater und einer Mutter ahstammen,
gibt es solche unter ihnen, weiche in ihrem Stolz und Hochmiit andere
Menschen nicht als ihresgleichen, sondern als Vieh mid wilde Tiere an-
sehen. Wieviel mehr wiirde eine solche Anschauung aufkommen, wenn
sich herausstellte, daB das (jerius humanum verschiedenen Ursprunges
30 sei. Wenn schon jetzt, wo die Menschen von einem Vater mid einer
Mutter abstammen, einer der ersten (Kain) seinen Bruder ttiten konnte,
ohne dal^ er sich vor Vater mid Mutter nnil vor der Briiderpfliciit scliamte,
eine solche Untat zu begehen, wieviel mehr wiirden sie solche Dinge
begehen, wenn sie verschiedener Abstammutig waren. Deshalb hat Gott,
35 unser allweiser Herr, Mann und Weib nicht zugleich geschaffen wie das
Vieh, die wilden Tiere, die Amphibien und Vogel, sondern er hat zuerst
den Mann geschaffen und tiann erst aus seiner Rippe das Weib gebildet.
Und durch die Comniunio (matrimonii) verband er sie miteinander niittels
einer natiiriichen Verbindung, damit ilire Kinder, da sie gleich von beiden
40 abstammen, sowie audi die wieder von diesen geborenen, da sie alle als
von einem Manne und einem Weibe geboren anzusehcn sind, mit-
einander in Liebe unii Harmonic leben. Denn es gab kein anderes Ge-
schlecht (von Menschen), mit dem man hatte eine Verbindung eingehen
konnen, um dadurch einen Zuwachs an Liebe (unter den Menschen) zu
45 erzielen. Deshalb konnte solche Liebe niir mit den vnrhandenen Menschen
zustande komnien, nicht mit nichtvorliandenen.
— 40 —
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^p lA3pa.X3 i.*^M^2 . ^<n-ift.v ^Suie w^o^aLj2 ^o;A 30
' Von 2eO^ bis 2ppkM zu tilgen. - I. >^JOe>^X.i3.
I. 2^ai;saau.3o. ' ■■ ^30^x3. ' 1. J^aud. ' 1. »3aLX.
— 41 —
Nachdem aber die Menschen sich vermehrt hatten, befahl Gott,
da6 sie fremde Weiber heiraten sollten, daniit durch die Verbindung der
Menschen unter einander ihre freundschaftiichen Beziehungen sich mehren,
denn er woUte, daB nicht bloB die Liebe wie zwischen Eltern und Ge-
schwistern unter ihnen bestehen solle, sondern auch noch die Liebe der
Schwiegersohnschaft, der Schwiegereltemschaft (s. Anm.), der Schwieger-
tochterschaft und anderer Verwandtschaftsgrade hinziii<omme.
Wir bemerken ferner, dafi Kain der erste war, der damit anfing,
seine Schwester zu heiraten, der mehr als alie Menschen verflucht worden
ist, da Gott von vomherein eine solche Tat (die V'erwandtenheirat) ver-
werfen wollte. Abel starb, ohne ein Weib genommen und Kinder ge-
zeugt zu haben, Seth aber konntc eine von den Tochtern Kains heiraten
(so daB es der Schwesternheirat nicht mehr bedurfte).
V. Kapitel.
15 Warum Lot nicht getadelt worden ist, als er seinen Tochtern
beiwohnte, und Juda, als er bei seiner Schwiegertochter
Tamar lag.
Als Lot seinen Tochtern beiwohnte, war er sich der Tat nicht be-
wuBt, sondern war infolge von Weintrinken sinnlos, wie auch das gott-
20 liche Buch sagt: Er wufite nichts von ihrem Liegen und ihrem Auf-
stehen (1. Mos. 19, 33. 35). Seine Tochter aber, welche diese Tat begangen
haben, sind, obwohl die Tat fiir siindhaft und schmutzig erachtet wurde,
doch von Gott nicht bestraft worden, weil sie nicht aus Wollust und
Frechheit gehandelt haben, sondern in dem Glauben, daB sie allein von
25 alien Menschen auf Erden iibriggeblieben seien, da alle anderen durch
Feuer umgekommen waren wie einstmals durch Wasser. Sie glaubten,
dafi das Feuer nicht allein iiber Sodom und Gomorrha herabgekommen
sei, sondern uber die ganze Welt, und dachten ferner, daB sie wie Noah
und seine Kinder gerettet seien, damit sie (sie und ihr Vater) das Mittel
30 fur die Errichtung eines neuen Menschengeschlechtes wiirden. Weil sie
es aber auch unter solchen Umstanden nicht erreichen konnten, daB ihr
Vater ihnen zu Willen sei und bei ihnen liege, bedienten sie sich der
Hilfe des Weines, was auch sonst viele Weiber, wenn auch ohne voiles
BewuBtsein und gegen alles, was sich schickt, zu tun pflegen. Wegen
35 dieser ihrer Auffassung sind sie nicht von Gott bestraft worden.
Auch Juda war sich seines Tuns nicht bewuBt, als er bei seiner
Schwiegertochter Tamar lag, da er glaubte, sie sei eine Hure, indem sie
wie eine solche gekleidet war (1. Mos. 38, 15). Und bei Huren zu liegen,
— 42 —
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QjJ^ >C3p*p eorp : ' p^OL^al ;s loA ^.^Tl..l^2 2>»%«'Vj;p .\\,Y>
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2eo^ joa^Sioo .^crou^2 •isiv&X^ 2eo^ «^ 23 sli^p .^<ja« laaa
-"■>^'^\ PkXi3^2 .Uxa (^p ci!^ eec* 1^ a^a .^o'o^li •A\..n
..aix.JS,i :s.>»p w.070u«2p ^l\«^^op eo^p li^d.2 .w.cou.2 i>^i2
4^3^* llLpo .^>5a.iip 2aaLjCD •^eoA 2eo' xAp w.6mp \\.»
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— 43 —
wiirde damals nicht fiir eine Siinde geachtet, da sic sich freiwillig zur
Verfiigung stellten. Audi Tamar hat keine Strafe empfangen, deiin es
war ihr ein Unrecht zugefiigt, insofern ihr Schwiegervater itir befohlen
hatte, im Hause ihres Vaters zu bleiben (1. Mos. 38, 1 1), bis iiim ein
5 anderer Solin ervvachsen sei. Als er dann erwachsen war, gab er sie
ihm niciit zum Weibe. Darum tadeite sie ihren Sciiwiegervater wegen
des ihr zugefiigten Unrechts, was Juda ausdruci<t mit den Worten: Sie
ist gerechter als ich (1. Mt)s. 38,26).
Man imiB hierbei audi das beruci<sichtigen, dafi die Siinde ganz
10 besonders nach dem Wiiien uiui der Absicht gerichtet wird, nicht nach
der Tat (s. A rim.).
VI. Kapitel.
Wariim wir nicht die Witwe des Bruders heiraten diirfen,
wahrend doch das Gesetz (Mosis) behehit, daB, vvenii ein
15 Mann sohnlos stirbt, sein Bruder seine Witwe heiraten und
(ihm mit ihr) eine Nachkommenschaft crrichten soil {s. Anm.).
Es war ihnen (den Israeliten) keineswegs nach dem Gesetz erlaubt,
die Scliwagerin zu heiraten, wann es ihnen beliebte und wenn der (ver-
storbene) Bruder Kinder liinterlieli. Denn der Oesetzgeber hielt es fiir
20 widerwartig, tlal5 derjenige, der uin den Tod seines Bruders trauern solite,
seine Frau heirate und sicii mit ihr erhjstiere. Ware es (im allgemeinen)
erlaubt, dal5 jemand die Frau seines Bruders heirate, dann wiirde es
oft vorkommen, daB ein Mensch in der Begierde nach seines Bruders
Frau Mittel und Wege suchen wiirde ihn zu toten. Nur in deni Fall,
25 da(5 der (verstorbene) Bruder eines Mannes keine Kinder hinterliilit, be-
fiehlt ihm das Gesetz, die Witwe seines Bruders zu heiraten, damit das
aus dieser Ehe geborene Kind als das Kind des Verstorbenen angesehen
werde. Denn da sie nicht auf eine Auferstehung und ein neues Leben
hofften, bestand ihr ganzer Trost darin, da[5 sie nach ihrem Tode einen
30 Namen und ein Andenken unter ihren Kindern nder denen, die ihre
Kinder genannt wurden, hinterlieBen, damit ihr Name und Andenken
unter den Lebenden nicht verschwinde.
Wir (Christen) aber schatzen, da uns die kiinftige Welt und das
neue Leben offenbart worden ist, ein solches Andenken wie nichts. Denn
35 wir glauben, dali im Jiingsten Qericht weder der Sohn dem Vater noch
der Bruder dem Bruder etwas niitzen wird, sondern dali jeder nach seinen
Werken abgeurteilt wird, und das Andenken nach dem Tode halten wir
fur etwas Nichtiges. Deshalb bilden wir uns auch nicht ein, dalJ wir,
— 44 —
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— 45 —
wenn wir viele Kinder hinterlassen. dadurch einen Vorteil gewinnen,
noch meinen wir, daB wir, wenn wir kinderios von dannen gehen, da-
durch Schaden erleiden.
VII. Kapitel.
5 Warum wir einige der Bestimniungen des Gesetzes Mosis
beobachten, andere dagegen nicht (s. Anm.).
Wenn die Menschen die Wahrheit erkennen, aber den Frevel und
den Dienst der Sunde meiden wollten, brauchten sie kein geschriebenes
Gesetz, denn die Einsicht der menschlichen Natur wiirde genugen, sie
10 anzuleiten zur Erkenntnis Gottes und fernzuhalten von Frevel und Sunde.
Denn die Unsichtbarkeit Gottes ist von den Grundlagen der Welt an
fur seine Geschopfe durch Nachdenken erkennbar aus seinen Werken,
ebenso seine ewige Macht und Gottheit (Rom. 1,20). Auch weist das
folgende Wort (des Apostels Paulus) die Knechte Gottes darauf bin, daB
15 die Menschen, wenn sie nur wollen, imstande sind zu erkennen, was sich
gebuhrt: Was denkst du, o Mensch, der du diejenigen richtest, die sich
mit solchen Dingen befassen, wahrend du selbst dich auch damit be-
, fassest, daB du entfliehen werdest dem Gerichte Gottes usw. (Rom. 2, 3).
Der Apostel weist dadurch, daB wir die Toren richten und die Obeltater
20 fur unrein erachten, darauf bin, daB wir wissen, daB die Sunde das
Bose ist und daB man sie meiden muB (5. Anm.).
Da aber die Menschen zu Frevel und Siinde neigen und daher
die Wissenschaft von der Gerechtigkeitsliebe verachten, so ist ein ge-
schriebenes Gesetz fur sie nohvendig geworden, damit, wenn sie etwa
25 vorgeben wollen das Recht nicht zu kennen, das geschriebene Gesetz
sie widerlegt. Deshalb lehrt das Gesetz sie nicht bloB, den Frevel und
die Sunde zu meiden, sondem es entzieht ihnen auch den Vorwand,
unter dem sie sich meistens dem Frevel und der Siinde ergeben haben.
So spricht die Bibel: Du sollst nicht einen anderen Gott haben auBer mir.
30 Mach dir nicht zu irgendeinem Bild oder Gleichnis, was oben im Himmel
und unten auf der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht usw.
(Exodus 20, 3 --5). Vor dem Frevel warnt sie die Bibel mit folgenden
Worten: Wenn du mir einen Altar von Steinen machst, so baue ihn
nicht aus behauenem Stein, denn du hast Eisen daruber geschwungen
35 und ihn beschmutzt (Exodus 20, 25). Die Bibel will niclit sagen, daB
der behauene Stein in Wirklichkeit unrein sei — waren doch auch alle Ge-
rate der Stiftshiitte und des Tempels mit Eisen gearbeitet, und der ganze
Tempel war aus behauenen Steinen aufgebaut — , sondern nur aus dem
Grunde, weil die Heiden auf Holz und Stein Bilder von Menschen und
40 anderen Dingen in Relief einzugraben und auszuhauen pflegten, befiehlt
die Bibel: Wenn du mir einen .Altar aus Steinen machst, ilann baue
ihn nicht aus behauenem Stein . Denn besonders auf solchen Steinen
konnen sie Zeichen und Figuren darstellen. Und da die Bibel befohlen
hat, daB kein Eisen den Steinen nahekommen soil, sind sie nicht in der
45 Lage, sich des statuarischen Bildwerks in der angegebenen Weise zu
bedienen.
Wenn ferner die Bibel befiehlt: diese Tiere sollt ihr essen und
diese nicht; dies ist rein und jenes unrein, so wollte sie durch dies
Mittel die Menschen von der Anbetung von Vieh und wildem Getier usw.
50 abhalten. Weil die Menschen eine Neigung sogar zur Anbetung von
wilden Tieren, Vieh und Fischen hatten, teiite Gott alle lebenden Wesen
- 46 —
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< I. Z,^J1m3.
— 47 —
in reine und unreine. Er befahl, die reinen zu schiachten iind zu essen,
dagegen die unreinen gar nicht zu beriihren, damit die Menschen sie ja
nicht fur Gotten hielten, jene, weil sie sie schiachteten und aBen, diese,
weil sie sie fiir unrein hielten. Steht dnch audi in dem Gesetzesbuche
5 geschrieben: Wie das Griine des Orases habe ich euch alles gegeben
(Gen. 9, 3).
DaB dies alte Oesetz sehr nutzlich war, erkennt man daran, daB
auch jetzt noch viele Menschen Stiere, Schafe und Fische, Andere Fische,
Schlangen, Drachen und andere derartige V^esen anbeten. Wahrend
10 einige Menschen diese Tiere als die Scliopfung des Bosen schniahen,
beten andere sie an als Gotter. Deshalb wolHe Gott durch solche Vor-
schriften den Menschen, gleich wie Kindern, Furcht einfloBen vor der
Sunde und sie fernhalten vom Frevel.
.\us demselben Grunde befahl er ihnen die Toten als unrein an-
13 zusehen. Denn die Heiden hieUen viele Verstorbene fiir Gotter und
beteten sie an wie Gotter, sei es weil sie so machtig, so reich an Siegen,
so weise oder so schon gewesen waren oder weil man an der Liebe
zu ihnen festhielt. Die Menschen schiachteten ihnen Opfer und beteten
sie an wie Gotter. Deshalb wurden die Toten zu der Kategorie des
20 Unreinen getan, damit die Menschen, indem sie sie fur unrein hielten,
nicht auf die Idee kommen sollten, sie als Gotter anzubeten.
Dasselbe gilt von der Menstruation und von der Pollution (Lev. 15,
16. 17. 19). Es ist haBlich zu wiederholen, was die Menschen unter dem
EinfluB.der Damone zu tun pflegten in der Sache der Menstruation und
25 der Pollution, Dinge. die auch jetzt nocli bei einigen wenigen Heiden
Branch sind {s.Anm.). Deshalb hat Gott auch auf sie die Bezeichnung
der Unreinheit ausgedehnt, damit die Menschen aus diesem Grunde einen
Widerwillen dagegen hatten.
Jetzt aber, da durch den Aufgang unseres Eriosers und Lebcns-
30 spenders Jesus Messias das Licht der Erkenntnis der Gottesfurcht iiber
die Geister der Menschen aufgegangen ist, haben nicht allein die Christen,
die Anbeter des Messias, sondern auch die Juden, die sich bis zur An-
kunft des Messias noch nicht von dem Gotzendienst losgesagt hatten,
sowie auch viele Heiden einen Abscheu gegen die Gotzenverehrung.
35 Jetzt bedarf es nicht mehr solclfer Gesetze, als ob wir etwa fiirchten
miJBten, daB wir die Gotzen noch als Gotter verehren konnten, weil wir
wissen und bekennen, daB es nur cin einziges anbetungswiirdiges gott-
liches Wesen gibt, daB er allein der Schopfer aller Dinge ist, daB alles,
was er geschaffen hat, schon und gut ist, wenn auch nicht jedes Ding
40 jedem Zwecke dient. Denn einige Dinge dienen zum Essen, einige zur
Arbeit, einige zum Reiten, andere zum Vergniigen, andere zur Heilung,
andere zur Kleidung und Bedeckung, andere zur Jagd, andere fur die
Bewachung der Hauser, GroBvieh und Kleinvieh, andere zur .Abschreckung
vor der Siinde, andere zur Strafe fiir Vergehen. Alle diese Dinge dienen
45 notwendig einem Zweck im groBen Weltenhaus. Gibt es doch auch
im Hause eines jeden einzelnen von uns viele Dinge, die nicht zum
Essen und Trinken noch zur Kleidung dienen, wie z. B. der Riemen und
die Peitsche, welche nur zur .^bschreckung und Warnung von Kindern
und Sklaven dienen. Trotzdem halten wir diese Dinge nicht fur zwecklos.
50 Der Umstand ferner, daB die Juden die Wochen- und Monats-
anfange beobachteten, wir dagegen nicht, geht auf folgendes zuriick:
Die Woche ist eine Erinnerung an die Schopfung Gottes, der diese Welt
in sechs Tagen schuf und am siebenten ruhte, der ihnen befahl, am
Sabbat zu ruhen und in der SabbatsmuBe derjenigen Ruhe zu gedenken,
55 welcher Gott sich hingab nach der Schopfung aller Dinge. Ein weiterer
Orund ist folgender: Die Juden, in ihrer Bosheit, gonnten ihren Knechten,
Tagelohnern und ihrem Vieh auch nicht eine einzige Stunde Ruhe. Deshalb
befahl er ihnen, daB sie, auch wenn sie es nicht wollten, in jeder Woche
_ 4S —
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— 49 —
an einem Tage ihren Knechten und Tagelohnern imd ihrem Vieh Ruhe
geben sollten. Und wenn jemand aus gar so groHer Habgier sich selbst
keine Ruhe und geniigende Nahrung gewahren will, so soil er wenigstens
einmal wegen des Zwanges des Qesetzes an einem Tage sich Ruhe geben
5 und sich etvvas fordern und starken fiir die Arbeit der ubrigen sechs Tage.
Wir (Christen) aber brauchen nichts von diesen Dingen, da unser
Herr die Gottesruhe vollendet hat, indem er den ganzen Sabbat im Orabe
ruhte, am Sonntag von den Toten aufstand und uns auch an diesem
Tage aufzuwecken versprach (5. Anin.). Und vveil wir diese Welt und ihren
10 Wandel aufgegeben haben und uns durch ein Sakrament (das der Taufe)
im rvTTos jenes unsterbiichen Wandels hefinden, so haben wir auch das
Andenken an diese Welt aufgegeben und nehmen das unsterbliche Leben,
das am Sonntag seinen Anfang genommen hat, zum Vorbild. An diesem
Tage ruhen wir von alien irdischen Geschaften, widmen uns dem Dienste
15 Gottes und der Erinnerung an die Auferstehung unseres Erlosers. An
dem Tage geben wir auch unseren Sklaven und Dienern Ruhe, da wir
nicht unter einem Zwange handelnd wie diejuden, sondern mit Diskretion
uns unseren Obliegenheiten widmen.
Ebenso haben wir auch die Monatsanfange und die Feste (der Juden)
20 aufgegeben, sintemal es Mysterien des Lebens dieser Welt sind, wahrend
wir doch die kiinftigen Dinge zum Vorbild nehmen.
AUe iibrigen Bestimmungen, die im Gesetze Mosis verzeichnet sind,
die uns Gott naher bringen und von dem Dienst der Sunde entfernen,
ausgenonimcn die (in diesem Kapitel) angegebcnen, beobachten wir ge-
25 wissenhaft und ehren wir wie gottliche Gesetze, d. h. alle diejenigen,
welche uns abhalten von der Beeintrachtigung von unseresgieichen und
uns anieiten zur Kenntnis Gottes.
Dies ist der Grund, warum wir einige der Gesetze Mosis beob-
achten, andere dagegen nicht.
Sachau, Syrische Rechubucher III.
— 50 —
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laSpOk^ \..A..B Juo-ae .pi.tA.! y«wja Z. 00,^.1 a I-k.V^.b
x!^ ^3 ^Jm* .^-lioou i<xp l\ ...So SuS tsoa^ p^*^ l^jcsae^e
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^ 25
— 51 —
VIII. Kapitel.
Warum wir nicht eriaiiben, dafi ein Christ eine unglaubige
Frau, noch dafi eine Christin einen Heiden heiratet, wahrend
doch der Apostel spricht: Qeweiht ist der unglaubige Mann
5 durch ein glaubiges Weib, und geweiht ist das unglaubige
Weib durch den giaubigen Mann . (1. Kor. 7,14.)
Der zitierte Ausspruch des Apostels (Paulus): Geweiht ist der un-
glaubige Mann durch ein glaubiges Weib und das unglaubige Weib
durch den giaubigen Mann bezieht sich auf den Fall, dali zwei Personen
10 (Mann und Weib) friiher Heiden waren und nun einer von ihnen, Mann
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— 5H —
Oder Weib, Christ wird. In bezug hierauf bestimmt der selige Apostel,
da(5 es ihnen freisteht, sicli nicht von einander zu trennen, wenn die
nichtchristliche Person das Fortbestehen derEhe vviinscht, indem er spricht:
Wenn ein Briider da ist und eine nichtgiaubige Frau hat, und die Fran
5 bei ihni woiinen bleiben will, soil er sie nicht entlassen (1. Kor. 7, 12).
Dasselbegilt von der Frau, die einen nichtgliiubigen Mann hat (l.Kor. 7, 13),
unter der Voraussetzung, dal5 man namlich ihre Kinder tauft, gemaB deni
Ausspruch des Apostels: Wenn ihre Kinder nicht unrein sind, nun aber
sind sie rein (das. Vers 14). {S. A/im.)
10 Jedoch solange die Menschen noch nicht verheiratet sind, befiehlt
der Apostel, nur Christinnen zu heiraten. Das gibt er an eineni anderen
Orte zu erkennen: Solange der Oemahl der Frau lebt, ist sie durch
das Oesetz gebunden. 1st aber ihr Gemahl gestorben, dann ist sie befreit
von dem Gesetze, so daB sie heiraten kann, wen sie will, nur in Unserem
15 Herrn. (1- Kor. 7,39), d. h. nur Christen.
Es ist klar, daB er (der Apostel), der dies Oesetz fiir die Witwen
gegeben hat, dasselbe in gleicher Weise auch fiir Jungfrauen, fiir Manner
und Frauen aufstellt (d. h. daB Christen nur Christen heiraten sollen).
IX. Kapitel.
20 Woher wir gelernt haben, daB der Christ nur ein einziges
Weib heiraten soil, nicht niehr.
Sowoh! aus einer Tatsache wie aus einem Worte Gottes. Aus einer
Tatsache, insofern Gott nur ein einziges Weib fiir einen Mann schuf, und
aus einem Worte Gottes, insofern er sprach : Deshalb soil der Mann Vater
25 und Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und die zwei sollen
ein Fleisch sein (Gen. 2,24). Gott spricht hier von einem Weib, nicht
von Weibern, und von den zweien, nicht von melireren. Und audi
Unser Herr, indem er spezieil dies Gesetz erneucrt, spricht: Habt ihr
nicht gelesen, daB der, der zu Anfang schuf, sie als Mannlein und Weibleiii
30 schuf und sprach: Deshalb soil ein Mann Vater und Mutter verlassen
und seinem Weibe anhangen, und die zwei sollen ein Fleisch sein
(Matth. 19, 4. 5). Und die Rede zusammenfassend, spricht er welter:
Also sind sie nicht zwei, sondern ein Leib und fiigt den Befehl hin-
zu: Was daher Gott verbunden hat, soil der Mensch nicht trennen«
35 (Matth. 19,6).
Auch der Apostel stimmt mit diesem Worte iiberein, indem er,
durch eine Andeutung darauf hinweisend, spricht: Das Weib hat nicht
Macht fiber ihren Korper, sondern ihr Gemahl. So hat auch der Mann
nicht Macht ijber seinen Korper, sondern sein Weib- (1. Kor. 7, 4). Es
40 ist klar, daB das Nicht-Macht-Haben iiber Mann und Weib, von dem
hier Paulus spricht, sich auf ihr Eheleben bezieht, und daB es nicht be-
— 54 —
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— 55 —
sagen soil: sie hatten nicht die Maclit irgendein Oeschaft zu verricliten,
zu gehen oder zu kommen, ohiie daB der eine es dem anderen erlaubte.
Vielmehr will der Ausdruck besagen: Wie die Fran, solange ihr Mann
lebt, nicht berechtigt ist einen anderen Mann zu heiraten, ebenso ist
5 audi der Mann, solange seine Frau lebt, nicht berechtigt eine andere
Frau zu heiraten.
Indem die gerechten Manner der Vorzeit auf diesem Wege wandelten,
beobachteten sie dies Oesetz (der Monogamie) mit groBer Sorgfalt. So
dachte Abraham trotz der Unfruchtbarkeit seiner Frau und seiner Kinder-
10 losigkeit nicht daran, daB er eine zweite Frau heiraten und niit ihr Kinder
zeugen konne, sondern erachtete es fiir gerecht, in Kinderlosigkeit zu
verharren, nachdem er von Anfang an, wahrend seines ganzen irdischen
Lebens mit ihr in Ehegemeinschaft geleht hatte, und erst auf Zureden
der Sara entschloB er sich seiner Sklavin Hagar beizuwohnen. Ebenso
15 hielt es sein Sohn Isaak fiir recht, mit seiner unfruchtbaren Frau zu leben,
die, obwohl mehr als lOOJahre alt, nur ein einziges Mai geboren hatte,
ohne eine zweite Frau oder ein Kebsweib zu nehmen. Auch Jakob trat
nicht von unkeuscher Begierde bezwungen an diese Sache (die Bigamie)
heran, sondern weil er einen Pakt (der Verlobung) mit der Rahel ge-
20 macht hatte, ihr Vater sie ihm aber nicht gegeben hatte, hielt er es nicht
fiir billig, diejenige, der er beigewohnt und deren Jungfernschaft er zer-
stort hatte, zu entlassen, und hielt es nicht fiir recht, diejenige, mit der
er von Anfang einen Pakt gemacht und die er wie seine Frau gekiiBt
hatte, zu entlassen. Und mit seinen Sklavinnen lieB er sich erst auf
25 Drangen und Zureden seiner Frauen ein. Soiches lernen wir genau aus
dem gottlichen Buch. Und Joseph, so machtig er war, heiratete nur eine
einzige Frau, die Tochter des Potiphar, ebenso Moses nur die Tochter
des Priesters von Midian und Aaron nur die Tochter des Nachschon,
des Sohnes des Amminadab. Ebenso hahen es die anderen gerechten
30 Manner des Altertums gemacht.
X. Kapitel.
Aus welchen Qriinden die Menschen ini Altertum sich von
ihren Frauen scheiden durften, wir dagegen nicht.
Diese Frage ist auch an Unseren Herrn gerichtet worden. Wir
35 geben hier seine Antwort, da sie machtiger ist als jedes (Menschen) Wort.
Moses hat angesichts eurer Herzenshartheit euch erlaubt, cure Frauen
zu entlassen, damit ihr nicht, nachdem ihr ihrer satt geworden und da
das Oesetz euch hindert sie zu entlassen, auf Mittel und Wege sinnt
sie zu toten, um von ihnen frei zu werden, und ferner hat er geurteiit,
40 daB es fur die Frau nutzlicher sei, von ihrem Manne geschieden als des
Lebens beraubt zu werden. Dies beweist deutiich, daB dies (die Ehe-
scheidung) nicht von Anfang an so gewesen ist, und Was Oott zu-
sammengefiigt hat, soil der Mensch nicht trennen (Matth. 19, 6).
— 5() —
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— 57 —
Viele Menschen sagen: Es ist ein liartes Oesetz, dali, wemi eine
Frau wegen Unfruchtbarkeit oder Krankheit oder aus irgendeiner anderen
Ursache nicht gebart, d. h. vvenn es vorkonimt, dal5 sie mit ihrem Gemahl
keinen Umgang pflegen kanii, der Mann nun kiiiderlos und ohne ehe-
5 lichen Umgang bleiben soil. Wir erwidern darauf: Es ist ebenso hart,
dafi, wenn der Mann von ahnlichen Leiden erfalit wird, die Fran ge-
zwungen sein soli, diese Notlage zu ertragen.
Wenn nun aber jemand beinerkt: Hat doch auch die Frau die
Eriaubnis, sich von einem solchen Mamie zu trennen. Wie soli man dann
10 iiber viele Manner denken, die in der Jugeiui utui im Reichtum verlieiratet
waren, dann aber alt, arm, krank, ohne Hilfe imd Lebensnnterhalt sind
(d. h. sollen ihre Frauen sie im Stiche lassen)? Und sollen unter gleichen
Lmstiinden die Frauen von ihren Miinnern verlassen werden? Das wurde
als ein bitteres Unrecht anzusehen sein.
15 Der Oerechtigkeit imd Oottesfurcht entspricht allein die folgende
Auffassung, daB das, was dem einen passiert, der andere ansehen soil,
als passiere es ihm selbst, daB er dies als eine Folge seiner eigenen
Siinden ansehe und sich bemiihe zusammen mit seiner Ehehalfte Gottes
Gnade zu erflehen, daB er zusammen mit seiner Ehehalfte das Elend
20 geduldig ertrage und fest glaube, daB er nicht verlassen werde in alien
Arten der Triibsal, die man ertragt, indem man sich zu Gott bekennt,
damit wir nicht wegen des Gluckes einer kurzen Zeit in dieser Welt
des ewigen Lebens beraubt werden und nicht wegen Kinder, die iins
nach dem Tode nichts nutzen, unseren ewigen Namen und Andenken,
25 welches hoher steht als Kinder, verlieren.
XI. Kapitel.
Aus wie vielen Griindeii der Christ sicli von seiner Frau
scheiden darf und aus welcheni Gruiide sich die Frau von
ihrem Manne trennen darf.
30 Die Griinde, wegen denen ein Christ sich von seiner Frau scheiden
darf, sind streng genommen drei: Qottesleugnung, Ehebruch und Mord.
Dabei ist aber zu beachten, daB Zauberei auch Qottesleugnung ist. Denn
an solche Unreinheit kann der Menscli nicht herantreten, wenn er nicht
vorher Gott geleugnet hat. Mit Recht verleugnet ein Christ sein Weib,
35 wenn sie Gott verleugnet, wodurch sie sich von Gott entfernt und jede
weitere Gemeinschaft mit den GottesfiJrchtigen verliert.
II. xir
— 58 —
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;Lm3 ^. I. 2^o^a\\.
— 59 —
Der Ehehruch ist deshalh Scheidungsgrund, weil die Frau mit
Willen die Einheit des Ehebundes vernichtet hat, indem sie sich mit
einem zweiten Manne einlieB.
Mord ist deshalb Scheidungsgrund, well sie dadurch die natiirhche
Verbindung und Zusammensetzung von Seele und Leib getrennt hat,
weiche durch die Kunst des Schopfers des Universums hergesteilt war,
und daher auch sie von der Verbindung mit deni Manne getrennt werden
muB, der fur sie die Seele und das Leben bedeutet.
Wenn die Leiter der Kirche zuweilen und seiten bestimmen, sich
von einem Weibe zu scheiden, die schwatzhaft, schmahsuchtig und wider-
wartig fur das Zusammenwohnen mit dem Manne ist, so kann dies nur
geschehen nach vielfacher Priifung und Erschopfung aller moglichen
Mittel, nachdem man sie geschreckt hat mit der Strafe, sie verspottet und
alle Arten der Korrektion erschopft hat. Und nur in der auBersten Not
und ungern entschliefien sie sich dazu, einem Manne die Scheidung von
einem soichen Weibe zu gestatten.
XI 1. Kapitel.
Warum ein Mann sich von seiner Frau scheiden darf, wenn
sie Ehebruch begeht, und warum sich die Frau von ihreni
20 Manne, auch wenn er offenkundig Hurerei treibt, nicht
scheiden darf.
Deshalb, weil man ersieht, dal5 aus dem Ehebruch der Frau
mehr Makel, Nachteile, Unrecht hervorgehen als aus dem Ehebruch des
Mannes. Denn wenn ein Mann mit einer anderen Frau Ehebruch treibt,
25 so werden die daraus hervorgehenden Kinder nicht die Kinder seiner
rechtmaBigen Frau, sie haben keinen Anteil an dem Vermogensteil (seiner
Frau) und beerben sie nicht (5. Anm.). Auch ernahrt der Vater sie nicht
aus dem Unterhalt und dem Erwerb seiner Frau. Dagegen werden die
von einem ehebrecherischen Weibe geborenen Kinder die Kinder ihres
30 Oemahls, haben teil an seinem Vermogensteil, an seinem Unterhalt und
seiner Erbschaft, obwohl sie nicht von ihm gezeugt sind.
Ferner; Die Frau kann in betreff eines Kindes, das aus Ehebruch
hervorgegangen ist, nicht im Zweifel sein, ob es von ihr oder einer
anderen Frau geboren sei, wahrend der Mann, wenn seine Frau Ehebruch
35 treibt, nie wissen kann, ob die von ihr geborenen Kinder von ihm oder
von Anderen gezeugt sind. Kurz, in alien Fragen, betreffend die Geburt
von Kindern und die Abstammung, sind die Frauen eine glaubwiirdigere
Autoritat als die Manner.
Und ferner, weil alle Kosten des Unterhalts der Frauen von den
40 Mannern bestritten werden, so scheint das Unrecht in dieser Sache groBer
auf seiten der Frauen als auf seiten der Manner.
Sobald man beobachtet, daB die Weiber Ehebruch treiben, sollen
die Manner sie in Furcht und Schrecken, unter Hohn und Schmach aus
ihren Hausern verstoBen. Wenn man dagegen beobachtet, daB der Mann
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— 61 —
Ehebruch treibt, soil man ihn zur Rede stellen und tadeln, ihm BuBe auf-
erlegen und ihn von den Sakramenten ausschlielkn, aber seine Frau soli
niciit von iiim gescliieden werden.
Wenn dagegen von vieien Seiten eingewendet wird, dal5 diese
Bestimmung nur deshaib gelte, weil die Manner die Ricliter seien, so ist
das eine veraclitliclie Verleumdung, nicht eine Wahrtieit (5. A/im.). Denn
das Gesetz ist nicht von den Mannern gegeben worden, sondern von
dem Herrn der Manner und Weiber (von Gott).
XIII. Kapitel.
10 Von solchen Mannern, welche um der Tugend (d. i. aszetischen
Lebens) willen sich von ihren Frauen scheiden.
Ich bin von vieien gefragt worden, vvarum einige Menschen, vvahrend
doch Gott befiehlt, dal3 der Mensch nicht losen soil, was Gott
zusammengefiigt hat (Matth. 19,6) und der Apostel spricht: Du bist
15 gefangen iin Weibe, begehre nicht eine Losung (1. Kor. 7,27), dennoch
um der Tugend willen sich von ihren Frauen scheiden. Wir antworten
darauf das Folgende.
Jede Tugend wird nach ihrem Grunde und ihrem Zwecke be-
urteilt, nicht danach, wie sie sich in Taten aufkrt (s. Aiim.). Wir be-
20 haupten zuversichtlich:
Wenn jemand wegen eines gerechten Zieles seiner Seele, um Gottes
und der Liebe zur Tugend willen sich von seiner Genossin losen will,
indem er das irdische Leben vollkommen verachtet und seine Seele als
abgestorben gegen seinen ganzen Lebenswandel erachtet, wie jemand,
25 der langst tot, aber im Wandel des jenseitigen Lebens infolge der hochsten
Tugend lebendig ist, dann wird er nicht getadelt wegen seiner Ober-
tretung {wortlich : MiBachtung) des genannten gottlichen Gesetzes. Denn
in Wahrheit tut er es um keines anderen Grundes willen als um Gottes
willen, und das Motiv seines Tuns ist der Befehl Unseres Herrn: Jeder,
30 der nicht um meinetwillen Hauser oder Briider oder Schwestern, Vater oder
Mutter, Weib oder Kind verlaBt, ist meiner nicht wiirdig (Matth. IQ, 2Q;
10, 37). Wohlverstanden spricht Unser Herr nicht folgcndes: Jeder,
der nicht Frau oder Kinder, Vater oder Mutter usw. verlaBt, ist nicht
wiirdig, dali er mein Schiller sei. Wenn es so ware, waren seine Schiiler
35 sehr wenige. Vielmehr will er folgendes sagen : Wenn der Mensch nach
Tugend und Gottesfurcht verlangt und diese Dinge (die Ehe) ihni ein
Hindernis fiir die Ausfuhrung seines Planes sind, dann ist es besser fiir
ihn, dafi er diese Dinge (die Ehe) fahren la(5t als die Gottesfurcht und
die Tugend, indem er die Liebe zu den Eltern, Kindern, Frauen und
40 alien sonstigen begehrenswerten Dingen dieser Welt als sekundar be-
trachten und der Liebe zu Gott nachsetzen muB. Im vorliegenden Fall
mit vollem Recht, denn man muB den Schopfer der Natur mehr lieben
als die Natur, die erste Ursache mehr als die zweite. Das deutet Unser
— fi2 —
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— 63 —
Herr klar an in folgenden Worten: Wer Vater oder Mutter niehr liebt
als mich, ist meiner nicht wiirdig iisw. (Mattli. 10,37), wodurch er zeigt,
daB er nicht dem Menschen befichlt, diese Dinge niciit zu liebcn, sondcrn
zuerst iiin zu lieben und dann die anderen.
5 Viele Menschen aber, ohne rechtes Verstandnis von dieseni Worte
Unseres Herrn und nicht erkcnnend, was die Tugend und iiir Ziel ist,
die nicht imstande sind, die hochste Tugend zu erreichen, weii sie nicht
ein gerechtes Ziel haben, entferncn sich vein der Beobachtung des gott-
liclien Qesetzes, das doch der Anfang unti die Grundlage aller Tugend
10 uiul Gerechtigkeit ist. Sie treten es niit Fiilien, als oh es zu niciits niitzte.
Wie oft haben sie dies erste und gottliche Gesetz mil5achtet aus Begierde
nach eitlem Ruhm, zuweiien audi weii sie die Oiiter dieser Welt ange-
strebt, aber nicht erreicht batten, oder weii sie bedriickt wurdeii von
Ihren Schicksalen und sie nicht zu ertragen vermochten, oder aus Tragheit
15 und MiilJiggang und weii sie nicht in den Geschaften dieser Welt arbeiten
woilten, nicht dein Kaiser, was des Kaisers, und nicht Gott, was Gottes
ist, geben woilten — wie oft haben sie dies erste und gottliche Gesetz
mifiachtet, das doch auch von den wilden Tieren, dem Vieh und den
Vcigeln beobachtet wird, und haben ihre Frauen und Kinder in Hunger,
20 Durst und BloBe, vielfach auch unter groHer Schuld, welche sie konfrahiert
hatten, erbarmungslos zuriickgelassen (s. A/im.y. Wie die Raben kiimuiern
sie sich nicht uni ihre Jungen, laufen in die Gebirge und Wiisteneien,
indem sie wahnen, daB es fiir die Vollkonimenheit aller Tugend genuge,
wenn sie sich die Haare scheren, das Gewand eifriger Tugendhelden
25 anziehen, indem sie nicht bedenken, daB diese Manner nicht an ihrem
Gewand als Helden erkannt werden, sondern an ihrer Standhaftigkeit im
Kampfe, wie ein Ritter nicht, weii er Ritter genannt wird und wegen
seines Gewandes als Sieger bezeichnet wird, sondern deshalb, well er
im Kriege seine Tapferkeit an den Tag legt.
30 XIV. Kapitel.
Ob die Frau aus irgendeinem Griinde sich von ihreni Mamie
scheiden darf.
Die Lciter der Kirche befchlcn dem Weibe, sich von ihrem Gemahl
zu trennen, wenn er Gottesleugnung oder Zauberei oder Mord begeht,
35 aber erst dann, wenn er mehrcre Male zur Rede gestellt worden ist, trotz-
dem imUngchorsam verharrt und nicht mehrauf seine Riickkehr zur Gotles-
furcht zu hoffen ist. Nur im auBcrsten Notfall und ungern eriauben die
Leiter der Kirche dann den Weibern, solche Ehcmiinner zu verlassen. Je-
doch urn der Tugend willen ist es den Weibern nicht eriaubt, ihre Manner zu
— r,4 —
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' 1. ^2.
- fi5 —
verlassen. Denn mit einer solchen Aufgabe (der des Anachoretenlebens)
werden die Weiber nicht betraut.
In betreff der Witwen, die noch jiincf sind, spricht der selige
Apostel (Paiiius): Ich wiinsche, dal5 die iiii^eiidiiciieii (Witweii) sich
wieder verheiraten, Kinder gebaren iind iiire Haiiser besorgen (i.Tim.5, 14),
damit sie durch Sorge und Miihe infolge von Schwangerschaften unci
Oeburten, infolge der Erziehung der Kinder und des Dienstes fiir ihre
Manner imstande seien, ihre sinnlichen Triebe zu bemeistern.
XV. Kapitel.
Auf welche Weise der Beweis des Ehebruchs erbracht wird.
(s. Atirn.)
Man fragt, wie die Tatsache des Ehebruchs festgestellt werden kann,
da doch der Ehebruch nicht offenkundig und vor Menschen betrieben
zu werden pflegt, auch nicht leicht zu jeder Zeit Zeugen desseiben an-
zurufen sind und ferner auch nicht jede Zeugenaussage in einer solchen
Sache glaubwiirdig ist. (Wir antworten:)
Entweder durch das Schwangerwerden der Fran wahrend der Ab-
wesenheit ihres Mannes, oder durch wiederholte offenkundige, schamlose
Hurerei, oder durch zuverlassige Zeugen, deren aber nicht weniger ais
zwei Oder drei sein miissen, die im Sinne der Gottesfurcht (des Christen-
tums) zeugen.
Wenn ein Mann erklart: >Ich habe mit eigenen Augen gesehen,
wie meine Frau Ehebruch trieb oder sich mit anderen Miinnern erlustierte ,
muB ihm nicht unter alien Umstanden geglaubt werden. Denn vielleicht
will er seine Frau los werden und macht deshalb eine solche Aussage
gegen sie. Auch darf ihm nicht ohne weiteres geglaubt werden, wenn er
einfach sich erbietet zu schworen, ohne dalj er Zeugen hat und ohne daB
seine Frau als eine freche, sittenlose Person bekannt ist.
Wenn dagegen Zeugen vorhanden sind und sie (die Frau) in eineni
solchen Rufe steht, und nun ihr Mann erklart: Ich habe gesehen so und
so<s dann soil er einen schrecklichen Eid bei Gott in Gegenwart seiner
Frau schworen, und dann werden die beiden von einander geschieden,
indem die Priester Fliiche iiber den schuldigen Teil aussprechen.
Anderenfalls, wenn man iiber das Treiben der Frau weder sichere
Kenntnis noch Zeugen hat und nun der Mann erklart: Ich habe meine
Frau bei solchen Vergehen beobachtet, oder weini Anzeichen vorhanden
sind, daB sie Unzucht treibt, sie aber nicht ertappt und entlarvt werden
kann, und nun ihr Mann sie anzweifelt und erklart: -Ich bin zweifelhaft
iiber sie , dann soil das Weib herantreten an unsere bitteren, prii fen-
den Wasser(s. Niirneri 5, 18, 23, 24, 27 und Anm.), d. h. sie soli den Eid
und die Verwiinschungen nach dem Worte Gottes aussprechen, worauf
dann der Priester iiber sie das folgende Urteil spricht: Wenn du die Siinde
begangen hast, so geschehe dir das und das vor Gott. Wenn du rein
bist von diescr Siinde und von der Sache nichts weist, so bist du ge-
heiligt durch das Wort Gottes< . Und von da an bleiben die Eheleute
Sachau, Syrische Rechtsbucher \l\. 5
— 6« —
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II. XVI. (rtsi^il 30u.Up 2%.n \.\ o}!^ \\x *^lp .^..X3u^^^J:3 Ixh
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II. XVIII. .3ucxb.^j^^p 1X3 .^9 23kM fiy.fiL3doc2 ^c; t^2p ^i^a ''^i\
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add.
— 07 —
bei einander, nicht inehr von irgendeinem Zweifel beriihrt, indem die
Fran Kleidung und Lebensgewohnheiten, die auf die Unreinheit des Ehe-
bruchs hindeuten konnen, in Ordnung bringt (anstandig macht) (s. Anm.).
XVI. Kapitel.
Ob ein Mann sein Weib behalten darf, nachdem sicii heraiis-
gestellt hat, daB sie Ehebruch getrieben, oder nicht,
Der Kieriker, der kirchliche Wiirden hat, darf nicht eine soiche
Frau behalten noch eine Hiirerin heiraten, damit nicht seine Wiirde und
der Name seines Qottes von den Unreinen, die sein Weib verderben,
10 beschimpft, er nicht von jedermann verhohnt nnd nicht, wenn er andere
vvegen Ehebruchs tadelt, von soichen frechen Personen mit den Worten
an den Pranger gestellt werde: Wir unterscheiden uns nicht von deiner
Frau, die dasselbe treibt . Aus diesen Griinden eriauben wir den Inhabern
kirchHcher Wiirden nicht, soiche Frauen zu behalten.
15 Dagegen die Laien pflegen wir meist nicht zu verhindern, dieselben
zu behalten, wenn sie wollen. Denn wir hindern sie auch nicht, wenn
sie Huren heiraten und eine Schenke halten (5. Anm.). Freilich pflegt
man sie darob auch nicht zu loben, aber ein gesetzlicher Zwang (soiche
Dinge zu unterlassen) liegt ihnen nicht ob.
20 XVII. Kapitel.
Ob ein Mann, nachdem er sich von seiner Frau vvegen ihres
Ehebruchs geschieden, bevor er eine zweite Ehe eingeht,
die geschiedene in sein Haus ziiriicknehmen (d. h. die Ehe
mit ihr trotz der vorhergegangenen Scheidutig fortsetzen)
25 darf Oder nicht.
Einige unter den Leitern der Kirche sind der Ansicht, daB, solange
die geschiedenen Eheleute sich noch nicht wieder verheiratet haben, sie
zu einander zuriickkehren diirfen. Wir dagegen sprechen uns dahin aus,
daB, nachdem einmal eine Ehescheidung auf Grund offenkundigen Ehe-
30 bruchs stattgefunden hat, sie nicht zu einander zuriickkehren solien. Denn
das ist bestimmt durch den Befehl Unseres Herrn: >Wer eine Geschiedene
nimmt, begeht Ehebruch' (Matth. 5,32), well sie eben schon einmal ge-
schieden worden ist.
XVIII. Kapitel.
35 Ob die wegen Ehebruchs von ihrem Manne geschiedene
Frau eine zweite Ehe eingehen darf.
Ober eine soiche Frau hat Unser Herr deutlich befohlen, daB ein
Mann sie nicht heiraten darf. Wer eine Geschiedene nimmt, begeht
Ehebruch' (Matth. 5,32). Der Grund dieser Verfiigung ist der, daB, wenn
Ao jemand das Weib seines Nachsten begehrt, oder eine verheiratete Frau
einen anderen Mann begehrt, sie sich nicht zu einer Missetat vereinigen
solien, die den Erfolg haben wiirde, daB wegen des Bekanntvverdens
des Ehebruches die Frau von ihrem Manne geschieden wurde und nun
die beiden sich nach Wunsch miteinander verheiraten konnten. Wenn
45 das so vor sich ginge, konnte jedermann leicht das Weib seines Nachsten
bekommen, insofern es jedem schwer fallen wiirde, ein Weib zu behalten,
('.8 —
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siiid erganzt aus S. 2S, 14.
20
O .JO
— (ii) —
von der man weiR, da(3 sie Ehebruch hewangen hat. Also hat der Oesetz-
geber bestinimt, datiiit ihnen iiicht eiii liinterlistiges, vcrbrecherisches
Mittel, das vmi schiiuitzigen Menschen ersonnen ist, zum Vorteil gereiche.
Von vielen Seiten ist dagegen eingevvendet vvordcn, daB es doch
hart sei, wcnii eine Fran, die eininal bei solchem Fehltritt crtappt worden,
ob sie nnn einniai gestrauchelt oder aus Irrtum oder unter dem EinfhiB
von Charaicterschwache gehandelt habe, iiir ganzes Leben gezwungen
sein solle, in Witwentuni oder Hnrerei und Schmutz zu verharren, da
sie eine zweite rechtinaBige Ehe nicht eingehen durfe. Oftmals heiratet
sie dann einen Heiden, unci vielieicht geht sie dann auch deni Christentuni
verioren.
Gegen diese Auffassnng fiihren wir aber das Wort Unseres Herrn
wider die Ehebrecher in das Feld: Wenn dein Auge dich argert, reiH
es aus und vvirf es von dir. Denn es ist dir besser, dal5 du niit einein
Auge in das Leben gehest, als daB du niit zwei Augen in das Feuer
der Holie tallest (Matth. 18, 9). Es ist weniger schwerwiegend, dal5
einige wenige, die sich freivvillig (von uns) abgesondert habeii, um solche
Unreinheit zu begehen, in ihrer Siinde belassen werden, als dali der
ganze Leib der Kirche Gottes infolge der Ansteckung, die von den
Siindern ausgeht, zugleich nut ihnen verdorben werde.
XIX. Kapitel.
Ob eine solche Fran eine neue Ehe eingehen darf, die von
ihrem Manne wegen der Tugend (d. h. wegen seines Qe-
liibdes der Keuschheit) oder wegen seiner Reise in die
25 Fremde verlassen worden ist und lange Zeit auf ihn ge-
wartet hat, oder die deshalb, weil sie nicht mehr Jungfer
war, in ihr Vaterhaus zuriickgeschickt worden, oder aus
irgendeinem ahnlichen Ornnde geschieden ist.
Wir sind der Ansicht, daB Kleriker und solche, die eine kirchliche
30 Wiirde haben, eine solche Frau nicht heiraten diirfen, wohl aber Laien,
wenn sie wollen. Und hiermit schlieBen wir das zweite Buch.
Ende des zweiten Buches des Corpus juris von Jesubocht.
Buch III.
Eherecht.
12 Kapitel.
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' I. 1X3. - 1. 0^09 3ap. ^ I. o2. * 1. Ai9-3aa.
— 73
Drittes Buch
von demselben Jesubocht.
Corpus juris.
I. Welche Bestimmungen und Canones die Christen in betreff der
5 Gemeinschaft (Genossenschaft, Ehe) mit den Fraiien haben.
II. Von solchen Personen, die nach AbschluR des Verlobunffspaktes
und nach Oberreichung des Ringes sich trennen und den Ehebund
{worflich: die Genossenschaft miteinander) nicht eingehen wollen.
III. Von solchen Personen, die sich nach vollzogener Ehe wieder
10 trennen.
iV. Von dem Weibe, die aisjungfrau das Haus ihres Gemahis betreten
hat und dann von ihm verachtet wird, als ware sie nicht Jungfrau.
V. Von denen, die fremde Weiber rauben und bei ihnen liegen.
VI. Von der Frau, die in das Haus ihres Gemahis gezogen ist, ohne
15 daB er infolge von Fehlern seiner Leibeskonstitution mit ihr Umgang
pfiegen kann.
VII. Von der Frau, weicher ihr Gemahl nicht die Jungfernschaft zu
nehmen vermag, die sich daher von ihm trennt und einen andercn
Mann heiratet, die aber dann, nachdem ihr zweiter Mann gestorben,
20 wieder von ihrem ersten Mann zum Weibe begehrt wird.
Vill. Von Mann und Frau, von denen die eine Person in Gefangenschaft
gerat, wie viele Jaiire die zuriickgebhebene Person in der Hoffnung
auf die Ruckkehr der anderen warten muli.
IX. Von der Frau, deren Mann in die Fremde gereist ist, wie lange
25 sie auf ihn warten inuli.
X. Von der Ehe der Sklaven und SkJavinnen der Christen.
XI. Von solchen [Eheleuten], welche eine rechtmalJige Ehe mit einander
vollzogen haben, von denen dann die eine Person von einem Sciunerz
Oder einer Krankheit oder einem kcirperlichen Defekt befallen wird,
30 wie z. B. von der Krankheit, die von einem bosen Geiste ausgeht,
Oder von Kratze oder Elefantiasis oder einem ahnlichen Leiden.
. — 74 —
III. I. X^a.i.ao Uo>^\ ^o>il ^A^Ip l^sopja Iss .^\^;s3 la^laop
§1. i.<i».3^Vy \^ .Z^3 2;sa^:\asp i;^oa^ ,U . y fo'sLX^ ;!n^23
^01 .^Lxip 4sOLd«soLS3 2;sol3^3 UiV^, r>'a^3 l^oxoo \^^oi
^ 2euA : 2o^2 ^^ ^.jcaa ^p kA, \.\..if) .>.x^ ^3bao2 5
zajsJOoifS 2^A»o laxou. loai ^x^pja? oa32 .7i?23 ov^2
>.i,V,2 .w^ojepouAs :9p2 looui? xAs ^p .'i^2p <*aui
^Lo^^p isSbHp U.\,r)'k3>.iS .32 ja?i .cri^o^2 lisp^^^ o^
l^'^aoe .23a.dk^p ^.a^Xji ^ouou.>vi ;s..»p>-n .^o^^^oucA
Sua .:,'o..Jl w«j^p ^kjce Lic^p 2;souAg.ML-3 2>^-04u^p 10
.>^2au.is . ^^^^J^0e :auOJS^ «^eov)^P 1^ oo^p .nia.gpa
: lioj^p Zoaoo pwsp Xao 2por \\.Y)e .2oA2p y^o* 2ds^3Qa
2^3^ .2'30L3k»p : Yv.n 3p»a2 UaoLlov^e "•ia..np l^sae
§2. d^p 23^2 du.2 .s^2o .^or 2;sa5Naa:^ ^■^.-^t■,. 2^>x<.3J:e ^vd>a
;,4 ^"a .g^^o .7 \ Na .oyao 0).^ io.2o : .^la-n ...jjo Uc^ op is
-^ \ >^ ol^o : 2Xj.dA 2^0L3;sajL3 .l?'i^ .A (Tw\ . . Vip
zlisaio^ 3lo Xso^ioop ^<^oA2 ^3oa \\^p 2;soa suool^
^2 .l?oi yjx eu*A.a^2 l^c^p 2^.o, -1 .\ fl iS \ \..v> 2-^2
wd.6>aaxo :^^. e2 ^3;^ 23;s2 oop :^2p luju^ope jb ..n-\is^a
^ibout] ec7 : ^oo^A ^.^^aok^e 7*tt>n ^..iainY)e ♦ ocuN.'nN 20
§3. :s«2 »^2 aoiso .2^3i^3ux 2^ol3;^oux ^cto . ^L.3a ^soao
: U^ope A52e : lio.*Ja ^<jap la^xo Uop op xAp 23^2
auA ^3doo .2^»a^ 2^a3iNas 2^mA 2x3,\ ^^e^JLse
2i3\ 'plJOo Uxa\^\ ^^2 : lioj^ op ;^^2p 23dv A ♦sOi\,iat
.2^^.i2 2po-p .k»2e : t'o.n a-^A^o Ula.opoo Uc^ ;saba 25
§4. 23aL\e .^^gT^^xao 2'3u.3a .VaxJao 2^a3J^OkX ^07 .u.01 w.;sis^2
: o;do.OLS''Xp auM2 2^3u.2 2^^j2 o2 2^^2o .^^a2 oA ^sA a^
^bfp 2peL» : 2^pw^p T-a'so^^o luoiua ^ ^2^JUaop laoe
^Su^or .U.07 2>oo2 ^ ^2 : U.OT or&do>2 2:s.ao2 o2 : 2j\:^j2
.iCsi^l li^i>^l ^2e U^ ^«p o^ .^cr o7^&i2o .^.ot 2^3Zm 30
§5. li^a .^^o^JLao Ju2 :aLA.o : a\a.3 o^ i^^ p^a 2>k^^2e
1. aJa92p. ' I. Zaaui) ^^uip. ' 1. ss^jcI ' 1. 2^^^^.
XII. Von dem Weibe, der vvahrend ihres Brautstandes oder wahrend
ihrer Ehe von Feinden Oewalt angetan worden ist.
Ende der Kapitel des dritten Buciies.
I. Kapitel.
5 Welche Bestimmungeii und Canones die Christen in betreff
der Qemeinschatt (Qenossenschaft, Ehe) mit den Frauen
haben (s. Anm.).
§1-
Ober die Bestimmungen und Canones der Christen in betreff
10 der Gemeinschaft mit den Weibern sagen wir folgendes: Weil nun ini
Anfang Oott die Eva aus der Rippe Adams gebildet hat, jedoch so, dal5
er, bevor er sie bildete, seine Absicht, sie bilden zu wollen, aussprach
— heiBt es doch in der Bibel: Es ist nicht gut, da(5 Adam allein sei;
ich will ihm einen Heifer machen gleich ihm« (Gen. 2, 18) — , so geziemt
15 es auch den Christen, daB sie, bevor sie zur Ehe schreiten, zunachst
den Verlobungspakt aufstellen (d. h. die Absicht, die Ehe griinden
zu wollen, aussprechen) und die symbolische Handlung des Ringaus-
tausches vornehmen lassen, alles dies durch Vermittlung der Priester und
der iibrigen Kleriker. Denn wir glauben, daB dasjenige, was voni Priester
20 verfijgt und gesegnet wird, in Wahrheit etwas von Gott Gesegnetes ist.
Wenn daher der Verlobungspakt durch den Segen der Priester, der iibrigen
Kleriker und der Glaubigen bestatigt ist, dann sehen wir die Ehe als
richtig und feststehend geschlossen an.
§2.
25 Wenn an einem Orte keine Priester und (sonstige) Kleriker sind, wohl
aber christliche Manner und Weiber, welche sich rechtmaBig mit einander
zu vermahlen wiinschen; wenn sie aber bis dahin von der Ausfiihrung
ihrer .\bsicht abgehalten worden sind — nicht etwa dadurch, daB sie
den gottlichen, durch das Priestertum gespendeten Segen verachteten,
30 sondern dadurch, daB keine Priester in erreichbarer Nahe waren; und wenn
nun die Christen des Ortes, zwei oder drei, sich versammeln, die Braut-
leute anhoren, den Ehepakt aufstellen und sie segnen, dann ist ein solcher
Pakt und Segen rechtskraftig, und ebenfalls die also geschlossene Ehe.
§3.
35 Wenn es sich aber um einen Ort handelt, in dem keine Priester
und sonstige Kleriker und auch (auBer dem zu verheiratenden Paar)
keine Christen vorhanden sind; wenn da der Mann sich rechtmaBig mit
dem Weibe vermahlt und sie dann nach einem Orte gelangen, in dem
Priester vorhanden sind; wenn sie dort zu der Gemeinde gehen, der
40 Mann vor die Priester und Glaubigen hintritt und den Pakt aufstellt
mit den Worten: Diese Frau ist meine Frau<, dann wird diese Ehe
und der Pakt als rechtskraftig angesehen.
§4.
Wenn ein Mann nicht verheiratet ist, aber eine Sklavin oder ein
45 anderes Weib auf seinem Lager halt; wenn er dann, von den Priestern
und Leitern der Kirche zur Rede gestellt, erklart, das Weib oder die
Sklavin sei seine Frau, alsdann ist das Weib, wenn es eine Sklavin ist,
frei und seine Gemahlin. Ebenso ist auch das andere Weib (die nicht
Sklavin ist) seine Gemahlin.
50 §5.
a) Wenn ein Weib nicht verheiratet ist, aber mit einem Mann in
(wilder) Ehe lebt, ohne Mittelspersonen und Zeugen in Anspruch ge-
— 7() —
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2p'3u.. 73-X >^oa2 I^'^osp : 2^^^ ^pjo ^.AnriYto : 2pi«A 20
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§7. 2^^i2 e2 2> t \, la^ lA ^p ^2 .1jjs3<x5 lA? 2p3 — ^
L^'Lspc^o Lic^U3k^ 1^«UM^>» lA e2 :2p3^»3 v^o *V n.i^^p
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^«^3^ ^ 23^p Ulu2 .lus .oA U2 duoap 3^2p avt^^
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: ;X^ \^ yeoi'-Ti^ 2'k-i\ ^a^ivAp 23^2 ocp 23uA, 6^2p
.U*a-do ;.JC>v\i .•voo^ ^P? ^;A«2 ^au? p3J» ^ouSA 30
6^3 ■2'au3L.\.\ Zir^ ^^P -23^2 oc^a Ip.-,.^ :s^2 ^ ^2e
d.i. ^3u^. - x.a^p? ' I. Zao.
— I I —
nommen zu haben, unci dann erklart: Der Mann ist mein Gemahl; wenn
in gleicher Weise der Mann erklart: Sie ist meine Frau« ; wenn dann die
Leiter der Kirclie und die Verwandten der Frau nacii Untersucliung
der Angelegenheit finden, daB der Mann fiir das Weib angeniessen ist,
5 dann wird diese Verbindung als eine giiltige und reclitmafiige Elie an-
gesehen.
b) Ausgenommen ist der Fall, daB sie sich eingelassen hat mit
einem Manne, der ihr Sklave oder ein fromder Sklave ist, oder ein anderer
Mann, den sie nicht heiraten darf. Wenn diese Sache zur Kcnntnis der
10 Kirche und der Verwandten der Frau kommt, und man findet, daB der
Mann fiir die Frau nicht angemessen ist, dann wird eine soiche Ver-
bindung als unrein und als nicht rechtskraftig angesehen.
c) Der Grund, waruni in dieser Angelegenheit das Gesetz fiir das
Weib verschieden ist von demjenigen fiir den Mann, ist folgender: Das
15 Weib wird nicht, wie der Mann, mit der Verfiigung iiber ihre eigenen An-
gelegenheiten betraut. Was ferner den Mann betrifft, so wird, wenn ihm
von seiner rechtmaBigen Frau, welcher Art sie auch sei, ein Kind geboren
wird, sein Same nicht verdorben (d. h. nicht in der sozialen Steliung herab-
gesetzt), denn ein solches Kind wird geachtet wie sein (eines freien
20 Mannes) Kind. Dagegen wenn die freie Frau sich mit einem Sklaven
vcrbindet, so sind die Kinder, die von ihr geboren werden, Sklaven-
kinder {s. An/n.). Und wenn auch in der Gottesfurcht Sklaven und
Freie einander gleich sind, so befiehlt das gottiiche Gesetz doch nicht,
die Ordnung dieser Welt, welche das Gesetz ins Leben gerufen hat, zu
25 verwirren.
§6-
Wenn ein unverheirateter Mann einejungfrau betort und ihr bei-
wohnt; wenn nun nach dem Bekanntwerden der Sache der Mann und
die Angehorigen des Weibes eiiiverstanden sind und die Priester finden,
daB sie fiir einander passen, und wenn die beiden vor der Kirche sich
damit einverstanden crklaren, daB sie in rechtmaBiger Ehe mit einander
verbunden seien, dann sollen die Priester sie bioB wegen ihrer Charakter-
schwache tadein und sollen ihnen befehlen, von nun an unzertrennlich
an einander festzuhalten.
35 §7.
Wenn dagegen der Mann oder das Weib die Ehe ablehnt, otier
wenn die Priester, die Leiter der Kirche und die Verwandten der beiden
nicht der Ansicht sind, daB sie fiir einander passen, dann muB in folgender
Weise verfahren werden. Wenn der Mann tl as Weib nicht heiraten
w will, und wenn sie schwort, daB sie sich ihm ergab, da er ihr ver-
sprochen habe, sie zu heiraten, dann ist er gezwungen, eines von zwei
Dingen zu tun, entweder sie zu heiraten oder ihr eine 'wpe« zu geben,
und zwar die Halfte des ortsiiblichen Betrages, wie sie Leute von ahnlichem
Geschlecht und Vermogen zu geben pflegen. Und wenn es in der be-
43 treffenden Gegend Sitte' ist, daB die Weiber (bei der Heirat) den Mannerii
etwas geben, dann muB sie gleicherweise dem Manne die Halfte der
ortsiiblichen Darbringung geben. Beide, Mann wie Frau, sollen nach
ihren Vcrmogensverhaltnissen geben. In beiden Fallen sollen sie die
— 78 —
x\t^ JNoAN : 23w^ . eo;^ ;!o.23 Tsyie ocrp l\^ .I^oss^s
^oXaL^Xaoa w.6p . ^3b»2 ^.p l\\^ .• a^Xi 2^xi2o i\n\ p
v^oo;^«* ^^2 .2'\t\\ Xxa, ;\52 .ZsjA 2'>ai. > oA^ap 2x.^
*^^oA;s^ 23^.2 ouj^p : 2o;A23 or^sx^A ^^^^u»p I.aabae
§8. Z^ zli<iisAl Zxil e2 2^^i2 ^p ^2 .233^.. ^ ^^eLsaL^^luo
U.C7 ;.^Ax^ lA^2o .2aun.A, ooiS 2'^''Tu2 ^C7 2eo7<Np .-^o^
;sxd 2;^oajcx3k»o Li^^^e 2L0Z:] ^i3.»23 l.\ > .2 : 2'xi'lu2
.^eo7d>>a^:»j03 Ijcako :ajc>de ^o\3utU J3p4? la^j -^^^^
^*ou*ao3 lA^2 .<.i.>ai^2 ^3i^3 .>ns'ia\ ^339 Xxn ^3 Zx>.l33
§ Q. j}Sp lA^yJOXa 2vn.\3 Z»0 .1 \\>,Ot93 2^e33L» JSjk.
2^^.v..\..oa>a 2;s^j1^ ^ 3olmUo ;,*\. 'v',>3 2;sa.b>»,t3L'> o2^
^Jm.^2 Z^ : ) x.v.t ov^x^Zas Zs^ zA ^3 ^s^so : Z.a.t-n
Zjoaaaia ^bi ItsisA:^ 30u>Zi3 : Z107 5^23 2a.-nL\^ 2S.\..tt:3
u.6v^ oucxa 1 .ii.\,fr>3a Z-oattJ3 oi^p w^ov^ ■2^ftv<\.r>%'%3
\ ^^ *;^ : ^>..CLa Z^ Z.^. V » «^ol10t ^2o x«\ lai .2:^^j,2
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— 79 —
Halfte geben, weil sie sich von einander trennen. Und dann haben sie
uber das, was sie einander gegeben, weiter keine Verfugimg (s. Anm.).
Dagegen in einem Lande, wo es nicht Sitte ist, dai3 die Weiber den
Mannern, noch die Manner den Weibern etwas geben, dann sollen sie
3 (einander) geben nach ihren Verhiiitnissen und geniaB der Entscheidung der
Kirche der betreffenden Gegend, und darauf sich von einander trennen.
§8-
Wenn dagegen das Weib oder Hire Verwandten nicht
wollen, daB sie den Mann heirate, und wenn sie nicht den oben
10 angegebenen Schwur leistet (daB sie sich gegen das Eheversprechen ihm
ergeben habe), dann sollen sie durch BuBe, zeitweiligen AusschluB vom
GenuB der Sakramente und durch offentliche Riige vor der Kirche ge-
buhrend fur ihre Sunde bestraft werden. Wie dies geschehen soil,
werden wir spater sagen, wo wir von der Bestrafung der Sunder handeln
15 (5. ///. Kap. S. 81).
§9.
Wenn ein Christ ohne Vermittlung von Priestern und christlichen
Laien einen schriftlichen Verlobungspakt macht, oder durch Vermittlung
von Heiden (einen solchen macht) und dann das christliche Weib heiratet,
20 sie spater aber nicht behalten will, so zwingen wir einen solchen Mann
nicht, die Frau nach den Bestimmungen des christlichen Gesetzes zu
behalten, weil er sie nicht nach christlichem Gesetz geheiratet hat. Die
Heiden iibrigens bestimmen ihrerseits auch nicht, daB ein Mann seine
Frau entlassen konne, wann es ihm paBt, und wir Christen haben keine
25 Veranlassung, solchen Eheleuten einen Zwang aufzuerlegen, da sie nicht
vor uns ihren Pakt geschlossen haben.
II. Kapitel.
Von solchen Personen, die nach AbschluB des Veriobungs-
paktes und nach Uberweisung des Ringes sich trennen und
30 den Ehebund nicht eingehen wollen.
§ 1 (s. Anm.).
Diejenigen (Mann und Weib), welche durch Vermittlung der Priester
den (Verlobungs-) Pakt mit einander gemacht und den Ring gegeben
haben, dann aber aus irgendeinem Grunde einander nicht leiden mogen;
35 wenn sie beide der gleichen Gesinnung sind (d. h. die gleiche Abneigung
hegen) oder aus irgendeinem Grunde sich (wegen der Aufhebung der
Verlobung) miteinander verstandigen, zwingen wir nicht, daB sie unterallen
Umstanden die Ehe konsuminieren, wenn sie es von vornherein {s. Anm.)
nicht wollen, sondern wir stellen sie zur Rede und tadein sie nach Kraften.
« Wenn sie aber dann doch nicht die Rectificatio (s. 1, XIII) annehmen wollen,
gestatten wir ihnen sich zu trennen, bevor sie die Ehe konsummieren.
§ 2 (s. Anm.).
Wenn aber nur die eine Parte! (der Brautigam oder die Braut) die
Ehe einzugehen verweigert, dann notigen wir sie nach Kraften entweder
*3 die Ehe zu konsummieren oder sich mit einander zu verstandigen, so gut
sie konnen.
— 80 —
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I. 2:^^oN^.
— 81 —
111. Kapitel.
Von solchen Personen, die sich nach vollzogener Ehe wieder
trennen.
Wir bedienen uns gegen sie eine lange Zeit hindurch aller Mittel
der Zurechtweisung, d. h. gegen diejenige Person, welche die Ursache
des Obels ist, (wir tun das) so lange, ais die unschuldige Partei es er-
tragen will ohne Ehegenossen zu leben.
Wenn aber Mann oder Frau, d. h. die unschuldige Partei (von
der anderen Partei) gezwungen wird wider Willen (ohne Ehegenossen
zu leben) und nun die Erlaubnis fiir das Eingehen einer neuen Ehe
verlangt, so erschopfen wir zunachst alle Arten der Verniittlung. Wenn
wir sie aber nicht wieder zur Pflicht und Gottesfurcht zuriickbringen
konnen, geben wir der unschuldigen Partei die Erlaubnis eine neue Ehe
einzugehen. Den Schuldigen aber verfluchen wir und schlieBen ihn aus
von der christlichen Gemeinschaft, indem wir keiner christlichen Person
gestatten, itiit der betreffenden Person eine rechtmafiige Ehe einzugehen.
IV. Kapitel.
Von dem Weibe, die alsjungfrau das Hans ihres Oemahls
betreten hat und dann von ihm verachtet worden ist, als
20 ware sie nicht Jungfrau.
§1-
Wenn evident erkainit wird, dalj das Weib gesiindigt hat, wird sie
mit Schimpf und Schande in das Haus ihres Vaters zuriickgeschickt,
indem von ihr ein Ersatz des Verlustes, den ihr Gemahl durch sie gehabt
25 hat, falls sie etwas besitzt, gefordert wird.
§2.
Wenn aber die Sache nicht evident ist, ihr Mann nur den Vorwurf
gegen sie erhebt, ohne daB die Sache aus den in der Bibel (Deut. 22, 13ff.)
angegebenen Indizien erwiesen werden kann, danu bringt man den Mann,
30 die Frau und ihre Eltern vor die Richter in die Kirche, und unter schreck-
lichen Eiden befragt man den Mann vor dem heiligen Altar, dem Evan-
gelium und dem Kreuze, ob er seine Aussage der NVahrheit gemaB mache
und nicht aus HaB sie in solcher Weise falschlich beschuldige. Und der
Priester verkiindet uber sie (beide) eineu Fluch mit den Worten Gottes
35 und trennt sie voneinander, indem die Kosten, die sie gehabt haben,
nicht zuriickgegeben werden.
§3.
Wenn aber der Mann nicht schworen will, weil er in der Sache
doch nicht ohne Zweifel ist, dann legt man in gleicher Weise der Frau
40 den Schwur auf, und darauf befiehlt man ihnen, in ungeloster Ehe bei
einander zu verbleiben.
V. Kapitel.
Von denen, die fremde Weiber rauben und bei ihnen h'egen.
§1-
45 Wenn das Weib, das man raubt, noch nicht mit einem Manne
verlobt war, und (dann) das Weib und ihre Eltern wiinschen, daB sie ihm
gegeben werde, kann derselbe Mann sie heiraten (s. Anm).
Sachau, Syrische Rechtsbucher HI. 6
III. VI
— 82 —
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§ 2. ^ ^aX* disAv Z^3 aj.^ .y, At 2.^^^ 2^ ^p >^2 .g^.^b..33 is
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§3. 3ua ecn Zj»3»j zaj^sa Jsl^ ^ >^2o .07^,^013 Xaii^p laoa
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§ 4. ^3 .v^2o .oToa2 ;Sda ^ '^'•^^ ^^? y'?^ ^^ ^^*-^ .g;^va 20
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§5.
III. VII
30
— 83 —
§2.
Wenn sie aber zur Zeit, als sie geraubt wurde, bereits mit einem
anderen Manne verlobt war, wind in folgender Weise mit ihm verfahren:
Die heilige Synode (s. Anm.) befiehlt, daB er (der Rauber) sich nicht seiner
5 listigen Tat erfreuen soil. Wenn erkannt wird, dafi er dicse Freveltat
wider den Wiilen des Madchens begangen hat, dann soli sie ihrem Ver-
lobten zur Ehe ubergeben werden, nicht ihrem Rauber.
§3.
Wenn dagegen erkannt wird, daB die Freveltat mit Einverstandnis
10 des Madchens ausgefiihrt worden ist, so kann ihr Brautigam sie nehmen,
falls er sie (noch) haben will. Wenn er sie aber nicht mehr will, dann
kann sie nicht von ihrem Verfuhrer, wohl aber von irgendeinem anderen
Manne geehelicht werden, damit ihr Beispiel nicht als Anleitung, AnlaB
und Vorwand fiir einen solchen Frevel benutzt werde, und auBerdem
15 empfangi der Entfuhrer eine, seiner Missetat entsprechende Strafe und
muB der Geschadigten eine BuBe zahlen, wie wir oben geschrieben
haben (vgl. Ill, I §§ 7. S und Anm.).
VI. Kapitel.
Von der Frau, die in das Haus ihres Gemahls gezogen ist,
20 ohne daB er infolge von Fehlem seiner Leibeskonstitution
mit ihr Umgang pflegen kann.
§ 1. Wenn die Frau schweigend ihr Schicksal tragen will, kann
sie bei ihrem Manne bleiben, solange sie will, und wird gelobt ob ihrer
Standhaftigkeit, mit der sie auf eine Heilung ihres Gemahls hofft.
23 § 2. Wenn sie das aber nicht will, so braucht sie nicht langer
als ein Jahr bei ihm zu bleiben ; sie soil ein Jahr in Witwenschaf t in der
Hoffnung auf die Heilung ihres Gemahls verharren, indem sie, solange sie
in seineni Hause wohnt, Unterhalt und Kleidung von ihm bekommt.
§ 3. Wenn ihr Gemahl in solcher Zeit stirbt, wahrend sie in
30 seinem Hause wohnt, so gehort ihr alles, was ihr Gemahl ihr gegeben
hat, sowie alles dasjenige, was sie aus ihrem Vaterhause mitgebracht hat.
§ 4. Wenn dagegen die Frau stirbt (wahrend sie im Hause ihres
Gemahls wohnt), so gehort ihren Eltern alles, was sie mitgebracht hat,
und ihr Gemahl hat fiber ihr Eigentum keinerlei Verfugung (s. Anm^.
35 § 5. Die Ursache der Verschiedenheit dieses Gesetzes (betreffend
die Ehe eines Mannes, der die Ehe nicht konsummieren kann, im Gcgen-
satz zu der Ehe eines Mannes, der die Ehe konsummiert hat) ist die, daB
der Fehler nicht ein Fehler der Frau, sondern ein Fehler des Mannes ist,
und daB es sich nicht gebiihrt die Frau wegen eines Fehlers des Mannes
40 zu beeintrachtigen.
VII. Kapitel.
Von der Frau, welcher ihr Gemahl nicht die Jungfernschaft
zu nehmen vermag, die sich daher von ihm trennt und
einen anderen Mann heiratet, die aber dann, nachdem ihr
45 zweiter Mann gestorben, von ihrem ersten Mann zum Weibe
begehrt wird.
Es heiBt in der Bibel: Wenn ein Mann sein Weib verlaBt, sie von
ihm fortgeht und einen anderen Mann heiratet; wenn er (der erste) sich
dann zu ihr zuruckwendet, wird jene Erde verunreinigt (vgl. Deut. 24,
50 1 — 4). Hier aber liegt der Fall anders, denn das Weib ist wahrend
— 84 —
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< I. 2^^a2e st. 2^^^a2 e2.
— 85 ~
dieser Zeit (ihrer ersten Ehe) tatsachlich nicht seine Gemahlin geworden.
Ware sie das geworden, hatte er sie nicht fahren lassen und sie nicht
einen anderen Mann heiraten konnen. Nun aber, da sie nicht die Ge-
mahlin ihres (ersten) Mannes geworden ist, darf er sie gehen lassen.
Wenn dann ihr wirklicher Gemahi (der zweite) stirbt, dann darf er (der
zuerst mit ihr verheiratete) sie heiraten, wenn er will, und dadurch wird
jene Erde (das arvum natale) nicht verunreinigt.
Vlll. Kapitel.
Von Mann und Frau, von denen die eine Person in Qe-
10 fangenschaft gerat, wie viele Jahre die zurfickgebliebene
Person in der Hoffnung auf die Riickkehr der anderen
warten niul3.
Je langer ein Mann oder eine Frau unter solchen Umstanden wartet,
um so mehr liefert diese Person einen Beweis ihrer Keuschheit und
15 ehelichen Liebe. Wenn sie aber nicht zu warten vermogen, wird von
Gesetzes wegen bestimmt, daB sie nicht langer als drei Jahre auf ein-
ander zu warten brauchen (s. Anm.).
IX. Kapitel.
Von der Frau, deren Mann in die Fremde gereist ist, wie
20 lange sie auf ihn warten mu6.
Wenn das Weib mit ihm verlobt, aber noch nicht verheiratet war,
soil sie 3 Jahre warten.
Wenn sie dagegen mit ihm verheiratet ist, aber nicht Nahrung und
Unterhalt von ihm bekommt, soil sie 7 Jahre lang geduldig warten.
25 Bekommt sie dagegen den Unterhalt von ihrem Gemahi, dann
mu6 sie sich bis zu 10 (5. /Iw/n.) Jahren gedulden. Dann wendet sie sich
an die Kirche, und die Leiter der Kirche schreiben nun an ihren Ge-
mahi, wo er sich gerade befindet. Wenn dann die Leiter der Kirche ein-
sehen, daB nun keine weitere Moglichkeit fiir eine Rectificatio (d. i. erne
30 Ermahnung des Abwesenden zur Riickkehr zu seiner Frau, 5. /, XI/I)
vorhanden" ist, dann kann sie auf Grund einer Erlaubnis und eines
Richterspruchs der Kirche sich von ihrem Gemahi scheiden und einen
anderen Mann heiraten.
X. Kapitel.
35 Von der Ehe der Sklaven und Sklavinnen der Christen.
§1-
Die Ordnung des Verlobungspaktes isf fur Sklaven dieselbe wie
fur Freie, nur mit dem Unterschied, daB die Priester die Vermittler (der
Verlobung) unter solchen Leuten mit Erlaubnis der Herren sein sollen,
40 aber ohne Erlaubnis ihrer Herren diirfen sie es nicht. Auch diirfen die
Sklaven und Sklavinnen nicht eine gesetzliche Ehe eingehen, weder
mit Freien noch mit Unfreien, ohne Erlaubnis ihrer Herren.
§2.
Wenn sie aber mit Erlaubnis ihrer Herren sich verheiratet haben,
45 dann diirfen ihre Herren sie nicht mehr von einander trennen. Und wenn
ein Glied dieses Ehepaares verkauft wird, darf weder der Kaufer noch
— 8K -
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§4. ^ 2^VC3 ^\.»..p y^Op .^3^2 ^C7 .UMlXS 23l» 00" ^^2
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lisoJ^isax ;sa^ v^^ e A2e 2X.i^pki3 ^.o: 2;sol^;soj: ^ v^ai2
\\.» oAo .*~^oci-i.ie 2pL^A,^^ X.l^p« oi^p 2pof .1a'x.>2p is
2^oa^ ^ »^oa2 .^oA^^p ja?i : x^As ^eo;A^ ^.\,Atp
^OiJcak^AsA Ap ^-tud;> zlcjSl ^S^?? lAoioao 2^ft^^^a.g?^
III. XI. :- aucau^auwp 1X3 . js.cnoifta ^vo3;solX^ e«s.2 ^9 2pM.p ^^^^
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§ 2. 3lm3 29^X» : l?'i^ ^a^p ♦v^oo7;sft^ai ^^^ ^p •^2 .ci\^p
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— 87 —
der Verkaufer sie zwingen, ihre Ehe zii trennen. Hien'On ist nur der
Fall aiisgenommen, daB ein Eliegatte (Mann oder Frau) in die Fremde
geht, das zuriickgebliebene Eheglied eine langere Zeit auf die Riickkehr
des Abwesenden wartet und dann (nachdeni die Riickkehr nicht erfolgl ist)
5 von seinem Herrn genotigt wird, eine andere Ehe einzugehen.
§3.
Es ist klar, daB dies Gesetz fur Christen bestimmt ist, weil es dem
Worte des seligen Apostels entspricht: >Wir richten nur die drinnen,
nicht die drauBen. Die drauBen aber richtet Gott (1. Kor. 5, 12. 13).
10 Es ziemt nicht den leiblichen Herren, weil sie zu Herren ihrer Sklaven
eingesetzt sind, sich ihres Herrentums gegen ihre Sklaven und Sklavinnen
zu bedienen, sondern gemaB dem GeheiB des Apostels soUen sie Billigkeit
und Gerechtigkeit gegen ihre Sklaven iiben, da vvir doch wissen, daB
es auch fiir sie einen Herrn im Himmel gibt.
15 §4.
Dies sprechen wir deshalb, weil vvir erleben, daB viele Christen,
wenn sie Sklaven gekauft haben, die mit freien, ihnen von ihren friiheren
Herren gestatteten (gegebenen) Frauen verheiratet sind, diese ihre erste
Ehe trennen und sie zwingen eine neue Ehe einzugehen. Ein solches
20 Vorgehen ist ungebiihrend. Weil sie die Gewalt ijber ihren Leib
haben, diirfen sie dieselben nicht zuriickhalten von einer Sache des
Glaubens und des Gesetzes der Gottesfurcht, welches befiehlt, daB die-
jenigen, die einmal eine rechtmaBige Ehe geschlossen haben, nicht von
einander getrennt werden sollen.
25 XI. Kapitel.
Von solchen [Eheleuten], vvelche die Ehe miteinander voll-
zogen haben (wortlicher: welche sich in rechtmaBiger Ver-
bindung mit einander verbunden haben), von denen dann
die eine Person von einem Schmerz oder einer Krankheit
30 oder einem korperlichen Defekt befallen wird, wie z. B. von
der Krankheit, die von einem bosen Geiste ausgeht, oder
von Kratze, Elefantiasis oder einem ahnlichen Leiden.
§1-
Wenn solche Personen in voller Kenntnis ihrer Leiden sich ver-
35 heiratet haben, so soil man sie hinterher nicht von einander trennen.
Wenn sie aber nichts davon wuBten und vor Eingehen der Ehe nicht
einander davon in Kenntnis gesetzt haben; wenn die betreffende Krankheit
Oder der Defekt von Menschen geheilt werden kann, dann sollen sie in
Geduld ausharren und sich um die Heilung bemiihen. 1st dagegen eine
40 Heilung nicht moglich, dann diirfen sie sich von einander trennen, weil
eine Betorung unter ihnen stattgefunden hat, indem jede Partei, was ihr
gehort, mit sich fortnimmt.
§2.
Wenn aber (erst) nach vollzogener Ehe bei einem der Eheleute
45 eine solche Krankheit oder ein solcher krankhafter Defekt auftritt, dann
mu6 der andere sich in Geduld fassen und die Heilung von Gottes
Gnade erhoffen, indem der eine ebenso denkt wie der andere, bei dem
das Leiden aufgetreten ist.
— 88 —
III. XII. V ajOiXa^? 1x3 .ec? I»a» m««.>s2 oup 007 ^2 . » e9M-»
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' 1. )ll.
89
XII. Kapitel.
Von dem Weibe, der wahrend ihres Brautstandes oder
wahrend ihrer Ehe von Feinden Gewalt angetan worden ist.
Wenn sich herausstellt, daB das Weib mit Gewalt und gegen ihren
Willen geschandet worden ist, dann darf sie wegen des Unrechts, das
ihr zugefiigt worden, nicht beeintrachtigt werden, sondern ihr Verlobter
oder Oemahl soil sie nehmen, ob sie nun seine Braut war oder seine
Ehefrau.
Ende des dritten Buches von Jesubochts Corpus juris.
Buch IV.
Erbrecht,
9 Kapitel.
— 92 —
IV. .^^on.vftT.p vi\^? y^ au^? l^^hlp l^Jaaljas Jo^
v2p y.07 \^ .^aisp %x'y .U:s3au. \xe las P-*^? ^oou'ka
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IV. I. .U^30u.\^e .233 3m33 ^Su'xd \^ .L.»3^ 1X3 v 1^2323
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■ I. 2£^oai...'3ud. ' del.
93
Ferner
das vierte Buch
von desselben Jesubochts
Corpus juris.
5 Die Kapitel des Buches:
I. Uber die Verwandtschaften innerhalb einer und derselben Familie
und iiber das Erben.
II. Uber die Frage, ob die Briider und Schwestern von derselben
Mutter (uterini) den Briidern und Schwestern von demselben Vater
10 (consanguine!) gleichsteiieii oder nicht, und vvie sie einander beerben.
III. Ober die Verwandtschaft innerhalb zweier FamiJien.
IV. In vvie vieien Bedeutungsarten das Wort benajja -- filii bei den
Christen gebraucht wird.
V. Ober Gesetze (louoi und dine) unseres Gewohniieitsrcciits.
15 VI. Ober die Frau, welche nach dem Tode ihres Geniahis auch noch
ihre Sohne (Kinder?) durch den Tod verliert.
VII. Ober die Ehefrau, der durch das Testament und den Befehi
ihres Gemahls ein Teil gegeben wird, indem sie von seiner Erb-
schaft ausgeschiossen wird, und iiber die Tochter, der durch
20 den Befehi ihres Vaters ein Teil gegeben wird, indem sie von
seiner Erbschaft ausgeschiossen wird.
VIII. Ober den Fall, dal5 ein Mann stirbt, wiilircnd seine Kinder teils
miindig, teils unmiindig sind.
IX. Ober dudagsalarih, d. i. das Institut des Hausoberiiauptes.
25 Zu Ende sind die rese (- Kiipfe), d. i. Kt<t>aKaia des vierten Buches.
I. Kapitel.
Ober die Verwandtschaften innerhalb einer und derselben
Familie und iiber das Erben.
Man mu(5 nun wissen, daB in allem, was wir bis jetzt geschrieben
30 haben, die Christen allerorten mit einander iibereinstimmen, ausgenomnien
v/o sie infolge der Onwissenheit der (weltlichen) Machthaber, die von
den gottlichen Biichern, von den Ordnungen und Satzungen unserer
Vater nichts wissen, wider Qebiihr anderen Gesetzen gehorchen miissen.
Denn alle diejenigen, welche die heiligen Biiciier und die Satzungen und
33 Ordnungen unserer heiligen Vater kenncn, stinimen in allem, was wir bis
jetzt geschrieben haben, iiberein. In demjenigen abcr, was wir von jetzt
an schreiben, stimmen nicht alle Christen allerorten iiberein. Die Ursache
davon haben wir in dem Anfang dieser Schrift (/, / S. 0. II) tlargelegt.
Nun aber stellen wir dasjcnige dar, woran wir in der Kirche unserer
— 94 —
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U^^S ;so^3^o .Ucr^2 13^^03 1^:^000 ^.o^ . lAoaeu
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§2. 2x3e 2:s^j2 Lj..^ A.\.»o .oreL32 Xo ^bs ^nj.3o 6^^ X.A
».,*V n 13 Z.30 ^ 2^^j2p A \.5o .2p'3M. "a,^ v>.va3u-» h^oj:
li.aoft^ ^2 -pA^ P^ CTinx^ ^o^ .ci-V^jV 2x^j..ka 2:soA«xu
07^0la2 ^3 23a .^3mC7 ^ ;TT.,.is.5a cr;\*p 23^0 .Uo;^2 is
.pu±lioe or^^epae .^cr<oiv^2 opiUp \\.3o .^c'eiv^2 23aL\ p
§3. ^2 3^ 2^.3j 'Liio \\se .^<aaaa 2p'iM tx^ ^«ax 2pcr ,\\,y)
23ai^p >\\,'n .23a :zi^ ^J.»a Z^ox 1^ . i\^^i\l ot^so : ^c
.^cre^s^2 craJ^s : ^ 23um .^•^oa2 ..^ n^ i^l ,^ii>. . jao
2;S3a .w.oroal^ 1^3*o LjcxjA, "t . ft y> eorp .^p ^;^3>kp 20
^ ^ ■ H s^ ^3 j^ .orTea2 >^ 61^ i^2 pouAa 2;so>A. . ^p
l^p .^sJ..3op ;.\A.^ 2pc? \.\.,Y>o .oioaA •, o 1 V e I.3..39
§4. '2X3 67A ;s^2p lie zAe«.^p 2;s3a l-i^o \\seo .oA ^!^2
.^3* 23.d»p A.\,M) .^ 23k«. .o-oa2 ^.a w30 \\Uo '3ta\\ A
^M.^^J:2o .>>xcu£^2e 209* Is^p ^>ao 'coal >Jae cA 3auis2 23
o2 .cA 2eo< ^y.'gp 9300 .crroa2 x>\ oA 30>d. .a-a32 i^^ ^
x\aA.;s2p Ay-w ^p ^;s3^p .vts.^ ^ cr'^^xo is^p :93oe
^ 2;se^x. q.^ i^2e .U3w.2 Ijcso U3u*2 ISe^A >\dAao
.oroa23 Z.aa.T 3 aaaV^ A«xo»<.ao X^ .A>3.i»o .^3m2 2^>a
> add. ^«,«US303. ' I. ^9-
a^ i»^ St. ^^.
- 95 —
Provinz sowie in andcren Kirchen gewohnlieitsmaBijf festhalten, iiiul
auch clasjenige, was uns von diesen Gesetzcn als tjczicmend (erscheiiit),
genial? dem in den heilij^en Biichern enthaltenen Sinne und der Recht-
schaffenheit cines Reclit und Billis^kcit liebenden Geistes in Oberein-
5 stimmung mil unseren heiligen Briidern, den Bischofen.
Und zunachst nun legen wir dar, vvie viel verschiedene Verwandt-
schaftsgrade unter den Mitgliedern einer Familie es gibt. Die Vervvandt-
schaftsarten der Faniilicninitglieder sind aclit:
Vater, Mutter,
10 Gemahl, Gemalilin (Weib),
Sohn, Tochter,
Bruder, Schwester (s. Arim.).
§1-
Erbrecht der Haupterben '.
15 Sind alle diese Personen in bezug auf die gegenseitige Beerbung
sich gleich oder nicht? Wie und auf weiclie Weise (erben sie)? —
Wenn ein Mann stirbt, indem er Gemahlin, Soiin und Tocliter, Vater
und Mutter, Bruder unci Schwester hinterlJiBt und iiber seine Habe nichts
bestimiut hat, so beerben ihn nur seine Gemalihn und seine Sohne (Kinder),
20 namhch die Gemahlin und der Sohn, ein jeder von ihnen je einen (ganzen)
Bruchteii (des Nachlasses), die Tochter aber, die ini Hause (ilires Vaters) ist
und es noch nicht verlassen hat, nur einen haiben Bruchteii, waiirend
die Tochter, die das Vaterhaus bereits verlassen hat (d. h. verheiratet ist),
keinen Bruchteii aus dem Hause ihres Vaters bekommt. {So nacli cmcn-
25 dicrtcni Text, s. A urn.)
§2.
Gleiches Erbrecht von Witwe und Sohti.
Waruni sind Gemahlin und Sohn einander gleich in bezug auf den
Anteil an der Erbschaft? - Weil die Frau, nachdeni sie eine recht-
30 maBige Verbindung mit ihrem Gemahl eingegangen ist, nach gottlicher
Bestimmung mit ihm ein Leib (Gen. 2,24) geworden fst und daher gleich
wie sein Leib angesehen wird. Der Sohn aber ist gleich wie der Mann
(der Vater), denn von ihm ist er uiul an seine Stelle wird er gestellt.
Deshalb sind sie einander gleich in bezug auf den Anteil an der Erbschaft.
35 §3.
Verschiedenes Erbrecht von Sohn und Tochter. ■
Warum ist die Tochter, obwohl auch sie von dem Manne (Vater)
gezeugt ist, nicht dem Sohne gleich in bezug auf den Anteil an der
Erbschaft? - Weil der Sohn in einem doppelten Verhaltnis zu seinem
40 Vater steht. Erstens ist er sein Kind, zweitens aber errichtet er seinem
Vater ein neues Geschlecht, wahrend die Tochter nur die Abstammung
von ihrem Vater hat, nicht aber ihrem Vater ein neues Geschlecht er-
richtet. Deshalb kommt ihr nur die Halfte von dem Erbteil des Sohnes zu.
§4.
45 Ausschlufi der verheirateten Tochter von der Erbschaft des
Vaters. (Vgl. § 17.)
Und warum bekf)mmt die verheiratete Tochter (nach emendierfem
Text, s. Anin. zu § 1) iiberhaupt keinen Teil aus dem Hause ihres Vaters?
— Erstens well ihr einmal (bei Gelegenheit ihrer Verheiratung) von
50 ihrem Vater etwas nach seinem Ermessen gegeben und sie (damit) be-
schenkt, und sie von dem Hause ihres Vaters losgelost worden ist. Denn
ihr Vater hatte ihr (bei ihrer Verheiratung) dasjenige gegeben, was ihr
zukam, oder was er als angemessen ansah, und hatte sie aus seinem
' Die Inhaltsangaben unter den Paragraphenzahlen sind von mir hin-
55 zugefugt. S.
— or. —
§5. ^JLae 2ds,^a2 o^ :Sd.2o : 2-xj 2\ i \ \ :s^3 l»o .2%t\^
^^^^Z^ : ^e ^2o Z»2e l32e : ^Aoco? ^nIso : oiX^.:u
^>i vo :s->7i'V..\..T'r>e . ^o? <^o>j lu-.-V^,j(a'xa Xj^a ^M2 s
jQ3ujQ»3a7 ^.l„.J : 2;sol» 3^j3 2aaLO >\\^ ^9^? 12A«»OlXo
^ Zxpg.'aa.i.i a^A^ lot .H^ox^xayj^p li>,aj>Jso^^ ^oM-»?
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xaa : Vu o;^ ^-o^ 3^ is.«»p ecrp 23auo > oaxa^ai.A z^pe lo
ixjQ^ .2aa o^ :!vi.^o 2^^.a2 o^ ^s^2e 2x3A •^o^oa •v2p
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• Z^^Pk^ oo^ ZX3« 6m>^ 7t.«..tt.*o o7>Sis^2 Jucjui : ZotVa
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' I. .auxaa.
20
— 97 —
Hause entlassen. Zweitens aber, weil sie (durch ihre Verheiratung) einem
anderen Pfleger und einem anderen Oberhaiipt ubergeben worden ist
und ihr (infolgedessen) eine Erbschaft aus einem anderem Hause zusteht.
Daher fulirt sie nach der Verheiratung nicht mehr den Namen ihres
5 Vaters, sondern heiBt die Frau des X und nicht (mehr) die Tochter des Y.
§5.
Von der Levirafsehe (s. Anin.).
Wenn ein Mann keinen Sohn hat, wohl aber eine Gemahlin und
Tochter, sowohl ledige wie verheiratete, ferner Vater und Mutter, Bruder
10 und Schwester, wem von diesen Personen fhefit dann die Erbschaft
zu? — Uber diese Rechtsfrage besteht eine groBe Meinungsverschieden-
heit unter den Christen in verschiedenen Landern, und in verschiedener
Weise pflegen sie diese Frage zu entscheiden. Die Ursache hiervon ist
die Meinungsverschiedenheit tiber die Hoffnung auf das Leben nach
15 dem Tode unter den Religionen, zu denen auch der christliche Glaube
gehort.
In dem Gesetze Mosis hat Gott namhch auf die Schwache des
menschiichen Geistes Riici<sicht genommen, und damit derjenige, der
sohnios stirbt, nicht verzweifie, befiehh er (was folgt, vgl. Deut. 25, 5. 6):
20 Wenn ein Mann stirbt und eine Frau hinterlaBt, nicht aber einen Sohn,
so soil sein Bruder seine (des Verstorbenen) Frau heiraten und ihm ein
Geschlecht errichten. Wenn aber ein Bruder nicht vorhanden ist, soil
sein Onkel (Vatersbruder) oder dessen Sohn oder sonst auf alle Falle
ein Blutsverwandter seine Witwe heiraten und durch sie ihrem ersten
25 Gemahl ein Geschlecht errichten. Was nun aber die Habe des sohnios
vorstorbenen Mannes anbetrifft, so gebiihrt sie, damit auf diese Weise
zweierlei erreicht werde: daB der Name des Verstorbenen nicht unter
den Lebenden verschvvinde und daB der Erbe seiner Habe eine, wenn
auch nicht von ihm selbst, so doch von seinem Bruder oder von einem
30 Blutsverwandten gezeugte Person sei, als Erbschaft diesem (Sohn des
Levir), wenn auch nicht wegen der bloB nominellen Sohnschaft, sondern
unter alien Umstanden wegen seinerBlutsverwandtschaft mit dem Erblasser.
DemgemaB hat nun auch der unreine Zarduscht, weil er ursprung-
lich ein Schiiler dieser Lehre war, wie er auch manches andere aus der Lehre
35 des Testamentes Mosis entnommen hat, ein Gesetz aufgestellt, das dem
mosaischen ahnlich ist, und hat den Namen des Levirats und die Erb-
schaft (des Levirsohnes) eingefuhrt, indem er das Levirat aus dem
Buche Mosis entnahm, aber die Erbschaft von sich aus hinzufiigte.
Wenn z. B. der Verstorbene keine Witwe hinterlaBt, oder aber wenn
40 seine Witwe wegen Alter oder Sterilitat nicht gebaren kann, auch in
dem Fall soil der Name des Verstorbenen nicht unter den Lebenden
verschwinden, sondern — so befiehlt Zarduscht — es soil dem Ver-
storbenen durch seine Tochter oder Schwester oder durch seinen Bruder,
indem er namens seines verstorbenen Bruders ein Weib nimmt, oder
45 unter alien Umstanden durch irgendeinen seiner Blutsverwandten ein
neues Geschlecht errichtet werden.
Evident geht ihr (der Anhanger Zarduschts) ganzes Streben darauf
zuriick, daB sie keine Hoffnung auf ein neues Leben haben und die
diesseitige Welt als ihre einzige Hoffnung ansehen. Wiirden sie doch
50 den Namen und das Andenken in dieser Welt gleich Nichts achten,
wenn sie das andere Leben erwarteten, das Leben nach dem Tode. Darum
hat der widerwartige Zarduscht befohlen, daB, wenn ein Mann stirbt
und eine Witwe hinterlaBt, einerlei, ob er einen Sohn hinterlaBt oder
nicht, derjenige Mann, der die Witwe heiratet, demjenigen ahnlich ist,
55 der auf fremdem Boden arbeitet und nur fur seine Arbeit einen Lohn
zu erhalten berechtigt ist. Dies hat er (Zarduscht) wissentlich in seinem un-
Sachau, Syrische Rechtsbucher III. 7
— 98 —
^eci^ ;!^p '\^^p .w> T.V.3 ^.c* 1«\\ .2^.ft\.\,^ Ipor
^oo73 v^olic? : Um l&'i*.;^ oec ..jiVO-f) oAl .Ucr l^a\^o3
3^ 2>nV 3 .^.so33« Is^sa loo" xa^ 23ct \^e .2;so:» ^^a s
OCT : o^ ;!o^ ^2e 23o o;S ^^2 »^2 : 2;\^.i2 o^ i>^lo i^lio
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2;n^50 3 : g;, '. V -a ;au^ 2i^do2 ^3 Ouaot iw.cesl^ tx^ txA
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^O^^ao. ^ Liicke in R. « Liicke in R. Add. Ilij.in3.
— 99 —
reinen System ausgedriickt. Wir brauchen niclit alles zu berichten, nicht
alles, was er hieriiber gesagt hat. Wiirzel samt Friichten, d. i. die Frau
samt ihren Kindern gehoren alle dem Verstorbenen. Und audi die Habe
des Verstorbenen wird nicht als das Eigentuni des Mannes angesehen,
5 der seine Witwe geheiratet hat, sondern als das Eigentuni der Kinder,
die von ihm gezeugt werden, die aber als die Kinder des Verstorbenen
gerechnet worden sind, nicht als die Kinder desjenigen, der sie gezeugt
hat. Auf diese Weise wird die Habe des sohnlos verstorbenen Mannes
seiner Witwe gegeben (s. Anm. za S. 97, 7).
10 Die Christen aber, welche nicht dieser Doktrin gehorchen, weil
sie wissen, dafi die Hoffnung der Olaubigen nacli dem Tode sich nicht
auf solche Dinge richtet und daU nach den Verordnungen ihres Qesetzes
etwas derartiges nicht das Erbteil derjenigen ist, welche von dannen
gehen, (die Christen) haben dies Verfaliren von sich gewiesen, da sie
15 nicht die Witwen ihrer Briider heiraten noch niit ihnen Kinder zeugen
diirfen, und da sie die Kinder, die nach dem Tode der Verstorbenen
(von einem anderen Vater) gezeugt werden, durchaus nicht als die Kinder
der Verstorbenen ansehen, da diese Dinge mit Riicksicht auf die Un-
wissenheit der Juden bestimmt worden sind. Und deshalb haben die
20 Christen in anderen Landern es nicht fur richtig erachtet, die ganze
Habe des (verstorbenen) Mannes seiner Witwe zu iibcrlassen. Sie be-
stimmen vielmehr, dali die Frauen (Witwen) in dieseni Fall die Mit-
gift bekommen sollen, die sie aus ihrem Vaterhause mitgebracht haben,
und auBerdem nur die Oeschenke, die ihnen von ihren Eheniiinnern bei
25 Gelegenheit der Verlobung gemacht worden sind; daB aber der iibrige
NachiaB des Mannes seiner Tochter zuflieBen soil oder, falls er keine
Tochter hinterlaBt, seineni Vater oder seiner Mutter oder seinem Bruder
oder seiner Schwester oder den librigen Blutsverwandten. Ein seiches
Verfahren ist sinnig und entspricht dem gottlichcn Oebot. Denn also
30 befiehlt Gott in seinem Buch (Numeri 27,8 — II): Wenn ein Mann
sohnlos stirbt, gehort seine Erbschaft seiner Tochter. Und wenn er
keine Tochter hat, gehort seine Erbschaft seinen Briidern. Und wenn
er keine Briider hat, wird seine Erbschaft seinem Onkel (Vatersbruder)
gegeben oder seinem nachsten Blutsverwandten. Keineswegs aber hat
35 das gottliche- Gesetz bestimmt, daB die Erbschaft eines Mannes seiner
Frau (Witwe) gegeben werden soil.
Was nun aber die Christen in unserem Lande (der Persis)
betrifft, so haben sie, weil sie mitten unter Magiern, die iiber die Erbschaft
des sohnlos verstorbenen Mannes in der oben angegebenen Weise ver-
40 fiigen, angesiedelt sind, ebenfalls die Erbschaft des sohnlos verstorbenen
Mannes seiner Witwe gegeben. Sie haben nicht bedacht, daB sie (die
Perser nur) wegen des Levirats also bestimmt haben, weil bei ihnen der
Vater und die Briider des (sohnlos verstorbenen) Mannes oder irgend je-
mand von seinen Blutsverwandten seine Witwe heiraten durfte; die Kinder,
45 welche von eben diesen Personen geboren wurden, als die Kinder des Ver-
storbenen angesehen wurden, und ihm (dem Verstorbenen) die Habe gehort,
nicht demjenigen, der seine Witwe geheiratet hat, indem auch, wenn die
Frau in dieser Leviratsehe sohnlos stirbt, die Erbschaft den Blutsverwandten
ihres ersten Gemahls gehort, nicht ihren eigenen Blutsverwandten. Da
50 sie dies nicht begriffen haben, haben sie (bisher) eine Praxis geduldet,
die nicht iibereinstimmt niit dem gottlichen Befehl noch mit dem all-
gemeinen Gerechtigkeitssinn noch mit der unter den Christen allerorten
bestehenden Gewohnheit. Und viele Male ist es vorgekommen, wenn
ein Mann sohnlos starb, aber eine Witwe sowie auch Vater, Mutter und
55 Briider hinterlieB, daB dann, weil der Vater und die Bruder des Ver-
storbenen nach den Verordnungen des gottlichen Gesetzes nicht seine
Witwe heiraten konnten, die Witwe einen fremden Mann geheiratet hat,
der fremde Mann in die Erbschaft jener Personen eingedrungen ist und
— 1(1(1 —
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' 1. 2»ftaaiL.. \yao. ' add. UAao. ' •- ^p statt xap.
' 1. 2eo7o.
20
— IDI —
mit ihnen die Erbschaft geteilt hat, so daB auf diese Weise der Tod ihres
Bruders ein doppelter war (insofern er keinen Sohn hinterlieB und seine
Erbschaft zum Teil seiner Familie entfremdet wurde). Und das geziemt
sich weder vor Gott noch vor Menschen._
Aus diesem Grunde haben wir in Ubereinstimmung mit unseren
Brudern, den Bischofen, beschlossen in deutlicher Weise zu verfiigen,
was nach dem gottlichen Gesetz und dem allgemeinen Gerechtigkeitssinn
geziemend und gerecht ist (wie folgt):
a. Witwe (s. Anm.).
10 Wenn ein Mann sohnlosstirbt,abereineGemahiin,T6chter,Eltern und
Briider hinterlaBt; wenn er (durch sein Testament) etwas bestimmt {s.Anm.)
Oder mit der Frau bei Gelegenheit der Verlobung einen Pakt iiber seine
Habe geschlossen hat, so soil gemaB seiner Bestimmung und seinem
Pakt verfahren werden.
15 b. Witwe und ledige Tochter.
Wenn aber keinerlei Verfugung von seiner Seite vorliegt und er
eine Frau und ledige Tochter hinterlaBt, so wird die Habe des Mannes
und die Mitgift der Frau, alles was dem Mann gehorte (s. Anm.), gerecht
geteilt. Unci die Witwe bekommt gesondert einen Teil, und jede einzelne
20 der Tochter bekommt die Halfte eines Teils, wie wir (vgl. § 3) gesagt haben.
— 102 —
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— 103 —
c. Witvve iind ledige Tochter.
Und wenn der Mann (auHer seiner Witwe) nur eine einzige (ledige)
Tochter hinterlaBt, wird alles, was der Mann iiat, und auch die Mitgift
seiner Frau (5. Anm. zii b), gerecht in zwei Teile geteiit. Davon be-
5 kommt die Frau einen Teil und die ledige Tochter den anderen.
d. Ledige Tochter.
Die Haustochter (d. h. die ledige Tochter) lebt, wenn sie noch eine
Mutter hat, bei der Mutter. Sie steht unter der Oberaufsicht des Vaters
und (falls dieser nicht mehr vorhanden) der Briider, und diese sind be-
10 rechtigt, sie (zur Frau) zu geben, wem sie wollen.
e. Witwe und verheiratete Tochter oder Tochter.
Wenn eine ledige Tochter nicht vorhanden ist, wohl aber ver-
heiratete, so bekommt die Witwe ihre Mitgift vollstandig aus dem Hause
ihres Gemahls zuriick. Und was iibrig bleibt, wird in zwei Teile ge-
15 teilt. Davon erhalt die Witwe den einen, den anderen die verheiratete
Tochter oder die verheirateten Tochter.
f. Witvve und Vater.
Wenn aber auch keine verheiratete Tochter vorhanden ist, wohl aber
der Vater (des Erblassers), dann wird die Habe des Mannes in zwei Teile
20 geteiit, von denen die Witwe den einen, der Vater den anderen bekommt.
g. Witvve und Mutter, Briider, ledige Schvvestern (s. Anm.).
Wenn der Vater (des Erblassers) nicht mehr lebt, (wohl aber die
Witwe), so wird der auf den Vater entfallende Erbteil iiber die Mutter,
Briider und ledige Schwestern des Erblassers verteilt, und zwar so, daB
25 die Mutter und die Briider ein jeder von ihnen je einen Teil, die ledige
Schwester aber nur einen halben Teil bekommt (wahrend die andere
Halfte nach § f. der Witwe zufiillt).
h. Witvve und ledige und verheiratete Schwester.
Wenn Mutter und Briider des Erblassers nicht mehr vorhanden
30 sind, wohl aber (auBer seiner Witwe) eine ledige und eine verheiratete
Schwester, so wird der betreffende Erbteil (d. i. die Halfte) so lange auf-
bewahrt, bis die ledige Schwester ihre Aussteuer erhalt, sei es eine ein-
zelne oder (in einem anderen Falle auch) mehrere, indem sie in ge-
biihrender Weise aus jener Habe ausgesteuert wird. Und wenn etwas
35 iibrigbleibt, wird es gerecht unter die beiden Schwestern verteilt.
i. Witwe und verheiratete Schvvestern.
Wenn eine ledige Schwester nicht vorhanden ist, wird der betreffende
Teil iiber die verheirateten Schwestern, so viele ihrer sind, zu gleichen
Teilen verteilt.
40 k. Witwe und Bruderssohn und fernere Verwandte.
Wenn aber auch eine verheiratete Schwester nicht vorhanden ist,
wird der betreffende Anteil dem Bruderssohn des Erblassers oder seinem
nachsten Blutsverwandten gegeben.
1. Witwe und keine anderen Erben (s. Anm.).
45 Wenn kein Blutsverwandter mehr vorhanden ist, bekommt die
Witwe ihren Teil, und der andere Teil wird fiir fromme Gaben (Stiftungen)
und fiir Gedenkfeierii (commemorationes) des Verstorbenen iiberlassen,
sintemal er weder Sohn noch Bruder noch einen Verwandten hinterlassen
hat. Dieser Teil wird vertrauenswiirdigen Miinnern in der Kirche (zur
50 Verwaltung) iibergeben, damit er dem Verstorbenen anstatt der Sohne und
Briider zum Namen und Gedachtnis nach seinem Tode gereiche.
m. Witwe und ihr Erbteil. Vorkaufsrecht der Verwandten.
Was nun die Hauser und Felder des Verstorbenen betrifft, die er
von seinem Vater und seine Witwe von ihm geerbt hat, so darf sie, bis
— 1114 —
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§6. o^ ^.di2 :2^i^i2 o2 2^3 2\n \ \ xA ^3 .^2 .^^s^p ^\ 10
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2X^aL3p ^fJLa a^ ^..2o .: 2'%i''^2o 2i.3 23.a.VA i^p !.»
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^'o7e 2^>.^aL^p ^'07 ^p oao? .^o;\a Xii^a i\^2^3;s .\\^^>* >^
§7. ytl"*\\p ^p o;^ d^2o : 2;s^aL3p iSa Je is^ ^lo .^JA^p
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^p o^o .2Lei^ ^ ^ lacLo : ^•o.^kX'aucse l^oLo >^ec;^ X«2p 25
^ ^ I'ya .2;sft3L.\.3e l!Sw\. ^oi^p p^^jaa .istojo ^ 2%av,
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^ ;L^£^ ^P ;A2 : 1^^ ^ \itt.x ^s» 230V1 o^o .^07oJS«2
^ ^3 .^ouo ;A2 .2^^000 ^ 2\-ft.v ^ ;A^2e .23o;a
ilhojjk ^ \txip .w.o7eJs^2 lB;s oc7 ^2 ^p l*»l 1^1 .lidOS. 30
§9. ^^.ao2 ;!^2 %.ijio \\,»o •2p3LM ^ ^eov^pso ^.oui^ 1.^2
' I. ^3^>S«So. -' Zu tilgen.
— io:» —
sie sich wieder verheiratet, darin vvohnen und von den Erfragnissen sich
nahren. Wenn sie aber sich gezwungen sieht sie zii verkaufen, mul5 sie
dieselben zu einem niittleren, angemessenen Preise an den Briider ihres
Gemahls verkaufen. Wenn sie sich aber wieder verheiratet, muli sie
3 ebenfalis diese Hauser und Feider zu einem solchen Preise an den Bruder
ihres Oemalils verkaufen: sie ist nicht berechtigt, dieselben ihrem zweiten
Oeniahl oder anderen von ihren Kindern als denjenigen aus erster Ehe
Oder sonst irgend jemand zu schenken, solange die Bruder ihres (ersten)
Gemahls sie zu dem Preise (zu kaufen) wunschen, sondern darf nur an
10 diese verkaufen, aber den (erlangten) Kaufpreis geben, wem sie will.
Wenn die Bruder ihres ersten Gemahls die Hauser und Feider
nicht kaufen, benachrichtigt die Frau die Kirche, und mit Erlaubnis der
Kirche gibt sie dieselben, wem sie will.
§6-
15 Ledige und verheiratete Tochter. {S. A/im. Vgl.§5h.)
Wenn ein Mann vveder Sohn noch Frau hinterlaBt, wohl aber
ledige und verheiratete Tochter, wem gehort dann die Erbschaft? —
Wenn der Mann vveder Sohn noch Frau hinterlaBt, wohl aber ledige
und verheiratete Tochter, dann werden zunachst die ledigen Tochter aus
20 der Habe ihres Vaters in gebiihrender Weise ausgesteuert. Und wenn
dann noch etwas davon iibrigbleibt, wird es gerecht uber alle, d. i. die
ledigen und die verheirateten Tochtern, verteilt.
§7.
Verheiratete Tochter neben Vater oder Mutter, Bruder, ledigen
25 Schwestern (s. Anm.).
Wenn ledige Tochter nicht vorhanden sind, wohl aber verheiratete,
wem gehort dann die Erbschaft? Wenn der Erblasser einen Vater
hat, gehort sie seinem Vater; wenn aber sein Vater nicht mehr lebt, seiner
Mutter {vg/. VI § ]), seinen Briidern und seinen ledigen Schwestern. Fiir
30 die verheiratete Schwester (gilt die Analogic dessen), was wir oben (in
§ 4) dargelegt haben.
§8.
Witwe, Sohne, Tochter gegen Vater, Mutter, Bruder (s. Anm.).
Warum flieBt die Erbschaft, wenn Witwe, Sohne und Tochter vor-
35 handen sind, nicht dem Vater, der Mutter und den Briidern des Erb-
lassers zu, da diese doch innerhalb derselben Familie mit ihm ehenso
verwandt sind wie jene? — (Deshalb nicht) well die Erbschaft iiblicher-
weise von oben nach unten geht, nicht von unten nach oben, wie auch
das Wasser seiner Natur nach von oben nach unten flielit, nicht yon
40 unten nach oben. Auch pflegt in den Baumen, die Zweige und Aste
haben, der Zweig den Tau und die Feuchtigkeit aus der Wurzel, die
Wurzel sie nicht aus den Zweigen zu Ziehen. Der Sohn aber steht in
demseiben Verhaltnis zum Vater wie der Kanal zum Fluli und wie der
Zweig zur Wurzel; der FTuB nimmt nicht sein Wasser aus dem Kanal,
45 sondern der Kanal aus dem FluH, unti die Wurzel nimmt nicht den Saft
aus dem Zweige, sondern umgekehrt. Der einzelne Bruder ist auch wie
ein Kanal, der sein Wasser aus einem Flusse nimmt, aber in ihrem Laufe
sind sie von einander verschieden.
§9.
50 Vom Erben der Eltern und Qeschwister. (Vgl. § 7 und § 10.)
Warum beerbt zuweilen der Vater den Sohn und der Bruder den
Bruder? Wenn der Verstorbene keine Witwe, dagegen (nur) Vater,
Mutter, Bruder und Schwester hinterlalit, dann mulJ die Erbschaft zu
diesen zuriickflielkn, well auch das Wasser, wenn von unten her sein
55 Weg gesperrt wird, sich nach oben zuriickwenden mull
— lOH —
^a^cT.ip Uexul :i^o U>2e lailo Xal M>p o^ Avd.2e ^^a2
.<N«.^A ^ ^d.3^^jcx» 3.3 Cse ^23 \\^ ..soao^ U^sou
§10. .iai Xd.2 3^3 Ijjio JS..\,.i9e .♦a.3..aovj .1.^3 M.^2ioe
'\.\.-*w .L^ ;L33uX3 ^ouio^e Z^:^30u« 2eo7 3a.^^kjj o^A 5
<^2 .«^OlSo^ \^3 .2^^2 .>w^^ iwl iS 3u3 Z^^so^p
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— 107 —
§10.
Vater als alleiniger Erbe des Sohnes.
Und warum fallt, wenn der Vater des Erblassers noch lebt, nur
ihm allein die Erbschaft zu und nicht (aucli) den iibrigen (in § 9 ge-
3 nannten Personen, namlicli Mutter, Bruder und Schwester)? — Weil die
Erbschaft, wenn sie nicht nach unten flielien kann, sich nach oben
zuruckwenden muB, nach dem Beispiel, das wir oben (^ 8) gegeben
haben. Auch das Wasser, wenn es sich ruckwarts wendet, flielit zunachst
zum FluB zuruck und dann (erst) in andere Kanale. Und auch deshalb,
10 weil dasjenige, was dem Vater zukommt, zur Zeit seines Sterbens auf
seine Sohne (d. i. Kinder) iibergeht.
Erbrecht der Mutter verschieden von dem des Vaters (s. Artrn.).
Warum stcht die Mutter, wahrend sie doch an vielen Stellen in
15 den heiligen Bilchern dem Vater gleichsteht, nicht auch in bezug auf
das Erbrecht gegen die Sohne dem Vater gleich, sondern den Briidern?
— Weil dasjenige, was dem Vater zufaHt, nach seineni Tode seinen
Sohnen (Kindern) zufallt; dasjenige aber, was der Mutter zufallt, nicht
unter alien Umstanden von den Sohnen (Kindern) geerbt wird. Fallt
20 doch das, was manchen Tochtern als verheirateten Frauen zufallt, ihren
Ehemannern zu, nicht ihren Sohnen (Kindern). Darum geniigt fiir sie
ein Teil gleich wie der Teil des Bruders des Verstorbenen {vgl. § 7).
§12.
Bruder und ledige Schwestern; ledige und verheiratete
25 Schwestern. {Vg/- §S 3 und 6.)
Warum fallt der ledigen Schwester auch von seiten ihres Bruders
ein halber Anteil zu, ebenso wie von seiten ihres Vaters? — Die Habe
eines Mannes, der weder Gemahlin noch Kinder hat, kehrt notwendiger,
weise zum Hause seines Vaters zuruck. Und nachdem das geschehen
30 ist, teilen die im Hause vorhandenen Personen diese Habe unter sich
wie etwas, das ihnen von seiten ihres Vaters zukommt. Daran haben
aber dicjenigen Personen, die nicht mehr im Vaterhause sind, wie z. B.
die verheiratete Schwester, keinen Anteil, solange Bruder vorhanden sind.
Wenn aber keine Bruder vorhanden sind, soil so verfahren werden, wie
35 wir [in § 6] gesagt haben, indem zunachst die unverheiratcten Schwestern
gebuhrcnd ausgesteuert werden. Wenn dann etwas ubrigbleibt, wird
es zu gleichen Teilen verteilt.
§13.
Tochter als Erben der Mutter (s. Anm.).
40 Kommt den ledigen und den verheirateten Tochtern von der Mutter
das gleiche Erbteil zu wie vom Vater oder nicht? — Wie sie vom Vater
erben, haben wir oben (in § 6) angegeben. Das Erben von der Mutter
ist aber nicht so, vielmehr beerben alle Kinder ihre Mutter in gleicher
Weise, Sohn und (ledige) Tochter und verheiratete Tochter, alle zu-
45 sammen in korrekter Weise.
§ 14.
Erbrecht der Kinder gegen den Vater, die Mutter.
Warum ist das Erben von dem Vater verschieden von dem Erben
von der Mutter? — Weil der Frau die Fahigkeit fehlt, ein neues Oeschlecht
50 zu begrunden und die Familie fortzusetzen, und sie, abgesehen von der
Familie ihres Gemahls, keine Familie fur sich ist, und alle ihre Kinder,
Sohn und Tochter, einander vollkommen gleich sind (als demselben
Uterus entsprungen). Dementsprechend und deshalb beerben sie ihre
Mutter in gleicher Weise.
— 108 —
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§ 13. Z» .» ecpo2p UAvaou. ..AflT ^s^Uos Ipoi \\*ce li\o^^3
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— loy —
§15.
Von der Verfiigung fiber den NachlalS der Ehefrau (s. Anm.).
Went! eine Frau, die einen Oemalil unci Soline liat, stirbt, wem kommt
in dem Fail die Habe zu, die sieaiis ilirem Vaterliause jjeerbt iiat? - Wenn
5 be! Gelegenheit der Verlobung ein Vertrag abgeschlossen worden ist, soil
dementsprechend verfaliren werden. Wenn aber ein solcher Vertrag nicht
abgeschiossen ist, geiiort die ganze Habe ilirem Oeniaiil. Warutn? Weil
die Frau audi nicht zu ihren Lebzeiten berechtigt war, ihre Habe einer be-
liebigen Person zu geben, und ihr auch nicht gestattet war, im Sterben
10 gegen den Willen ihres Oernahis ein Testament zu machen. Danach ist
klar, dal] sie dasjenige, was sie im Leben nicht tun durfte, auch im Sterben
nicht tun darf, namlich ihre Habe einer beliebigen Person geben. Wenn
aber der Mann aus Liebe zu seiner Frau oder aus Herzensgiite etwas, das
ihm von ihr zufallt, den iiun von ihr geborenen Sohncn (Kindcrn) geben
15 will, so ist auch das schcin vor Gott, vorausgesetzt, dali dies nicht fiir seine
iibrigen Sohne (Kinder) die Ursache von Hunger und Verarmung wird.
§ 16.
Wie das ledige und wie das verheiratete Weib beerbt wird.
Wenn ein Weib keine Kinder hat, wem gehort ihre Erbschaft? —
20 Wenn sienoch nicht verheiratet war.sondern im Hause ihres Vaterslebtc.fallt
ihre Erbschaft den Familienangehorigen ihres Vaters zu, d. i. ihrer Mutter
und ihren Briidern und der in der Familie des Vaters lebendcn Schwester.
Wenn dagegen die Erblasserin schon verheiratet war, sie aber ihren
Mann verloren hat und kinderlos ist, dann fallt ihre Erbschaft dem Vater
25 (ihres Gemahls) zu, falls er noch lebt, sonst der Mutter, den Briidern,
alien ledigen und verheirateten Schwestern (desselben) gieichmaliig, indem
jede einzelne Person einen Teil bekommt (5. Anm).
§17.
Begriindung des § 16. {Vgl. § 4.)
30 Warum ist die Erbschaft der verheirateten Tochter verschiedcn von
derjenigen der ledigen? — Weil die ledige, wenn sie stirbt, ihre Erbschaft
den im Hause Befindlichen hinterla(5t; die verheiratete dagegen, wo sie
auch sein mag, in welchem Hause und welcher Familie sie auch leben
mag, ihre Habe auf ihre Verwandten (d. s. die Verwandten ihres Mannes)
35 vererbt (s. Anm.).
II. Kapitel.
Uberdie Frage, ob die Briider und Schwestern von derselben Mutter
(uterini) den Briidern und Schwestern von demselbcn Vater (con-
sanguinei) gleichstehen oder nicht, und wie sie einander beerben.
40 § 1.
Erbrecht der Fratres consanguinei und der Fratres uterini.
In re naturae sind die Kinder des Vaters den Kindern der Mutter
gleich (s. Anm.). Deshalb ist auch iiu gottlichen Buch fiir beide das gleiche
Gesetz mit Bezug auf die fleischliche Verbindung gegeben, denn verflucht
45 ist namlich jedcr, der da schlaft mit seiner Schwester, der Tochter seines
Vaters oder der Tochter seiner Mutter (s. Dent. 27, 22). Im Erbrecht
sind sie aber nicht einander gleich wegen der Abstammung von ver-
schiedenen Geschlechtern (d. h. die Kinder des Vaters und die Kinder der
Mutter reprasentieren je einen verschiedenen Samen). Deshalb sind, so-
53 lange Briider und Schwestern, Kinder desselben Vaters, vorhanden siiul, die
Kinder der Mutter von seiner Erbschaft ausgeschlossen ; sie sind aber auch
dann ausgeschlossen, solange noch Sohne oder Tochter der {5riider, die von
demselben Vater [wie der Erblasser] abstammen, vorhanden sind, da auch
diese zu demselben Geschlecht gehoren (wie der Erblasser). Wenn tiagegen
55 eine Deszcndenz des Vaters nicht mehr vorhanden ist, dann werden die Kinder
der Mutter zur Erbschaft berufen sowie die iibrigen Verwandten je nach der
Nahe der Verwandtschaft, wie ich im folgenden darlegen werde.
— 110 —
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1 I. .^00^>S.i.2. - 1. ^^*X332.
— Ill —
§2.
Begriindung des § 1.
Unci wariim ist der Prater uterinus, walirend cr in natura dcm Prater
consaiiijuineus "[leich ist, ihrn niclit audi im Erbrccht gleich? - Wie
5 die Erbschaft nicht der Mutter zuflieBt, solange nocii der Vater lebt, ebenso
erbt der Prater uterinus nicht, solange nocli der Prater consanguineus lebt,
weil er einem fremdcn Geschlecht angehort, nicht dem Oesciiiecht des
Vaters. Und wie die Erbschaft der Mutter zuflieBt, wenn der Vater des
Erblassers nicht niehr lebt, ebenso fheBt die Erbschaft dem Prater uterinus
10 zu, wenn Pratres consanguinei nicht mehr vorhanden sind.
§3.
Sohn des Prater consanguineus schlieBt den Prater uterinus aus.
Und vvarum ist auch der Sohn eines Prater consanguineus (dem Erb-
lasser) naher verwandt ais ein Prater uterinus, wahrend jcner zwei Genera-
is tionen (von dem Erbiasser) entfernt ist, dieser aber nur eine einzige? — Der
Sohn des Bruders ist derBruder, wie der Sohn desSohnes der Sohn ist, wes-
halb auch, wenn Sohne und Briider sterben, ihre Sohne an ihrer Statt erben.
111. Kapitel.
Ober die Verwandtschaft innerhalb zweier Qenerationen.
2n §1.
Vierzig fernere Verwandtschaftsgrade.
Die Verwandtschaftsgrade innerhalb zweier Qenerationen sind vier-
zig. Ich werde sie zunachst aufzahien und danii darlegen, welche von
ihnen zur Erbschaft berufen werden und welche nicht.
23 Der Sohnessohn, der Sohn des Bruders,
die Sohnestochter, die Tochter des Bruders,
die Gemahlin des Sohnes, die Gemahh'n des Bruders,
der Bruder (Halbbruder) des der Vater des Bruders,
Sohnes, 25 der Bruder (Halbbruder) des
30 5 die Schwester (Halbschwester) Bruders,
des Sohnes, die Mutter des Bruders,
der Sohn der Tochter, die Schwester (Halbschwester)
die Tochter der Tochter, des Bruders,
der Gemahl der Tochter, der Sohn der Schwester,
35 der Bruder (Halbbruder) der die Tochter der Schwester,
Tochter, 30 der Gemahl der Schwester,
10 die Schwester (Halbschwester) der Vater der Schwester,
der Tochter, die Mutter der Schwester,
der Bruder des Vaters, der Bruder (Halbbruder) der
40 die Schwester des Vaters, Schwester,
die Gemahlin des Vaters, die Schwester (Halbschwester)
der Vater des Vaters, der Schwester,
15 die Mutter des Vaters, 35 der Vater der Gemahlin,
der Vater der Mutter, die Mutter der Gemahlin,
45 die Mutter der Mutter, der Sohn der Gemahlin,
der Bruder der Mutter, die Tochter der Gemahlin,
die Schwester der Mutter, der Bruder der Gemahlin,
20 der Gemahl der Mutter, 40 die Schwester der Gemahlin.
Alle diese Personen konneii einander beerben, d. h. zuweilen erben
50 sie, zuweilen nicht. In welcher Weise sie erben, wollen wir spater darlegen.
Zunachst aber miissen wir untersuciien, dali es eine Verwandtschaft in zwei
Qenerationen gibt, eine solche, welche naher ist als eine Verwandtschaft durch
eine Generation, und solche, welche ihrgleichkommen. Auf welche Weise?
§2.
55 Kindeskinder neben Kindern.
Ein Mann stirbt und hinterlafit Sohne und Tochter und Sohnes-
sohne, (Kindeskinder), deren Vater gestorben sind. Dann erben diese
— 112 —
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§6. 2^^a2 :s^2 s,2o .or;^3^ Z^2 .UautiS Ii^so.. 200" Z^ . xi2
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§ 7. Jap ^ao^p .o^ft>.>iaN jtp* ^p \.3>'m .X^ ^ ^aLao2p 007
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z\^2 .Z3 3j:3 ^a%^ am» iv.^ -V^? 1^ ^eov-^-*2p ^
w.>«^2 .2;s3ao 2300 2;s^i2 ^ \\.in : 23p 3.««3p Z3u'ka^
.2;S303 • . v-i \ .Z.1^30.^ ? Y'i) : 23op 1.L!jo ;s.i<Ap ^3 30
Zifi^sou. ;\,a» .;l^3«3 z\3o^o zlJo ^ d^2 p^a Isa.to.'K.io
' 1. wSu'ikX). ' del. ^i (Jap. ' Lucke.
— UH —
Sohnessohne (Kindeskinder) den Anteil ihrer Vater neben den Briidern
(Geschwistern) ihrer Vater, und zwar zii gleicheii Teilen, einerlei, ob
es Enkel oder Enkelinnen sind. In diesem Punkt sind also die Sohnes-
kinder den Sohnen gleich. Dasselbe iiat der heiiige Mund unseres
5 Herrn dem Moses in der Angelegenheit der Tochter des Setofliad be-
fohlen. Mit Recht sprechen die Tochter des Seiofhad. Gib ihnen den
Teil und die Erbschaft neben den Briidern irires Vaters« (Num. 27, 7).
§3.
Schwiegertochter, nicht wieder verheiratet oder wieder verheiratet (s. Anm.).
10 Beerbt die Geniahlin des Sohnes, nachdem dieser gestorben, den
Vater ihres Gemahls oder nicht? — Wenn sie sich nicht wieder ver-
heiratet hat, beerbt sie ihn neben den Siiiinen (ihren Kindern). Wenn sie
sich aber wieder verheiratet hat, erbt sie nichts von dem Vater ihres ersten
Gemahls, vvohl aber beerben ihn die Kinder, die sie ihrem ersten Gemahl
15 geboren hat.
§4.
Enkelin neben den Geschwistern ihres Vaters.
Wenn diese Frau (Gemahlin des Sohnes) eine Tochter hat, nicht
aber einen Sohn, welchen Teil erbt dann diese Tochter neben den Brii-
20 dem und Schwestern ihres Vaters? — Sie bekommt den ganzen Teil
ihres Vaters neben den Briidern und Schwestern ihres Vaters, wenn es
auch nur eine einzige Tochter ist. Denn wenn es (anstatt einer ein-
zigen) auch viele Kinder waren, wiirden sie doch nur einen Teil erben
und nicht niehr.
25 §5.
Die direkte Deszendenz.
Welches sind die durch zwei Generationen verwandten Personcn,
welche in der Erbschaft (dem Erblasser) naher stehen als diejenigen
Personen, die ihm nur durch eine Generation verwandt sind? — Die
30 ledige Tochter und ledige Sohnestochter (s. Anm.) stehen erbrechtlich
dem Erblasser naher als die verheiratete Tochter, Vater und Mutter, Bruder
und Sch wester.
Gleicherweise stehen auch die Sohne der Tochter ihm naher als
Vater und Mutter, Bruder und Schwester. Und wenn ein Mann stirbt,
35 chne Sohne und Tochter zu hinterlassen, wohl aber Sohne und Tochter
seiner Sohne (Kinder) hinterliifit, so fallt diesen seine Erbschaft zu, nicht
seinen Briidern und Schwestern und nicht seinen Eltern. Um es kurz
zu sagen: Solange eine Person aus seinem Samen vorhanden ist, kann
die Erbschaft nie anderen Personen als seinem Samen (seiner direkten
40 Deszendenz) zufallen.
§6-
Witwe und direkte Deszendenz.
Wenn ein Mann eine Frau und zugleich Sohnessohne hat, wie
verteilt man seine Erbschaft? — Man verteilt sie so, als ob ihre Vater
45 noch iebten, die Sohne bekommen den Teil ihrer Vater. Und wenn er
Tochtersohne (Tochterkinder) hinterlalU, teilt man die Erbschaft zwischen
ihnen und der Witwe in der oben angegebenen Weise (5. /V, I § 5e).
§7.
Erbrecht der durch zwei und mehr Generationen verwandten Personen (s.y\nm.).
50 Wir miissen nun darlegen, welcher von den oben aufgezahlten
Verwandten den anderen beerbt.
a) Wenn Sohnessohne vorhanden sind, bekommen die iibrigen
nichts, auch nicht die durch eine Generation verwandten Personen, aus-
genommen Gemahlin, Sohn und Tochter.
55 b) Wenn Sohnessohne nicht vorhanden sind, fallt die Erbschaft
den Sohnen der Tochter zu. Um es kurz zu sagen: Solange Sohne (Kinder)
vorhanden sind und die Fortpflanzung des Samens (Liicke).
Sachau, Syrische Rechtsbucher III. 8
— 114 —
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' Liicke.
- add. Xiisio^.
— IK) —
c) fallt die Erbschaft den Brudern und Schwestern, die von dem-
selben Vater abstammen, zu.
d) (Und, wenn soiche niciit vorhanden sind), talit die Erbschaft
den Brudern und Schwestern, die von derseiben Mutter abstammen, zu.
5 e) Wenn aber von derseiben Mutter abstammende Briider und
Schwestern nicht vorhanden sind, fallt die Erbschaft den Brudern und
Schwestern des Vaters zu, d. h. denjenigen, die von dem Vater ihres
Vaters abstammen.
f) Wenn die letzteren nicht vorhanden sind, fallt die Erbschaft den
10 Brudern und Schwestern zu, welche von der Mutter des Vaters (des Erb-
lassers) abstammen, sowie den Brudern und Schwestern seiner Mutter,
indem alle zu gleichen Teilen erben.
g) Wenn aber soiche Personen nicht vorhanden sind, fallt die
Erbschaft den diesen nachst verwandten Personen zu, den Verwandten
13 seines Vaters und seiner Mutter, und denjenigen, die von seinem Vater
Oder von seiner Mutter abstammen, einerlei, ob sie durch zwei, drei oder
vier Generationen mit dem Erblasser verwandt sind.
h) Dagegen fallt die Erbschaft den Verwandten der Gemahlin und
des Oemahls, den Briidern und Schwestern der Sohne und den iibrigen
20 ahnlich verwandten Personen nicht zu.
IV. Kapitel (s. Anm).
§1-
Drei Arten Sohne (Kinder).
In wie vielen Bedeutungsarten das Wort benajjd (filii) bei den
25 Christen gebraucht wird.
In drei Bedeutungsarten :
Sohn nach der Natur,
Sohn nach dem Gesetze,
Sohn durch Annahme (Adoptivsohn).
30 Der erstere ist der auf gesetzliche oder ungesetzliche Weise ge-
zeugte Sohn eines Mannes.
Sohn nach dem Gesetze ist derjenige, der von einem Mann
und seiner gesetzlichen Gemahlin abstammt.
Sohn durch Annahme ist derjenige, den jemand aus der Taufe
35 annimmt, oder den er auf der LandstraBe oder irgendwo anders aufhebt.
§2.
Das ungesetzliche Kind erbt nicht.
Wem von diesen Sohnesarten kommt die Erbschaft des Vaters zu?
— Dem Sohn nach dem Gesetze. Denn dem ungesetzlich geborenen
40 Sohne kommt die Erbschaft seines Vaters nicht zu; er wird auf des Vaters
Kosten erzogen, ist aber nicht sein Erbe.
§3.
Das adoptierte Kind kann vom Vater zum Erben gemacht werden.
Auch der aus der Taufe oder auf andere Art angenommene Sohn
45 beerbt den Vater nicht, falls dieser nicht offenkundig schriftlich oder vor
Zeugen eine diesen Sohn betreffende erbrechtliche Bestimmung gett-offen
hat. Wenn er noch ein Kind ist, wird er auf Kosten (wortliclt: aus dem
Hause) des Vaters erzogen, wird aber nicht sein Erbe.
§ 4 (s. Anm.).
50 Ungesetzliche und gesetzliche Ehe und Kinder der ersteren.
Wenn ein Mann, bevor er eine gesetzliche Ehe eingeht, von seiner
Sklavin oder einem anderen Weibe ein Kind bekommt, darf er es als
Sohn annehmen oder nicht? - Wenn, bevor er eine gesetzliche Ehe
— IK) —
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' I. b^Su..
■' add. Ua^M^
— 117 —
eingeht, jene erste Frau stirbt, und er nun ihre Sohne als Kinder und Erben
vor Priestern und Glaubigen annimmt, darf er sie zu seinen Erben machen.
Wenn er aber, wahrend jene erste Frau noch lebt, eine zweite Frau
heiratet, so bezeugt er damit deutlich, daB jene erste Frau nicht seine
5 gesetzliche Frau ist. Ware es anders, so durfte er sie nicht verlassen.
War die Frau aber ungesetzlich, dann sind evident auch ihre Sohne (Kinder)
ungesetziich. Haben wir doch oben (s. § 1) gesagt, daB gesetzliche Kinder
seiche sind, die von einer gesetzlichen Ehefrau geboren werden.
§5.
10 Beschrankung der Testierfreiheit (s. Arim.).
Und warum darf jemand nicht zu Erben machen, wen er will? —
Wenn er dies bestimmt (d. h. einen Fremden zum Erben einsetzt) in einer
Weise, die zvvar nicht i<orrei<t, aber immerhin noch zuiassig ist, darf er
es tun. Er ist aber niciit berechtigt, jemanden zum Erben zu machen,
15 der nach dem Gesetze nicht Erbe sein kann.
§6.
Ein wahrend gesetzlicher Ehe geborenes ungesetzliches
Kind des Ehemannes.
Wenn jemand, der eine gesetzhche Frau hat, von einer Sklavin
20 oder einem anderen Weibe ein Kind bekommt, darf er ihm seine Habe
ubermachen oder nicht? — Nachdem ich von dem vor dem Eingehen
einer gesetzlichen Ehe geborenen Kinde gesprochen habe {in § 4), ist
kein Zweifel mehr iiber dasjenige. das nach dem Eingehen einer gesetz-
lichen Ehe geboren wird. Er ist berechtigt es zu erziehen oder ihm
23 in gebiihrender Weise etwas von seiner Habe zu geben, indessen ohne
Schadigung seiner gesetzlichen Frau und ihrer Kinder. Er ist aber nicht
berechtigt, diese ungesetzlichen Kinder zu seinen Erben zu machen.
§7.
Ungesetzliche Kinder einer Sklavin und einer freien Frau
30 (s. Anm.).
Wenn aber ein Mann iiberhaupt keine gesetzliche Ehe eingeht,
sondern mit einer Sklavin oder einem anderen Weibe Kinder zeugt, fallt
diesen Kindern, wenn er stirbt, seine Erbschaft zu oder nicht? — Wenn
er nicht zu Lebzeiten vor den Priestern und Leitern der Kirche oder vor
35 Glaubigen (d.i. christlichen Laien) bekennt: Dies ist meine Frau und
dies sind meine Kinder , sondern wenn er sie nur wie Frau und
Kinder in seinem Hause halt, und jedermann den Tatbestand kennt, dann
muB man unterscheiden. Sind die Kinder von einer Sklavin geboren,
so ist die Frau samt ihren Kindern frei. Sind die Kinder noch klein,
40 werden sie auf Kosten des Mannes erzogen, und seine Erben sind nicht
berechtigt, sie in die Sklaverei zu reklamieren. DaB diese Kinder aber
als Erben oder Kinder des Verstorbenen angesehen werden konnten, steht
ihnen nicht zu. Im anderen Fall, wenn diese Kinder von freien Miittern
geboren sind, und der Verstorbene kein Bekenntnis in betreff ihrer Ab-
45 stammung abgelegt hat, der Tatbestand aber jedermann bekannt ist, dann
sollen die Kinder, wenn sie klein sind, auf Kosten ihres Vaters erzogen
werden, sie konnen aber nicht seine Erben sein.
§8.
Kinder des Ehebruchs (s. Anm.).
50 Wenn ein Kind von einer Ehebrecherin, die nicht von ihrem Gemahl
geschieden ist, geboren wird, und ihr Gemahl, obwohl er davon unter-
richtet ist, die Sache nicht vor aller Welt bekannt gibt, sondern
das Kind wie sein Kind in seinem Hause halt; wenn nicht allgemein
bekannt ist, daB das Kind von einem (anderen) Manne gezeugt ist, sondern
— lis -
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§ 12. 2;^^u3 .ov^Pljo-^ ^>-d ^ W.COU32 cp.dj^ :.^\ ).i.p L^
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§ 13. : z\^a ot!^ i^p 2^^i2 : I^ o2 crojl ^ ^^.J0^^2 ^^p zA\
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> 1. Za^solSo.
' I. ^^au..
— 119 —
die Sache Bedenken iind Zweifel unferliegt, dann ist dies Kind, wenn
der Gemahl der Fran stirht, sein Erbe ebenso wie seine iibrigen Kinder.
Ist es dagegen offenkundig, da(5 das Kind nicht sein Kind ist, iind
die Sache evident, wie z. B. wenn die Fran schwanger wird iind gebart,
5 walirend ihr Mann abwesend ist, und wenn dann ilir Mann nach seiner
Riickkehr die Fran nicht entlassen, aber auch nicht das (in Ehebruch
gezeugte) Kind an Kindes Statt anneiinien will, dann iniiB das Kind von
seiner Mutter erzogen werden, darf aber nicht ihren Gemahl neben dessen
gesetzlichen Kindern beerben.
10 §9.
Religios gemischte Familieii (s. Anm.).
Wenn Kinder christlicher Eltern Unglaubige werden und nicht
Glaubensgenossen ihrer Eltern sein woilen, sollen sic nach unserer Be-
stimmung nicht die Habe ihrer Eltern erben. Dasselbe gilt von Frauen,
15 welche nicht denselben Glauben haben wie ihre Ehemanner. Wenn aber
die Tochter oder Frauen von Heiden Christen werden, so sind wir nicht
die Richter der Heiden. Wenn diese ihnen die Habe ihrer Eltern geben,
so verhindern wir sie nicht, dieselbe anzunehmen; wenn aber die Heiden
sie ihnen nicht geben, dann raten wir ihnen, dafi sie urn heidnischen
20 Besitzes willcn nicht einen Streit anfangen.
§10.
Kinder gemischter Ehen.
Wenn ein Mann Kinder hat, die ihm von einer andersglaubigen
Frau geboren sind, ohne dal] er (neben ilir) eine andere Frau hat, und
25 diese ihre Kinder Christen sind, sollen sie ihren Vater beerben; sind sie
aber Heiden, so sollen sie die Habe ihreschristlichenVaters nicht bekommen.
§ 11 (5. Anm.).
AusschliiB des tingehnrsanien Sohnes von der Erbschaft.
Ober einen rebeliischen, ungeratenen Sohn. Wenn sein Vater wegen
• 30 seines Ungehorsams und schlechten Benehmens bestinimen will, dali dieser
ihn nicht neben seinen ubrigen Kindern beerben soil, ist er berechtigt,
demgemafi zu verfahren. \Venn er aber eine seiche Bestimmung nicht
getroffen hat, erbt der ungeratene Sohn neben seinen Geschwistern. Hat
doch sein Vater nicht vor seinem Ableben seinen Willen kund getan
35 (etwa dahin lautend, da(5 der ungeratene Sohn entcrbt werden solle).
§ 12 (s. Anm.).
Die unziichtige Tochter.
Wenn die Tochter eines Mannes zu seinen Lebzeiten, solange sie
noch ledig ist, Unzucht treibt, und ihr Vater sterbend eine besondere
40 Bestimmung iiber sie getroffen hat, soil seiner Bestimmung gemiifJ ver-
fahren werden. Wenn er aber nichts bestimmt hat, beerbt sie den Vater
wie die anderen ledigen Tochter, denn es ist (in dem Falle) nicht bekannt,
ob ihr Vater ihr verziehen hat oder nicht.
§ 13 (s. Anm).
45 Ort der Steuerpflicht des unehelichen Sohnes.
Wenn von einem Weibe, die keinen Gemahl hat, ein Sohn geboren
wird und dieser Sohn in dem Lande, wo seine Mutter wohnt, aufwachst, so
gehort, in welcher Ortschaft es ihm auch belieben mag zu wohnen, die von
ihm zu zahlende Kopfsteuer der letzteren Ortschaft.
— 120 —
IV. V. 2aui^33 s^2p Ijooaoao ulp <\^ :- Uia.,.3 Ixs .2eau ^La
§ 1. 2SA^^ e2 23o\, ^^^^^^3 : *xA 2^^a2 \v^ .> om!^ ,\.^.ml
\^ " " • • • ^
: •via\N : dT\so m.Xm2 ju2 ^ e2 g;^^3 ^p ocro : c-oa2 s
'lJ03^^p U^ 1^ 2;s^^2 w.crp ecu2 1^2 .oi^ a?;.^^ 1^
2;so,.i%.2e lA>~ ^soi^Ap ^3.a5 :2;sx^3 Ua^sa^ao :6u'3^2 .jp
;s3h» e2 .X^joa o^^a^a Jip 6^^ :3ov>^ .2;^^Jl2e 2%.Ti.V a
§2. 2^^^2 e2 :w.97ea2 ^ 2Sa v^2 .a^JaioifS woSuop . ^au.!
^^JL Z^p ^O^cLmS 23l3A. .\.A T .'.0»>-» >~<>^ .g; \.^3 .^ 10
§3. o7JSisj2p 2^ftxjo..^\.ioo Ao 'i^^eb .\\,^ ^^^. '^ ^ ••^^ooA
ivAp : 2<Spu^p 1j>«PP 1.^^m3 "ais^o ais^ : ^couLsp o2
: Ua^^p Ap 23ol\_ ;Nla3 ^aisae : g^v.vB ^ 2^JM •xOoA
§4. lA^ o2 2^d^2 .ovv^-ti ^•sa^ l!^ -V*^ ^oacTo 2;\>.&2 ^hi
jae oou2 : Ju2 ^ 1a^30u.o 2;\ea33 . A,-i l^)^.ao >.2 zlhOkS.* is
W.OTP !.3u'aL^ : 23aA._ ecr yxyja M^ u\.Vy e2 2^^a2 ^c-p
ec'p 1 i.v.,b ^ .^sJ..ao v^^i-^ ^^->^ . lA>.\. oorp o2 2;s»a2
^/sbfiA '.yta : ^i^^M ^^lsA, M^p ^^J >^p s^2 ; 2%.n..V
J>i3 ^*\,Ay. Ao .2V-1.1 ec- ^ ^sj.^ '.KVyP e2 i:^,iS?
o2 XA\. eo7 A3,B^2 «^2o .i-MO w.c? A^ : 23aL\p or^Se^^au. 20
2>N2p "^yso llso>^i\OJX3 lij\p 2^.e•^^M '.oa jao 2^s^a2 ^ai
%>\ie? 'sp.io ^\U9 :^p 2aA,2 ^^ e2 : <A.a*>p 2SA\x <^
§5. ^ ^2 23u3 .2oc<^ ^Xi2 M.orp o2 : 'A \. oc'p lju'\ fa\
2aaL\ ooTo : Ux»2 2>n^\ 2;so3aLa 39u^.ao X.ii.a ^a-0L32
aXm^^ oAauap 2aaL\ ecrp I'yja : 2^e>.3.3 erA >\.n-n.Y) 25
§6. l.v.a L32p Zno v. ip> » 'VM\.^..aau3 1^Xm2 2x3l\ ^2o . po.m\ 3
I. ;joa^>»^3.
121
V. Kapitel.
Ober Satze unseres Qewohnheitsrechts.
§1-
Versorgung der wegen Ehebriichs geschiedenen Frau (s. Anm.).
5 Namlich von der Frau, die wcijen Ehebruchs oder anderer Griinde,
wegen deren die Christen ilire Frauen entiasscn konnen, von ihrem Gemahl
entlassen wird. Es gilt in betreff ihrer die Bestimmung, dal5 sie durchaus
nicht bekommen soil, was sie von ihrem Vater initgebracht hat, noch
was ihr von ihrem Gemahl oder anderer Seite zugekommen ist. Viehnehr
10 wenn sie sich nicht von ihrer Hande Arbeit nahren kann, dann bestimmen
die Leiter der Kirche, dali ihr nach dem Vermogen und dem Stande des
Mannes und der Frau von seiten ihres Mannes Geld oder etwas anderes,
das fiir ihren Unterhalt ausreicht, gegeben wird.
§2.
15 Das Erbteil kann bci Lebzeiten des Erblassers nicht ge-
fordert warden.
Wenn ein Sohn (Kind) von seinem Vater oder eine Frau von ihrem
Gemahl eincn Teil (der Erbschaft) fordert, ist er, solange er lebt, berechtigt,
ihnen denselben zu verweigern.
20 §3.
Enterbung der Ehefrau oder der Kinder.
Wenn ein Mann wegen frevelhaften Benehmens oder Ungehorsams
seiner Frau oder Sohne (Kinder) ein Schreiben schreibt und von den
Richtern der Kirche untersiegcln laBt (ein Schreiben des Inhalts), daB sie
25 keinen Teil haben an seiner Habe, und er dann, ohne ein Testament
gemacht zu Iiaben, stirbt, dann werden diese Frau und diese Sohne (Kinder)
nicht zu seiner Erbschaft berufen.
§4.
Folgen der Annahme an Kindesstatt.
30 Wenn eine Frau oder ein unmiindigcs Kind (5. Anm.) von jemand
an Kindes Stelle und als Erben angenomnien werden, und sie vor dem-
jenigen, der sie angenomnien hat, sterben, haben die Blutsverwandten der
angenommenen Frau oder desangenonimenen Kindes keinen Erbanspruch
gegen die Habe des Mannes, der sie angenommen hat. Wenn sie dagegen
35 nach seinem Tode sterben, dann fallt der Erbteil dieser Frau oder dieses
Kindes ihren Blutsverwandten zu, und seine urspriinglichen Erben haben
iiber diesen Erbteil keinerlei Verfiigung. Und wenn dies Kind oder diese
Frau von den ursprunglichen Erben des Mannes in eine Sozietiit {vff/.
Buch V Kap. IV), die aus den Ertragnissen von Feldern oder aus der Miete
40 von Hausern besteht, aufgenommen worden ist, dann flielit eine ent-
sprechende Rate des Einkommens den Blutsverwandten dieses Kindes
Oder dieses Weibes zu.
§5.
Adoption (s. Anm.).
45 Wenn ein Sohn (Kind) von seinem natiirlichen Vater (5. IV, IV § 1)
einem anderen Manne an Sohnes Statt gegeben (geschenkt) wird und
dieser ihn an Sohnes Statt annimmt, so gilt er nur als Sohn (Kind) des
Adoptivvaters.
§6-
50 Adoption ohne Aufgabe des bisherlgen Kindesverhaltnisses.
Wenn ein anderer Mann mit Einwilligung des natiirlichen Vaters
den Sohn (das Kind) des letzteren an Sohnes (Kindes) Statt annimmt, ist
er der Sohn (das Kind) von ihnen beiden.
— 122 —
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^ 1. 1^1
20
— 123 —
§7.
Zuwendungen an den Adoptierten.
Und wenn ein anderer Mann mit Einwilligung des naturlichen Vaters
den Snhn des letzteren, wenn er noch Kind ist, an Sohnes Start annimmt
5 und ihm etwas von seiner Habe gibt, so gehort diese Habe dem natiir-
lichen Vater.
§8.
Die Beerbung von Kommorienten.
Wenn drei Bruder zusammen sterben, und man nicht weifi, wer
10 zuerst und wer zuletzt gestorben ist, so beerben die Verwandten dieser
drei Bruder einen jeden einzelnen von ihnen besonders.
VI. Kapitel.
Ober die Frau, welelie nach dem Tode ihres Geniahls auch
noch ihre Sohne (Kinder) durch den Tod verliert.
15 § 1-
Unverheiratete Witwe Erbin ihrer Kinder.
Wenn nainlich (die Witwe), bevor sie eine neue Ehe eingeht, einen
ledigen Sohn oder eine ledige Tochter durch den Tod verliert, bekommt
sie einen Teil von ihrer Habe, wie wir oben angegeben haben (JV, III § 3).
20 §2.
Verheiratete Witwe nicht Erbin ihrer Kinder aus erster Ehe.
War sie dagegen bereits' wieder verheiratet, so bekommt sie nichts
von den Sohnen und Tochtern aus dem Geschlecht ihres ersten Gemahls,
falls sie sterben, sondern deren Erbschaft fallt ihren BriidernoderSchwestern
23 Oder ihren iibrigen Blutsverwandten zu, wie wir oben dargelegt haben
(IV, III §3, s.Anm.).
VII. Kapitel (s. Anm.).
Ober die Frau (Ehefrau), der durch das Testament und den
Befehl ihres Qemahis, und iiber die Tochter, der durch den
30 Befehl ihres Vaters ein Tell (seiner Habe) gegeben wird,
wahrend jene wie diese beide von derTeilnahme an der Erb-
schaft neben den iibrigen Erben ausgeschlossen sind.
§1-
Erbrecht der Mutter am Nachlafi der verheirateten Tochter.
35 Wenn eine (abgefundene) Frau (Witwe) vor ihrer Wiederverhei-
ratung oder nach derselben irgend jemand von ihren Sohnen oder ledigen
Tochtern durch den Tod verliert, bekommt sie nichts von deren Habe.
Wenn aber eine Tochter, die bereits verheiratet war, stirbt, dann erbt
von ihr auch ihre Murter wie ihre iibrigen Erben.
40 §2.
Erbrecht der Tochter am NachlaB der verheirateten Sch wester.
Auf gleiche Weise bekommt auch die Tochter, welche auf Befehl
ihres Vaters von ihrem Vaterhaus getrennt worden ist, nichts von den-
jenigen (ihrer Geschwister), die im Vaterhause sterben. Dagegen von den
45 verheirateten Schwestern erbt sie einen Teil, wie wir oben (IV, I § 12?)
angegeben haben.
§3.
Erbrecht des Sohnes und Abfindung.
Wenn ein Vater seinem Sohne einen Teil (seiner Habe) iiberwiesen,
50 aber nicht ausdrucklich verfiigt hat, da(5 dieser Sohn auBer dem ihm ubcr-
— 124 —
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I. Z^v?
1. v«
— 125 —
wiesenen Teil keinen Anteil an seiner Habe haben soil, dann beerbt der
Sohn seine iin Vaterhause sterbenden Geschwister. Wcnn aber der Vater
so, wie oben angegeben, verfiigt (d. li. den Sotin abgefunden) hat, dann
bekommt der Sohn nichts von der Habe seines Vaters, die seinen Ge-
5 schwistern (lit. Briidern) als vaterliches Erbteii zufallt. Dagegen von der
anderweitigen Habe seiner Geschwister, wenn sie sterben, bekommt er
seinen Anteil neben den iibrigen Erben.
§4.
Erbrecht unheiibar kranker Kinder.
10 In betreff eines Sohnes oder einer Tochter, weiche unheilbare Krank-
heiten oder Korperfehler haben wie Blindheit und Lahmheit, bestimmt das
Gesetz :
1st es eine Tochter, so erbt sic wie ein Sohn.
1st es ein Sohn, so erbt er neben den iibrigen Erben anderthalb Teile.
15 §5.
Erbrecht geisteskranker Kinder.
In betreff desjenigen Kindes, das an einem Damon krankt oder
dessen Gehirn getrubt ist, befiehit das Gesetz, daB sein Teil der Erbschaft
neben demjenigen seiner Briider abgesondert iiiul seinen Briidern iiber-
20 geben werden soil, damit diese es ernahren. Wenn es gesund wird, wird
ihm sein Erbteii iibergeben. Wird es aber nicht wieder gesund, beerben
es seine Bruder (Geschwister) oder Blutsverwandten, indem sie verpflichtet
sind es, solange es lebt, zu ernahren.
Vlll. Kapitel.
25 Ober den Fall, daB ein Mann stirbt, wahrend seine Kinder
teils unniiindig, tells miindig sind.
§ 1 (s. Anm.).
Teilung der Erbschaft. Unmiindige Erben.
Wenn die miindigen Kinder die Habe ihres Vaters zu teil en
30 wunschen, miissen sie sich an die Kirche wenden. Auf GeheiB der
Kirche bestellen sie zwei oder drei Vertrauensnianner, und durch deren
Vermittlung teilen sie die Habe in deutlich geschiedene Lose, und dann
nimmt jeder sein Los in Besitz. Die Lose der unuiiindigen Kinder werden
auf Befehl der Loiter der Kirche (Pfiegcrn) iibergeben, und zwar, wenn
35 unter ihren Briidern zuverliissige, gottesfiirclitige Manner sind, diesen ihren
Briidern. Wenn aber solche unter ihnen nicht vorhandeii sind, werden sie
den Brudern ihres Vaters oder einem seiner Blutsverwandten iibergeben,
der durch Rechtschaffenheit und Gottesfurcht bekannt ist, oder (sonst je-
mand), der in jeder Beziehung nach der Ansicht der Kirche geeignet ist.
40 §2.
Zwangsteiliing der Erbschaft. Unmiindige Erben.
Wenn die miindigen Kinder die Teilung nicht wiinschen, wenn
aber dann irgendein Verwandter der unmiindigen Kinder vor der Kirche
Beschwerde fuhrt, dali die miindigen die Habe der unmiindigen nicht
45 in gebiihrender Weise verwalten, dann befehlcn die Leiter der Kirche
den miindigen Briidern, die Teilung vorzunehmen und die Habe der un-
miindigen abzusondern (von der ihrigen). Sie (die Leiter der Kirche)
nehmen dann diese Habe an sich, wie es sich gebiihrt, oder iibergeben
sie Vertrauenspersonen, weiche der Kirche genehm sind.
— 1 2()
§2. v^
iV. IX. .2:s..j ^waucs ^p Olao- g;^'ii\oi 30 3 3 Isaoc \x : l^j:;\p Ixs
§ 1. ^^UM.3k£ Jii2 \x : o^a.iOLXp Zmolo I^ioa li^ adi^ ^ ^2
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127 —
IX. Kapitel.
Uber dudagsalarih, d. i. das Institiit des Hausoberhauptes
(s. Ann/.).
§1-
5 Vom dudagsalar, d. i. Hausoberhaupt.
Wenn ein Familienoberhaupt am Tage seines Sterbens mit klaren
Worten jemand zum Hausoberhaupt einsetzt, soil gemaB dieser seiner
Verfiigung verfahreii werden.
§2.
10 Einsetzung eines neuen Hausoberhauptes.
Wenn man aber dann durch die Erfahrung wahrnimmt, dal5 er
ein Verderber und Beschadiger fiir die Familie und die Erbschaft derjenigen,
die an dieser Erbschaft teilhaben, isf, oder ihre Blutsvervvandten (wider
ilin) vor dem Altar (Var: vor den Leitern) der Kirche Bescliwerde fiihren,
15 dann sind die Leiter der Kirche, nachdem sie ein Verhor und eine Unter-
suchung angestellt und ersehen haben, daB die Beschvverde berechtigt ist,
befugt, ein anderes Hausoberhaupt anzustellen, eine Person, welche den
Leumund der Zuverlassigkeit und der Oottesfurcht hat (s. Ebedjesu,
Tractatus S. 243 Kol. 2).'
20 Zu Ende ist das vierte Buch von Jesubochts Corpus juris.
"V
Buch V.
Obligationen.
13 Kapitel.
Sachau, Syrische Rechtsbucher III.
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1. ^ Ok^2 .1^ o2 -l^r? >-3ai^ op^^A ^:»c&p Tupao^p lj.3«a
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^^t.«.,%\T x^ .;y2^«3d^ iSo 2x^00 l^p t^p ^2o ...^sxsaoo
> add. 1&3«. - I. 2^a«30L»
— 131 —
Fiinftes Buch
von demselben Jesubocht.
Corpus juris (s. Aim.).
Kapitel, d. i. Ke<f)a\ma dieses Buclies.
5 I. Ob ein Mann berechtisft ist oder nicht, vor seinem Tode oder iin
Sterben seinen Besitz zu geben, wem er will.
II. Ob ein Mann bereclitigt ist, eine Sache, die er eineni Anderen als
Geschenk gegeben, ihm aus irgendeinem Grunde wiederabzunehmen.
III. Ober Geschenk und Testament
10 IV. Ober Sozietat.
V. Ober Stipulation und Vertrag.
VI. Ober Abcisakhuni, d. i. Erbschaftsverzicht.
VII. Ober Darlehn und Pfand.
VIII. Ober das gefahrdete und das gefahrlose Darlelin.
15 IX. Ober Zins und Zinsvertrag.
X. Ober Deposita, erborgte Saclien und ahnliches.
XI. Ober Kauf und Verkauf.
XII. Ober fromme Zuwendungen und Schenkungen an Kloster.
XIII. Ober die Freilassung von Sklaven und Sklavinnen.
20 Zu Ende sind die Kapitel oder Ke4>a\aia des fiinfton Buches.
I. Kapitel.
Ob ein Mann berechtigt ist oder nicht, vor seinem Tode
oder im Sterben seinen Besitz zu geben, wem er will.
§1-
25 Wenn nainlich die Menschen sich ihrer Habe in gerechter Weise
bedienten, bestiinde kein Zweifel, ob ein Mann dariiber verfiigen darf
oder nicht. Da sie aber oftmals sich in boser, frevlerischer und hinter-
listiger Weise desselben bedienen, von dem einen ungebiihrlich etwas
wegnehmen und dem anderen zu Unrecht etwas geben, so ist es fiir uns
30 angemessen, iiber das Geben und Schenken der Menschen eine Unter-
suchung anzustellen. Wenn sie in rechtmal5iger Weise geben, bestatigen
wir es; wenn sie aber in ungebiihrlicher und unrechtmaBiger Weise geben,
fijgen wir uns ihrem bcisen Willen nicht. In folgender Weise miissen
wir entscheiden:
— 182 —
^2. aau ^ •si .a^laalS ^p9 ' Uiu>2 ^l?o .Ix^ > eou^^
.li^o.A.3 Ljcssol^ 2;^ou^ au :^.^p 9^^'- ^"^ \ - ^ ■^
^>>^ : ^^ SkA el 2^.^^ ^o-o\x :^«2 a^a ^.3 «^2 : 2^oooa\\.po 5
^A^^w^^ : -^.x&^o ijcsSaAs ^o-oiae c^^^il^ g;v.v.o o^^a
^fa vl :^v^«- vOO^J^ Juoao : lix^l^ aa\\.Ae ,^^xi
"voo^-o^^ ^^■'o.ctao 1^ : 2;!s.o e2 l\xu. e2 •^■^n » oo;^
\.At : w.o7ftX3L^ e2 ct^>^u1^ aoi* ^p ^2 .t»a\A^ Ijkoi
§3. Zaix^ o2 ^.070,^1^ .s^2e : l\^a3 o2 1323 Z\^%*p l^e'a^
^oo^3u.lA aJS^jctt '^^ ;sxd ^ .^2 .aau ^o-<x.-i*'xo3
A.>A*ttN ^JS2^M .^2e -oo^ ^o^^-^? • <^ eoj^ aou^2p lao ecu
,.y.AT 1^ .^eo;^ ao^^s.ao 4^^^ a^j ^p >2o : \\B«^ ^07
.^a^ l^xS^^p l»xx .v^eoT^ aov<.^23 1» eo* %~^tvA is
§4. 2e9T yx \ T.ao I^ a^a ..eov^ acr^;v2 .^»^ :9>-0 ^2e
: v^ec;-^ ■soij.p oc'p ^o-oumJi 2>^.ia e2 .'! Kiaw u.ct ^oT-^p^la
^^jaolp yapjao eor ; ^-...aaeLao iSp ^os^l^p \ ^ * lA
2.>»AaAg3 oAp ^OT \^ .l^ecr ^p .^oiae .•^eoi^ aaui^Lp
eor .^eoTA 30u;s2 ^^2^3:s 2A2 .l^o^p ZjoaouSkO ou^e 20
§5. : oup>iOk^p Uso 23aL\ .\.At Z^e .ec^ ^oo'>\^po . "ap-se
1^ .2;\3l« cj!^ w.c7eX^2 1^ ijcsoaoLi ^p ooj^ 2^x. ^-■^'^^
§6. i^p >\.Ay 1^2 .•.0^2 ojMo o^p .w^crojap la^x^ ^^^e
w.o7ei3 voeoiLi •v^2 1^2 .30^* 7)3u» ^2 w.o'ft \ t \ ^^Soua 25
V. II. <_..3Xp 1x3 .2o;^2 ^>\■»>^ L.'3kaoLi e2 : li»\'akao e2 2pe'3^
JO^p ^0070^0 Jtii^ ■S&t^p :B3^3 XI i^ .\.«^y «^2p W.CT \^
§ 1. c7 3aA so^p ^ 'aphsib .>d.o7p 23^«2 2^A^o ^cra-ouCM ^Ok^ou
LaoxA «*ceX.o2 cr^.a3^o crxa \*,a3>->. Si.^ .ctt^sa .V\.3
' I. 11^97. - I. o?v.V3l^. ' I. ^2e. ' I. 2;se^>dj^
• 1. l^e.
— ]-n —
§2.
Wenti ein Mann zu Lebzeiten oder im Moment seines Todes seine
Habe seinem Sohne, seiner Tochter, seiner Frau oder einem seiner Ver-
wandten oder einem Fremden gibt, so ist er dazu berechtigl, vorausgesetzt
5 dali die Saclie nicht ein doloses, frevelhaftes Verfahren invoiviert. Wenn
aber ein Mann, sei es da(5 er verschuldet ist oder nicht verschuldet, seine
ganze Habe in listiger Absicht seiner Frau und seinen Kindern gibt,
um hinteriier Andere zn betoren und zu betriigen, und wenn er bei
ietzteren eine Schnid kontrahiert, wenn er ihnen Vieh oder Land oder
10 ein Haus verkauft, so lassen wir diese seine frevlerische Absicht nicht
gehen. Wenn aber ein Mann seiner Frau oder seinen Kindern seine
ganze Habe gibt, so diirfen sie die Gabe annehmen unter der Bedingung,
daB sie die Sciiuld des Vaters bzw. des Gatten bezahlen (s. A/im.).
§3.
15 Wenn er sie seinen Briidern oder anderen Verwandten gibt, wenn
ihnen die Gabe iibergeben wird, bevor er die Schuld kontrahierte, so
gehort sie iimen, wenn sie auch verpfiichtet sind die genannte Schuld
zu bezahlen. Wenn aber die Sache ihnen ubergeben wird, nachdem
der Geber die Schuld kontrahiert hat, diirfen sie die Gabe nicht eher
20 in Besitz nehmen, als bis die Schuld bezahit ist.
§4.
Wenn die Sache ihnen aber auch gegeben (d. i. versprochcn oder
vcrschricbcii) ist, bevor der Geber die Schuld kontrahierte, indem der
Geber das Feld oder das Haus ihnen nicht zu seinen Lebzeiten in ihre
25 Hande iibergab, diirfen sie das Gegebene nicht ohne Schwur in Besitz
nehmen. Der Schwur (der Empfanger) mu[5 besagen, daB die Sache ihnen
nicht in listiger und frevelhafler Weise, sondern rechtmaBig gegeben
worden ist mid ihnen gehiirt (5. Ebedjesu, Tractatus S. 244, Kfll. 2,
Z. 3 11).
30 § 5. Vgl. IV, IV § 5.
Ein Mann darf nicht im Sterben zu seinem Erben denjenigen machen,
der nach dem Gesetze nicht sein Erbe ist. Er darf nicht von seiner Frau
dasjenige nehmen, was sie aus ihrem Vaterhause gebracht hat, und es
seinen anderen Kindern geben, die nicht von ihr geboren sind.
35 §6.
Er muB unter alien Umstanden seine Sohne erben lassen, wenn
auch nur etwas Weniges, ausgenommen wenn sie rebellisch sind oder
seinen Zorn erregt haben oder ohne Gottesfurcht sind (5. Anrn.).
II. Kapitel.
40 Ob ein Mann berechtigi ist, eine Sache, die er einem anderen
als Geschenk gegeben, ihm aus irgendeinem Grunde wieder
abzunehmen.
§1-
Was jemand seinem noch nicht erwachsenen Sohne gibt, wahrend
45 er noch in seiner Erziehung ist, bis er 15 Jahre alt wird, kann er ihm
wieder abnehmen. {Vgl. V, III § 8.)
— 184 —
loa^ 2«Sou3LJC3A l-\JO Sb^ > 2 : las c &.-3 A aoup sa^.^
1^ oTxa oo7e .oulSui l-jcaS^^p ov^ j^o ^S^e >CT.ijr3
§3. abj^? "a^ie ^2o .cka ^ »cro^.y e2 2xo e2 '\am e2 s
oij^ .Tt-oaft^ o;^ .\..>^ :cu.>o.2 o;«3m2 x^».;s3 laart vr^aoA
§ 4. .y.\y A2^ Jsp 23mo i\32 .!Li'kA.2p l^ajc^ sou? ^? 733^30
V. III. .UOis^pe liyjo-aaa \^ .i^is? Xsa .^cou^ajoa «^<xd9U3 o;^
§ 1. ^\30-aao Ix^xd luoss
— tsXao? Xaoa^x -^ Us*^? laX*? •» iA 10
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20
§6. ^-
1 4
> I. ^Oio'i^l. - add. A Ar „^ oc-3? "^ add.
• V *
Text? ■■ I. OqC^
— 135 —
§2.
Aber auch was er dcm erwachsencn Sohne jjeijeheii, kanii er, wenn
er im Alter bediirftio; unci arm ist und sich niclit ernahreii kaiin, vvalirend
der Sohn ihii niclit nach Oebiihr unterhalt, ihni wieder abnehmen, Vieh
5 Oder Land oder Hans oder ihren Geldeswert.
§3.
Aiicli das, was er seiner Tochter gibt, kann er, solange sie unter
seiner Hand ist, ihr wieder abnehmen.
§4.
10 Was er aber anderen Personen gegeben hat, kann er unter keinen
Umstanden wieder zurucknehmen.
III. Kapitel.
Uber Geschenk und Testament (s. Anni.).
§1-
15 (In diesem Abschnitt) zeigen wir, wodurch (das Testament) sich
unterscheidet (vom Geschenk). Das Geschenk (unterscheidet sich dadiirch)
vom Testament, (daB) das Testament vor dem Tode (des Testators)
nicht in Wirkung tritt, wahrend das Geschenk schon zu Lebzeiten (des
Schenkenden) bestatigt wird. Eine Stunde, nachdem die Schcnkung ge-
20 macht ist, darf man nichts mehr daran andern, dagegen das Testament
darf man andern, solange (man lebt) ' (s. Anm.).
§2.
Wenn ein Mann einen Teil seines Feldes oder Hauses, seiner Frau
oder einem seiner Sohne (Kinder) schenkt, wahrend das iibrige in seiner
25 Hand ist, dann gehort nach seinem Tode der verschenkte Teil dem Be-
schenk-ten, und den Rest des Feldes oder Hauses verteilen wir zusammen
mit der iibrigen Erbschaft (unter die erbberechtigten Personen).
§3.
Wenn ein Mann schreibt und untersiegelt wie folgt: Meine Habe X
30 gehort meinem Sohne Y oder meiner Frau> , so ist er berechtigt, wenn,
wieviel es auch sei, die Habe jenem Sohn oder jener Tochter von dem
Manne zu seinen Lebzeiten (nicht im Sterben) gegeben worden ist
(s. Anm), ihnen das Geschenkte nicht zu ubergeben, solange er lebt.
§4.
35 Wenn jemand zugunsten eines Anderen schreibt und untersiegelt:
Nach meinem Tode soil meineganze Habe dir geh6ren<',und erdanach
etwas von seinem Felde oder Hause oder seiner sonstigen Habe verkauft
oder verschenkt oder verpfandet, so ist er dazu berechtigt, und derjenige,
dem er jene Urkunde geschrieben hat, hat nach dem Tode des Dnnators
40 weiter nichts, als was dieser im Moment seines Todes besafi.
§5.
Wenn jemand zugunsten eines Anderen schreibt und untersiegelt:
Das Meinige soil nach meinem Verscheiden dir gehoren , so gehort
demjenigen, zu dessen Gunsten dies Schriftstiick geschrieben ist, die
45 ganze Habe des Mannes, die er seit der Abfassung jenes Schriftstiicks
erworben hat (s. Anm.).
§6.
Wenn ein Mann ein Testament macht und bestimmt: »Meine Habe X
soli meinem Sohne Y gehoren' oder meiner Frau« oder irgendeinem
' Der Text ist nur fragmentarisch iiberliefert. Ubersetzung konjekfural.
10
— 13fi —
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30
— 137 —
Anderen, unci er spricht: Ich bin befugt, dies Testament zu andern wann
ich will , so ist er befutjl, mit seiner ganzen Habe zu verfahren wie er
will, als hatte er gar kein Testament gemacht, und wenn er Schulden hat,
kann er sie bezahlen aus demjenigen, was er jenen gegeben (vermacht) hat.
§7.
Ein Mann schreibt und untersiegelt: Dies oder das Feld oder Haus
soil nach meinem Verscheiden dem besten unter meinen Sohnen ge-
horen . Er stirbt, wahrend seine Sohne noch unmiindig oder auch schon
mundig sind. (Unter alien Umstanden) gehort jenes Haus oder Feld oder
10 was er in dem Schriftstuck erwahnt hat, demjenigen seiner Sohne, der
seinem Vater oder den Verwaltern der Kirche der beste unter den Brudern
zu sein scheint (5. Anm.).
§8.
Wenn ein Mann einem unmundigen Sohne ein Feld oder Haus
15 oder etwas anderes schenkt, und wenn der Vater des Kindes, bis es
ISJahre (vgl. V,tl § 1) alt geworden, das Objekt weder verkauft noch
verpfandet, so verfiigt daruber, nachdem es 15 Jahre alt geworden,
nicht mehr der Vater, sondern sein Kind (s. Anm.).
§9.
20 Wenn ein Mann bestimmt: Nach meinem Tode soil N mit meiner
Habe machen, was er willc, so darf N mit aller Habe des Testators
machen, wie er will.
Wenn er spricht: >N soli nach meinem Tode mit meiner Habe
verfahren, wie er weiB, daB es gut fur mich ist , wie z. B. mit
25 Bezug auf (kirchliche) Gedenkfeiern und fromme Gaben (Stiftungen), (so
ist das giiltig), wenn die Leiter der Kirche finden, daB jener Mann ge-
ziemend und gut handelt. Anderenfalls sollen sie abandern, was der
Mann (N) verfugt hat, und solien nach ihrem Ermessen vorgehen.
§ 10.
30 Wenn jemand bestimmt: Es soil mit meiner Habe verfahren werden,
wie N sagt , und nun N erklart: >Ich sage nichts in dieser Angelegen-
heit", alsdann ist jenes Testament ungultig.
Dasselbe gilt, wenn der Testator den Ausdruck: wie N will
gebraucht
35 §11.
a) Wenn ein Mann in seinem Testament bestimmt und meine Frau
oder meine Tochter N moge den Mann X heiraten, und er auBerdem
bestimmt, daB der Acker m oder das Haus n ihnen gehoren soil, dann
steht es jeder von ihnen frei, den angegebenen Mann nicht zu heiraten,
40 sondern einen anderen guten Christen, wen sie will, zu heiraten, und
was er jeder einzelnen vermacht hat, Haus oder Acker, oder was es sonst
sei, gehort ihr.
b) Wenn aber der Testator bestimmt: Wenn sie den X hei-
ratet, soil ihr das Haus m oder der Acker n gehoren^, und nun sie,
45 sei es die Frau des Verstorbenen oder seine Tochter, den genannten
Mann nicht heiratet, dann bekommt keine von ihnen dasjenige, was er
ihr vermacht hat. Nur in dem Fall bekommt sie es, wenn die Leiter
der Kirche durch Untersuchung feststellen, daB der vom Testator ge-
nannte Mann einen Schaden an seinem Leibe hat, so daB sie ihn nicht
50 heiraten darf (s. Anm.).
— 138 —
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— 1H9 —
§ 12.
Wenn ein Mann ein Feld oder Haus oder etwas anderes, was nicht
ihm gehort, einem anderen als Geschenk gibt, und der Beschenkte weiB,
daB es ihm (dem Schenkenden) nicht gehort, es aber dennoch annimmt,
5 so soil der Schadenersatz, den die Qesetze (Richter?) uber eine solche Sache
verhangen, zur Halfte von dem Schenkenden, ziir Halfte von dem Be-
schenkten gezahlt werden. Und wenn er auch das Feld besat hat, niul5
er es seinem Eigentiimer zuruckgeben. Wenn er aber nicht wuiite, (daI5
das Geschenkte dem Schenkenden nicht gehorte), so miissen ihm seine
10 Auslagen und sein Schadenersatz von demjenigen, der ihm das Feld ge-
geben, obgleich es ihm nicht gehorte, zuruckerstattet werden.
§13.
Wenn jemand einem Anderen etwas als Geschenk gibt und dabei
nicht die folgende Bedingung: Wenn es dir, aus was fur einem Grunde
13 es auch sei, abgenommen wird, so entschadige ich dich , hinzufiigt, oder
wenn der Schenkende sich von dem Beschenkten eine Gegengabe in
Oeld oder etwas anderem geben laBt, dann kann der Beschenkte, falls
ihm die Sache abgenommen wird, nicht eine Forderung gegen den, der
ihm die Sache geschenkt hat, erheben.
20 § 14 (s. Anm.).
Wenn ein Mann A in seinem Testament in betreff seiner Frau
Oder seiner Tochter bestimmt: Es soil ihr eine bestimmte Sache ge-
geben werden, und sie soil von meiner Habe ausgeschlossen sein<t;
wenn nun jemand B aus seiner Familie stirbt (z. B. ein Sohn), dann fallt,
25 solange von A (der als verstorben zu denken ist) auBer der genannten
Tochter noch andere Kinder vorhanden sind, die Erbschaft des B der
Frau (der Witwe) oder der genannten Tochter nicht zu. Wenn dagegen
A anderweitige Kinder auBer der genannten Tochter nicht (hinterlassen)
hat, dann fallt ihnen (der Frau und der genannten Tochter) der NachlaB
30 des B als Erbschaft zu nach den Bestimmungen, die wir oben (IV, I
§ 5 b, c, e) gegeben haben.
Wenn A eine solche testamentarische Bestimmung in betreff seines
Sohnes getroffen hat, (so ist zwischen zwei Fallen zu unterscheiden):
a) Wenn die Habe von A noch nicht verteilt ist (unter seine erb-
35 berechtigten Kinder) und noch nicht jeder von ihnen das Seinige be-
kommen hat, und wenn in dieser Zeit einer von ihnen stirbt, dann fallt
dessen Erbschaft dem genannten Sohne nicht zu.
b) Wenn dagegen in der Zeit, nachdem die ganze Habe des A
(iiber seine Erben) verteilt werden ist, einer von ihnen (den Erben) stirbt,
40 dann fallt dem genannten Sohne ein Erbteil von seinem NachlaB zu.
§15.
Wenn ein Mann schreibt und untersiegelt, daB die Habe, die er
erwirbt, seiner Frau gehoren soil, oder wenn er irgendein Feld oder
Haus ihr gibt, so kann die Frau nach Belieben es verkaufen oder ver-
45 schenken, aber bevor sie es verkauft oder verschenkt, bleibt es in der
Hand ihres Gemahls (vgl. § 21).
Wenn sie es nicht verkauft oder verschenkt, und ohne Testament
stirbt, gehort es ihrem Gemahl, falls er noch lebt: wenn er nicht mehr
lebt, ihren Sohnen, und wenn sie keine Sohne hat, ihren Verwandten.
50 § 16.
Wenn ein Mann seinem Sklaven oder seiner Sklavin ein Haus oder
Feld oder etwas anderes gibt, kann der Sklave oder die Sklavin zu Leb-
zeiten mit dieser Sache machen, was er resp. sie will, und auch im Sterben
durch Testament daruber verfugen.
— 140 —
§17. 'pxao iS .;Uo7 .^ aiix^ai^p oraou.^ ' ^cot^^l oi^p a2^3
a.M* .aijjaa ^^^^ >2 .<^ :.il aotoS 3b3>2 »2 ti^I .eo'
§ IS. e2 : 2;s^ o2 : l\xi^ ca^a^^ Ixsl-X^ ac;^ • 2 : ■rr«% 'r -\,
«\, At .gTa>a^^ Z^xaa) 2a.» a^ 30i^3 2iaL:30 e^' : oi^ ;s«23
Z^ »^2e .^^p s^ai^ ,^^^0^ or^oaaa e2 ^cro...^ ^3^3-V< eo7
§ 10. ^2 2k3\ V ^u'ois^l Ux.*2 criva .^.;Jee >J*ie Z^o 20^
^ >\.At : 23w. 2au.;sjc»2 UJt \^o ..A^p ZaL^eawa >n ^,1 10
23L^ioQ>2 w.cr wtL^ l^p o^ .\.,\x 1^ .ou^jJ3 \-D.ni ^p ^2
§20. :aT\*p XJO^f^yj xtx5 >A 2aaL\ : 2a>.'a.X_ o'er? om xaexs
yAd 2d^^:3 o2 ) \n» 2A2 : 2oou& w\«p 23ap ..; ,va af\s>p
aoT^isl? 2au3 eoT .^jcra.» ^.3^.2 JuzA e2 ^wiap*^ 2ec;a i;
je7^;^2p Tiaoo OCT \^ y At iS .^ajoalp li^ua ci\^ oj!^
§21. ^«m3 2;s^i;A ^cT^ioop ? \.\ n .^^.3^.2 xixA e2 2^^p•A
Z^p 2^;M2 ;\...^3; zAo .oTau»l.aa^ o;\^n^ .\.Aa .cA^^s
§ 22. ci\^p Ukxn \^ xaB ju2 ^2 : u.o'oAx oA-^p 2^ojjcxS^
Aa : *3uc»ae 2;s^o tAfiUo 23^31^ jov<>o : oA^? l^:s«3o 20
^ v<^ : Ju2 JuZ^ g^ft.m'vn ^p IJuoa .laoxa v±e ^sslSo
ZAoA^os e2 .OT^aXp 2;^0l» ^'^s? Ua^2 : ^oou3o Xi2 sjcbu*
^ 3kd.^3 ^3 ^2o •2aA^ A^ OVA3UC30U. ^OT lA -A^^-Op
..^^^03 7)a» ^2 wiib v.^ .^aj^se x^lA ac!^d^2p l^uoa
^3 ^2e .2eoT suJOu^p :a>io ocr lAaoXi :xil^ aaT.*is2. Ap 25
1»3hX .oA ZV^P lao^ . .s^eo;&:u x^2 A^ ovA ^^-i .^^
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.A^^JCi : oisa ^o OT^AeUk ^ ^ooA Ok30v>^^2p ^eaOT
' Lucke.
— 141 —
Wenn er aber es nicht verkaiift oder versclienkt unci dann sfirbt,
wird das Objekt wieder etvvas, das ihm nicht gehort (d. li. es fallt an
den Donator zuriick).
§17.
5 (Liickc im Text, s. Anrnerkung.)
§ 18.
Wenn ein Mann seinem Sklaven ein Feld, Haus oder etwas anderes
gibt und darauf den Sklaven samt allein, was er hat, verkauft, so darf
der Sklave das Geschenk seines ersten Herrn im Leben oder im Sterben
10 geben, vvem er will. Wenn aber der Sklave stirbt, ohne es verschenkt
oder verkauft zu haben, gehort es seinem zweiten Herrn.
§ 19 (s. Anm.).
Wenn ein Mann durch sein Testament bestimmt hat: Meine Habe
soil X gehoren, und X soil alljahrlich an meinem Gedenktage einen
15 Estira ausgeben s so ist der letztere berechtigt, die Annahme der Habe
zu verweigern und jene Ausgabe nicht zu machen. Wenn er aber die
Habe des Donators annimmt, ist er nicht berechtigt, die Ausgabe eines
Estira am Gedenktage desselben zu unterlassen.
§ 20.
20 Wenn ein Mann in seinem Testament bestimmt: Meine ganze
Habe soil meinem Sohn gehoren, nur das Feld oder das Haus N soil
fiir fronnne Zwecke verwendet oder einem anderen Menschen als Geschenk
iiberwiesen werden , dann hat der Sohn, dem die ganze Habe seines
Vaters vermacht worden ist, nicht die Verfiigung iiber dasjenige, was fiir
25 fromme Zwecke oder fiir einen anderen Menschen vermacht wor'den ist.
§21. Vgl. V,III §15.
Der Ehemann ist berechtigt, eine Habe, welche seiner Frau zu seinen
Lebzeiten gegeben wird, entgegenzunehmen, und die Frau ist nicht be-
rechtigt, ohne Eriaubnis ihres Mannes dariiber zu verfiigen.
30 § 22 (s. Anm.).
Wenn ein Maim durch sein Testament uber seine Habe verfiigt
und einen Sklaven, ein Feld, ein Haus und Geld — alles einzein niit
Namen bezeichnet, das Geld in der Summe angegeben — verschiedenen
Menschen vermacht; wenn nun eine dieser im Testament bedachten
35 Personen einen Verlust erieidet (d. i. nach dem Tode des Testators und
vor der Auszahlung der Legate), z. B. durch den Tod des (vermachten)
Sklaven oder durch den Einsturz des (vermachten) Hauses, so fallt sein
Verlust nicht der Gesamtheit (der Legatare) zur Last.
Wenn anderseits der NachlaB zur Bezahlung des Geldlegates nicht
40 ausreicht (so hat eines von zwei Dingen zu geschehen): Wenn noch
Geld in dem NachlaB vorhanden ist, das niemand vermacht ist, wird
hieraus das Fehlende erganzt; anderenfalls soil jede der im Testament
bedachten Personen ihm (dem Legatar, dessen Legal nicht aus dem Nachlali
im ganzen Betrage gezahit werden kann) pro rata seines Legats bei-
J5 steuern, bis das f^ehlende erganzt ist.
§ 23 (5. Anm.).
Wenn auf einem Manne eine Schuld (Darlehn) liegt und er Fekier
und Hauser hat, wenn er einiges von seinen Hausern oder Feldern ver-
schiedenen Personen vermacht, das iibrige aber seiner Frau und seinen
50 Sohnen vermacht, damit sie seine Schuld (Darlehn) bezahlen; wenn mm
letzteres zur Bezahlung seiner Schuld nicht ausreicht, so soil auch von
denjenigen, die etwas von seinen Feldern und Hausern vermacht be-
kommen haben, so viel genommen werden, als zur vollstandigen Tilgung
der Schuld notwendig ist.
— 142 —
i!24. or^^i:^ o).i.j.iJO aau *s^ 2a>.i.\ : ^^»^3 tAg.ia.N Z.'io>x
^ ^Oui'iM wi>>s'3^ t^oov-A U.X3 ^^\ *V.\ 3 PlXl^o : ^aiLijJ^o
? i .ii.a ^ vciaM ^fivs^ >\..tt3;3 laa ooC^ cj!^ ja?i : >.t.i.d
.seL.i[.ae ^^.^^ .w.cra323 Z<^%* ^ <^i iXox^l^s .^coula
;s.*2 z aou liaTj 2ioa o2 Z^.au> u.oTaio^o o^^^iiJ^ ^2 1^2 s
^2 ^:30 2;s^^2 .23aL\ \x i\^2p ^v .3>.jo.«3 ^^2e x>^^p
.v<A-^3^? J3?* ^i^ <^2 liJLao .llu ^^2 ^3 lias .2i>»^^2
i; 23. 2^^^A .dJ^Ld iJap Jov>^J3 : o;\«3 Ul^^ao pjcx^ *.l 2301^
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V. IV. 2^a^^oa \3. 130323 Iss .o^ l\,3o 2;s3k3 ^2 2^^j2 ^3
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§2. ♦^,
1 add.
— 143 —
§24.
Wenn ein Mann seine Habe seiner Frau iind seinen Sohnen (Kindern)
gibt und bestimmt: Mein Sohn N soil zwei Telle von meiner Habe
bekommen, so muli derjenige Sohn, der zwei Teile von der Habe
5 seines Vaters bekommt, auch zwei Teile von der Schuld (Darlehn) seines
Vaters bezahlen. Wenn aber der Mann seiner Frau und seinen Sohnen
(Kindern) Feld und Haus nominatim (wortlich: mit Namen) gegeben
hat (d. h. dem einen das Feld x, dein anderen das Haus y, dem dritten
das Feld z usw.) dem einen mehr, dem anderen weniger, dann muli die
10 dem Erblasser obiiegende Schuld von seiner Frau als Frau, von seinen
Sohnen als Sohnen und von seinen Tochtern als Tochtern bezahlt werden
(d. h. jeder von ihnen muB zu der Zahlung der Schuld pro rata seines
Erbteils beisteuern).
§25.
13 Wenn ein Mann durch sein Testament bestimmt: Die drei Manner
N, M, O sollen ein jeder hundert Estire (bei Arabs II, Bl. 211b, h undert
Denare) von meiner Habe bekommen , und seine Habe nicht mehr
als hundert Estire betragt, so sollen diese hundert Estire geteilt werden,
und jeder von ihnen soil ein Drittel davon bekommen.
20 Wenn er ihnen seine Habe zu gleichen Teilen durch ein und das-
selbe Testament oder durch eine Verfiigung von ein und demselben Tage
vermacht, soil in gleicher Weise geteilt werden (wie im ersten Fail).
Wenn aber der Erblasser diese Verfugung an 3 verschiedenen Tagen
oder durch 3 verschiedene Testamente getroffen hat, fallen die hundert
25 Estire demjenigen zu, dem sie zuerst vermacht worden sind.
§26.
Wenn ein Mann durch sein Testament bestimmt: >Meine ganze
Habe soil meiner Frau und meinen Sohnen (Kindern) zusammen gehoren ,
so mussen Frau und Kinder die Habe teilen, wie wir oben (in § 24)
30 angegeben haben.
§ 27 (s. Anm.).
Wenn die Mutter spricht : Meine ganze Habe gehort meinen Sohnen
und Tochtern zusammen , so soil nicht der eine mehr, derandere weniger
bekommen, sondern ganz genau soil jeder einzelne von ihnen den auf
35 ihn entfallenden Bruchteil bekommen.
§28.
Wenn jemand bestimmt: Meine ganze Habe soil der Frau und
den Kindern des N gehoren , so soil gleichfalls ganz genau geteilt werden
und nicht etwa der eine mehr, der andere weniger bekommen (s. Anm.).
)'. § 29.
Wenn jemand bestimmt: N soil einen Tell von meiner Habe be-
kommen (Lucke im Text), so ist das moglich {s. Anm.). Wenn er aber
bestimmt: Er soil neben meinen Kindern Miterbe sein , so erbt der
Betreffende, wenn es ein Mann ist, wie ein Sohn, und wenn es ein Weib
15 ist, wie eine Tochter.
IV. Kapitel.
Ober Sozietat.
§ 1 (s. Anm.).
Wenn Manner, so viele ihrer sein mogen, irgendeine Habe erwerben
so und nun stipulieren: Alles, was wir besitzen und erwerben, soil genau
(gemeinsam) unter uns sein , so gehort ihnen alles, was sie erwerben
Oder besitzen, zu gleichen Teilen (Ebedjcsu, Tractatus S. 242, Kol. 2).
§2.
Wenn nun einer von diesen Kompagnons stirbt, ohne Frau und
55 Sohne (Kinder) zu hinterlassen und ohne ein Testament gemacht zu haben,
— 144 —
li'a^Aopo i>Ja?* \\jao .Vi.i^.sja \^ > oa^.a^i I^wx^a U'aoabao
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§ 4. JSw^ax^ 3^ .«c7ou32p ^cnou«.s « 2 2xaL\ .JuiA ^^laA e2
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§5. ^^ ^ocf^iJao Xm v,2 : Z^^Soa 2'aaL\ .^o7o1m2 ^«2 .>^o?a:32p
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'93^30 : I^^oa oorp 2^.j.3e axs^e . ^oovloa ftV\B Uaa.opo
:u.o7 ^eo;\^p ;^lXi.3.3 : >^eo;\^tdp 2^.^xe ^A3^o ^^^^jjiip
§6. ^^2 : Z3a>i>a3 :ayse yiOJiao ^00^.30 3m : L^JSOuX 2'3u3A <v2 30
> add. 0020(3030^0? - 1. 2;SJJ30 Op St. 2^0.300 Op.
' I. U3^a^.
— 145
(so ist zu uiiterscheiden:) Wenn er Bruder (Geschwister) und Venvandte
hat, gehort ihnen seine Habe, und nicht seinen Kompagnons. Wenn er
aber keine Bruder (Geschwister) und Venvandte hat, sollen die Leiter
der Kirche uber seine Habe zu fronimen Gaben und Gedenkfeiern in
3 gebiihrender Weise verfiigen (Ebedjesu, Tractatiis S. 242, Kol. 2).
§3.
a) Wenn ein Mann jemand in Sohnschaft annimmt (ihnadoptiert)
und ihn zu seineni Erben einsetzt, dann gehort dem Adoptierten (noch)
nichts von der Habe seines Adoptivvaters, und letzterer l<ann, soiange er
10 lebt, sie verkaufen, verpfanden oder verschenken und damit alles machen,
was er will {vgl. fV, V § 2).
b) Wenn er aber durch schriftliche, untersiegelte Urkunde ihn (den
Adoptivsohn?) in Sozietat aufnimmt (d.h.zu seinem Kompagnon macht),
dann kann der Adoptivsohn auch schon zu seinen (des Adoptivvaters)
15 Lebzeiten einen Tei! (des Sozietatsvermogens) von ihm fordem. Was
dagegen das ganze Vermogen des Adoptivvaters nach dem Status zu der
Zeit, da er jenen in die Sozietat aufnaiim, sowie das Vermogen, das er
in der Folgezeit, bevor er mit ihm die Erbschaft teilt, erwirbt,
betrifft, so kann er dies weder verkaufen noch verpfanden noch ver-
20 schenkenjweil alles Sozietatsvermogen ist), ausgenommen seinen eigenen
Anteil. (Uber diesen kann er, der Adoptivvater, verfiigen (s. Anm.).
§4.
Wenn jemand zu Lebzeiten seines Vaters, soiange er noch unter
der Patria potestas ist, von einem Anderen eine Habe geschenkt bekonimt;
25 oder wenn sein Vater ihn ermachtigt, fiir sich selbst etwas zu erwerben,
Oder ihm etwas gibt, damit er damit Handel treibe, so verbleibt, falls
sein Vater im Sterben oder vorher nicht uber die in der Hand dieses
Sohnes befindliche Habe eine Bestimmung getroffen hat, diesem Sohne
dasjenige, was er in der Hand hat, und auBerdem erbt er einen Teil von
30 der ubrigen Habe seines Vaters, gleichwie seine Bruder (Geschwister).
§ 5 (s. Anm.).
Wenn einer von den Kompagnons in die Gefangenschaft von
Feinden gerat oder in ein anderes Land geht und sich ansiedelt, und
nun die ubrigen Kompagnons zur Zeit seiner Gefangenschaft oder seines
35 Wohnens in der Fremde, wahrend die Sozietat besteht, ihre Habe, an
welcher der Abwesende Teil hat, verkaufen oder verschenken oder auf-
teilen, ohne den ihrem Kompagnon gehorigen Teil abzusondern (zu
reservieren); wenn darauf nun der Kompagnon aus der Gefangenschaft
oder der Fremde, in der er wohnte, zuriickkommt und seinen Anteil
40 verlangt, dann mussen seine Kompagnons seinen Besitzanteil samt Gewinn
und Ertragnissen, die ihm als Sozietar von diesem Besitze zukommen,
herausgeben.
Jedoch wenn seine Kompagnons, nachdem er in die Gefangenschaft
geraten oder in die Fremde gegangen, unter Vermittlung glaubiger Manner
45 ihre Habe aufgeteilt und seinen Anteil abgesondert (reserviert) haben,
so gehort von da an alles, was sie erwerben, und die Ertragnisse ihrer
Habe jedem einzelnen von ihnen (als personliches Eigentum) {Ebedjesu,
Tractatus S. 241, Kol. 2).
§6.
50 a) Wenn unter Kompagnons einer irgend etwas im Kriege eriangt,
so behaupten einige, daf5 seine Kompagnons daran keinen Anteil haben.
Sachau, Syrische Rechtsbucher \\\. 10
— I4r.
^p 2;so3^0lS .\\,yi : Us so so l.'\\.'» ^p X^ootoum \.^
V. V. § 1. : ^PlSo^ j33« 23or ^ .-aiavd . t'a.Me ^oa^ \^ : Isaou^p Iss
i^2 :2fi«.lAe 2^ft\ra.'vn\ 2ax : ^.^l\^.■^^ LiJ3* ecui >.a.V3
§2. 23l33 : 23aL\ ISLX ^OlI^S >TV, 3^^ 23w3.X. . ll.«\ae 23JOl^
: y>o7oX«2 w>\a3 ^o«S3u. aoe 23a .laae ^ aA^^s^p l.ao>a
eoA a.^^^0 w^aio ^^2 : ^;bb ^.^aoxd pA.»^^3 lao oiro <«
ec7p 2&aiJ3 : 2aci oor : y«oa>s ^9;3 : laao L&3w.2 2ao 2x3A,
§3. ;..^3l±3 23^3 .^qli^^ sol^ Ix^c » 2e .o;^ ?..\.ab lA ^^^^.
^2 .u.o7o^^2 w.\*3 2^e«^3i« 300 2^3 : Lase ^ ^kAd.^^o3
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§ 4. 2i^^i2 .23l3 eoT3 2;seJ^3u. ^«jaA l\jii> ^ea;s w,cr \\ y> ^oa^
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§ 3. Xi^23 : oTi,3,«A Jo aob2 >a 23aLV .9 3w3o ec" oius ' v-itaNe
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§ 6. k«A^3 l.»3ua X.*a3 : i.:b2 ^ v2e .oiA Jo;^^2 l.\.>..b>
: Zijoi^ Mceiv«2 o^^^p 1^32 ^2 Laoxa ^2 :^ ioc:^
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ae^p o^ „y.At 1^ . ^.*TT. Aiip ^2e .aou 1^ -Aiip
— U7 —
b) Dasselbe gilt von Geschenken, welche ein solcher von Konigen
unci GroBen bel<ommt.
c) In betreff der Sozietat wird aber von einigen behauptet, daB,
wenn die Kompagnons iiberliaupt eine Teilung iintereinander vorge-
5 nommen haben, die Sozietat damit aufgelost ist (vgl. VI, IV, § 7b).
V. Kapitel.
Uber Stipulation und Vertrag.
§1-
Zunachst muB man dies wissen, daB man eine torichte Stipulation
10 nicht als eine Stipulation achten soil, und man soil den, der sie macht,
nicht notigen danach zu handeln. Vielmehr gebiihrt demjenigen, der
infolge einer solchen torichten Stipulation dann toricht liandelt, Tadel
und Vorwurf, auch Bann und AusschlieBung (von der Kirche).
§2.
15 Wenn ein Mann mit dem anderen die Stipulation macht: -Der
erste Sohn, der dir geboren wird und aufwachst, soil mein Sohn und
Erbe sein ; wenn dieser Sohn, der zuerst geboren wird, dann stirbt, und
nun danach demselben Manne ein anderer Sohn geboren wird und auf-
wachst, so bekommt dieser zweitgeborene infolge jener Bedingung nicht
20 die Habe des genannten Mannes.
§3.
Wenn ein Mann mit einem anderen folgende Stipulation macht:
Der erste Sohn, der dir geboren wird und aufwachst, soil mir Sohn
und Erbe sein« ; wenn nun dieser Sohn vor dem Mann, der die Stipulation
25 gemacht hat, stirbt, so fallt die Habe des letzteren nicht wegen jener
Stipulation den Erben des adoptierten Sohnes zu, sondern den Erben
seines Adoptivvaters.
Wenn aber der Adoptivsohn nach dem Adoptivvater stirbt, dann
fallt die Habe des Adoptivvaters infolge jener Stipulation den Erben des
30 Adoptivsohnes zu {vgl. IV, V § 4).
§4.
Wenn eine verheiratete Frau mit jemand die Stipulation macht:
»lch gebe dir einen Acker oder ein Haus oder etwas anderes , so darf
derjenige, mit dem sie diese Stipulation gemacht hat, solange sie ver-
35 heiratet ist, nicht infolge dieses Paktes die betreffende Sache an sich
nehmen oder von ihr fordern {vgl. V, III § 21).
§5.
{Text verderbt, s. Anmerkiing.)
§6.
40 Wenn jemand spricht: Ich gebe dir mein Weinfeld<, so bekommt
der Beschenkte sowohl die Weinstocke wie das Feld, auf dem sie stehen.
Wenn er aber spricht: Ich gebe dir das Land meines PalmenwaideS' ,
so bekommt der Beschenkte nicht die Palmen.
Wenn jemand spricht: Ich gebe dir meinen Weinstock , so gibt
45 er ihm auch das Feld, auf dem der Weinstock steht; und wenn der
Weinstock verdorrt, kann er (der Beschenkte) ihn wieder anpflanzen.
Wenn jemand spricht: Ich gebe dir meine r^ilmen<>, so gibt er
ihm nicht das Feld, auf dem die Palmen stehen ; und wenn die Palmen
verdorren, darf er (der Beschenkte) sie nicht wieder anpflanzen (s. Anm.).
— us
§7. A*^t ZaoaA? :a)hj3^ txx ^.OliCS >2 2a.3.1. .>ea2 ^e>OLx
: l»Ou oo%3 ^ U2 3aj.4. 1^ v,^o .2ak«« 13^sjq>2 ^ U2 jou
i.tlfixd3 ^ou ooT^ «^2 .~6vi^k30u. >^2e -^ Ixl :3au- ^S^-3
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§8. or^^>i2 7&^ M.ai^ >iLb« >^ 2LaL\ . U^sou. aaauaa ^b«
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lx^,A.3 : 2^aLM2 2^^i2 ^p w.o7aa.3A Jia,3,.T.i : 2ivd^3^ is
§9. uAsNap :o;fi«.isj2 :zi^ u.ola^ solX ^2 23aL\ .2;sft A\,%^>ao
1^2 ;sockcr .u.cn Jsp^M A ^Okiis 2po7 .U2 aai A 2^x«2
§ 10. Z»Ou!S Z^a^ ^2p : 2aaL\ :aL^ u.oa^ p>,rL^ ^f 2aL:i\ .2^^i2
2i>w.3 o2 Xa\3 Z^^A** -A •x2o .^^ Z&2 j6^ ^'3XX32 2Z» ^*
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OCT ^ P'-:^ • s^^ Z^2 J30^ zJS ^3:sJC92 2Z.bo ^\^« Z^ftA
JOpi Ao :u.aifiv w.9r ^aa^;s2 : sax* :sa^ ^^2 30^ Z^JCxa 25
S 11. 2aai\ v^ .jcSp :zj>ie pa^iS^ »,2 A2 ^yjso 007 o;^ ;zAsip
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^\^9 o'oi Zboou. e6v3 v,2 .^ Za2 acn* ■vpm ^^«e ^Af^<
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30
' add. >-3L\.. -' I. O^S^Ou.. '< I. ZlS^Ou. ' I. XiMO.
j^nxa. "• 1. i,.,M,'ao. ■ Text?
— 149 —
§7.
Wenn ein Mann mit einem anderen die Stipulation macht: Ich
gebe dir bis zu dem und dem Tage eine Estira, und wenn ich sie dir
an dem Tage nicht gebe, gebe ich sie dir spater samt Zins ; wenn nun
5 der Beschenide an dem festgesetzten Tage nicht erscheint und die Estira
fordert (sondern erst an einem spateren Tage), so ist der Schenkende
nicht verpflichtet, ihm den Zins fur die Zwischenzeit zu ersetzen, sondern
der Besdienkte darf sich erst von demjenigen Tage an den Zins anrechnen,
an dem er den Schenker um Auszahlung gebeten, dieser aber die Aus-
10 zahlung nicht geieistet hat.
§8.
Wenn ein Mann mit seiner Frau eine schrifthche Stipulation macht:
Alles, was ich besitze und erwerbe, soli in der Zeit nach meinem Tode
deinen Sohnen, die du gebarst, gehoren ; wenn danach diese Frau stirbt,
13 der Mann eine andere Frau heiratet und von ihr Kinder bekommt; wenn
nun dieser Mann stirbt, so gehort sein ganzer NaciilaB nicht infolge jener
Stipulation allein den Kindern seiner ersten Frau, sondern in gleicher
Weise auch seinen Kindern von seiner zweiten Frau. Denn wir haben
oben (in § I) gesagt, daB eine torichte Stipulation keine Stipulation ist,
20 und dies ist evident eine Torheit, daB ein Mann, well er in der Liebe
zu einer ersten Frau befangen ist, seine Kinder von seiner zweiten Frau
in Armut und BloBe lassen sollte.
§9-
Wenn ein Mann mit seiner Frau eine Stipulation macht : Ich heirate
25 keine andere nach dir , so ist diese Stipulation nichtig. Dasselbe gilt,
wenn eine Frau eine solche Erklarung abgibt
§10.
Wenn ein Mann mit dem anderen die Stipulation macht: »Wenn ich
bis zu dem und dem Tage dir hundert Estirin gebe, und wenn das nicht
30 geschieht, ubergebe ich dir das Feld x oder das Haus y ; wenn er nun
bis zu dem festgesetzten Tage die genannte Summe nicht ganz auszahit
und dann der andere, der eine Teilzahlung von ihm bekonimen hat, sich
gegen ihn wendet, so wird von ihm (von seiten des Stipulanten) seine
Teilzahlung zuriickgefordert, und dann iibergibt er (der Stipulant) ihm
35 das Feld oder das Haus (5. Anm.).
Wenn er aber (an Stelle der ersten Halfte dieser Stipulation) das
Folgende stipuliert: Wenn ich dir bis zu dem und dem Tage nicht
hundert Estirin gebe (zu erganzen: gebe ich dir das Feld x oder das
Feld y ), und er dann von dieser Summe ihm auch nur einen kleinen
40 Teilbetrag gibt, ist die Stipulation gebrochen, und er braucht ihm nicht
das Feld oder das Haus zu iibergeben, sondern nur noch den Restbetrag
der genannten Geldsumme.
§11-
Wenn ein Mann mit einem anderen die Stipulation macht: -Wenn
man mir die und die Sache gibt, gebe ich dir die und die Sache ; wenn
nun dem Stipulanten an dem betreffenden Tage die und die Sache nicht
gegeben wird, steht es ihm frei, die versprochene Sache nicht zu geben, da-
gegen aber dasjenige, waser (etwa bereits) bekommen hat, zuriickzugeben.
— 150 —
§ 12. Ipoi >*a;\aii\.-3L3 ^ ^2p :cT;^^J2 71^ ^oa^ ajiuV. >2 ^^>^.
l^a^s ^3 ^2 . ^s£oB32 2:bo w^^ U2 J0j,« : 2^3 .oJ^ ^w^^Jao
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> I. JJA^I. - I. ^^lUCM 3^1303 St. ^2 ;.JJQ>iA303
— 151 —
§12.
Wenn ein Mann mit seiner Frau die Stipulation macht: Wenn
aus dieser deiner Schvvangerschaft ein Soiin hervorgeht, gebe ich dir
hundert Estirin, wenn aber eineTochter daraus hervorgeht, funfzigEstirin ;
5 wenn sie nun Zwillinije, Sohn und Tochter, gebart, mu(i er ihr nach einer
Ansicht beides (d. i. 100 — 50 Estirin) geben, wahrend nach anderer An-
sicht er die hundert Estirin iiher Sohn und Tochter verteiien mu(5 (d. h.
seiner Frau fiir beide Kinder hundert Estirin zahlen). Wir aber sind der
Ansicht, daB man auch in diesem Fail die Vermogensverhaltnisse des
10 Mannes und die Erbteile seiner iibrigen Sohne (Kinder) in Betracht ziehen
mul5. DemgemaB verfahren (entscheiden) wir (d. h. cine solche Stipulation,
mag man die eine Ansicht haben oder die andere, fiihren wir insoweit
aus, als nicht die iibrigen Kinder des Mannes dadurch geschadigt werden).
VI. Kapitel.
15 Von Abasakhuni, d. i. Erbschaftsverzicht.
§ I (s. Anm.).
Ein Mann stirbt und hat Schulden; er hinterlaBt aber auch Habe
und Sohne (Kinder). Wenn nun von ihnen die Zahlung der Schulden
(ihres Vaters) gefordert wird, sprechen sie: Wir sagen uns los von der
20 Erbschaft unseres Vaters ; und sie gehen in die Kirche und sprechen
vor den Leitern der Kirche in Gegenwart der Oemeinde: Wir sagen
uns los von aller Habe unseres Vaters. Diejenigen, die darum wissen,
erzahlen es weiter und beschworen die Sache fiir diejenigen, die nicht
darum wissen. Und sie (die Sohne) schreiben eine Lossagungsurkunde
25 fiir den Glaubiger, die von den Leitern der Kirche untersiegelt wird. Als-
dann ist der Glaubiger nicht berechtigt, von der Witwe und den Sohnen
(Kindern) des Verstorbenen etwas zu fordern. Viehnehr ernennen die Leiter
der Kirche glaubige und gottesfurchtige Manner zu Verwaltern jener Habe
(die der Verstorbene hinterlassen hat), damit sie seine Schulden bezahlen.
30 Wenn aber bekannt wird, daC die Sohne des Verstorbenen, welche
sich von seiner Habe losgesagt haben, etwas davon in Handen haben,
sei es im verborgenen wie Diebe oder offentlich wie Rauber, so ver-
urteiien wir sie. Wie aber Diebe und Rauber das Gestohlene und Ge-
raubte ersetzen sollen, werden wir spater behandein, wenn wir zu dem
35 Kapitel iiber Diebe und Rauber (Vl.XIII?) kommen.
§2.
Wenn ein Mann verschuldet stirbt und Sohne (Kinder), die un-
miindig und lahm sind, hinterlaBt, befehlen die Leiter der Kirche, daB via
administrationis ebenso wie dem Glaubiger, so auch den minorennen
40 und lahmen Kindern aus der Habe ihres Vaters gegeben werden soli.
§3.
In betreff der Ehefrau, die sich lossagt von dem Besitz ihres Mannes,
gibt es zwei Ansichten:
a) Nach der einen soil dasjenige, was sie in das Haus ihres Gemahls
45 mitgebracht hat, gerechnet werden wie die Forderung eines der Glaubiger,
und sie soil wie die iibrigen Glaubiger ihren Teil von der Hinterlassen-
schaft pro rata ihres Anspruchs bekommen (s. Anm.).
b) Nach anderer Ansicht nicht (d. h. soil das, was die Frau mit-
gebracht hat, nicht als Schuldforderung gcgen den NachlaB ihres Mannes
50 gelten). Auch haben die Leiter der Kirche teils in jenem Sinne, teils in
diesem verfugt.
§4.
Ein Knabe von 15 Jahren hat nach dem Tode seines Vaters noch
aus dem Hause desselben den Lebensunterhalt bezogen. Wenn er sich
55 nun aber von dem Besitz seines Vaters lossagt, ist er deswegen, weil er bis
— 152 —
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§8. 5^2p ■ak^2p ^ :!o.2 : 2;s^aL3p 2;s3d ^.^p .\\.ao .^\dj a)\^
§ 9. :23aLX. 'Z^p •3^2p ^p ;(^2 ..^oao oC^ is^l ^ou. ui'slm ^ p^. 20
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juap ^i<J3« ^ 3k.«a Z^2p :^oa^. poLXo .oo^p Zj^2 Zj-ox) Jap
' 1. -.'iao.
25
— 158 —
zum Ablauf von 15 Jahren aus dem Hause seines Vaters seinen Lebensunter-
halt bezogen hat, nicht verpflichtet die Schuid seines Vaters zu bezahien.
§5.
a) Die Frau und die Sohne (Kinder) eines Mannes wohnen in
5 seinem Hause, bevor sie sicii lossajren von seiner Habe. Sie sind nicht
deshalb, weil sie in seinem Hause gewohnt haben, verpfhchtet seine Schul-
den zu bezahien, wenn sie sich von seinem Besitzeiossagen. Aberaiich wenn
sie, naciidem sie sich losgesagt haben, mit Erlaubnis der Leiter der Kirche
und auch der Qlaubiger in dem Hause des (verstorbenen?) Schuidners
10 wohnen, steht ihnen dies zu (d. h. haften sie nicht fiir seine Schuiden).
b) Es konmit aber auch vor, daB die Leiter der Kirche via ad-
ministrationis bestimmen, daB die Frau und Sohne des Verstorbenen,
wenn sie alles, was sie aus dem Hause des Verstorbenen genossen {wortliclr.
gegessen) haben (nach dem Tode des verschuldeten Familienvaters), voil-
15 standig zuruckzahlen, nicht zur Bezahiung seiner Schuiden verpflichtet
sind, wenn sie sich von seiner Habe lossagen (s. Arim). Dies aber be-
stimmen sie nicht ex lege, sondern via administrationis.
§6-
Solange der verschuldete Verstorbene Felder oder Anderes hat, soUen
20 seine Witwe und Sohne (Kinder) nicht das Haus, in dem sie wohnen,
zur Bezahiung seiner Schuiden hergeben. Wenn er aber nichts hinterlassen
hat als dies Haus, so muB auch dies zur Bezahiung seiner Schuiden
hergegeben werden.
§7.
25 Femer bestimmen die Leiter der Kirche via administrationis, daB,
solange der Schuldner lebt, man ihn nicht aus seinem Hause entfernen
darf, soweit es ausreicht fiirsein Wohnbediirfnis und sein Geschaft(ifO/T'//f/z:
seinen Dienst). Wenn er aber gestorben ist und seine Erben sich von seinem
Besitz lossagen, muB auch sein ganzes Haus hergegeben werden {s.Anm.).
30 § S (5. A rim.).
In betreff einer im Elternhause lebenden Tochter sind einige der
Ansicht, daB ihr, gleichwie einem der Qlaubiger, ein Teil des Nachlasses
zusteht, wahrend andere dies verneinen.
§9.
35 a) Wenn ein Mann seine ganze Habe oder einen Teil derselben
seiner Frau und seinen Sohnen (Kindern) gibt, dann eine Schuid kontrahiert
und nun seine Habe verkauft; wenn dann nach seinem Tode seine Frau
und seine Sohne sich von seiner Erbschaft lossagen und erklaren: Das, was
er uns gegeben hat, geht der Kontrahierung der Schuid und dem Verkauf
40 voraus , so wird diese ihre Aussage nicht angenommen, und die Schenkung
wird ihnen nicht belassen. Wenn aber dasObjekt verkauft wird, und sie (die
Hinterbliebenen) es um einen korrekten Preis zu kaufen wijnschen, wird es
keinem Anderen zugeschlagen (als ihnen, d. h. sie haben das Vorkaufsrecht).
b) Wenn die Witwe und die noch im Elternhause lebenden Sohne
45 (Kinder) erklaren: Wir haben es (das streitige Objekt) von dem Gemahl ,
respektive von dem Vater gekauft , so sind sie dazu nicht berechtigt.
(Doch ist zu unterscheiden.) Wenn namiich der Sohn erklart: Ich habe es
von meinem Vater gekauft ; wenn er zur Zeit, als er es kaufte und die
Verkaufsurkunde schrieb, bereits erwachsen war und von seinem Vater
50 getrennt lebte, und wenn das Gekaufte sich in seiner Hand befindet (d. h.
es ihm bereits ubergeben worden ist), so ist die Sache rechtsgxiltig.
§ 10-
Wenn ein Mann sich lossagt von irgendwelcher Habe und die
Stipulation macht: Ich werde niemals auf diese Habe ProzeBanspruch
55 erheben , so kann er ohne die Erlaubnis jenes (des Besitzers jener Habe)
auf die betreffeiuie Habe unter keinen Umstanden einen ProzeBanspruch
erheben (s. Anm.).
— ir)4 —
3um>3 of^ «\,.\t 1^ ecrrs I^ooaAso I^a . l\-.v B Iaoui 1i2
§11. Z^p i\Am e2 I:!^3 ^'slIiA, -li^to oo' >\^ JcSa^aa^ w.a9 ^
V. VII. §1. Jul ^io ^<u xa 2a.2L\ . HTi.T.tao 2^^•.^ \^ . I.^n, ts Ij:S
: ^SkAMdoo e2 dsl^v ^«l«? eoT <y2 : 1 v > t ii 1^2.^0 ^sLjoo
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2xj.'23e 2ds>.^p Ulpp ^v^au^e : ;.t.>.T^ eor 2;s..^p ^9o2
§2. 2i;io o^ U%Taa v,2o .2i<w3<L. >«'xaop l^kjA v^Xa a^^^^p
: ^•vT'ov) Is^SmO Is^^ae : 2>v.o e2 ^ \f>.. 1A2 : ^voSs^l
XaOk^ l^p y^aiop^la : 2>S^a oir o2 AiQ^ w.crp ^ eou2
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' 1. A. - Tractatus opfiA. ' add. Tractatus ^J
* leg. Xi,'k^L ' I. ^p ulp St. XiLp ^p.
t. IS
30
— 155 —
§ 11 (s.Anm.).
Wenn ein Mann ein Haus oder Feld nicht hat, es sich nicht in seiner
Hand befindet, er i<einen Anspruch darauf eriioben hat, und nun eri<lart:
Es gehort mir , so steht es ihm frei, daB er sich fur die darauf lastenden
5 Schulden als mithaftbar ansieht {wortlich: so ist er berechtigt, daB er sich
nicht lossage davon).
Jedoch wenn er die Sache in seine Hand bekommen hat, wenn er
einen Anspruch darauf erhoben hat und mit seinem Anspruch abgewiesen
ist, dann mu(5 er sich von der betreffenden Sache lossagen (wortliclr. ist
10 er nicht berechtigt, dafi er sich nicht lossage davon).
VII. Kapitel.
Uber Darlehn und Ifand.
§ 1 (s. Anm.).
Wenn ein Mann etwas entleiht von einem Anderen und diesem als
15 Pfand Gerate (Mobiliarbesitz) gibt ; wenn der Schuldner stirbt oder verarmt,
und nun andere Olaubiger kommen und gegen den Pfandinhaber den
Anspruch erheben: Gib her das Pfand, daB wir es verkaufen und den
Erlos unter uns teilen , so ist der Pfandinhaber berechtigt, einerlei ob er
fruher oder spater als diese Olaubiger dem Schuldner das Darlehn gegeben
20 hat, das Pfand herzugeben, es mit Wissen der Richter der Kirche und glau-
biger Manner zu verkaufen, sich selbst vollstandig hezahlt zu machen und
den Rest (des Erioses) den iibrigen Glaubigern auszuhandigen (Ebedjesu,
Tractatus S. 238, Kpl. 2).
§ 2 (5. Anm.).
25 a) Wenn das Pfand nicht aus Geraten besteht, sondern ein Acker
Oder ein Haus (Immobiliarbesitz) ist, und die Verpfandung durch unter-
siegelte Urkunde erfolgt ist; wenn dies Feld oder Haus sich in der Hand
des Glaubigers befindet und dieser in der Reihe der Glaubiger der erste
ist, dann ist er ebenso (wie der Pfandinhaber in § 1) berechtigt, solange
30 er sich nicht selbst vollstandig bezahlt gemacht hat, den iibrigen Glaubigern
nichts zu geben.
b) Wenn aber das Pfand nicht in der Hand des (der Zeit nach) ersten
Glaubigers ist, sondern in der Hand eines spateren Glaubigers, so be-
stimmen die weltlichen Richter, daB zunachst der erste Glaubiger
35 sich vollstandig bezahlt machen soil.
Dagegen die Richter der Kirche bestimmen, daB dem ersten
Glaubiger nur das Kapital (nicht die Zinsen) gegeben werden, das aber,
was dann noch iibrigbleibt, ijber die iibrigen Glaubiger verteilt werden soil.
c) Wenn das Pfand weder in der Hand des ersten Glaubigers noch
40 in der Hand eines anderen Glaubigers ist, es aber schriftlich nur dem
ersten Glaubiger verpfandet ist, so wird es dem ersten Glaubiger zur
Verfijgung gestellt, damit er sich sein Kapital (nicht die Zinsen) voll-
standig daraus zuriicknehme.
d) Wenn das Pfand sich in der Hand eines anderen Glaubigers
45 (als des ersten) infolge einer schriftlichen Verpfandung zugunsten der
be id en Glaubiger befindet, dann teilen sie es unter einander und machen
sich daraus bezahlt
e) Wenn aber das Objekt iiberhaupt nicht verpfandet ist, weder an
den ersten Glaubiger noch an den zweiten, so teilen sie sich das, was
50 der Schuldner hat, unter einander, und den Rest ihrer Forderung (wenn
das Objekt zur Zahlung der Schuld nicht ausreicht) fordern sie von dem
Schuldner (Ebedjesu, Tractatus S. 238b, 239a).
Auch in diesem Fall wird nicht ex lege, sondern via administrationis
verfahren.
55 §3.
a) Wenn ein Mann verschuldet stirbt und seine Erben sich von
seiner Erbschaft lossagen, so verfahren die Pfandglaubiger, diejenigen,
— 15(; —
I .... . •
o2 ;\.n«. ^au^2 Z^e .U^^sm ^oe liAiJu. ^ oau'i^ta ^^2p
Z^^Xa^p Id^aj^xaoLS .00;^ a^^^ LsXa pok«Aa %^1 I^^o s
^p x^^Juopo -o^X^p :sp.» Li^pJO jao ^ouOJca : I^wso
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Z^ ^p ^2e : vo\^3k.i ^0°^ '^^P Tip^io ^sa \ \ ^oa^'^is
^OkA^ : ^Om w.'3b» : vOo;\a ^j.^ : ^ eoviM p>.~ ^a^ .'vt'o'i?
§4- •vOOTJM :sd.2 »^2o .^2p ^pbM «\p.\\*\i o^9o2p ■sy.io "ap-so 10
^eorp \\.t) :d^x»2p :s^2p ^p ^^2e : <.S.3»o ;^^^pa] 2iN2p
Zusuopoe ti.eawi l&il^ Li'aapkao ^>a.'\ : >\aao ^^aepuOp
o'crjp ^3» oojaIo .Uiepja eo^ oift\Ti>\e : tio>\ <JMK).\ia\
ocrp o;^ .y, At :^«o2 l^.ao3>.,d 007 : ^Vse 2^2 ^, ao> n
.36^ ;^ -o^^P ^3^ \.nTp ;^puV. >i»cro'i«^ Xd.2p u-^ija 15
:>^*o2 Uaop^ OCT ol^ = t^ ^^»p.dp eoT ^p ^^2 .U^mI^
^Ol^ -2p'aM. :zu. ^.^SX^^ lS2 .Uao7 P^^^^P ^ \ At ^
§5. ^a^ ^'VT'OYtp ^i^Z TJyio o2 2^.o o2 ;.\,tt.« .Ok^9o2p 7i?k^
:np^p .a%i39p oaj!^ \.\r Z^ . ^L«2 xii^ pP»» n2 : ju2
2^.1^ o2 Att..i ;soc; U^ijiM^M or^oAp o'oi? "B^io soj^i'jaop 20
§6. or^oA ^"v Tiaaae 2i,.3A. v^ ^9-0 ^^ 23..3l,\ .^a^o^p^l^p
2aoi\ ^ ^%* 30^0 . t^3kM2 :9pk^ o2 2iv^:3 e2 : ' \ JtXm
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o;^p Z^^a.^ eo;^ 2^01^ 200^ A.».p •ap.ie ja» ^^^s^ A,a..
ec; pou.I^p : Z^^pi^Cl^ y>g70u\.3>jp cv^ >\. At zA . ^p«2
: 2ai: k^ivd^p A.pu.is^e 2ft »t» ^p v^e : Aam u>cr e2 2i\.k3
: Za3w»Z^ 2^o3kd.^.^ ^bi ^^ap Z^pk^ : Z^^putX^ cA V Ax Z^
§ 7. poL^o : Ju2 ^ ^%^ ^2 2X3\ : zXxUi o2 2:Sda 007 pou.ZAp 30
1 I. ;Lj.a>xaa. ' 1. U3u«,2. " I. eor st. ecra.
— 157 —
welclie Mobiliarbesitz als Pfand in der Hand haben, und diejonigen, welche
Felder und Hauser als Pfand in der Hand haben, in der eben beschriebenen
Weise {in §§ 1 und 2, s. Anm.)
b) Wenn ihnen (d. i. einigen Glaubigern) aber nicht ein Pfand
5 gegeben ist, wahrend Anderen Felder und Hauser verpfandet sind, sie
dieselben aber nicht im Besitze, sondern nur die Urkunde haben, durch
welche ihnen das Feld oder Haus verpfandet ist, dann bekommt der erste
Glaubiger das Seinige und der andere den Rest.
Und wenn an einen Anderen Feld oder Haus schriftlich verpfandet
10 ist, teilen sie sich das Objekt nach MaBgabe ihrer Forderungen.
Wenn aber das Objekt keinem von den Glaubigern verpfandet ist,
dann teilen samtliche Glaubiger sich das Vorhandene nach MaBgabe ihrer
Anspruche unter einander.
§ 4 (s. Anm.).
15 a) Wenn einer von den Glaubigern zuerst kommt und sich (vor
Gericht) beschwert, und einer sich zuletzt beschwert iiber den, der sich
zuerst beschwert hat, so beauftragen die Leiter (der Kirche) verstandige,
glaubige Manner, die Preise (fiir den Verkauf des Pfands) zu bestimmen
und (es) dem ersten zu iibergeben.
20 b) Wenn nun derjenige, der sich zuerst beschwert hat, der erste
Glaubiger ist, ist er berechtigt, die Habe, die er in der Hand hat, so-
lange dem Anderen vorzuenthalten, bis er sein Kapital daraus wieder-
gewonnen hat.
c) Wenn aber der, der sich zuerst beschwert hat, nicht der erste
25 Glaubiger ist, so darf er nicht also handeln, vielmehr teilen sie das Pfand
unter einander nach MaBgabe ihrer Forderungen.
§ 5 (s. Anm.).
Wenn ein einem Menschen verpfandetes Objekt, Feld, Haus oder
etwas anderes, an einen anderen Menschen (von dem Eigentiimer) ver-
30 kauft wird, so ist der Kaufer nicht berechtigt es friiher in Besitz zu
nehmen, als bis derjenige, dem das Objekt verpfandet war, das Seinige
zuruckgezahlt bekommen hat.
§ 6 (5. Anm.).
a) Ein Mann entleiht von einem anderen ein Darlehn und verpfandet
35 ihm dafur ein Feld oder ein Haus oder sonst etwas; er entleiht dann
weiter von einem anderen ein Darlehn und verpfandet ihm dasselbe Feld
oder Haus. Darauf verkauft er das Haus oder Feld an den ersten Glaubiger,
und nun gerat der Schuldner in Armut.
b) Wenn nun der zweite Glaubiger nicht nachweisen kann, daB
40 das Haus oder Feld einen hoheren Wert hatte als denjenigen Betrag, um
den der Schuldner es seinem ersten Glaubiger verkauft iiat, ist er nicht
berechtigt, den ersten Glaubiger an der Besitzergreifung dieses Hauses
oder Feldes zu hindern.
c) Wenn er aber nachweisen kann und notorisch ist, daB das Objekt
45 einen hoheren Wert hatte, dann darf der erste Glaubiger das Haus oder
Feld nicht eher in Besitz nehmen, als bis er die Differenz (zwischen dem
gezahlten Kaufpreise und dem wirklichen Werte des Pfandobjekts) dem
zweiten Glaubiger ausgezahlt hat.
§7.
50 Wenn ein Mann von einem anderen ein Darlehn nimmt und mit
ihm die Stipulation macht: -Ich verpfande dir meine ganze Habe fiir dies
Geld, das du mir geborgt hast , so ist der Schuldner nicht berechtigt,
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20
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denjenigen Teil seiner Habe, tier ziir Tilgung dieser Schuld erforderlich
ist, zu verkaufen oder zu verschenken. Dagegen den iibrigen Teil seiner
Habe darf er verkaufen oder verschenken.
§ 8 (s. Anm.).
5 Wenn ein Mann von einem anderen ein Darlehn nimnit und ihm
folgende Urkunde aussteiit: Ich verpfande dir von meiner Habe, was
du wiilsl, oder verkaufe es dir urn dies Geld (d. h. urn den Betrag des
Darlehns)-, so befehlen die weitiichen Ricliter hieruber wie foigt:
a) Wenn er (der Schuldner) eine solche Urkunde ausgestellt hat,
10 kann er (seine Habe) nicht eher verkaufen oder verpfanden, als bis er
seinem Glaubiger das Seinige zuriickgezahlt hat.
b) Wenn er aber dennoch sie verkauft oder verpfandet, so hat der
erste Glaubiger, der jene Urkunde in der Hand hat, das Recht, zu erklaren:
>Das Feld oder das Haus, das du verkauft hast, verlange ich <, es zu
15 reklamieren aus den Handen des Kaufers oder (zweiten) Pfandnehmers
und an sich zu nehmen.
c) Die Rich ter der Kirche sehen aber auch dies vom Standpunkt
der Vervvaltung an. Wenn dem ersten Glaubiger eine Verkaufsurkunde
ausgestellt ist, iibergeben sie ihm (das Objekt). Wenn es ihm aber schrift-
20 lich verpfandet ist, ist nach ihrer Ansicht der Schuldner berechtigt, bis
der Glaubiger das betreffende Objekt, Haus oder Feld auswahlt und genau
bezeichnet hat, jedes Feld oder Haus, das er hat, nach Belieben zu ver-
pfanden oder zu verkaufen oder zu verschenken, mit Ausnahme desjenigen,
was der Hohe der kontrahierten Schuld gleichwertig ist.
25 d) Was aber den weiteren Fall betrifft, dafi der Glaubiger erklart:
Obwohl ich das und das Feld oder Haus ausgewahlt hatte, hat er (der
Schuldner) dennoch, ohne dazu berechtigt zu sein, es verauliert. Er soil
mir Schadenersatz zahlen, so sind einige der Ansicht, dal^, wenn der
Schuldner auch das betreffende Objekt verauBert hat, ohne dazu berechtigt
30 zu sein, der Glaubiger dennoch nicht berechtigt ist, deshalb Schaden-
ersatz von ihm zu fordern.
Wir aber befinden nach Rechtschaffenheit und Gottesfurcht, daB der
Glaubiger absolut nicht das Recht hat, Schadenersatz zu fordern, sondern
dafi eines von zwei Dingen eintreten muB: der Glaubiger laBt sich von
35 dem Schuldner das Seinige zuriickzahlen oder er erklart sich damit ein-
verstanden, irgendeins der Felder oder Hauser oder etwas anderes, was der
Schuldner zur Zeit noch besitzt, (als das ihm gegebene Pfand)anzunehmen.
§ 9 (5. Anm.).
Ober ein solches Pfand, dessen Wert hoher oder niedriger als der
40 Betrag der Schuld (gemeint ist Geldschuld) ist, bestimmen wir wie
folgt: Wer ein uberwertiges Pfand hat, ist nicht verpflichtet, aus seinem
Plus demjenigen Glaubiger, der ein minderwertiges Pfand hat, dasjenige,
was dieser zuwenig hat, zu ersetzen, denn beide haben Geld gegen ein
Pfand geliehen.
45 Aber derjenige, dessen Pfand ein minderwertiges ist, darf von dem
Schuldner den Betrag einfordern, um den sein Pfand zu gering ist {vgl.
§ J 8, zweiter Absatz).
§ 10 (5. Anm.).
Wenn ein Mann einem anderen eine Sklavin oder eine Kamelin
50 oder Ziegen oder Schafe, welche gebaren, verpfandet und keine besondere
Stipulation dabei macht; wenn nun die Sklavin oder die Kamelin oder
das Schaf gebart, so gehort deshalb, vveil das Geborene nicht Frucht,
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sondern Wurzel ist, dasjenige, was von der Sklavin oder Kamelin oder
dem Schaf im Stadium der Verpfandung geboren wird, dem Schuldner.
Wenn er (der Glaubiger) das von der Sklavin oder der Kamelin
oder dem Schaf geborene Wesen in gebuhrender Weise aufzieht, muB
der Schuldner, der Eigentumer der Sklavin oder Kamelin oder des
Schafes, die Kosten fiir das Aufziehen, Entschadigung fiir Arbeitsverlust
infolge der Geburt und den Lohn fiir die dem neugeborenen Wesen
zugewendete Muhewaltung dem Glaubiger ersetzen.
§ 11 (s. Anm.).
10 Wer einem Anderen seine Habe als Pfand gibt zur Sicherstellung
von Geld oder einer anderen Sache, welche er ihm schuldet, und danach
das Geld oder die andere Sache, fiir die er das Pfand gegeben hat, dem
Glaubiger zuriickgibt;
wenn nun der Glaubiger die Annahme verweigert und das Pfand
15 nicht zuriickgeben will, und spricht: Weil ich das Pfand weiterverpfandet
habe an X, verweigere ich die Annahme der Schuldtilgung. Er (der erste
Schuldner) moge aber die Schuldtilgung demjenigen geben, dem ich das
Pfand weiterverpfandet habe, damit er seine Habe aus dessen Handen
befreiec ;
20 wenn der erste Schuldner, dem die Habe gehort, nicht die Stipulation
gemacht hat: Am Tage x des Monats y zahle ich dir dein Geld zuriick ;
Oder aber, selbst wenn er auch dies stipuliert hat, dieser Termin ver-
strichen ist, wahrend der erste Pfandinhaber von ihm zur rechtmaBigen
Zeit die Riickzahlung forderte (der Schuldner aber nicht zahlte), und er
25 daher mit Wissen des Schuldners, des Eigentiimers der Habe, das Pfand
weiterverpfandet hat;
alsdann ist der erste Pfandnehmer berechtigt, die Annahme der
Zahlung und die Ruckgabe des Pfandes zu verweigern. Vielmehr soil
dann der Eigentiimer der Habe (der erste Schuldner) das Geld oder das
30 Objekt, fur das seine Habe verpfandet ist, gemaB den von ihm in der
Verpfandungsurkunde angegebenen Bedingungen zu dem zweiten Pfand-
nehmer, in dessen Hand die Habe ist, bringen und ihm iibergeben. Dieser
zweite Pfandnehmer nimmt entgegen, was ihm zukommt, und gibt die
Habe (die ihm verpfandet war) ihrem ursprungiichen Eigentumer zuriick
35 (also mit Obergehung des ersten Pfandnehmers) (vgl. § 16).
Wenn aber zwischen ihnen ein Streit oder Wortwechsel entsteht,
sollen sie gemaB der zwischen ihnen abgeschlossenen Stipulation verfahren.
§ 12 (5. Anm.).
Wenn ein Mann stirbt und Frau und unmiindige Kinder hinterlaBt;
•w wenn er auch Schulden hinterlaBt, und nun der Glaubiger Kapital samt
Zinsen zuruckverlangt, dann soil die Witwe oder wer sonst fiir seine
Familie verfiigt, gemaB dem Befelil der Leiter der Kirche jenes Geld
samt Zins und Zinseszins gemaB der zwischen Schuldner und Glaubiger
bestehenden Stipulation aus der Habe der Familie bezahlen. Oder aber
45 sie bezahlen das Kapital und ziehen von den Zinsen, soviel sie konnen, ab
(s. Anm.).
§13.
Ein Schuldner darf nicht eher seine Habe verkaufen oder verpfanden
oder verschenken, als bis er seine Schulden bezahlt hat, es sei denn, daB
50 er soviel von seiner Habe zuriickbehalt, als der Summe seiner Schulden
Sachau, Syrische Rechtsbucher MI. II
— 1 (■,•_> —
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.oT^jou.p I^ftdjo't ^ol^ li.\,b eo" Jap ^cup ^cL. 2i^
§ 14. jul .ot^olS y>tioa».2 e2 -o^ jou^2 e2 .j«3 l:u2 ^oJS ^ s
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,^.-iT.-s.>«< 2'3u.aa ■IvxT'ff e2 Z<>xo« w.oTe .opise .\aoXxao l^o
§ 15. "■j^\ f^.. jsp jov»e : Ju2 ju23 2^30^. ^pto,\v, :»^2 ^1 ^^'^. '<>
e2 O^Am ^ or^^ou. ^xa^^^ : xi2 jui^ ^ceio ^ e2
§ 16. ^a^ ; \ n., ol Js^ , , > t in in JLii ^2 : aa^^Lp l:s^ ^
liio^ \ ^'' : Ua»>*2 23aLX, ^oA ,%Tiair) Ju2 ec*e :ju2
i^OlAjeas : iJ^ad^ 2^J0L«. 23>aflA :i„».p 1.1o.t ^^ja : ,U«i.d
§ 17. ^\^^ ^.oao7 ;AjC>a ^^Qt? :xi2 3^302 ^2 .0-:^^ e2 ai\jcx^ is
X^ae : Iscrpa e2 l^ljop :3lm UZao o-NeA a^r3J.5oe A^ ^
A Ul» ecr 1^2 : »j.50 "\.Bg.3 &a»23 l^ucxap : 3Je2 ou^p
.2aaL\ ooA Aioa^ Ju«. .^?olp lAOk^ eo* .w.^o^ ^3>iaa
§ IS. ^ i^2 M.3 1 wx't) i\\,in .3^23 Ul» .\\in ouo^ aeavo
;sA : o^s ^2^x^0303 l^joa ^^ 2oa 3^.^ lt3>Tio .23 : 3^23 20
.^c^esuZa ^w.23 .IWTir) ^ Sw^N^ A:».3.aaLS i^a*. liio^ 07^
.Uaa3o 2ols 3^^^ aa v^3 .^3^2 .2:se^3^ ;sa^A ^3 Om
0cr /> ■\.«.^v>\ A^^ .2as >«^3 3>a ^2o .M.cre^w>2 Itrxxao 23«3
§ 19. :^N^o ^siN^e xi2 00 ^%* ^"^'^. r^^ *v^ .3uJCx»3 'japjao
:oT3au.3 ^aiois^i. laax ^ooiup Slm 3mA^3 . w«3^^ %^2 u2 25
^ v'^^ c;^ .y.Vx 3o^a ci\«3 2^ji» vO0V)>» ?^ '^ ^
la^^ OCT \\.^^^ A .0A.3 2^j^ >X3^ vec;j>» >«* v2o
aoL^isao : io«aL5^2 Ap 2^J^ \.du : :»^^i5^2p 2^j>do \\.a()
t; 20. Z^L±) 0V3 ;^^2p .^Ow^p 2i>,\. x .veo^Xj-^Jp ^oui;s ^2
.li3^0u. o^ >\\.3^2 .Usos Jae 's3w3o .xa5^ A .cr.A^^a^e 30
■ add. ^■•Vtaftao e2. - Tractatus >\.QX. "" I. m6>SO-
* I. ^i5M A.
— 163 —
entspricht. Wenn er aber (trotzdem) seine Habe verkaiift, verpfandet
Oder verschenkt, ist der Olaiibiger berechtigt, von dieser Habe den seiner
Forderung gleich komnienden Betrag von deni Kaufer oder dem Be-
schenkten oder dem Pfandnehnier zuriickzufordern {vgl. die §§5, 7, 15).
5 §14.
Wenn jemand seine Habe verkauft oder verpfandet und dariiber
eine Urknnde ausstellt und nun erklart: Ich habe es (nur) aus Furcht
und Angst verkauft oder verpfandet <> ; wenn er nicht den strikten Beweis
erbringen kann, daB er aus Furcht oder Angst seine Habe verkauft oder
10 verpfandet hat, wird seine Aussage niciit angenommen und ihr nicht
Geiior geschenkt, sondern der Verkauf oder die Verpfandung wird als
gultig angesehen.
§ 15 (5. Anm.).
Wenn ein Mann gegen verschiedene Personen Schuiden hat, und
15 verschiedenen Personen etwas von seinen Feldern oder Hausern gibt
(schenkt), so werden seine Schuiden aus dem verschenkten Feld oder
Haus bezahit (vgl. § 13).
§16.
Wenn ein Mann ein Haus oder Feld an einen Anderen verpfandet,
20 und dieser es an einen zweiten weiter verpfandet, so kann der Schuldner
seine Schuld an den zweiten Pfandinhaber bezahlen, und bekommt dann
sein Feld oder Haus zuriick [vgl. § 11). {Ebedjesii, Tractatus S. 239, Kol- /■)
§ 17 (s. Anm).
Wenn jemand erklart: >Ich habe zugleich von X Geld enthehen
25 und ihm als Pfand ein Gerat aus Silber oder Gold gegeben , und nun
X erklart: Er hat das Geld von mir entliehen, aber das Gerjit hat er
mir nicht verpfandet , so muB der Schuldner das Geld, zu dem er sich
bekennt, dem Glaubiger zahien, aber wegen des genannten Gerats muB
er mit ihm ProzeB fiihren (Ebedjesu, Tractatus S. 239, Kol. I).
30 § 18.
In betreff des Pfandes gibt es folgende Ansicht : Wenn das Pfand
weniger wert ist als das Geld, zu dessen Sicherstellung das Pfand ge-
geben ist, ist der Glaubiger nicht berechtigt, mehr als das Pfand, das
in seiner Hand ist, zu verlangen.
35 Wir aber sagen in Rechtschaffenheit: Wenn das Pfand mehr wert
ist (als die sicherzustellende Schuld), so gehort dies Plus dem Schuldner,
und wenn es weniger wert ist, muB der Schuldner dem Glaubiger das
fehlende erganzen {vgl. § 9, 2. Absatz). {Ebedjesu, Tractatus S. 239, Kol. 2.)
§ 19.
40 Zwei Manner entleihen eine Sache von einem dritten und stellen
ihm daruber eine versiegelte IJrkunde aus. Dann darf der Glaubiger
von jedem der beiden Schuldner nur denjenigen Teil der Schuld,
der auf diesen entfallt, zuriickfordern, ausgenommen den Fall, daB die
beiden Schuldner sich gegenseitig fiir einander verbiirgt haben. (In diesem
45 Fall kann der Glaubiger von dem einen wie von dem anderen Schuldner
die ganze Schuld zuriickfordern.)
Und wenn einer von ihnen seinen Teil (der Schuld) bezahit, so
wird wegen des bezahlten Teils die Urknnde nicht hinfallig, und mit
dem anderen, noch nicht bezahlten Teil wird gemaB der unter den Parteien
50 abgeschlossenen Stipulation verfahren (Tractatus S. 23b, Kol. 2, s. Anm).
§20.
Eine Urkunde fiber eine Schuld, die aus Kapital und Zins besteht.
Es ist nichts von dem Kapital zuruckgezahit worden. Hinfallig ist der
Zins {sic s. Anm.).
— I(U
§21. >\..Sj;.3 ^xa5 Ulp .:^e.Sbw. xSl^M ^2 -TjI \>.p iStx^
l^baa ^3 ^ .ilia ^ ov^p .Xs^^p : la^ ^2 li\30>^ 2iaa^
oi^3 2^j^ ..eo^uo ai«.^a ^ap .2<Se«Naw. wJa ^ . oo;d.^^23
^eabr ^ s^sNioo >a '. ^oo)->.is^l ^ ^p ^2 -^s^Jo^ ■;.>.a^
•sOaoT .1^3^? ^Okxcrfi Itsoiioo .>\,\*\*n\ ^ . n .«« .>eoUki^23 s
§22. JLll ^ .^xa^ vOO^A.^ vOu>:)fi^? . vecn«3A~ '0L^Xd2p
.3db2e JcSb : ou>» >X3^>v»p ^x«2 :3>» e2 .LSuaa \\.»
XSi^sa^a ZsA^e I'iajjo 2i^^^ ^^p >\\one : U2 olm. J^p
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^ 2^^.^ e2 i\A>> ^'01 \^^J:;s : paLXp -ppjaa ;.*aoxa po^
axag?,Ma!S o;^ \*>-A^ . A.Ctfp 2SA\xo 2*3 ^^ ^2o . l..^p>^
2^>eLj.o>a.ao 07^ 3Xti;sis o;*aocLV\ \\^o .'Aa*. 2-xao \x
V. VIII. t^oAap li<^%* \x : ^^j^fi^p %xh .U-Aao 2^p^ ^ 2;Mae is
§ 1. ;b&* ^p ^07 ^ S\.ff> .;\,v.a'ap ^p 2^^«u . :\,vm i^pe
;JiDdo:» ;!o.U^J>»p Zaa^^a ^ase ;i\,Nf>T jape 23oa ^e
"^.xcxbop U9ia2 .U'xooumO Z V . %a p l^xx jap 1^2 .2^j.ao
^2p U'3uC30u.p Xaajce :2;S3a\2^^p U3uC30u.e : U^aa Z^p
2.i^%*p ta^p ■A>.'aau^ ^P9 2po7 ^2 lJ^2 : 23X.,iao ^JSor 20
;^2 . ^ U^aa o^ 2l\ouoap ^2 .j\ud X^po ' \,ii,n.->p
^a^a.^ .2'a\fiv ^»»^ ^aMw»2p I'L.^ ^«2e ■ ^^p 2^ou^^ax3
§2. ) y, V tt 1 l^p 2Njoum : 2a.3-i^ wLx x^2 Suae .>.n.v:^^p
Ul^e U3fe : l^au ^ ^\\'\^2 ai.a I^oXUsp ^'cr : lytttipo
; zy^xiB %^p W.OT ^ : ^slaC? aaaaa Z^^.>«3;ao 1^ .oa3p«2 2s
Ul^o XJ09e : ;-A*.a^\ 1.^.^2 jaiaaop ^p^d ^ ^2 1.^2
Xia^ 2aao 2i:i\ ;sZao .lisax^a o2 :vOOV»'^2 ZA^Zjs \^a:^
^ ^aaxao 1^2 .<»v^2 ^.p ^lo .2;so«S3u. w^s ^ab oA ^i^e
X^a^ ec7 .t.n«.ia.\ : 2^iiou. 2x^0 2S..-i,\.^ .\,A,t : g;v.ii,.fl
> add. 2£s^ep^3 o^a? M. OkXa^p. ' i. ^yn^.
del. 2^J«? ' I. Zjcxa^a. ° 1. ^A^^^2.
— 1(55 —
§ 21 (s. Anm.).
In betreff des Falles, daB ein Vater Schulden hinterlal3t und seine
Erbschaft bereits aufgeteilt ist, gestatten die Richter dem Olaubiger,
daB er, wenn er will, die Schuld von den Solinen (Kindern) einfordert.
5 Wir aber bestimmen, daB er von den Erben, so viele ihrer sind,
von jedem einzelnen den entsprechenden Teil einfordern soil. Wenn sie
aber nicht (anwesend?) sind, dann sind die Anwesenden (?), wenn an sie
die Forderung gerichtet wird, verpflichtet zu zahlen. Wir bestimmen
aber, daB sie die Quoten der ubrigen Erben, fiir welche sie Zahlung
10 geleistet liaben, von ihnen wieder einfordern {Ebedjesu, Tractatus S. 236,
Kol. 2).
§22.
Es wird eine Geldsumme oder irgend etwas anderes von einem
Manne gefordert, dieser aber bestreitet die Sache und erklart, daB er die
15 Geldsumme oder die Sache nicht schulde. Da er aber weder durch
Zeugen noch durch eine Quittung seine Aussage beweisen kann, verliert
er zur Zeit seinen ProzeB vor dem Richter. Der Richter befiehit, daB
er ein Feld oder Haus zur Bezahlung der Schuld hergeben soil. Der
Verkiag^e tut, wie ihm befohlen.
20 Wenn es dann in der Folgezeit dem Verurteilten gelingt, vor dem
Richter eine Quittung und Zeugen (welche beweisen, daB die gegen ihn
erhobene Forderung zu Unrecht erhoben war) zu produzieren, und nun der
Richter erkennt, daB jener Forderer zu Unrecht seine Forderung erhoben hat,
dann soil diesem dasFeld oder dasHaus (das ihm zugesprochen war) wieder
25 abgenommen werden. Auch befehlen wir ihm, die Frijchte und Ertragnisse,
die er (aus jenem ihm mit Unrecht zugesprochenen Gut) gewonnen hat,
an den rechtmaBigen Eigentiimer zuriickzuerstatten, und wegen des von
ihm begangenen Unrechts soil er von der Kirche mit Tadel und Verweis
und AusschlieBung (von den Sakramenten) bestraft werden {Ebedjesu,
30 Tractatus S. 236, Kol. 2 und Arabs // Bl. 189b, 7ff.).
VIII. Kapitel.
Uber das gefahrdete und das gefahrlose Darlehn.
§ 1 (5. Anm.).
Das gefahrdete Darlehn (Darlehnsobjekt) ist abgesehen von
35 demjenigen, das durch das Meer, durch das Feuer, durch den Landes-
fijrsten und durch die Feinde, ein solches, dasteilweise weggenommen
werden (zugrunde gehen) kann, wahrend es von anderweitigen Schaden
und Verlusten, z. B. rechtswidriger Besteuerung (Verzollung), Handels-
verlustund ahnlichen Verlustarten, frei ist.
40 Ubrigens aber muB man wissen, daB nach unserer Bestimmung
Streitfragen betreffend das gefahrdete und das gefahrlose Darlehn meist
nicht nach dem Gesetze, sondern durch Vergleich und nach dem unter
den Kaufleuten herrschenden Usus entschieden werden miissen (Ebedjesu,
Tractatus S.237, Kol. 2).
*■■> §2.
a) Ein Mann schuldet eine gefahrlose und eine gefahrdete Schuld
(z. B. ein Schiffer schuldet einem Kaufmann eine Ladung Ol in Kriigen).
Wenn nun das gefahrdete Objekt glijcklich den Hafen erreicht und als-
dann Waren und Gerate verkauft werden, in dem Falle unterscheidet
50 sich das gefahrdete Darlehn nicht von dem gefahrlosen.
b) Wenn der Schuldner, der Besitzer der Ware, vor der Ankunft
des Schiffes im Hafen und auch (nach Ankunft des Schiffes im Hafen),
wahrend Waren und Gerate noch im Schiffe oder im Schuppen liegen,
— 166 —
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— 167 —
stirbt, und er entweder keine Erben hat oder Erben, die sich von seiner
Habe losgesagi haben, dann ist der Oiaubiger berechtigt, die Ware und
das Gerat des Schuidners solange mit Beschlag zu belegen, bis er sich diirch
diese Ware und dies Gerat voilstandig bezahlt gemacht hat, dies alies mit
5 Wissen der Leiter der Kirche und giaubiger (d. i. christlicher) Personen.
Was dann noch iibrig bleibt, wird den iibrigen Glaubigern iiberwiesen.
c) Wenn aber Waren und Gerate zur Befriedigung dieser Giaubiger
nicht ausreichen, dann sind die Giaubiger, dencn das gefahrlose Objekt
geschuldet wird, berechtigt, sich aus dem Rest der Habe des Schuidners
10 bezahlt zu machen, ohne den Glaubigern, denen das gefahrdete Objekt
geschuldet wird, etwas abzugeben. Wenn aber dann (nach Befriedigung
der ersteren Klasse von Glaubigern) von der Habe des Schuidners noch
etwas ubrigbleibt, wird es den Glaubigern der zweiten Klasse iiberwiesen.
§ 3 (s. Anm.).
15 Was nun die anderen Arten von schriftlichen Vereinbarungen, welche
die Menschen miteinander machen, betrifft, z. B. den schriftlichen Pakt,
genannt debirath-kadhmaja, d. h. Ankunftszeit der Schiffe,
oder den schriftlichen Pakt mit der Klausel bis zur Ankunft (der
Schiffe) bei der Insel x oder dem Orte y< und ahnliche Vertrage
20 mehr, wie sie Seefahrer miteinander abschlielkn, so werden Streitigkeiten,
die daraus entstehen, da sie nicht durch richterliches Urteil entschieden
werden konnen, vor die Leiter der Kirche gebracht, und diese beauftragen
Sachwalter, weise und gottesfurchtige Manner aus dem Kaufmannsstande,
mit der Vermittlung, damit sie nach den oben (Buck /, Kap- V und VI)
25 erklarten Methoden (auBergerichtlichen Ausgleichs), dem pes end und
bihdadhistini, d. i. sich einverstanden erklaren und Gutrecht,
Oder nach dem Rechtsminus und dem Rechtsplus (durch Minder-
und Mehrleistung) den Streitfall erledigen.
Deshalb wollen auch wir (Jesubocht) uber diese Dinge kein Gesetz
30 aufstellen, da das Meer sich doch oftmals dem Willen und Gesetz der
Menschen nicht fugt. Man soil in solchen Fallen gemaB dem unter den
Kaufleuten herrschenden Usus vorgehen (Tractatus S. 237, KpL 2, Z. 11 — 15).
IX. Kapitel.
Ober Zins und Nutzen.
35 § 1 (s. Anm.).
Der Gesetzgeber (Moses) befiehlt, daB Zins von Glaubensgenossen
uberhaupt nicht genommen werden soil: »Wenn du den Armen
meines Volkes etwas borgst, sollst du nicht wider sie wie
ein Giaubiger sein und nicht Zins von ihnen nehmen<:
40 (Exodus 22, 24). Und in gleichem Sinne spricht der selige David: »Wer
sein Geld nicht gibt urn Zins« (Ps. 15,5). Aber die Kirchenvater
haben nicht aus Opposition gegen das GeheiB Oottes, sondern im Hinblick
auf die Besitzenden, die sich nicht dazu verstehen, ohne Gewinn Anderen
ihre Habe zu geben; — oftmals sind sie aber auch nicht imstande, von
45 ihnen (ihren Schuldnern) das Ihrige zuriickzufordern, und sind andrerseits
die Schuldner nicht beflissen, ihre Schulden zu zahlen, well ihnen aus der
Verzogerung der Zahlung kein Nachteil erwachst, — und weil sie (die
Kirchenvater) eingesehen haben, daB die Armen ohne Darlehn nicht
leben konnen, und ferner auch deshalb, weil sie erkannt haben, daB viele
50 Menschen sich schonungslos der Zinsnahme bedienen — aus alien diesen
Grunden haben sie das Gesetz gemacht: Man soil in einem Monat fiir
100 Dirhem EINEN Dirhem Zins nehmen, aber nicht mehr (vgl. Iicsn nST3
Nehem. 5, 11).
— 1 (kS —
§2. >\y,t» ^3^w3 eeor? ^^p .oaor .1^ au.x«o .♦ <xnra.i 2*o* a^^
^«a2 2\aa3 ^^ iS ,j>^->3l»>^^ U^ao ^a a^ .-^xftvYi.gia
auoA ^ x>^ : UaoT ;i^2 ^p "a^a .*s^iafi>A^a? w.OLi.s ^ap
2auOLX 2x.aa 2ooT •^^2 0w32o .^^^oiS ^j^ ^jsx^>se .^"i^al
§ 3. ^ ^^ jiil M.a •.^2 .Z^L^2 ^ au.^!^ AoaaN .\.>ft«^ , . '^ v,2 lo
a^aA. Z&aor ^2 :2;s.k3aa ^ou^aa ^a gpoLt.ao 1^ : 2:!^^jab3
.so^ : ^Ad Zaaft-^ Xvxx ^^Suo^ U2 ^o;ao ^ v^2a : ^eais
a^iX^a 2;s.d^a ^2 : 2a;sij Ija^issep ^2 2:s.*ja ^ ^^v
§ 4. ^ ^%^ Jul «v2e .ou-v .n/SJj^^^a ^i..ayaa 007 2a^;3 : Uao^*
Z^jaa ecra 2^.ddaaa w,oa>> aoi^o : g;\ju ^•vtia'De craoui is
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>^;sa ;bo :2ao;A ,:» X^jOl^ ^ai X5^\^^ i\A» wcrr u>t'o'w
§ 5. ju2 ^ ^%^ a^a 2aci\ .0^ .aov^^^ o^A.o.a 2^J0u« 2ab.ao
s2 : 23k^jK2 o;^ 3^^ o2 ? WT'tf or^So^ ^N.T.ia.yie .2^.da^o 20
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V. X. txh .l\ \.T e2 l.v>T3e ^i^aoA k^o^p .or^s^aso 1.'\.r>."\
§1. o2 IJilao a,a .^o^ ^2po ^Ixe lilA^aV. >A^ : 2ajcx^3 %
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d^ ■ ^■T.v.\ioo oA~>P Usax^iec^-ioe 7 ><o a ^ a^ ^ ^f
— 169 —
§2.
Die spateren (Gesetzgeber) haben dann, mit Riicksicht auf das Be-
durfnis der Entleihenden, den Zins auf 20 Estirin herabgesetzt. Und bis
jetzt bedienen sich gottesfiirchtige Menschen dieses Zinsfulies. Wir aber
5 belehren die Giaubigen, daB niemand mehr nehmen soil als dies. Dies
bestimmen wir nicht als Gesetz, wohl aber als Rat und Ermahnung,
als Lehrer des Giaubens.
Sofern wir nach dem Gesetze vorgehen.konnen wirdieMenschen
nicht hindern, mit einander Vertrage zu machen (wie sie woiien), aber
10 auch in dem Falle erlauben wir ihnen nicht, dal5 weniger als 10 Estirin
gegeben werde, wie wir auch, selbst wenn der Zins (im Lande) zehnmal
so hoch ist, nicht erlauben, daB mehr als das Doppelte (d. i. 20 Estirin)
an Zins genommen werde (5. Anin.).
§3.
15 Wenn jemand etwas auf Zins entleiht, aber die Hohe des Zinses
nicht festlegt, sondern folgendermaBen stipuliert: Wenn ich dir dein
Geld nicht bis zu dem und dem Tage zuriickgebe, gebe ich dir den orts-
ublichen Zins , so bestimmen wir, daB dieser Zins dann nach dem
niedrigsten ortsublichen ZinsfuB eingezogen werden soil.
20 §4.
Wenn ein Mann von einem anderen ein Darlehn nimmt, ihm dafiir
seinen Acker verpfandet und mit ihm stipuliert, daB er (der Olaubiger)
als Zins fur das Kapital das Ertragnis dieses Ackers bekommen soil;
wenn dann, bevor der Schuldner das Geld zuriickzahlt und sein Pfand
25 auslost, der betreffende Acker, ohne daB irgendeine Nachlassigkeit auf
seiten des Pfandinhabers vorliegt, von einem Strome weggerissen wird, so
muB dem Glaubiger sein Geld, wenn er es verlangt, zuriickgezahlt werden.
§5.
Wenn ein Mann von einem anderen etwas auf Zins entliehen hat
30 und ihm ein Pfand gibt oder eine Urkunde ausstellt; wenn er nun das
Geld samt Zins dem Glaubiger bringt und dieser dann spricht: Dein
Pfand oder deine Urkunde befindet sich augenblicklich nicht bei mir ,
worauf der Schuldner spricht: Ich zahle dir nicht eher dein Geld, als
bis du mir mein Pfand oder meine Urkunde herausgibst , so soUen sie
35 zu den Leitern der Kirche gehen, und in deren Gegenwart soil das Geld
samt Zins giaubigen Mannern in Depot gegeben werden, fiir so lange,
bis der Glaubiger das Pfand oder die Urkunde dem Schuldner zuriickgibt
und der Glaubiger von ihm sein Geld zuriickbekommt. Von dem Tage
ab, an dem der Schuldner Geld und Zins erstattet hat, zahlt er nicht
40 mehr Zins. Und dem Glaubiger ist nicht gestattet, daB er, nachdem der
Schuldner das Geld samt Zins erstattet hat, mit der Riickgabe des Pfandes
oder der Urkunde zaudere (Tractatus S. 238, Kol- 2).
X. Kapitel (s. Anm.).
Ober Deposita, erborgte Sachen und ahnliches.
45 § 1.
a) Wenn Gerate oder andere Dinge einem Menschen ubergebeij
und ihm dann gestohlen werden; wenn sie nicht infolge seines Ubermuts
oder seiner Nachlassigkeit gestohlen sind, ist er nicht verpflichtet, dem
— 170 —
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d^a A. Si *V, 'laN .lasjoouM o2 •.Mu\, : 2kd^o o2 23,.3u5.. ocr
§6. jt^l \-\ n vip "ap,^ Ajk 2^-ji^.o.3l.3o .cSia.N .^x^oAo 30
^ ^ftv^iicpe ^Ax v^ oA : cA 1\.^ ? '^.m p^ : lAxaVa
' 1. JlSj^. = zu tilgen.
— 171 —
Besitzer Ersatz zu leisten. Wenn es aber bekannt ist, daB die Dinge
infolge Obermiits und Nachlassigkeit des Depositars gestohlen sind, muB
er Ersatz leisten.
b) Wenn Behorden und Feinde die Objekte weggenommen haben,
5 und dies nicht wegen eines Vergehens von seiner Seite, nocli wegen einer
von ihm der Beiiorde geschuldeten Abgabe gesciielien ist, ist er nicht
zum Ersatz verpflichtet. ist es aber infolge eines Vergehens von seiner
Seite Oder weil er der Beiiorde eine Abgabe schuldete, geschehen, dann
ist er zum Ersatz verpflichtet.
10 §2.
a) Wenn A etwas (z. B. 10 Schafe) bei B deponiert und B etwas
(z. B. 40 Schafe) bei C deponiert und dann C bestohlen oder beraubt
wird; wenn der erste Depositar (B) die Sache (des A) zusammen mit
seinen eigenen Sachen dem C iibergeben hat, trifft ihn (den B) kein
15 Vorwurf.
b) Wenn aber B die Sache des A ohne dessen Erlaubnis von seinen
eigenen Sachen abgesondert und einem Dritten (C) iibergeben hat, und
die Sachen nun diesem Dritten gestohlen oder geraubt werden, muB B
dem A seine Sache ersetzen (5. Anm.).
20 §3.
Wenn ein Mann einem anderen ein Gerat oder sonst etwas iibergibt,
der Depositar es ohne die Erlaubnis des Eigentiimers verpfandet, und es
nun dem F^fandinhaber gestohlen wird, so ist der Depositar verpflichtet,
dem Eigentiimer Ersatz zu leisten.
25 § 4 (s. Anm).
Wenn ein Mann bei einem anderen ein Gerat oder Geld als ver-
siegeltes Objekt deponiert, und der Depositar das Siegel erbricht und
mit dem Geld oder Gerat Geschafte treibt, dann soil der Gewinn, der mit
dem Gerat erzielt wird, und der Zins, der mit dem Gelde gewonnen
30 wird, mit dem Eigentiimer zur Halfte geteilt werden. Wenn dann der
Eigentiimer erklart: Mir ist aus der Sache ein Verlust erwachsen*, und
diese Behauptung als wahr erkannt wird, soil ihm dieser Verlust (von
dem Depositar) erstattet werden.
§5.
35 Wenn ein Mann einem anderen einen Sklaven oder ein Kamel
iibergibt, und der Sklave oder das Kamel nicht infolge schlechter Bc-
handlung, Unvorsichtigkeit und unmaliiger Arbeitsforderung von seiten
des Depositars stirbt oder flieht, schwach wird und herunterkommt, so
trifft den Depositar keine Schuld, und er ist nicht zu Verlustersatz und
40 Riickerstattung verpflichtet. Wenn es sich aber herausstellt, dal5 aus
einem der genannten Griiiide der Sklave oder das Kamel gestorben oder
geflohen oder geschwacht und heruntergekommen ist, ist der Depositar
verpflichtet, dem Eigentiimer den Wert des Objektes oder den Verlust
zu ersetzen.
45 §6.
In Kiirze: Wenn ein Mann irgend etwas in Depot nimmt, und
es einen Schaden erieidet, nicht infolge einer Nachlassigkeit, so haftet
er nicht dafur. Wenn aber der Schade eine Folge seiner Nachlassigkeit
ist, ist er zur Ersatzleistung verpflichtet.
— 172 —
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§9.
2 15
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V. XI. XA^i§ \x .3ue3uX3M.p Ij:3 .dvi!^2 ai\*p .23Aj:e 2;sL>3^e
§ 1. .^sf^p ^ib eoTo .^pfiae e2 ^p$^? -apjaa ^p \y.Yi .Uno*o
007 aSk^opoA a)S \ A T iS : iJsoJ^ \axo ^ o«3 iLao
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§2. isSbaoe UJMo ^p 2Xk^a .eoi la.ac7 o^ .^o^SmO Laioap 30
s^o;^ .LOolx sLcip -apja ^ ^2 .Ldoxs ^p^^p \a2^^o iSp
> sic ' I. aa^ds^. ' 1. U.3e2.
— 173 —
§7.
Wenn ein Mann von einem anderen ein Gerat (Gewand?) oder
sonst etwas erborgt, und es gestohlen wird oder zugrunde geht oder
verdorben wird, so ist er verpflichtet, selbst wenn seine Nachlassigkeit
5 nicht schuid daran ist, den Wert des Objektes zu ersetzen oder ein
Ersatzstuck zu liefern.
§8.
a) Wenn jemand ein Kamel oder ein anderes sterbliches Wesen
von einem anderen erborgt, und es gestohlen wird und verloren
10 geht und nachgewiesen werden kann (daB der Entieiher in der Be-
hutung des erborgten Gutes nachlassig gewesen ist), ist der Entieiher
verpflichtet, dem Eigentumer den Wert oder das Objekt selbst zu er-
setzen (s. Anm.).
b) Wenn es stirbt, nicht infolge schlechter Behandlung, Un-
15 vorsichtigkeit und Oberanstrengung, hat der Entieiher weder Verlust
noch Ersatz zu leisten. Wenn es aber infolge einer der genannten
Ursachen stirbt, hat er Ruckerstattung und Schadenersatz zu leisten.
Und wenn das Tier arbeitsunfahig oder lahm wird, muB er dafiir den
Verlust und Ersatz leisten.
20 §9.
Wenn jemand ein Lasttier von einem anderen erborgt und genau
angibt: Ich will es fur die und die Arbeit oder fur die und die Reise
verwenden , und er es nun zu einer anderen Arbeit oder zu einer
anderen Reise verwendet, und es Schaden erieidet, wenn auch nicht in-
25 folge seiner Nachlassigkeit, ist er verpflichtet, den Wert des Tieres dem
Besitzer zu ersetzen.
Wenn esaberzu derangegebenen Reise und zu derangegebenen Arbeit
verwendet wird, und das Tier infolge seiner Nachlassigkeit einen Schaden
erieidet, ist er verpflichtet, den Wert des Tieres dem Eigentumer zu er-
30 setzen, ihm aber gehort das arbeitsunfahiggewordeneTier und derKadaver.
XI. Kapitel.
Uber Kauf und Verkauf.
§1-
Von dem Verkauften oder Oekauften und von dem Verkaufer.
35 a) Wenn der Verkaufer etwas verkauft und den Preis bekommen
hat, kann er das Verkaufte nicht mehr zuriicknehmen. Wenn er aber
den Preis noch nicht erhalten hat, sondern nur eine Arrha, und nun
spricht: Ich bin betort worden ; wenn diese Behauptung sich als Wahr-
heit erweist, wenn sie nicht eine versiegelte Urkunde mitein-
40 ander geschrieben haben, und wenn das Verkaufte ein Gerat oder
Lasttier oder etwas ahnliches ist, dann ist er (der Verkaufer) berechtigt,
indem er eine doppelte Arrha zuruckgibt, das verkaufte Objeki (von
dem Kaufer) zuruckzunehmen.
b) Demjenigen aber, der die Sache gekauft hat, steht es frei, wenn
45 er seine Arrha fahren laBt, die Annahme (des gekauften) Objektes zu
verweigern.
c) Wenn aber ein untersiegelter Kaufvertrag vorliegt,
sind die Bestimmungen andere (d. h. in dem Falie mu6 nach den Be-
stimmungen des schriftlichen Kontraktes verfahren werden).
50 § 2 (s. Anm).
a) In betreff von Lasttieren oder Geraten oder nicht eBbaren
Dingen, die auf den Markten verkauft werden, gelten folgende Be-
— 174 —
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U«aa Ol^ 2po7e .^Xm2 jui^ ouoo^ Jopi ^ -.r^ U'3m.2
20
25
;^0J: i^ del. - 1. J^p. » add. Ol^ Tractatus.
— 175 —
stimmungen : Wenn der Kaufer eines Lasttieres oder Gerates oder einer n i c h t
eBbaren Sache sie ihrem (urspriinglichen) Eigentiimer (dem Verkaiifer)
vor der Marktzeit zuriickgibt, kann er den gezahlten Preis (von dem
Verkaufer) zuriickbekommen. Wenn aber der Markt einmal begonnen
5 hat, kann er es nicht.
b) Dagegen eBbare Dinge, wenn sie einmal gekauft sind, kann
der Kaufer nicht mehr zuriickgeben (Ebedjesu, Tradatus S. 240, Kol. 2).
§ 3 (s. Anrn.).
a) Was solche Dinge betrifft, die nicht auf den Markten, sondern
10 in Hausern und gegen Deklaration ihres Wesens ohne weitere besondere
Stipulation gekauft vverden (so ist zu bemerken): Wenn es ein Lasttier
ist und an demselben ein Fehler hervortritt, den der Verkaufer nicht
bemerkt oder auf den er den Kaufer nicht aufmerksam gemacht hatte, ist
letzterer bis zum Ablauf von 40 Tagen berechtigt, indem er Lohn und
15 Abnutzung des Tieres bezahlt, es seinem (urspriinglichen) Eigentiimer (dem
Verkaufer) zuriickzugeben und von ihm sein Geld zuriickzubekommen.
b) Wenn aber das Tier imierhalb dieser 40 Tage lahm wird oder
irgendeinen Schaden bekomiiit, kann er es nicht vvieder dem Verkaufer
zuriickgeben (Ebedjesu, Tractatus S.240, Kol- 2; S.24I, Kol.l).
20 § 4 (s. Anrn).
Wenn Betorung (Betrug) bei dem Handel stattfiiuiet, und einer
von ihnen, Verkaufer oder Kaufer, erklart: Ich bin betrogen worden<,
so darf, wenn der Betrug nicht in einer Verwechslung der Substanz
besteht, eine Art Glas nicht als Hyazinth oder Smaragd, oder Messing
25 (_^ ) als Gold verkauft ist, der Kaufer das Gekaufte nicht zuriickgeben.
Die Leiter der Kirche dagegen befehlen, wenn es sich uni Betrug
bei Kauf und Verkauf handelt, indem sie nicht den Wortlaut des Ge-
setzes, sondern Rat und Ermahnung anwenden, daB der Betrogene eine
Minderung seines Verlustes von seinem Oegner (als eine Art Ent-
30 schadigung) bekommen soil {Ebedjesu, Tractatus S. 241, Kol. 1).
§ 5 (s. Anrn.).
a) Wenn jemand (A) eine Habe, die nicht ihm gehort, an einen
anderen (B) verkauft oder verschenki, wahrend der Kaufer oder Be-
schenkte weiB, daB die Sache dem A nicht gehort, dann urteilen wir
35 iiber B wie einen Dieb, falls er die Sache im verborgenen halt, oder
wie einen Usurpator, wenn er sie offen zeigt (vgl. VI, I § 9c und Ebed-
jesu, Tractatus S. 241, Kol. 1).
b) Wenn jemand eine Habe, die ihm zur Zeit nicht gehort, ver-
kauft oder verschenkt, spater aber diese Habe sein Eigentum wird, dann
40 geht sie kraft jenes Verkaufs oder jener Schenkung in das Eigentum
des Kaufers oder Beschenkten fiber.
§6.
a) Ein Hans oder Feld, das jemand gemeinsam mit anderen be-
sitzt, soli aufgeteilt werden. Wenn die Mitbesitzer einen Teil davon
45 gegen Zahlung desselben Preises, den auch andere Personen zu geben
bereit sind, zu erwerben wiinschen, ist es nicht gesetzlich, ihn an einen
anderen (als die Mitbesitzer) zu verkaufen.
b) Wenn aber (dieser Gemeinbesitz) bereits aufgeteilt ist,
und dann die Nachbarn und Adjazenten um denselben Preis, den andere
50 geben wollen, die Parzelle zu erwerben wiinschen, ist es nicht statthaft,
sie an einen anderen (als diese Adjazenten) zu verkaufen.
Diese Bestimmung beruht nicht auf dem Gesetz, sondern auf dem
als pesend bezeichneten Rechtsverfahren (s. obcn Buck I, Kap-V und
Anmerkung, und Ebedjesu, Tractatus S.241, Kol.l).
V. XII.
— 17fi —
§ 1. ^o'xuoaZ^e 2^s'au.aA ^au^i^ao? ^3 p>» .I;s'3i^3A aou^.»p
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§2. 3ov>? 007? o;j>.ilft*\,.i ^2 : 2^ijp^ ao;*fr.^p :.t...uno
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V. XIII. 2x3^3 2330U.* \^ . 3>jo»x^^JS3 ;b:3 .^3^2 JuZ^ ^oiu^^^
§1. aud»^ ^ I.j^c; :~2ovao2e J^.^^ 2'va.v. >\\.,y) .li^ouiclpo
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XII. Kapitel.
Uber fromme Zuwendungen und Schenkungen an Kloster.
§ 1 (s. Anm.).
5 Niemand darf dasjenige, was Klostern, Eevocoxeia, und fiir fromme
Zwecke gegeben wird, verkaufen, verpfanden oder verschenken, es sei
denn, dalJ es zu dem Zweck geschieht, daB es Gewinn bringe, oder
indem man es in Austausch gibt fur etwas Anderes, was dem betreffenden
Kloster, l€vocox€Tov, und der frommen Stiftung noch mehr Gewinn
10 bringt. Wenn jemand es kauft, ohne dazu berechtigt zu sein, wird es
ihm wieder abgenommen, und seinen Verlust und sein Geld soil er
von dem V'erkaufer zuriickfordern.
§2.
Wenn eine fur fromme Zwecke gegebene Habe durch Bestimmung
13 des Stifters einem Menschen (zur Verwaltung) ijbergeben wird, so sind
dennoch die Leiter der Kirche berechtigt die Sache zu untersuchen, zu
beaufsichtigen und dariiber zu wachen.
§3.
Wenn jemand eine Habe fur fromme Zwecke gibt und dabei be-
20 stimmt: Diese Habe sol! in der Hand des besten meiner Sohne sein
(von ilim verwaitet werden) und fiir fromme Zwecke verwendet werden< ;
wenn nun unter den Sohnen und Verwandten des Stifters ein gottes-
fiirchtiger, gut beleumundeter Mann vorhanden ist, so soil dieser jene
Habe in seine Hand (Verwaltung) nehmen. Wenn aber eine solche
23 Person nicht vorhanden ist, sollen die Leiter der Kirche einen guten,
gottesfurchtigen Mann iiber jene Habe setzen, damit er die fromme
Stiftung verwalte.
§4. •
Wenn eine Sklavin mit ihren Kindern und ihrer eventuellen Nach-
30 kommenschaft einem Kloster oder fiir fromme Zwecke gegeben wird,
soil sie samt den Ihrigen ebenso behandelt werden wie andere Sklavinnen,
die irgendeinem Menschen gegeben werden.
XIII. Kapitel.
Uber die Befreiung von Sklaven und Sklavinnen.
33 § 1.
a) Ober Sklaven und Sklavinnen ist also geschrieben im Gesetze
der Romer: Ein Mann darf ein Drittel seiner Sklaven befreien , aber
den auf seine Frau und Sohne (Kinder) entfallenden Teil darf er nicht
befreien, weil ein Drittel ihm gehort, eins seiner Frau und eins seinen
40 Sohnen (Kindern) (s.Anm.).
b) In unserem Lande (der Pcrsis) dagegen halten wir es so, daB
ein Mann freilassen kann, so viele er will, weil man der Meinung ist,
daB niemand die Frau und die Kinder eines Mannes mehr lieben soil
als derjenige, dem sie gehoren, selbst (er daher am besten weiB, wie
<5 er fur sie sorgen soil, wieviel Sklaven er freilassen soil oder nicht, es
also fur ihn keiner gesetzlichen Bestimmung bedarf), und daher dies
dem Wissen und Wollen des Verfiigungsberechtigten ijberlassen wird.
§2.
Nach der Freilassung darf der Freilasser die Freigelassenen aus
50 keinem Grunde wieder in die Sklaverei reklamieren.
Sachau, Syrische Rechtsbucher lU. 12
r
— 178 -
p X^lo .f^ao <iyop \aa oA :^2 .e33b««>s2 . ocunop n<\<.2
§3. ; oT^^oI^ o2 cra^aa.^ a 3u»ao Jn2 ♦,2o .23cr '•o.n Ijoota^-i
§ 4. ^ .o^jbdj.^ ^ 3aw...» 1^ : oi^ X^23 733w» ouaA, 3L«.» >L^e
3^2 l2^ ^2 : U\p 1^ p^ ol U\p 3^ icAooI^y f>&^.^p
Zliis ^2 iS2 : ^3au.,.a0 ani6 ^aA^ioop a;«i3 .523 : is.^U<»xd
§6.
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W.OT Jap ^aAd.>>^oe : 3Xm» 6^i^«2 o^^pp lp,M> lisjie .>oatt
^ 23lm or^ila ^ e2 ov>^3 ^ a^^Va : lisJiao ;.V.V3 ^oe2
: Z^JSos d^^ 2^opo2e 2'i3LX ^ £o.2 v,2o .2ab>«M ^<u^ auoA
^opo2o 2p^iiLX ^OT ^p w\«p 2^J.»p .^2 > oo^Jido .^p p^o
^» w.6^ .v^eop.^ a.«A^ .^o;^2e 2'>.n,.v .ouaot : 23au...ao
2aiL^ \ap xab2 Uaoi v,2o :«xaA2 2*3^ : 2ab3L\ ec;^ ^.\,a9p
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2akM o2 ;l\5 .2^M2 o2 2aau^ a^^a 2^ea^2 ^a :Sd.2 .u.ot
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2ds^2 o2 2>iSy eo7p 1».y, soAxeup ^.>>.n '^^^ .Laxsp
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.^Aas.xoLJup U«pa9\ \^p .Xxso^p liiolse tAx
- I. 2aaMi»a. ^ 1. Mxa^.
— 179 —
Es gibt aber Gegenden, wo man diesen Usus hat, dal3 auch nach
der Freilassung die fruheren Herren ein Patronat fiber die Freigelassenen
haben, indessen nicht iiberall. Auch ist dies nicht Gesetz.
§3.
5 Wenn jemand seinen Sklaven oder seine Sklavin tVeilafit und nicht zu-
gleich init seiner Person auch seine Habe (peculium) freiia(5t, so ist seine
Habe nicht frei (bleibt Eigentum des fruheren Herrn) {vgl. Leges R II, § 24).
§4.
Wenn jemand seine Sklavin freila(5t, sei sie schwanger oder nicht,
10 und wenn er dabei auch nicht deutiich erklart, da(i auch die von ihr
zu gebarenden Kinder frei sein solien, so sind dennoch auch die Kinder,
die sie gebart, frei.
§5.
Wenn jemand von einer Sklavin, von der ein Zehntel ihm gehort,
15 freilaBt, und von ihr Sohne und Tochter geboren werden, so ist jedes
dieser Kinder zu einem Zehntel frei.
§6-
a) Wenn Sklaven und Sklavinnen mehreren Mitbesitzern gehoren,
und einer von ihnen erklart: ^Mein Teil von diesen Sklaven und
20 Sklavinnen ist freigelassen , so werden alle Sklaven und Sklavinnen in
demjenigen Teil, der diesem Manne gehort, frei.
b) Wenn er folgende Erklarung abgibt: »Alle Sklaven und Skla-
vinnen, die mir in meinem .^nteil zustehen, sind frei , dann nimmt man
eine Teilung vor und bestimmt durch das Los, und jeder Sklave oder
25 jede Sklavin, die in den Teil und das Los dieses Mannes fallen, sind frei.
§7. ■
a) Ein Sklave oder eine Sklavin, die zu einem von so und so
vielen Teilen befreit sind, konnen in diesem Teil fur sich selbst
arbeiten und fur ihre eigene Person, soweit sie frei sind, Habe erwerben.
30 b) Es gibt aber auch Lander, wo, wenn ein Sklave oder eine
Sklavin zur Halfte oder zu einem Drittel freigelassen wird, die Besitzer
der ubrigen Teile verpflichtet sind, den Preis (Teilpreis?) des betreffenden
Sklaven sich zahlen zu lassen und ihn freizulassen. Dies aber geschieht
nicht nach dem Gesetz, sondern nach dem als pesend bezeichneten
35 Verfahren (5. oben Buck I, Kap- ^)-
Ende des V. Ke(baKaiov.
Buch VI.
Obligationen.
6 Kapitel.
Kapitel 6 imvollslandig am Ende.
— 182
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l^.Me USJOOuA 3^.aLX^>.»3 7I3u» i\^ .3uC3uX^^^p IJLS
.1X3 .^\X3 23»l»p 22o;^i5oU) ^s^^ol .Ijc's nY>\ t .JLi2p
§ 1. .V»3L.a ^ Ij^p <X^o .L.au.2e 1.^30) Ud.3 \^a \^ l^-wSbO
2'3u.xx 2pcr^joe .ISwXoAsp o2 : 23u.3j: Ik^j: cjsax i^p 1^ is
^3w.2 l^e .ci^ ^^^softx 1^ .xa^p w>b Ij^p .13j:ol^p e2
^J.^ ^^di^3..«3 ^a%3 ^p ^a.M .1,V..>.1 1^3um2 Ij^P .\ \t N
^x* 1^ 3^ : Xjjcx^a 233W.A ppoi ^ou ll^^-op : ^v.ol^oe
2Na\l3u3 L^^p^d Li^p \.a»a >\^3u> L^p !.» :jLi2 ^oaua
^l .U'3um2p iWypLd ^^a~3oe 2^oua3lA. ' \.n ^oux^noe 20
<^2e .ycro\.ia\ ^ ^^.^i1^L^T; 2pnJC3e 2%.\.t ajtw i\^ >^
§2. :l«»3U3p lAos ^ ^?? w.;s:3o:e .1l*P ov^ ^3^3A, jsptp
^^^ e2 ^M«» ^*N2 a^a o2 .:;>>% 2iN2 l^o Ux.*!^ 2xd
^*jc>.*\.\.^>ao 1^0 ^3m.&^ o2 : lupA ^xb^^ o2 : 2p3w«^
' zu tilgen. > I. ld.3y.«l^.
183
Sechstes Buch
von demselben Jesubocht.
Corpus juris.
I. Ober die erste und letzte ProzeBpartei (d. i. den Klager und den
Verklagten).
II. Ober eine giiltige und eine anzweifelbare Urkunde.
III. Ober eine an einer Urkunde begangene Falschung (Verderbnis) und
iiber eine falsclie Urkunde.
IV. Ober rechtmaBigen und anzweifelbaren Besitz.
V. Ober glaubwiirdiges und anzweifelbares Zeugnis.
VI. Ober den Eid.
VII. Ober TrpoOea-fiia.
VIII. Ober Vergehen und Streitsucht gegen die Entscheidung der Gerichte.
IX. Ober den Lohn der Lohnarbeiter.
X. Ober Biirgschaft.
XI. Ober Verteidigung (vor Gericht?).
XII. Ober Brunnen, Fliisse, Kanale, StraBen, Briicken, Palmbaume, Wein-
pflanzungen und alinliches.
XIII. Ober das, was zur Beeintrachtigung und Schadigung eines Menschen
getan wird.
Zu Ende sind die Kapitel, d. i. die K€<f>a\ata des sechsten Buches.
I. Kapitel (s. Anm.).
Ober die erste und letzte ProzeBpartei (d. i. den Klager und
den Verklagten).
25 §1.
Wenn der Klager keine echte oder zweifeihafte Urkunde und keine
echten oder zweifelhaftcn Zeugen hat, horen ihn die externen Richter
nicht an und ziehen den Beklagten niclit in das Gericht.
Wir dagegen, da wir wissen und kennen, daB viele Menschen iin
30 verborgenen einander etwas geben, ohne daB irgend jemand von ihncn
Bescheid weiB, wir nehmen, wenn der Klager nicht als verlogen, ver-
leumderisch und prozeBsiichtig bekannt ist, seine Klage an, auch wenn er
keine Urkunde oder Zeugen fiir seine Aussage hat, und halten Gericht
fur ihn, wie es sich gebiihrt {Ebcdjesti, Tractatus S. 232, Kol. 1, 2).
35 § 2 (5. Anm.).
a) Wenn der Richter infolge der Klage des Klagers den Beklagten
in das Gericht zitiert, dieser aber nicht kommt, oder wenn sie (beide) ins
- 184 —
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§3. ^x^ l».t.p oj!^ i^l xa Ju2 .It A%'JO ^~<A lauals .32 .cr^oA
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§4. o7&.a*A \a.\..tt.^ J(.i2 »^2o .l^p^^ ^92 ;A Pm2p ^^^^9 '^
fio.2p 3^302 : i\a\.t3N^ auap "ap-io oa%3 ;^3u..2e : T.^.i.a.i
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— 185 —
Oericht kommen, aber sich priigeln und beschinipfen oder auch den
Richter schmahen, oder weiin sie rebelliscli sind und dem Gericht nicht
gehorchen wollen, so verurteilen wir wegen soldier Vergehen den Obel-
tater nicht und beugen nicht sein Recht, sondern gemaB dem Mal5 und
5 der Art seines Vergehens verhangen wir tiber ihn Verweis, Kirciienbulie
und Ausschiul5 vom Gottesdienst (Ebedjesu , Tractatus S. 232, Kol- 2).
b) Wenn aber der Beklagte zum heidnischen Richter geht und
dort den Kliiger verklagt, sich iiber ihn beschwert und ihn zu jenem bringt;
wenn dann hieraus dem Kliiger Verlust und Schaden und Miihewaltung
10 entsteht, wird dafiir Entschadigung von demjenigen, der ihn vor den
Heiden verklagt hat, verlangt, und auch verhangen wir Kircheiibann und
AusschlieBung vom Gottesdienst iiber ihn.
§3.
Wenn ein Mann mit einem Anderen einen ProzeB hat, und einer
15 von ihnen aus irgendeinem Grunde sich einen Term in vor dem Richter
geben lalit; wenn nun vor dem Termin der Kliiger sich einen Stell-
vertreter bestellt, ihn ermachtigt zu dem Richter zu gehen und vor ihm
den ProzeB zu fiihren, und wenn er ihm eine auf die fragliche Streitsache
beziigliche Urkunde des Inhalts, dal5 er, der Kiager, ihm den ProzeB an
20 seiner Statt zu fiihren iibergeben habe (s. Anm.), ausstellt, dann ist dieser
Vertreter befugt, mit deni Beklagten den ProzeB auszufechten. Und
wenn der Angeklagte zu dem Termin, den er bekommen hat (d. h. der
ihm mitgeteilt worden ist), nicht erscheint, verliert er den ProzeB (Ebedjesu,
Tractatus S. 232, Kol. 2).
25 §4.
a) Wenn jemand einen anderen wegen einer Habe verklagt, und
der Verklagte aussagt, daB er das Objekt-der Klage (nicht allein, sondern)
gemeinsam mit Anderen (in Sozietat) bcsitze; wenn er aber nicht Urkunden
und Zeugen vor dem Richter beibringen kann, verliert er den ProzeB, und
30 infolgedessen bekommt der Kiager jene Habe und nimmt sie in Besitz.
b) Wenn aber danach die anderen Mitbesitzer kommen, ProzeB
anfangen und iiber den Kiager obsiegen, sintemal ihr Kompagnon (der
Verklagte) in dem ersten Termin verurteilt worden war, nun aber (in
dem zweiten ProzeB) jener Kliiger, weil er ihreni Kompagnon die Habe
35 abgenommen und an sich genommeii hat, verurteilt wird, dann wird jene
Habe samt den Friichten und Einkiinften ihnen iibergeben.
§5.
Wenn jemand eines alten Rechtsanspruchs wegen einen anderen
verklagt und eine alte Urkunde vorbringt, so verhindert uns das Alter
40 des Prozesses nicht Gericht zu halten, sondern wir machen eine Unter-
suchung iiber seine alte Urkunde, unci dann halten wir Gericht.
§ 6 (5. Anm).
a) Wenn ein Mensch mit einem anderen einen F^rozeB hat, und
der Richter bei der Untersuchung findet, daB in dem ProzeB ein Dolus
45 vorliegt; wenn dann der Kiager nicht eine Urkunde hat, soil seine Klage
nicht angenommen und nicht fur ihn Gericht gehalten werden.
b) Wenn er aber eine Urkunde hat, die er einem anderen Richter
schickt (um vor diesem sein Recht zu erstreiten), dann soil auch der erste
Richter (vor dem er zuerst seine Klage anhangig gemacht hat) wie ein
50 Zeuge iiber ihn vernommen werden.
§7-
Wenn ein Mensch einen anderen vor dem Richter verklagt, kann
der Verklagte mit diesem Kiager nichi eher einen neuen ProzeB anfangen,
— 186 —
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— 187 —
als bis dieser erste ProzeB entschieden ist. Und wenn er es dennoch
tut, soil seine Klage nicht angenommcn werden.
Sobald aber der erste ProzeB entschieden ist, wird seine Klage
angenomnien und Oericht fur ihn gehalten {/zbedjcsti, Tractattts S. 232,
5 Kol. I).
§8.
a) Wenn jemand seinen ProzeBgegner dessen beschuldigt, tlaB er
im Begriff stelie, in eine groBere oder geringere Feme zu verreisen, und
wenn die Zeit der Entscheidung des Prozesses nocli nicht bekannt ist,
10 soil man ihn nicht von der Reise abhalten, sondern es soil ihm fiir seinen
ProzeB soviel als moglich Zcit gewahrt werden.
b) Wenn aber der Verklagte spricht: Ich habe so viel zu tun, daB
ich nicht jede Stunde mit meinem Klager in das Oericht koinnien kann ,
so soil dies nicht von ihm angenomnien, sondern es soil ilini ein an-
15 gemessener Termin gegeben und dann der ProzeB in gebiihrender Weise
entschieden werden (Ebedjesu, Tradatus S.232, Kol. 2; S.233, Kol. 1).
§9.
a) Wenn jemand einen anderen wegcn irgendeiner Habe verklagt,
und der Verklagte nun denjenigen zur Stclle bringt, von dem er das
20 betreffende Objekt gekauft hat; wenn nun dieser Verkaufer in das Oericht
gezogen und als schuldig befunden wird (wenn er z. B. bewuBt etwas
Gestohlenes verkauft hat), dann wird das Objekt deni Klager iibergeben,
und der Verklagte reklamiert den Preis des Objektes sowie seinen Verlust
von dem Verkaufer.
25 b) Wenn aber der Verklagte den Verkaufer des Objektes nicht zur
Stelie bringt, sondern in den ProzeB eintritt und verurteilt wird, dann
hat er weder fiir den ihm entstehencien Verlust noch fiir das Objekt
selbst ein Riickforderungsrecht gegen den Verkaufer.
c) Wenn aber bekannt wird, daB dieser Verkaufer das Objekt ge-
30 stohlen oder durch Usurpation sich angeeignet liatte, so wird dieser, wie
Diebe oder Usurpator, fur den Verlust verantwortlich gemacht und muB
Schadenersatz leisten. Und wenn der Kaufer wuBte, dal5 es gestohlenes
Out war, wird auch er fiir die Saciie mit verantwortlich gemacht, ebenso
wie der Verkaufer als Dieb und Usurpator (vi^l. V, XI § 5 a and Ebedjesu,
35 Tractatus S. 233, Kol. 1).
§ 10 (s. Anm.).
Wenn jemand (A) mit einem anderen (B) einen ProzeB hat, und der
Verklagte (B) den Verkaufer (C) (von dem er das streitige Objekt erworben
hat) zur Stelie bringt, und nun der Klager (A) mit ihm (dem Verklagten) (B)
40 nicht weiter prozessiercn will, so kann der Kaufer (B) aus dem ProzeB
ausscheiden und der Klager (A) mit dem Verkaufer (C) den ProzeB beginnen
(Ebedjesu, Tractatus S. 233, Kol. J).
II. Kapitel (5. Anm.).
Ober eine giiltige und eine anzweifelbare Urkunde.
45 §1.
a) Eine giiltige Urkunde ist diejenige, welche untersiegelt ist
von solchen Personen, welche von der Kirche oder von den Konigen
und Statthaltern auserwahlt und angestellt werden.
Eine anzweifelbare Urkunde ist diejenige, welche die Siegel von
50 Zeugen tragt.
b) Wenn die giiltige Urkunde vor Oericht produziert wird, be-
dient man sich ihrer als beweiskraftig. Dagegen in betreff der von
— 1 HH —
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§7. o?fr>e3u.^.a A.yn-Y) : IJi.3* %A_^e L.ai.«iO. ^p 2Si \. t .0^3
> I. ^^3w.e. ' •^'' ?-^^ ^-^P?-' ' I- vf-
— 18S)
Zeugen untersiegelten Urkunde stellen wir eine Untersuchung an. Wenn
dann die Zeugen, welche die Urkunde imtersiegelf haben, glaubige und
an dem betreffenden Ort mid in der betreffenclen Genieinde bei jeder-
mann als gottesfiirchtige Manner bekannt sind, und sie einen guten
5 Leuniund genieBen, dann bedienen wir uns einer solchen Urkunde wie
einer giiltigen. 1st aber jenes nicht der Fail, behandeln wir sie als
anzweifelbar (Ebedjesn, Tractatus S. 233, Kol. I).
§ 2 (s. Anm.).
a) Wenn jemand eine giiltige Urkinide vor dem Richter pro-
10 duziert, und sein Gegner Streit erliebt und spricht: Ich habe diese
Habe (an ihn) verkauft, aber noch nicht den Kaufpreis (von ihm)
eriialten ; wenn er nun eine giiltige oder eine anzweifclbare Urkunde
Oder Zeugen hat, wird seine Aussage angenommen und sein ProzeB
in gebiihrender Weise verhandeU. Wenn er aber Urkunde und Zeugen
15 nicht hat, wird seine Aussage nicht angenommen.
b) Ebenso wenn jemand etwas entleiht (eine Schuki kontrahiert)
und nun erklart: Ich iiabe es schon zuriickerstattet ; wenn er keine
Zeugen und Beweise hat, wird seine Aussage nicht angenommen. Wenn
er aber Zeugen und anzweifclbare Beweise iiat, nehmen wir seine Aus-
20 sage an und veriiandeln seinen ProzeB, wie es sich gebiihrt (Ebedjesn,
Tractatus S. 234, Kol. I).
§3.
Wenn jemand eine Schuldurkunde (Schuldschein) hat und spricht:
Es ist (mir) nichts davon zuriickgczahlt worden ; wenn aber der Ver-
25 klagtc beweist, und es nachweisbar ist, dal5 doch etwas davon bezahh
worden ist, dann erklaren wir jenen Schuldschein fiir nichtig und iielimen
seine Aussage entgegen wie die Aussage desjenigen, der kcinen Schuld-
schein hat.
§4.
30 Wenn jemand eine Kaufsurknnde beibringt und nun ersichtlich
wird, daB er von dem Kauf ziiriickgctreten ist und den fiir das Objekt
gezahlten Preis zuriickbekommen hat, wird diese Urkunde wie eine an-
zweifelbare angesehen, seine Klage wird angenommen und sein ProzeB
nach Oebiihr entschieden.
35 §5.
Wenn von einer aiten und schadhaften Urkunde, die rite unter-
siegelt ist, eine Abschrift genommen wird, bedienen wir uns ihrer als
einer giiltigen Urkunde. Die weltlichen Richter entscheiden nicht
auf Grund einer Abschrift als einer giiltigen Urkunde, wir aber be-
40 diencn uns ihrer als einer giiltigen, ausgenomnien die Abschrift eines
Schuldscheines, denn eine solche behandeln wir nicht wie eine
giiltige, sondern wie eine anzweifclbare.
§6-
Die Kopie eines Testaments, wenn sie rite untersiegeH ist, be-
45 handeln wir als eine giiltige Urkunde; ebenfalls die Kopie einer Frei-
. lassungsurkunde.
Die Kopie einer Kaufsurknnde behandeln wir als eine anzweifcl-
bare und stellen dariiber eine Untersuchung an. Die Untersuchung
des prozeBfiihrenden Richters nehmen wir als giiitig an. Wenn aber ein
50 anderer Richter die Untersuchung gemacht hat, nehmen wir sie auch als
gultig an (5. Anm.).
§7-
Eine alte, vor langer Zeit geschriebene Urkunde soil deshalb, well
sie vor langer Zeit geschrieben und alt ist, nicht miBachtet werdcn,
55 sondern wir bedienen uns ihrer als einer giiltigen (vg/. VI, I § 85).
11)0
VI. ni. Ixi .CJJS ,*»Xmisi 23^X33 ^2 Z^2 .;^^JCX1 iJS .OT^OJX.N^O
§ 1. ^a^Xs 2^30^ •/0>» o%3 >«M>3JC93 2S>\.T 07;sol^ ..^ivxaop ^
§2. ^ .2^xx^ a^^^ \-^ .,To\. n \^e 1.ajq> \^ ^oucu s
op; s2 .oiisoS y.^^.uo 2xdoj:3 23.\j: ^3 oaor : 33A,3>^e93
^ U3>JB»eu» o;^ L\.'i) : 2% \,t 007 ^a^a\x 3^^3 eoi k:io
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2;s'3u.3>.A avj-^^f^o .2%.\„T 3d^^3 OCT w^ .\jN;s.a : 2x\.jl
2k\j: OCT :aL«;sj. opo^^Msp ocro .liJa^^^o Zaesojcx^l^e
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§3. Ijcaso ^33 Z.X1.2 23.yj: .:a>.ia.i waauo7^.i zAe .or^esopo
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§4. li\x Uorp : o;3^3 \^3 Ji^la x^23 23^^^ \^ iab23 ^e
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Wseax aj!^ is*2. ^3 »^2o .ou» ^»^ju l^ : ysol^ Tsp^? 20
.w03«3 ^2 )J^3 O^ 3t,3A.^MlO .o>uo .^.M^^ss 2*1^33: l^oixo e2
VI. IV. §1. 3UW.2 .)AX0^3P0 233Ja3 Xi^JJO ;S03uw«2 \^ .2.^0323 lj:3
U.07 .UeoT ^^3 2^kOLXi.akA .^^3^.3 li^2 .2oor 23k^3a v^je Iv.td
^3 eor .op ^«^3w. : bOLX ^'suAso li3\ IsaI e2 ■>x.v.\.a3
.^3^2 ZJA073 .^3 :s^2o .U:3073 ^ ^^2 .2e07 l3>3>a^33 25
§ 2. ;i:i2 o2 U<3 OOT . X>.3u. ;i^o eo7 l%.TeL^ ,U.t,B ayi^2 a^Ao
^ o2 Xx^p ...A.X3 «^oo^3fi^ ^., ..a>,^ o.\iaa,.oTN,ia.\ i^oj:
.vOL3.tt^ao 4^xo o2 230^ oo? »xi2 ^^a^lju . •s0073^JC]a
\ . . . ^ . . .
2^03^'yMZ3 b\di3w. XM.iS_>.3 007
iOl^ OCT 2p^ ^^ ^2 .lA^A.d?
Xmi^? - I. 3um2.
11)1
III. Kapitel (s.Anm.).
Cher eine an einer Urkunde begangene Falschung (Ver-
derbnis) und iiber eine falsche Urkunde.
§1-
5 Derjenige, bei dem eine Urkunde gefunden wird (s. Anm.). in der
etwas verdorben ist, soil eine Korrektion empfangen durch das Scheren
seines Haupt- und Barthaares und soil nicht weniger als einen Monat
in Sack und Asche vor der Tur der Kirche stehen.
§2.
10 Wenn bei jemandem ein Zulargerd (s. Anm.), d. i. eine falsche
Urkunde, gefunden wird, und nun derjenige, zu dessen Nachteil er die
Urkunde geschrieben hat, dadurch einen Verlust erleidet, so wird aller
Schade und alle Muhe, die dem letzteren durch die Urkunde erwachst,
von dem, der sie geschrieben hat, eingefordert und dem Geschadigten
15 ubergeben.
Wenn ihm aber kein Schaden daraus erwachst, so wird ein solcher
Qeldbetrag, wie er in der Urkunde angegeben ist, von dem Faischer
eingefordert und den Klostern, E€voroxe7a und frommen Stiftungen iiber-
wiesen.
20 Und derjenige, mit dessen Siegel die falsche Urkunde untersiegelt
ist, soil mit ,Ausschluf5 von der Kirche und Bann bestraft werden, auch
soil in der Folgezeit sein Zeugnis nicht angenommen, und er nicht mit
einer Vertrauenssache betraut werden.
§ 3 (5. Anm.).
25 Wenn bekannt wird, daB eine Urkunde auf dolose Weise her-
gestellt ist, gebrauchen wir sie nicht, und die Faischer sowie denjenigen,
der sie in Handen hat, bestrafen wir in der Kirche mit Vorwurf und
Verweis, auch mit Bann und AusschlieBung vom Kirchenbesuch.
§4.
30 Wenn jemand behauptet, dafi die in der Hand seines ProzeB-
gegners befindliche Urkunde auf dolose Weise hergestellt sei, so wird
seine Aussage nicht angenommen, wenn er nicht beweisen kann, daB
das, was er behauptet, wahr und ersichtlich ist. Wenn er aber giiltige
Dokumente oder Zeugen fiir seine Aussage beibringen kann, wird seine
35 Aussage angenommen und in gebuhrender Weise Gericht fiir ihn
gehalten.
IV. Kapitel.
Ober rechtmaBigen und anzweifeibaren Besitz.
§1-
40 RechtmaBigerBesitzer ist derjenige, der (als solcher) no to rise h
ist Die Notorietat besteht darin, daB Jedermann oder daB gute und
anstandige Menschen von ihm Bescheid wissen.
Anzweifelbarer Besitzer ist derjenige, von dem man bald so,
bald so aussagt (mit Bezug auf sein Besitzrecht) (Ebedjesu, Tractatus
45 S.235, Kol.1).
§2.
a) Wenn ein Besitzer (Inhaber einer Sache) anzweifelbar und nicht
notorisch ist, dann soil der Richter oder es sollen glaubwiirdige Menschen
vor den beiden ProzeBparteien oder hinter ihrem Riicken die Leute der
50 Gegend oder des Ortes fragen und Recherchen anstellen, und je nach
dem Ergebnis dieser Recherchen soil im ProzeB verfahren werden.
— 102 —
§3. . ^«jj: ^*xao>*. ^^ 3w.is^ w.c7e^^I a^? ^«3 U-oA au^^I : cu^a
o;i«3 \^ae .2aa\. eo;^ Ix^-xJO ecr l\a> .liJial iSis ^ oi
^A«2e .l.i.*.>.» Su^^I ILxo-a ocrs .^3J.e loan 1%^ !uS07 3
o2 .2^ft,3a.\^j 'V'-^Sw. I^ : ' \ . t B ■^g;...\..Y> . oc..^.ao3
23k^ oPOlV. ^^2 lAsA. 1\J3 ^^2 : 2^aj.^JUa e2 lj.^^aX3 ^
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0 add. ^030^9. '" I. 1^ statt ^.
— 198 —
b) Wenn aber audi so ein klares Resultat nicht erzielt wird, dann
mag diejenige Partei, die in dem betreffenden Besitz am meisten be-
kannt ist, den Eid darauf schworen, wenn sie will. Wenn sie aber nicht
will, mag sie der Gegenpartei den Eid zuschieben {Ebedjesu, Tractatus
5 S.235, Kol.I).
§ 3 (s. Anm).
Wenn der Besitzer einer Habe sie schon mehr als 50 Jahre besitzt
Oder sie von drei Vorfahren bekommen hat, und wenn sein ProzeB-
gegner nun sah und wulite, dal5 der jetzige Besitzer und diejenigen
10 Personen, von denen er die Habe bekommen hat, nicht als Ubeltater
oder als solche, die besondere Vollmacht und Einfluli haben, bekannt
sind, in dem Fall ist, selbst wenn der Klager eine giiltige Urkunde
vorbringen kann, der (faktische) Besitz mehr giiltig (mehr beweisend) als
eine solche Urkunde, und dem Besitzer steht es frei, seine Aussage durch
15 einen Eid zu beschworen, wenn er will. Wenn er aber nicht will, kann er
seinem Oegner den Eid zuschieben (vgl. VI, VI § 8a und Ebedjesu, Trac-
tatus S. 235, Kol. 1).
§ 4 (5. Anm).
Wenn jemand (A) weder eine Urkunde noch glaubwiirdige Zeugen
20 hat und nun einen Anspruch auf eine Habe, die im Besitz eines Anderen
(B) ist, erhebt; wenn B diesen Besitz seit mehr als 50 Jahren hat oder
durch Vererbung von drei Vorfahren bekommen hat; wenn sich nun
ergibt, dafi diejenigen, die den Besitz hatten oder haben, bekannt sind
als Personen, die besonderen EinfluH und Vollmacht besalkn, und als
25 Obeltater, oder daB der Klager und seine Vorfahren in einer anderen
Gegend lebten (daher nicht in loco ihren Anspruch geltend machen
konnten), oder well sie nicht ihren .Anspruch geltend zu machen ver-
standen, dann wird, wenn er, der Klager, eines von diesen Dingen be-
weisen kann, seine Klage als giiltig angenommen. Andernfalls wird
30 sie nicht angenommen und nicht fiir ihn Gericht gehalten {Ebedjesu,
Tractatus S. 235, Kol. 2).
§ 5 (5. Anm.).
Wenn von dem Besitzer (A) einer Habe bekannt ist, daB er sie
seit langem hat, und nun sein Gegner (B) spricht: Dieser hat den Besitz
35 von mir in Arbeit (z. B. als Pachtung), wiihrend A es leugnet, dann
wird eine Untersuchung angestcllt. Wenn sich dann ergibt, daB der
Besitz, bevor A ihn hatte, in den Handen von B war; wenn bestimmt
etwas hiervon bekannt wird, und wenn anderseits A keine Kaufsurkunde
vorbringen kann, so behandein wir ihn als anzweifelbaren, nicht als
40 rechtmaBigen Besitzer, und wir befehlen dem A den Eid zu leisten
sowie Zeugen beizubringen, und wir nehmen diese (Eid und Zeugen)
von ihm an (Ebedjesu, Tractatus S. 235, Kol. 2).
§ 6 (5. Anm.).
a) Wenn bekannt ist, daB sich eine Habe seit 3 Jahren in der Hand
45 eines Menschen befindet, sei es infolge gewalttatiger, widerrechtlicher An-
eignung und besonderen Einflusses und besonderer Vollmacht deslnhabers,
Oder sei es, well der Inhaber minderjahrig und unwissend war oder well
an dem betreffenden Orte ein Klager nicht vorhanden war; wenn diese
Dinge genau bekannt sind, dann wird die Habe in seiner Hand gelassen,
50 und er wird zum ProzeB zugelassen (d. h. es wird ihm, dem Inhaber,
gestattet, im ProzeBwege sein Anrecht auf die Habe darzutun). Wenn
aber eines von jenen Dingen der Fall ist (d. h. nachgewiesen werden
kann), und er nicht eine Kaufsurkunde vorzeigen kann, dann wird er als
Usurpator angesehen.
55 b) Wenn er aber dann (hiergegen)Beschwerdefuhrt mit den Worten:
>Die Habe soil in meinen Handen bleiben-s dann soil die Habe in seinen
Sachau, Syrische Rechtsbucher lU. 13
194 —
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§9. : ja><xarM>i X^p jcxlp l\*\M p>*^l? jc&2 . U>\\.n »j»3 ^2 2oot 10
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— 1515 —
Handen belassen werden, es soil aber in dem Falle die Aussage seines
ProzeBgegners angenommen und demgemaB ihr ProzeB in gebiihrender
Weise verhandelt werden (d. h. in diesem Falle wiirde es die Aufgabe
des Klagers sein, sein Recht auf die Habe darzutun) (5. Anm. und Ebed-
5 jesu, Tractatiis S. 236, Kol. /).
§ 7 (5. Anm.).
a) Wenn ein Sohn eine Habe seines Vaters zu dessen Lebzeiten
besitzt, wenn er keine Urkunde oder glaubwurdige Zeugen hat, wird sein
Besitz nicht als rechtmaBig angesehen.
10 b) Das gleiche gilt von dem Besitz von Kompagnons, bevor sie
die (gemeinsame) Habe untereinander aufteilen {vgl. V, IV § 6 c).
c) Auch gilt der Besitz von Sklaven und Sklavinnen, wenn sie
nicht eine Urkunde oder glaubwurdige Zeugen haben, nicht als rechtmaBig.
§ 8 (5. Anm.).
13 Und wenn der Eigentumer eines Sklaven (der in der Hand eines
Anderen ist) verklagt (d. h. sein Anrecht auf den Sklaven angefochten)
wird, und er weder eine Urkunde noch Zeugen hat, dann geben wir
den Sklaven seinem Eigentumer zuruck, nehmen aber die Aussage des
derzeitigen Besitzers als diejenige des Klagers an (d. h. gestatten ihm
20 vor Gericht sein Recht zu beweisen).
§ 9 (5. Anm.).
Wenn jemand gesetzwidrig die Habe eines anderen hat, ohne dazu
berechtigt zu sein, soil er diese Habe samt ihren Friichten sowie den
Gewinn von dieser Habe wahrend dieser Zeit und den Vermogensschaden
25 dem Eigentumer wiedererstatten. Alles, was von dem Eigentumer in
betreff seiner Habe ausgesagt wird, beschwort er, wenn er will, und
bringt dafiir Zeugen bei. Wenn er aber will, kann er auch die Habe
demjenigen, in dessen Hand sie ist, schenken {Ebedjesu, Tractatus S. 236,
Kol. I).
30 V. Kapitel.
Uber glaubwurdiges und anzweifelbares Zeugnis.
§1-
a) Im gottlichen Buche ist gesagt: Auf dem Mund zweier oder
dreier Zeugen steht jedes Wort (Deut. 19, 15), und es ist klar, daB dies
35 von glaubwurdigen und gottesfiirchtigen Menschen gesagt ist Wenn
es aber anders ware, wie konnte dann in demselben gottlichen Buche
gesagt werden: Geh nicht hinter vielen her, Boses zu tun, und mijhe
dich nicht um das Recht hinter vielen, welche verachten (Exod. 23, 2).
b) Es ist klar, daB die Schrift bei dem Ausdruck auf dem
40 Munde zweier oder dreier Zeugen glaubwurdige und gottesfurchtige
Menschen im Sjnne hat, und daB es nicht besagen will, daB nicht (unter
Umstanden) ein Mensch glaubwurdiger sein kann als 1000 andere. Des-
halb sagt das gottliche Buch: Wer findet einen glaubwurdigen Mann?
Prov. 20,6. Ein solcher Mann, wenn er auch nur einer ist, soil fur
45 das Zeugnis, das er ablegt, Glauben finden. Ein solcher Mann muB so
sein, daB alle Welt ihm bezeugt, daB er glaubig und gottesfiirchtig ist,
rechtschaffen, ohne Habgier, ohne Parteilichkeit, ohne Feindschaft gegen
denjenigen, auf den sich sein Zeugnis bezieht, und ohne Eingenommenheit
infolge von Verwandtschaft. \X^enn ein solcher Mann auch nur einer
50 ist, so wird sein Zeugnis geglaubt.
c) Wenn aber nicht alle diese Dinge von einem Zeugen bekannt
sind, sondern nur vielen bekannt ist, daB er rechtschaffen, ohne Habgier
und glaubig ist; wenn solcher Zeugen ihrer zwei oder drei sind, wird
ihr Zeugnis angenommen.
10
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' leg. ja2p. - add. ^l. ^ 1. 7ld.ai». * I. Oia^jj.
— 197 -
d) Wenn aber solche Eigenschaften nicht von Zeugen bekannt
sind, gilt ihr Zeugnis als anzvveifelbar (Ebedjesu, Tradattis S. 234, Kol.2).
§ 2 (s. Anm.).
Wer bekannt ist als verlogen, falscher Zeuge und Ubeltater, dessen
Zeugnis wird auch nicht einmal als ein anzweifelbares angenommen.
Wenn aber jemand zu seinem cigenen Nachteil und zum Vorteil seines
Gegners Zeugnis ablegi, wird sein Zeugnis als glaubwiirdig angesehen
{Ebedjesu, Tractatiis S. 234, Kol. 2).
§ 3 (s. Anm).
Wenn ein Mann einen anderen vor deni Richter verklagt niit den
Worten: >Die und die Habe hat er mir als Geschenk gegeben, ich
kann aber hierfiir weder eine Urkunde noch Zeugen beibringen«, und
wenn dann der Beklagte, vom Richter zitiert und befragt, aussagt: Ich
habe es ihm vorzeiten gegeben, jetzt aber gebe ich es ihm nicht , muf5
er es ihm sofort geben (d. h. die Schenkung gilt als rechtskraftig). Wenn
er aber aussagt: Ich habe gesagt, daB ich es ihm gebe, wenn es ge-
wunscht wird , (auch dann) mu(5 er es (ihm) geben (d. h. auch in diesem
Falle gilt die Schenkung als rechtskraftig).
§-*.
Wenn ein Sohn seinen Vater mit folgenden Worten verklagt: Er
hat gesagt: Die Habe x gebe ich dir, trotzdem aber hat er sie mir
nicht gegeben ; wenn nun der Vater erklart: Damals hatte ich mein
Wohlgefallen an dir, jetzt aber nicht mehr , dann ist der Vater be-
rechtigt, ihm das Objekt nicht zu geben.
Dasselbe gilt von der Mutter, von der Eliefrau gegenuber ihrem
Gemahl und vom Sklaven gegenuber seinem Herrn (d. h. jede dieser
Personen kann unter denselben Umstanden eine den genannten Personen
gemachte Schenkung zurucknehmen) (5. Anm).
VI. Kapitel.
30 Ober den Eid.
§••
Ober den Eid bestimmt das Gesetz Mosis: Du sollst nicht falsch
schw6ren« (Levit. 19, 12). Unser Herr aber befiehlt: Du sollst iiber-
haupt nicht schworen (Matth. 5, 34). Wir aber befehlen aus Not zu-
35 weilen die Ablegung des Eides, indessen keineswegs in Opposition
gegen den Befehi Unseres Herrn. Handelt doch auch der selige Apostel
Paulus nicht in Opposition gegen Unseren Herrn, indem er spricht:
^Die Menschen schworen bei dem, der grolkr ist als sie, und fiir jeden
Streit unter ihnen ergibt sich das giiltige Ende durch einenEid< (Hebr.6, 16).
40 §2.
Unser Herr aber hat nicht dies Gesetz gegeben fiir weltliche Dinge.
Auch hat er nicht fiir die Richter das Gesetz gegeben, dal5 sie auf solche
Weise Recht schaffen sollen. Hat er doch befohlen: Wer dich auf
die rechte Wange schlagt, dem wende auch die andere zu, und wer mit
45 dir prozessieren und deinen Rock wegnehmen will, dem lali auch deinen
ManteU (Matth. 5, 39. 40). Deshalb aber befehlen wir nicht, wenn jemand
zu uns kommt und Beschwerde fiihrt: Der und der hat mich auf die
Backe geschlagen , dal5 er hingehen soil und dem betreffenden auch
die andere Backe hinhalten soil, noch befehlen wir dem, dem sein Rock
50 weggenommen ist, dafi er dem betreffenden auch seinen Mantel geben
soil. Vielmehr hat Unser Herr dies Gesetz fiir seine Apostel gegeben,
deren Sinn vollkommen erhaben war iiber alle weltlichen Dinge, die-
- I'.m
§ 3. 2fr»e3^.'o\ asLtSioa^ »«3^3 >-'^^=> U.o^ Is^c^ .Ipor 1^2
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.w.oio:s^2 i^pAo .^o'ed^23 ^2 .^vo^s^l? v^M^ >oiaeUp
§4. ,^mOl«^^ ;.i,''n\ V.I Ukxcucxas >^\.» ^p o^. .w.9!eis^p ^2
2pcT \\^ .1»xa2 ulaa y«JLM^^ l^p ,.ii*««3>.Tao ;^ .U..a>3
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§6. \ y,>w : otSlouA \S>.\,.n.tB xa2 Sua -Zo^p ^
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Zi\%\,.liaoo ^ v^ .2^>3ooiaa^ lx*p ^p l\jbo .2'3w.3Ji 2pc^
§7. 23oa ^2o .Zvoa uS>\\.q\ .U>3 ^p <s^2o -IvU ecr .13^
. ^3u..2 :sa^ e2 Z^LOa yA \^Asp x^lae : ljA.3J^ioo
§ s. ^ U%\\..tt\ 3wae .UecT U>\\.tt\ 2^^a» : ot^-^j^ 1^2
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^ Xi.:^ zaT^>>^l 2;se3wM«2 ^ «v^2 . ^<i Yift ift \ Li^p L\..abe
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' add. 2^^a^aa? - 1. ;s^2p. ' add. ^o^oa l^o.
' I. Zaooa. ' add. aswdo e2. '> add. ju\3. ' 1. l\^^ ^a.^.
» add. o;^ ^\ ■'»a\Vy ^ Losod.
— 199 —
selben, zu denen er auch sprach, da(5 sie ihr Kreuz nelimen und hinter
ihm her gehen sollten.
§3.
Dies Gesetz ist vielmehr fiir das Wohlgefallen derjenigen gegeben,
5 welche sich der vollkommenen Tugend zu nahern wiinschen. In gleichem
Sinne hat er auch befohlen: Ihr sollt iiberhaupt nicht schworen . Er
woUte damit nicht verbieten, dal5 Prozesse unter den Menschen statt-
finden, die nicht anders als durch einen Eidschwur entschieden werden
konnen, sondern er hat dies seinen Schiilern befohlen, daB sie recht-
10 schaffen seien und nicht des Zwanges des Eides bediirften, sondern daB
sie von einer Sache, welche ist, sagen sollten, wie sie ist, und von dem,
was nicht ist, entsprechend aussagen sollten.
§4.
Wir aber, weil wir iiber weltliche Angelegenheiten Qericht halten,
15 konnen (den Schwur) bei Prozessen unter den Menschen nicht entbehren.
Wir befleiliigen uns aber, soviel wir konnen, die Prozeliparteien zu
ermahnen, daB sie moglichst nicht schworen, sondern sich vergleichen
und nach rectitudo verfahren (s. I, IV). Besonders aber raten wir dem-
jenigen, der seinen Nebenmenschen verklagt und ihm den Eid zu-
20 schieben will, daB er, wenn moglich, davon absehe und lieber das ihm
zugefiigte Unrecht in der Hoffnung auf Gottes Belohnung ertrage. Wenn
er aber prozessieren will, halten wir ihn nicht davon ab (seinem Gegner
den Eid zuzuschieben).
§5.
25 Dem Verklagten konnen wir oftmals nicht befehlen, das Schworen
zu unterlassen, weil oft etwas von ihm gefordert wird, was iiber seine
Kraft geht, oder etwas, wovon er keine Ahnung hat. Trotzdem raten
wir auch ihm, soviel als moglich, nicht zu schworen. Wenn es aber
kein anderes Mittel gibt, versagen wir ihm nicht sein Recht (sondern
30 lassen ihn schworen).
§6-
Wenn jemand einen anderen wegen Geld oder einer anderen Sache
verklagt, und eine Urkunde oder glaubwijrdige Zeugen nicht beibringen
kann, und wenn nun der ProzeB auf den Eid hinauslauft, dann kann
35 der Beklagte schworen, wenn er wilj; wenn er es aber vorzieht, kann
er dem Klager den Eid zuschieben (Ebedjesu, Tractatus S. 243, Kpl. 2).
§7.
Wenn der Verklagte eingesteht: Ich habe das Geld oder das und
das genommen, habe es aber zuriickgegeben, dann iiegt dem Klager
40 der Eid ob (Ebedjesu, Tractatus S. 244, /(of. /).
§8.
a) Wenn der Klager eine giJltige Urkunde hat, dagegen der Ver-
klagte den Besitz der Habe, und nun die Sache zum Schwur kommt;
wenn der Besitz alter ist als 50 Jahre, oder er (der Verklagte) ihn von
45 drei Vorfahren geerbt hat, dann wird dem Besitzer der Eid aufgegeben.
Wenn aber der Verklagte die Habe noch nicht 50 Jahre besitzt oder noch
nicht von drei Vorfahren geerbt hat, wird demjenigen, der die giiltige
Urkunde hat (dem Klager), der Eid aufgegeben (vgl. VI, IV § 3).
b) Wenn der Verklagte der Besitzer der Habe ist, der Klager aber
50 eine anzweifelbare Urkunde und Zeugen hat, dann wird dem Verklagten
der Eid aufgegeben (Ebedjesu, Tractatus S. 244, Kol. I und Anm.).
— 2<H) —
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' 1. 32- " Zu tiigen. ^ Randnoti/ der Hds.: laso' XjjCXo.
30
— 2111 —
§9.
a) Wenn ferner der Klager spricht: Icli liabe meine Habe gegen
Gekl diesem Manne verpfiindet , der Verklagte aber erklart; Ich habe
sie gekauft% und er im Besitz der Habe ist, aber eine Urkunde oder
5 (soiistiges) Beweisriiittel fiir seine Aussage nicht hat, dann liegt dem Besitzer
der Habe der Eid ob.
b) Und wenn der Klager spricht: Meine Habe x habe ich diesem
Manne gegen 30 Estir {Ebedjesii, Tractafus: 50 Estir) verpfandet,
wiihrend der Verklagte behaiiptet: gegen 100 Estir (Tractatns fiilsch-
10 licit 20 Estir). aber Urkunde und Bevveismittel nicht vorhanden sind,
dann liegt dem Klager der Eid ob (Ebedjesn, Tractatiis S. 244, Kol. I).
§ 10 (s. Anm.).
a) Wenn jemand einem anderen eine Sache als Depositum iibergibt,
und sie gestohlen wird oder einen nicht offensichtlichen Schaden leidet
15 oder von der Behorde geraubt wird oder verbrennt, nicht infolge der
Absicht oder der Nachlassigkeit des Depositars,
(Liicke: fehlt der Nachsatz).
b) Wenn aber ein offensichtlicher Schade iiber die Sache gekommen
ist, und zwar infolge der Nachlassigkeit des Depositars oder seiner Familie,
20 dies aber nicht durch Zeugen bcwiesen werden kann, dann liegt der
Eid dem Depositar ob (Ebedjesu, Trachitus S. 244, Kol. I).
§ II-
a) Indem wir behaupten, dali, wenn auch die Apostel dasjenige,
was Unser Herr zu seinen Schijlern, deren Sinn iiber diese Welt eriiaben
25 war, sprach: Wer dich zwingi eine Meile, mit dem geh zwei (Matth. 5,41)
und Wer mit dir prozessieren und deinen Rock nehmen will, dem laB
auch deinen Mantel (Matth. 5, 40), wegen ihrer Bediirfnislosigkeit und
im Interesse ihres Heroldsamtes ausgefiihrt haben, er jedoch dieseii Be-
fehl ohne irgendwelche Unterscheidung gegeben hat, so behaupten wir
30 unsererseits mit Zuversicht, ohne mit Unserem Herrn und den Worten der
Lehrer und Vater (der Kirche) im Widerspruch zu stehen, dalS Christus
folgendes gemeint hat:
Wer dich zwingt unil spricht: ,Komm mit mir eine Meile oder
aber lali deinen Ola u ben fahren, und ich lasse dich fahren', zu dem
35 sprich: ,lch komme mit dir auch zwei Meilen, aber meinen QIauben
lasse ich nicht'.
Ferner: Wer zu dir spricht: ,LaB deinen Rock fahren oder sonst
verleugne deinen Glauben', zu dem sprich: ,lch lali auch meinen
Mantel fahren, aber meinen Glauben nicht'.-
40 Ferner: Wer dich auf die rechte Backe schlagt wegen des
Glauben s, dem halte auch die andere hin.
b) Die Richtigkeit dieser Ansicht ersieht man deutlich daraus, dali
Christus spricht: Fiirchtet euch nicht vor denen, die den Leib toten;
aber die Seele nicht toten konnen (Matth. 10,28). Wenn also jemand
45 wegen des Glaubens zu dir spricht, nicht aber, wenn ein Dieb oder Spotter
oder Tor oder Schuft zu dir eitel redet: Ich zwinge dich, eine Meile mit
mir zu kommen oder gib mir deinen Rock oder deinen Mantel , wie
solches vorkommt, soil man ihm (gleich das Verlangte) geben (s. Anm.).
Canones
von
Simeon.
— 205
Inhaltsangabe
zu den
Canones
von
Simeon.
Seite
Einleitung des Ubersetzers 208
Einleitung des Verfassers Simeon 210
in 3 Kapitein :
I. Welche Tendenz die Lehre Jesu Christi hat und warum er
nicht die Entscheidung von Rechtsstreitigkeiten gesetzlich ge-
regelt hat " 212
II. Warum wir nicht nach dem Gesetze Mosis Recht sprechen 218
111. Woher die Qesetze, welche gegenwartig in der Kirche gelten,
entnommen worden sind und entnommen werden .... 220
15 Inhalt der XXil Canones
(hier als >;§ bezeichtiet).
§ 1. Bel Konkurrenz von Witwe und Bruder erbt die Witwe . . 234
§ 2. Die verheiratete Tochter beerbt ihren Vater nicht, kann aber
von ihm ein Legat erhalten 236
20 § 3. Der Erblasser ist verpflichtet, seiner Witwe den Lebensunterhalt
und die Mittel zur Wieder\'erheiratung zu gewahren . . . 238
§ 4. Von Giitergemeinschaft und Giitertrennung unter Eheleuten.
Erbrecht gemalJ den Bestimmungen des Ehevertrages, jedoch
unter Beobachtung von § 3 238
23 § 5 Wie die Erbteilung ist, wenn der Erblasser hinterlalJt
a) eine Witwe,
b) Schwiegertochter mit Kindem,
c) Schwiegertochter ohne Kinder,
d) verheiratete Tochter.
30 Vom Erbrecht der kommorienten Sohne 240
§ 6. Der Sohn wird, wenn er ohne Hinterlassung von Frau und
Kindern stirbt, nicht von seinen Brudern beerbt, sondern von
seinem Vater 240
§ 7. EinfluB der guterrechtlichen Bestimmungen des Ehevertrages
35 auf das Erbrecht.
Eine mit ihrem Gemahl in Giitergemeinschaft lebende
Frau wird von ihrem Gemahl beerbt.
Die Sohne einer mit dem Vater in Giitergemeinschaft
lebenden Mutter und die Sohne einer mit dem Vater in Guter-
40 trennung lebenden Mutter beerben den Vater zu gleichen Teilen 240
— -jih; —
S«itc
§ 8. Ein Mann hinterlalit seine Mutter unci Schwestern. Er wird
von seiner Mutter beerbt, nicht von seinen Schwestern . . 242
§ 9. Die erbendeWitwe ist nicht verpfhchtet, die Oeschwister ihres
verstorbenen Oatten zu unterstiitzen 242
5 § 10. Der Vater kann, solange er iebt, dem Sohne die Herausgabe
seines Erbteils verweigern, ist aber verpfiichtet, einen (er-
wachsenen, aber) erwerbsunfahigen Sohn aus dem ihm zu-
stehenden Erbteil zu unterstiitzen 242
§ 11. Will der Kleriker eine Sklavin heiraten, muB er ihr dieFreiheit
10 geben. Ein Skiave kann nicht Kleriker werden 242
§ 12. Partus sequifur ventrem. Unfreie Sohne erben nicht neben
freien 244
§ 13. Die Tochter erbt die Halfte des Erbteils des Sohnes, jedoch,
falls sie bediirftig ist, auch etwas mehr . 244
15 § 14. Die Sohne erben zu gleichen Teilen, auch der Erstgeborene
erbt nicht mehr, wohl aber der Kriippel unter den Sohnen,
falls er bediirftig ist 246
§ 15. Wie die Erbteilung ist, wenn ein Mann
a) eine verheiratete Schwester,
20 b) seine Mutter und
c) Briider hinterlaBt.
Differierende Bestimmungen 246
§ 16. Der Bruderssohn schiieBt den Vatersbruder, der Sohnessohn
den Tochtersohn oder Bruder von der Erbschaft aus . . 248
25 §17. Der Tochtersohn schh'elU den Bruderssohn von der Erbschaft aus 248
§ 18. Der Sohn, der einer anderen Religion angehort als der Vater,
beerbt den Vater nicht 248
§ 19. Die Kinder einer zweiten Frau haben kein Erbrecht gegen
die erste Gemahlin ihres Vaters 248
30 § 20. Aufsicht der Kirche iiber die Vormundschaft fiir Waisen und
Unmiindige 250
§ 21. Ob der Vater einen TeiJ seiner Habe seinem Sohne zum
Eigentum oder nur zum NieBbrauch iibergeben habe . . 250
§ 22. Die Kinder der Sklavin beerben ihren freien Vater nicht,
35 wenn er Mutter, Bruder oder Schwester hinterlaBt und seine
rechtmaBige Gemahlin nicht mehr Iebt, konnen aber, wenn
sie erwerbsunfahig sind, ihren Lebensunterhalt ausdem NachlaB
beanspruchen 250
20-
Text und Ubersetzung.
Verschiedene Kapitel
haufiger Falle kirchlicher Rechtsprechung.
VerfaBt in iibersichtlicher Darstellung von dem durch apostolische Ge-
lehrsamkeit beriihrnten Mar (d. i. Monsignore) Simeon, Bischof-Metro-
polit (d. i. Erzbischof) von Rew-Ardaschir.
Obersetzt aus dem Persischen in das Aramaische von einem der fremden
Briider (Monche) aus dem Katariier-Lande.
Apologia, gerichtet an denjenigen, der ihn (den Kataraer) gebeten hat,
dies Buch aus dem Persischen in das Syrische zu iibersetzen.
2UH
[Vorwort des Ubersetzers.]
Dein ehrenvoller Auftrag hat mich angeregt, mich mit einer Sache,
die iiber mein Konnen hinausgeht, zu befassen, o reiner, gottliebender
Priester und Letirer Mar Simeon, und sehr habe ich mich wundern miissen
5 iiber deinen, die Dinge der unsichtbaren Welt kiindenden Wiilen, daB
du eine so hohe Meinung von mir hegst. Sn oft ich aber mit einem
Wissen, dem die Obung mangeit, dieser Aufgabe zusteuere, sehe ich
mich gezwungen, von ihrer Ausfiiiirung ziiriickzustehen. Fiirchte ich
doch, ich konnte etwa als einer, der dem ErguB deiner gottlichen Liebe
10 iiber mich ein Unrecht und ihm Abbruch tut (durch eine ungeniigende
Leistung), befunden werden. O du, dessen tatenreiche Frommigkeit wie
durch eine kostliche, kunstvoll mit Edelsteinen bcsctzte Krone geschmiickt
und dessen Tugend dadurch verherrhcht wird, du bist durch einen
himmlischen, frommen Oedenkens wiirdigen Lebensvvandel uns der Typus
15 der glorreichen, auserwahlten Manner, der heihgen Viiter unserer Kirche,
weiche in treffhcher Weise die voni Messias, dem Oberhirten, ihnen an-
vertraute Heerde vernunftbegabter Wesen gehiitet haben. \'on ihnen
(den Vatern der Kirche) stammt kraft gotthcher Weltordnung durch deine
Vermitthing das natiiriiche Gesetz als ein herrliches Los (Erbteil) her,
20 indem du von ihnen neben den Gaben der Natur auch die Gaben des
Willens bekommen hast und nach allseitiger Ubereinstimmung als ihr
eifriger und glaubiger Erbe in Kiirper und Geist befunden worden bist.
Bist du doch in ausgezeichneter, vollkommener Weise mit ihnen verwandt,
wie es den Sinnen und dem Geiste wahrnehmbar ist. Dies ist in Wahr-
25 heit eine fruchtbare Erbschaft, daB du jetzt mit dem Zepter(?) aller
Tugenden in der Kirche Gottes, in welcher dich der Herr, der Geist als
ein Geschenk seiner Gnade wie eine im Licht ihrer Strahlen erglanzende
Sonne aufgestellt hat, deinen Wiilen verkiindest. Die dir Nahestehenden
erfreust du durch haufige Reden, weiche wie geistige Wesen sind, sowie
30 durch deinen von alien erbetenen Umgang, und die Entfernten begeisterst
du durch das Geriicht deiner GroBtaten zur Bewunderung. Es ist an-
gemessen, daB an dich das Wort des Apostels (Paulus) gerichtet werde:
Denn ihr seid ein angeiiehmer Duft durch den Messias fiir Gott< (v^l.
11. Korinther 2, 15).
35 Ein Beweis alles dessen(, was ich hier zu deinem Preise gesagt
habe,) ist dasjenige, was du mir neuerdings angetan hast. Indem du eine
Kundgebung deiner wahrhaftigen und vollkommenen Liebe, weiche du
neidlos alien zuteil werden laBt, speziell mit Bezug auf mich zur Tat
werden lassen wolltest, hast du aus der Gesanitheit vieler Personcn, weiche
40 gebildeter und kundiger sind (als ich), durch besondere Gnade mich fiir
209
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' - ' s. Anm.
Sachau, Syrisctae Rcchtsbucher III. 14
— -J 1(1 —
die Ausfiihrung dieser Aufgabe auserwahlt. Denn du hast mich auf-
gefordert, in das Aramaisclie vielerlei Dinge zu ijbersetzen, die von einigen
diirch gottliciie Oaben ausgezeichneten und in der apostolischen Lehre
wohl bewanderten Miinnem in persisclier Sprache geschrieben sind, solche
5 Sciiriften, die du mir dargereiciit hast, als ich in deiner Nahe war. Ob-
wohl nun diese Aufgabe mir sciiwer erschien, da du mir rietest einen
neuen, bisher noch nicht betretenen Weg zu beschreiten, so habe ich
dennoch, da mir dein hochgeschatzter Auftrag ehrenvoll ist, mit aller
Macht deinen segenspendenden Vorschlag angenommen, um ihn zur Tat
10 werden zu iassen.
Als Vorwort bemerke ich fiir dich und jeden, der mit wahrheits-
hebendem Wiiien auf diese Blatter stoBt, daB er, falls er in ihnen nicht
die geordneten und schmuckreichen Wendungen des klassischen ara-
maischen Stils antrifft, nicht dem Ubersetzer Vorwiirfe machen, sondern
15 in GiJte bedenken moge, dal5 dies durch die Kompliziertheit der persischen
Sprache verursacht ist, welche sich nicht iiberall leicht dem entsprechenden
aramaischen Ausdruck anpassen laBt. Ich werde mir nach Kraften Miihe
geben, daB der Sinn jedes Satzes ausgedriickt werde, wie es sich gebuhrt,
ohne daB der Sinn der Rede alteriert wird. Ich beabsichtige dem Sinne
20 nach (wdrt/ic/i : modo cogitationis) zu iibersetzen. Wo ich aber durch
die Eigenart des Ausdrucks selbst gezwungen bin ihn zu erklaren, moge
das ungeordnete Wortgefiige der Armut der Sprache, nicht der Un-
wissenheit des Obersetzers zur Last gelegt werden.
Es ist nun an der Zeit, daB ich, indem ich im Vertrauen aaf die
25 Oebete meiner Briider und Gefahrten mit der Arbeit selbst beginne, zur
Starkung meines schwachen Vermogens die himmlische Kraft des ewigen
Lehrers anrufe, der gewohnt ist seine Kraft in den Schwachen zum Sieg
zu fijhren, damit er mir aus dem Schatze seiner unermeBlichen Weisheit
das Dammerlicht des Sinnes (der Satze) darreiche (d. h. mich es erkennen
30 lasse), und damit so dies Werk durch mich vollendet werde, entsprechend
dem Wunsche euerer in alien gottlichen Dingen vollkommenen Liebe.
Anfang der Schrift
Entschuldigung des Verfassers (Simeon), gerichtet an denjenigen,
der ihn um die Abfassung dieses Buches ersucht hatte.
35 [Einleitung des Verfassers.]
Die Fragen, betreffend die kirchliche Rechtspraxis, welche deine
Heiligkeit mir durch Brief mitgeteilt hat,
warum Unser Herr die (in unserer kirchlichen Praxis geltenden
Gesetze) uns nicht durch seine eigene Gesetzgebung verliehen hat,
40 warum wir nicht nach dem Gesetze Mosis Recht sprechen.
— 211 —
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Ul^jcao Z^aa .UdJV.3a aJsLs ;auo^^.^p : 73U»^p ;.ii.r\>23
.;Sd.ijidi^3 >d.g^a.>5a.jo2p U2 jcxaoor .l\aop ^^o^aokjcsp ZJUi
Z^ ^^J^^^ .y<rft..en32p li2 2^ivao la.a.\y3 ajs? ^p Z2u.2
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I. aao2;^^3. - 1. .oc<^,aLaao.
20
— 212 —
aus welcher Quelle wir die iinter uns iibliche Rechtsiiberlieferung
bekommen haben,
unci wie einige besondere Rechtsfragen in unserer Praxis behandelt
zu vverden pfjegen,
5 diese Fragen beantworte ich dir nach bestem Wissen mit Hilfe der
Giite Gottes.
I. Kapitel.
Welche Tendenz die Lehre Unseres Herrn (Jesu Christi)
hat und warum er nicht die Entscheidung von Rechtsstreitig-
10 keiten gesetzlich geregelt hat.
Die Tendenz der Lehre Unseres Herrn geht iiber das Treiben des
irdischen Lebens sowie iiber alle Handlungen eines tugendhaften Lebens-
wandels weit hinaus. Jedermann sieht ein, auch ohne unsere Darlegung
zu kennen, daB es nicht seine Absicht gevvesen ist, durch seine Gesetz-
15 gebung die Menschheit die Regeln des leiblichen Daseins zu lehren, noch
auch dal5 er (in derselben) die Taten des biirgerlichen Lebens als gut
Oder schlecht bewertet hat, sondern dal5 es sein Befehl ist: der Mensch
solle zuerst seine Absicht (wdrtlich: den Willeii der Seele) heiligen und
lautern.
20 Auf dieser Grundlage hat er seinen Canon von Siinde und Ge-
rechtigkeit aufgebaut, indem er z. B. nicht den Ehebruch, sondern
schon die Absicht des Ehebruchs verdammte. Wer also ein Weib be-
trachtet, wie urn sie zu begehren, hat bereits in seinem Herzen mit ihr
Ehebruch getrieben (Matth. 5, 28). Und anstatt der Tat des Mordes ver-
25 dammte er bereits die Absicht. Jeder daher, der in Ha(5 und Feindschaft
ohne Grund seinem Bruder ziirnt, ist schuldig (Matth. 5, 22). Und anstatt
des Meineides verbietet er (wdrtlich: e medio sustulit) schon die Absicht
des Meineides in folgenden Worten : Ihr habt gehort, daB von den Vor-
fahren gesagt worden ist, du sollst nicht falsch schworen usw. (Matth. 5,33).
30 Durch diese und andere Worte lehrte Unser Herr, daB es ihm nicht
allein daran gelegen ist, die Glieder unseres Leibes von alien siindhaften
Handlungen und Vcrrichtungen des Gotzendienstes frei und rein zu
machen, sondern daB wir uns ganz besonders bemuhen soUen, die Seele
von der Neigung zum Bosen zu reinigen, sintemal sie (die Seele) der
35 wichtigste und hervorragendste Teil des Menschen ist. Und well die
Tendenz des Heilsplanes Unseres Herrn nicht darin besteht, uns ein zeit-
weiliges, vergangliches Leben zu bescheren, deshalb erscheint auch seine
Lehre als eine solche, die iiber leibliche und sichtbare Dinge weit hin-
ausgeht.
40 Daher war es der Erhabenheit der wunderbaren gottlichen Welt-
regierung nicht angemessen, daB er (Unser Herr) Gesetze geben sollte iiber
Handel und Verkehr, wie sie fiir das Bestehen des irdischen Lebenswandels
niitzlich sind. Denn wie sollte iiber Prozesse, iiber irdischeGiiter und Schatze
derjenige Anweisung geben, der da befiehlt, daB wir unser Denken iiber
45 alien Tand (?) des sichtbaren Lebens erhaben sein lassen und ausschlieBlich
den himmlischen Lebenswandel nachahnien, nur an ihn denken und auf
ihn unsere Gedanken richten soUen! Sagt doch der Evangelist (Matth. 6, 2):
Denn wo euer Schatz ist, dort ist auch euer Herz. Gedanken wie die
folgenden: Wenn einerdeinen Rock nimmt, dem laBauch deinen Mantel
50 (Matth. 5,40); Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlagt, dem
wende auch die andere zu (Matth. 5,39); Steht nicht wider das Bose,
sondern gebt Raum dem Zorne (das. und Romer 12, 19); Verkauft eure
Habe und gebt Almosen (Luc. 12,33), solche Gedanken sind geradezu
— 21 H —
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unvereinbar damit, dali er Oesetze geben sollte ijber die iiblichen Prozesse,
z. B. iiber Fraijen wie die foljjjciuicn:
Weiin cin Mann otine Hintcrlassiniji; von Frau und Kindern stirbt,
weni geiuirt sein NaclilaB? (5. ^'j'" 6).
5 Soil die Habe cles (verstnrbeneii) Vaters zu gieichen Teiien iiber
seine Soiiiic und Tiichter verteiit werden oder sollen die Sohne gegeniiber
den Toclitern bevorzugt werden? (5. ^ 13).
Seiien wir docii aus dem Oesetze Mosis, ais er Regein des irdischen
und weltliciien Verhaltens denen, fiir die es bestimmt war, iibergab,
10 daB er das Qerichtswesen als etwas Niedriges ansah. Wer aber genau
wissen will, warum Unser Herr nicht ein Gesetz iiber Handel und Ver-
kelir gegeben iiat, kann dies leicht aus seinen Taten erkennen. Unser Herr
und Erioser kiinituLTte sich niclit uni die Mittel und Wege, Hab und Gut
zu erwerben, sondcrn was er wollte, war: die Menschen Volikonimenheit
15 der Gerechtigkeit und eines rechtcn Lebenswandcls lehren, dagegen alies
Unrecht, Unterdrtickung, Streit, Liigc und ahniiches aus ilirer Mitte ent-
fernen. Und da er kraft seiner goftlichen Priiszienz wu(5te, dafi, wenn
nur Liebe ini Menschen ist, sie gcniigt, uui alien Hal5, Unrecht und Liige
zu vertilgen, deshalb fordert er uns zur Liebe und Eintracht inehr als
20 zu allem anderen auf und ermahnt uns dazu, da er wuBte, dal5 er fiir
uns wie das Salz ist, durch welches alle Faulnis der Siinden aus unserm
Herzen entfernt und der Mensch von allem Schniutz der Leidenschaften
und schnoder Begierden gereinigt wird, so daB er fiir den Dienst seines
Oottes geeignet und fiir jedes gute Werk vorbereitet wird.
25 Weil nun ferner Unser Herr wuI5te, daB nach Vollendung seines
irdischen Daseins und seiner Himmelfahrt seine Glaubigen noch eine
lange Zeit in dieser Welt wohnen bleiben wiirden, und sehr wohl einsah,
daB wir Menschen, da wir sterblich sind und eben wie Menschen uns
benehmen, nicht ohne Stolpern, nicht ohne viclfache Verwicklungen und
30 Reizungen unser irdisches Leben fiihren konnen, deshalb hat er uns in
seinem Evangelium zur Rechtleitung und Ordnung unseres irdischen
Lebenslaufes wunderbare Gesetze und eine solche Unterweisung gegeben,
die fiir uns geeignet ist, uns nicht vom himmlischen Lebenswandel zuriick-
halt, sondern im Gegenteil uns dazu hilft und fordert.
35 Diese seine Regein passen nicht fiir das Volk, sondern ganz be-
sonders sind sie passend oder niitzlich fiir die Leiter der Kirche, und
ihnen iibergibt er (Unser Herr) die Handhabung derselben. Eine solche
Bestimmung ist z. B. folgende (Matth. 18, 15): Wenn dein Bruder fehit
gegen dich, so stell' ihn zur Rede nur unter euch beiden. Der Ausdruck
40 steir ihn zurRede wendet sich an irgendeinePersonausder Allgemeinheit,
wer es auch sei, ohne irgendwelche Unterscheidung. Dagegen der etwas
spater folgende Ausdruck damit er dir sei wie ein ZoUner und wie ein
HeidC" (Matth. 18, 17) ist an den Leiter der Kirche gerichtet. Ihm ver-
traut er (Unser Herr) die Rechtleitung der Kirche an, da er wuBte, daB
45 eine solche Aufgabe nicht allein den hinuulischen Lebenswandel nicht
behindert, sondern in hervorragender Weise zur Volikonimenheit der
Gerechtigkeit anieitet.
Dagegen hat es Unserem Herrn nicht gefallen, schriftliche Oesetze
den Teilnehmern an dem Sakrament seiner Lehre zu iibergeben fiir die
50 Entscheidung der Frage, wie Prozesse iiber Geldeswert und Streitigkeiten,
die iiber irdischen Besitz angeregt und verhandelt zu werden pflegen,
geleitet und entschieden werden sollen, damit nicht dadurch seine Lehre
zu einem Gegenstiick gegen seine Person und gegen das Leiden seines
Heilsberufes werde, indem er (Unser Herr), der uns bestandig lehrt, die
55 Liebe zur sichtbaren Welt von uns zu werfen und nur an den hiiumlischen
Dingen den Blick unserer Seele haften zu lassen, dann wiederum im
Zusanuuenhang seiner vollkonuiienen, lebenspendenden Lehre Regein
aufstellen wiirde iiber Streitigkeiten unei Prozesse iiber die Habe von
— 21 :i —
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1 s. Anm. - I. la3^oo.
— 21(1 —
Mann und Fran, Bruder und Schwester, Snhn uiul Tochter. Solche
Retjeln waren diircliaiis nicht anjjemessen seiner wunderbaren, gottlichen
Lehre nncli audi der Erhabenheit der kiinftigen Welt, welche, wie er,
unser Erloser, iins lehrt, frei sein soil von Schmerz und Leid, von Be-
5 gierden, von Bediirfnis und von der Plage dieser verganglichen Welt.
Wie wiirde doch die Lehre Unseres Herrn, der da rief: Bekehret euch,
das Himmelreich ist nahe (Matth. 3,2), herabgesetzt und erniedrigt
werden, vvenn er sprache: Wenn ein Mann ohne Hinterlassung von
Frau und Kindern stirbt, soil seine Habe seinen Briidern und Schwestern
10 oder seinem altesten Bruder gegeben werden {vf^/. § 6). Oder wie ware
Platz gewesen fiir ein Wort wie: llir snllt nicht Gold noch Silber er-
werbcn (Matth. 10, 9) neben einer Bestimmung wie der folgenden: Die
Habe eines Bruders, dessen Mutter noch lebt, soil als Erbschaft seiner
Mutter zufallen, nicht seinem Bruder (vgl. § 15).
15 Aus dem Aiigefiihrten konnen verstandige Menischen leicht ent-
nehmen, daB, wenn ein solches Verfahren beobachtet worden ware, es
uiiwiiriiige Dinge an die Gesetze Unseres Herrn angchangt haben wiirde.
Wer Lust hat, kann vielfache Beweise hierfiir aus dem Evangelium ent-
nehmen und kann dariiber disserieren und die Stellen miteinander ver-
20 gleichen nach Herzenslust in ausfiihrlicher Darstellung. Mir aber will
scheinen, dafi das hier Gesagte geniigt, wenn es auch nur eine kurze
Darlegung ist, nicht nur, damit die Darstellung nicht langlich werde,
sondern auch well ich weiB, daB deine Weisheit imstande ist, indeni du
leicht die Substanz der Sache aus unserer Darlegung entnimmst, auch
25 dasjenige, was wir hier nicht geschrieben haben, leicht zu erfassen.
— 217 —
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' I. 0A2.
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II. Kapitel.
(5. Anm.)
Warum wir nicht nach dem Qesetze Mosis Recht sprcchen.
Die Antwort aiif die Frage deiner Heiligi<eit, warum wir nicht nach
5 dem Oesetze Mosis Recht sprechen, ergibt sich leicht aus dem Folgenden.
Die ganze Tendenz des mosaischen Gesetzes geht darauf hinaus, die
Menschen zu der Erwartung der Ankunft des Messias anzuleiten und
zu erziehen. Es sind viele Oesetze und Verordnungen darin gegeben,
welche nicht fiir die ganze Menschheit und nicht fiir jedes
10 Zeitalter, sondern ausschheBlich fiir die Zeit des Moses und das
Voii< des Moses geeignet wareii.
Wenn jemand meint, daB ich init dieser meiner Ansicht im Unrecht
bin, wie wird er es dann ais einen Akt der Gerechtigkeit Gottes auf-
fassen konnen, daB Gott alle iibrigen Menschen der Welt sich seibst
15 iiberlaBt und nur dies eine Volk erwahlt, nur urn dies eine sich kijmmert
und ihm Gesetze und Verordnungen gibt, an die sie sich gewohnen
soJIen, dagegen alien iibrigen Volkern keinerlei Gesetz iiber Fragen des
Mein und Dein gibt? — Wenn die mosaischen Gesetze fiir die ganze
Menschheit geeignet waren, miiBten es Gesetze und Verordnungen sein,
20 die nur fiir sie gesetzt und gegeben waren. ist es doch klar, daB, wenn
die Gesetze und Verordnungen, welche Gott durch Moses gegeben hat,
fiir die ganze Menschheit und fiir jedes Zeitalter erforderlich waren, Gott
von Anfang an sie an die ganze Menschheit richten und dafijr bestimmen
wiirde. Jedoch aber wenn man in dem Gesetze Mosis und den einzelnen
25 Bestimmungen desselben nachforscht, kann man erkennen, daB die Mehr-
zahl derselhen sicli nur fiir dicjuden eignet. Betrachte, wenn du wilist,
nur den Anfang der Gesetze, wo es heiBt (Exodus 21, 1. 2): Dies sind
die Gesetze, welche du vor sie setzen sollst. Wenn du einen hebraischen
Sklaven kaufst, soil er dir sechsjahre dienen, aber im siebenten soil er
30 frei von dir fortgehen. Ist es nicht klar, daB dies nur von einem
Hebraer gesagt ist? — Auch vom Grund und Boden ist darin die Rede,
daB er niemals verkauft werden soil (Leviticus 25, 23). Dies Gesetz wird
aber, abgesehen davon, daB eine solche Bestimmung nirgendwo in der
Welt gilt, heutigentags seibst von den Juden nicht beobachtet, well man
35 weiB, "daB das Mosaische Wort sich auf das Land der VerheiBung
bezieht, welches Gott den Sohnen Israels als Erbschaft gegeben, damit
— -ili) —
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^^J lupe Ij&oaaae .^^li o;^«po .? t \ \ p pfto.\i laoix
2^.o^^ \^p li«p l\52 L^Lxpb^o .2x.oisa ^oo^sp .ou^ 25
.eec" ^^o;^ 2a\., o^\3>^p oau^i. .'yx\.sio A\i ;.ii.i..op
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• 1. -.■kio2^2p. ■' I. 223>.ie. " I. ^a.4. ' I. i^^V-
" I. M:c;s.
— 22(1 —
nicln das Erbe von eiiium Stamm aiif den anderen, von cincr Familie
aiif die andere iibertragen vverde.
Es gibl noch viele andere Dinjje im Buche Mosis, die evident
nicht geeignet sind, von der ganzen Welt und in jedem Zeitalter aus-
5 gcfiilirt zu werden, Dinge, die in dem alten Oesetz fiir das Volk der
Juden erlassen waren und die sicii fiir jene Zeit (des Moses) eigneten.
Dasselbe dri\ci<t audi i\iulus (Hebr. 9, 10) aus mit den Worten: Es sind
Bestimmungen des Fleisches, gegeben fiir die Zeit der Rechfleitung<.
Aus diesem Orunde konnen wir, wenn Gericht gehalten wird,
10 nicht bei jeder Sache eine Belehrung aus dem Gesetze Mosis entnehmen,
noch auch leichthin nach seinen Verfiigungen ein Urteil fallen. Denn
es handelt keineswegs in klarer Weise von alien Dingen, die in der
Gerichtspraxis vorkommen, sondern nur von wenigen, abgesehen davon,
daB andere dort iiberhaupt nicht erwahnt sind. Aber auch in betreff der
15 Dinge, die im Gesetze Mosis erwahnt sind, diirfen wir (nicht) nach seinen
Bestimmungen verfahren. Wollte man von uns verlangen, daB wir nach
seinem Gesetze richten und entscheiden sollten, miiBten wir zunachst
das Gesetz befolgen: Wer sein Haus verkauft, soli es nach 50 Jahren
zuruckbekommen< (Leviticus 25, 13. 31), wie Moses befiehlt.
20 Wir haben daher nicht die Gewohnheit, nach dem Gesetze Mosis
Recht zu sprechen. Das hier iiber diesen Gegenstand Gesagte genugt
fiir die Fiille eures geschulten Wissens.
111. Kapitel.
(s. Anin.)
25 Uber die Frage, woher die Gesetze, welche gegenwartig in
der Kirche gelten, entnommen worden sind und entnommen
werden.
Wenn du mich brieflich fragst, aus welcher Quelle die Gesetze,
die bis heute in der Kirche gegolten haben und noch gelten, abgeleitet
30 sind, so ist meine .^nsicht die folgende:
— 221 —
Ju>wA3 : iJX3>>L ^?? t^soss op •Si2 Zs^ »s2o -eeo^ ^m.«x««
2a>,3V ^t^S Sla .»^eo^^»vd aujo^sp uls ^oA ^c .L1.30T s
.«^JSoA ^ 23U. 3a ^olSla .xsjcaoo .^^\^ ^^jj: ^jc L.3aLX
oiAv ^2o ^p 1^2 .2307 2X.M2 L.3aL\, X\.»3 lA\ 2o7 Z^
2^:^ 1^323 230" .Pl\^ '^t^ 1^ :s^2X^^.«.3 .3u^2 1X323
soao? i\^i. 1^2 .3^2 Xso Upito 23l^2 1^ o;\a laiA^ap
eo- .^3u. 2^A»3 1JU13 ^^.30 .0;^ t'^'V^ lJ.3oa.i. Upeovi. in
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— 222 —
[Voin Prinzip der siihjektiveii Rechtsbildung.)
Viele Rechtsfragen siiui audi iiii inosaischeii Gesetz nicht ausfijhr-
lich beliaiidelt, indessen aus geringen Angaben daselbst und aus zer-
streut liier und dort in der Fiibel vorkommenden Stellen iiber Wahr-
5 lieit und Recht, werin sie auch in Form von Vcrgleichen und An-
deutungen auftreten, konnen wir, indem wir sie miteinander vergleichen,
vieierlei lernen und entnelinien, wenn es sich fur uns urn die Bildung
richterlidier Urteile liandelt. Wir wollen nun genau angeben, wie wir
in Fallen, wo die zur Verhandlung steiienden Dinge nicht ausfuhrlicli
10 in den Biichern beliandelt sind, dennocli bei vielen Angelegenlieiten, die
in der Praxis vorkonimen, zu einer Urteilsbildung gelangen, indem wir
die Angaben der Biiclier in aliem mit einander vergleichen und uns nach
ilinen richten.
Wir fiigen hinzu, da(i auch die Heiden, obwohl sie vieles in ver-
15 kehrter und ungebiihrlicher Weise tun, alle ihre Urteile und Entscheidungen
aus dem Oesetze Mosis entnommen haben, wenn es auch einige Be-
stimmungen darunter gibt, deren ti'tvos aus Spriichen der griechischen
Philosophen entlehnt ist. Aber auch diese Philosophen haben rationem
et materiam aus dem Oesetze Mosis entnommen. Fine seiche Ratio, die
20 dem von mir Qesagten ahnlich ist und es bestatigt, ist diese, die bis jetzt
nicht jedermann leicht begreift, diese, welche sie (die griechischen Philo-
sophen) in ihrer Sprache «/)xt'ri>7rov nennen, wodurch nach ihrer Lehre
zuweilen die Wahrheit von der Liige unterschieden wird. Sie (diese
Ratio) iihnelt in nicht geringem Mal3e der Geschichte des Propheten
25 Elias (1. Kon. 18). Als damals bei Oelegenheit eines Streites und einer
Disputation iiber die Religion der Prophet Gottes die Wahrheit seines
Gottes durch den Vergleich der Unwahrheit des Gotzen beweisen wollte,
lieferte er den Beweis der Wahrheit des allgebietenden Gottes durch
eine Wuiuiertat und ein staunenswertes Geschehnis. Aus dieser Tatsache
30 haben auch diese (die griechischen Philosophen) AnlaB genommen, nach
Moglichkeit Analogieschliisse aufzustellen und den Graben und den
Altar und alle iibrigen Dinge (die in der Eliasgeschichte, 1. Kon. 18,32
usw., erwahnt sind) zu vergleichen und anzuwenden. Weil sie aber ein
Wunder, gleich dem durch den gliickseligen Elias in der Herabkunft des
35 Feuers verrichteten, nicht zu verrichten vermogen, so stellen sie (im all-
gemeinen) das Feuer als dasjenige hin, wodurch nach ihrer Ansicht
Wahrheit von Unwahrheit geschieden wird. Das Gesagte dient zuni
Beweise dafiir, daB wir aus dem Vergleich der im mosaischen Gesetz ge-
gebenen Rechtsnormen vieierlei anwenden und danach erforschen konnen.
40 Indessen die Gesetze, die heutigentags in der Kirche gelten und
iiberliefert werden, stellen wir nicht als Menschenwitz oder torichte,
zufallige Einfalle dar; auch haben wir sie nicht von ungebildeten, minder-
wertigen Menschen iiberliefert bekommen, sondern von auserwahlten,
beriihmten Mannern, welche durch die Offenbarung des Prophetentums
45 inistande waren, das Wahre yon der Liige zu unlerscheiden. Und der
Anfang und der Gnmd der Oberlieferung der Gesetze geht von ihnen
aus und ist durch sie bis zu uns gelangt.
— 223 —
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> I. ^o;^.>w>2 2m1.\jcjp - Statt ^p I. ^ Z^2.
^ 1. ^2. ' 1. ^o(rja>^o\. '• 1. \a. " Statt Ucrp ajj
I. 2po7 .op. ^ Statt ^^OlIO;^ 01^ I. .oac o;^. >< s. Anm.
-' I. op3. "■ I. 23dLXe. " 1. aojOA.
224
[Rechtsprecliung unter Moses.]
Die Wahrheit des Gesagten konnen wir aus den heiligen Schriften
beweisen, wenn auch vielen unsere Ansicht als etwas Neues erscheinen
mag. Nachdem Moses das israelitische Volk mit groBen Zeichen und
5 Wundern aus Agypten gefiihrt hatte, richtete er vierzig Jahre iiber sie in
der Wiiste. Nach dem Worte der Schrift (Exod. 12, 3; Num. 1, 45) waren
es 600000 FuBganger im Alter von 20 und melir Jahren ohne Weiber
und Kinder, welche ihrerseits in einer den Mannern entsprechenden An-
zahl vorhanden waren. Nun kann man ganz besonders aus dieser Tat-
10 sache entnehmen, daB be! dem Ungehorsam der israeliten, ihrem baue-
rischen Wesen, ihrer Sittenlosigkeit und Gevvalttatigkeit wahrend dieser
ganzen vierzig Jahre und bei der Menge der Menschen nicht wenige
Prozesse unter ihnen aufgekommen sein miissen, und daB keineswegs
biol5 solche, die im Oesetze klar vorgesehen und bestimmt waren, sondern
15 auch anderweitige (im Gesetz nicht vorgesehene) Streitigkeiten in nicht
geringem MaBe unter ihnen vorkamen.
Dies kann man leicht aus der Erzahlung der Bibel ersehen, wo
es heiBt: Jethro, der Schwiegervater Mosis, kam zu ihm und sah ihn den
ganzen Tag sitzen, wahrend das ganze Volk wegen zahlloser Streitigkeiten,
20 die sie miteinander hatten (Exodus 18, 1. 13), von friih bis spat vor ihm
standen. Moses aber urteilte nicht nach seinem Belieben und Meinen,
sondern gemaB der gottlichen Eingebung, wie wir aus dem weiteren
Verlauf der Erzahlung erfahren. Als ihn namlich sein Schwiegervater
fragte: was sitzest du da allein, wahrend das ganze Volk von friih bis
25 spat vor dir stehf?, gab er ihm die angemessene Antwort: Weil das Volk
zu mir kommt zu fragen nach dem Herrn. Wenn sie eine Sache haben,
konimen sie zu mir, und ich richte zwischen dem Mann und seinem
Bruder und zeige ihnen den Weg zu Gott und seinem Gericht. < Infolge-
dessen gab ihm sein Schwiegervater einen weisen Rat: ->Sei du dem
30 Volke ein Lehrer vor Gott<> (Exodus 18, 14—19).
Aus dem Gesagten ist deutlich zu erkennen, daB Moses fur alle
Rechlssachen, die vor ihn gebracht wurden und fiir deren Entscheidung
seine Geisteskraft nicht gewachsen war, von Gott eine Erlaubnis erbat
und daB er sie gemaB der gottlichen Offenbarung, die ihm zuteil wurde,
35 aburteilte.
Ein anderer Fall ist folgender: Es war deutlich im Gesetz befohlen,
daB jeder, der am Sabbat eine Arbeit verrichtete, getotet wird. Als man
dann jemand fand, der am Sabbat Holzstiicke sammelte, und ihn vor
Moses brachte, da entschied er nicht, daB jener sofort getotet werden
40 solle, wie das Gesetz befiehit, sondern befragte vorher Gott nochmals
iiber ihn (Numeri 15,32—36).
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7 1
1. «^eA.
Sachau, Syrische RechUbucher III.
15
— 'i-il; —
Zu dcrsclben Zeit brachte Moses die Sache des Sohnes der Israelitin,
der den Namen Oottes gesclimaht hatte, (zur Entscheidung) vor Oott
(Leviticus 24, 10 ff.).
Audi fiir die Entscheidung der Sache der Tochter des Zelofchad
bat Moses um eine Volimacht von Qott. Und darauf erging Gottes Befehl
des hihalts, dal5 die Tochter des Zelofchad recht haben (Numeri 27, 5 7).
[Rechtsprechung unter den Richtern und Konigen.]
In den Jahrhunderten nach Moses finden wir dann, daB wahrend
langer Zeiten Recht und Oesetz von solchen Mannern uberliefert und
10 ausgeiibt wurde, vvelche neben dem Richteramt die Gabe des Propheten-
tums erhalten hatten, die nicht allein kraft ihres Geistes Urteile fallten,
sondern durch die im geheimen ihnen zukommenden gottlichen Offen-
barungen Belehrungen empfingen. So heiBt es von der Debora: Die
Debora, die Prophetin, die Frau des Lapidoth, war Richter fiir Israel in
15 jener Zeit (Richter 4,5), und ferner: Der Prophet Samuel richtete und
lenkte wahrend seines ganzen Lebens das israelitische Volk (1. Sam. 7, 15)
gemaB gottlicher Einsicht, die ihm zuteil wurde.
Auf diese Weise vollzog sich das Richteramt 450 Jahre nach Moses
im Volke. Als dann Konige gewahlt wurden und im Volke aufstanden,
20 finden wir David, der durch die Weisheit des Prophetentums hochberiihmt
war, und nach ihm seinen Sohn Salomon, dem offenbar groBe Weisheit
von Gott verliehen war. Seine Weisheit war so groB, daB sie ihn in
den Stand setzte, iiber alle Arten der Schopfung zu reden, iiber Sauge-
tiere, Amphibien, Vogel und Fische, iiber alle Baume von den Zedern des
Libanon bis zu dem Ysop, der aus der Wand hervorkommt (1. Kon. 5, 13).
25 Von solchen Menschen also gehen aus und sind iiberliefert die
Gesetze, welche gegenwiirtig in der Kirche die Tradition und den
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2xaa^«. ;s^iAA, 3 ecr .07x3 ♦^ftta.\t!s .^i*«..»> soX 073^.30
.j^eor ;AbX»e 23;s^.ae UA073 u.07 .oA X3ov<.X2 2oA2 ^ ^a
' I. ^0073. - I. u.'3m2;s23. '' D. i. w.C03 3udO
* loOl zu tilgen. '- I. ...CUPl'^. " I. Ax3 ^^2 statt ^^2
A^ ^23.
— 228 —
Usus bilcleii. Unci wenn sie audi iiiL-lu sclirittlich iiberliefert siiid, wcil
sie iiberliaupt iiiemals aufgeschriebcn waren, oder wenn sie audi, obwohl
urspriintjlich schriftlidi abgefalit, trotzdem im Laufe der Zeiteii verloren-
gegangen sind, so sind sie ohne Zweifel dennoch ini Usus und in
der Tradition so auf uns gekommen, wie wir sie jetzt haben und
kennen.
[Von den verlorenen Biichern des Alten Testaments.)
Wenn wir gesagt haben, daB sie (Biicher des israelitischen Alter-
tums), obwohl urspriinglich schriftlich abgefaBt, sich nicht bis zu unserer
10 Zeit erhalten haben, so laBt sich das auch beweisen. Wir finden namlich,
daB viele Biicher in den Revolutionen und Wegfiihrungen in die Ge-
fangenschaft, welche die Juden zu verschiedenen Zeiten erduldet haben,
verloren gegangen und nicht mehr zu Tage gekommen sind. Von Salomo
heiBt es, er habe 3000 Spriiche geredet, und seine Hymnen waren 1 005
15 an der Zahl (1. Kon. 5, 12). Von diesen ist das meiste nicht auf uns
gekommen. Das Buch von den Taten der Konige Israels ' existiert
jetzt nicht mehr unter uns, obwohl es in den Biichern (des Alten Testaments)
deutlich angegeben ist. Die Forschung der Konige'-' und die
Kommentare des Iddo des Propheten' neben andern Biichern
20 sind bekanntermaBen heutigen Tags nicht mehr vorhanden. Es ist hierbei
nicht meine Absicht beweisen zu wollen, daB in diesen verschollenen
Biichern weltliche Gesetze gegeben waren, sondern ich wollte nur be-
weisen, daB es moglich ist, daB Werke nicht bis auf uns gekommen
sind, obwohl sie von den Vorfahren geschrieben waren. Das aber be-
25 haupten wir mit Bestimmtheit, daB wir sehr wohl wissen konnen, daB
die Gesetze, die wir heutigen Tags haben, obwohl sie uns nicht schrift-
lich iiberliefert sind, dennoch von diesen Vorfahren ausgehen und von
ihnen bis zu uns gelangt sind.
[Rechtsprechung nach der Ankunft des Messias.]
30 Indessen nicht allein von den Vorfahren im alttestamentlichen Alter-
tum, sondern auch aus der Zeit nach der Ankunft Unseres Herrn, des
Messias, stammen eben solche Gesetze von vielen Mannern her und sind
von ihnen uns iiberliefert worden. Denn nachdem iiberall die Kirchen ge-
grundet waren und iiberall die Zahl der Glaubigen groB geworden war, da
35 eriaubte die Giite des Heiligen Geistes den Glaubigen nicht, wenn sie
Streit urn Mein und Dein hatten, die Beauftragten der Kirche zu verlassen
und mit ihren Nachsten vor den Siindern, d. i. den Heiden, zu
' ;s-=- ■<:--•: ---- --:- -= 1. Kon. 14, IQ und sonst.
•■= =-™r -s: ■=—. 2. Chron. 24, 27.
40 ^ 1-- S-™ 3--- 2. Chron. 13, 22.
— •22!) —
^AsAa 2«32 ^p li\^2. KOo;\a \^e lioi \^o : .^'a^o
^cr ^23 \«aoT Ixj.': ^ae .2XJ013 ^oAip l3a\^ l^x^e
2;sak^a lueou.p ulse la<5k^ .^^0^ Iva^^ o^n.is2e oaa
^\3u^»3>o ^^2o .^^5a\^^>5oe ^x»»2 l>*^o 2;sa.\.*a\.t.*a.a 5
»^d^oA oa^o;s2 Sksp e2 .oais^^^2 l^p Av^.y) .^AvoA o\t .;s2
033 Uac? .Jsov'ta\t*me 2ak,<.^a uoeS.^ ^ ^as 1^2 .a\^ ^
L.^3 ;sS^23 mot 3u3 .^ M>>'>«>2 Za.»oi«3 Z.aa.a2 .«\^oA
o^^^2 Z<Ma«A^ As 2eoT Z^ -a^.^ 1^ v^^ Ou3X:&JS2 x^p
2.Juuo JBXi>x^\.jal3p *^aibi .lu\.xo la'LsS xA ,A..<o>aao lo
.efi«.2 l^ L»^\^e .o\au.;s2o 02^32 o« ^«a Upoo^ o\-i,top
.^isie *.L1^^2 ^\^;s >\,^>»p .>^o'ol,\t .\y,v) l3,«^.ap u.oT ^2
>^^a^ 2l\ac3ap ^l ^oio .jc^mO >^1 ct^s^^^slxJS w.ecre
M.o7e«^A^ luoou. ^^xou.? la>\ao3 "^.,«'aa,*vi3 aAjoe . >..\.y> 1^
^jcSa^^o laAaap Lxspo .^yJOJa) ^„i.Z^3m Ij6sAjo .^^isJLa 15
ZA.taa . opoip ^^.^.^au* Ippu^p Z^ xx ;zi^ Z.«.3la .opt.^p
,.^o]j .i\iol^ ou^aMSoJ^ L&2 jQ>^or 2pc7 oA p^ .^^^M^a^ssao 1^
;saw»2 ^^9■ i^2 .eeo" ^^^.aautis^ ZjI?? liijcx^ •ep.32p la'isA
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— 2H(i —
prozessieren. Eben tleslialb gab Unser Herr, abjjcsehen vun cicr be-
sonderen Gnadengabe, die er seinen Glaiibiji;cn verlieh, vielcn von ihnen
auch noch eine solche Erleuchtung unci Einsiclit, welche sic in den Stand
setzte, auf Grund der Erforschnng der Wahrheit gerechte Gerichtsurteile
5 zu fallen, so daB die Christen nicht befugt sind, wenn sie einen Rechts-
streit untereinander haben, ihn vor einem auHerhalb der Kirche slehenden
Richter anhangig zu machen. Deutlich belehrt uns der hi. Paulus, in-
dem er spricht (I. Kor. 6, 1): Erfrecht sich irgend jemand von euch,
wenn er einen Rechtsstreit mit einem anderen hat, den Prozeli zu fiihren
10 vor den Frevlern und nicht vor den Heiligen?
DaB es aber auch noch anderc Manner von hervorragenden Gaben
in iler Kirche gegeben iiat, welche ahnliche Erieuchtung und Einsicht
voni Heiligen Oeist empfangen haben, konnen vvir aus folgendem Worte
des hi. Paulus (1. Kor. 12,8) lernen: Dem anderen das Wort der
15 Weisheit durch denselben Geist , was Theodorus (von Mopsueste), der
hiterpret der gottlichen Biicher, mit folgenden Worten erklart: -Das
Wort der Weisheit war ein Geschenk der Giite (Gottes), welches den
Menschen verleiht sich auszuzeichnen in der Kenntnis menschlicher
Weisheit, wie z. B. wenn sie die Aufgabe haben nachzudenken uber
20 irgendwelche Dinge, wenn sie jemand brauchen, der imstande sei weise
zu raten, oder wenn sie einen Richter (wortlich: Horer) fiir zwei urn
eine Sache streitende Parteien brauchen, oder wenn sie nachdachten iiber
natiirliche Dinge oder wenn sie andere unterrichten wollten. In alien
diesen und ahnlichen Dingen, welche von menschlicher Weisheit ab-
25 hangig sind, befiihigte diese Gabe (das Wort der Weisheit) zu ausge-
zeichneten Leistungen. Salomo hatte sie erhalten, wurde als Richter und
weiser Ratgeber beriihmt, so daB seine Lehren (noch jetzt) schriftlich
iiberliefert werden.
Solche Menschen hat es damals in den Tagen der Apostel gegeben.
30 Sie entschieden vorkommende Prozesse, und wahrend langer Zeit ist
durch sie das Richteramt in der Kirche gefiihrt und iiberliefert worden.
Von ihnen haben wir, eine Generation nach der andern, auch dasjenige
Recht empfangen, welches heutigen Tags als Uberlieferung unter uns ge-
handhabt wird.
35 [Von Gebrauchen der Kirche, die ebenso wie die biirger-
lichen Oesetze nicht schriftlich iiberliefert sind.]
Wenn jemand diese Ansicht fiir eine Neuerung ansehen sollte,
so moge er wissen, daB auBer den weltlichen Gesetzen auch noch viele
andere Dinge in der kirchlichen Praxis gehandhabt werden, die nicht
40 in deutlicher Weise auf Befehle oder Schriften von Propheten und Aposteln
zuriickgefiihrt werilen konnen, sondern die wir lediglich auf Grund der
3 10
— 2B1 —
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.^^xx Z\.x.t\.xiiop i^l 2mAjC3 ^ou3^ ^2 1^2 -peuA-s
^ ^■kt.^SwAj e2 ;j'\Bft*V.n ^^^^^Ld 200* l^p '.^.xao^Jt-ao
» 1. 111?. » Zu tilgen. ' add. 6j^3.
25
von uns iibeniommenen Tradition in jreliiihrcnder Weise ziir Ausfiilirung
bringen, wolil vvisscnd, daR diejenigen, welchc diese Dinge zuerst an-
genommen und eingerichtet haben, niclit ungebiidete Menschen waren,
sondern solche, welche sie diirch die Eingebung des Heiligen Geistes
5 erhalten batten. Zum Beweise dessen erwahne ich das Folgende. Wenn
Christen sterben, werden sie durch Oebet und Oottesdienst geeiirt. Das
steht in keinem Bucii. Wir wissen aber, daU dies nicht ein ungebildeter
Mensch oder ein Mensch aus seijiem eigenen Ochirn erfunden hat,
sondern daB dieser Usus durch die Oberlieferung solcher Manner, welche
10 durch den Geist Gottes das Ziel der Heilsordnung Unseres Herrn er-
kannt batten, auf uns kommt. Obwohi dieser Branch in der Lehre
Unseres Herrn und der Apostel nicht verzeichnet ist, so wissen wir
doch, daB dasjenige, was die Kirche beobachtet und was bis auf unsere
Zeit iiberh'efert wird, ein schoner Branch und keineswegs eine Neuerung,
15 ein willkiirliches Produkt menschhcher Erwagung ist.
Dasselbe gilt von unserer Taufordnung, von dem Stehen auf einem
Sack (s. Anm.), von dem Unbekleidetsein nackt und barfuB, von dem Ans-
strecken der Hande, von dem Kniebeugen und von anderen Dingen mehr.
Es ist uns niciit schrifthch vorgeschricben diese Brauche auszuiiben, daher
20 der Kommentator (Theodorus) spricht: Dies ist eine Tradition, die von
friiheren Menschen auf uns gekommen ist, daB wir gegeniiber den-
jenigen, welche zur heiligen Taufe herankomnien, also verfahren.
Ober die Ehrung der Verstorbenen und die Taufordnung werden
wir durch Dionysius, den Diakon und Priester, der zur Zeit der Apostel
25 lebte (s. Anm.), unterrichtet, indem er nicht nach eigener Erfindung redete,
sondern schrieb, daB auf diese Weise die Dinge gegangen und bis zu
ihm iiberliefert worden seien. Es gibt aber auch noch viele andere
Dinge, die, obwohi nicht schriftlich von den Vorfahren uns uberliefert,
in der Praxis von ihnen bis auf uns gekommen sind.
30 [Berufung auf Vorgange im Neuen Testament.]
Die Darlegung nun habe ich gegeben, damit man nicht die von
mir vorgetragene Lehre fiir eine Neuerung halte, namlich die Lehre, daB
die weltlichen Gesetze, die jetzt in der Kirche gelten, wenn sie uns audi
— 2H3 —
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I. .>.oA. 1 3o:njq};\.
— -i-.w —
niclit scliriftlicli iibcrlicfcrt siiui, ilcnnnch von iinscrn Vorfahren gej^eben
iind iibcrliefert worden iiiul so von finer Generation zur anderen bis
aiif uns gci<omnien sind. Man i<ann tientlich aus den heiligen Schriften
erkenncn (iniiern wir aus ilinen lernen), was Simeon Kaphas fiir eine Offen-
barung in betreff des Ananias und der Schappira erhielt (Aposteigesch.
5, Iff.), und wie der hi. Stephanus und seine Oenossen erwahlt und speziell
niit der Schliclitung von Differenzen zwischen Griechen und Juden in
betreff der Versorgung der Witwen beauftragt warden (Apostelgesch. 6, 1)
und wie sie mit Hilfe der Gabe (Gottes) und der Gijte des Heiligen
Geistes dies Amt im Sinne der Wahriieit verwalteten. Es wurden ihnen
mancherlei Rechtsfragen vorgelegt, welche sie mit derWeisheit desHeihgen
Geistes zu priifen und zu entscheiden wuCten.
[SchliiBbemerkiing von derlokalen Verschiedenheit der Qesetze.]
In solcher Weise ist nun die Oberlieferung der Gesetze auf uns
15 gekommen. Freilich ist zu beachten, daB hier und da die Gesetze bei
einzelnen Personen und zu einzehien Zeiten nach den Meinungen und
Ansichten einiger von den Leitern der Kirche verschieden gehandhabt
werden und auch in der Praxis differieren. Indessen die Tatsache,
dafi man an einem Orte anders richtet als an einem anderen, ist nicht
20 sehr auffallend und widerlegt niclit, was wir gesagt haben, denn auch
die Ordnungen des Gottesdienstes, die in der Kirche iiberliefert werden,
von deneii doch niemand meinen oder behaupten kann, da(5 sie nicht
von den Aposteln kraft der Gnade des Heiligen Geistes eingerichtet
worden seien, weisen ebenfalls iiier und da mancherlei ahnJiche Ver-
25 schiedenheiten auf. Wenn daher die Gesetze eine ahnliche Verschiedenheit
zeigen, so hat das nicht niehr zu bedeuten als die Verschiedenheit in
den iibrigen Dingen.
Ich habe nun iiber diesen Gegenstand meine Ansicht ausgesprochen
und niedergeschrieben. Wenn aber ein anderer etwas Neues, von meiner
30 Ansicht Verschiedenes oder etwas Besseres dariiber zu schreiben und zu
lehren vermag, so habe ich nichts dawider.
Anfang der samtlichen Gesetze.
(s. Aiiin.)
§1-
35 Du fragst (ira/-///f/?: iiber das, was du geschrieben hast), woher
man wissen kann, dafi, wenn ein Mann kinderlos stirbt, aber eine Witwe
und einen Bruder hinterlaBt, seine Habe seiner Frau, nicht seinem Bruder
gebiihrt.
Ich erwidere dir das Folgende': Gott der Allmachtige hat von
40 Anfang an das Weib wie zur Hilfe des Mannes geschaffen, und nicht
bloli zur Helferin, sondern zu einer Helferin gleich ihm selbst, und liat
Weib und Mann zu einem Fleisch gemacht. Deshalb verlafit der Mann
Vater und Mutter und hangt seinem Weibe an und beide werden ein
Fleisch. Nach dem Worte der Bibel ist das Weib fiir den Mann ge-
45 schaffen (Gen. 2, 20—24), der Bruder aber nicht fiir den Bruder. Mann
' Anstatt Ich erwidere das Folgende wortlich: sage ich.
— 2H5 —
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^Ip laoa .CIS 2eor pcuiAa U>^oi ■^ap-so L.jAouX 0;.^ 2eo7
.^3J3o2 is.a3p2p l33J( Uc \x ^p U2 .200" lasjip ^lavs
3u.N^ e2 lie- ^ soL^ ^Pm. 3.3k»p xi2 X..2 ^p ^2 .iooiso
^eo;X^3 L..30X .U2 23m^» Z^ .o^Aaa^e -^^-■^s,^^ wft^Suo
§ 1. ^aa&i SlA 23aLX p liw.pu. Is^l ^p ^s.^^^p w.cr \x v 2 :■ Xi^ip 20
.uapf o'^^al^ vi\,\n .ci^ ^^ Uuo o^ ^^2 U>2e 2Ni^2e
\akae 2o;^2 Usoa Jap ;,s2 X3o2 2pc' .^oraA.!^ 2eci ;i^e
.1a33l^>» pOuAa 2ec- l^e .o'sa 2x311 p lispoA^p ^2 2;^>a2
Ug:\\.'o.c'30LX 23ad pl^ ijoa p^e .c^aA2p Usp^a^ao i^2
.9■^^Jl^ Af> le .opolAo ^couszA 2^.n.\ ■Oc>.i.t.\ aA 25
A\.i9 2^^i2 L^^^ ^A^ ^2e .aj03 p>.M ^oo^s«s >^eeoMo
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pCb.A.3 209* L^e . . .\ ,t3 23L.aOOu^ ♦,OOVd...*>3 ^X22o 23w3Ae
2i^isj2p au.u.£3e .. o9'».:^...2 2p3b~p 32 1^2 oo- 2oA.,p ♦ eqn..A.o
sa\abap .,*o-oi^2 2\.-i.i p * t \ Nftj; x..^^^ g^-.w.«.3 Jo«^ 30
1.
^2. ' I. ^iao23.
— 2Hfi
unci rrau hiklfii, solanj^c sic Icben, cine HausKcineinschaft. Nicht allein
ist ihrc Habe yemeinsam, sondcrn sic gelioren auch cinander gegenseitig an.
Ferner stelit die Habe der Frau, solange sie lebt, unter der Ver-
fiigung ihrcs Mannes. Es ware dalier ein offenbares Unrecht, wenn,
5 wahreiul die ganze Habe der Frau ilirem Oemahl, solange cr lebt, gehort
und sie keine Vcrfiigung dariiber hat, wir nach dem Tode ihrcs Gemahls,
falls er keine Kinder hinterlaBt, nun einem ihr fremdcn Manne ihrc Habe
iiberantworten vviirden. Wenn man auHerdem die Sache genau betrachtet,
so (Liickc) — abgesehen davon, ilali sie zur Zeit ihres Sterbens voll-
10 standige Verfiigung hat iiber ihre Habe. Denn wenn er nicht soviel
besitzt, als fiir den Unteriiait seiner Frau unci Kinder ausreicht, darf er
(unter keinen Unistanden), wcdcr ini Leben noch im Sterben einem
anderen Menschen tien LInterhalt gewahren.
Und dies gilt nicht von einem Bruder. Denn wenn sich z. B. der
15 Bruder A iiber den Bruder B beklagt, daB er ihrn nicht seinen Lebens-
unterhalt gebe, zwingen wir ihn nicht durch Oerichtsbeschhil), ihm das,
was er braucht, zu geben. Der Mann ist zu jeder Zeit verpfhclitet, seiner
Frau den Lebensunterhalt zu gewahren, und die Frau ist, solange sie
lebt, verpfiichtet ihrem Oemahl zu dienen und untertanig zu sein. Lernen
20 wir doch aus der Wirklichkeit, daH Mann und Frau eine Hausgemeinschaft
und eine Familie bilden, wahrend Bruder nicht dieselbe Hausgemeinschaft
und Familie bilden. Deshalb gebiihrt die Habe eines Mannes, der kinderlos
stirbt, aber (seine Frau und) Briider hinterlal5t, als Erbschaft seiner Frau
und nicht seinen Briidern.
25 § 2 (5. Anm.).
Du fragst: Wenn die Tochter eines Mannes sich zu seinen Leb-
zeiteii verheiratet und ihr Vater ihr etwas von seinem Vermogen ab-
sondert und gibt, und wenn dann ihr Vater testamentlos stirbt, erbt
diese Tochter neben den iibrigen Erben einen Teil seines Nachlasses
30 Oder nicht?
Ich antworte darauf das Folgende: Wenn die Tochter bereits ver-
heiratet ist und im Oehorsam gegen ihren Oemahl ihren Vater verlassen
hat, hat sie keinen Anteil an der Erbschaft ihres Vaters, auBer in dem
Fall, wenn ihr Vater zu seinen Lebzeiten mit ihrem Oemahl den Pakt
35 geschlossen hat, dafJ er ihr etwas geben will, und dann wegen dieses
Paktes zwischen ihrem Vater und ihrem Oemahl ihr ein (Verm6gens)teil
zufallt. Das weiB jedermann und bedarf keiner langen Auseinandersetzung.
§ 3 (s. Anm).
Du fragst: Darf ein Mann, wenn er stirbt, seine Frau deshalb von
seiner Habe ausschlieBen, weil sie sich etwa vvieder verheiratet?
Ich antworte darauf das Folgende: Der Mann ist berechtigt iiber
seine Habe zu vcrfiigcn. Iiuiessen es ist in dieser Welt Sitte und Oesetz,
daB ein Mann, wenn er stirbt, seine Frau nicht unversorgt lassen darf.
— 237 —
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§2. Ve?* o-olsI w.d..«a I^^aj pj^p i\s>\^p ^'a \^ ■:■ a v ^otomA
^d.p ^3^o oA joue 2i>» jca.^ cixoA ^ o-oiale : IxsA^
lasjc '21^ 2Xaa ^'cr .'jais^p pwOi^ A p^a >3^ :2;sx3 ^'cp I3I
2pc .A e2 .(roa2p 1i«j,J3 ,^ oA Uoc' 2^a.as .2^o•^^u.p 20
2^flLiin>.*\\..vme 2x3.1^ isoc ep^ ^3^ 2^.^ap .li2 '^i
aUO ^O-Q^,...^ .C'Ou32 >.2 A2 .iuxLS 0-Ol02 >Ji0 6;A.X33
(ra32p w.Oli^ \\^ .^s^jo "ap^se oA ^is-&p ^oa;s ovma
2^.0L5^oa ppb» .cra32p ^e^^xo A2 .<a» oA l«\.ao ouo-xp
1 i..fvj A^ .l.a<^ra Ae . ' AV xj2 \^^ A^e .oA nA 23
§3. .y At •'ia\v, .^ aoxi 2S.t\ a^s w.o' A^ : A . 21AjC}
.Ux»2 2'vt\^ 2eo7p ^07 2^Aaa .Ci.ua yjx> d^i>^L toSXip
I'oX^i ?xj .,\..V,T 07 \,\ n A_^ 2aL3A p .li2 ia»2 2po"
ci^.a.se .OV3 2% Tip .2p3e Pu^im2 ijCDOuaaae 2pk_.x Lac
■ Lucke. - I. CU^^XJO ^ I- oA^>3A
* I. 2;so'x,3 I- 23cre.
— 238 —
und wenn er bestimmf (durch Testament), daf> etwas von seiner Habe
auf froninie Zwecke oder andere Dinjje (wdrtlich: an anderen Tiiren) ver-
wendet werden soil, so ist das nur dann rechtsgiiltig, wenn er vorher
entsprechend der Hohe seines Vermogens einen geniigenden Unterhalt
5 fiir seine Frau abgesondert und ihr veriiehen hat.
Ich aber fuge eine Bestimmung hinzu, die noch wichtiger ist. Ge-
sclnveige denn, daf5 dasjenige geschehe, was deine Heiligkeit geschrieben
hat, dal5 namlich ein Mann, damit seine Witwe nicht wieder heirate, sie
von seiner Habe ausschlie(5en diirfe, behaupte ich vielmehr der Wahrheit
10 gemaB, daB sie Teilhaberin an seiner ganzen Habe ist, weil Ehebruch
und Unzucht von der Kirche ausgeschlossen sind und eine zweite Ehe
von dem Apostel Paulus (Romer 7,3; l.Kor. 7, 39) erlaubt wird. WeiB
ich doch, wie oft eine Frau, wenn sie nicht die notigen Existenzmittei
hat, urn sich zu verheiraten, unter der Kraft natiirlicher Reize der Unzucht
15 verfallt, was das gottliche Gesetz verabscheut. Deshalb bin ich derAnsicht,
daB der Mann, wenn er seiner Witwe nicht den ganzen Anteil eines
Erben geben will, ihr unter alien Umstanden entsprechend seinen Ver-
mogensverhaltnissen einen solchen Anteil geben soil, deres ihrermoglicht,
sich wieder zu verheiraten, sonst wiirde er ein offenbares Unrecht be-
20 gehen und fur sie der AnlaB von Ehebruch und Unzucht werden, was
in fruheren Zeiten gelegentlich vorgekommen ist. Wie wir der Witwe
das Recht auf Lebensunterhalt zuerkennen, ebenso gewahren wir ihr
diejenigen Existenzmittei (aus dem NachlaB ihres Mannes), welche sie in
den Stand setzen, sich, wenn sie will, wieder zu verheiraten, damit nicht
25 infolge von Armut Hurerei, Ehebruch und Unreinheit aller Art in die
Kirche eindringe. Die Heiden pflegen fiber diesen Gegenstand kein
Gesetz zu machen, denn bei ihnen wird das ehebrecherische und hurerische
Weib nicht verabscheut. In der Kirche des Messias aber, die von Ehe-
bruch und Hurerei absolut nichts wissen will, darf man die Frau (die
30 Witwe) des Geldes, das zur Erreichung dieses Zweckes dient, nicht be-
rauben.
§ 4 (s. Anm).
Du fragst: Wenn ein Christ mit seiner Frau Gutergemeinschaft
mit Bezug auf sein gegenwartiges und zukunftiges Vermogen macht oder
35 wenn eine solche Gutergemeinschaft zwischen ihnen nicht existiert, be-
kommt die Frau einen groBeren oder kieineren Teil von dem Vermogen
ihres Gemahls (nach seinem Tode) oder nicht?
Ich antworte darauf das Folgende: Ein Mann, der nicht in Guter-
gemeinschaft mit seiner Frau lebt, ihr aber (durch sein Testament) einen
40 solchen Teil von seinem Vermogen zuwendet, der sie nach dem Urteil der
Kirche in den Stand setzt, davon zu leben, auch soviel als es ihr ermoglicht
sich, wenn sie will, wieder zu verheiraten, ist berechtigt, also zu verfahren,
und nicht verpflichtet, ihr den voUen Anteil (eines Erben) zuzuwenden.
— 289 —
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— 240 —
Wenn cr dafrejjeii ilcii Vfitra}; vollstaiuliKcr (jiiterj(emeinschaft
mit ihr jjesclilossen liat, darf er nicht anders als jjcmali den Fk-stimmungcn
dieses Vertrages ihr gegeniiber verfahren.
§ 5 (5. Anm.).
5 Du fragst: Ein Mann hat Frau und Sohne. Seine Tochter haben
sich zu seinen Lebzeiten verheiratet. Von seinen Sohnen haben einige
Frau und Kinder, andere nicht. Darauf werden nun der Mann sowie seine
verheirateten und unverheirateten Sohne im Kriege oder auf Befehi des
Konigs getotet. Bei<ommen dann die (Frauen und die Kinder) dieser
10 Sohne einen Teii auch von dem Vermogen ihres Vaters oder nicht?
Ich antworte darauf das Folgende: Wenn die verheirateten Sohne
vor ihrem Vater sterben, geht das Erbteii der Sohne auf ihre Kinder iiber.
Wenn sie aber zugleich mit dem Vater sterben oder nach ihm,
aber nicht so iange nacli ihm, daB in einem solchen Zeitraum sie die
15 Erbschaft ihres Vaters hatten antreten konnen, so ist evident, daB sie
ihren Vater nicht beerben. Und da sie ihren Vater nicht beerben, kann
auch ihr Erbe nicht auf einen anderen (ihre Kinder) iibergehen. Viel-
'mehr gebiihrt in dem Falle die eine Halfte des Nachlasses der Witwe
des Erblassers, die andere den Kindern und Frauen der Sohne.
20 In betreff der Tochter des Erblassers soli also verfahren werden,
wie ich oben (in § 2) angegeben habe, daB sie namlich, wenn sie bereits
verheiratet sind, keinen Teil und keine Teilhaberschaft an dem NachlaB
ihres Vaters haben, es sei denn, daB ihr Vater mit ihnen (bei der Ver-
heiratung) einen Vertrag geschlossen oder sterbend ihnen etwas ver-
25 macht hat.
§ 6 {5. Anm.).
Du fragst: Wenn ein Mann zu seinen Lebzeiten sein Vermogen
unter seine Kinder verteilt und nun einer von ihnen zu Lebzeiten des
Vaters ohne Hinterlassung von Frau und Kindern stirbt, wem falH dann
30 der Vermogensanteil, den der Verstorbene bekommen hatte, zu?
Ich erwidere darauf das Folgende: Wenn einer von mehreren Briidern
zu Lebzeiten des Vaters stirbt, so fallt alles, was er hat, sowohl dasjenige,
was er vom Erbe seines Vaters bekommen, wie dasjenige, was er dutch
eigene Arbeit erworben hat, seinem Vater zu.
35 § 7 (5. Anm.).
Du fragst: Wenn ein Mann seine Frau zur Teilhaberin an seiner
Habe macht und mit ihr Kinder zeugt; wenn diese Frau stirbt und der
Mann darauf eine (zweite) Frau heiratet, auch mit dieser Kinder zeugt
und dann stirbt, ohne ein Testament gemacht zu haben, wie soil in dem
— 241 —
5 3.
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§7. ^^oxi 23aLi. p^p W.O- \x V * :- l\jio m070loiA .o^.T.v.a
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1^01 \x Ij^p wO o '^..'o.N ^p< ^p^orp ^ L.«,Mioo iJ^aj
> Von 1—1 I. Uis ^OliojA > 00;^ ^^2p l!i3o lic'i-
' add. ^XX ^3. ' add. ^3. > I. 3m..
Sacbau, Syrische Rechtsbucher III. lb
25
— 24-_' —
Falle der Nachlah cies Mamies iiber die Kinder der Frau, welche die Teil-
liaberin an seiner Habe war, iind die Kinder der anderen Frau verteilt
werden?
Diese Frage, scheint mir, miili man in folgender Weise entscheiden:
5 Es soli die Urkimde, die der Mann mit seiner ersten Frau (verfafit und)
untersiegeJt hat, zur Stelle gebraclit und gepruft werden, damit man er-
sieiit, welciier Art ihre Teiihaberschaft an seinem Vermogen war. Wenn
er in folgender Weise gesciirieben hat: An der Habe, die mir waiirend
meiner Lebenszeit zufiillt, seid ihr, du und die Kinder, die du mir ge-
10 barst, meine Teilhaber<, in dem Falle geht ihre Habe und ihr Anteil,
wenn sie zu Lebzeiten ihres Oemahls stirbt, auf ihren Gemahl iiber,
und die Kinder der Frau ohne Teiihaberschaft und die Kinder der Frau
mit Teiihaberschaft teilen nach dem Tode ihres Vaters seinen Nachlal5
unter sich zu gleichen Teilen.
15 Enthalt dagegen der Vertrag andere Bestimmungen, so muB denen
gemaB entschieden werden.
§ 8 (s. Anm.).
Du fragst: Wenn ein Mann Mutter und Schvvestern hat; wenn
seine Mutter (nach dem Tode seines Vaters) sich wieder verheiratet hat,
20 wenn einige seiner Schwestern verheiratet und andere (unverheiratete) noch
am Leben sind, wem gehort dann, wenn dieser Mann stirbt, sein NachlaB?
Diese Frage muB in folgender Weise entschieden werden: Der
NachlaB eines Mannes, der weder Frau, Kinder noch Briider, wohl aber
seine Mutter und Schwestern liinterlaBt, gebiihrt nicht seinen Schwestern,
25 sondern seiner Mutter.
§ 9 (5. Aim.).
Du fragst: Wenn ein Mann viel Vermogen hat, ferner arme Briider
und Schwestern sowie eine Frau; wenn er ohne Testament stirbt und
nun seine Frau aus eigenem Antriebe sowie auch auf Zureden der Kirche
30 diesen armen Lenten nichts geben will, in welcher Weise soil dann diese
Sache geregelt werden ?
Ich erwidere darauf das Folgende: Man kann nichts tun als im
Interesse der Armen in ratender und ermahnender Weise mit ihr sprechen.
Es ist unmoglich in irgendeiner Weise ein richterliches Urteil gegen sie
35 zu fallen.
§ 10 (s. Anm.).
Ober den Fall, wenn ein Mann zu seinem Vater spricht: »Teiie deine
Habe auf und gib mir den Teil, der mir aus deinem Hause zukommt ,
bestimme ich wie folgt:
40 Der Vater ist, solange er lebt, berechtigt, dem Sohne die Heraus-
gabe seines Erbteils zu verweigern. Wenn er aber einen unmiindigen
Oder verkriippelten Sohn hat, der auBer von dem vaterlichen Vermogen
nicht leben kann, ist er verpflichtet ihn von seiner Habe erben zu lassen.
§ U {s. Anm.).
45 Uber die Frage, ob ein Kleriker berechtigt ist, seine Sklavin zu
heiraten, und ob, falls er sie heiratet und mit ihr Sohne zeugt, diese zur
Ehre des Dienstes der Kirche in den verschiedenen Graden zugelassen
werden diirfen, antworte ich wie folgt:
— 248 —
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.2a.^3A. Li3m.2 U» ^oa;s v2e >.^ecoa2p : n..o ,^\ \ Sl aa
§8. b»o' \a. V y>. : «\^aaAo .nualtSLN ^p^ Li^o- puiv^p lttd2
2^1ix«.au.. yxs. iielo : o]^ ^2 ^eL.2e 1»2 2i3A^ p^^p ^J^op lo
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§ Q. :^.^iop ^br .\^ -:- wV^ :■ ^p9 cpel^ i^2 .9f^<L.Z^ 2eoT iS
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oj.i.^^ c^Xi2o :>«I^ l.d2^p lApo : o;^ ;s^2 2>«isa2o
• Ua^ 1^ J^x^a!^ 7)P>M X v.3.o,ao *o^6iS 2;^pu^p loA-aouse
i^ ^Ip .1x1 ao!)2 Uaoi .2^00^ 2po- jCxix^^^^P Jopi <^2
2>^eLL.i\ 3.300 l3>\3op 1J.JV3 >aio^p vOgrJ^o.i.'v.fiXiVa A yiV)
ovA^ bQjo^Jtt^ lXi.pe lojo.^ ..^* ^ p^a 2^2 .oA 3.3o2;sj 20
§10. w.craL3l^ 3Jo2 23lIl\, pop ^o^.op w.ct \.^ -: », -: Jopi 1^
3^302 Ijoc «,^.o ^ A l^»p 2^mU0 .a jce ^.^o .,\N»^p
.2Xuo .^Xi 1^3 o>^ \ -^^^ w.cciL.^3p 1532 Uo* evp .1&2
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§ 11. joev\,a ^ ^^V \'^''f N^? •^'^ ^■^ ■'■■ ^ -' gi ^ ■ ^ P >^
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25
I. U^JiHsp. ' I. aJOi. Oder ^pj.^. > I. tl«a.
16*
— 244 —
Eiii Klerikcr ciarf luir claim seine Sklavin lieiraten, wenn er ihr
vorher die Freiiicit gej^eben hat. Denn solange sie niciit freigeiassen ist,
ist sein Vcrkelir niit iiir Hiirerei. Wemi er sie aber dem Gesetze gemali
zur Frail nimnit, ist sie nicht mehr seine Sklavin, sintemal sie seine Frau ist.
Uber die andere Frage, ob tier von einer Sklavin Oeborene in die
Kirche (den Kleriis) aufgenomnien vverden darf, antworte ich wiefolgt:
Kein Sklavc darf in irgendeine Klasse der Kirche aufgenommen werden,
wenn ihiii sein Herr nicht die Urkunde seiner Freilassung gibt. Auch
in der Synode der Viiter-Bischofe ist also geschrieben. Wenn dagegen
ein Sklave von seinein Herrn gemafi dem in der Kirche gebrauchlichen
Usus die Freiheit erhalten hat, dann soil ihn der Bischof gemali seiner
Bildung, seiner Begabung und seinem Benehmen neben anderen durch
die Aufnahme in den Klerus ehren.
Man soil aber diesen Grundsatz nicht zum Gesetz erheben, well
nicht ijberall und nicht gegeniiber jeder Person danach verfahren wird.
DaB aber ein Sklave auf keine Weise in die Kirche (den Klerus) auf-
genommen werden darf, ist von unsercn Vorfahreii bestimmt worden.
§ 12 (vgl. § 22).
Du fragst: Wenn ein Mann rechtmaBige Frau und Kinder hat,
20 dann die Frau stirbt und er nun mit seiner Sklavin Kinder zeugt; wenn
dann der Mann testamentlos stirbt und nun die Kinder der Sklavin mit
den Kindern der freien Frau um die Habe ihres Vaters streiten, wie soil
man in dem Falle verfahren?
Man muB in folgender Weise entscheiden: Die Kinder der Sklavin
25 konnen in keiner Weise den Kindern der freien Frau gleichgestellt werden.
Das sagt die Bibel deutlich, und der selige Theodorus fiihrt im Kommentar
des Romerbriefes zu dem Verse (Rom. 9,8): Nicht sind die Kinder des
Fleisches die Kinder Gottes aus, daB dies in der Welt nicht allein inmier
so gewesen ist, sondern (auch) daB das von der Sklavin geborene Kind,
30 solange ihm nicht sein Herr den Freibrief gegeben hat, ein vollkommener
Sklave ist (Partus sequitur ventrem).
§ 13 (s. Anin.).
Uber die Frage, wie Sohiie und Tochter die Erbschaft ihres Vaters
teilen sollen, sage ich der Wahrheit gemaB:
35 Der Tochter kommt von ihrem Vater die Halfte eines Erbteils zu.
Denn wenn auch die Bibel sich iiber diesen Oegenstand nicht ausdriicklich
ausspricht, so ist doch klar, daB iiberall in ihr die Sohne die Erben
ihrer Viiter sind, nicht die Tochter. Weil den Sohnen der Besitz von
ihrem Vater ganz besonders auf dem Wege der Vererbung zu-
4(1 kommt, bekommt der Sohn einen ganzen Teil, die Tochter einen halben
fiir ihren Haushait, ihre Nahrung und Kleidung.
— 245 —
oT^^al >I civaol 2.00" 1^ >^^->^ -^i^ \jos lic'ip aAooou
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l^Lx ;a.^p : eLcLjOwa lA ofA ^p4 o'Susepe o^^s^ojuoe
Aaoo <^ep \^>j 2oo- Ap \\.» J3P9 A 3^J:)kaaA l-ttJoAo
^ au»3 oa- 2p^3L^p \ap 2pcr s'^a .^oio^s^l Ijao- I3e^a>a >o
§12. ^^:.Oft»A 1^130 2;S^i2 23,.aL\ p^ap ^AXJCp W.07 A^ : ou
^u :aLX 2^002 jaep Lose .;sl:b X^^^p Ap 23.3,V .^a^je
.p.a\aixS JO?^ >^^2 .^Sw^ioo vP^A-32p >,.v>v.n A^ 2^3 1^ is
:;\,\<>.. .2;\3Z«. ^X3 "a^ 2^^2p Uup wQo'VYiN jc3pi Xx^oi
jbe3op2^ Ivsa^^o .'yiol x^u\\, laXae .^pcfS isJ^ !sp^
ba\i>^ ocrp lAt<x3L3 .Looecra ^a^p 2^3lX2p Z-CLSOuSuS
'?'n\\-io .2ou,.» 2oA2p da v^oo^;!^2 23ocajp ll!i3 2e9' Ap
^2 .pA«:^» >^\»2 ^»p ec- 1^2 .Iph Uaor pcuAa loa^ A 20
^o<eiv^2 2p>TLa>, 1A2 .4e3X«.p Z^iv^ ovA Jso;^^ orsuao pua «^2
§13. ^ecnoci2p 2^ke^x> 2SLjao Uiap <*ir \^ ■:■ >X» : .2x3^x^0
.^oaop l\Xa 0^002 ^ 2^3aAe .Ldp«3 1a2 x»2 .^X\a o^2
xA Ijxs Lio^ \^ ^.«2;s^;)w L3X.3>j ^2p >V.\.» . l^\.ao
^e^a>_ ^'i.j»l zJj.o <^ep>.^3i.3p w.ot ZwA^A, 1A2 ■><.«> g'aa 25
*\<\ii . ofTojl ^p \ y.'tso ..^JCs 200* Ae >^eoT » eov(7p2p
^^.^.aaxso ^ise ^p . aX pw3 .>eaA ly.**) 2^e«si.k3 -^\o3N.'aa3
ovoaaoL^p ^2 .2Xuop l\\5 A-i^c^ 2>.k3A .ZaouX^ 23^:3^
Xxi 3.%^ Uac7 2Z\.a£]ap ^2 2po7 ^nao .9;soaAe cujoao^e
?..\.»p ^si»p w.^»aji:ao A U^itl Su^p oo;a2p .2xi.^JO.aap 30
' 1. oo' . 23. M. }^1 St. .2 A. =■ I. laa^^op.
— 24() —
Jeclocli nach nieiner Ansiclit ist in dieser Angelegenlieit die vor-
herrschcnde Praxis die folgende: In dem Falle, dali das Vermogen (der
Naclilali des Vaters) nicht so reichlich ist, daPj der Tochteraiiteii fiir ilire
Ernalirurifi: und Kleidiing sowie fiir die Ausriistung fiir ihre Heirat aus-
reicht, liaben die Leiter der Kirche bestimmt, daR ihr noch etwas mehr
als ein Tochteraiiteii gegebeii wird. Und dies haben sie nicht ohne guten
Grund getan. Weil namlich die Kirche unter i<eincn Umstanden Hurerei
und Ehebruch gestattet (5. ,<^" 3), so haben sie, urn jeden Aniafi zii solchen
etwa aus Not liervorgehenden Dingen zu vermeiden, in rechtschaffener
und barmherziger Weise ein solches Gesetz aufgestellt.
§ 14 (s. Atim).
Du fragst: Ziemt es sich, dal5 dem erstgeborenen Sohne oder dem
verkriippelten oder dem, der Kleriker geworden ist, oder dem, der seinem
Bruder besondere Dienste erwiesen hat, ein groBerer Teil von der Erbschaft
15 seines Vaters gegeben werde als der einfache Sohnesanteil?
Ich antworte darauf das Folgcnde: Es ist mir in der Kirche nicht
bekannt geworden, daB man jemals dem Erstgeborenen einen groBeren
Teil als einen Sohnesanteil von der Erbschaft seines Vaters gegeben hat.
Der Kriippel dagegen, der nicht imstande ist fiir seinen Unterhalt
20 etwas zu verdienen, soil noch einen Zusatzanteil bekommen, falls er von
seinem Sohnesanteil nicht ieben kann.
§ 15 (s. Anm).
Du fragst: Wenn ein Mann stirbt und eine verheiratete Schwester,
seine Mutter und rechte Briider hinterlaBt, wem fallt dann seinNachlaB zu?
Ich bestimme wie folgt: In betreff der Schwester soil also verfahren
werden, daB die verheiratete Schwester keinen Teil von der Erbschaft
bekommt. Ein solcher Fall ist zwei-, dreimal vor uns gebracht worden.
Die friiheren Leiter der Kirche haben nicht diese Entscheidung getroffen,
wohl aber ist es in unseren Tagen geschehen, und in ihrem Sinne
haben wir entschieden, obwohl viel Streit dariiber war, und haben das
Gesetz aufgestellt, daB eine Schwester des Erblassers, die bereits ver-
heiratet ist, keinen Teil von seiner Erbschaft bekommt.
Mit deiner Frage, betreffend die Mutter, steht es so:
Die christliche Frau wird, sobald ihr Gemahl stirbt, der Familie
ihres Gemahls fremd, weil damit die Gemeinschaft zwischen ihr und
ihrem Gemahl gelost ist und die Christen eine Verwandtschaft durch die
Weiber nicht anerkennen, da ihnen Znverlassigkeit fehlt und ihr Zeugnis
vor Gericht nicht angenommen wird.
Deshaib uiieilen audi heidnischeRichter iiber diese Frage ingleichem
Sinne, daB namlich, wenn die Erbschaft des Vaters noch nicht iiber die
Briider verteilt ist und der einzelne von ihnen noch nicht von seinem
Teil Besitz ergriffen hat, und wenn dann ciner von ihnen stirbt, wo also
die Erbmasse noch ungeteilt ist, tlann, so sagen sie, die Erbschaft (des
verstorbenen Brudcrs) nicht seiner Mutter zufallt, sondern seinen Briidern.
Denn das Vermogen war bis daliin in der Familie und die Erbschaft
10
— 247 —
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§ 13. 2>«Me ^.iib 3.^ 2%t\ 3 ^J^^3 ^cr \^ ■:- o^ •:• oj!S 3a)^>s^p
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30
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* add. ;v.%i»..
— 24H —
noch ungeteilt im Gemeinbesitz aller Fainilienangehorigen. Die Frau aber
ist mit clem Moment cles Tocles ihres Oemahls der Familie ihres Oemahls
und der Gcmeinsdiaft mit ilim entfremdet.
Wenn dagcj^en die Erbscliaft sclioii vor langerer Zeit aufgeteilt
5 war, iiiui nun einer der Erben stirbt, wahrend seine Mutter noch lebt,
dann fallt seine ganze Habe seiner Mutter zu.
Zur Begriindung fiihren sie an, dali der Bruder aus der Gemeinschaft
der Bruder ausgetreten ist, das betreffende Verniogen daher nicht mehr
in der Familie, sondern sein personliciies Eigentum ist, und dal5 deshalb
10 seine Erbscliaft wegen der Verwandtschaft, so sagen sie, seiner Mutter
zufailen muB, weil seine Mutter ihm naher verwandt ist (als seine Briider).
In der Kirche dagegen scheint mir dies die vorherrschende Ansicht
zu sein, dalj, wenn ein Solin (dessen Vater nicht mehr lebt) stirbt, seine
Mutter und seine Bruder sich seine Habe zu gleichen Teilen teilen.
15 Wenn diese Frage bislier nicht so behandelt worden ist (wie ich
hier als Branch der Kirche empfehle), so wird das, was bisher gegolten
hat, auch noch weiter gelten, weil eine solche Rechtsfrage (nicht) durch
ein Urteil geregelt wird, sondern durch den Consensus.
§ 16 (5. Antn).
20 Wenn ein Mann oder eine Frau testamentlos stirbt nnd keinen
anderen Verwandten hinterlaBt als einen Vatersbruder oder Bruderssohn,
dann hat der Bruderssohn das groBere Anrecht auf die Erbschaft. ;
Wenn eine Frau stirbt und einen Sohnessohn oder einen Tochter-
sohn oder einen Bruder hinterlaBt (dagegen kein Testament), dann hat
25 der Sohnessohn das groBere Anrecht auf die Erbschaft.
§ 17 (5. Anm).
Wenn jemand (testamentlos) stirbt und einen Tochtersohn oder einen
Bruderssohn hinterlaBt, so hat sein Tochtersohn das groBere Anrecht auf
seine Erbschaft. Denn wenn auch in der Verwandtschaft mit dem Erb-
30 lasser beide gleich sind, so ist ihm dennoch der Tochtersohn wegen der
direkten Fortsetzung seines Geschlechts der nahere Verwandte (von den
beiden).
§ 18 (5. Anm.).
Der Fall, daB ein Mann stirbt und einen Sohn hinterlaBt, der einer
35 anderen Religion angehort, wird bisher in der Welt also behandelt, da6
man demjenigen, der vom Heidentum zu eineni anderen Glauben ubertritt,
keinen Teil von der Habe seines Vaters gibt.
Dasselbe bestimmte das Gesetz Mosis iiber die Gotzendiener und
verhangte (auBerdem) iiher sie die Todesstrafe (Deut. 17,2—5).
40 Wie man einem Menschen, dessen Vater einer (nichtchristlichen)
Religion angehort, wahrend er selbst das Christentum annimmt, keinen
Teil von der Erbschaft seines Vaters gibt, ebenso soil man auch dem Sohn
eines Mannes, dessen Vater Christ ist, wahrend der Sohn eine andere Re-
ligion angenommen hat, keinen Teil von der Habe seines Vaters geben.
45 Fiir diese Sache wiiBte ich keine andere Argumentation oder Analogic
beizubringen.
§ 19 (s. Anm.).
Wenn ein Mann stirbt und eine Frau sowie Kinder (uw/Z/V//: Sohiie),
die aber nicht von dieser Frau geboren sind, hinterlaBt, und alsdann,
50 bevor noch die Hinterlassenschaft des Mannes verteilt ist, auch die Frau
— 249 —
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' ^ zu tilgen. - add. loc 1^. -^ ^ zu tilgen.
— 250 -
stirbt, iirul /war ohiie ein Testament zu liinterlassen, claim (j^ilt folj^ende
Regel:) Weil die Frau, nacluiem ilir Oatte gestorben, der Familie ihres
Galien frenid geworden ist, und well dasjenige, was ihr zufallt, unter
ihrer Verfiigung steht, so wird, wenn sie selbst keine Kinder hat, diese
ihr von ilirem Oatten zugefaiiene Habe von ihren nachsten Verwandten
geerbt (nicht von den Kindern ihres verslorbenen Gatten).
§ 20 (5. Anm.).
In betreff des Falles, dalJ ein Mann sterbend seine unmiindigen
Kinder der Fiirsorge eines anderen Mannes (A) anvertraut, und dann
10 aiich dieser (A) stirbt und die Fiirsorge fiir die Kinder wieder einem
anderen Manne (B) anvertraut, bin ich der Ansiciit, da(5 die Sache in
dieser Weise von den Vorfaiiren gehandhabt worden ist und daB sie
ebenso gehandiiabt werden nuiB, da die Leiter (der Kirclie) die Ange-
legenheit der niinderjahrigen Kinder nicht auBer acht lassen, sondern
15 ihr bestandig ihre eifrige Aufmerksamkeit zuwcnden solien.
Ich sehe, daB dies auch in den Canones und Oesetzen des seligen
Cathohcus Jesujabh bestimtnt ist. Und in den Synodalakten der Vor-
fahren steht in betreff der Kieriker geschrieben, daB ein Kleriker nicht
das Geld von Menschen an sich nehnien und es zu Handel und Zins-
20 geschaft verwenden soil, ausgenommen auf speziellen Befehl des Bischofs
im Interesse der Habe von Waisen.
Wenn aber ein Mann sterbend die Fiirsorge fiir seine Kinder einem
anderen iibergibt und dieser sie wieder einem anderen iibergibt, so ist
dagegen von seiten der Canones der Kirche nichts einzuwenden. Indessen
25 die Leiter der Kirche soilen fiir sie achtgeben, damit die Habe der Waisen
und Unmiindigen nicht verstreut und vergeudet wird. Wenn der erste
Pfleger einen zweiten ernennt und auch dieser stirbt, dann solien die
Leiter der Kirche die Sache genau untersuchen. Wenn ein Blutsverwandter
der Unmiindigen vorhanden ist, soil er mit ihrer Fiirsorge betraut werden.
30 Wenn aber eine in jeder Weise geeignete Person (unter ihren Verwandten)
nicht vorhanden ist, dann muB (von seiten der Kirche) ein Pfleger fiir die
Unmiindigen und Waisen bestellt werden. Unter alien Umstanden soilen
die Leiter der Kirche sich Miihe geben, daB die Waisen und Unmiindigen
nicht ohne einen Pfleger und Fiirsorger belassen werden.
35 § 21 (s. Anm.).
Wenn ein Mann seinem Sohne etwas von seinem Vermogen gibt,
dieser ihm aber dariiber keinen Schuldschein ausstellt, ob in diesem Falle
der Sohn die Sache zu personlichem Eigentum erhalten hat oder ob er
nur den Zuwachs derselben erhalten hat, wahrend die Substanz Eigentum
40 des Vaters bleibt, laBt sich auf keinerlei Weise unterscheiden.
§ 22 (5. Anm.).
Wenn ein Mann stirbt und seine Mutter und einen Bruder oder
eine Schwester hinterlaBt, wenn er auBerdem nur Kinder von seiner
— 251 —
^oa^ .^ .oA^a i^^^ 3^ :^^:l2^ .\\.y> .Ix..^ l^x^s ' l^as
■ • • ^ • • •
§20. ^«j sla ^^olV. :■ ^ : M?^ 6;^ 3^xa 3u.;s^p eov^ "^Vyt
Zjcxisou^ ecT3 2%.n.\ eo- ^s^jo .vooi^ A ^ \ ao I^SmiI
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§21. ^^v& csoi^ CT^.to ^ 93^ 3^ ^^'^. '-° >^ '■' ••^ouCl^^Ju 1^
01x^3 lx..i>a ^2 > 23 .si^^* 1^3 eo" \^ .^so^p 2S>\,To
ZabbXo .Jucxi w-caX^ '•9^? 3a*A.3 lu3i^ou e2 .cA jok>
■:- AA :- Z^Swioo I^ ^1* ^ap Sb^s ^0*0X^2 ^c^oal^ * v . v n 3
§ 22. Jap ^\,^o .cA i^->2 2X» e2 l«.2o lao2o J^oaoi &A 2vtl.\^
' I. 1^3. *~- zu emendieren nach Tukkasa, s. Anm.
' I. tq>s>r\ ■■ I. ;^.tn3 m. o^S. « 1. :^.
25
— 252 -
Sklavin liintcrlalJt iind seine Fran iiiclit melir lebt, so gehort sein NachlaB
seinen Verwandten. Denn seine Kinder von der Sklavin sind von der
Erbschaft ausgeschiossen, wenn ihr Vater sie nicht adoptiert hat.
Wenn sie indessen noch sehr klein oder verkriippelt sind, so daB
sie nicht selbst etwas fiir ihren Unterhait erwerben konnen, dann soli
ihnen aus der Habe ihres Erzeugers etwas zum Lebensunterhalt gegeben
warden.
Vollendet sind mit der Hilfe des Herrn die Urteile (Gesetze), welche
von Mar Simeon, dem Erzbischof von Rew-Ardaschir, verfaBt sind.
0^
5H —
:■ XnX33 20u.3 3
1 I. ^OOT. ' I. ll.'j3^. ' I. gjcia^a^^ .
Eherecht
lies
Patriarchen Mar Abha.
257 —
Inha tsangabe
zum
Eherecht
des
Patriarchen Mar Abha.
Einleitung ....
Seite
. . 258
Zwanzig Verbote .
. . 260-285
Sachau. Syrische Rechtsbuclier 111.
— -ioS
\x o^ 3o;,j>»p lay-x lA*\e^v±^ lal ^iso? ^^-? .sois
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Zasw^oJIso :^3aL3 iv^aa ^ao Neoi du-i>^'-^ ^?^? ^'^ 3b*\
^pa^-a ;^■V^.3^2 2^LVc> 2^oLi.»A .^^'o,■.■■n^2 't.*.-i.\ao
X^p u.o7e .U.Ok3 1^3 ^en'^o U^^3 ^o;^ :saudoAe . 'aii^m
i's^p ;au^3 ^23 u.o0^e 2'xa3 'slxs ^o^ .^.cr .^2 Iao^o
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^3 : 2x^e:!s33 :y>.oiT\ nuoo 2^ou.a«^ a%iieo 23a^ eriiso
li^a*s%^ lA-^ o^o^aee . L.a^^'ao Z^'Laoui ^» e2 2'3.aoo.A
2>^XDaaaa 2^^iA o^i^oe .Iaai\ ^^alA ovi-^e aauXJoA
— 2ril) —
Text und Ubersetzung.
Ferner
ein Schriftstiick. des Catholicus Mar Abha,
eine Aufklarung uber die Gesetze betreffend den Oeschlechtsverkehr und
das Heiraten (5. Anm.).
Qott befiehit durch Moses den Israeliten: Nach den Taten des
Landes Agypten, in dem ihr gewohnt haht, sollt ihr nicht tun, und nach
den Taten des Landes Kanaan, wo ich euch hineinfiihre, sollt ihr nicht
tun, sondern tut meine Gesetze und befolgt meine Befehle und wandelt
10 nach ihnen. Der Mensch, der nach ihnen handelt, lebt durch sie (vgl.
Levit. 18, 3— 5). Dies ordnete Gott zu dem Zwecke an, um ihnen
verschiedene Gesetze iiber den Geschiechtsverkehr zu geben und um
sie das Verbot des Ehebruchs und anderer Missetaten und der Ver-
wandtenheirat zu lehren. Zunachst erklart er ihnen den AnlaB zu diesen
15 Oesetzen, weist sie hin auf das, was sie in Agypten erfahren hatten und
was nach Horensagen in Kanaan getrieben wurde, und dann befiehit
er ihnen, diese Dinge zu meiden.
Der Anlal5 dieser Gesetze ist folgender: Weil von alien Menschen
in der Folgezeit (der Zeit nach Moses) und bis zur Zeit des Messias
20 und auch noch jetzt sehr viele sich ganz besonders in der Sache des
Oeschlechtsverkehrs verunreinigt und alle Regeln der Natur und des
Gesetzes uberschritten haben, so wollte Gott in seiner Weisheit ihnen
deutliche und detaillierte Gesetze, verbunden mif Unterweisung und Straf-
androhung (s. Levit. 20, 10 — 21) geben, damit sie nicht ferner siindigten
25 und die Ordnungen des Heilsplanes verdiirben. Der Geschiechtsverkehr
namlich, der von Anfang an in der Kreatur nur ein einziger war und
der durch das Gesetz und die Propheten geregelt war, hat sich unter
den Menschen in verschiedene Arten zerteilt, zunachst in die copulatio
naturalis und die copulatio non-naturalis. Und letztere zerteilt sich
30 wieder in die
copulatio cum masculis,
copulatio quasi cum masculis und
copulatio cum pecude.
Und gleichfalls teilt sich die copulatio naturalis in folgende fiinf Arten
35 (s. Anm.):
1. zum Zweck des Ehebruchs,
2. zum Zweck der Hurerei,
3. zum Zweck einer Entjungferung, sei es durch heidnische
Priesler oder durch fremde Reisende. Ein Teil dieser Art
<o dient zunachst der Hurerei.
— 200 —
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— 2(i 1 —
4. copulatio cum muliere viri, und
5. copulatio cum muliere legitima nach Gesetzesnorm (wortlich:
gemaB Befehl).
Die mulier legitima kann ferner eine einzige oder eine Mehrheit
5 sein, und die Frau als einzige kann sein
1 die Mutter (s. § 2),
die Frau des Vaters (§ 3),
die Schwester (§ 4),
die Tochter (§ 6),
10 ■ 5 die Sohnestochter \ ,^ -,
die Tochtertochtcr / *^ "
die Sclnviegertochter (§ 10),
die Frau des Bruders (§ II),
die Frau des Vaterbruders (§ 9),
15 10 die Schwester der Mutter (§ 8),
die Schwester des Vaters (§ 7).
Es liegt auf der Hand, da(3 von alien diesen Unterabteilungen nur
eine einzige als tadelfrei befunden worden ist, die Verbindung eines ein-
zigen Weibes mit einem einzigen Manne, falls sie nicht miteinander bluts-
20 verwandt sind. Weil nun alle diese Dinge (Verschiedenheiten des Ge-
schlechtsverkehrs), ob sie nun von den Menschen selbst herruhren oder
von der TiJcke des durch verderbliche Gedanken in ihnen wirkenden
Satans, die natiirliche Verbindung und die Fortpflanzung des Menschen-
geschlechts durch alle Arten natiirlicher und widernatiirlicher Oemein-
25 heit und Frechheit verschlechtert und getriibt haben, so hat Gott eine
solche Rechtleitung — ihm allein, als dem Schopfer des Ganzen, stand
es zu sie zu machen — durch den ErlaB dieser seiner Oesetze fiir die
Seinigen geschaffen und hat die Androhung des Todes damit verbunden
(Levit. 20, 10 — 21), damit audi solche Personen, welche Rechtschaffenheit
30 gering schatzen oder sich aus tugendhaftem Lebenswandel nichts machen,
sich furchten vor dem Tode, den solche Taten zur Folge haben, und nicht
sundigen Begierden unterliegen. Und damit nun unsere Darlegung iiber
diesen Gegenstand klar werde, nehmen wir die Oesetzgebung iiber die
heilige Verbindung (Ehe) ordnungsgemaB durch und erortern, so gut wir
35 konnen, jedes einzelne Gesetz.
§1-
Kein Mensch soil sich einem blutsveiwandten Weibe nahern, urn
die Schani aufzudecken. Ich bin der herr (Levit. 18,6).
Dies ist das ganz allgemeine Gesetz. Nach demselben verkiindet
40 er einzelne und detaillierte Bestimmungen uber das ganze Oebiet. .MIem
ubrigen aber schickt er das folgende Gesetz voraus:
§2.
Die Schani deines Vaters und die Schaiii deiner Mutter sollst du
nicht aufdecken. Deine Mutter ist sie, nicht sollst du aufdecken ihrc
45 Scham (Levit. 18, 7).
Es ist zunachst klar, dal5 der Inhalt dieses Gesetzes das Folgende ist:
1. Die Ehrenpflicht der Natur des Menschen besteht darin, dafi
er Ehrfurcht haben soil vor seinen Erzeugern.
2. Es ist eine schone und unzweideutige Regel fur den Menschen,
50 daB er in seinem Geschlechtsverkehr nicht die Tiere nachahmen soil.
3. AuBerdem bcsteht eine friedliche und freundhche Harmonie
im gegenseitigen Verkehr der Menschen darin, daB
A die Tochter des X heiratet und nun als dessen Sohn geachtet wird;
daB B die Schwester des Y heiratet und nun dessen Bruder wird;
daB C ilie Mutter des Z heiratet und nun Z ihn liebt glcich wie
seinen Vater (s. Anm.).
— •2H2 —
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2eo7«S : craoA Zao2 c^^.a23 ^2o : ^xo^JSoJu 073,3 tix 2oo'>s
woroase :u.o70l&33 1^2 2eoVA ^^^js eoro : 073.3 .w.i.3p L»2 3a
' add. Of^iop. - /u tilgen. ^ I. ^.^.til. ^ add. ^^2
b5;\e^^x» «<,o7a3A. '- I. l32o. " I- laa^aas.
— 2fiH —
4. Ferner soil der vernunftbegabte Mensch sich bemuhen, daB er
durch diese Gesetze sich anieiten lasse. das Gute vom Bosen zii iinter-
scheideii.
5. Das einzige wahre Wisseii (des Menschen) von Gott besteht
5 darin, daB er allem, was von Gott kommt, gehorclien soil.
b. Der Mensch soil sich fernhalten von dein Irrglauben an die
Damonen, damit er erkenne, daB die Dews gefahrlich und verderblich
sind fijr den Menschen, und daB diese V'erordnungen sich nicht auf das
Gesetz betreffend die Mutter beschranken, sondern ein Glaubenssatz sind,
10 die sich auf alle iibrigen (im folgenden genannten) Personen bezieht.
Deshalb ist das Verbot gegen die Unsittlichkeit, (das Verbot) daB
der Mensch seine Mutter nicht heiraten soli, alien Menschen nutzlich,
Heiden sowohl wie denen, die Gott fiirchten, friiher und jetzt.
Trotzdem haben viele Menschen dies Gesetz iiberschriaen, ganz
15 besonders die Perser, und nach dem Vorgange der Perser haben auch
die Kananaer jener Zeit das Gesetz uberschritten und jene nachgeahmt,
haben durch die Kopulation mit der Mutter zugleich Vater und Mutter
geschandet. Denn well Vater und Mutter infolge der ehelichen Ver-
bindung ein Fleisch sind und beide ein Leib sind, so liegt auf der Hand,
20 daB der, der seiner Mutter beiwohnt. (zugleich seinem Vater beiwohnt).
Es sagt daher das Gesetz: Die Schain deines Vaters und die Scham
deiner Mutter sollst du nicht aufdecken. Denn wenn das Gesetz den
Vater an der der Mutter von seinem Sohn zugefugten Schande nicht
teilhaben lieBe, warum wiirde denn der Gesetzgeber den Ausdruck die
25 Scham deines Vaters mit dem Ausdruck die Scham deiner Mutter
vereinigen? Welche Schande konnte dem Vater nach seinem Tode in
der Person seiner Frau (Witwe) passieren, wenn er nicht durch die
Kopulation derselben mit seinem Sohne geschandet wiirde? und wie
konnte der Gesetzgeber (in seinem Verbot) das Aufdecken der Scham
30 (des Vaters) mit der [etwa) nach seinem Tode stattfindenden Kopulation
seiner Frau zusammenstellen, wenn nicht deshalb, daB Vater und Mutter
ein Leib sind, den einen Sohn gezeugt haben und in der Mutter der
Vater erkannt wird (s. Genes. 4, 1). Wegen solcher Schande kann
eine solche Kopulation nicht als eine gesetzliche angesehen werden.
35 Ferner aber: Wie kann die Mutter das Weib ihres Sohnes sein,
der von ihr geboren ist, und wie konnte sie, die ihrem Sohne Herrin
und Lebensquell ist, als ihm untergeben befunden werden, und wie
kann er ihr Oebieter sein wie der Mann der Gebieter gegenijber seinem
Weibe? Da sie ein Leib mit dem Vater ihres Sohnes war, wird sie nun
40 durch die Kopulation ein Leib mit ihrem Sohne, und da sie die Mutter
ihres Sohnes ist, wird sie nun die Mutter der Sohne (Kinder) ihres
Sohnes, der Sohn wird der Bruder seiner Sohne (Kinder) und die Sohne
des Sohnes werden die Sohne der Mutter ihres Vaters. Wie kann unter
solchen Umstanden die Ehre gewahrt werden, die der Sohn der Mutter
••5 schuldet — heiBt es doch: -Ehre deinen Vater und deine Mutter
(Exod. 20, 12) — , wenn die Mutter die Frau ihres Sohnes geworden ist?
Und da nun, weil sie im ersteren Fall Mutter, im letzteren Gemahlin
ist, evident ihre zweite Stellung als Gemahli n -Mutter ihre erste
Stellung als Mutter aufhebt (zunichte macht), so legt der Gesetzgeber
50 auBer dem Gebot (die Mutterehe zu meiden) noch bittere Schmach den
Frechen (die dies (jebot iibertreten) ob und spricht: Deine Mutter ist
sie, nicht sollst du aufdecken ihre Scham. Dadurch lehrt Gott, daB
noch arger als eine Gesetzesiibertretung (an und fur sich) die Schande
ist, daB sich jemand zu einer Kopulation mit seiner Mutter erfrechen
55 sollte. Denn wenn sie, da sie Mutter des Sohnes war, nicht als Mutter
von ihm geehrt wurde, wie sollte sie dann als Mutter von ihm geehrt
werden, nachdem sie nicht mehr seine Mutter ist und sein Weib ge-
worden ist? Natur, das gottliche Gesetz und Sitte verlangen, daB der
— 2C)4
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— 2fi5 ~
Mann seinen Vater mul seine Mutter verlassc uiui seineni Weibe anhange,
unci daB die zwei ein Fleisch seien. Wenn also dies gilt, wie i<ann
dann jeniand Mutter oder Vater verlasseii, und wie kann er sich einem
andern Weib naheni und niit ihr ein Fieiscli sein, wenn er seine Mutter
5 zum Weihe genonimen hat und durch die Kopulation mit ihr ein Leib
geworden ist? Denn, wenn er sich der Mutter gcniihert (sich niit ihr
verbunden) hat, wie kann er dann tiie Mutter verlassen, wenn er sie
verlassen soli, sobald er einem Weibe anhangt? Weil das gottliche Ge-
setz, Natur und Sitte alien Manncrn dies befehlen (daB sie Vater und
10 Mutter verlassen, ihreni Weibe anhangen und niit ihr ein Fleisch seien),
so ist klar, daB er (derjenige, der seine Mutter geheiratet hat) sie ent-
lassen hat aus ihrer Stellung als seine Mutter und ihr anhangt wie einem
fremden Weibe, oder daB ihr keines von beiden Dingen passicrt ist,
daB er sie nicht aus der Mutterschaft entlassen hat und nicht ihr an-
15 gehangen hat.
Die besondere Qerechtigkeit der Ormazd-Anhanger (der An-
hanger des Ahuramazda, wortlich des Hauses desHormizd) kommt
dadurch zustande, daB jemaml mit seiner Mutter, seiner Tochter und
seiner Schwester Oeschlechtsverkehr gepflogen hat (5. Anm.). Wenn dies
20 die Qerechtigkeit ist, kann also derjenige, der nicht mit diesen (bluts-
verwandten Weibern) Umgang hat, nicht gerecht sein, wenn er auch
die ganze Magierei (Magismus) hersagte und alle Tugenden, die es unter
Menschen gibt, iibte. Sie mogen uns also erzahlen von der Mutter und
Schwester und Tochter des Zerdust oder des Westasp oder des Kai-
25 khusrau, des mit Kindern geschmiickten, oder des Farkhun Bar Artabagan,
die zugleich deren Gemahlinnen gewesen (die Gemahlinnen von Mannern),
die sie als Gerechte ansehen. Sonst mogen sie uns andere von ihren
Leuten nennen, die durch die Heirat tnit solchen (blutsverwandten)
Weibern gerecht geworden sind. Wenn sie aber (solches) nicht de-
30 monstrieren konnen, was reden sie dann Torichtes und suchen eine
schmutzige Sache, welche die gauze Natur verabscheut, durch fade
Redensarten zu hewcisen.
Von Zerwan (s.Anrn.), dem Vater ihrer Gotter, erzahlen die Magier,
daB er 1000 Jahre Magismus geiibt habe, daniit er einen Sohn bekomme,
35 und daB er ob seiner Qerechtigkeit erhort wurde. Sie (die Magier)
mogen uns nun nachweisen, wer dieses Zerwans Mutter, Schwester und
Tochter war, wer der Gemahl seiner Mutter unti der Vater seiner Schwester,
wer seine Gemahlin oder Mutter oder der Vater seiner Mutter war. Wenn
sie fiber diesen (Zerwan) nichts vorbringen konnen, wie reden sie dann
40 iibcr Hormizd (Ahuramazda)! Woher kommen denn diesc Weiber des
Hormizd, da sie doch lehren, daB er weder von sich selbst noch von
seinem Vater noch von irgendeinem antieren Menschen geboren sei.
Wie war es aber ferner mtiglich, daB durch ein solches Lager die
Himmelskcirper geschaffen wurden, wie sie sagen? Unwahrschein-
45 liches imd Unglaubwiirdiges kami durch Wahrscheinliches und Sichtbares
bewiesen werden. Sie sollen uns nun ein sicheres Zeugnis ftir diese
Hormizdgeschichte bringen. Infolge ihrer jetzigen Theorien heiraten sie
ihre Miitter, Schwestern und Tochter. Wenn nun solchc Leute imstande
sind Wunder und eine neue Schopfung zu verrichten, und durch den
50 Geschlechtsverkehr mit solchen Weibern eine neue Weisheit zu erlangen,
dann glauben die Menschen auch diese unwahrscheinliche Hormizd-
geschichte so, wie sie erzahit wird. Wenn sie aber tierartiges nicht
nachweisen konnen, wie sollen wir dann von Hormizd glauben, daB er
imstande gewesen sei, die Weisheit fiir die Erschaffung der Hinnnelskorper
55 durch eine solche schmutzige Geschlechtsverbindung zu erwerben, er, der
ein Schiiler des Satans ist, dem der Satan Genosse und gesinnungsgleich
ist. Wenn aber Hornn'zd, der nicht von sich selbst uticI nicht von seiner
und seines Vaters und seiner iibrigen Vorfahren Gottesnatur, sondern
— 2fifi —
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§3. 3^3 : 2^^:sp : 23U.3JC 2o^2p Z^e .ZiA^p 23..3l>,o vO^a^
0^^X3303 .l^A^^ Z^ <^&32 ^^,i2p L.JCI30.5 3^:o2 30^ ^ci
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^2 ^^epop .33bja^^ Z^p 3^2 30 .Z32 ^^i2 ti^p Z\oot
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^^.i2 'zxxp ? •v*i9>ia3 J:a\, i*CTa32p 2^w.<xsd^p ec* :\.«303A ^o
^o^p OCT \\.» : Ixoiep Z&3« s^^a Zj.iw.\3! jQ}a^a3e .>«otOi32
' 1. Z^. • 1. IbwOLbO.
— -it;: —
von dem Satan diese Lehre von der absonderlichen Oeschlechtsverbindung
mit Mutter, Scliwester und Tochter empfaiiijen hat, wie sollte es da
nicht klar sein und man es nicht laut ausrufen, dal5 alle diejenigen,
welche um ihres Oottes Hormizd willen solche (blutsverwandte) Weiber
heiraten, Schiiler und Sklaven des Satans sind. nicht des wahren Oottes.
§3.
Weiterhin spricht er(Gott): Die Scham der Frau deines Vaters sollst
du nicht aufdecken, dcnn es ist die Scham deines Vaters (Levit. 18, 8).
Deutiich legt er dar, dalJ die Kopulation mit der Frau des (eigenen)
10 Vaters eine Schande des Vaters ist, indem er spricht du sollst dich
nicht nahern {vg/. Levit. 18, 0 12'" s"), da sie bei deinem Vater die
Steiie deiner Mutter einnimmt. -Denn, wie du durch den Umgang mit
der Gemahlin des Vaters deine Mutter verdirbst, so verdirbst du (dadurch)
auch deinen Vater.
15 Derselben Sache gedenkt auch schon vor Moses der selige Jakob.
Bitter verflucht er den Ruben, der das Lager seines Vaters durcli das
Liegen bei der Frau desseiben befleckt iiatte (Genes. 49, 4). Und in der
Zeit nach Moses bediente sich der Apostel Paulus wegen desjenigen,
der bei den Korinthern solches (den Incest) beging, der Strafe der Vcr-
20 bannung aus der Kirche und von dem Umgang mit den QIaubigen, und
gab die Verwerflichkeit der Sache zu erkennen (1. Kor. 5, 1): SchiielSlich
hort man von Hurerei unter eucb, die nicht einmai unter den Heiden
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— 2(iJ) —
genannt wirii, bis da(5 der Sohn lieiratet das Weib seines Vatcrs. Und
ihr seid aufgeblasen . Ail dies beweist, dal5 es bose ist, was (in Korinth)
begangen worden, was, wie er sagt, sogar unter den Heiden nicht als
etwas gewoliniiches angeselien wiirde. Er nennt diesen Verl<elir Hiirerei,
5 wie Moses ihn als die Sciiande des Vaters bezeichnet hat.
§4.
Ferner sagt Gott : Die Sciiam deiner Schwester, der Tocliter deines
Vaters oderderTochter deiner Mutter, sollstdu nicht aufdeeken (Levit. 18,9).
Dali er in eben diesem Zusaiiimenhang das Wort Scham, urn jene
10 schmutzige Kopuiation anzudeuten, gebraucht, sieht jedermann, der die
Bibel geiesen hat; (er tat es) zu deni Zweck, daniit er hierdurch jeden
abschrecke von der Unreinlieit unci Widerwiirtigkeit der Sache. Denn
derjenige, der seine Schwester heiratet, befleckt durch seine Hurerei so-
wohl sich selbst als seine Eltern, die ihn geboren, und seine Schwester.
15 Wenn Schwester und Bruder von demseiben Samen und von denselben
Eltern, sei es demseiben Vater oder derselben Mutter, abstanimen, dann
liegt cloch auf der Hand, daB derjenige, der sich zu einer solchen Tat
erkiihnt und die Frechheit zur Tat werden laHt, siiiuiigt gegen die Natur
selbst, gegen sein eigenes und seiner Eltern und Oeschwister Fleisch.
20 Dies Oesetz (Verbot der Schwesterheirat) ist bei alien gottesftirchtigen
Menschen in Vergangcnheit und Qegenwart verbreitet und hat zuni Teil
auch bei den Gotzendienern Giiltigkeit. DaB es aber erlaubt oder Tra-
dition sei, die Schwester zu heiraten, haben wir wohl von Persern und
Heiden vernoinmen, nienials aber aus den (heiligen) Biichern oder aus
25 der Natur oder dcm Menschenleben gelernt.
Nun aber spricht derHochniut: Kain und Seth haben ihreSchwestern
geheiratet. Dies aber kann niemand weder aus den Biichern noch durch
irgend einen Beiweis dartun, sondern nur aus der Unwissenheit, daB wir
nicht vvissen, woher die Frauen des Kain und Seth staniinten, entnehnien.
30 Indem der Mensch diese Dinge der Weisheit und Alhnacht Gottes an-
heimstellt fur Gott gibt es nichts schweres und sobald er will, fiihrt
er Alles aus — , ist es besser, daB wir mehr als individuellen Meinungen
den in den Biichern klar ausgesprochenen Dingen gehorchen, Befehlen,
welche mit Androhung des Todes bestinimen, daB der Mensch nicht
35 seine Mutter, noch das Weib seines Vaters, noch seine Schwester heiraten
soli (Levit. 20, II. 17).
§5.
Ferner sagt Gott: Die Scham der Tochter deiner Tochter oder der
Tochter deines Sohnes, nicht sollst du aufdeeken ihre Scham, denn es
ist deine Scham (Levit. 18, 10). Fiir die hier genannten Personen be-
zeugt das Gesetz, dal5 die bisher gegebenen Bestimmungen auch auf
den Umgang eines Mannes mit ihnen zu beziehen sind, und daB der-
jenige das Oesetz entehrt und befleckt. der, obgleich er blutsverwandt
mit ihnen ist, ihnen beiwohnt.
— 270 —
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§8. ^2p c7^.mP ouJOso^e .Lj^^Sp .«;0o2p aA.^ -cr c-^^juxQ
iaal laaorp ^Adi2 ^ •^2p w.cn cr^juxop A.\.ao . l\\^ 1^ 23
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voo^ ^'xa a^x^p ^Ad.2 dso^ e2 »^eor;sa^p Lao : 2ov32
' I. 2;soa3;N'via3.
§6.
Ebenso wie iiber die hier (in § 5) aufgefiihrten Personen und noch
inehr miissen wir nun auch iiher die Tochter denken, wenn auch die
Bibel evident grade sie nicht erwaiint hat, sei es infolge (eines) Versehens
s des Schreibers, sei es auf Befehi Onttes. Indem diese jiingeren Familien-
glieder (Sohnestochter, Tochtertochter und ihre vveiblichen Deszendenten
hier, d. h. in Levit. 18, 10) als eine einzige Generation zusammengefaBt
werden, richtet Gott alle (ini bisherigen enthaltene) Drohung, deren Nicht-
beachtung den Tod zur Foige hat, gegen den Umgang mit diesen (Sohnes-
10 tochter, Tochtertochter), viel mehr aber noch gegen denjenigen Umgang
(denjenigen mit der Tochter), der evident noch viel schreckiicher und
strafwiirdiger ist als der Umgang mit diesen beiden (in § 5 genannten
Personen). Wie es scheint, deutet die Bibel auch hier an, daB derjenige
durch Kopulation seiiien eigenen Samen befleckt, der seiner Tochter,
i; Sohnestochter und TochtcrtoclUer beiwohnt. Wie sollte es nicht Be-
fjeckung sein, daB jemand seinen Samen, der einstmals von ihni aus-
gegangen und von ihm aus sich durch Schwangerung und Ocbaren aus-
gebreitet hat, der nun also einem anderen gebiihrt (die Tochter gebiihrt
ihrem Gemalil) und nicht ihm, versuchen sollte, nun wieder auf andere
20 Weise zu sich selbst zuriickzufiihren, sodaB er durch die Kopulation mit
ihm (seinem Samen in Gestalt seiner Tochter) eins wird und sie beide
als ein Fleisch gerechnet werden!
Es ist bekannt, daB diese Grundsatze in alien Generationen befolgt
werden und unter alien Menschen Geltung haben, sowohl vor Moses
35 wie nach Moses und iiberall; sie sind aber samt anderen Grundsatzen ver-
letzbar und werden verletzt unter den Persern, bei denen bekanntlich
solche Dinge (wie die hier verbotenen) vorkommen.
In der Bibel ist nur an einer einzigen Stelle die Erwahnung eines
solchen (Verbrechens) verzeichnet, bei Lot und seinen Tochtern. Weil
30 es aber ohne bosen Willen von seiten der Tochter und ohne BewuBt-
sein von seiten Lots begangen worden ist, so sind diejenigen, welche
die Tater dieser Sache waren (d. h., welche als Instrumente des gottlichen
Willens sie ausgefuhrt haben), niclil mit der gesetzlichen Strafe bestraft
worden, weil Gott uns hierdurch zu der Erkenntnis anieiten will, daB er
33 nur den freien Willen richtet, nicht eine ohne BewuBtsein begangene Tat.
§7.
Die Scham der Schwester deines Vaters sollst du nicht aufdecken,
denn sie ist die Blutsverwandte deines Vaters (Levit. 18, 12).
§8-
Die Scham der Schwester deiner Mutter sollst du nicht aufdecken,
denn sie ist die Blutsverwandte deiner Mutter (Levit. 18, 13). Durch diese
Worte hat der Gesetzgeber uns in den Stand gesetzt, ganz besonders
auch den Sinn der bisher gegebenen sowie der folgenden Verordnungen
zu verstehen, denn er leitet uns an zu erkennen, daB, insofern die Ver-
bindung mit diesen (den Schwestern des Vaters, § 7, und der Mutter, § 8)
eine Schande fur Vater und Mutter ist, andrerseits aber jemand, der sich
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2^Ax
I. 2aao:ao.
— -278 —
des Umgangs init ihnen entlialt, dadurch seine Eltern ehrt, wir iini wie-
viel mehr erkennen. da(5 die Eltern mil5achtet und beschmutzt werden,
wenn jeniand ihnen oder denjenigen, die ihnen noch naher bkitsvervvandt
sind, beiwohnt. Auch dies ist i<lar, dal5 die Bihel uns befieiilt, mit alien
5 weiblichen Wesen, welche sie hier (in Levit. 18) aufzahlt, keinen Umgang
zu haben, nicht mit der Mutter, der Frau des Vaters (Stiefnuitter), Schwester,
Tochter, Sohnestochter, Tochtertochter, Schwester des Vaters, Schwester
der Mutter, ferner der Schwiegertochter, Frau des Vaterbruders, Frau des
Bruders, nicht allein nicht, solange ihre Manner noch leben (sondern
10 iiberhaupt nicht). Dies Gesetz ist ganz allgemein mit Bezug auf alle
verheirateten Frauen, auf alle Witwen und auf alle Jungfrauen gegeben.
Dies ist das wahre Gesetz Gottes, daB niemand irgendein Recht oder
irgendeinen Vorwand hat, irgendeine von alien diesen weiblichen Wesen
zur Frau zu nehmen (ider mit ihr Umgang zu haben, wahrend in be-
15 treff der anderen nichtblutsverwandten Weiber ein solches Gesetz nicht
existiert.
Die Bestimmung des Gesetzes und der Lehre unseres Herrn (Jesu
Christi), die durch die Apostel festgestellt ist, geht dahin, dal5 Weiber,
die ihren ersten Mann durch den Tod verloren haben, heiraten diirfen,
20 wen sie wollen, aber nur einen Glaubigen (Christen), wenn sie selbst
Glaubige sind. Diese haben, wie wir gesagt, das Recht dazu, aber die
obengenannten Weiber (Mutter, Tochter, Schwester usw.) diirfen ihre
blutsverwandten Manner nicht heiraten, wohl aber diirfen sie nach dem
Tode ihrer Ehemanner frernde Manner und seiche, mit denen sie durch
25 fleischliche Verwandtschaft nur entfernt verwandt sind, heiraten.
Kein Mensch wird Bedenken hegen in betreff dieser Bestimmungen
uber Eheverbot und Eheerlaubnis. Gibt es doch auch andere Gesetze
fiir die Menschen, von denen einige nur fiir uns (Christen) bestimmt
sind, einige auch fiir die externi.
30 Uns ist es erlaubt das Fleisch von Tieren zu essen, wenn sie ge-
schlachtet sind, dagegen von lebenden oder toten Tieren diirfen wir
nicht essen. Von einigen diirfen wir auch dann nicht essen, wenn sie
geschlachtet sind, wie von Hunden, Baren, Panthern, Schlangen und
ahnlichen Tieren.
35 Auch die Juden diirfen von den Tieren essen, wenn sie sie schlachten,
von den toten oder lebenden aber diirfen sie nicht essen, und von anderen
diirfen sie auch dann nicht essen, wenn sie geschlachtet sind.
Die Heiden dagegen essen die Tiere lebendig oder tot oder ge-
schlachtet, wenn audi nicht gerade alle Heiden alle Tiere essen. Wir
40 aber (alle), wir, Juden und Heiden, essen nicht das Fleisch vom Menschen
wie Fleisch von Tieren, weder wenn der Mensch lebendig, noch tot, noch
abgeschlachtet ist.
Wenn du (Leser) diese verschiedenartigen Bestimmungen (wortlich :
Teilungen) betrachtest, wirst du erkennen, daB das Gesetz, betreffend den
45 Geschlechtsverkehr, sich nicht nachteilig erwiesen hat, (das Gesetz) daB
wir einige Weiber heiraten diirfen, andere absolut nicht, und daB wir
Witwen heiraten diirfen, andere (d. h. solche, die noch verheiratet sind)
nicht. Das ist ein weises Gesetz des wahren Gottes, ilas fiir das Wohl
des Lebens der Menschen verkiindet worden ist.
Sachau, Syrische Rtclilsbficher MI. 18
— 274 —
Ixiaop lL \^.ao3 lLi.3jiL ^o;^^p 'la.^.. Iipa30L5 ^cox^lo
§9. .oujosolS As ■»- 1^ <^3p ^>^J23 i^josokd .ib>x;sp .W»M
wA^orp ^o;A^ V^?"-^ .oac'p . oa7^.a^2 UsuOOlS U?' ^I
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23cA\»o .Ixa ^07Om.2 Uvaou.p ^o^epa^ ^ioo t\.o\\ie2e
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25
Die Scliam des Weibes deines Vaterbniders sollst du nictit aufdeckeii
{vgl. Levit. 18, 14). Audi dies Gesetz ebenso wie die friiheren iiber die
blutsverwandteii Weiber warnt (befielilt), daB der Mensch wegen der
5 Ehre seines Onkels (Vaterbruders) nicht init dessen Weib Umgano; haben
soil. Weil der Onkel wie eiii Briider ist, soil der Mensch Ehrfurcht vor
ihni haben. Finden wir doch in der Bibel, dal5 Abraham den Lot, seinen
Bruderssohn, Bruder nennt (Genes. 13,8), iind der Evangelist Matthaus
nennt die Onkel des Jechonja seine Briider (Ev. Mattli. 1,11, s.An/ri.). Des-
10 halb redet Moses iiber den Onkel wie iiber einen Bruder, hat in betreff
seiner Frau befohlen, dal3 sie den Bruder ihres Gemahls nicht heiraten
darf, und dem Menschen Ehrfurcht gebietend spricht er: Sie ist das Weib
deines Onkels (Levit. 18, 14), welcher dein Bruder ist. Weil Moses den
Ausdruck: das Weib deines Onkels (~r~^) braucht, darf der Mensch
15 nicht iibersehen, da(3 nach dem Tode des Onkels seine Frau nicht sein
(des Neffen) Weib ist (sein kann) und nicht seine Frau genannt wird
(werden kann).
Dies Gesetz findet aber auch noch auf andere Personen Anwendung,
wie der Apostel (Paulus) sagt (Rom. 7, 1 ff.): DaB das Gesetz gilt fiir den
20 Mann solange er lebt, wie fiir die Frau, die an ihren Mann, solange er
lebt, durch das Gesetz gebunden ist? Ist aher ihr Mann gestorben, dann
ist sie befreit von dem Gesetz ihres Gemahls — und sie ist nicht Ehe-
brecheriii, wenn sie einen anderen Mann heiratet,' aber nicht den Bruder
und Onkel ihres verstorbenen Gemahls. Das ware eine Verletzung des
25 Gesetzes, und das Gesetz gilt fiir alle Zeiten, fiir das Leben der Menschen
und fiir die Zeit nach ihrem Tode.
So denken wir iiber diesen Gegenstand, obwohl der Usus unter
uns das Gegenteil ist. Warum die Leiter der Kirche in friiheren Zeiten
versaumt haben, diesen Gegenstand in Ordnung zu bringen, ist uns nicht
30 genau bekannt, wir glauben aber, da wir in den Synodalbeschliissen
keine Bestimmungen hieriiber gefunden haben (s. Anm.), daB sie viel-
leicht deshalb diesen Gegenstand veriiachlassigt und auf die Erforschung
desselben nicht eingegangen siiid, weil sie ihn (d. h. die Ehe mit der
Frau des Onkels) nicht fiir besonders siindhaft erachteten.
§ 10.
Die Scham deiner Schwiegertochter sollst du nicht aufdecken, denn
sie ist die Frau deines Sohnes. Du sollst ihre Scham nicht aufdecken
(Levit. 18, 15). Wenn es nicht die Absicht des Gesetzgebers gewesen
ware zu lehren, daB sich die Schande der Frau auf ihren Mann iiber-
40 tragt, warum hatte er dann dem Schwiegervater verboten, seine Schwieger-
tochter nach dem Tode seines Sohnes (ihres Gemahls) zu heiraten, da
sie doch weder seine Mutter noch seine Schwester noch seine Tochter
noch iiberhaupt blutsverwandt mit ihm ist. Wenn er aber eine solche
Verbindung nicht allein verbietet, sondern auch noch einen Fluch und
45 Todesandrohung diesem Verbot hinzufiigt (Levit. 20, 12), wie er in betreff
(der Verbindung des Mannes mit) der Mutter, der Frau des Vaters, der
Schwester, Tochter und der iibrigen (blutsverwandten) Weiber bestimmt,
18*
— 276 —
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' I. X««^^2.
— 277 —
dann ist klar, dal3 der Sohn wie die Tochter ist, uiid wie der Vater nicht
seine Tochter heiraten dart", er ebensoweniij die Fran seines Sohnes
heiraten darf — bezeichnet doch die Bibel beide, Mann und Frau, ais
ein Fleisch — , nnd daB die Fran nicht das Recht iiber ihren Leib hat,
5 sondern ihr Gemahl, so auch der Qemahl nicht das Recht hat iiber
seinen Leib, sondern seine OemaliHn. Wesjen des Oescliieciitsveri<ehrs
ijehort ein Gh'ed der Fran dem Manne und ein Qh'ed des Mannes seiner
Frau, also dali der Apostel von den Olaubigen (Christen) sasjt: >Sie
sind Oiieder unseres Herrn. Sollen wir also ein Oiied des Messias
10 nehmen, urn es zum Glied einer Hure zu machen, Oott behiite! Oder
wiBt ihr nicht, daB, wer einer Hure beiwohnt, ein Leib niit iiir wird?t
(1. Kor. 5, 15. 16).
Durch diese Gebote zeigt Gott, dafi, wer seiner Schwiegertochter
beiwohnt, gleichsam in schnoder Kopulation scinem Sohne beiwohnt,
15 und wie ein Ehebrecher angesehen wird, wenn auch sein Sohn schon
tot war, da hierin auch die Todesgrenze nicht vermoclit hat, diese Be-
stimmung aufzuheben (d. h. diese Bestimmung gilt auch noch fiir die
Zeit nach dem Tode des Sohnes). Gott erlaubt nicht dem Schwieger-
vater, seiner Schwiegertochter beizuwohnen, wahrend er anderen Per-
20 sonen erlaubt, sie nach dem Tode ihres Gemahls oder ihres Mannes (sic)
zu heiraten (5. Anm.).
Wir halten dafiir, daB dies Gesetz fiir uns und diejuden und die
Volker vor den Juden ein und dasselbe ist. Jedoch ein Vorkonimnis
im Leben des Juda und seiner Schwiegertochter Tamar (Genes. 38, 6ff.)
25 hat man wohl als eine Obertretung dieses Qesetzes angesehen, da sie,
obwohl sie dagegen gesiindigt haben, ohne Tadel und Strafe geblieben
sind. Denn weil Juda mit seiner Schwiegertochter in dem Glauben, daB
sie eine Hure sei, unwissentlich gesiindigt hatte, und Tamar gesiindigt
hatte wegen des Unrechts und der Krankungen, die ihr von ihrem
30 Schwiegervater und von ihren Mannern angetan waren, deshalb erbarmte
sich ihrer die Giite Gottes und verfuhr nicht mit ihr nach der Strenge
des Gesetzes. War sie doch eine Kananaerin, die vielleicht von der
Kenntnis dieser Gesetze keine Ahnung hatte.
§ 11-
Die Scham der Frau deines Bruders sollst du nicht aufdecken, denn
es ist die Scham deines Bruders (Levit. 18, 16). Es geniigen sicherJicli
die Worte dieser heiligen Satzung, urn einem jeden, der sich rechtschaffen
bemiiht sie zu lesen, ihren Sinn klar und deutlich zu machen, namlich
die Entehrung deines Bruders und seiner Gemahlin, worauf mit Spott,
Verachtung und Hohn hingewiesen wird, (eine Entehrung), die von
einem Bruder dem anderen angetan wird, nachdem er langst aus diesem
Leben geschieden ist, die aber ihn (den Verstorbenen) mit einer Schande
trifft, die sein (iebender) Bruder ihm anttit. Und da gleichsam vor seinen
Augcn ihm seine Ehe geraubt wird, so bedeckt ilm dies mit Betriibnis
und Kummer urn seine Ehegattin.
•27H
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— 279 —
Indessen dies auf die Briider beziigliche Gesetz o;iit niclit unter
alien Unistanden und zu alien Zeiten. Gibt es dncli ein anderes, diesem
gerade entgegengesetztes Gesetz, dal5 ein Mann die Fran seines Bruders
heiraten (Leviratsehe) und seinem (verstorbenen) Bruder Naclikommen-
5 schaft erwecken soli, und daB er, falls er sicti weigert, getadelt und als
ein Pfliclitvergessener gesclimaht wird. Bei dem Levirat handelt es sich
um einen Bruder, der sohnlos gestorben ist, bei dem vorliegenden Ge-
setz aber um einen Bruder, der Sohnc hat (hinterlalit). Und wie dies
(dafi der Bruder die Frau seines Bruders, der Soline hat (ider hinterlaBt,
10 heirate) verboten ist, so ist jenes (das Levirat) eriaubt. Wie lierjenige
getadelt wird, der seines Bruders Frau heiratet, wenn dieser Scihne hat,
ebenso wird auch derjenige getadelt, der des Bruders Frau nicht heiratet,
wenn dieser keine Sohne hat. DaB jemand, meine ich, eine von solchen
Schwagerinnen (die Sohne haben oder sohnlos sind) zu heiraten be-
15 rechtigt ist, das ist schon aus der vormosaischen Zeit durch das Bei-
spiel des 'Er und Onan, der Sohne Judas, bewiesen. Denn nach dem
Tode des ersteren sprach Juda zu seinem Sohne Onan: Geh ein zu
dem Weib deines Bruders und beschwagere sie und errichte deinem
Bruder einen Samen (Genes. 38, 8).
20 Dies Gesetz war den Juden und denen, die nach dem Gesetze
(Mosis) lebten, niitzlich zur Erhaltung des Andenkens an die sohnlos
verstorbenen, da ihr Glaube mit Bezug auf eine Auferstehung schwach
war. Wir (Christen) aber, die wir im Glauben an den Messias leben,
und die wir an die Auferstehung von den Toten glauben, erachten es
25 fiir uberfliissig, den Verstorbenen einen Samen zu errichten (5. Anin).
Dazu kommt, daB viele Menschen es vorziehen, unverheiratet zu bleiben
wegen des Himmelreiches (d. h. in der Hoffnung auf das Himmelreich).
§ 12. 13. 14.
Die Scham der Frau und ihrer Tochter sollst du nicht aufdecken
30 oder der Tochter ihres Sohnes oder der Tochter ihrer Tochter. Du
sollst ihnen nicht beiwohnen, ihre Scham aufzudecken, denn sie sind
blutsverwandt, und es ist ein Frevel (Levit. 18, 17). Wie Gott schon im
obigen mit Bezug auf eben dieselben hier genannten Weiber dargelegt
hat, befiehlt er, claB der Mann wegen der natiiriichen Verwandtschaft
35 blutsverwandte Weiber weder heiraten noch Umgang mit ihnen haben
soil, damit unter Wahrung der naturlichen Ehrc (eines jeden) eine solche
Disposition (Beschaffenheit) in ihnen (den Familienmitgliedern) vorhanden
sei, welche unserer Vernunft und der Freundschaft und Harmonic wie
unter nichtverwandten Personen dienen kann. Sind sie doch (alle diese
« Familienmitglieder) wie zu einem Korper, zusammengehalten durch die
GliedmaBen, zusammengefijgt und verbunden durch die Verwandtschaft
(cnmmunio) miteinander.
Wir (Menschen) konnen nicht alle Dinge in ihrer wahren Natur
erkennen, noch (erkennen), wie der Weisheitspender (Gott) uns durch
■•5 die Forderung unserer Seelen lehren und erziehen will. Wenn es aber
sicher ist, daB Gott nicht an unserm Ubel Gefallen hat und nicht uns
leitet, um uns Boses anzutun, sondern zu unserem Vorteil, wie das Wort
des Apostels lautet: Auf daB wir teilhaben an der Fieiligkeit- (Hebr. 12, 10),
wer kann noch zweifeln, daB seine Gesetze Weisheit und Gesittung
50 spenden und Oluckseligkeit und ewigen Ruhm verleihen.
In solcher Weise ehrt er auch jetzt durch dies Gesetz uns mensch-
liche Wesen (wortlich: diese von unserer Natur), indem er befiehlt:
Der Mann soil nicht sein Weib ^urch die Heirat mit ihrer Tochter be-
— 2.S(i —
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§15. ^OT ^^Je .ai^ ■:■ li^^ap ZApv^e l.oKaa \j l^o :J^^^a lo
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LeUX:^0 .OLO^ 2^ CrX>. ^X 2^^a2p .^332 l^^. -^rrA«;^\ X<\-i
§16. ^*^c sXjo .Okwi . 1,«.>..3 P! . \x auucaao^ iAA;\o zvl^
l.jcrxv.'aa.x .lAeetp <\eL^>saL.xp ^^23^^^^^ o o % \. aa \ jois
^\olaa\.e 2;saxa^^e .slxa Ijcaaaaap o;\aP IxSa -^'^^-' 15
§ 17. .9^ .lOLi^ie 2'aciA. ^0:1 ^0u^.«2p ^s/kaoa 'auxp ?.^,■»p>■aa^
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§ 18. sxil ^2p w.o7e .IXdOU. ZioT Up,x]oA3 o^jo .wv.^ .eo* lda\,p
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^^^P O^^^p puJ A^ pkAp ^01 .^eiO ^OL^Op^ 2popL\^ 30
> I. ^ov^. - I. y».Mfta()p. 1. 6^.«..3. * I. 2^a5;sea.
— 281 —
schmutzen; er soil die Natiir nicht entweilien durch Geschlechtsuiii,i>ang
mit bliitsverwandten Weibern, dcnii solche Personen verdanken ihre
Existenz einer und derselben Mutter, ob sie Tochter, Sohnestochter oder
Tochtertochter sind. Wer sich mit ihnen in Kopulationsart verbindet,
wird bekanntlich verurteilt diircli das Gesetz wie derjenige, der seine
eigene Tochter, Sohnestochter oder Tochtertochter heiratet, sintemal
gleichwie Glieder fiir die Mutter, aus der {O^Aiep st. ^opi93V) sie her-
vorgegangen, die Tochter und Kindertochter sind
(Liicke, Text verderbt; s. A/im.)
wie derjenige, der sich erfrecht, sich deni Weibe auf andere Weise zu
nahern als gemafi den Gesetzen und dem Recht der Natur.
§15.
Fortfahrend spricht Gott, indem er durch seine lebendigen Worte
jeden moglichen AnstoB und Bedrangnis der Menschen voUstandig be-
15 seitigt: Du sollst nicht ein Weib zu ihrer Schwester heiraten, indem
du sie bedrangest und ihre Scham aufdeckest, wahrend jene noch lebt
(Levit. 18, 18)/
§ 16.
Ferner gibt Gott ein Gesetz samt Strafandrolumg fiir die Uber-
20 tretung desselben, um ganz im besondereii den Geschlechtsverkehr zu
regeln (Levit. 18, 19 und 20, 18?), und legt dar, wie befleckend und un-
rein es sei, bei fremden Weibern, die mit (ihren) Mannern verheiratet
sind, zu liegen (Levit. 18, 20).
§ 17 (s. All III.).
25 Und in betreff des widernatiirlichen Umganges verbindet er ein
Gebot mit der Androhung gesetzlicher Strafe und spricht: Cum masculo
non recubes more foemineo quia impiuum est (Levit. 18, 22).
§18.
In diesem Gebot liegt auch das andere eingeschlossen, betreffentl
30 den Fall, daB jemand sich erfrecht ut cum muliere recubet sicut cum
masculo, wie gesagt ist (Ronier 1, 20): Ihre Weiber haben den Gebrauch
ihrer Naturanlage verwaiidelt und sich des Umiatiiriichen bedient . Diese
Art des schmutzigen Mannerverkehrs hat sich vormals unter den Soilomern
gezeigt, weshalb ein neuer Brand, der auf iieuc Art verkiindet worden
35 ist (sic?), ihr ganzes Land vernichtet hat. Von ilamals bis jetzt hat sich
das Laster dieser Krankheit auch iiber viele Heidenlander verbreitet.
Etwas davon ist auch zu den Juden gelangt und hat einen ihrer Stamme,
den Stamm Benjamin, verdorben (jud. 19, 22ff.). Es ist aber auch in
einige Orte gedrungen, wo die Leute infolge dieser krankhaften Lciden-
40 schaft Delirien haben, ohne Scham solches begangen, Hochzeitsgemach
und Hochzeitsgelage fiir diese sonderbare Verbindung eingerichtet und
den Knaben gleichwie Jungfrauen eine ''.^piii schriftlich iiberwiesen haben
(.■;. Anm.). Diese Dinge sintl zwar durch die Erscheinung unseres Herrn
— 282 —
.^oi ^li U'h^l >w.2 » 2e : U^e 23^>^ \^ a^I^^p
2^\Sp Uxa^p gT^at..jo«. >.oA^ : 291^2 p loaaaA . ai poo
w.:!o>2 2^A<^^. 2Xa..^aa .52 . ', t V . n \ >»pb^2p 2^a.«^kj:p ^
v^oa2 .SA^ -V^-^P 2;^.«jc«« a5A«.p A^^o .2^a» > eoi Av
§ 19. tt\\y.fiioo 2aw>^3 ^3LX ^»pap A^p .^:io2 ae^o .\^ -I^m Jap
§20. :ziOu0^p 2;^;M2e .^ .isiA.s^^ 1'^j.^J3 ^cr .52e ..\.\.n^^A
■ 2ab.\nS ^2 2^^a2^ cAa\..fi .mae A^S^i^p 23^.^0 ^p^xt
■ j.ao>.B ^2 ^eu&2 ,X.-Ti«. l.aoOu.^0 OU 2s^l.X!P* wAt-A J&2 lo
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' I. ww.3Aw.^^3. ' I. 2xi». ' I. wttjoS ' 1. eo'e.
■ I. A2.
— -JSii —
aus der Menschheit ausgerottet, jedoch ein Rest davon existiert auch jetzt
noch in den Landern der Heiden, bei einigen im gelieimen, bei anderen
offentlicli, wie man z. B. von den Kaphtoren (s.Anm.) iind den Arabern
erzalilt, iind wenn es nocli mehr (Volker) dergleicheii gibt. Daher hat das
Gesetz Gottes wegen des heftigen Brandes ihrer Leidenscliaft und Liistern-
heit, welche die Menschen erfaBt hat, sie mit dern Tode wie mil einem
gevvaltigen Schlage getroffen. Weil sie den natiiriiciien Vorgang ver-
wandelt haben, hat er sie aus Lebenden zu Toten verwandeit.
§ 19.
10 Und ferner spricht Gott: Omnis qui cum pecude recubat inter-
ficiatur, et etiam pecus iapidetur {vgl. Levit. IS, 23 und 20, 15).
§ 20.
Feminam quae stat coram pecude ut ab eo comprimetur, interficite
et earn et pecudem {vgl. Levit. 18,23 und 20, 15). In gerechter Weise
15 hat er (Gott) auch Ubeltatcr dieser Art in das Gesetz einbegriffen gleich-
wie die vorher (in § 19) gcnannten, hat durch die Todesstrafe ihrem
Frevel ein Ende bereitet und die Erde von ihrem Schmutz gesaubert.
Samt ihnen hat er auch die Tiere getotet. Zwar waren sie nicht todes-
schuldig, denn sie \vu(5ten nicht, daf5 bose war, was von ihnen und mit
20 ihnen getan wurde, aber sie verfielen dem Tode, daniit sie nicht, so
langc sie lebten, Pcrsonen, die ihnen nahe kamcn, bcschmutzten und
nicht ihr Anblick cine Eriimerung an die bosen Taten weckte. Sagt
doch der Weise: Auch Kinder, die aus Gesetzesiibertretung geboren
werden, sind bose Zeugen wider ihre Eltern bei ihren (ilen an sie ge-
25 richteten) Fragen (Weisheit Sal. 4, 6). Aus diesem Gruntle hat er hier
(in § 19 und § 20) den Befehl: -Tote die Tiere samt den Menschen, die
sich ihrer in Gesetzesiibertretung bedient haben- vorausgeschickt, damit
zugleich die Sunde, die Sunder und das Zeugnis dariiber aus der reinen
Welt vertilgt werde.
30 Was mir der Beachtung wert scheint, ist dies, dali das Gesetz iiber
alle diese Obeltater eine und dieselbe Strafe verhangt liat, iiber die Ehe-
brecher, die Paderasten, die Sodomiter und Sodomiterinnen, denn fiir
ihrer ailer Siinden hat das Gesetz den Tod als Strafe gesetzt (Levit. 18, 20).
— 284 —
af^? o^p >\.\.bo li^e^3>3 .laepcr ^\«,.^o l^o^i3 A\.i».m
liopai ^aioi^i. U^2. IfvaVa? .\\.t) . ^? L^pcr .:^xi2 ^ar
I-^otJ^ ^Ip .«^^b^^.;^ ^J^c ^ajj^^ ^p ..aour^ 2 .2^^_l2p
^oAp \^ ^-^ . L.<caoia.t o^ Ju<»ao Isuap 3^<^p : %,^>.'nLn
w.creX.2 I^^^Ip n.^? a-^o .cr^x^Ip iL^i^ «,3J: 2%.t.\
?..a...^eiv-B La 2 w.xaop 2^iA..2 N'aa\ t .cusopa-p L'y^^
.1X13 lio-g \^e Aee«p
— 28:') —
Es scheint, da(5, weil ihre Leidenschaften sich oleichen, aiich die Strafen
ihrer Leidenschaften sich gleichen. Denn vver bei Mannern liegl, verfallt
evident zvvei Sunden, eo quod mutat tu a-x'lMt et quia niutat nieinbrum.
Et is qui recubat cum pecude, eodem modo agere videtur, nam nnitat
3 TO a-x'ifM et mutat homineni (ponit pecudem loco hominis). Ebenso aiich
der Ehebrecher, nam mutat personam (rn -poa-M-ov) et mutat membrum,
personam quia non ejus est nuilier, et membrum quia mulier membrum
viri alius est. Aus aiiem diesem ersieht man, dal? das (jesetz auch den
Paderasten verurteiit (nicht zujjieich seine Frau), denn zwar iiaftet die
10 Schande des Weibes an ilirem Manne, aber die Schande seines Oliedes
ist nicht ihre Schande.
Voliendet ist das Sciireiben des Mar Abha, Cathohcus-Patriarch des
Ostens, eine Aufklarung iiber ilie Oesetze des Cjeschlechtsverkehrs und
des Heiratens.
Anmerkungen
Corpus juris
Jesubocht.
28 !»
Anmerkungen zu Buch I.
'&
S. 3, i. Zu der Wiedergabe des Ausdnicks \a.? Id^OOS^^M
ZJm.3 Schrift iiber die dine durch Corpus juris bemcrke ich,
daB dina Oericht,Oerichtsurteil (richterliclies Urteil) und Q eric lit s-
sache (ProzeB) bedeutet. Der Verfasser versteht uuter dine in der
Hauptsache die Entsclieidungen der Oerichte in Streitfragen des biiroer-
lichen, nicht des kanonischen Rechtes, sowie die Orundsatze, nach denen
diese Entsclieidungen getroffen werden sollen, also das biirgeriiclie
Recht. Danacli kann der Inlialt des Titels seines Werkes durch Corpus
juris civilis, abgekiirzt Corpus juris, einigermaBen entsprechend wieder-
gegeben werden.
Die eigene Erklarung des Verfassers, die er dem Worte dina
gibt, s. in 1, il, und das Verhaltnis von dina zu naniosa, d. i. vo/ios,
s. in 1, Vll.
S. 3, 16. Ober den nestorianischen Patn'archen Tiniotlieos(gest. 823)
s. Syrische Rechtsbiicher, 2. Band, Einleitung S. XVll- XXI. Er lebte als
Oberhirt der nestorianischen Christenlieit in Bagdad von 780—823 n. Chr.
S. 5, 7. Ober den hier genannten Patriarchen Chenanischo' ist
folgendes zu erwahnen: Da die Obersetzung des persichen Rechtsbuchcs
auf Veranlassung des Timotheos (gest. 823), also doch wohl zu seinen
Lebzeiten oder nicht lange nachher angefertigt ist, so ist mit der Tat-
sache zu rechnen, daB es vor dieser Zeit zwei Patriarchen des Namens
Chenanischo' gegeben hat, Chenanischo 1, 686—693 und 694—701
(s. iiber ihn Syrische Rechtsbiicher, 2. Band, Einleitung S. VI— XVll)
und Chenanischo' If, der das Patriarchat von 775-779 inne hatte, also
der Vorganger des Timotheos war. Aus den Worten des Obersetzers
ist nicht zu ersehen, welcher Chenanischo' hier gemeint ist; doch
scheint mir die Vermutung dafiir zu sprechen, daB der letztere gemeint
sei. Denn wenn in der Zeit des Timotheos von eineni friiheren Patri-
archen Chenanischo die Rede war, dachte doch vermutlich jeder Horer
Oder Leser an den Vorganger des Timotheos, nicht an lienjenigen Che-
nanischo, der vor lOOJahren Patriarch gewesen war. Ware der letztere
gemeint gewesen, so hatte der Obersetzer wohl irgeiideinen Zusatz ge-
macht, um den allgcmein bekannten Trager dieses Namens von dem
halb vergessenen zu untersclieiden. Danacli diirfte der Verfasser unseres
Corpus juris der Zeit um 775 — 779 zuzuweisen sein.
S. 5, 24. Von den beiden Lesarten yoS und 3aiO^ (s. die
betreffenden Stellen ini Index) ist tlie letztere liie richtige, il. i. persisch
aL_) pesend — einVerstanden. Der Verfasser versteht dariuiter,
S,ichau, Syrische Rechtsbucher UI. I'J
— 2 '.Ml
cialJ ciii Oliiubiyer aus Oiite clem Schuldncr uinen Teil der Schuld er-
lalU und da(5 das Oericht dies als die rechtmaBige Erledigung derSache
anerkennt.
Unter bihdadhastani jll_ilJ^ wird das Gegenteil verstanden,
daf5 jemand aus Giite etwas von ilim ziigunsten eines aiuiern zii
Icistendes iJber das Mali dcsjenigen, was das Gesetz von ihin verlangt,
vermehrt.
Das persisclie Abstraktsuffix wird liier ill ^eschrieben. Vgl.
cu>xSjC)\3e3 dudagsalarih IV, IX; o;*iaajoL3i Erbschaftsver-
zicht V, VI, und Bartholomas Umsclireibungcn wie sox^anih, zanih
Ehe, sardarih i dutak in Ober ein sasanidisches Rechtsbuch in den
Sitzungberichten dcr Heidelberger Akademie, 1910. 28. Mai. S. 22, 10;
S. 7, Anm. 3; S. 4, Anm. 1 ; S. 8, 10.
Der Gebrauch des Wortes dadastan als Reclit, Gesetz in
der Parsenliteratur wie im Armenischen ist bekannt. Vgl. den Buchtitel
Dadistan-i-dinik, d. i. Das religiose Gesetz oder Recht (iibersetzt
von West, Pehlevitexte II). Bih- dadastan ill ist wortlich zu iiber-
setzen Gut-Gesetzheit oder Gut-Gesetzlichkeit, d. i. Gesetzheit
Oder Gesetzlichkeit im Sinne der zoroastrischen Religion.
S. 7, 31. Zu dieser Einteilung der Wissenschaften in scientia
rerum divinarum, scientia naturalis und artes liberales ist zu erwahnen,
dal5 der Verfasser sich auch mit der zweiten Art Wissenschaft befallt
haben diirfte, denn nach dem Catalogus von Ebedjesu (Bibliotheca
Orientalis III. 1, 194) hat er auBer seinem Oesetzbuch noch zwei andere
Schriften verfaBt, u^ lac? >\^3 De hoc universe und t\x3 la^^lae
0(93223 .XSOLX Eine Schrift uber die Vorbedeutung der ver-
schiedenen Arten der Luft. Hiermit ist seine AuBerung, da(5 er
in der sapientia naturalis nicht bewandert sei S. 9, 5 zu vergleichen.
Wenn daher die von Ebedjesu genannten Schriften wirklich von
unserem Jesubocht herriihren, hat er sie vielleicht erst nach seinem
Corpus juris verfaBt.
S. 9, 25. Uber einige Verschiedenheiten im biirgerlichen Recht
der Christen, besonders im Dotalrecht und Testament, vgl. meine Schrift
Von den rechtlichen Verhaltnissen der Christen im Sasanidenreich in
den Mitteilungen des Seminars fiir Orientalische Sprachen, Jahrgang X,
1907. S. 1—27.
S. 11, 12. Die Definition von dina (— Biirgerliches Recht) findet
sich voUstandiger im Codex Parisinus Syr. 306, Bl. 116a: edw.2 )U*3
2^3JS ^^--'^ o2 2\DJsao Dina ist ein richtiges Gewicht oder MaB,
welches usw. Eine weitere Erklarung des dina im Gegensatz zu
namosa, dem christlichen Idealrecht, s. I, VII.
S. 13, 2. Der Verfasser erwahiit hier die drei aus dem Avesta
und der Parsenliteratur bekannten Grundprinzipien der zoroastischen
Ethik, das Gute in Wort, Gedanke und Tat, d. i. hiikhta, humata
und hvarsta, die spater auch zu drei Himmein umgedeutet worden
sind. Vgl. Darmsteter, Le Zend-Avesta traduit 111, S. 3, 167, 16S und II,
S. 654, Anm. 20. Jesubocht gibt die Dreiheit dieser termini wieder durch
2;se^->3>S d. i. Geradheit, Korrektheit; in sachlicher Hinsicht
wiirde, wie die im folgenden Absatz IV gegebenen Beispiele beweisen.
— 21)1
ein Aiisdruck wic probitas oder aequiini et boniim nielir ent-
sprechen. Oemeiiit ist das etliisclic Recht ini Oegensatz zuin fi)rmaleii
biirgerlichen Recht.
S. 13, 17. Der Aiisdruck S^aLi. 1^ ^oa^O (Text 12, 11) kaiiu bc-
denklich schcinen, vjrl. kiirz vorhcr (12,0.7), demi an letztcrcr Stclle
miiii cr fecit sti piilationem bedeuten er hat den oder eineii Ver-
trag vereiiibart, abgesch lessen niit jeniand , wiihrend er an ersterer ini
Ziisamnienhang nicht anders gedeutet werilen kann denn ais er hat
den Vertrag zur Aiisfiihrung gebraciit . Ein Ausdrnck wie w.oa«So
>*\y>T 1^ wurde deutlicher sein.
S. 13, 25. Uber namosa vo/ios (das christliche Idealrecht) im
Gegensatz zu dina (biirgerliches Recht) uml rectitudo (ethisches
Recht) vgi. hier Kap. VII. "
Das hier in Zeile 19 — 22 gegebene Beispie! ist schlecht gewahlt,
ich wei6 aber den Worten keinen besseren Sinn abzugewinnen.
S. 15, 3. Der Oedanke des (jesetzgebers diirfte folgender sein:
Jede weibliche Person soil wenn moglich bis zu deni Grade init Ver-
mogen (Mitgift) ausgestattet sein, daB sie sich verheiraten kann, denn
es soil vermieden wcrden, dal5 sie etwa wegen Armut der Unzucht
anheimfalle, falls sie unverhciratet bleibt. Ganz besonders gilt dies
auch von den Witwen. Ausfiihrlich handelt hiervon Erzbischof Simeon
von Revvardasir in der Begriindung zu seineni § 3 (s. hier S. 238).
S. 15, 21. Der Verfasser unterscheidet zvvischen namosa vo/wi
und din, dina in folgender Weise: Ersteres ist die ideale Rechts-
forderung, das Gesetz an und fiir sich in idealer Auffassung, letzteres
dagegen die praktische Ausfiihrung desselben (Kap. VII).
Es kann verschiedene Arten von vunoi geben, solclie, weiche
Fiirsten ihren Untertanen, Vater iliren Kindcrn, Lehrer iliren Schiilern
geben (Kap. VIII).
Der i"'/''>s lies Christentums ist das Moralgesetz, und dies ist
iiberall in der Christenwelt dasseihe (Kap. IX). Der i'v">s ist erhaben
iiber alle Detailbestimmungen des biirgerlichen Rechts (Kap. X). Vor
der Offenbarung des Evangeliums durch Unsern Herrn Jesus Christus
bedurften die Menschen zu ihrer Leitung des biirgerlichen Rechts, das
Evangelium aber macht alics bijrgeriiche Recht entbehrlich, das ist: fiir
die vvahren Christen. Wenn aber dennoch die Christenwelt biirger-
liches Recht hat, so hat dies nur den Zvveck, die Unwissenden zu be-
wahren, dal5 sie keinen Schaden an ihrer Seele leiden (Kap. XII).
Die christlichen Juristen waren gegeniiher den jiidischen Kollegen
in einer ungunstigen Lage. Diese beriefen sich auf das Alte Testament
als die gottliche Quelle ihres Rechts, jene konnten das Alte Testament
nicht in seinem ganzen Umfange akzeptieren, und das Neue Testament
gibt keine (oder doch zu wenig) Detailbestimmungen iiber biirgerliches
Recht. Und gegeniiber den jiidischen Oegnern einzugestehen, dal5 das
bijrgeriiche Recht, unter dem die Christen im Orient lebten, in der
Haiiptsache romisches, also heidnisches Recht war (abgesehen von
partikularen Rechten aus asiatischer Heidenzeit), ist den christlichen
Schriftstellern schwer. wohl meist unmoglich gewesen. Es blieb ihnen
daher nichts iibrig als fiir ilir biirgerliches Recht als Quelle die Uber-
lieferung von den Vorfahren bis auf die Apostel zuriick an-
zunehmen. Da nun aber nicht geleugnet werden konnte, ilali das
biirgerliciie Recht in verschieilenen Provinzen recht verschieden war,
— ■2i)2
so mochtc ilcii Gcuiicrn iles Christentums diese Uberlieferung
vdii lien Vorfahren als eine recht triibe Quelle erscheinen.
Dem I'JNos steht s^egeniiber der din, dina, das praktische, das
hiirjjeriiclie Recht, das eventiiell aus dem lu'/iov abgeleitet werden kann
{Kap. IV). Die Definition s. in Kap. II. Fiir die Obersetzung empfehle
icli namosa io>os durch Oesetz oder Idealgesetz, dagegen dina,
wo es nicht Gericht oder Urteil bcdeutet, durch biirgerl iches
Recht vviedcTzugeben. S. Anm. zu S. 3, 3.
Ober das Verhiiltnis von dina zu den zoroastrischen Begriffen
der rectitude s. Kap. IV, zu dem Rechts-Minus und Rechts-Plus,
s. Kap. V, zu den rectificationes s. Kap. XIII.
S. 17, 27. Das X. Kapitel findet sich in Tukkasa Bl. 74a 2 ■74b 4.
Kollation: Text S. 16, 16 ^ijft.^ st. w.k.aoA, 17 1 1 * \. \ .n st.
uA^a, IS 2o07 nach J3?f, 22 lieL ol lal o2 nach liso^l.
23 vi? St. ►a*-.!?, 24.25 2^c^2pe st. lisuiiolp o2, 25 Ijoiioo
St. Ijoii^e, 25 UJltt^x, 27 '.ViaSsii st. l-j-ix'ii, 29 ijA.ouo>?
nach -.ojaaoxa, 18,3 2?OI nacli \\:»0.
S. 17, 28. Dieser F^assus ist vvortlich II. Tinioth. 4, 1 entnommen.
S. 19, 10. Das XI. Kapitel findet sich in Tukkasa Bl.75a 17 75b 13.
Kollation:TextS.18,llhatTukkasa2^ftioeL^>\,^st.:^a»0^\ye.
13 (;***54 St. ^--««.^a, 13 ^? Ol^HMl^ St. o^Aao^. 15 iScOe^^sM
St. IAjO^^^, 17 lA^iJO St. ^ooi lA^JO. 20 2^>^>^ st. 2^^3A3■
S. 21,13. 14. Das Xlll. Kapitel findet sich ebenso in Tukkasa B1.81a
10 17. Die Uberschrift lautet in Tukkasa vOaoi lal? SOOaLixOO*?
aJCo nOO^ O^Sk^ 2^3e«S3 mit Auslassung von liiM A\^ (hier
S. 20, 10).
Unter diesen rectificationes versteht Jesubocht Ennahnungen,
weiche der Richter an streitende Parteien richtet, uni sie zu veranlassen,
einmal iibernommene Verpflichtungen nicht aufzugeben, sondern unter
alien Umstanden zu erfiillen, eventuell auch iiber die vom Oesetz be-
stimmten Grenzen bei iiuien zu beharren. Wenn Verlobte ihren Ver-
lobungspakt aufhebcn, nicht heiraten wollen, wird ihnen eine recti -
ficatio zuteij, d. li. sie werden erniahnt ihrer Vereinbarung getreu zu
bleiben. Vgl. S. 79 (111, 11). Wenn ein Ehemann in der Fremde' ver-
schollen ist, nnii5 seine Fran, falls sie von seinem Vermogen lebt, bis
zu lOJahren auf seine Riickkehr warten. Nach Ablauf derselben konnen
die Leiter der Kirche (als Richter) ihr eine rectificatio zuteil werden
lassen, d. h. ihr vorstelleu, wie verdienstlich es sei, in der Hoffnung
auf Gottes Giite uocli langer auf ihren Gatten zu warten und ihren
Ehepakt nicht als erloschen anzusehen. Vgl. S. 85 (III, IX).
Vielieicht staiumt tier Ausdruck turrasa 2e30di> = e-m6p0w<ris aus
2. Tinioth. 3, 16: 001 US^SoM 3^^^2 ImOSOS LA, 3dva \a
2iNai 2.3^33 2>Sep3>tt^o 2^^o^.^o Lseoi^e tjA^a^.
— 293 ~
S. 21, 41. In tier Mitte des W. Kapitels beginnt die arabisclie
Paraphrase (Arabs I) des Codex Arab. Vaticaniis 153 aiif Bl. 81a in
folgender Weise:
Ubersetzung: ^weil die Menschen noch weltlich gesinnt waren
und an der Welt iind der Siinde hingen. Aber als ihnen die Augen ge-
i3ffnet wurden und sie das Himmelreicli sahen, da hatten sie Geiiiige,
solches von sich werfen zii konnen .
S. 21, 41. Das XV. Kapitel findet sich in Tukkasa auf Bl. 75a 9—16.
Kollation: Text S. 20, 30 X^Z^O fehlt, 30 \i- st. \x?.
S. 23, 6. Das XVI. Kapitel findet sich in Jukkasa, Bl. S5b, 6^86a, 16.
Kollation: Text S. 22, 4 hat Tukkasa "p^ st. ^i», 4 23^*. nach
Z^ ^l3. s a^Up 23^.33. q licr fehlt, 16 o^slx, 17 as^?'
20 Mm\^, 20 -W lAl St. U\\ . 20 das Eweite iaoj33 fehlt.
9 v
S. 23, 12. Das Wort I3X..M ist ein Schreibfehler fiir 23y«k»
(so uberliefert in Tukkasa), das gewohniich als Geometer gedeutet
wird, hier aber ehvas wie Architekt T\'%?32 bedeuten nnili. Vgl.
Bar Bahliil:
T 1 . 1 1 K^-Su^e l^i^'^l Js.".Tab 2^M^^2^ 2^^,^ol.t.»
294
Anmerkun^en zu Buch II.
S. 31,8. Das Kapitelll, II findet sich in Tukkasa Bl. 111b — 114a 6.
Kollation: Text S. 30, 6 hat Tukkasa lauoao ^io? Ii.3>i st.
I3UQ>M ^ iLoa, 12 Zao3 St. 2^^o^, 15 IsyfiU^o St. ;.ua.aae.
wo itn Nun geandert ist, 22 ^^ au\ 2o7 st. ^V* 2o7, 32, 4 U^AX
St. T'V'M, falsch abgeschrieben aus der Quelle von R, wo man zur Not
auch X*A3>A lesen kann; 6 Z^SftVAiON st. l\eo*3 2;so\A0^. 6. 7
2x^&.jOk:» 2X30 a^ lal e2 %iei "as. I'^a ^ ^Ip w.c7 st. ^3k*aT
2x^XA>» liel IZLX 2X30 ^ o2 1^2 \^ 23^3 ^3. s ^-Vl^
St. uA\, II \\,'<)3 St. v\\.*a. 11 l»2e 1323 2^a3UJe^ st.
l323 2iNoaujQ>, 12 Z^«^t3o st. l\^«o. 17 o^l st. a^23. 26
oris 3a l\au.^^e ohne ^oo", 27 U^s^ st. IiX«A, 29 z\3U.ioo
St. ^oo7 ;^^u.^.», 29 i*.2 St. U*2, 34,7 2iouo fehit, 10 v»0
2^oZda\, St. 2^el^a\. ^, 14 Ixso^ st. Uxso^o, is \\.»
St. ^, 23 ^-3 OCT St. ^3 ^.p^'oi, 25. 26 i^ st. 1^ i^2, 28 ,!«•
K^l . \ X» St. ,--iJf, 20 0070 St. OCT, 29 >*'ai ^1 st. ^2, 36,1
2isA.3o>S3 ♦\ft\Me St. 2;sa^3io.
S. 31, 16. Die Textverderbnis ini Anfang dieses Paragraphen
findet sich gleicherweise in der romischen Handschrift wie in tukkasa,
wahrend in der arabischen Version derjenige Sinn ausgedruckt wird,
den der Inhait des Paragraphen fordert. Arabs I: Von dem Nutzen
der Heirat mit fremden, nicht mit verwandten Personen, und von der
Schadlichkeit (der Heirat) mit verwandten Personen<. Text:
Aus dem fehlerhaften Anfang des Paragraphen (ii-^ki st. ii-niOT)
erklart sich, daB in Z. 9 der Schreiber gedankenlos fehlerhaft fortgefahren
hat, indem er vor 1 "Oft 50 den durch den Zusamnicniiang geforderten
negativen Ausdruck (o^s js^3 »*ci) vergalJ.
— 295 —
S. 32, 6 Text, Obersetzung 5.33, 17. Dcr Ausdruck :^a\^«^
l\eo*p kann Bedenken erregen. DieLesart von Tukkasii 2«So\.\f>^
befriedigt auch nicht: also daB sie (die Liebe des Oenusses) zuweilen
auch mit Seltenheit verbimden sein kaniv . In der arabisclien Version
fehlt dieser Passus.
S. 35, 11 — 17. Mit dieser Begriindung des Verbots der Verwandten-
heirat, speziell der Heirat mit der Fran des Bruders, vgl. Leges Con-
stantini Theodosii Leonis, Syrische Reclitsbiicher 1, § 53, S. 85. Jesiiboclit
erwahnt dasseibe Argument noch einmal II. Kap., Vi, S. 43, 23. 24.
S. 36, 8 Text, Obersetzung S. 37, 4. Oegen den iiberlieferten Text
(hier iind S. 26, 6) scheint mir die Anderung ♦^^e^ii^T^l 1j? unerlal5iich,
denn der Verfasser will nicht erklaren, wie die Menschen imstande ge-
wesen sind, die Biutschande zu verachten, sondern wie es ihiien iiiogiich
gewesen ist, sie zu begehen, sie nicht zu verachten. Dem Sinne nach
richtig Arabs I : Warum einige Menschen sich haben beikommen lassen
solchen Schmutz zu begehen. Wegen dcr Macht der Begierde, der Hab-
sucht und der Einflijsterung der Damonen usw . Te.vt:
(Bl. 82 b, 2. 3). ^\ f^ cA!j jUpUJI jv_^"
S. 36, 14 = S. 37, 12. Zvk'ischen : icr>ft'ni unci -op ist eine
Liicke, in der ursprungiich der Anfang des von der Heftigkeit der Begierde
2>N>V3 3 2^o,\.T,^ handelnden Abschnittes stand. Es fehlt vielleicht
nur
foigendes: 3>J:o oavp -cp [2^A.,^^ I^OlX^jl^o]. Vgl. hiermit
Zeile21: 3JCe «*op ^.p "i \>\ f1 ^^aLM^. Die arabische Version gibt
den ganzen Absatz S. 36, 14 — 21 mit folgenden Worten wieder: »Die
Heftigkeit der Begierde, wenn sie von irgendeiner Seite eintritt, ist, als
ware sie behindert, geknechtet (d. i. vom Qesetz). Text:
(Bl. 82b, 4. 5). oJ-J_ll ic.yJilS' j_jC' k^s- j^ 0^--^»- ^ »>4-^l °^i
S. 37, 28. Diese Gerechtigkeit oder JL-lj ist die zweitgroBte
Tugend in dem System des Mainyo-i-khard (s. ed. West, S. 38, XXXVII, 5),
und erscheint dort verbunden mit der Verwandtenheirat als das
zweite GroBte und Beste, s. S. 14, IV, 4: Und das zweite ist Ge-
rechtigkeit und Verwandtenheirat.. Vgl. auch Ch. XXXVll, 12; XXXVI, 7.
S. 40, 1 1 = S. 41, 6. Zwischen Schwiegersohnschaft und
Schwiegertochterschaft muB das Wort iJSeadOau*, das in den
Lexicis fehlt, einen Verwandtschaftsgrad bezeichnen. Ich empfehle es
als eine Ableitung von .^'n«. Schwiegervater zu erklaren: lA^.dau.
schwiegervaterlich, 2^oa^.aa«• Schwiegervaterschaft, hier
vielleicht in dem weiteren Sinne Schwiegerelternschaft gebraucht.
S. 42, 13. II, Kap. VI findet sich in Tukkasa Bl. 115b3 116a 5.
Kollation: S. 42, 22 hat Tukkasa 3-A,. st. ^?. 23 -.crou-I ^XaI
fehlt, 2Q Uo7 '"oXyN .i.tt.. 3>A ~t. Uo? Ua^eaA ~i...-ax>i.
— 296 —
S. 43, II. Wie jedes Vergclien nicht nach der Tat, sondcrn iiach
der Absicht bcurteilt werdcn snil, so aiich (narh II, XIII, S. 61, IQ) jede
gute Tat. Es ist derseibe Orundsatz, der iin islamischen Recht aus-
gedriickt wird durch iUl ^UJl die Tat nach der .\bsicht .
S. 44, 3. II, Kap. VII findet sich in Tukkasa Bl. 81 a, 17— 84a, 21.
Kollation: S. 44, 8 hat Tukkasa ^A«»3fl^ st. -ff-mS? *J ^
w-ceaoLX fehit, 15 w.07 ^3 st. <*oi ^Jat . 16 .. :^oA nach ^xbJOp.
17 • I1 V.'V. xaaa^ st. ivVaXjoaa^, is \\,'n st. p.^. \^ ^oAp
2dO«au. \.Xe iajSl zwischen IA^^Sm. und £00^33, 20.21 Von
vos^ 3^3 bis Z:3ui<^ Loaaoi fehIt, 21 L..3u^A st. ;Lau><^.
22 :...n.,.a^^ vor oA, 22 fehlt A^.Y). 23 ^.A..d» st. -A-JU,
25 ;-So St. I^, 25 OJaa? \^o st. OuM^e. 28 1^2 vor 3u3,
30 OCT ^2 St. ^2, 30 w.c 2'.ia\, st. ocr 2M.aa.\., 44,30.
46,1 a\.3...ct3o It.M. •19 3 LiLao. 2 0007 fehlt, 3 % ntiYtN
AW'oNo St. AV/itiNo eanvaa^. 5 ^23 fehlt, 6 xciBp ,30^
St. jo^ XC133, 9 2lAa\. St. 2M^aA^, 12 llias^^o st. llia^,^. 15
das eine ^ai2 fehlt, 17 auOJ nach )\a, 19 UoLAo st. LiflO^o.
24 X^JL,? St. lAilA.^, 2Q auo 23cr .\\.ao st. ;a^jQ> 23gi^\,»o.
4S, S isA^Spo St. iv\M33, 8 xA. nach BOuAa . 12 ,,.aia2 st.
^d.2, 13 ^op St. W.0P0, 16 ^jib fehlt. 17 w.3 X^2e st. ^3 :\^2.
17—19 (JO X.2e .2;^,.jC3kAJSo Ixo-i^-N? ^3 ^w.2o .laoL^s^p
.23m^3 ^39 ;(o.2o 2^a^JQ}l!S3 ^3 ^^^2o .1A.30l^3. 22 CN-O
St. 2iwJ3. 24 ?.\ ei.Jo23 St. 1 \..tt.\yXa23, 28 or^ou«3J3 st.
O7^0L^e3>.J3, 30 >-^ap St. ?-*JO, 50,1.2 ^oov^'x^ iJSo
♦.^Qca^i^TiNo St. vO0v''v«a>a^e >ec>^auA.2o. 5 laL st. 15^.
5 }\^l St. X^l, 14 OCT St. oc'o. 14 •■iTn>M3 l»a« st. •■tt3>*«.
17 ^2 nacii ^..,am.UO, 21 lsa:»3 fehlt, 23 UxoOl^ st. 23uOa5.
27 'Sp ;s^2o .St. I^ ^3 ^w2.
S. 44, 11 — 17 = S. 45, 21 diirfte ini einzelnen nicht y;anz intakt
sein. Das M.g'o>aa«. ^, Z. 10, scheint entbehrlich; in der Stelle
Rom. I, 20 steht nichts, was ihm entspricht, und in Tukkasa fehlt es.
Das J \\'\i\ lOaa^ Z. 16 der romischen Handschrift ist ein Fehler fiir
'■\j>:»iC»'ift\, iind anstatt wJmX3u> Z. 17, ist zu lesen fcA«a>a>*3. .Aiich
mill) in Z. 12 nacli I^dJ^O ein Aiisdruck wie 1j,30l^ 3^3023 ^*2
— 297 —
jao^Oid gestanden haben, denn 2a~50 /. It liat ilin ziir V'oraus-
setzung; wie der Text jetzt lautet, fehlt in la^.^ das Siibjekt. Sonst
miiBte man andern in -.OT >Jae L>>eu«V aA.
S. 47, 26. Uber heidnische Bniiiclie in bezu"; aiif Menstruation
und Pollution s. Diilmann, Kommcntar zu Exodus und Leviticus, zu
Levit. U). 17. 10 (2. .\utl. 1880. S. 521).
S. 49, 9 und ft". Mit diesen Bctraclitunjjen iiher den Sonntag ist
zu vergleichen, was Ebedjesu im Tractatus S. 248, Obers. S. 84, als
Sonntagsgesetz unter dem Nanien des Jesubocht anfiilirt. Ebedjesu liat
vermutlich dies Qesetz aus einem anderen Werke Jesubochts als deni
vorliegenden entnommen, oder er hat Jesubocht hier falschlich genannt.
Bel den Textworten 50,12: ixo IjCx^a^j ^oc ioilao
dachte der Verfasser vermutlich an die Stelle 1. Petri 3, 21 .sO^i^ >^i?
Den Ausdruck 2^0u» z!^ iL.? l0^a\. ^? ^3u.^e (50, 13,
vgl. Z. 20) mochte ich wiedergebcn: und wir nehinen das unsterbliche
Leben zum n!7ros< , zum Vorbildc, oder wir .stellen den tvttos des
unsterhlichen Lebens dar< .
S. 52. II, Kap. IX vom Anfang bis S. 54, 2 2??—? Ii?^a3
findet sich in Tukkasa HI. 114b— 115a 14.
Kollation: S. 52, 23 3«.i<w* fehlt in Tukkasa; 52,30 JaJS 2^^.&2
St 2^6^ 2.
S. 53, 9. Der paulinische Oegensatz von schniutzig - heiil-
nisch und rein = chrisflich findet sich ebenso bei Muhammed im
Koran: ^-i-j (J^j) Schmutz -— Hcidentum, dagegen jjj^\ die
Gereinigten = die Muslime.
S. 55. II, Kap. X vom Anfang bis S. 56, 9 Iaoi U^^e2 findet
sich in Tukkasa Bl. 121b 9-122a 5.
Kollation: S. 54, 26 ^3^ ^^ st. ^iie, 28 ^o^ st. ^ooj!^,
56,1 ^ou.« St. ^au.e. 2 2oc7 UA07 st. Xi^m, 5 23^^^ ;l^ st. l^e
2aA^, 5 UaA e2 st lxp\ p ^s aior, 6 Ix^l liS^ >^V^
v*07p hinzugefiigt nach o;i\.b>3.
S. 57. II Kap. XI, findet sich in Tukkasa Bl. 122a 14— 122b 13.
Kollation: S. 56, 28 i^-iO>^ st. 2X.ioaud, 28 ^d>.3X3 st.
^3>.?, 29 Jo eingefiigt nach 2^0kS3u., 58, I <r^ivA la fehlt, 9
2x^»aA St. 2i^.v.>3. in 23>aooL^ t. L>30'ia\\, I J IXUal >,»
St. Ulu2 ^o.
— 2!)8 -
S. 50. II Kap. XII finclct sicli in Tiikkasa HI. I2'3b 12 12).i S
KoJIation: S. 58. 15 ^1 st. ^l. 15 oj^^jl^, 22 Uoca^o
St. 2^e^xAo, 2 5 23a\ st. i^J^., 24 o2? st. ^2?, 26 laix
St. ;jaj:3, 28 Ixi? felilt, 28 iooT st. ocr, 28 i'acxl^? ^ fehlt.
S. 59, 27 = Text S. 58, 19ff. Das Wort I^ftSV^ Teil erscheint
liier in einer eigentiimlichen Bedeutung. Z. 19: Er verleiht ihnen (den
aus clem Ehcbruch seiner Frau gehoreneii Kindern) nicht die Kind-
scliaft nnd den Teil iind die Erbenscliaft seiner reehtmiiHigen Fran.
Z. 21: Sie verleiht ihnen (den aus deni Ehebruch ihres Geniahls ge-
borenen Kindern) nicht ilie Kindschaft nnd den Teil und den Unter-
halt und die Erbenschaft ihres Geinahls. Dafiir hat in letzterer Stelle
Tukkasa: die Kindschaft und den Teil und den Unterhalt und die
Verpflegung . Auf Grund desTextes der romischen Handschrift nehme
ich an, daB 2JSa\\3 Teil liier Vermogensteil bedeuten soil, den-
jenigen Vermogensteil, der speziell entweder dem Ehemann oder der
Ehefrau gehcirt.
Die Bestimmungen dieses Paragraphen iiber die Ehebruchskinder
haben zur Voraussetzung, dal5 der Ehebruch nicht konstatiert, nicht
gemaB den gesetzlicheti Vorschriften nachgewiesen ist.
Wenn der Ehemann A im geheimen niit der Ehefrau des B Ehe-
bruch treibt nnd Kinder daraus hervorgehen, dann bleibt die legitime
Ehe des A von den Folgen verschont, wahrend B die Folgen einer
Siinde tragt, die er nicht begangen hat. In jedem Fall ist der Gemahl
des ehebrecherischen Weibes der leidtragende Teil, und ein Unterschied
ergibt sich nur insofern, als die Familie des Ehebrechers von den
Folgen verschont bleibt, wahrend die Familie der Ehebrecherin von
ihnen getroffen wird, dadurch materielle Verluste erieidet. Man kann
daher sagen, dafi auf seiten der Fran der Ehebruch schlimmere Folgen
hat als auf seiten des Mannes.
Das in geheimem Ehebruch gezeugte Kind hat gegen seine Mutter
a) das Recht des Kindes,
b) das Erbrecht gegen den speziell seiner Mutter gehorigen Anteil
des Familienvermogens, und
c) das allgemeine Erbrecht gegen die Eltern, d. i. in diesem Fall
gegen seine Mutter und deren Gemahl, der aber in Wirklichkeit nicht
der Vater des Kindes ist,
d) Anrecht auf Unterhalt und Kleidung.
Dies Kap. XII findet sich anch bei Arabs II (183 b, Z. 11—16), es
fehlt hier aber der letzte Absatz (die Verteidigung der Tatsache, daB
die Manner die Richter sind [im syrischen Text S. 60, 3— 7]). Text:
■j\,ji\ /j* A«1.J <.J| J-o A«laSj AST.1J y AjJ.. ^U-^1 L'jj Uj__^ «jul a\jL.\ Ijj
»Jesubocht spricht: Der Mann darf die Frau, wenn sie die Ehe
bricht, entlassen, nicht umgekehrt. Denn das Kind des Ehebrechers
gilt nicht als das Kinti der Fran (seiner rechtmiiBigen Gemahlin), es
— 29!^)
beerbt ihii niclit, iiiui er braucht es nicht zii versors^eii. Dagegen das
Kind der Ehebrecherin gilt als das Kind dcs Mannes (ilires rechtmal5igen
Gemahls); dies Ehepaar wird von seinen Kindern beerbt und es hat
die Kinder zu versorgen. — Ober das Kind der Ehebrecherin besteht
kein Zweifel, daB es von ihr ist, wahrend es bei den Kindern des Ehe-
brechers zweifelhaft sein kann, ob sie von ihm oder einem anderen
abstammen. — Auf den Ehebrucli des Weibes folgt ihre VerstoBung,
auf den des Mannes folgt, dali er zur Rede gesteilt und von der Kirche
wie von der Messe ausgeschlossen wird.
S. 60, 5 = S. 61,6. Das Wort ISoioJSi fehit im syrischen Lexi-
kon. Ich nehme an, da(5 es von den Interjektionen mO^ und lo^Oid
abgeleitet ist und den Sinn verachtlich, veriichtlich machend hat.
S. 61, 2 — S. 60, 2. Zu den Kirchenstrafen. Ich habe so all-
gemein Qbersetzt, weil mir ein sachlicher Unterschied zwischen lauol
(Bindung) und ^t»\a (Hinderung) nicht bekannt, auch aus dem
KonzilbeschluB bei Ebedjesu, Tractatus VIII, 22 nicht zu ersehen ist.
Gemeint ist, daB der Obeltater von der Messe, uberhaupt von der Kirche,
so lange ausgeschlossen ist, bis er durch BuBe sein Vergehen gesiihnt
hat, also eventuell, falls er ungesiihnt sterben sollte, auch nicht eines
christlichen Begrabnisses teilhaftig werden kann.
S. 61, 19. Zu diesem Grundsatze, daB eine gute Tat nur nach
der Absicht zu beurteilen sei, vgl. Anm. zu II, V, S. 43, II.
S. 63, 21. Wie die Raben usw.'. Bei diesen Worten durfte der
Verfasser an die !Jm>^^V oder Euchiten gedacht haben. Vgl.J.B.Chabot,
Synodicon Orientale, Index s. v. Messaliens, und J. Labourt, Le chris-
tianisme dans I'empire Perse, Index s. v. Mesalliens.
S. 65, II. II Kap. XV findet sich in Tukkasa Bl. 124b l~l25a 11.
Kollation: S. 64, 10 ^a^ioo st. ^3>,^^vA3, 12 olp .\.%»2o
St. des ersten el, 16 O^ st. >\a, 16 «o; fehIt, IS 3^ X^IUumJC st.
:>wL5aL^.».T 3b^. 24 I^ft.v \ > caia-i st. I^oA % oa, 25 o2
UjcdS^^^ -t. UJe>^^^oeo. 3U Ua? st. Z«a9, iU I^soa^s st
Im Anschiuli hieran findet sich der folgende Absatz, der gleich-
falls als von Jesubocht herruhrend bezeichnet, aber im Codex Romanus
nicht vorhanden ist, in Tukkasa Bl. 125a 11 — 17:
2932 ^303 2^eu.a>^a.io : ^coAx ^o^a 2^3^^ w»p : \.\ "^
.3^33 lAaJ. \x 2^a2L«>k J\ata3 ;^xx : ;t.>ff
Wenn jemand von HaB gegen seine Frau erfaBt wird und sie
tier Hurerei bezichtigt, wahrend sie unschuldig ist, und ohne daB er
o
— HOO -
Zeuijen fiir seine Aiissaj^e beihrin<ren kaiin, tl.inn winl der Aussdiliili
von der Kirche sowie von ilen lieiligen Sakratnenten s^egeti ihn er-
lasscn (und aiifrecliterhalten), bis cr Bufie tnl fiir die Siinde, die er
beganj^en liat.
Das Kapitel XV findet sich auch bei Arabs II Bl. 183b 16— 184a 8
in folgender Fassung:
*^j;dl; ji jy>-Ji\> C:=^jj Jt A^ ^ (Bl. 184a) J^J\j i-j\ JsV\
j o^,*!^. j^ j\ '(►till ^ ^,t cA!i j^jX;^ as a;V i!l^ V J-*-A_ \ _^l
er\ } J*-? «:^>^* ^^ J^.J ^* ^-r-=^ ^^* *-r'' «^ ^^' ^ (>
iJi^ C.U; c-i" jl ^y»L\)i Ufr! J_»i jlj ^^Voj -uil ^._ j i:<^l j^
Obersetzung : Der Beweis fiir den Frevel (den Ehebruch) wird
durch dreierlei erbrachf, durch die Schwangerschaft der Frau wahrend
langerer Abwesenheit ilires Gemahls, dadurch, daB sie als Ehebrecherin
notorisch ist, oder durch gottesfiirchtige Zeugen. Die Zeugen miissen
sechs sein, denn das Zeugnis bezieht sich auf zwei Personen, die Ehe-
brecherin und den Ehebrecher, wenigstens aber vier. — Wenn ein Mann
seine Frau wegen Ehebruchs oder Verheiratung mil einem anderen
Mamie verklagt, soli ihm nicht ohne weiteres Glauben geschenkt werden,
weil er vielleicht aus HaB handelt, es sei denn, daB sie als schlechte
Person notorisch ist und dafi fremde Menschen, nicht Verwandte,
solches von ihr aussagen. In dem Fall besteht folgendes Verfahren:
Der Mann beschwort seine Aussage in der heiligen Kirche vor der
Gemeinde und nimmt die Fliiche der Geistlichkeit auf sich (falls er
einen Meineid schwore). — Wenn aber nichts von dem, was die Klage
besagt, an der Frau nachgewiesen werden kann und niemand den
Ehebruch gegen sie bezeugt, dann soil die Frau schworen und die
Fliiche der Priester in der Kirche, bei dem Evangelium schworend, in
der Weise auf sich laden, daB der Priester zu ihr spricht: ,Wenn du
also getan hast, moge das und das iiher dich kommen. Wenn du aber
die Wahrheit sprichst, bist du unschuldig.' Und daim kehren die beiden
(Eheleute) zu ihrer Gemeinschaft zuriick.
Inhaltlich ist hiermit der § XX bei Ebedjesu, Tractatus S. 217, zu
vergleichen.
S. 65, 40 bitteren priifenden Wassern . Vgl. iJber dies Gottes-
urteil Dillmann's Kommentar zu den Biichern Numeri, Deuteronomium
und Josua S. 28 — 31. Ober die Ausfiihrung desselben bei den Mono-
physiten s. Barhebraei Nomocanon ed. Bedjan, S. 147, 17ff., und Mai,
Scriptorum veteruin nova collectio X S. 76, Kol. 2.
- 301 —
S. 66, 1 - 67, 3. Das Wort 1jo^\^ (so die Romische Hand-
schrift iind Tukkasa) kann wohl nur so s^cdeutet werden, wie ich ver-
sucht habe. Bei Arabs I und II fehlt dieser Passiis. Dein Sinne nacli
umschreibend, aber richtig Ebedjesu im Tractatiis S. 217, Kol. 2: iii-
dem die Frau sich fernhalt von alien Kenii/^eichen, die ihr Gemahl
gegen sie im Sinne fiihrt .
S. 67, 17. Zu laSOOdM, ini allgemcinen Laden, hier als Schenke
iibersetzt, vgl. Jerem. 35, 2: iJSo.v ..■■. w» 2>,m ^ — ^o^l \^lo
liaa^. •voal Utxxlo
V
:{(i-j
Anmerkuneen zu Buch III.
'C3
S. 75, 7. Ill Knp. I, § 1. 2 findet sich in Tukkasa Bl. 116b 4 bis
117a 9.
Kollation: S. 74, 5 3u\ felilt, 5 -O^ 3^ st. _0^, 7 i^i?
St. a^'^^^a, 11 (^^j^^ouopo St. (^t.tia.ctfo, 13 sadsJ^I st. ^p^Jc2, n
Ifi^e'S^S St. I^SiS, 20 ♦s^QgrAiJ St. ♦s^Qg^A'aaN, 21 ^or 2;^3b«.3bX
St. I^k^xs.
S. 77, 22. Ober den Orundsatz des romischen Reclits (SC. Clau-
dianiim vom Jahre 52 n. Chr.), daB die von einer freien Frau mit einem
Sklaven gezeugten Kinder unfrei sind, vgl. den Kommentar von Bruns,
Syrisch-Romisches Rechtsbuch, zu § 48 auf S. 215.
S. 78. Ill Kap. II findet sich in Tukkasa Bl. 120b 1—16.
Kollation: S. 78, 22 ^ fehit, 27 1^ ^? ^2 st. zA ^3 xA,
80. 1 ^■li.x'vaiaop.
S. 79, 2. Und dann liaben sie usw. keine Verfiigung. Wortlicher
iibersetzt: und nicht sind sie verfiigungsberechtigt iiber die Habe von
einanderv, d. i. iiber die beiderseitige Habe. Nach meiner Ansicht will
der Verfasser sagen, dal5 die hier in Rede stehenden Zahlungen Ab-
findungszahlungen ohne weitere Rechtsfolgen sind und daB sie
nicht den Charakter von ccopfd und 6ep\ij haben, dali daher die viel-
faltigen Bestimmungen des ehelichen Giiterrechts, speziell des Dotal-
rechts auf diese Art von Zahlungen keine Anwendung finden.
S. 79, 31. 42. § 1. 2. Arabs 1 Bl. 85 a lautet:
j\ ^^ajJ ^j■^\^\ ^ ^Jil i / *.;^'| iaZ,^. iJ'>V«l Ait Ait \j| j)^\
.jjAi'l aJi
Obersetzung: § 2. Wenn cin Verlobungspakt durch Vermittlung
der Priester geschlossen wird und dann die beiden Kontrahierenden
aus Hal5 oder irgendeineni anderen Orunde nicht niiteinander iibcr-
einstimnien, werden sie nicht gezwungen sich zu heiraten, werden aber
zur Rede gestellt. Wenn sie dann aber nach lOJahren auf das Zur-
-J aMx' j£- ^h jl <^_;j ■! 0 ^ly-»l ,«* A*^ ^Jll J
— 303 --
Rede-Stellen niclit horen, stelit iliiien frei sich zii trennen. Wenii aber
eine von den beiden Personen niclit will, iiben wir Nachsiciit und ver-
fiigen nur, was eben moglicii ist.
Von den lOJahren des Arabers ist ini syrisciien Text i<eine Spur.
S. 80. Ill Kap. iV findet sicii in Tukkasa Bl. 120b 17— 121a 12.
KoIIation: S. SO, 13 I^AoiO st. -.or I^oAo^Js. 14 :!^:A\
zwischen Z^x«^^ uiul w.a7, nicht hinter I>S>>^2, 17 X»2JS» st.
2aL»2d^^, ig oVi^crpI^o >i. b^crvalo, 20.21 U,m«» yaAVaele
JLau^^e ohne lJU>, 23 o-^A.aa^ st. ;S>lfti.
Fiir den § 2 ist irrundletjend die Stelle Deut. 22, 13—19. Der
Ausdruck 2?o? ^2? 2^\^ 'aihi>':3 siA^ S. 80, 22 entspricht dem
Verse 17 in der Pesitta: iXyii 2^JSL^ 07^^J aiV^. Vgl. im Hebraischen
a-'-ian rV;y n; ric- in \. I4.
S. 81, 47. V, I. Die von niir gegebene Obersetzung scheint niir
granimatisch allein nioglich. Anders die Anffassung bei dem Uber-
setzer von Ebedjesu, Tractatus II, XII S. 214, Obersetzung S. 07, und
stark verkiirzt die Fassung bei Arabs I Bl. 85 b:
• wl'i J^ A, JL/VI l*}Uj '^J-\
>Von dem, der einem Weibe beiwohnt, die nicht seine Gemalilin
ist. Wenn sie nicht mit einem Manne verlobt ist, und das Weib und iiire
Eltern die Verbindung mit ihm wiinschen, dann kann es geschehen.
Es ist die Frage, wem das geraubte, nicht verlohte Weib gegeben
werden soil, ob liemjenigen, der sie geraubt und ihr beigewohnt iiat,
oder demjenigen, niit dem sie (noch) nicht verlobt war. Der arabische
Text lalJt beide Auffassungen zu. Da § 2 den Fall behandelt, in dem
der Rauber das geraubte und bereits verlobte Weib nicht bekommen
soil, so liegt es nahe, in § 1 denjenigen Fall zu vernuiten, in dem der
Rauber das geraubte, aber noch nicht verlobte Weib bekommen soli.
Ist letzteres der Sinn, dann muI5 ^.A^,**, S. 80, 29 in A^ix geandert
warden: >Wenn, wahrend das Weib noch nicht mit dem Manne ver-
lobt war, er sie raubt, und das Weib und ihre Eltern wiinschen, daB
sie ihm gegeben werde, dann darf derselbe Mann sie hciraten.
S. 83, 3. Mit dieser Synode diJrfte diejenige des Patriarchen
Ezechiel vom Jahre 576 gemeint sein. Vgl. § VIII bei Chabot, Syno-
dicon orientaie S. 378.
Der § 12 im Buche II des Tractatus von Ebedjesu (s. Mai, Scrip-
torum veterum nova coiiectio X, S. 214, Obersetzung S. 47) ist in iler
Hauptsache aus diesem Gesetz des Jesubocht entlehnt.
S. 83, 17. Der Ausdruck w.C7 22Xil^ aau-'p Uauoa^ ^x
wird von Arabs I Bl. 85 b I. Z. iibersetzt mit "ujjjl jl ,_^ U =\j*^ fj^-f
-und er ist dem Weibe gegeniiber verpflichtet zu demjenigen, zu dem
er verpflichtet .sein mul) . Ich nehme nach III, I § 7 an, dali hiermit
gesagt sein soil: Der Verfiihrer mul) dem Weib die Flalfte der orts-
iiblichen '"oipea zahlen.
:!(i4
S. 83, 34. Ill Kap. VI. Ich kami dieseii § 4 nicht anders auffassen,
als dalJ in diesem abnormen Fail der .^uflosung einer nicht konsum-
mierten Elie durcli den Tod der Eiiefrau ihre <ifpvii an ihre Eltern
zuriickfailt, dagegen itire cmptd dem iiberlebenden Ehemann zufallt.
Storend ist aber der Satz und ihr Gemahl liat keinerlei Ver-
fiigung iiber ihr Eigentum , denn nicht allein die 4>(pvii war ihr
Eigentuni, sondern audi ihre eoipea, und diese ietztere ist im vnrher-
gehenden iiicht crwahnt. Ich vermisse in diesem Zusammenhang eine
Bestimmung iiber die I'oipta. Bei normaler Ehe wiirde nach den Leges
Constantini Tiieodosii Leonis die ganze cwped und die Halfte der •it/jw;
dem iiberlebenden Ehemann zufallen. Siehe Syrische Rechtsbucher I,
II, § 51, Abs. 10. Vielleicht hatte Jesubocht diese Ietztere Bestimmung
ini Sinne, als er den § 5 dieses VI. Kapitels schrieb. Arabs I Bl. 86a
hat denselben Te.xt wie die romische Handschrift:
._-Ji ^UV «_^L' J>^'1J L^.
Wenn die Frau bei dem Manne ist, ohne dal5 er wegen eines
Fehlers an ihm ihr beiwohnen konnte, dann ist das schonste, wenn
sie Geduld iibt. Wenn sie nicht Geduld iibt, bleibt sie ein Jahr in
seiner Familie in der Hoffnung auf seine Heilung. Wenn er dann
stirbt, gehort ihr, was sie mitgebracht und was er ihr gegeben hat.
Und wenn sie stirbt, gehort ihren Eltern, was sie mitgebracht hat, und
ihr Gemahl hat keinen Teil daran. Und wenn sie beide am Leben
bleiben, ist die Scheidung notwendig wegen des Fehlers. < Der letzte
Satz ist ein torichter Zusatz des Arabers, der direkt dem § 1 dieses
Kapitels widerspricht.
Die §§ 3 und 4 lassen eine sehr wichtige Frage unbeantwortet:
Hehalt die Frau in einer nicht konsummierten Ehe ihr Erbrecht gegen
den Ehemann, oder verliert sie es? — Falls sie gemal3 § 1 die Ehe
nicht lost, verbleibt ihr doch vermutlich ihr Erbrecht gegen den Ehe-
mann. Die §§ 3 und 4 scheinen nun den Fall im Auge zu haben,
da(5 die Frau die Ehegemeinschaft gekiindigt hat, aber noch im Hause
des Mannes lebt. Wenn in diesem Fall der Tod die Ehe lost, treten
zunachst die Bestimmungen ein, die in diesen beiden Paragraphen
niedergelegt sind, und ich bin geneigt zu glauben, dali damit gesagt
sein soil: die Ehe war null und nichtig, die Frau wird moglichst
schadlos gehalten, und auBerdem ist ihr Erbrecht gegen den Mann
aufgehoben. Letzteres hatte freilich, wenn so beabsichtigt, deutlich aus-
gesprochen werden miissen.
S. 84. Ill Kap. VIII findet sich in Tukkasa Bl. 120a6--ll.
Kollation: S. 84, 7 au>;s^3 fehlt. 8 ^2>3 st. ^I?, 0 .i^aJt? st.
is^^p, 9. 10 'au.XM St. ^LmNXa 30u.\3.
S. 85, 17. Anstatt der 3 Jahre Wartezeit der romischen Hand-
schrift und des .\rabs 1 hat Tukkasa eine Wartezeit von 7 Jahren. Siehe
nahere Bestimmungen in den Leges (Syrische Rechtsbiicher 1) R i
§ 04 S. 37.
:i05 —
S. 84. Ill Kap. IX findet sicli in Tiikkasa Bl. ll'lh 4 — 15.
Kollation: S. 84, 12. 15 3^^^3 st. aN^J^O aouAJSp, 13 iiacli
;jlo»ao hinziigefijgt X-JQ^oiso, 15 ZSw^}^ st. XCi^l. Die beiden ersten
Absatze dieses Kapitels IX sind auch von Ebedjesii im Tractatiis S. 213,
VI, S (Obersetzung S. 46) wiedergegeben.
S. 85, 26. Einc zehnjahrige Wartefrist wird als voii Jesubdclit
herriihrend aiicli iin Tractatiis des Ebedjesu, Te.xt S. 212, Obersetzung
S. 46 erwahnt.
S. 84, 20. Ill Kap. X fiiulet sicli in Tukkasa HI. 12»Ja 4 r2<)b 16.
Kollation: S. 84, 20 .OulCTS st. ^w>!So;p, 20 I^SOJ-XxSl^ X.^
St. 2^aJ.jCx2LdX3 , 21 M.\«23 eingeschoben vor $^i?, 24.25 Von
wJ3 "zx^ ^ 2o bis li\OJ.iOlo la^JLX fehit, 86,4 mO" nacii lA.\,
5 A\.Y)3 St. \^5o, 8 2^oa>.aaj oA st. 2^oxaa.3p, lo ^a^
St. kA*.X3kw> , 1 1 ^3 eingefiigt nacli >.^^ .
Sachau, Syrischc Rechtsbucher IM.
3 OH
Anmerkungen zu Buch IV.
S. 95, 12. Die Aufzahlung cler acht nahen Verwandtschaftsgrade
sanit deii 40 fcriieii Verwandtschaftstjraden nacli Jesiibocht findet sich
audi bei Arabs II Bl. 185b 18— 187 a^ 7.
S. 95, 25 (Text S. 94, 6—12). § 1. Die wortliche Obersetzung der
Antwort dieses Para^iaphen, wie er in der romischen Handschrift iiber-
liefert ist, iaiitet foigendermalkn:
Wenii ein Mann stirbt, iiuiem er Gemaiiliii, Sohn und Tochter,
Vater und Mutter, Bruder und Schwester hinteriaBt, und iiber seine
Habe niciits bestimmt hat (durch Testament), so beerben ihn nur seine
Gemahlin und seine Sohne (d. h. Kinder), namlich die Gemahlin und
der Solin, ein jeder von ihnen einen Teil, die Tochter aber, die
im Hause ist und noch nicht nach auBen hinausgegangen
ist, wenn sie Sohne (Kinder) hat, bekommt keinen Teil aus
dem Hause ihres Vaters .
Zweierlei erregt AnstoB gegen diesen Text:
1. daB neben der ledigen Tochter (die im Hause ist) nicht
die verheiratete Tochter (die hinausgegangen ist) erwahnt wird, und
2. der auf die ledige Tochter beziighche Passus wenn sie
Sohne (Kinder) hat*.
Eine ledige Tochter, die Kinder hat, ist eine solche, die Unzucht
begangen und aus Unzucht Kinder geboren hat. DaB ein solcher
ganz abnormer Fall gleich im ersten Paragraphen eines wohlgeordneten
Erbrechtssystems vorgetragen sein sollte, daB, bevor noch von dem
Erbrecht der Tochter im allgem einen die Rede gevvesen, bereits die
Detailbestimmung iiber den AusschluB der unziichtigen ledigen
Tochter vom Erbrecht gegen ihreu Vater erwahnt sein sollte, ist an
und fiir sicii absolut unwahrscheiniich. Und dazu kommt, daB diese
Fk^stinnnung inliaithch falscii ist, deun nach Jesubochts in IV, IV § 12
(S. 119) vorgetragener Lehre ist die unziichtige Tociiter keineswegs vom
Erbrecht gegen ihreu Vater ausgeschlossen.
Ferner: die §§ 2, 3 und 4 bilden einen Konniientar zu § I, und
zwar §2 betreffend Witwe und Solm, §3 betreffend Sohn und ledige
Tochter, unil §4 betreffend die verheiratete Tochter. Danach
muB in dem iiberlieferten Text von § 1 eine Liicke vorhanden, viei-
leicht eine ganze Zeiie ausgefaiien sein, in der angegeben war:
1. das Priidikat zu dem Satze die Tochter aber, die im Hause
ist und noch nicht nach auBen hinausgegangen ist , namlich: bekommt
die Halfte von dem Teil des Sohnes, und
2. das Subjekt des Satzes wenn sie Sohne hat, bekommt keinen
Anteil aus dem Hause ihres Vaters , namlich: dagegen dieTochter,
(.lie bereits nach auBen hinausgegangen ist (d. h. die ver-
heiratete).
— 307 —
Danach muBte der urspriingliche syrische Text an dieser Stelle
gelautet haben:
l\\5 I^au. .boL^ IclAa l^e ^c- IX^oisp ^ :^^ae
Aber auch so ist der Paragraph noch keineswegs in Ordiunig.
Die Bestimmung, wenn sie (die verheiratete Tochter) Sohne iiat, ist
in dieseni Zusammenhang falsch, widerspricht der Erbrechtslehre Jesii-
bochts. Denn wie er in § 4 aiiseinandersetzt, ist es fiir die verheiratete
Tochter volh'g gieichguitig, ob sie Kinder hat odcr niclit. Sie beerbt
ihren Vater nicht, soiange die in § 1 aufgefuhrten Erben vorhanden
sind, einerlei ob sie Kinder hat oder nicht. Sic ist aus der Famihe
ihres Vaters ausgeschieden, gegen den sie nur den Anspruch auf
eine Aepvij hat, und ist in die Famihe ihres Gem ah is eingetreten, in
der sie ein neues Erbrecht gewonnen hat. Die fraghchen Worte mussen
als eine voihg sinnlose und iiberfliissige Interpolation durch irgend-
einen Zufall in den Text gedningen sein.
Inhalthch richtig, wie durch den Zusammenhang gefordert, er-
scheint § 1 nur bei Arabs 11 Bl. 153a 4—8:
jjj\ J. j^\j jTj si^i jjJ\j i\^ ^\ji\ J J^_ UZITiS
.jj^\ s^ j^ ^ji
i^T ii5^
Jesubocht spricht: Die Erbschaft gehort der Frau und den
Sohnen (Kindern). Jeder von den Sohnen bekommt einen Teil, und die
Tochter, die noch im Hause, einen halben Teil, aber die hinaus-
gegangene bekommt nichts, weil sie in der Obhut eines Anderen ist
und von anderer Seite erbt.
Eine korrekte Darsteiiung des Erbrechts von Witwe, Sohn und
lediger Tochter findet sich auch bei Arabs II auf Bl. 187b 5.6:
Jesubocht sagt, daB die Frau (Witwe) einen ganzen Teil be-
kommt, der Sohn einen ganzen Teil, und die Tochter, welche im
Hause, einen halben Teil.
««• •»■ Ich nehme danach an, daB der § 1 in ursprunglicher Fassung
foIgendermaBen gelautet haben muB:
l\A>3 i^a-. ^-t^ • n '^^ l^o -cr :^..n.n3 Jo I^xjo
d. h. die ledige Tochter erbt (von ihrein Vater) einen halben Teil (d. h.
die Halfte von dem Teil des Sohnes), dagegen die verheiratete Tochter
beerbt ihren Vater nicht (soiange er Gemahlin, Sohn und ledige Tochter,
Vater und Mutter, Bruder und Schwester hinterlalit).
Im ubrigen sind iiber die ganze Stellung der verheirateten Tochter
im Erbrecht Jesubochts die folgenden Stellen zu vergleichen: I §4,
I § 17, § 5e, § 6, § 13 und III § 5 S. 113.
Wenn sich nun also auch der ursprungliche Sinn des § I, wie
mir scheint, mit volliger Sicherheit erschlieBen laBt, so muB andererseits
20*
— au8 —
(.laraiif hinucwicscii wcrcltn, cla(5 die Korruplel in ciciii Tuxt dcr
romisclieii Haiulsclirift schon sehr alt sein muB, tlenii Spuren derselbeii
zeijjen sich iiicht allein iiii syrischen Text, sondern audi in beiden
arabischen Versionen. Zimachst ist das irrtiimliche wenii sie cinen
Solin hat aus § 1 falschlicli in die Fragestellunji von §4 iibertrajjen
worden, wahrend dagegen in der Beantwortung desselben Paragraphen
keine Riicksiclit darauf genomnien vvird. Dieser falsche Zusat/ findet
sicli aiicii in der sonst richtigen Version von Arabs I Bl. 86b 10:
C.J1 j ^\ cU!,' jl p^ ^iC i\^ic <fUlj <=rjj (1. ^ilj^i) ■C\j^
Ein Mann stirht and liinterlaBt eine Fran, Solin, Toclitcr, Vater,
Mutter, Bruder unci Scliwester, ohne testiert zu haben. Dann gebiihrt
seine Erbschaft seiner Frau und seinen Sohnen (Kindcrn), indem die
Fran soviel wie den Teil cines Sohnes, die Tochter ini Hause soviel
wie die Halfte des Teiles eines Sohnes, und die verheiratete Tochter,
vvenn sic Kinder hat, nichts bekommt.
Bei Arabs I fehlen ilurchweg die Fragestellungen, so audi die
Frage in § 4. In der Antwort ist bei Arabs I ebensowenig eine Spur
des falschen Zusatzes wie in der Antwort des syrischen § 4. Sie lautet'
Bl. 87a 3. 4:
>T ov.' iw w'^i U^'V ^y V ^jjii cjJi j\ j iL'ij
Der Grund, warum die verheiratete Tochter nicht erbt, ist der,
dafi sie ihren Teil (bereits) bekommen hat (als <f><^p"i), und weil ein
Aiiderer fiir sie sorgt, und sie nicht nach ihrem Vater, sondern nach
ihreiii Oeniahl benannt wird, so daB man sagt die Gemahlin des N-.
In lieniselben Passus dagegen bei Arabs II Bl. 207b 8- 18, taucht
der falsche Zusatz wieder auf. Dieser Text lautet:
l^vl vl-X' ^r» f>i- y ^J~^ -ij ^ jS'bl ""-^U-J *^JJ-J^' j^ j ^b
J,\ <^ J i _;Vi vi->^_ j^ *-^'i^ cjj'^ W-'Vj *-»*-> W**- c^-^\ U; V
• j^ ^^3 Jii_ J^ ^^\ Ji — '^^ Vj c-:>T
Der Grund, warum die verheiratete (Tochter), und speziell
wenn sie ein Kind hat, keineii Teil aus dem Hause ihres Vaters
bekommt, ist der, dal5 sie schon ihren Teil bekommen hat (als 4>efm'i),
dal5 sie dem Hause des Vaters fern, aber Anderen nahe geworden ist,
und weil sie nicht nacii dem Vater bezeichnet wird, sondern als
Gemahlin des N.
Der Gedanke des Gesetzgebers ist folgender:
Wenn ein Mann stirbt und seine Frau, ferner etwa drei Sohiie,
eine ledige und eine verheiratete Tochter, Vater und Mutter, Bruder
und Schwester hinterlalU, so wird er nach dem Intestaterbrecht in
folgender Weise beerbt:
liie Witwe erbt -9 des Nachlasses,
die drei Solme erbcn jeder -j% zusammen 6/9,
die ledige Tochter erbt '/g,
liie verheiratete Tochter erbt . . . . . 0
— -MY.)
Ober lias wcitcre Erbrecht iler leiliy;en oiler verhcirateten Tochter
Oder Tochter in Konkurreiiz iiiit iler Mutter Vijl. was Jesiiboclit an aiiiirer
Stelle (IV, I § 5 b, c imd e) lehrt.
Was die Bezeiciinuiiiien Jesubochts fur die ledige und verheiratete
Tochter: die Tochter, die im Hause, und die Tochter, die
hlnaussfe<ranseii, betrifft, so wird zu untersuchen sein, ob diese Aus-
drucksweisen vielleicht von dem syrischen Obersetzer aus der mittel-
persischen Diktion des Originals honibergenommen sind.
S. 97, 7. § 5. Dieser schr Iclirreiche Paragraph handelt von deni
Erbrecht der Witwe des sohnlosen, aber Tochter oder Tochter und Eltern
und Geschwister hinterlassenden Mannes, wie es sich gestaltet hat be!
den persischen Christen unter dem EinfluH ihrer zoroastrischen Uni-
gebung, und anderseits, wie es sein sollte nach der Ansicht unseres
jesubocht.
Nach ersterer Ansicht erbte die Witwe, nach letzterer dieToc liter.
Die Verschiedenheit des persisch-christlichen Rechts von dem Kecht
der iibrigen Christenwelt fiihrt Jesubocht auf eine irrtiimliche Auffassung
der magischen Quasi-Levirats-Ehe auf seiten der christlichen Perser zuruck.
Zu des Verfassers Darlegung iiber das jiidische Levirat S. 97, 17 — 32
ist zu bemerken, daB nach dem biblischen Recht nur der Bruder des
Verstorbenen ein Levir sein kann, wahrend der Verfasser hier eventuell
auch dem Vatersbruder oder dessen Sohn oder einem andern
Blutsverwandten die Fahigkeit, Levir zu sein, beilegt. Aus welchen
biblischen oder auch nachbiblischen Quellen Jesubocht diese Ausdehnung
der Leviratspflicht genommeii hat, mull einer Untersuchung iiber die
Oeschichte des judischen Levirats iiberlassen blciben.
Was Jesubocht S. 97, 33 ff. als das Wesen des magischen Levirats
angibt, geht weit iiber die Grenzen des jiidischen Levirats hinaus und
endet in einem Branch oder einer Eherechtssitte, welche bestimmt, daB
dem sohnlos Verstorbenen durch cinen seiner manniichen Blutsver-
wandten mit der Witwe des Verstorbenen oder eventuell mit einem
ihm blutsverwandten Weibe eine Nachkommenschaft gezeugt werden soil.
Das magische Recht, ausgehend von den dem Levirat zugrunde
liegenden Anschauungen, ist dann noch einen Schritt weitergegangen
(S. 97, 51ff.) und hat die erbrechtlichen Bestimmungen, die fiir das
Levirat gelten, ganz allgemein auf die Witwenheirat ausgedehnt.
Wie es scheint, wurde ihr Uterus ein fur allemal als das Eigentuni
ihres ersten Gemahls angesehen. Wer sie in zweiter Ehe heiratete, war
wie ein Ackersmann auf frcmder Erde; der Sohn der zweiten Ehe gait
als der Sohn des ersten Ehemannes, der Sohn der zweiten Ehe war
Erbe des ersten Ehemannes, und sein NachlaB wurde daher nach
seinem Tode seiner Witwe iibergeben (S. 99, 9), ich nehme an: ihr
als Vertreterin ihres verstorbenen Gemahls und als Verwalterin seines
Nachlasses bis zur Miindigkeit desjenigen Sohnes oder derjenigen
Sohne, die sie etwa in folgendcr Ehe gebaren wiirde.
Diesem magischen Recht stellt Jesubocht auf S. 99, lOff. das all-
gemeine Recht der orientalischen Christenwelt gegeniiber, welches be-
stimmt, daB wenn ein Mann sohnlos, aber mit Hinterlassung einer
Tochter stirbt,
1. die Witwe aus dem NachlaB ihre dos und donatio be-
kommt, und
2. die Tochter den iibrigen NachlaB erbt.
Dies ist svrisch-romisches Recht. Siehe meine Syrischen Rechts-
bucher I S. 49 § 1 Abs. 3 und S. 71 § 44 Abs. 5.
Abweichend von den Anschauungen der im romischen Reiche
lebenden Christen haben die unter Magiern lebenden Christen der
Persis in dem vorliegenilen Falle, w'enn ein Mann sohnlos stirbt, aber
— 31(1 —
Witwc iiiul Tocliter liintcrlalit, die Witwe zur Erbin eingesetzt, nicht
die Tochter, aiis irrtiirii, wie Jesubocht S. 99, 37ff. ausfuhrt. Sie
liaben nicht bedachf, dalJ diese magische Erbrechtsbestimmung aus dcni
Levirat hervorgegangen ist, und daB aber das Levirat mit aiiem, was
drum iind dran ist, fijr die Christen eine Unmoglichkeit ist; dafi die
Magier das Eigentuni des sohnlos Verstorbenen seinem durch den
Levir zu zeugenden Sohne reservieren, wahrend die persischen Christen,
indeni sie das Erbrecht des magischen Quasi-Levirats aiif die Heirat
der Witwe im allgemeinen ausdehnen, den NachlaB des sohnlos Ver-
storbenen der Gefalir aussetzen, daB er seiner Deszendenz oder, falls
eine solche Deszendenz nicht zustande i<ommt, seinen Bhitsverwandten
wenigstens zu einein Telle verloren geht.
Als Jesubocht diese Befiirchtung niederschrieb, konnte er meines
Erachtens etwa an den foigenden Fall denken: Wenn eine in zweiter
Ehe verheiratete Frau kinderlos starb, hatte ihr ijberlebender Ehemann
ein gewisses Anrecht gegen ihren NachlaB, wahrend Blutsverwandte
ihres verstorbenen Gemahls (Eltern oder Qeschwister) die eigentlichen
Erben des Nachlasses waren. Vgl. Syrisch-romisches Rechtsbuch § 92
und die Anmerkung von Bruns S. 266; Syrische Rechtsbiicher I S. 71
§ 44. Wenn nun die in zweiter Ehe verheiratete Frau, die Witwe eines
ersten, sohnlos verstorbenen Mannes, kinderlos stirbt, und sie das Ver-
mogen des letzteren geerbt hat, dann kann allerdings der Fall eintreten,
daB der zweite Ehemann sich den NachlaB seiner Frau mit den recht-
mafiigen Erben seiner Frau, den Blutsverwandten ihres ersten Gemahls
teilt, well er einen Rechtsanspruch gegen ihre i^fn-ij hat. Dies konnte
z. B. in einem solchen Falle eintreten, wenn die Frau etwa in die erste
Ehe eingetreten war, ohne eine Mitgift zu haben, und sie dann bei
dem Eingehen der zweiten Ehe das Vermogen, das sie durch Erbschaft
von ihrem ersten Manne erworben hatte, zu ihrer Mitgift bestimmte.
Gegen eine solche Mitgift richtete sich der Rechtsanspruch ihres zweiten
Mannes.
S. 101,9. Die foigenden Absatze a— m bilden eine Einheit und
sind bestimmt, das Erbrecht der Witwe zu regeln. In alien diesen Satzen
ist die Frau als ihren Gemahl iiberlebend vorausgesetzt, auch in den-
jenigen (g, h, i, k), wo sie nicht ausdriicklich erwahnt ist. Auf Orund
der Einleitung dieses § 5 konnen wir annehmen, daB Jesubocht mit
diesen Paragraphen denjenigen Irrungen entgegentreten wollte, welche
in der persischen Christenwelt durch das Beibehalten eines alteren, ma-
gischen Rechtsbrauches, der urspriinglich aus einer Art Levirat hervor-
gegangen war, noch vorhanden waren und ausgerottet werden sollten.
S. 101, 11, a. DaB bei dem Eingehen der Ehe (bei der Verlobung)
ein giiterrechtlicher Vertrag geschlossen werden konnte (nicht muBte),
dessen Bestimmungen dann fiJr alle Folgezeit verbindlich waren, tritt
auch in § 15 dieses Kapitels (S. 109) hervor.
Die syrische Diktion unseres Corpus juris entbehrt eines tech-
nischen Ausdrucks fiir Legat, wodurch hier und da Undeutlichkeit ent-
steht. Siehe auch S. 352. Ich verstehe den Ausdruck wenn er etwas
bestimmt< so: wenn er, der Erblasser, durch Testament seiner Witwe
ein Legat vermacht , so soil dies Legat, abgesehen von den anderweitigen
erbrechtlichen Anspriichen der Witwe, respektiert werden.
S. 101, 18. Der Ausdruck uind die Mitgift der Frau, alles was
dem Mann gehorte (ahnlich in c, S. 103) ist unvollstandig. Wenn die
(l>epvij der Frau in die Erbmasse des Mannes eingerechnet wurde, was
geschah dann mit ihrer copeu? Wie war iiberhaupt das Verhaltnis des
Ehemannes zu der 4>epvi'i und cwpea seiner Oemahlin? — Nach meiner
311 —
Ansiclit besonders von i^ 15 dieses Abschiiitts (S. 109) siiid hier zwcierlei
Rechtszustiinde zii unterscheideii:
1. Bei der EhesciilieBun,<j wiirde eiii oiiterreclitlicher Vertras' ab-
geschlossen, der speziell iiber tias Eisjentum der Fran bestiinnite, iiiul
demgemaf5 wurde verfahren. Oder
2. wenii ein solcher Vertrag nicht geschlossen war, verwaltete der
Ehemann das Eigentiim der Fran (ihre Ae^n;;' und co>pta mui anderes).
Sie durfte weder iin Leben nocli sterbeiui ohne Qenehmiiiunsj ilires Ehe-
manns iiber ihrc Habe verfiigcii. Ihre ganze Habe wurde ais ihrem
Oeinahl geluirig angesehen, und hildete, wenn lier Eiiernann starb, zu-
sammen niit dessen Eigentum die Gesamlerbmasse des Ehenianns. So
nach IV, I § 15.
Dieser Grundsatz ist aber niclit konsequent durcligefiihrt, denn
z. B. in Absatz e wird die *6pii;' der Witwe aus der Oesaniterbmassc
ihres Marines ausgeschieden.
Mif deni Absatz b iiber das Intestaterbrecht der Witwe und Icdigen
Tochter ist aus der Parsenliteratur Dadistan-i-Dinik (Palilavi Texts, ed.
West, II) S. 185 zu vergleiclien.
S. 103, 21, g. Die Teilung der Erbschaft ist in dieseni Falie, wenn
z. B. zwei Briider vorhanden sind, folgcnde:
die Witwe erbt '/u,
die Mutter erbt 2 u,
zwei Briider, jeder ^ ,4^ zusainnien . . . *iu,
die ledige Sch wester '/14,
S. 103,44, 1. Dieser Paragraph existlert in verstandiger Wiedergabe
auch bei Arabs II Bl. 187b 10—14, wo die Erbmasse bezeichnet ist als
die Habe des Mannes und die Habe seiner GemahliTi, welche sie be-
koninien hat von ihrem Gemahl {^(opea) und von ihrem Vater ((bt^pvi'i):
S. 105, 15. 25. § 6. 7. Das in § 6 gewahrte Erbrecht, welches der
verheirateten Tochter zusteht, verschwindet in § 7 gegeniiber dem
Erbrecht der Eltern, Briider und ledigen Schwestern des Erblassers.
Arabs I hat den Sinn des §7 niclit verstanden. Bi. 88a2:
Wenn er keine ledigen Tochter hat, gehort es (der NachlaB) den
verheirateten und, wenn solche nicht vorhanden, dem Vater imd, wenn
er nicht vorhanden, der Mutter und den Briidern und tien ledigen
Schwestern.
S. 105,32. § 8. Vgl. Ebedjesu, Tractatus S. 60 (Te.xt S. 226. 227).
Die §§ 8. 11. 12. 14. 15. 17 finden sich bei Arabs II auf Bi. 207b 18 bis
208a 11.
Der Vergleich der Erbschaft mit flielJendem Wasser findet sich auch
im Dadistan-i-Dinik (Pahlavi Texts, ed. West, II) S. 194, Ch. 62,2.
S. 107, 13. § 11. Dieser Paragraph ist eine naherc Ausfiihrung zu
dem im § 7 angegebenen Erbrechtsfall, namlich der Konkurreuz voii
Mutter, Briiilern und ledigen Schwestern. Die Verschiedenheit des Erb-
rechts des Vaters und der Mutter tritt in diesem Fall besonders deutlich
hervor. Wenn der Vater noch Icbte, wiirde er nach § 10 die ganze Erb-
scliaft crlxMi, unci ilie Mutter, Iinulcr tiiiil Sclnvcstcrn lickaiiK'ii niclits.
Wemi aber ilcr Vater iiiclit inuhr Iclit, tritt die Mutter (Witwc) keines-
wetjs in die Rechte des Vaters tin, sondern sic erbt nicht mehr als jedes
der Gesciiwister.
S. 107,39. § 13. Dicser Paragraph laiitet bei Arabs 1 HI. S8a:
jijUi oUij ^uvi ci_»ji j:i\ j^ ^j_j,_ Ji (j^C ^^ '^vi ^\j^j
»Die Erbschaft der Mutter ist nicht ebenso, sondern sie wird gleich
iinter alle verteilt, Sohne und Tochter, ledige und verheiratete.«
S. 109, 2. § 15. Ober das eheliche Oiiterrecht s. Anm. zu S. 101, 18.
Der SchluBsatz dieses Paragraphen besagt, dal5 der Ehemann aus dem
von ihm geerbten Eigenfum seiner Oemahiin, das urspriinglich ihre
Mitgift war, einzeJne Kinder dieser Ehe beschenken darf. Es ist aber
niciit zti ersehen, ob hier nur von einer Schenkung inter vivos oder
audi von einer Zuvvendung post mortem durcli ein Legat die Rede ist.
BediTigung- der Schenkung ist, dali die Cleschwister des Beschenkten
nicht dadurch ernstiich geschadigt werden.
Dieser Paragraph erscheint bei Arabs 11 in foigender Oestalt
Bl. 151a 2:
Ubersetzung: Jesubocht. Die ganze Erbschaft der Fran kommt
ilirem Gemahl zu, auch wenn sie ledige und verheiratete Tochter und
Sohne hat, es sei denn, daB er (der Gemahl) die Erbschaft ihnen (den
Kindern) zuwenden will. In dem Fall teilen sie dieselbe unter sich zu
gleichen Teilen.
Bei demselben Arabs 11 ist auf Bl. 153a 9 auf dies Gesetz mit
folgenden Worten Bezug genommen:
Jesubocht gibt die ganze Erbschaft dem Gemahl , namlich wenn
seine Ehefrau mit Hinterlassung ihrer Kinder und ihres Gemahls ge-
storben ist.
Die beiden Araber iibersehen, dal^ hier nur von demjenigen Teil
des Nachlasses der Frau die Rede ist, den sie aus ihrem Vaterhause mit-
gebracht hat.
S. 109,27 und 35. § 16. 17. Der syrische Wortlaut dieser Para-
graphen ist insofern mangelhaft, dalJ in dem Falle, wenn die Erblasserin
eine verheiratete Schwester ist. nicht deutlich angegeben ist, der Vater,
die Mutter, die Geschwister, welche sie heerben, seien nicht ihr eigener
Vater, ihre eigene Mutter, ihre eigenen Geschwister, sondern die-
jenigen ihres verstorbenen Gemahls. Ehenfalls in § 17 sind ihre
Verwandten die Verwandten ihres Gemahls. Dal) dies der beabsich-
tigte Sinn ist, scheint mir zweifellos, denn nach v? 4 scheidet das ver-
heiratete W^eib aus der Familie ihres Vaters aus, tritt in eine neue Familie,
diejenige ihres Gemahls, ein, und gewinnt hier ein neues Erbrecht.
Zu § 16, Abs. 2 ist noch die Bedingung hinzuzufiigen, daB der
Vater der verheiratcten Frau nicht mehr lebt. Denn wenn er lebte, wiirde
er allein nach § 9 und 10 ihren ganzen NachlaB erben mit AusschluB
ihrer Mutter und (jcschwister.
— H18
Aralis I Bl. SSli 2~S liat denselbcii syrischeii Text vor sicli i^e-
liabt, ileii wir liahcii, gibt ahor in iinboholfeiicr W'eisc lieni § 17 ileii-
selben Sinn, den icli glaube annchnien zu soilen:
j_»^_ l^iL ^jjil j^ oL-« ^'"^^^ ^''j-i^ ^1 >--(j:^ ji J <^L'
.dl cJiiL;i ^Ji ^Ji .__^ _^T ji ;::.^,i^ij ^vi c-_v:^ jp
Der Griiiui, vvariini ilie Erbsciiaft tier verheiratoten Toclitcr von
der Erbsctiaft der leiiigen tiifferiert, ist der, dal5 iiire (der letzteren) Hahe
zuriickkehrt zu dein Haiise ties V'aters, walirend die Habe der ver-
lieirateten einem Anderen ziiflielit uetnaB der Faiiiilie, in welclie sie
(durch ihre Heirat) iiiiergetreten ist.
Erhebiich besser ist die kiirze Inhaltsangabe bei Arabs II B1.208a 9:
.(1. oJi) cUi J- 'l.>'l <^j ^IL' ^ \^; cJi ^ui <;-^-
'>Der Grund, wesiiaib tlie iediue Tochter anders beerbt wird als
die verlieiratete, ist der, dal! der Naci)lal5 der iedigen von der (d. h.
ilirer) Fatniiie geerbt, daoegen der Naciilali der veriieirateten geerbt wird
von Personen, welclie der Famiiie (der Fran) frenui situl (den V'er-
wandten ihres Geniahls).
S. 109,43. § 1. Weill! eiii Mann eiii Weib heiratet, das sclion ein-
mal verheiratet war, iind aus dieser friiheren Ehe Kinder hat, und niit
ihr Kinder zeugt, so sind die Kinder dieser beiden Ehen in re naturae
insofern einander gleich, als sie demselben Uterus entstammen.
S. 113,9. §3. Die nicht wieder verlieiratete Schwiegertochter be-
erbt neben ihren Kindern ihren Schwiegervater, es ist aber nicht an-
gegeben, ob sie nur ebensoviel erbt wie jedes einzelne ihrer Kinder,
Oder ob sie etwa einen groBeren Teil bekonimt.
S. 113, 30. §5. Zwischen Frage und .^nwort in dieseni Para-
graphen besteht eine Unstimmigkcit, insofern die Frage von Personen
handelt, die durch zwei Cienerationen niit deni Erblasser verwandt sind,
wahrenii liie Antwort an erster Stelle die Tochter erwahnt, obwohi
sie mit dem Erblasser doch durch eine einzige Generation verwandt
ist. Dennoch diirfte der Text richtig sein, da die Lesart die ledige
Tochter (Text S. 112, 15) gestiitzt wird durch den Gegensatz: die
verheiratete Tochter in der folgenden Zeile (Text S. 112, 16).
S. 113,49. §7. In dem syrischen Text dieses Paiagrai)hen sind
leider zwei Liicken, die durch die Wiederholung dersclben Wortreihen
entstanden sein diirften. Die Reihenfolge der hier behandelten Erben
ist folgende:
a) Sohnessohne (Sohneskinder),
b) Tochtersohne (Tochterkinder),
c) konsanguine Geschwister,
d) uterine Geschwister,
e) konsanguine Geschwister des Vaters,
f) uterine Geschwister des Vaters.
Die erste Liicke klafft im Text S. 112,31 zwischen Absatz b und c,
wo ausgefiihrt war, dali, solange direkte Deszendenten des Erblassers
vorhanden sind, die Seitenverwandten von der Erbschaft ausgeschlossen
sind. Wenn aber solche nicht vorhanden sind, dann c, fallt die Erb-
schaft den Briitiern und Schwestern, ilie von demselben Vater ab-
stammen, zu.
— 314 —
Die zwfite Liicke liegt in S. 114, 1 (Text) im Abs. d. Es fehit das
Folijende: [Wonn aber sojche (d. h. die in c genannten Personen) nicht
vorhandeii siiui], fallt die Erbschaft den Briidern und Sciiwestern, die
von derselben Mutter abstammen, zu.
Bei Arabs I Bi. 89a 14ff. lautet die Obersetzung wie folgt:
V^. J AtLVl ^j^VI ir ^^ ^^ ^VjVI ^V^l (.b Uj § 7a.
cl)l^ a VL* ■^J^ Si- VjliVi
l^^ o\j-J\i (Lucke) o-> ^Vj\ ^, \ jli h. c.
jV> jCj jij oV'^^ij Ji>^ui iy>C.i j(j oi^'ij fi'^^ui \yf_
J^_ A^_ j\ J^_ _^ J "(.Vlj ^Vl ^jSI J* ^-u. J«-^
•(^ tS- >^ J^>-'b a-^\j\ ol>^b ^y-L* r Jjrb •>>' ^jls' ^'\» '!•
Obersetzung. §7, a. Solange Kindeskinder vorhanden sind, be-
kommen andere von den ferneren und naheren Verwandten nichts, aus-
genommen die Witwe, der Sohn und die Tochter.
b) c) Und wenn Sohneskinder nicht vorhanden sind (zu erganzen:
erben die Tochterkinder. Und wenn solche nicht vorhanden sind)
d. fallt die Erbschaft den konsanguinen Briidern und Schwestern des
Erblassers zu.
d) Und wenn solche nicht vorhanden sind, den uterinen Briidern
und Schwestern;
e) und wenn solche nicht vorhanden sind, den Vatersbriidern und
Vaterssch western, und
f) wenn solche nicht vorhanden sind, den Mutterbrudern und
Mutterschwestern ;
g) und wenn solche nicht vorhanden sind, den ferneren Ver-
wandten des Vaters und der Mutter, sei die Verwandtschaft mit dem
Erblasser auch noch so fern.
h) Was aber die Verwandten der Gemahlin, des Gemahls, der
Briider und Schwestern der beiden Eltern (des Erblassers oder der Erb-
lasserin) oder sonstige Verwandte betrifft, so bekommen diese nichts.--
Auch bei Arabs 11 ist dieser § 7 vorhanden auf Bl. 220a llff. und
Bl. 205 b 5ff., aber an ersterer Stelle ist der Te.xt abgesehen von Abs. a
dermaBen zerstort, da(5 er nicht mehr nutzbar ist.
S. 115, 21. IV. Kapitel. Ein Teil dieses Kapitels findet sich bei
Arabs II auf Bl. 219b 6—21, ist aber so zerstort, daB ein zusammen-
hangender Text nicht mehr hergestellt werden kann.
In Tukkasa Bl. 15Sb 17—22 findet sich folgende Definition von
Erben, welche der Definition der Sohne in diesem Paragraphen ent-
nommen sein diirfte:
Jesubocht: Oesetzliche Erben sind solche, die von Mann und
Frau auf gesetzliche Weise geboren werden. Ungesetzliche Erben sind
solche, welche von Mann und Frau auf ungesetzliche Weise geboren
werden . Text:
- 315 -
S. 115, 4Q. Die §§ 4 uiui 6 (aiif S.117) sind bei Arabs II R!.210a
10 — 12, in fol,i>encle Ncitiz ziisaiiiiiieniictiraniTt:
Obersetzung: Jesubocht spricht: Wenn ein Mann mit einer
Sklavin oder andern Person ein ungeselzliches Kind zeus^t, sei es vor
der Verheiratung mit einem gesetzlichen Wcibe oder nach derselben,
mu6 er fiir das Kind eine Bestimmung treffen, wie wir bcstimmt haben
in betreff des gesetzlichen Kindes.
S.117, 10. §5. Der syrische Wortlaut dieses Paragraphen ist
etwas kurz geraten, doch kann iiber den Sinn desselben kauni ein
Zvveifel bestehen. Ein Mann kann nach Belieben in seinem Testament
verfiigen, jedocli niir innerlialb der durch die vorhergehenden und
folgenden Paragraphen gezogenen Orenzen.
Der arabische Text bei Arabs 1 ist noch kiirzer als der syrische:
.^_^U| A ^,J J^L^\ ^a!U o3x jl jLJ^ ^xlj
>Der Mann darf nicht seine Habe vererben wie er will, sondeni
nur an diejenigen, an tlie es ihm das Oesetz gestattet.
S. 117,30. §7. Wiilkiirlich verandert erscheint dieser Paragraph
in Tukkasa Bl. 159a 10: Von Jesubocht: Wenn er iiberhaupt keine
gesetzliche Frau geheiratet hat, die Sohne (Kinder) aber von einer
Sklavin oder einer anderen Frau stammen, fallt ihnen die Erbschaft zu
oder nicht? — Antwort: Wenn der Mann zu Lebzeiten vor den Priestern
und Leitern der Kirche oder vor Olaubigen bekcnnt: ,Diese Frau ist
meine Frau und dies sind meitie Sohne (Kinder)', dann ist die Sklavin
samt ihren Sohnen (Kindern) frei. Und wenn sie (die letzteren) un-
miindig sind, werden sie auf Kosten ihres Vaters erzogen, und die Erben
des Mannes sind nicht berechtigt, sie in die Skiaverei zu reklamieren.«
Kollation: S. 116, 16 Mb8 >a fchit, 17 2aa^ ^ ^2 st. .^2
2poLao iS, 18 w\«3 2^Xl2st. M.cr ^^ivi2, ig. 20 Von SQuAa 1^1
bis ^o? eaA^is2 tVhlt, 22 ^ooioa2? st. 23.3l\?, 22 ^^ fehit, 22
2aaL\3 nach u.070^'x., 23 2;so>T^a St. 2;so>tO>.
S.117, 49. §8. Tukkasa Bl. 159a 18— 24: Von demselben
(d. i. Jesubocht): Der Sohn (das Kind), das von einer Ehebrecherin
geboren wird unter solchen Umstanden, daB sie nicht von ihrem Ehe-
mann geschieden ist, daB letzterer aber, obwohl er den Tatbestand
kennt, nicht vor aller Welt bekannt gibt, daH dies Kind von einem
andern Manne stammt, sondern die Sache unklar und zweifelhaft bleibt,
dann beerbt es (das fragliche Kind) ihn wie seine iibrigen Sohne
(Kinder).' Text:
x!^ x:^ 2^iA, 2^;!vl2 ^ sA^iv^a ^p 2ao .oiA^a
Z^ 1^ .:^^.s2^ cOk>^a ^^« >Ap OCT > 2 .o^^a ^ ;)ai3^j:2
:^««;s :,^2 Mcre^2 ZiL~2 2k3A .» U<rp sxA:^ Tixfi ,^^^ioo
.llj^p laaj &^2 ^creN^2 2^»^w. .I^oj^ gu^^2 l3>ya3o l:k^.^a^
— H16 -
S. 119, 11. §9. Der Passiis: Dasselbe s^iit von Fraiicn, welchc
iiiclit clfiiselbcn Olaiiben haben wic ilire Ehemanner laiitet in er-
weiterter Form hei Arabs I:
Dasselbe gilt iisw. wie ihre Ehemanner, oder von Ehemannern,
liic iiicht denselben (jiaiiben haben wie ihre Fraiien :
Diese Erweiterung fehlt in Arabs II, der die §§ 9—11 auf Bl. 206b
2—9 gibt.
S. 119, 27 und 36. §§ 11. 12. Diese beiden Paragraphen sind von
Ebedjesu frei zitiert im Tractatus S. 229. 230 (Obersetzung S. 63).
S. 119, 44. §13. Der arabische Text iautet:
.\^\ «-A)d j_j>o' Oj
Obersetzung: Wenn ein Weib, das keinen Gemahl hat, einen
Sohn gebart, der an dem Wohnort seiner Mutter auhvachst, dann hat
dieser Sohn seine Kopfsteuer in dem angegebenen Orte zu zahlen.-
Diese Ansicht des Arabers ist falsch. Nach dem Wortlaut des syrischen
Textes ist die Steuergemeinde dieses unehelichen Sohnes diejenige, in
der er lebt, nicht diejenige, in der er aufgewachsen.
Ober die auf der Ortsgemeinde liegende Verpflichtung zur Steuer-
zahlung vgl. meine Syrische Rechtsbiicher, 2. Band, S. 184, Anm. zu VIII.
S. 121, 4. V. Kap. Dies Gesetz, betreffend den Unterhalt der
geschiedenen Frau, findet sich inhaltlich ebenso auch bei .\rabs II
Bl. 206a 2—5.
S. 121, 30. § 4. Die Zusammenstellung der beiden Subjekte Frau
Oder unmijndiges Kind ware auffallig, wenn weiter nichts ausgedruckt
werden sollte ais unmiindiges Kind, Madchen oder Knabe . Wir werden
daher annehmen miissen, dal5 das Wort Frau hier, wie an vielen
Stellen in diesem Zusammenhange, in dem Sinne von Ehefrau ge-
braucht ist, und daf5 der Verfasser den Fall im Auge hat, daB ein
Mann seiner Ehefrau oder einem adoptierten Kinde das Erbrecht von
Kindern verleiht, sie unter seine Erben aufnimmt. DaB ein Mann seine
Frau zur Erbin einsetzen darf, diirfte aus IV, 1 § 5a folgen. Der ara-
bische Text iautet:
Obersetzung: Wenn jemand die Frau oder das unmiindige Kind
aufzieht und wie seine Kinder behandelt, und diese nun vor ihm
sterben, dann bekommen ihre Blutsverwandten nichts von der Hahe
des Mannes. Wenn sic dagegen nach ihm sterben, dann bekommen
die Frau und das unmiindige Kind einen Teil von seiner Erbschaft,
und der Erbe kann sie nicht daran hindern. Und wenn der (nntiirliche)
— 317 —
Erbe ihiien einen Anteil gewahrt an eiiiem hinterlasseiien Landtjut oder
(sonsti.a;em) liegenden Besitz, so fallt dieser ihr Anteil nach ilireni Tode
ihreii I^kitsverwandten zu.
S. 121, 44. § 5. 6. 7. Die drei Adoptionsparao^raphen diirften in
folgender >X'^eise aufzufassen sein:
§ 5. A schenkt dem B sein Kind. Von nun an ist das Kind iti
alien rechtliciien Beziehungen das Kind des B.
§ 6. B adoptiert das Kind des A, nicht weil A es iiini geschenkt,
wohl aber sich mit der Adoption einverstanden erklart iiat. In dem
Falle gilt das Kind reclitlicli ais das Kind zweier Vater, d. ii. es beerbt
sowolil den ieibliclien wie den Adoptivvater.
§ 7. Speziaibestiinniung zu v^ 0. Wenn das Kind, welches B
adoptiert, nocli unniiindig ist, und mm B iinn einc Sclienkung
mactit, dann gehcirt diese Sclienkung dem leibliclien Vater des Kindes,
doch wohl aus dem Qrunde, weil das unmiindige Kind nicht rechts-
fahig zur.Vermcigenserwerbung ist und daher in dieser Angelegenheit
trotz der vorhergegangenen Adoption A als der Vertreter des un-
niiindigen Kindes im Rechte erscheint. Da aber nach § 6 das Kind
auch seinen leiblichen Vater beerbt, so mul^ nach dem Tode des leib-
lichen Vaters diese Schenkung eventuell ganz oder teiiweise dem Kinde
zufallen.
S. 123, 26. VI. Kapitei. §1.2. Der arabische Text lautet bei Arabs 1
Bl. 90b 5ff.:
Obersetzung. VI. Von der Fran, welclie nach dem Tode ihres
Qemahls auch noch ihre Kinder durch den Tod verliert. Wenn sie (die
Kinder) zu einer Zeit, wo sie unverhciratet ist, sterben, bekommt sie
einen Teil (Erbteil) von ihnen. Wenn sie dagegen wieder verheiratet
ist, bekommt sie keinen Teil, sondern ihr Vermogen (der Nachlali ihrer
verstorbenen Kinder) fallt den Briidern, Schwestern und ubrigen Bhits-
verwandten der Erblasser zu.
Wenn der Verfasser hier auf fruhere Stellen seines Werkes ver-
weist, so nehme ich an, dal5 er damit lien § 3 in Buch IV, Kap. Ill
(S. 113) meint, wo er die erbrechtliche Stellung der ledigen oder wieder-
verheirateten Schwiegertochter gegen den Vater ihres Gemahls be-
handelt hat. Nach dieser Analogie beliandeit er hier das Erbrecht der
Schwiegertochter gegen ihre eigenen Kinder. Bieibt sie ledig,
so beerbt sie ihre Kinder; verheiratet sie sich wieder, geht ihr dies Erb-
recht verloren. Beides entspringt dem Orundsatz IV, I § 4, dalJ das
Weib durch die Verheiratung aus der Fannlie ihres Vaters, ilaher durch
die Wiederverheiratung aus der Familie ihres ersten Qemahls ausscheidet.
S. 123,27. VII. Kapitei. Mit den Ausdriicken durch das Testa-
ment und den Befehl ihres Gemahls und durch den Befeh!
ihres Vaters ist jedenfalls eine testamentarische Verfiigung gemeint.
Ich verstehe die §§ 1—3 so, dal5 die Abfindung der Witwe, der Tochter
und des Sohnes sie ausschlielit von iler Beerbung des Ehegatten bzw.
des Vaters und samtlicher zu seiner Fam ilie gehoriger Personen,
dal5 dagegen das Erbrecht der Abgefundenen gegen solche Personen,
welche urspriinglich zu der Fannlie des Erblassers gehorten, aber durch
Verheiratung aus derselben ausgesch ieden sine!, durch diese
Abfindung nicht aufgehoben wird.
— :n s —
Das Subjekt in den §§ 1—3 ist allemal eine Person (Witwe, Tochter,
Solin), welche, wie aiis der Ubersclirift des Kapitels sowie aus dem Zu-
satnnienliang zu entnchnien ist, durch Abfindung vnn seiten des Erb-
lassers (Eliegatten bzvv. Vaters) von dessen Beerbung aiisgeschlossen ist.
In den §§ 1.2.3 ist der Orundgedanke der, da(5 durch die Ab-
fiiuliing des Manncs (Oemahls, Vaters) das erbrechtliche Band zwischen
ilitn iind Oemahiin, Tochter nnd Sohn zerschnitten, nicht abcr das
erbrechtliche Band zvvischen der abgefundenen Person und den iibrigen
Bhjtsvcrwandten (zvvischen verheirateter Tochter und ihrcr Mutter und
•sonstigen Erben § 1, zwischen verheirateter Schwester und lediger
Schwester § 2, zwischen Bruder und Oeschwistern § 3).
Auf vvelciie friiliere Stelle in seinem Werke der Verfasser in § 2 ver-
weist, ist mir niclit ersichtlich, vielleicht auf IV', I, § 12, letzter Absatz. Nach
letzterer Stelle beerben cvcntiiell ledige und verheiratete Schvvestern den
Bruder zu gleichen Teilen. An diese Analogic wollte der Verfasser hier
vielleicht erinnern, indem er bestimmt, daB in diesem Falle zwischen
ledigen und verheirateten Schwestern ein erbrechtliches Band besteht,
das auch durch die Abfindung der ersteren nicht aufgehoben ist.
S. 125, 27. VIII. Kapitel. Die §§1.2 finden sich bei Arabs II
Bl. 205b 9— 16. Mit dem Inhalt des §2 beriihrt sich ein unter dem
Namen des Jesubocht angefiihrtes Zitat bei Arabs II Bl. 209a 7 — 10 (von
der Entfernung eines ungetreuen Vormundes und der Ernennung eines
getreuen durch die Kirche).
S. 127,2. IX. Kapitel. Das Wort diidagsalarih ist zusammen-
gesetzt aus dudag, einer niitteliranischen Form fiir das neupersische
dude ojjj (vgl. jU.ijj) und ^^jV^— Fuhrerschaft. Beachtenswert ist
die Schreibung des letzteren Wortes im Syrischen mit OT am Ende:
6^3k^JCxX.303; s. Anm. zu S. 5,24.
Derselbe Paragraph findet sich auch in Tukkasa Bl. 158a 15 bis
158b 1.
Kollation: S. 126, 3 2i^*3 as st. 2X*3 Oti, 4 U*-*i09 st.
2«^^^, 5 I^o^au^o St. 2^e^3b.o, 5 I&j>jl3 st. 2^e^3w^,
5 ^.^At*^ o2 St. <^^1i\t«, 6 U'aaa^^ st. Uap^^. 7 I'oai st. 007.
In Tukkasa Bl. 159 b wird ein Gesetz iiber das Erbrecht des
Monches, der in die Laienwelt zuriickkehrt, als ein Gesetz des Jesubocht
zitiert. Dies ist aber ein falsches Zitat, denn es ist das Gesetz des Pa-
triarchen Jesubarnun § 69 (s. Syrische Rechtsbiicher II S. 149).
311) —
Anmerkungen zu Buch V.
S. 131,3, Buch V. Die Biicher V unci VI von Jesubochts Werk
sind abgesehen von einer Inhaltsangabe der einzelnen Kapitel in der
arabischen Obersetzung des Arabs I niclit vorhanden. Es heiCt auf B1.91a:
■U J^\j j5vi ^\
"Das fiinfte und sechste Buch. Alle Kapitel dieser beiden Biicher
sind verbreitet in der Form, in der sie in dem von Gabriel verfal5ten
Buche, betitelt Die Frucht, vorliegen. Es lohnt sich nicht, sie zu
wiederholen. Die Kapitel des funften Buches sind 13, von der Familie
eines Mannes, da(3 er seine Habe vor seinem Tode gibt, wem er will,
Oder nicht usw. Und die Kapitel des sechsten Buches sind 12, von
dem ersten und zweiten Gegner usw.
Gegen letzteres ist zu bemerken, daB in dem syrischen Text das
Inhaltsverzeichnis des sechsten Buches nicht 12, sondern 13 Kapitel angibt.
Aus dieser Notiz entnehme ich, daB zur Zeit, als der arabische
Obersetzer schrieb, die beiden letzten Biicher von Jesubochts Werk in
einem anderen Werke zirkulierten, das mit dem Titel Die Frucht zitiert
wurde und einen Gabriel zum Verfasser hatte. Ob hiermit das Rechts-
buch des Erzbischofs Gabriel von Basra, der nach Assemani, Bibliotheca
orientalis 111, 202 um das Jahr 893 gelebt haben soil, gemeint ist? Vgl.
Ebedjesus tadelndcs Urteil iiber Gabriels Werk im Tractatus S. 221, Kol. 1
(Obersetzung S. 54, Kol. 2). Es ist freilich nicht bekannt, daB Gabriels
Werk den Titel Die Frucht gefiihrt habe. Es war jedenfalls urspriing-
lich syrisch geschrieben; vielleicht ist aber hier im Zusammenhang der
arabischen Obersetzung, eine arabische Version jenes Werkes gemeint,
welche den Titel Die Frucht gefiihrt haben mag.
Bei Arabs II finden sich leider nur wenige Paragraphen aus den
Biichern V und VI unseres Corpus juris, die in den folgenden An-
merkungen verwertet sind.
S. 133, 13. im mittleren Satz Z.6ff. sind zwei Falle angenotnmen:
Ein verschuldeter und ein schuldenfreier Maim. Der Vcrschuldete schenkt
seine Habe den Seinigen, wiihrend sie tatsachlich seinen Glaubigern ge-
hort. Zweiter Fall: Der Schuidenfreie kontrahiert cine Schuid; um sic
al)er nicht zu bezahlen, verkauft er seine Habe den Seinigen.
:r_'(i —
Das Suffix ill » eo;uo S. 132,7, inui in .00;^ /. 8 mu(5 vur-
schiedene Personen bezeichnen. Man wiirde claher an letzterer Stelle
«sOLi6j^ erwarten, falls nicht noch cine andere Korruptel vorliegt.
S. 133,38. § (). Dariiber, dafi der Erbiasser nicht jede beliebij^je
Person zum Erben einsetzen darf, s. Erbrecht, Bucli IV, Kap. IV § 5.
Uber Sohne, Eliefran und Kinder, die wegen ihres Betragens ent-
erbt werden konnen, s. daselbst IV, IV § 1 1 und IV, V § 3. Ein Sohn
ohne Gottesf u rcht wiirde auch ein solcher sein, der vom Christen-
tuni zum Islam iibertritt; s. IV, IV § Q.
S. 135, 13. III. Kapitel. Dies Kapitel handelt vom Testament und
von der Zuwenduiiji: inter vivos und post mortem, zum weitaus groBten
Teil von letzterer, und hierbei zeigt sicli storend der sclion S. 310 er-
wahnte Mangel der Terminologie Jesubochts, dal5 sie keinen Ausdruck hat
fiir Legat, riiit dem Wort Gabe oder Geschenk sowohl das Geschenk
wie das Legat bezeichnet, wahrend z. B. in der altesten Redaktion der
Leges Constantini Theodosii Leonis das Wort Legat in der prazisierten
Form xeyarov *^S^,\ ,\ helbehalten ist.
S. 135,21. Man kann die Reste dieses Paragraphen versuchsweise
etwa in folgender .\rt erganzen:
|.Zi)^.,i.3 ^» 2^.3caM{ Lx^&d U'oja .lo^i, | Ixs Licu|
l»xx wis l^i<w.3|> w»6v3 l3:,>a>3 1 l^i^^s h» xA.. ii^a-a^
2x<m3 ;N.3o;^;s2p S^J «J>9 I^ocaaoe .23i>:vs.» |2^.3A{ ec7p
S. 135,33. Der Text S. 134, 19.20 von ixo o-SJ oer Ijaa ^2
bis o^ 3a]^lslp ist verderbt, nieine Ubersetzung konjektural. Es wird
jedenfalls hier wie in V, I § 4 deutlich zwischen Geben, dare = <30Jj.,
und Obergeben, tradere - ^\t2, unterschieden. Vielleicht ist der
Text in folgender Weise herzustellen :
u.c;oum3 2i2L\ .^ 2^^.A2 ^or o2 23o ec? |oc-p| laaa ^2
.01^ jaf.^i\l a>,M OCT
Dies wiirde besagen, dal5 ein Mann eine Schenkung (d. i. Versprechcn)
an Kind oder Oemahlin unausgefiihrt bieiben lassen kann, soiange er lebt.
S. 135, 46. Icli verstehe diesen Paragraphen so, daB diese Ver-
fiigung nur auf diejenige Habe des Donators Anwendung findet, welche
er seit deni Datum sei ner Verf iigung erworben hat, wahrend die-
jenige Habe, die er vor dem Datum dieser Verfiigung besal5, seinen
Erben verbleibt.
S. 137, 12. Dieser Paragraph lautet in Arabs II Bl. 21 1 a 1.2
folgendermalkn :
oU IJlj *->Vjl iy> J^")/^ L. «-^. '^^-^y J^j ^j bl ^i^-j^_\j
.<]] Ajjjj ^LaJVl *MiJ\ J->^ ^^
— 321 —
Jesubocht. Wenn eiii Mann diirch lestainent eine Saclie dem
besten seiner Kinder vermacht und stirbt, dann untersucht der Leiter
der Kirche, wer der Beste sei, und iibergibt sie ihm.><
S. 137, IS. Dieser § 8 iautet bei Arabs II, 2:
Und was er (eiii iMann durcli Testament) einem niinderjalirigen
Sohne vermacht, darf er (dieser) weder verkaufen noch verpfanden; wenn
er aber 15 Jalire alt ist, hat er die Verfiigunsj dariiber.
S. 137,50. Der § 11 Iautet bei Arabs II BI. 211a 4ff.:
jU_) cU i\ 4 ■^jj '~^^ J^j ^> \i\ (d. i. C-i^-o^J) Jlsj
(J^) J'r^ J' \ ^'^jJ^. a*r* ^'^ y*"^^ ^^-. '^JJ' ^ Jf' '-^ -^
^U-jI| oAlju Ip-^«j1- i jl <~^^\ ^ Jlj jlj U4] j^ A< ^j L.J a^
Wenn ein Mann durch Testament seiner Fran oder Tochter einen
Garten oder anderes vermacht und speziell die Bedingung der Ver-
heiratung mit einem Manne hinzufiigl, dann haben sie die Freiheit, den
einen Christen zu heiraten oder den anderen, nnd das Legat kommt
ihnen zu.
Wenn er aber in dem Testament sagt: ,Wenn sie nicht einen be-
stimniten Mann heiraten, bekommen si^ nichts von dem Legal,' in dem
Falle bekommen sie nur dann das Legat, ohne mit dem bestinimten
Manne verheiratet zu sein, wenn der Vater der Kirciie denselben in Untcr-
suchung nimmt und findet, daB er einen Leibesfehler iiat (der die Ehe
ausschlieBt).
S. 139, 20. § 14. Dieser Paragraph enthalt Bestimmungen iiber
die Folgen der testamentarischen Abfindung erbberechtigter Personen,
Gemahlin, Tochter und Sohn.
Wenn ein Mann Gemahlin oder Tochter abgefunden hat, kommen
zwei Falle in Betracht:
a) sie haben keinen .\nteil an seiner Erbschaft und audi nicht
an der Erbschaft seiner Kinder bzw. seiner andern Kinder, falls er
solche hinterlalU;
b) hat er dagegen au(5er der abgefundenen Tochter keine erb-
berechtigte Kinder hinterlassen, dann eriischt die Abfindung, und
damit erlangt die genannte Tochter, eventuell die Frau, wieder ihr Erb-
rechtgegen den Testator, das vorher durch die Abfindung aufgehoben war.
Wenn ein Mann einen Sohn abgefunden hat, sind ebenfalls zwei
Falle zu unterscheiden:
a) wenn der Mann mit Hinterlassung anderer erbberechtigter
Kinder stirbt und, bevor noch die Erbteilung abgeschlossen ist, audi
eines dieser Kinder stirbt, dann wird der Erbteii iles verstorbenen
Kindes ijber seine iinterbenden Oeschwister verteilt, und der ab-
gefundene Bruder bekommt weder efwas von seinem Vater noch von
scinem verstorbenen Bruder bzw. seiner Sdiwester;
b) wenn dagegen ilie Erbschaft des Testiitors unter seinen erb-
berechtigten Kindern bereits verteilt ist uml nun eines der letzteren
Sachau, Syrisclie Rechtsbuchcr MI. 21
- 822 -
stirbt, daiiii wird cr auch von detn abjiefuiulenen Soline, seineni Bruder
beerbt. Letzferer tritt wieder in sein natiirliches Erbrecht ein, und die
Folgen der Abfindimff sind erloschen.
Im Falle a ist das Erbrecht zwischen Vater und Kind auf-
gelioben, dagegen ist im Falle b das Erbrecht zwischen Geschwistern
nicht aufgehoben, sondern besteht zu Recht.
Meines Erachtens niufite in lit. a eine Einschrankung des Ge-
setzes angegeben werden. Der Erbteil des Kindes B, den es von seinem
Vater A erbt, kann wahreiid der Aufteilung des vaterlichen Erbes, bevor
es noch Eigentiim des B geworden ist, wenn B wahrend dieser Zeit
stirbt, nicht aiif seinen abgefundencn Bruder C vererbt werden, denn
es handelt sich nnch um die Erbschaft des A, und ein erbrechtliches
Band zwischen A und C besteht nicht mehr, denn C ist abgefunden.
Also C kann in diesem Fail den B nicht beerben.
Anders folgender Fall. B, Sohii des A, hat vor dem Tode seines
Vaters ein eigenes Vermogen erworben. Wenn nun wahrend der
Aufteilung der vaterlichen Erbschaft B kinderlos stirbt, dann hat C
ein Erbrecht gegen den Bruder B, denn das Erbrecht zwischen den
Briidern (Geschwistern) ist nicht aufgehoben.
Die Bestimmung in lit. a gilt also nur von demjenigen Vermogen
des erbberechfigten Kindes, das es von seinem Vater erbt.
Dieser § 14 lautet bei Arabs II Bl. 211a 8ff.:
jLil oL. blj <S J J" ^1-2* J '^_ *^j3 j' "^ jLJI ^i jlj
^ ^L^I-C* jyl- >V1 oVjl (-b U <I*^_
>Wenn ein Mann seiner Jochter oder Gemahlin etwas vermacht
und sie von seinem NachlaB trennt; wenn dann einer der Seinigen
(ein Kind von ihm) stirbt, wahrend seine iibrigen Kinder am Leben
sind, dann falit die Erbschaft nur den letzteren zu, und die Frau und
jene Tochter sind ausgeschlossen. Wenn aber solche Kinder nicht
vorhanden sind, dann werden die Frau und jene Tochter zur Erbschaft
berufen nach der oben angegebenen Bestimmung.
Ebenso wenn eine testamentarische Bestimmung in betreff eines
Sohnes vorhanden ist. Wenn dann, bevor noch der NachlaB des Vaters
verteilt ist und ein jedes seiner Kinder seinen Teil bekommen hat, eines
von letzteren stirbt, bekommt jener (der in der Testamentsbestimmung
genannte Sohn) die Erbschaft.
Dieser letzte, ganzlich irrige Absatz ist aus dem Anfang von
Abs. a und dem Ende von Abs. b in § 14 zusammengeflossen.
S. 141, 5. Das vorhandene Bruchstiick, der Rest eines langeren
Paragraphen iiber eine bedingte Schenkung, lautet:
seinem Genossen (Nebenmenschen), ,dal5 ich dir gegeben habe',
so ist das nichts (d. h. rechtsungiiltig). Wenn er aber erspricht: ,Ich
gebe (es) dir'; wenn es dann von ihm gefordert wird, mul5 er (es)
kaufen und ihm geben. Wenn er aber die Sache nicht verkauft,
schuldet er ihm ihren Geldwcrt.-
Vielleicht war hier von der Schenkung einer Sadie die Rede,
welche der Schenkende nicht oder noch nicht besitzt. Wenn ein
Mann, der z. B. kein Pferd besitzt, zu einem andern spricht: ,Ein
Pferd habe ich dir hiermit gegeben', so ist das nichtig. Wenn er
aber spricht: ,lch gebe dir (ein Pferd)', dann mul5 er, wenn es von
ihm gefordert wird, ein Pferd kaufen und ihm geben oder, wenn er
— H23 —
es nicht verkauflicli ist, ihm den Preis eines solchen zahlen. In diescm
Fall wiirde der Unterschied der beiden Falle durch das Perfekt und
das Prasens des Verhums geben bedingt sein.
In Arabs II Bl. 2Ila sind die samtlichen §§ 15 — 18 ausgelassen.
S. 141, 12. Die §§ IQ. 20 finden sich ohne sachliche Differenz
bci Arabs II Bl. 211a I3ff. Eine Estira (§ 19) ist gleich vier ziize
Oder Dirhenis.
S. 141, 30. Dieser § 22 laiitet bei Arabs II Bl. 211a 16ff. so:
'Wenn ein Mann nominatim genannten Personen einen Sklaven,
Garten, Gehoft oder Geld verschreibt und das Geld als eine bestimmtc
Summe angibt; wenn dann der Sklave stirbt oder das Gehoft einstiirzt,
wendet sich der Verlust nicht zuriick auf die Gesamtheit (d. li. hat die
Gesamtheit der Erben nicht den Verlust zu ersetzen).
Und wenn das Geld zu wenig ist, wird es erganzt aus deni Vor-
handenen oder von der Gesamtheit. <
Das syrische 2a\^ ist hier durch «£.Li-| wiedergegeben ; es kaini
in solchem Zusammenhang auch Erb masse bedeuten.
S. 141,46. Die §§ 23. 25 sind bei Arabs II Bl. 211b Iff. ohne
nennenswerte .^bvveichungen vorhanden.
S. 143, 31. Die §§ 27. 28. 29 sind in Arabs II Bl. 211 b 5ff. vor-
handen.
S. 143, 39. Nach diesem § 28 ist der Testator berechtigt, seine
gesetzlichen Erben von seiner Erbschaft auszuschliefien. Eine genaue
Fixierung eines Pflichtteils fiir Witwe und Kinder findet sich bei Jesu-
bocht nicht, nur in betreff der Kinder die ganz allgemein gehaltene
Bestimniung in Buch V Kap. I § 6.
S. 143, 42. Es liegt hier (Text S. 142, 22) eine Liicke vor, die
wohl auch schon Arabs II vorfand, denn bci ihm fehlt diese Stelle.
Vielleicht stand in der Liicke: [iio o?'? iM^J d- i- "wie viel er
auch verlangen mochte, dali ihm gegeben werde*. Bei Arabs II
Bl. 211b 7.8 lautet der Paragraph:
Wenn er bestininit, dal5 ,N neben meinen Erben einen Teil
meiner Habe bekommen soil', dann bekommt N, wenn es ein Mann
ist, den Erbteil eines Mannes oder, wenn es ein Weib ist, den Erbteil
eines Weibes.
S. 143,48. § 1 findet sich auch in Tukkasa Bl. 139b 14 -18 ebenso,
ohne Variante.
S. 145,21. Der Ausdruck in Abs. b, bevor er niit ihm Erbschaft
teilt , kann bedeuten: bis er sein Testament macht, d. h. bis an sein
H24 —
Lcbenseiule. Dieser Sinn kaini aher liier wolil niclit beabsichtij^t seiii,
ila eiiie Sozietat docli iiicht notwendig bis zum Tode eines Sozietars
fortbesteiien muB, sondern zii seinen Lebzeiten aufgelost werden kann.
Ich nehiiie dahcr an, dal5 jcner Ansdruck bedeuten soil: bevor er fder
Adoptivvater) mit ilim (dem Adoptivsolin-Kompagnon) Erbscliaft (d. h.
seiii Vcrmogen, zu dessen Erben er ilin mit dem Rechtstitel eines Kom-
pagnons berufen hat) teilt, d. li. bevor auf seine Veranlassung die Sozietat,
weiclier der Adoptivvater und der Adoptivsohn angehoren, aufgelost
win!. Wenn diese Aiiffassung richtig, ist allerdings der Ausdruck
2•Se^•^kd. Erbscliaft rcclit inigenau, denn gemeint ist Sozietats-
vermogen.
Von den Erben eines Adoptivkindes, das zugleich Kompagnon ist,
handelt Buch IV, Kap. V § 4.
S. 145,31. Von dieseni Paragraphen findet sicli der erste Absatz
(Text S. 144, 17—26) audi in Tukkasii Bl. 139b 18 — 140a 6.
Kollation: Text S. 144, 19 M^dOCl ^ecr^o^^osp st. v,00;:S^.0L3^?
»3ivx2, 20 liMa ^ St. IhisXa, 20 ^? iasjc st. lasjc, 24 ^
A^JSOX -^lai St. l^aSos ^oaoT, das ^So nachfraglich hinzugefiigt;
25 Ua^Ou St. UNsou., 25 au* St. 3m3. /
S. 145, 49. §6. Der eine Passus in diesem Paragraphen (Text
Bl. 146, 1. 2) ZidSeSO 'yxo X^ i^l iso^ai findet sich im Tukkasa
Bl. 140a 6 — 9 in folgender Oestalt:
o2 2dv30k.\2:\3 .233.«A ojaa^ 2;sa3j^0uxp L>.».3 w\«l^
.u>07 3 23w>2 2asoo^3 e2 2«S^>OJU
Dasselbe gilt von eineni Geschenk, das von Konigen und Grolkn
denjenigen gegeben wird, welche einander den Eid der Sozietat gegeben
haben mit Bezug auf Handel oder Funde oder irgend etwas anderes.
Der iibrige Inhalt des § 6 findet sich in Tukkasa nicht.
Der Text von Arabs II ist fehlerhaft:
j»j\ (fJ^) Jl^l 1^ ^A^l -^jj i^V^ c^ (>: j^ j\ ^/".J
^^ ^- i j\ iS^ll J^\>j ^^ aij j Xj^ ^^} \^^ rj^ ^^^ '^
:^^\ zM\
»Wenn unter Leuten eine Kompagnie besteht, und einer der
Kompagnons etwas bekommt wegen einer Kriegstat, die I'nit einem
Konigsgeschenk bedacht ist, so haben nach der Ansicht einiger die
Kompagnons hieran keinen Anteil. Und in betreff der Kompagnie
(Sozietat) sagen sie, dali, wenn das Geschenk nicht untor ilinen verteilt
wird, die Kompagnie aufgelost ist.'
S. 147, 38. § 5. Der vorliegende Text liilU sich in folgender Weise
iibersetzen: Wenn ein Mann zu einem anderen spricht: ,Eine Eselin
von ihrem Fiillen (sic), welche 30 Estire wert ist, ist mir, und ich
habe sie dir gegeben', dann ist ihm (dem Beschenkten) das Fiillen nicht
gegeben, (sf)ndern niu' tlic Esolin).
— H25 —
Wemi cr dagegen spriclit: ,Eine Eselin von ihrciii Fiilleii (sic)
ist niir, unci sie ist 20 Estire wert. Ich hahe (sie) dir gegeben", dann
ist ihm audi das FuUen gegeben.
Ob etwa anstott gt\*a... ^ in beiden Fallen q;\.X aiiy zu
lesen ist? Dann konnte der I'litcrschied der beiden Stipulationen darin
liegen, dalJ es im ersten Fall heiBt, ich habe sie (die Eselin) dir ge-
geben, wahrend im zweiten Fall in dem Ausdruck ich habe dir ge-
geben als Objekt alles, was in der vorhergehenden Erklarung angefiihrt
ist (Eselin samt Fiillen), aufzufassen ist.
S. 147,49. § 6, Abs. 2. 3. Der hier zwischen Weinstock und Palm-
baum gemachte Unterschied ist vielleicht daraus entstanden, daB der
hohe Palmbauni etwa als ein Individuuni fiir sich und als besonders
kostbar angesehen wurde. Die Dattelpalme braucht vielejahre Wachstum,
bevor sie Frucht tragi. Dagegen gait der Weinstock, am Boden liegend.
vielleicht vie! mehr als mit dem Boden, auf dem er steht, verwachsen,
und ist allein an und fiir sich als einzelner Weinstock von verhaltnis-
maBig geringem Wert. Die Steuer wird vom einzelnen Palmbaum er-
hoben, nicht vom einzelnen Weinstock. Was aber auch der Orund sein
mag, Weinfeld und Palmenwald, Weinstock und Palme werden vom
Gesetzgeber in charakteristisch verschiedener Weise hehandelt.
S. 149,35. hii ersten Absatz von § 10 liegt vielleicht eine kleine Text-
verderbnis vor, wenn auch fiber den Sinn kaum ein Zweifel bestehen kann.
Wenn man mit Umstellung des Wortes 'PSM im Text S. 148, 21. 22 liest:
30CO w.erTa^ ^or^^ op>bo ^a^be ojS \,ntp IsolX. oor *^2
'Wenn der Mann, der etwas (eine Teilzahlung) von ihtn (dem Stipu-
lanten) bekommen hat, sich gegen ihn wendet, dann wird von ihm (von
seiten des Stipulanten) das, was er (jener bereits) bekommen hat, ge-
fordert (zuriickgefordert), und dann iibergibt er (der Stipulant) ihm
(jenem) jenen Acker oder jenes Haus, ist vielleicht geholfen.
S. 151,16. Die §§ 1—9 und 11 sind bei Arabs II Bl. 211b und
212a vorhanden, durchweg in sehr verkiirzter Form.
Zu § 1 ist zu bemerken, daB hiernach der Verzicht der Kinder
zugleich fiir die Witwe Rechtskraft hat.
S. 151,47. Zu der Dos als Schuldforderung gegen den Nachlafi
des Gatten vgl. Syrisch-Romisches Rechtsbuch § 111, die Anmerkungen
von Bruns S. 280 und Syrische Rechtsbucher I, S. 127, § 140.
S. 153, 16. Dieser § 5 lautet bei Arabs II Bl. 212a:
^ ^yyi\ .L^; ^>_ V i5^l ^ \'j bl jVjVIj '\J.\ Ji Jy>j
L. jj 1>*>1 ^J^ ijM w^l-»j *-Jl j>->^ jjl i^>^^ '-^ '^ {"^^J^
.v_3-\^ ^r->i \.xt>j Z\iti\ JUi oJl J- (zerstort)
Wenn Frau und Kinder sich lossagen von dem NachlaB, brauchen
sie die Schuld des Verstorbenen nicht zu zahlen, wenn sie auch in seinem
Hause mit Erlaubnis des Leiters der Kirche und des Glaubigers wohncn.
Oftmals hat man sie gezwungen zuriickzugeben, was sie aus dem
Hause (des Verstorbenen) nach seinem Tode hatten. Das ist aber nicht
notwendig.
S. 153,30. §8. Der Anspruch der ledigen Tochter gegen den
NachlaB ihres verstorbenen Vaters, von dem hier die Rede ist, kann
meines Erachtens nur der Rechtsanspruch der Tochter auf eine von ihrem
Vater zu gcwahrendc Aussteuer sein. Vgl. IV, I i? 5, h §§6 und 12.
— :m\ —
S. 153,57. Icii iielime an, dali in cliesem § 10 wic in § 11 ini
i7iittelpersischen Original fiir >X3? ein pragnanleres Wort gestanden hat,
ein Ausdruck fiir I'rozeBf iihren, and vcrstehe diesen Paragraphen so:
Wenn z. B. in einer Erbschaftsverhandiung jemand auf jedes Recht gegen
die Erbsciiaft verzichtet, sich aber hinterher eines anderen besinnt, kann
er nur dann ini ProzeBwege seinen Anspruch geJtend machen, wenn
die erbberechtigte Partei sich damit einverstanden erklart.
Zii Text S. 154, 1 ist auffalHg, daB eine Person, auf welche sich
das 007 (in oojs iJSfx \ to. '\.lf) i^?) bezieht, vorher nicht genannt
ist. Die Form Jl*3p in deni hier geforderten Sinne kann ich nicht be-
iegen; vielleicht darf man sie nach Analogic von » «\y, ^3>m auM>2
zulassen. Arabs II hat diesen Paragraphen ausgelassen.
S. 155, 1. Wenn ich recht sehe, bezieht sich dieser Paragraph auf
Verhaltnisse, die z. B. bei einem Erbschaftsstreit vorkommen konnen.
Absatz a: Bei Gelegenheit einer Erbschaftsteiiung erklart z. B. eine
den Erben unbekannte Person; Der oder der Acker des Nachlasses
gehort mir« und erhebt einen ProzeB, um sein Recht zu erstreiten.
Wahrend dieser Zeit, pendente causa kann er, wenn er will, zur Be-
zahlung der Schulden des Erblassers mit herangezogen werden.
Absatz b: Wenn jemand das Eigentum an einer Sache, die er in
seiner Verfiigung hat, durch ProzeS erstreiten will, und den ProzeB ver-
liert, nachdem er sich vorher als mithaftbar fiir die Schulden des Erb-
lassers erklart hatte, dann ist diese seine Erklarung hinfaliig, d. h. er hat
dann keinerlei Haftpfiicht fiir die Schulden des Erblassers.
Ob der Text ganz intakt ist, besonders in Abs. a, kann wohl
zweifelhaft sein. Arabs II Bi. 212a hat mehr geraten als verstanden:
Der Mensch ist nur dann berechtigt sich von einer Sache los-
zusagen, wenn sie in seiner Hand ist, sei es Haus oder Garten oder
anderes.<
S. 155, 13. Die §§ 1 und 2a sind in Arabs II Bl. 189a sowie in
Tukkasa BI. 138b 23— 139a 13 ijberliefert.
Kollation: Text S. 154,10 iio ^ o2 ^fo2 »^ooj*^ak-d st.
k^9o2 ^ocrs^o ^» s,2o vOOVo^Sk^, 11 }J(a2o st. Ixilpo. 13
sdsip St. ^u.^^^, 14 Z^^.^oe st. Z^^^e l^^J^oe, 17 o^^p st.
cf\^,? pioa, 17 Jbtaap st. U'y^lp.
§ 1 handelt von beweglicher Habe (Mobiliarbesitz) als Pfand.
Vorhanden sind mehrere Glaubiger, aber unter ihnen nur ein
Pfandinhaber.
Nach Tod oder Bankrott des Schuldners kann der Pfandinhaber
das Pfand unter Kontroile des geistlichen Gerichts und seiner Beisassen
veriiuBern, sich aus dem Erios bezahlt machen, und muB den etwa
iibrigbleibenden Rest den andern Gliiubigern zur Befriedigung ihrer
Forderungen iiberlassen.
In diesem Falle wird die zeitliche Reihenfolge der von dem
Scluildner eingegangencn Verpflichtungen nicht beriicksichtigt.
— 327 -
Bei diesem § 1 wie hei § 2 ist die Voraussetzuna:, dal5 die Erben
des verstorbenen Schiildners sich von seiner Erbschaft losgesagt haben.
Vgl. § 3a.
S. 155,24. §2 handelt von unbeweglicher Habe (Imniobiliar-
besitz), die durch schriftliche Uri<unde verpfandet ist.
Erster Fall: Vorhanden niehrere Glaubiijer, aber unter ihnen
nur ein Pfandinhaber, der das Pfand besitzt. Der Pfandinhaber ist der
Zeit nach der erste in der Reihe der Glaubiger.
Er ist berechtigt sich seibst zuerst bezahlt zu machen, und verpflichtet
den etwa verbleibenden Rest den iibrigen Glaubigern zu iiberlassen.
Zweiter Fall: Der Pfandinhaber ist nicht der Zeit nach der
erste Glaubiger, sondern z. B. der vierte oder fijnfte. Fur diesen
Fall gab es zweierlei Bestimmungen:
a) der erste Glaubiger macht sich zuerst vollstiindig bezahit;
b) der erste Glaubiger bekomint zuerst sein Kapital (nicht die
Zinsen) zuriick, und der Rest wird iiber die iibrigen Glaubiger verteilt.
Dritter Fall: Weder der erste Glaubiger noch ein spaterer hat
das Pfand in seinem Besitz, schriftlich ist es aber nur dem ersten
Glaubiger verpfandet.
Der erste Glaubiger darf sich aus dem verpfandeten Gut sein
Kapital (nicht die Zinsen) zuriicknehmen.
Vierter Fall: Das Pfand ist zugleich zwei Glaubigern ver-
pfandet und es befindet sich nicht im Besitz des ersten, sondern des
spateren Giaubigers.
Die beiden Pfandinhaber machen sich zugleich aus dem Pfand
bezahit.
Fiinfter Fall: Vorhanden mehrere Glaubiger, aber eine Ver-
pfandung hat nicht stattgefunden.
Die Glaubiger teilen sich die Habe des Schuldners, eventuell
seinen NachlaB. Wenn der Schuldner noch lebt und das von ihm
verpfandete Objekt zur Zahlung seiner Schuld nicht ausreicht, fordern
sie von ihm den Rest der Schuld, d. h. der Schuldner nniB in der
Folgezeit den Rest seiner Schuld abtragen.
Dieser Paragraph unterscheidet, ob das Objekt (die Habe des
Schuldners) in der Hand oder in den Handen eines Giaubigers,
Oder ob es bei ihm verpfandet ist (S. 154, 15. 18. 19. 22. 23. 24.
25. 26. 27). Ich verstehe unter ersterem, da(5 das Objekt sich im
faktischen Besitz des Giaubigers befindet, ihm ubergeben vvorden ist,
daB er nicht etwa bloB die Verpfandungsurkunde in der Hand hat,
sondern das Objekt seibst. Der Verfasser unterscheidet demnach zwei
Arten der Verpfandung, die eine ohne traditio des Objekts, die andere
mit traditio desselben. Vgl. hiermit den folgenden § 3.
Es verdient bemerkt zu vverden, dal? Ebedjesu in seinem Tractatus
S. 239 Kol. I, Z. 10 zwar die weltlichen Richter eru-ahnt, aber ihre
Ansicht auslaBt, dagegen die Ansicht der kirchlichen Richter mit-
teilt, aber unkritischer Weise als diejenige der weltlichen Richter.
Jesubocht nennt drei Arten Richter:
Die Richter der Kirche V, VII, S. 42; VI, I, S. 75.
Weltliche Richter V, VII, S.37; V.VII, S. 50. 51 ; Vi,ll, S.83.
Judices extranei VI, I, S. 76; V, Vll, S. 42.
S. 155, 55. § 3 unterscheidet folgende drei Falle der Befriedigung
der Konkursglaubiger:
Erster Fall: Vorhanden Glaubiger ohne Pfand und Glaubiger,
denen eine unbewegliche Habe verpfandet ist, die aber diese Habe
nicht in ihrem Besitz haben, wohl aber die Verpfandungsurkunde.
Der der Zeit nach erste Glaubiger macht sich aus dem Eigentum
des Schuldners bezahit, und der Rest fallt den iibrigen Glaubigern zu.
— :v2s -^
Zweiter Fall: Wcnn iiiclit blol5 an eineii ersten, sondern audi
an (.iiicii zweiten Oiaubigcr (dassclbc) Feld oder Hans schrifllich ver-
pfiitKlet ist, teilcn sie sich das Pfand nacii MaBgabe ihrer Forderungen.
Drittcr Fall: Vorhanden mehrere Glaubiger, aber eine Ver-
pfandung iiat nicht stattgefunden. Sie teilen sicli die vorhandene Habe
des Schuldners nach MalJgabe ihrer Forderungen.
S. 157, 14. § 4. Wenn mehrere Glaubiger vorhanden sind und
diese sich gegenseitig verklagen (z. B. deshalb weil der zweite Glaubiger
von dem ersten mchr verlangt, als dieser ihm geben will, oder deshalb,
weil der erste Pfandinhaber das Pfand zu billig verauBern will, so daB
etwa fiir die Befriedigung des zweiten nichts iibrigbleiben wiirde),
dann laBt das Gericht das Pfandobjekt taxieren, und es (das Pfand-
objekt?) dem ersten Glaubiger iibergeben.
a) Wenn dann der erste Klager zugleich der Zeit nach der erste
Glaubiger ist, ist er berechtigt die Habe, die er in seinem Besitze hat,
solange dem zweiten Glaubiger vorzuenthalten, bis er sein Kapital
(nicht die Zinsen) daraus zuriickgewonnen hat
b) Ist dagegen der erste Klager nicht der erste Glaubiger, dann
teilen sich die beiden Glaubiger das Pfand nach .MaBgabe ihrer
Forderungen.
S. 157, 27. § 5. Wenn der Eigentiimer eines verpfandeten Grund-
stucks es verkauft, so kann es erst dann dem Kaufer iibergeben werden,
nachdem der Schuldner die Schuld, zu deren Sicherstellung das Pfand
gegeben war, dem Glaubiger ausgezahlt hat.
Es kann danach ein verpfandetes Grundstiick erst dann seinen
Eigentiimer wechseln, nachdem es aus der Pfandverbindlichkeit gelost ist.
S. 157, 33. § 6. Nach Absatz b darf der Schuldner ein dem
ersten wie dem zweiten Glaubiger verpfandetes Objekt an den ersten
Glaubiger verkaufen, und dies Geschaft ist wirksam, falls der gezahlte
Preis dem wirklichen Wert des Objekts entspricht.
Wenn aber der zweite Glaubiger nachweisen kann, daB der
Schuldner das Objekt an den ersten Glaubiger unter seinem Wert
verkauft hat, dann ist dies Geschaft nicht wirksam. Wenn der
Schuldner z. B. an den ersten Glaubiger ein Pferd, das 3000 Mark wert
ist. um 2000 Mark verkauft, so wird der zweite Glaubiger dadurch ge-
schadigt, daB ihm das Pfandungsrecht gegen einen Wert von 1000 Mark
entzogen wird. Wenn er daher nachweisen kann, daB das Pferd in
der tat 3000 Mark wert ist, kann jener Verkauf nur dadurch Wirk-
samkeit erlangen, daB der Kaufer, d. i. der erste Glaubiger, ihm, dem
zweiten Glaubiger, die Differenz, d. i. den Betrag von 1000 Mark, fiir
die Ausiibung seines Pfandungsrechtes zur Verfiigung stellt.
S. 159, 4. § 8 handelt von dem Fall, daB der Schuldner zur Sicher-
stellung seines Glaubigers durch schriftliche Urkunde ihm sein Ver-
mogen in toto als Pfand stipuliert, ohne ein bestimmtes Objekt seines
Vermogens als Pfand zu bestimmen, oder daB er dem Glaubiger irgend
etwas nicht naher bestimmtes aus seinem Vermogen zum Kauf anbietet.
In welcher Weise ist in diesem Fall der Schuldner in der Verfiigung
iJber seine Habe beschrankt?
Erste Entscheidung: Der Schuldner darf von seiner gesamten
Habe nichts verauBern, solange er nicht seine Schuld bezahit hat. Falls
er trotzdem etwas davon verauBert, kann der erste Glaubiger, dem jene
Urkunde ausgestellt ist, es fiir sich reklamieren.
Zweite (kirchliche) Entscheidung:
a) Hat der Schuldner dem Glaubiger eine Verkaufsurkunde aus-
gestellt, so wird der Verkauf gemaB der Urkunde ausgefiihrt.
— 329 —
b) Liegt aber eine Verpfandiing vor, so kniiii der Sclnikliicr,
falls der Olaubiger das zu vvahicnde Pfandobjekt bestimmt hat, iibcr
seine Habe - init Ausnahmc dieses i^faiidobjekts - frei verfiiijeii.
Falls dageuen der Olaubiijcr seine Wahl noch nicht getroffen hat,
kann der Schnldner iibcr seine Habe niit Aiisnahnie eines solchen
Teiies, der dein Werte der Schnid entspricht, frei verfiigen.
Der Absatz d handelt nnn von deni Znwiderhandein gegeii die
Bestimmungen des Absatzes b. Wenn der Scliuldner widerrechtlicii
das Pfandobjekt, das sein Glaubiger fiir sich ansgesiicht iiat, verauBert,
was dann?
Erste Entscheidimg: Der Glaubiger ist nicht berechtigt,. von deni
Schuldner BuBe (fiir die Rechtsverietzung) zu fordern. Ini iibrigen
bleibt natiirlich seine Forderung zu Recht bestehen.
Zweite Entscheidung: Der Glaubiger hat keinen Anspriich auf
BuBe, und im iibrigen inuii das eine von zwei Dingen geschehen:
der Schuldner bezahlt dem Glaubiger seine Scinild, oder der Glaubiger
efl<lart sich daniit einverstanden, irgendein Objekt aus der Habe, die
der Schuldner noch hat, an Stelle des urspriinglich von ihin aus-
gewiihlten Objekts als Pfani.1 anzunehnien.
S. 159, 38. § 9. Von den Rechten und Pflichten der Pfand-
inhaber (Schuldner) eines Glaubigers unter einander.
Der Inhaber eines iiberwertigen Pfandes hat nicht die Verpflichtung,
dem Inhaber eines minderwertigen Pfandes das Minus zu ersetzen.
Letzterer hat aber das Recht, wenn das Pfand dem stipulierten Wert
nicht entspricht, jederzeit sicii das fehlende nachzahlen (oder in Gestalt
eines Zusatzpfandes nachtragen) zu lassen.
S. 159,48. §10. Die Unterscheidung zwischen Fruclit und
Wurzel, Ususfructus und Substanz, diirfte so aufzufassen sein, dali z. B.
der Gebrauch eines verpfandeten Pfluges Ususfructus (Antichrese?), nicht
Substanz ist, wahrend dagegen ein in der Verpfandung geborenes
Kamelfiillen Substanz ist, nicht Ususfructus.
S. 161, 9. §11. Wenn der Schuldner den Termin, zu dem er
seine Schuld bezahlen will, niclit angegeben hat, oder einen solchen
Termin, falls er ihn angegeben, nicht innegehalten hat, so kann der
Glaubiger (Pfandinhaber), der das Pfand mit Wisscn des Schuldners an
einen andern weiter verpfandet hat, wenn nun der Schuldner seine
Schuld tilgen will, ihn an den zweiten Pfandinhaber verweisen. Das
Geschiift der Schuldentilgung vollzieht sich dann — mit Ausschaltung
des ersten Pfandinhabers — zwischen dem Schuldner und dem zweiten
Pfandinhaber.
S. 161, 38. 46. § 12. Der SchluBpassus, daB der Kurator den
Glaubigern von den Zinsen der Schuld soviel als moglich abzielien
soil, ist aus der prinzipiellen Abneigung des geistlichen Gesetzgebers
gegen jede Art von Zinsnehmen zu erklaren. Vgl. Kap. IX § 1.
S. 163, n. Die §§ 15—19 sind vorhanden bei Arabs II Bl. I89a.
Dieser § 15 lautct dort:
Wenn jemand verschuldet ist und ein Feki oder Gehoft an einen
Andern verschenkt hat, so soil vorher hieraus seine Schuld bezahlt
werden. Voraussetzung dieses Paragraphen scheint mir die zu sein,
daB das Eigentum des Versclnildeten nicht groBer ist als seine
Schuldenmassc.
I
— no —
S. 163, 23. § 17. Das ProzeBfiihren von seiten des Schuidners
wiirde darin besteheii, daf5 cr durch Zeugenaussapen oder durch Schrift-
stiicke vor deni Oerichte nachweisen miiBte, daB das fragliche, in der
Hand des Olaubigers befindliche Objekt sein, des Schuidners Eigentiim
sei, und daI5 es als Ptand in tlie Hand des Olaubigers gelangt sei,
walireiid der Olaubiger z. B. etwa behauptet, das Objekt sei ihm von
dein Scluildner als fleschenk ziigekomnien.
S. 163, 50. § IQ. Der Text dieses Paragraphen bei Ebedjesu,
Tractatus S. 236 Kol. 2 ist verderbt. Die Worte ^cre^s^I ta^S,
♦v^oo^Ao Sum >\a i,^ .caoUiS sind ausgefallen, ebenfalls die Worte
X^&3M 1^3 2Xj>» u.0M|e{ im SchluBsatz.
S. 163, 54. Die drei kurzen Satze dieses § 20 durften in folgendfr
Weise zu deuten sein: Wenn eine Schuldurkunde iiber eine aus Kapital
und Zins bestehende Scliuld prnduziert wird und sich nun herausstellt,
dafi das Kapital nicht (noch nicht) zuriickgezahlt ist, dann kann der
Giaubiger auch nicht die Zinszahlung von dem Schuldner verlangen.
Bei Arabs II ist dieser Paragraph ausgelassen. Es kann wohl fraglich
sein, ob hier der Te.xt richtig iiberliefert oder ob etwa dem syrischen
Ubersetzer seine Ubersetzung recht gelungen ist.
S. 165, 1. § 21. Der gewohnliche Hergang ist der, daB nach
dem Tode eines verschuldeten Mannes zuerst seine Schulden aus dem
NachlaB gezahit werden und dann erst die Verteilung des iibrig-
bleibenden Restes unter den Erben stattfindet. Im Gegensatz hierzu
besagt Abs. 1 dieses Paragraphen, daB auch nach vollzogener Erbteilung
der Glaubiger, der etwa von dem Tode des Schuidners nicht rechtzeitig
Kenntnis bekommen hat, die Schuld einfordern kann, nach dem ersten
Absatz von seinen Sohnen (Kindern des Mannes), vorausgesetzt
natiirlich, daB diese nicht vom Vater enterbt sind oder sich nicht von
seinem Erbe losgesagt haben (V, VI § 1), nach dem zweiten Absatz
von seinen Erben, unter denen neben seinen Kindern auch Fremde
sein oder weiche ausschlieBlich Fremde sein konnen.
In dem Text S. 164, 5 liegt eine alte Liicke vor, es fehit ein Wort
fiir anvvesend. Die anwesenden Erben zahlen zugleich auch fiir
die abwesenden und fordern von diesen das Ausgelegte wieder ein.
Ebedjesu hat die Liicke durch •^OO^Aa sie alle ausgefullt, was dem
Sinne nicht gerecht wird. Der in Rede stehende Gegensatz ist: an-
wesende und abwesende Erben, wahrend Ebedjesus Wortlaut den
Gegensatz: Erben und Nicht-Erben ergibt, und letztere sind be-
kanntlich nicht zur Zahlung der Schulden des Erblassers verpflichtet,
da die Schuld auf der Erbmasse ruht.
Der Text der romischen Handschrift scheint auch dem Arabs II
BI. 189a 19— 189b 2 vorgelegen zu haben. Text:
»Die Schuld des Vaters muB bei der Teilung seines Nachlasses
von seinen Sohnen gezahit werden. Von Rechts wegen gebiihrt es
sich, daB von jedem einzelnen (Erben) sein ,\nteil (d. h. der auf ihn
entfallende Teil der viiterlichen Schuld) gefordert wird und daB, wenn
eiiier von ihnen nicht vorhanden ist (sic), die Forderung an die vor-
JKiiulonen "erichtet wird.
— 331 —
S. 165, 33. § 1. Der Text ist sdnverlich ganz intakt, meine Obcr-
setzung ein Versucli, den iiberlieferteii Text zu retten. Ebedjesu sjibt
diesen Paragraphen in seiiiem Tractatiis, und in seinem Tiii<kasa die
§§ 1 und 2 bis l.>yV..a3 ^O07^aOM^ ^Ok^a^ ^oAdvi iL^po
^ov>>«S-»^ ohne den Giaubigern, denen das gefahrdete Objekt geschuldet
wird, etwas abzugeben.
Die Abvveidningen desTukkasa Ri. 137b, 1 1 — I3Sa, 16sindfoigende:
S. 164, IS :^J.J0 fehlt, 21 lVyt.da st. Z\j-tta?, 2ft fehlt ^i,
26 nach Wl ia\\ fiigt Tukkasa hinzii: U'loW i0.i»p 1^ ol
>oder nachdem es (das Schift") in den Hafen geiangt ist. 2Q iVn^N o^^
St. I>tl\!S. 166,2 o X^'a^ lulpe st. lulpo.
Ein in der ersten Halfte unverstandlicher Reflex dieses Paragraphen
findet sich bei Arabs II Bl. 190a 3ff.:
■ ;^J\j (den Hafenleuten) '<L>Vl 'Ul t> li\c ' iiL- • 50
S. 167, 14. §3. Der .'\usdruck debirath-kadh maja ist mir aus
andern Queilen niclit hekannt. Will man aber den iiberlieferten Text
beibehalten, so kann man das Wort ^.'ViNl Schiff erganzen unii er-
klaren: (das Schiff), das von dem ersten gefiihrt wird, d. i. von
demjenigen Schiffer, der zuerst irn Hafen eintrifft. Die andere allenfalls
mogliche Lesung und Obersetzung i«HO>M aSab^a die Burg des
Ersten« kommt wohl nicht in Betracht.
S. 167,35. §1 ist audi in Tukkasa Bl. 141 b 21 bis 142a 15
iiberliefert.
Kollation: S. 166,21 pjOu^ st. JO XOS , 26 ^-.an^p^^ st.
^ ^^.^lQ\p^^o, 2S nS^^ou. >t. U3^ou>, 2S ^Jb* st. ^ >-^a*,
2Q *.Okiin St. sOacr *s0^ori, 32 oooi ^^.^JX^i^^io st. . .,>iT..^oo.
Der Text des Tukkasa schlieBt ab mit den Worten ^ SuiX^O
(Text S. 168,2), fiigt dann aber nodi die folgenden Worte hinzu, die
also vielleicht nicht von Jesubocht herstammen:
cjjOA 1^3^ ^ A^I Ipoi W.07 2aJlx %^? oAo
Und dies ist nicht ohne Wurzel (ohne guten Grund), sondern
von den Vorfahren hat man es iibernommen.-
Ein Auszug aus den §§ 1 und 2 findet sich bei Arabsll Bl. 190a 8—10.
S. 169, 13. § 2. Wenn ich diesen Paragraphen recht verstehe,
bestimmt der Verfasser 20 Estire Prozent von 100 Estire ini Jahr als
Maximum und 10 Estire als Minimum. Es bleibt dabei auffallend, wie er
gegeniiber dem \°,o im Monat = 12<'/o im Jahr in § 1, hier die 200o
als eine Herabsetzung bezeichnen konntc. Man darf vielleicht annehmen,
dal5 er bei dem Worte eio»2 (Text S. 168, 3) nicht an cicn im vor-
— -n-2 —
licrjfcliendeii y;enaiiiiteii biblisclieii ZinsfulS, sontleni an tien Zinsfu(5
seiner Zeit gedacht liabe, und letzterer mochte allerdinjjs gelegentlicli
holier sein als 20" o. Vgl. Jesnbarnun (Syrischc Rechtsbiicher II S. 157)
i; 88, wo 20''/o im Jahre wie liier als cin Maximum bezeichnet sind.
S. 169,43. Bei Arabs II HI. IbOa 161 b finden sich die §§1—4
und 7-9 von diesem Kapitel.
S. 171, 19. §2. Der Gegensatz zwischen Abs. a und b besteht
darin, daB B in dem ersten Fall das ihm anvertraute Out ebenso be-
liandelt hat wie sein eigenes, wahrcnd er in dem zweiten Fall das ihm
anvertraute Gut oline spezielle Erlaubnis des Eigentiimers einer Gefahr
ausgesetzt hat, vor der. er sein eigenes bewahrtc.
Bei Arabs II Bl. 160h 8. 0 findet sich an Stelle des § 2 nur die
folgende kurze Notiz:
Wenn jeinand eine Sache bei einem .■Xnderen deponiert und dieser
sie an einen Dritten iibertragt, indem sie in der Gesamtheit seiner Habe
ist (1. c^^j) und dann verloren geht, haftet er (der erste Depositar) fur
dieselbe.< Eine Fliichtigkeit, die aus dem Vordersatz von Abs. a und
dem Nachsatz von Abs. b zusammengeschweiBt ist.
S. 171,25. § 4. Arabs II Bl. 160b 11 gibt diesen Paragraphen in
folgender Fassung:
JU Jt ^\> iiidl Jill ^^U jWj SjLJ-I <.J\j pj_»*\! rz.J\ JC jc-ljj
Wenn jemand bei eineni Anderen eine Habe unter Siege! deponiert
und letzterer das Siegel erbricht, mit der Habe wirtschaftet, Gewinn und
Verlust daniit erzielt, den Gewinn mit dem Eigentiimer teilt und den
Verlust ihm auferlegt; wenn nun aber der Eigentiimer sich beschwert,
daB seine urspriingliche Habe gemindert worden sei, und diese Be-
hauptung sich als wahr erweist, dann wird sie (die Habe) ihm iiber-
geben (letzteres sicher irrtumlich fiir: wird ihm [dem Eigentiimer) der
Schaden [von dem Depositar] ersetzt).<.
Dieser arabische Text beweist, daB die Lesart der romischen Hand-
schrift (Text S. 170, 19) ;^3tS0u. UaLjQsou.. die sicher falsch ist, auch
schon dem Arabs II vorgelegen hat.
S. 173, 13. § 8. Wahrend § 7 von dem leblosen Objekt handelt,
bezieht sich § 8a auf ein lebendes Wesen. Wer jenes erborgt, muB es
im Verlustfall unter alien Umstanden ersetzen. Wer dieses erborgt, muB
es im Verlustfall ersetzen, falls ihm Nachlassigkeit in der Behiitung des-
selben nachgewiesen werden kann.
Diese Auffassung vorausgesetzt, muB man die Worte 2auo^.» e2
als den Rest etwa des folgenden ausgefallenen Passus auffassen:
und wenn sicii nachweisen laBt, daB es (das Gestohlenwerden
oder Verlorengehen des erborgten Objekts) eine Folge der Nachlassigkeit
des Borgnehmers ist.
— 3H3 —
Wahrend ferner § Sa davon handelt, dalJ ein erborgtes lebeiidiges
Wesen gestolilen wird oder verloren geht, handelt § 8b von deni
andern Fall, daB es stirbt.
§ 8 lautet bei Arabs II Bl. 160b 15ff.:
Ebenfalls wenn jemand ein Keittier borgt und es gestohlen wird,
Muili er den Wert ersetzen. Und wenn das Tier stirbt wegen Nacli-
lassigkeit auf seiten des Borgnehmers, dann haftet er fiir den Schaden.
Wurde aber das Tier rucksichtsvoll behandelt, dann haftet er nicht fiir
den Schaden. Und wenn das Tier hinkt und der Eigentunier an dem
Tier ctwas auszusetzen hat, dann ebenso (d. h. der Borgnehiner haftet
dafur, wenn er nachlassig war, sonst nicht).
S. 173,50. § 2. Es handelt sich in diesem Paragraphen um dreierlei:
1. Verkauf von Vieh und Nicht-EBbarem vor der Marktzeit.
In diesem Fall ist Riickgabe zulassig.
2. Verkauf derselben Dinge wahrend der Marktzeit.
In diesem Fall ist Riickgabe nicht statthaft.
3. Verkauf von EBbarem.
Riickgabe stets unstatthaft.
Der Ausdruck der Markt stand bedeutet der Markt war iin
Gange, vgl. ZamachSaris Asas s. v. ^\i- ci*' J^l C^li-
Die fehlerhafte Version von .\rabs II ist dadurch entstaiideii, daB
er die beiden Falle 1 und 2 irrtumlich zusammengeschweiBt hat. DaB
bei Arabs II eine Liicke vorliegt, beweist auch der Ausdruck vjJlij 4 ^j-^.
denn das in cA)j gemeinte (das Ruckgeben) ist im vorhergehenden
gar nicht genannt. Siehe Arabs II Bl. 161a lOff.:
•J_»_'l »iiiA,_ ji ^Lj o3j 4 |_^ ^i- L. iTfe cX'j 4] ^r-^ Jj-Jl ^^ j\
Wenn jemand von einem andern Vieh oder allgemein etwas Nicht-
EBbares auf dem Markt und vor AbschluB des Marktes kauft, so darf
er das nicht (sic); aber eBbare Sachen kann er nicht vor AbschluB
des Marktes zuriickgeben.
S. 175,8. § 3 lautet bei Arabs 11 Bl. IbUa 12 15 folgendermaBen :
v_ - ■ ^. • ■^ >. -• ■ \j: ■
'Wenn man etwas aus den Hausern (nicht auf dem Markt) uiui
mit Ubereinstimmung (zwischen Verkaufer und Kaufer) kauft, 7. B. ein
Stiick Vieh ; wenn dies einen Fehler hat, den tier Verkaufer verschwiegen
hat, so darf der Kaufer, wenn dies innerhalb 40 Tage nach KaufabschluB
bekannt wird, das Vieh samt dem Wert iles Nutzens, den er davon ge-
habt hat, (dem Verkaufer) zuriickgeben.
Wenn aber das Vieh bei dem Kaufer krank wirtl, darf er es nicht
zuruckgeben.
r.u
Bemerkenswert ist in dieser Version, dalJ der Ausdruck I^s^poaaa
durch ^iljdt iinter beiderseitiger Ubereinstimmung wieder-
gcKeben wircl. Icii wiiRte ihn niciit anders 7,u ijbersetzen als mil
Kenntnis (en pieine connaissance de cause) oder mit Bekanntgabe,
(I. Ii. auf Orund der Erklarunj^ des Kaufers, dali die Ware, die er ver-
kaiift, das und das ist, z. B. ein gesundes Tier, nicht ein lahmes. Man
darf vermutiich 2:s^3aU3 niit dem folgenden 07a^ cj,^3e2 1^ e2
»oder ilin (es) nicht bckanntgegeben hat ihr Eigentiimer (oder auf
den der Verkaufer ihn nicht aufmerksatn gemacht hatte) koinbinieren.
S. 175,20. § 4. Anstatt 2»A^ = jii cuivre fondu hat Tractatus
^S93w3 Eisen iinii ebenso Arabs II Bi. 161a 15ff. joAa-.
S. 175,31. §5. Dieser Paragraph bezieht sich auf einc nachtrag-
liche Anerkennung eines an und fur sich rechtswidrigen Verkaufs oder
Geschenks. Wenn jemand ein gestohlenes oder geraubtes Kamei eineni
Andern verkauft oder verschenkt, so ist diese Transaktion rechtsungiiitig
und kann jederzeit riickgangig gemacht werden (vgl. Buch Vi, Kap. 1
§ 9c). Wenn aber in der Zeit nach dem Verkauf oder der Verschenkung
auf irgendeine Weise sich herausstellt, da(5 das angeblich Gestohlene oder
angeblich Geraubte in Wirklichkeit dem Verkaufer eventueli dem Donator
gehorte, oder daB z. B. der Rauber des Kamels durch nachtraghche Ver-
handlung mit dem beraubten Eigentiimer desselben es zu rechtmafiigem
Eigentum erworben hat, in dem Fall hort der zu Anfang genannte Ver-
kauf bzw. die Verschenkung auf, rechtswidrig zu sein.
Arabs II Bl. 161a 18 hat nur den ersten Anfang dieses Paragraphen.
S. 175,54. § 6a handelt von der Umwandlung eines gemeinsamen
Eigentums in Individualeigentum und sichert dem urspriinglichen Mit-
eigentiimer ein Vorkaufsrecht gegeniiber dem Fremden, wahrend 6 b dem
Adjazenten ein Vorkaufsrecht gewahrt.
Das persische Textwort aao^3 war Ebedjesu (Tractatus S. 241,
Kol. 1) unbekannt; er hat es durch %Je».*^>3 mit Uberredung<>
wiedergegeben.
S. 177,3. § 1. Die 4 Paragraphen dieses Kapitels finden sich be!
Arabs II Bl. 188b 4ff.
S. 177,40. § la enthalt einen Teil der Lex Fufia Caninia vom
Jahre 8 n. Chr., vgl. Bruns in Syrisch-Romisches Rechtsbuch S. 184. Die
hier gegebene Begriindung dieses Gesetzes, die Verteilung des Sklaven-
besitzes iiber Mann, Frau und Kinder, sicherlich nicht romischen Ur-
sprungs, ist sehr merkwiirdig. Wenn der Text richtig iiberliefert ist,
wiirde das Verfiigungsrecht des Pater familias gegeniiber der Ehefrau
und den Kindern speziell im Punkt der Freilassung von Sklaven ein
beschriinktes gewesen sein, wahrend doch im allgemeinen der Pater
familias wahrend der Dauer der Ehe das Vermogen seiner Ehefrau (vgl.
Buch V, Kap. Ill §21) wie auch das Vermogen seiner Kinder, falls ihnen
z. B. durch Schenkung oder Erbschaft ein Vermogen zugeflossen ist,
verwaltet.
385
Anmerkunsen zu Buch VI.
'&
S. 183, 22. V'l Kap. I. Das Wort iJ-? \ia kann iibersetzt
werden Prozefiinhaber, ProzeBpartei, Prozessist, Gerichtspartei. Die
merkwurdige Bezeichnung erste ProzeBpartei und letzte ProzeBpartei
fur Kiager und Beklagter durt'te aus dem persischen Original unseres
syrischen Textes entlehnt sein. Zwischen den Schreibungen !lA*'\\a.3
L>aM2 und lidbM.! ' \t'\\\'i wird in der romischen "Handschrift
nicht immer sorgfaltig unterschieden.
Im Tractatus Bl. 232, Kol. 1 ist anstatt ii^yx IpovOe in S. 182, 15
uberliefert 2ahk3j: IpojSa o2. Wortliche Obersetzung: Wenn der
Kiager nicht hat eine echte oder zweifelhafte Urkunde oder echte oder
unzweifelbare Zeugen.
Dies ganze 1. Kapitel ist bei Arabs II Bl. 192b 6ff. vorhanden.
Anstatt des Ausdrucks einander etwas geben hat Arabs II
■•4m Geschafte mit einander machen.
S. 183, 35. § 2b findet sich auch in Tukkasa Bl. 98b 8—14. Hier
beginnt der Absatz mit ^3^*2 ^p i.uXj>X3. Das zweite j^.'V.lo
in S. 184, 6 fehlt in Tukkasa Z. 12.
S. 185, 20. § 3. Der Obersetzung des Passus daB er, der Kiager,
ihni den ProzeB an seiner Start zu fiihren iibcrgeben habes bin ich
nicht sicher, da es fraglich ist, ob WiSOLiai, wortlich wieer, bedeuten
kann, was es bei dieser Auffassung der Worte bedeuten miiBte. Wort-
liche Obersetzung: daB der Kiager ihm ein Recht ubergeben habe
gleich ihm das ware: gleich dem Recht, das er, der Kiager, selbst habe.
Der Text des Tractatus S. 232, Kol. 2 lautet ahnlich und ist
auBerdem verderbt:
.3CUO 1..MXC3 ou^p \^p o'er laaaa l^^.^ crJS .^^^e
wo fur OTJ^p \^p zu lesen ist ZJup >X^33 und .90^ anstatt aauo-
Bei Arabs II Bl. 192b llff. lautet der Paragraph wie folgt:
A
Wenn zwei PersDiien einen [-"rozelj niit einaiulcr haben uiui er
aus einem Oruncle bis zu einem bestimmten Termin verschoben wircl,
dann kann der Klager an seiner Start einen Menschen bestellen, der
den ProzeB fiihrt. Und wenn der Verklagte nicht zu dem bestimmten
Termin erscheint, wendet sich der ProzeB gegen ihn.
S. 185, 42. § 6. Bei Arabs II Bl. 193a Iff. ist leider der Absatz b
dieses Paragraphen ganzlich miBraten:
iU-1 -Cfr <is- c-C ' <:>LS- ^ s, i« i\-i\ « »v=>- ''LjV ■>& Ijl •
.4J1 ojjjjuj j>-\ $ip. Xs. c^ Ajj ^1:^= *« j^ j\' s^\ ajuL. >_j>-1_*»
>Wenn jemand mit einem andern einen ProzeB hat, aber keine
Urkunde hat, und bei dem Richter feststeht, dati er betrogen hat, dann
soil er (der Richter) seinen ProzeB abweisen. Wenn er (der Klager)
aber eine Urkunde hat, und sie bei einem andern Richter feststeht
(d. h. sie nach dem Urteil eines andern Richters echt ist), dann soil er
(der Klager) sie zu ihm schicken.
Meine Ubersetzung ist ein Versuch, den iiberlieferten Text zu
retten; er ist aber wahrscheinlich nicht intakt. Vermutlich ist vor
w.CT0u.3aJU3 S. 184,29 etwas ausgefallen.
S. 187,36. Dieser § 10 lautet bei Arabs II Bl. 193 a 15ff.:
.^'Ulj JSV\ ^\ ^ p-\ J^J f^\ J. ^^^-J vll;\
Wenn jemand einen ProzeB mit seinem Gegner hat und sein
Qegner denjenigen, von dem er (das streitige Objekt) gekauft hat, zur
Stelle bringt, dann kann derjenige, der (das Objekt) gekauft hat, aus
dem ProzeB ausscheiden, und es bleibt iibrig der ProzeB zwischen dem
ersten Klager und dem Verkaufer.
S. 187, 43. Dies ganze Kap. II ist in Tukkasa Bl. 132a 13— 133b 8
vorhanden.
Kollation: S. 186, 27 Z^X.. a-3 st. lJ»X»3, 186,29-188, 1
Die Worte Ipoiutop ;bo:^M3p ise 2i^A^^^ a^ 'J^JiX ^ l3k\.xo
fehlen in Tukkasa, 188,2 .^>^e st. ^V© ■ !'• '- «^ i^'Sooa
lag 0^3 3 23oiuc} st. ;A3teA3p IxseOkXo Ipoiuo, 22 lup fehit
in Tukkasa, 24-27 Die Worte ^? XXO x\ 1^ .;jAO? oA I^iJou.
i^jcp 304v fehlen in Tukkasa, 29 a^LXa I**?? <ib ocr st. OC"
X3i«3 lA*? ^»?, 30 3h3^a St. ^3Li«, 188,31 — 190, 1 C^OLCUiO^.
a;j.3« i^o%.\ao St. or^ouaA^•A,o c^ebbAj.
S. 189, 8. § 2b. Im Text S. 188, 10 anstatt l^poOuXe 2?crw&
Zeugen und Beweise- liest Tractatus S. 234, Kol. 1 I&^aij: 2p^A
IXSOOiSe wahrhaftc Zeugen und Beweise , und in Z. 11. 12 statt
lajloAaa l^peoLXe IpooJO) Zeugen und anzvveifelbare BeweisC'
— 3:57 —
liest Tractatus daselbst 2.3kJ:a.3Ljp IpiJfJOO l^sooa Beweise unci
anzweifelbare Zeiigen , Tukkasa (s. ohen) Beweise oder anzweifelbare
Zeiigen«.
Bei Arabs II Bl. 194a lift", siiul die drei ersten Parayraplien dieses
Kapitels vcirhanden. Derselbe gibt aiif Bl. 194a, 17— 194b, 1 don ScliliiH-
satz von § 2b in etwas abweichender Form:
j_jyi <1 jV 1 jl C-._j1 -w Jljj J'J^^ jLjVI ^j^tl IjI \jSj>'
. JU-I ^ lii f^ ^ •A.i_» j\ •Co »<— . jiO^j-io ->/" -^^ >j° O^J *-° *•• — 1 ^'
Ebenfalls wenn jemand sich zu einer Schuld bekennt, aber spricht:
,lch habe sie (bereits) bezalilt'; wenn er keine Zeuij;en hat, wird sein
ProzeH nicht angenommen. Wenn er aber annehmbare Zeugen hat,
wird sein ProzeH angenommen, oder wenn (er cinen) anzweifelbareii
(Zeugen) hat, tritt man in die Untersuchung ein. Der letztc Passus
(i' »V - A) geht aiif einen Text wie den des Tukkasa zuriick.
S. 1S9, 51. Meine Ubersetzung der zweiten Halfle dieses § 0 ist
konjektural. Der Wortlaut differiert in beiden Handschriften und scheint
in heiden gestort. Ich vermiite, daB der nrspriingliche Text lantet:
1^2 .o^) y«a«.^.l laaju .aou. U^as «^ ooT -iJ-Aap la-bftx
.op kOUiXi ^3>.«07o .lad ft V w.o7oA,x >2L^a ;i3m*2 -Xi^? vf
Die Untersuchung des Richters, desjenigen, der den ProzeH
niacht (leitet), beniitzen wir als giiltig. Wenn aber ein anderer Richter
tlie Untersuchung ilariiber (iiber die fragiiche Urkunde) anstellt, benutzen
wir auch die.
S. 191, 1. Dies Kapitel findet sich ganz in Tukkasa Bl. 133a 8
bis 133b 8. ' . ..
Kollation: S. 190, 4 OJ^JOppO st. OU.t)3e, 4 l*.3u. st. 1*.X.,
5. t) 2\ \.t23 ^ St. 2%\.T ,^p a^oi siA^x^etp w^ib. 7 o'crp
OL^is^p ^t. .sis^p OCT. S 2x^x2 lo'cr st. 2%y,T2 ec^, 8 o'er, ^
St. \j^^, 12 jOuao3>ijc>-a>Ao St. I^exucx^A^e, it mAop st.
:g>Mui, 14 loaoAsp ^2p St. ZJCasoAsp. lo ^p ^o^crro st.
•sOLnicre, 10 u.c;eX<.2p st. io.2p, ]h ^Xi.aOu.^.» st. yMS«.^>.2. 17
2&ab..X3 fehit in Tukkasa, 17 >^lo fehlt, 17 ^^.a fchit, IS 2.au\j:
n^Pb^la ;^^2p fchIt, 19 2i\.xaw.o st. 2;\aL^*3MO, 21 2pcriuQ»o st. e2
2poio.
S. 191, 5. § 1. Der Ausciruck bei deni eine Urkunde gefunden
wird findet sich iihnlich in den §§ 2, 3, 4 wieder (w.OToau.13 JS^2p OCT
— tm^p \ij w>auil3 J^j.2p). Er wird clem Oedanken nicht ganz
gerecht, was auf einen Mangel der syrischen Version zuriickzufiihren
sein mag. Es kann hier nicht gemeint sein, da(i zufallig die gefalschte
Urkunde sich bei oder in der Hand eines Menschen befindet, sondern
nach dem Zusammenliang verlangt man, dali damit ausgedriickt sei:
eine ProzeBpartei bedient sich einer gefalschten Urkunde
vor Gericht, oder jemand hat eine Urkunde gefiilscht.
Sachau, Syrisclie Rechtsbucher in. 22
— ns —
S. 191, 10. § 2. In dem ersten Teil des Wortes saAa^e* vtrmute
ich eine altere, vielleicht in der Oberliefening alterierte Form des per-
sisclieii zur - Liige. Danach miiHte paA^Su^Of aus sakAse* ver-
schrieben sein.
S. 191, 24. Die §§ 3 und 4 sind auch bei Arabs 11 Bl. I94b 3ff.
vorhanden, ohne nennenswerte Abweichungen.
S. 191,38. Das Kap. iV findet sich ganz in Tukkasa Bl. I30a 9
bis 131b 8.
Kollation: S. 190,23 ^aioi^l st. 2ooT, 23 U-.2 ocT st. li-i,
24 Ixilp St. Is'il, 25 ^^ ^^2 3wd St. ^ ^^2, 26 ^^.2 st. pJ^l,
28 Zxilo v.^2^ju St. wju2 >^eAzsA, 29 ♦^e>TLa.A st. a^xx^.
29 ;L^2o St. i\32, 31 i^ ^2© st. Z^ ^-? »^2o, 192.1 a^a st.
>^a, 4 ..,\. ao St. x.oi,.,\.,'». 7 oo? st. ^cn, g 2^eaud^Zj st.
oT^eab.d^l.3, 11 ^ ^2 St. ^o, 12 ;Ai«.v.d st. 1 \*\ n ooT,
14 ^^ae St. 2^», 17 XxiaJo Ucn st. Ix^na, 18 ^a o'a-o $t. ooi
^a, 20 ecra w.97ex<.ia st. l^o? ^au.Z.3, 20 .xau.^^ ^'^\\^ v^2.
Ijor (1. ^) s^ ;9auao fehit, 21 eor st. oc? obi, 22 .^i..»i^j
St. Liicke, 23 ^ea^^.a.^0 st. ;so..>^...aoe, 24 .^;sA^ st. ^^.
26 ^oaOuX* St. Liicke, 28 Oliio U«a ^a .^wao^JUO St. ^ic»>ouo
U«p op^, 194, 1 >,\jLao St. ^X-auca, 1 ,Lt.v.n fehit, 6 o^-aou^ st.
^eopax, 11 oc St. U*A.a 007, 12 ^o&oja st. ^oja, 13 \xe
St. \ae. 14 2;s^^ e2 st. 2^...aoo, 14 ^a iss *^o st. ^a .^2o
Z^, 15 cTau.laa st. ^OTe;!^2 cra^olsa.
Dies Kap. IV findet sich ebenfaJls vollstandig bei Arabs 11
Bl. 194 b 7ff.
S. 193,6. In den §§3. 4 und 6 wiederholt sich derselbe Aus-
driick in verschiedener Anordnung:
2;^fti^xb>3 e2 ?\\,\<>fi o2 2;saaOk\.^>3 in § 3,
2:soao\^e •\\.^eae 2;soj.*jcx in § 4,
uyiNoace 2^ot«,y.ve 2;soaa\x in § 6.
Das Wort 2JSasa\x bedeutet Oewalttatigkeit (injuria, oppressio),
dafJ jeniand mit Gevvalt und widerrechtlich sich eine Sache aneignet.
Das zweite 2«\OJmJL^ bedeutet Kraft, Starke und das dritte n\iNnT
Macht, Vollmacht, Herrschaft. Vielleicht ist dem syrischen Ober-
setzer an diesen Stellen die Wiedergabe der persischen Ausdriicke doch
etwas zu blaB geraten (s. seine Klage iiber die Schwierigkeit der Wieder-
gabe persischer Ausdriicke in der Einleitung oben S. 3). Jedenfalls be-
zeiclinet Jesubocht luit der Vereinigung dieser drei Dinge ein Verfahren
der Besitzerwerbung, das dem Oesetze nicht entspricht. Man darf daher
— 339 —
die betreffendeii Ausdriicke vielleicht in etwas mehr konkreter Fassung
so wiedergeben: 2^a3ft\i^ mit gewalttatige, widerrechtiiciie
Aneignung, 2»Soi«3:A» mit iibermachtiger EinfiuH (infolgc von
Reiciitnm und zalilreicher Famiiie) nrul *v\,\f>T mit Amtsgcwalt (in
diesem Ziisammeniiang: widerreclitlich angewendete Anitsgewalt). Im
Arabischen bei Arabs II werden diese drei Ausdriicke wiedergcgeben
durch Upj -ifr, d. i. Unrechttun nnd widerrcciitliche Oewalttat.
Die in diesem Paragraplien auftretende Frist von 50 Jahren (ebenso
in § 4 nnd in Kap. VI § 8a) erscheint als eine Art Ersitzungsfrist, niclit
als eine Frist der Verjiihrnng. Vgl. Annierknng zn den §§ 4. 6 =- S. 193, 18
nnd 43.
Der arabische Text (Arabs U Bl. 194 b 12ff.) lautet folgendernialJen :
t-U <!;• J. aJI ^\ jl *^ t>_<- 'Sj^ jj\^ lil j:}\ j J)'j^\^
■ k\\ 4*Jl_)_« ■U.-s^ ^tf^o _•( ^_ii^ j^^l 'W-ai- Ajl— jlj \>- Jij^\ vjAljii
»Wenn der Besitz des Besitzers einer Saclie alter ist als SOJahre
oder an ihn gekommen ist von drei Vorfahren, nnd diejenigen Personen,
von denen er ihn bekommen hat, nicht als Unrechttner oder Bosewichter
bekannt sind, er (der Besitzer) jedoch eine Urkunde nicht besitzt, dann
ist solcher Besitz rechtmaBig. Und wenn sein Gegner ihn zvvingt zu
schworen, dann schwort er oder laBt seinen Gegner schworen, und dann
(wenn der ProzeB durch den Schwur des Qegners zu dessen Ounsten
entschieden ist) iibergibt er ihm das (streitige) Objekt.
S. 193, 18. § 4. Nach § 3 gilt der faktische, fiinfzigjahrige, vom
Rechtsstandpunkt aus nicht anfechtbare Besitz als entscheidendes
Beweismittel im ProzeB. Deni entgegen handelt § 4 von dem andern
Fall, daB der faktische, fiinfzigjahrige Besitz angreifbar erscheint, an-
greifbar insofern, als er eventuell nicht rechtmaBig erworben sei. Wenn
der Klager dies beweisen kann, kann nach Ansicht des Gesetzgebers
auBerdem sein Interesse eventuell noch durch zwei weitere Umstande
gefordert werden :
a) wenn der Klager oder seine Vorfahren irgendvvo in der Fremde
lebten und daher uber die Wandiungen des Besitzes, auf den sie nini-
mehr einen Anspruch erheben, nicht unterrichtet waren, oder
b) >nicht ProzeB zu fiihren verstanden<, d. h. doch wohl: zu un-
gebildet waren, ihre etwaigen Rechtsanspriiche zu erkennen und recht-
zeitig geltend zu machen.
Einen ahnlichen Zusammenhang s. in § 6 dieses Kapitels sowie
auch Kap. VI § 8, a. b.
Dieser Paragraph lautet etwas verstiimmelt bei Arabs II Bl.l94b 16ff.:
>Wenn jemand nicht eine Urkunde (oder) zuverlassige Zeugen hat
und einen ProzeB fiihrt wegen eines Besitzes, den er seit 50 Jahren be-
sitzt oder von drei Vorfahren geerbt hat; wetni nun sein Gegner nach-
weisen kann, daB seine Vorfahren Unrechttner uiul Bosewichter waren,
22'
340
imd weiiii er es niclit (naclnveisen) kaiiii (sic), wciin siu miteinantlcr
prozcssieren, wird sein (des Klagers) Wort gehort oder (wenn er es)
nicht (kann), wird es verworfen.
S. 193,32. Dieser § 5 lautet bei Arabsll Bl. 195a 1 ff. folgendermaBen :
A_ j ^_Ji jJ\ OHi J\ ^j y\\ ^^ c^l b\s jCl_. J C.^ AJ^
^^. a^'i ^-^ ^i^'.A. J ^^j ji VI K \i A, VI _.^^_ Vj juvi
Wenn jemaiid A einen alten Besitz in der Hand hat, und sein
Gegner spricht: Dieser Besitz ist ihm zugekommen, ais er bei mir
diente, und nun der derzeitige Besitzer es leugnet; wenn die Sache
nntersucht wird und sich ergibt, daB dieser Besitz seit langem in der
Hand des A ist, nur dies allein bekannt ist, er (A) aber keine Urkunde
in der Hand hat, so verlangt man wegen des Zweifels (d. h. weil dieser
Besitz anzweifelbar ist) von dem Klager, daB er Zeugen beibringt und
den Eid leistet.
S. 193,43. Ich verstehe diesen §6 in folgender Weise: Ein Gut
(z. B. ein Landgut) ist im Besitz des A seit 3 Jahren (so Die romische
Handschrift, Ebedjesu und Arabs II, dagegen Tukkasa: seit 30 Jahren).
Der Besitz wird angefochten. War er auf unrechtmaBige Weise in die
Hand des A gekommen? Hatte A davon keine Kenntnis, weil er etwa
noch ein Kind war? Oder ist der Besitz etwa so lange unangefochten
geblieben, weil der Klager nicht anwesend war, sein Recht nicht geltend
tnachen konnte? Wenn diese Dinge (ini allgemeinen) bekannt sind, so
wird zunachst das Gut in den Handen des A belassen und der ProzeB
von ihm angenommen (d. h. es wird der ProzeB eroffnet und ihm Ge-
iegenheit gegeben, sein Recht auf das Gut zu heweisen). Wenn nun
ciner von den genannten Umstanden zutrifft, und er (A) nicht eine
Kaufurkunde in Handen hat, dann wird er wie ein Usurpator angesehen
(d. h. A wird verurteilt, das Gut dem Klager herauszugeben).
Der Grund dieses Urteils scheint mir der zu sein, daB erstens
die allgemeine Priisumption gegen A ist und daB A sein Besitzrecht
nicht beweisen kann. Hatte er das Gut vor 3 Jahren gekauft, muBte
er die Kaufurkunde haben.
Wenn nun h mit diesem Urteil nicht zufrieden ist, das Gut nicht
herausgeben will, sondern an eine hohere Instanz appelliert, dann soil
das Gut pendente causa in seiner Hand belassen und nun die Aussage
des Klagers als Ausgangspunkt des Prozesses genommen werden, d. h. es
wird nun Sache des Klagers sein, durch giiltige Urkunden und ein-
wandfreie Zeugen, eventuell durch den Eid, sein Eigentumsrecht an dem
streitigen Objekt zu beweisen.
Wenn meine Auffassung dieses Paragraphen richtig ist, handelt es
sich hier um einen ProzeB vor einer ersten Instanz und um einen
zweiteii ProzeB vor einem .^ppellationsgericht. In jenem hat der
Klager gewonnen, weil der Verklagte seinen Anspruch nicht beweisen
kann; in diesem wird dem Klager aufgegeben, seinen Anspruch zu
beweisen. Und wenn er das nicht kann, veriiert er, der Klager, den ProzeB.
Zu Einzelheiten bemerke ich folgendes:
Das Wort ^.^.Tia (Text S. 194, 1) bezeichnet z. B. in den Appell-
gerichtsurteiien lies I'atriarchen Chenanischo (s. Syrische Rechtsbiicher II)
denje?ugen, der, nicht zufrieden mit einem Urteil erster Instanz, eine
luihere anruft.
— 841 —
Wiilireiui die roniischo Haiulschrift iiiul Tiikkasa clen Text iiber-
einstimnictul iiberliefern. tiiulet sicli hei Ehedjesu, Tractatiis S. 23fi, eine
erhebliche Differenz. Im Text (liier S. 1Q2, 27. 28) wird statt k,a:^^JK^
^070X^13 ^ (wird helasseii in seiner Hand) das fnljjende:
>A07eXk2 )^ <\i)^OU (tolletur de manibus ejus, s. Obersetzuny
S. 70) gelesen. icii ,s,rebe der ersteren l.esart den Vorzug, denn wenn
dem Besitzer A das Out abgenommen wird, ist damit sclinn das Urtcil
sjesprochen, und es branclit niciit erst der Prozeli von ilim gehort zu
werden.
Dieselbe Lesart findet sich auch bei Arabs II Bl. 195a 5ft"., der
den Paragraphen in folgender Weise wiederzugeben siicht:
0- J~^^) ^ ^^ '-^ -'^ -'^ oh (»^l^ ^ ^'cf.x_ j ^C i jf p-\
'Wenn eine Habe 3 Jalire lang als Besitz eines Menschen bekaiint
ist; wenn dies auf eincn Betrug von seiten seines Landesfiirsten zuriick-
geht, Oder wenn er in dem Besitz nicht angegriffen worden ist, oder
wenn man nicht wul3te, dal3 die Habe in seiner Hand war, dann wird
sie aus seiner Hand weggenommen, und er muB sicii dem
Urteil fijgen. Wenn in seiner Hand keiiie Urkunde ist, ist cr ein
Unrechttuer. Und wenn er sagt: Diese Sache ist in meiner Hand ,
soil sie in seiner Hand bleiben und ihm der ProzeB gemacht werden.
Das wichtigste in alien diesen Paragraphen (2 b, 3-6, ferner
Kap. VI § 6 — 10) ist die Entscheidung iiber die Frage, wer zum Eide
zugelassen oder verpflichtet sein soli, ob der Klager oder der Verklagte,
weil durch den Eid der ProzeB entscliieden wird. Fiir die Forderung
der Untersucluing, nach welchen Prinzipien diese Entsclieidiuig vom
Oesetzgeber getroffen wurde, mag die foigende Zusanniiensteliung dienen:
Kap. IV § 2 b. Der am meisten notorische Besitzer leistet den Eid.
§ 3. Der Besitzer, der das Objekt schon 50 Jahre lang hat
Oder von drei Vorfahren ererbt hat, leistet den Eid, nicht der Klager
mit gultiger Urkunde. Vgl. § 8a.
§4. Wenn der Besitz des Besitzers, der ihn schon 50 Jahre lang
hat usw. von dem Klager als angreifbar nachgewiesen werden kann,
dann leistet der Klager den Eid, nicht der Besitzer. Vgl. § Oc.
§5. Der Klager leistet den Eid, wenn der Verklagte, der Be-
sitzer des Objekts, nicht durch eine Urkunde sein Recht an dem Objekt
nachweisen kann, imd hekannt ist, dali das Objekt ab origine dem
Klager gehort hat.
§ 6. a) Wenn der Inhaber die Habe seit 3 (oder 30) Jahren hat
und sein Recht an derselben nicht angegriffen werden kann, leistet er
den Eid, nicht der Klager. Vgl. § 3.
b) Ist sein Recht angreifbar, dann ist er ein Usurpator (d. h. doch
wohl: dann leistet der Klager den Eid, nicht der Besitzer). Vgl. §8.
c) In der Appellinstanz dasselbe Verfahren wie sub b.
Kap. VI, § 6. Wer einen Anspruch auf Geld oder anderes er-
hebt und seinen Anspruch durch Urkunde und Zeugen erharten kann,
kann den Eid leisten.
§ 7. Wenn der Verklagte gesteht, sich die Habe des Klagers
angeeignet, sie aber zuriickgegeben zu habcn, unil derKliiger letztercs
be.streitet, ilann leistet liieser den Eid.
— U2 —
§8. a) Wer die Habe 50Jalire besitzt odcr von drei Vorfahren
geerbt hat, leistet den Eid, audi wenn der Klajjer eine jjiiltige
Urkunde hat. Vgl. Kap. IV § 3.
Dagegen leistet der Klager den Eid, wenn der Besitzer das
Objekt noch nicht 50Jahre hat und von weniger als drei Vorfahren
ererbt hat.
b) Wenn der Klager auBer Zeugen nur eine anzweifelbare Urkunde
hat, dann leistet der Verklagte, der Besitzer, den Eid.
§ 9. a) Im Streit, ob jemand ein Objekt als Pfand habe oder von
dein Andern gekauft habe, leistet der Besitzer den Eid, wenn er eine
Urkunde oder Beweise nicht hat.
b) Wenn ein Pfandgeber behauptet, dem Andern ein Pfand gegen
ein Darlehn von 30 Estir gegeben zu haben, wahrend der Pfandnehmer
behauptet, von jenem das F^fand zur Sichersteilung fiir ein Darlehn
von 100 Estir angenommen zu haben, dann leistet der Pfandnehmer
den Eid, wenn der Pfandgeber eine Urkunde und Beweise nicht hat.
Fiir § 10a, b s. die Anmerkung zu der SteJle.
S. 195, 6. Dieser § 7 lautet bei Arabs II Bl. 195a 9 ff.:
V J_*^^ ^C A.^ ^i S^\ tl'%\ J* ^ ^ (j-VI wi_r^" IJ'j
Wenn der Sohn iiber etwas von der Habe des Vaters verfiigt,
ohne Urkunde und Zeugen zu haben, gilt dies nicht als rechtsverbindlich,
und das Objekt wird aus seiner Hand fortgenommen.
Ebenso die Sozietare vor der Teilung, nicht gilt ihre Verfiigung.
Wenn jemand Sklaven und Sklavinnen halt, ohne sein Eigentum
an denselben durch Urkunde beweisen zu konnen, kann er nicht rechts-
kraftig iiber sie verfiigen.-
Nach meiner Ansiclit ist der Sinn des syrischen Textes ein
anderer als der von Arabs II angenommene, namlich folgender: Auch
das peculium von Sklaven und Sklavinnen ist nicht rechtskraftig, wenn
es nicht durch Urkunde oder Zeugen bewiesen werden kann.
S. 195, 15. Dieser § S lautet bei Arabs II Bl. 195a 13. 14:
Wenn ein Sklave sich gegen seinen Herrn emport, ohne eine
(Freilassungs-) Urkunde zu haben und ohne daB Zeugen seine Frei-
lassung bezeugen, wird er seinem Herrn zuriickgegeben. Dies ist mit
dem syrischen Text unvereinbar. Ich denke mir die Situation, die der
Gesetzgeber in diesem Paragraphen im Auge hatte, folgendermalJen : Der
Herr (A) eines Sklaven hat den Sklaven ausgeliehen an B. Nach einiger
Zeit bestreitet B des Besitzrecht des A an dem Sklaven. A kann sein
Recht nicht beweisen, aber (einstweilen) wird ihm der Sklave zuriick-
gegeben, und dann wird ProzeB gehalten. Dem Klager B, der den Sklaven
in seinem Besitz hatte, wird gestattet, seine Klage vorzubringen und zu
beweisen.
S. 195, 21. Dieser §9 ist bei Arabs II Bl. 195a 14. 15 durch
wenige Worte vviedergegeben :
— 348 -
>Er ist ziini Scliailenersatz verpflichtet. Unci es stelit ihni (clem
Eigentiimer) frei, dali er seine Habe clem, in dessen Handen sie ist,
gebe Oder ihn zn seineni Steilvertreter niaclie.
Die Benicrkuni>- iiher die Sclienknny' am Ende dieses Paragraphen
ist auffaiiend, weil seliistverstandlich. Ob vielieicht im persischen
Original das Wort fiir geben im Sinne von gestatten gebraucht war?
Wenn er aber will (d. li. wenn der Eigentiimer des usurpierten
Objekts vorzieht, iiber die Art desselben nicht zn schworen oder
Zeugnisse beizubringen), kann er (es) demjenigen, in dessen Hand es
ist, gestatten (d. i. zu schworen nnd Zeugnisse beizubringen).
S. 197, 3. Die zweite Halfte dieses § 2 findet sich ebenso in
Tukkasa Bl. 104a 24. 25; das ganze Kapitel V aucli bei Arabs II
Bl. 195, 16ff.
S. 197,9. In diesen Bestimmungen der §§3.4 glaube ich den
EinfluB des syrisch-romischen Rechtes zu erkennen, nach deni eine
dem Sohn gemachte Sclienkung jederzeit zuruckgenommen werden
kann, niclit aber die einem Fremden gemachte Schenkung. Vgl.
Syrische Rechtsbucher I R II, § 8, und die Anmerkung von Bruns,
Syrisch-romisches Rechtsbuch S. 197 (zu L, § 22).
S. 197,28. In dem zweitcn Absatz von §4 (dasselbe gilt von
der Mutter) fehlt bei dem Syrer wie bei clem Araber, was hinzu-
gefiigt werden mu6: gegeniiber ihrem Kinde.
S. 197, 30. VI Kap. VI. Von dieseni Kapitel sind die §§ 1—5 und
11 in Tukkasa auf Bl. 104- 105 b vorhanden.
Kollation von § 1—5: S. 196, 15 ^a:»p ; C>ft?ifti st. jnoYti
Ixoiep ^, 10 liS St. X^p, \b loj!^l K^p k3>» St. ^3 v?^' IS
a^ St. ^? ol^, 19 t\Slp St, 'S J^lp, 20 i-.\. Ixi-jj? St. Ju?
ii'ai, 22 lA^Ie St. lA^I, 23 ?j1-o st. ?!-«>, 27 ^i»2 St.
^ii«a>.aa, 28 k^I ^iv&3 St. ^X^p. 30 -auiio St. :apio, 31 c-iio
St. or^aa, 198, 1 .^Yn.P> St. la^ci^, 0 >sex»U st. <voa>^U3, 9
:sa23 St. i^3, 10 liA'\ St. ;»a3, 10 ^^oaeoa l^e ^oiolx l^p
St. vft.aoI,a i^, 11 oov^ st. ^ oo^JS, 12 ^ ot^ st. o^, 13
laooa St. Ijaoli, 16 ,A>t:* st. ^vo^yJl^p, 17 a;\^^ .^ sap
xA.3 Z^ \Vk\N3 7ipj33 oi, lijckenhaft in R, 18 ^Ol^ ^^i» liCTX^
2\^^ St. ^ ^^300 o)\^ — lAO^, 19 ^taXy 'S ijEbsoB
o^^ St. Liicke, 200, 17 2^'■.Yl\^ -Si ?t. :^'.'■^3L^^ ^l, 18. 19 'J^p
ly.XX^ UxSoS St. pjtl^ lixioS iS? ^ OCT 1^2, 23 Jo ^lo
St. ^abe, 29 oAo st. ^p oAe. 31 ^\.a\,iaoe st. ^\.a\.bb» o2
S. 199,51. Dieser Absatz § 8b ist im Tractatus Bl. 244, Kol. 1,
Z. 12—15, ganzlich entstellt, jedenfalls durch Irrtuni (Auslassung der
Worter w? UV.Sy.a). Er lautet in Obersetzung: Wenn der Ver-
klagte der Besitzer der Habe ist, er (sie) eine echte Urkunde und an-
zweifelbare Zeugen hat, dann wird dem Klager der Eid aufgegeben.«
I
— 344 —
S. 201, 12. Dieser iiier liickeiihafl iiberiieferte § 10 findet sicli
bd Ebedjesu, Tractatus S. 244, Kol. 1, 2ftff. in folfi^endcr, ebenfails niclit
einwaiidfreier Form: Wenn jemaiui fin Deposituni einein andcrn ijbcr-
gibt, und es gestohlen wird oder ein nicht offensichtlicher Schaden
iiber dasselbe kommt, Raub des Fiirsten oder Brand und Feuer nicht
nacii dem Willen und aus Nachlassigkcit des Depositars, danii komrnt
dieseni (dem Depositar) der Schvvur zu.
Wenn aber ein offensichtlicher Scliade iiber das Depositum jje-
konimen ist durcii die Nachlassigkeit des Depositars oder seiner An-
gehorigen, Zeugen aber nicht vorhanden sind, dann kommt der Eid
dem Depositar zu.< Es ist schwerlich zntreffeiid, dali in beiden Fallen
der Depositar scliworen sollte. Wahrscheinlicher ist mir, dafJ in
dem zweiten Fall der Deponent sclnvoreii nuiHte, nnd dali in dem
SchluBsatz von i; 10b zu lesen ist | ,Yl r>| OT^oAs ob'p Li\.ieojaa
i*OOT ,lv\vetV^ 2o07, d. h. dann kommt der Eid demjenigen zu,
der das Deposit bei ihm deponiert hattc , d. i. dem Deponenten.
S. 201, 48. Die am Ende dieses Paragraphen in der romischen
Handschrift befindliche syrische Notiz berichtet: Es fehlen hier sieben
Kapite! (die Kapitel VII — XIII) an der Vollendung des Buches< (d. i. des
Buches VI).
In fukkasa Bl. 143a 12—20, erscheint ein Paragraph iiber Fund-
recht, der als von Jesubocht herrijhrend bezeichnet wird, sich aber
inhaltlich und zum groHten Teil audi in der Form mit dem § 55 c der
Leges Constantini Theodosii Leonis in der Redaktion Roinanus 1 (s. meine
Syrischen Rechtsbiicher, Band I, S. 31) deckt. Te.xt:
2N^o^ ..«u ol l^JscLs ^^JLJilp jb eou2 ^>aec^a.0L3r.^^
001 ^p •s2 .ou&X^k,^ ou.olX3 «seoi\d ^s.JH>^ .gu.3j;2 }..ae3La
^2 2^..«o^ u.ov^ 2i\j.^ loov*^^^ ^ e> ~i.X? Lia^JlN a^a
Ubcrsetzung: Wenn einer von Leuten, die Kompagnons sind
oder zu derselben Schar gehoren, des Weges einherziehen, einen Fund
findet, dann teilen sie es alle gleichmassig unter sich, falls der erste
(der vorderste) den Fund gemacht hat.
Wenn aber der letzte (der hinterste) den Fund gemacht hat, gehort
er ihm ganz allein.
Wenn dagegen einer von den mittlereii (in der Mitte marschierenden)
den Fund gemacht hat, gehort er ihm und denjenigen, die hinter ihm
kommen, indem die ersten, die (daran) vorbei gegangen sind, keinen
Anteil an diesem Funde bekommen, wie die Gesetze befehlen.
In dem Schlulipassus >wie die Gesetze befehlen liegt vielleicht eine
Hindeutung darauf, dafi dies Gesetz von Jesubocht aus den Gesetzen
der Kaiser, den Leges Constantini Theodosii Leonis entlehnt war.
Anmerkungen
zii den
Canones
Simeon.
u:
S. 207. Eine vollstandige arabischc Obersetziing tier Cnnoiics
Simeons scheint nicht erhalten zu sein, ist wenigstetis inir niclit hekamit.
Einige Reste einer solchen, welche sich zerstreut in tiem Codex Vaticaiuis
Arabicus 153 finden, siiui in den folgenden Aninerkiingen verwertet
(s. zu § V. Vll. X. Xill. XVI. XVII. XIX).
S. 209, 10. lil ttAao. Beqiicmer ware 1x2. U^isiO, ersteres
aber mag richtig sein, indem eiii Objektsakkusativ wie etwa i«.t3Lii oder
«<JmhX3 oder ahnliches zu erganzen ist.
S. 209, 14. Das a^J3 (OU?) nach 23?oj.» iind U^jiocio
konnte entbehrt werden, da es eine Wiederhnlung von 3J:o tSOLiaopka ist.
S. 209, 23. 2%\.^ea cin mir iinbekanntcs Wort. Ob etwa ver-
derbt aus 2x^.^u>CLO a-KijwTpov?
S. 215, 3. 2^<J^o Ia*? .w^o;\a vcrderbt. Moglich ware ctwas
wie 22^ ^e 2ou.* >^eov\A.
S. 218, 1. Das 2. Kapitel der Einleitung (S. 218—221) findet sich
auch in Tukkasa Bl. 84a 22— 85 b 5.
Kollation: S. 219, 17 223^^e st. 2^aao, 20.21 von i^2 bis
fehlt, 22 >i-?wa St. ^>.l, 23 X-a-Va st. l-a-V^?,
26 ,^d.^3X»e St. >■■>a.3^^, 27 ^axa%^p st. .e^?. 28 '.^ajj st.
o^a, 221,3 ^ooui^l St. «sec;«>^23, o U'aoi^ st. X^aoLX, 7 ^2
St. t^2e, 7 li,^iol St. 3um2, S ^P9*S st. ^39^, II 2au^2 st. X.M2,
15 eoA St. oajj. 17 IpJao^p st. ;j3wi9a3p, 21 ^2 1^2 st. ^L,
24 ^JCoaop fehlt, 25 oocr st. ^Od.
S. 220, 23. In dicsem dritten Kapitel der Einleitung weist Simeon
darauf hin, daR in lier kirchlichen Gerichtspraxis iiber viele Dinge cnt-
schieden werden nuiP), fiir die es geschriebene Oesetze nicht gibt; claB
es aber in iler Kirche eine von den Vorfahren iibernoniniene F^cchts-
ijberlieferung gibt, mit deren Hiife unci nach deren Analogic die vom
gottlichen Oeist bcseelten Leiter der Kirche in alien Fallen Recht zu
sprechen vermogen. Diese Rechtsprechung ist auch nicht deshalb an-
zuzweifeln, weil sie in verschiedenen Oegenden etwas tiifferiert. Oleicli-
wie die liturgischen Oebniuche der Kirche beruhen ihre biirgerlichen
— 348 —
Oi-setze aiif alter, aiithciitisclicr Tradition. Der Verfasser verwahrt sicli
hcsoiuicrs lebhaft dajjegen, dali diese seine Ansiciit etwa cine Neucruiiy
inul die biirjrerliciien (jesetze lier Kirche lediglicli i^ewolmlieher Meiischeii-
witz seien.
Es ist mir auffallend, da(5 Simeon au(5er in §§ II. IQ nicht Bezug
iiinnnt auf irgeniiwelclie Konziiai<ten, weil docii in ihnen aucii viele
liestininuins^en iiher biir<ferliches Reciit enthalten sind. Ferner darf man
wohl annehmen, dali ihm keitie Sammlung von Satzen aus dem bijrger-
liehen Recht vnrgelegen hat. Daraiis wiirde folgen, dalJ die sonst so
weit verbreiteten Leges Keguiii oder Leges Constantini Theodosii Leonis
nicht bis zii ihm vorgedrungen sind.
Voin 3. Kapitel findet sich das meiste in Tukl<asa BL 76a 15— 76b 10.
Kollation S. 22L 28— 223, 14: 221, 2Q 0?a fehlt, 223, 1 ImI'Vas
^OV»4^*i St. 2zl\jCJ?, 1 i^..23u.o^ t'ehjt, 1 ^» i^2 st. wbo?, 3 ^2
St. k^2, 8 ^ fehlt. 11 vAiiuk st. ^A.»Aj:. 13 ^ai.xx^<y\ st.
Die Paralleie des Kampfes des Propheten Elias mit den Baais-
priestern (Text S. 223, 15 — 27) ist im Tukkasa ausgelassen, vermutlich
weil der Text in dem Exemplar, welches Ebedjesu vorlag, nicht besser
war als derjenige, der uns in der romischen Handschrift vorliegt.
Der zweite Abschnitt, Bi. 223, 28—235, 19 entspricht Tukkasa
Bl. 76b 10— 81 a 9.
Kollation: S. 225, 4 2^a4^auaep st. 2^ttv\n.aoo3. 10 21a0^j;
St. 2^.s, 10 ao St. 3^.3, 11 \.^^e st. \a>^e, 11 ^Oibi st. ^07,
12 ^07 St. ^aor, 21 0007 fehlt, 26 Z»3bXe St. lao>x, 27 w.^oA
St. 6»oJS, 227, I U.007? St. 2o07 3, 9 looi fehlt, 15 23u^ st. 21AjO.
IS ^i>JC»a St. ^,SlA, is ZxA\p St. iiASa. 19. 20 \.V. >^lp
St. Ah^^2p, 26 M^idvlao st. y^^Jtf, 229,3 2oc? Ltx^p st. yJi^Sp.
5 aA.rL..^2 zA St. aA.3.,.^2. 6 oui^^slp st. eu3^^;s2 Susp,
14 ^*aa,.303 St. ^da«j.33, 15 lo^p st. 23akMp. 16 U^^ouo st.
iJMOu., 18 ^^lA3 St. X»Za, 21 ^.«3 •p'ya St. "o'^s. 21 l*^iep
St. |w>^», 21 ^«au^2 St. ^3k.w.2, 23 ^07 st. sOaof, 24 2ll\jo ^
St. 2i*\jCD p^, 25 3^1^.2 St. aa^iCsL, 25 Zualcpep 2^'ix st.
2^X\,, 26 ^3 >\\.ao St. >^\r», 26 £so07 St. ^3 ;SoOT, 27 ^..\,iia
OOOr St. «^'>\f^, 28 2'3u.3J: St. 2^'aw.ij:, 28 2^3k^33 st. 2£s3u^3,
231, 1 OOOT fehlt, 0 tX^ fehlt, 7 -.OJOu.2 st. JU,i, 10 3u\ 3^202 st. SkA
3k^2, 14 ^2 St. sf?, 20 AJiyi aC^p st. Ajoa, 26 2x»l3 2au.2 st.
2;w.1j] 23U.I.3, 27 ^X»23 ^ai st. v^Aof, 29 ^dA^^JLM st.
,^,Kbi»^.x». 233.2 >.v.'aa\t^ st. ^xAmjlm, 5 ^aa.^ st. ^xa.^.
6 ^oov>'3k\^ w*3>,Jl.ao St. ^'xa^^^o, 8 t^ fehlt, II 2330 st. Z^pso,
— 34'J —
12 Iuol^p <i. Ix^p. 14 lNok«.«^e St. I^ou^^. 15 I^J^..VVJ^
St. IXolioo. 17 .^3 tehlt. 20 23^*00 loT ta.T.in st. '■t.T'ta/t.Y).
24 v^dkO^ St. wi;sa^. 25 aa^JO^ st. xsuo^. 235.4 2^oa^\.3 st.
:^ft.i«\.3o. s ^1 St. ^:. 11 ^o? St. «vo?^?. 12 ^3^23 St.
^3>3o23. 13 ^\aoX3ao st. . .taNxxao. 17 ^^3323 l^a^ st. Xa3323,
S. 221,8. Das Wort 1^32 bedeutet lali faliren, lalJ los von,
sieli ab von, abgesehen von . So an dieser Stelle, und ebenso
S. 243, 23 und walirscheinlich auch S. 237, 4, wo freilich zu beachten
ist, daB eine Liicke vorliegen diirfte. Auf einen negativen Satz folgend
hat es den Sinn : geschweige denn, erst recht n icht, z. B. in Kalila
und Dimna, ed. SchultheB, S. 155,15. 16: Ein Freund, der sich niclit
fiir seinen Freund opfert, ist nicht vollkommen, geschweige denn ^^32
ein Knecht. Derseibe Gebrauch daselbst S. 183, 17.
S. 223, 16. JCxSe^JC3 ist von Dr. Riicker, Die Canones des
Simeon S.44, als je»3e^ JU3. fehlerhafte Schreibung fiir ZJC3L5a\. JU3
= apxeri'^rov (adjektivjscii apx^rv-os) gedeutct. DaB Schriftsteller. wie z. B.
Dionysius Areopagita, den Oraben und den .Mtar der Eliasgeschichte
symbolisierend ausgeiegt und die Herabkunft des Feuers zu einem npx^'
nnrov gemacht hatten. um theosophische Gedankenreihen daran anzu-
kniipfen, ware in keiner Weise auffatlend, icli habe aber in den Schriften
des Dionysius nichts gefunden, was zur Kontrolie und weiteren .\us-
fuhrung dieses Zusammenhanges bei unserem Simeon dienen konnte.
Fiir den Satz von dem Feuer als Mittel der Unterscheidung zwischen
Wahrheit und Unwahrheit kann man vielleicht eine entternte Parallele
in riepi rrjs ovpavi'as lepapxias (Migne, Patrologia Oraeca III, I, S. 317) sehen,
wo im Zusammenhang der Auslegung von Jesaias, Kap. 6, von dem
Feuer als Mittel der Reinigung, von einer ^v.^jriji evfpyem als einer
KaOapriK^ lotonjs der Seraphim die Rede ist.
S. 232, 17. Stehen auf einem Sack , vgl. Stehen auf Sack und
Asche bei Timotheos § 5. 6. 13. 14. 45: Ebedjesu, Tractatus S. 213,
Koi. 2, l.Z. und S. 214, Kol. 1, 1; Histoire de Mar-Jabalaha, de trois
autres patriarches usw., Paris 1895, S. 247, 11. 12; und dasselbe im christ-
lichen Arabisch jL.JIj ^\ Jt (-Ull, s. Timotheos § 38, Anm. S. 192
und Chronique de Seert, ed. Addai Scher, I. partie, S. 219, 2 jp f^^'J
jUJIj ■y-J.\- Diese Syrer sagen also nicht in Sack und Asche wie
Matth. 11,21 und Lukas 10, 13.
S. 232, 25. Unter Dionysius ist Dionysius Areopagita gemeint,
speziell in seinem Werke flip't rijs eK/c\;)cr(«(m».-vs 'upapxias, die Abschnitte
uber die Taufe Awi-ier/ios und fiber die Weihen der Toten (Migne, Patro-
logia Graeca III. I, S. 396, § VI und S. 552 ff.).
S. 234,32. § 1. Bischof Simeon verfolgt in mehreren Paragraphen
seines komplementaren Rechtsspiegels den besonderen Zweck, die Stellung
der Witwe im Erbrccht zu sichern und vermutlicli zu bessern, woraus
man fulgern darf, daB in der persischen Kulturwelt, wie Simeon sie
vorgefunden hatte, die Witue nicht so versorgt war, wie cr es wiinschte.
— 350 ^
Nach diesem F^aragrapli ist sie die Gesamterbin ihres Gemalils, wenn
LT keiiie anderii Ang^eliorijjen hinterlassen hat als einen Briuier unil
sie, und in wcitcrer Aiisfiihrunu; dieses Gesetzes bestimnit v? 9, dai5 der
Witwe als (jesamferbin keinerlei rechtliche Verpflichtiint,'en gegcn die
(jcschwister ihres verstorbeneii Eiiefjeniahls obliegen. in § 5 wird das
Erbrecht dcr Witwe jjej^eniiber denijenijfen der Enl<el des Erblassers
fcstgeiegt, iiiul in § Hi gegen etwaige Anspriiche der von ihrem ver-
storbencn Qemalil mit einer andern Fran gezeugten Kitulcr gesichert.
Ill diesem Ziisamnienhaiii,'^ vcrdient § 3 besondere Reachtung.
Der Erblasser soil fiir ilen Unterlialt seiner Witwe sorgen, und falls er
etwa fromme Legate niaclit, sind diese niir dann rechtsgiiltig, wenn
die Witwe ausreichend versorgt ist. Er darf seine Witwe nicht von
seiner Habc ausschlieiien, wenn und weil er etwa annimmt, dal5 sie
iiacli scinem Tode sich wieder verheiraten werde, vielmehr soil er in
seinen letztwilligeii Verfiigungen nicht allein fiir ihren Unterhalt sorgen,
sondern zuglcich ihr auch so viel von seiner Habe zuwenden, als fiir
sie erforderlich ist, daniit sie eine neue Ehe eingehen kann. Es ist
eine heidnische Auffassung unseres Gesetzgebers, dali ihm der Ge-
schlechtstrieb und seine Befriedigung als etwas Berechtigtes gilt. Bei
den Heiden sei ein hurerisches Weib nicht anstol^ig, in der Kirche des
Messias dagegen eine Uniiuiglichkeit. Deshalb sei eine Wieder-
verheiratung der Witwe empfehlenswert und der Erblasser, ihr ver-
storbener Ehegenialii, sei verpflichtet ihr dazu durch Gewahrung der
notigen Mittel behiiflich zu sein. Wie die Tochter die <hi^nvii aus dem
Hause ihres Vaters, so soil die Witwe eine 6epvij aus dem NachlaB
ihres ersten Gemahis mitbringen, falls sie nicht selbst die Mittel besitzt,
welche zum Eingehen einer neuen Ehe erforderlich sind.
In der Begriindung des § 1 im Text S. 237, 4 liegt cine Liicke
vor, wahrscheinlich zwischen den Wortern 2poT 2aSou3^3 und I.S32
X^a. Vielleicht war der Zusammenhang folgender: »Indem, wenn man
die Sache genau betrachtet (man findet, daB der Ehemann zwar der
Verwalter der Habe seiner Gemahlin ist, sie aber die Eigentiimerin,
liaB daher seine Verwaltuiig iiirer Habe gewissen Beschrankungen
uiiterliegt), abgesehen davoii, daB die Gemahlin, wenn sie stirbt, voll-
kommen frei (d. i. ohne irgendwelche Riicksicht auf ihren Gemahl)
iiber ihrc Habe verfiigen (testieren) darf. Demi der Ehemann darf
weder im Leben noch sterbend einem andern etwas zuwenden, solange
er nicht fiir Gemahlin und Kinder ausreichend gesorgt hat. Seine
Vermogensverwaltung ist beschriinkt durch die Pflicht gegen Frau und
Kinder, nicht durch eine Pflicht gegen den Bruder.
Zum Inhalt dieses Paragraphen ist zu vergleichen § 3, wo von
der Beschrankung der Testierfreiheit des Ehemannes gegeniiber seiner
Witwe die Rede ist, und § 19, wo der Witwe die unbeschriinkte Ver-
fiigung iiber ihr Eigentuin vindiziert wird. Der Tod lost die Ehe-
gemeinschaft, s. §15, Abs. 2.
Der Ausdruck, Text S. 237, 4, 3uXO ^S-^I^^^Sw.. .si A^ XA
fimlet sich ahnlich S. 221, 1, und zu dem Ausdruck l^si vgl. An-
inerkung zu S. 221, 8.
Dr. Riicker a. a. O. S. 49, verweist auf eine Stelle in den Briefen des
nestorianischen Patriarchen Jesujabh III., cd. Duval, S. 153, welche ich
hier in freier Obersetzung mit besonderer Hervorkehrung des juridischen
Inhalts gebe:
Mogest du nun stets festhalten an dem Forschungsergebnis, das
liu in den Briefen fixiert und mir niitgeteilt hast, namlicli:
1. Die illegitime Ehe eines Mannes mit der Frau (Witwe) des
Bruders seiner Mutter ist zu verwerfen;
— 351 —
2. Wenn die sub 1 genannte Frau scluildbeladen stirbt, ist ihr
Oemahl von ihrer Erbschaft auszuschlieBen.
Unter Erbschaft der Frauen verstehe ich nicht dasjenioe, was
bishcr im Getjensatz ziir Bibel und der bisheriijen Lelire (der Kirche)
in diesem Reiclie (des Islams unter Oman und Othman) der schleclite
Usus ist, dal5 man namlich die Witwen die Habe iiirer Ehemanner erben
laBt, aucii wenn sie weder durcii Testament noch durch eine Schenkun<r
der Ehemanner iimen verniacht worden ist, wahrend nach gottliciiem
Gesetz diese Habe den Sohnen oder Toclitern oder Briidern oder Vaters-
briJdern oderanderen nahen Verwandten zufailen miil5te. Ich verstehe unter
Erbschaft der Frauen viehnehr die 6epvij, weiche die Frau bekommt:
1. entweder aus dem Hause ihres Vaters
2. Oder aus dem Hause ihres Gemahls zur Zeit, wo sie (die
Frau) ihm (dem Gemahl) iibergeben wird (dies ware also nicht <f'epvti,
sondern cuipea),
3. von ihrem Gemahl bei seineni Tode (durch letztwiiiige Zu-
wendung zum Unterhait und eventueij zur Wiederverheiratung),
4. oder von ihren eigenen Sohnen als freiwillige Zuwendung
(falls z. B. sie ohne eigenes Vermogen ist, fails ihre 6epv,j, die ihr nach
dem Tode iiires Gemahls wieder zufallt, fiir sie nicht geniigt, um sich zu
unterhalten und wieder zu verheiraten, und ihr Oemahl ihr nichts oder nicht
genugende Mittel fiir diesen Zweck durch sein Testament iiberwiesen hat),
5. oder' von den Vorstehern der Kirche (falls sie weder
selbst noch durch ihren Gemahl noch durch ihre Sohne die notigen
Mittel zum Unterhait und zur Wiederverheiratung hat).
Hierbei ist iiberail die Voraussetzung, daH die Frau sich einwandfrei
benimmt. Im entgegengesetzten Fall soil ihr auch die genannte Habe nicht
zufailen, sondern den rechtmalJigen Erben, d. i. den Sohnen (Kindern),
gegeben werden. Solches ist christliches Gesetz in unserem Lande.<
Jesujabh III., der .\diabener (d. i. gebiirtig aus der Gegend von
Arbela), war Patriarch von 647 bis 658, hat aber den Brief, dem wir
diese Stelle entnchmcn, vorher, als er Erzbischof von Mosul und Arbela
war, geschrieben. Wenn er also die usuellen Rechte der Witwe be-
schranken oder cventuell aufheben will, wahrend unser Simeon im Gegen-
satz dazu bemiiht ist sie sicherzustellen, so ist diese Differenz vielleicht
in der Weise zu crklaren, dal5 Jesujabh die Verhaltnisse in Assyrien,
Simeon diejenigen in der Persis im Sinne hatte. Jesujabh III. behandelt
dieselben Fragen des Erb- und Dotalrechts, mit denen sich bereits cin
halbes Jahrhundert friiher noch im Sasanidenreich sein Vorganger und
Namensvetter Jesujabh II. beschaftigt hatte, woriiber ich auf meine Schrift
Von den rechtlichen Verhaltnissen der Christen im Sasanidenreich S. IS
bis 20 (Milteilungen des Seminars fiir Orientalische Sprachen 1907, Jahr-
gang 10) verweise. Ober das Erbrccht der Witwe im allgemeinen s.
a. a. O. den Abschnitt iiber Testament S. 20—23.
S. 236, 25. §2. Dieser Paragraph besagt, da(3 die verheiratete
Tochter ihren Vater nicht beerbt, denn infolge ihrer Verheiratung gilt sie
als aus der Familie ihres Vaters ausgeschieden.
in der Fragestellung verstehe ich unter der vaterlichen Zu-
wendung an die verheiratete Tochter, da sie unmittelbar auf den Satz:
Wenn die Tochter zu Lebzeiten ihres Vaters sich verheiratet< folgt, die
Mitgift oder (i>epv,;. Danach bedeutet die Frage: ob die verheiratete
Tochter, nachdem sie ihre Mitgift bckommen, noch erbrechtliche An-
spriiche gegen den Nachlali des verstorbenen Vaters zu stellen hat. Die
Antwort hierauf lautet: nein.
In der Antwort behandelt der Verfasser daneben einen Anspruch
der verheiratcten Tochter gegen den Nachlal? ihres Vaters, der nicht aus
dem Erbrecht entspringt.
Er hatte vielleicht eiiieii Fall wie deii folgenden ini Augc: Ein
Mann verheiratct seine Tochter; er kaiin ihr keine so i^roBe Mitgift
ijeben, wie wohl Reclit und Sitte erfordert, macht daher mit seinem
kiinftigen Schvvieji;ersohn den Pakt (Dotalvertrag;), daB er seiner Tochter
eritvveder zu einem spateren Zeitpunkt eine Zuwendung machen oder in
seinem Testament ein Legat anssetzen werde. Beide Handlungen sind
im letzten Absat/ von § 5 anjjjegeben und deutlich gesciiieden.
Wir diirfen danach den Inhait des § 2 in folgende zwei Satze zii-
sammenfassen :
1. Die veriieiratete Tochter ist nicht Erbin ihres Vaters.
2. Der Vater einer verheirateteii Tochter kann ihr sow(jhi zu
seinen Lebzeiten infolge eines Dotalvertrages wie sterbend
durcli sein Testament Ziiwendungen machen.
Letztere Bestimnuing hatte vielleicht die erforderliche Begrenzung
in anderen, damais bekannten, hier aber von Simeon nicht erwahnten
Rechtssatzen iiber das Anrecht der Erben auf Pflichtteile, zu denen dieser
§ 2 etwa wie eine Erganzung hinzutrat. Uber eine gewisse Beschrankung
des Testierrechtes s. § 3.
Es ist ein groBer, bereits oben S. 320 geriigter Mangel in der
Diktion des syrischen Ubersetzers, daB er nicht einen technischen Aus-
druck fiir Legat gepragt hat.
S. 236, 38. § 3. Der Inhait dieses Paragraphen kehrt in § 4 wieder.
AuBerdem ist der letzte Absatz von § 13 zu vergleichen. Wie Simeon
hier dafiir kampft, daB der Witwe aus dem NachiaB ihres Mannes
nicht bloB die Mittel fiir den Unterhalt, sondern auch diejenigen fiir die
Wiederverheiratung gewahrt werden sollen, so fordert er in § 13, daB
der Tochter eines verstorbenen Mannes aus seinem NachiaB nicht bloB
ihr Erbteil, d. i. die Halfte eines Sohneserbteils, gegeben werden soil,
sondern eventuell noch mehr, falls ihr Erbteil fiir ihre Wiederverheiratung
nicht ausreicht. In jenem wie diesem Fall soil jeder AnlaB zur Unzucht
und damit zu Argernis in der Kirche vermieden werden.
Das Gesetz Simeons, betreffend die Ausstattung der Witwe oder
Tochter fiir die Verheiratung bzw. Wiederverheiratung, macht den Ein-
druck einer Neueriuig gegeniiber einem bestehenden Zustande, den die
persischen Christen in ihrer heidnischen, zoroastrischen Umgebung vor-
gefunden haben mogen. Wenn wir Simeon glauben diirfen. hatten die
zoroastrischen Bewohner der Persis an weiblicher Unzucht keinen An-
stoB genommen.
Der Behauptung Simeons, daB die Heiden (d. h. doch wohl hier
die Mazdajaznier oder Parsen) eine ehehrecherische und unzuchtige Fran
nicht verachteten, darf man eine Stelle in einem Patet (BuBgebet der Parsen)
entgegenhalten, wo Prostitution und Hurerei, Umgang mit einer Prosti-
tuierten zu den Siinden gerechnet werden. Siehe Le Zend-.^ vesta,
traduit par Darmsteter, III, S. 174.
S. 238,32. § 4. Aus diesem Paragraphen wie aus § 7 lernen wir,
daB es im persisch-christiichen Altertum eine doppelte Ehe gab, eine
Ehe mit Gii tergemeinschaft und eine Ehe mit Oiitertrennu ng.
Im ersteren Fall ist, wenn der Mann stirbt, der Verinogensanspruch
der Witwe gegen seinen NachiaB nach den besonderen Bestimmungen
des Ehevertrages zu regeln, und alle Gesetze des Intestaterbrechts sind
in diesem Falle ausgeschlossen. Ober den andern Fall, daB die Ehe-
frau eines Mannes, der mit ihr in Giitergemeinschaft lebt, stirbt, und
seine vermogensrechtliche Stellung vgl. § 7.
in dem zweiten Fall diirfte nach diesem § 4 sowie nach § 3 die ver-
niogensrechtiiciie Stellung iler Witwe in folgender Weise zuprazisierensein:
- 353 —
Das personliche Eigentum der Witvve, das sie niit in die Ehe ge-
braclit hatte iind \\m dem wir durcli § 1 wissen, dafi es wall rend der
Ehe von ihrem Oeniahl verwaltet wiirde, fallt in der Substanz sanit Zins
und Zinseszins, falls nicht in dem Etiekontrakt etwas anderes bestimmt
vvorden ist, an die Wihve zuriick. AnIJerdem aber bekonmit sie aus
dem von ihrem Oemahl hinterlassenen Vermogen ihren Unterhalt nnd,
falls sie sich wieder verheiraten will und ihre eijjenen Mittel dafiir nicht
ausreichen, noch so viel melir, das sie in den Stand setzt eine iieiie
Ehe einzujjehen.
Die Bestimnuing der Hohe der einzelnen Betrage wird Sache der
geistlichen Behorde gewesen sein.
S. 240, 4. § 5. Die Frage dieses [^aragraphen lantet vvortlich wie
folgt: Bekommen dann die verheirateten Sohne von dem Vermogen ihres
Vaters einen Teil , was nicht richtig sein kann. Denn die verheirateten
Sohne konnen ihren Vater nicht beerben, weil sie nach detn Znsamnien-
hang bereits tot sind. Ich empfehle anstatt «^ec;^ it^lp Lj3 ^^Ok^cri
iliao Ixi zu lesen Loj vOuioV^ nO^V^ ^.^Ip j..'.',\,3e XJix.
Dadurch ergibt sich folgender Sinn : Bekommen dann die Frauen und
Kinder dieser Sohne auch von dem Vermogen ihres Vaters (des Vaters
der letzteren, des Erblassers) einen Teil.
Im folgenden werden zwei Falle unterschieden:
1. Wenn die verheirateten Sohne (B', B^, B'^ usw.) vor ihrem
Vater (A) sterben, treten die Enkel in das Erbrecht der Sohne, ihrer
Vater, ein.
2. Im zvveiten Fall handeit es sich um Kommorienten oder solche
Personen, die als Kommorienten angesehen werden. In diesem Fall
gilt ein anderes Erbrecht: Der NachlaB des Vaters (A) wird zur einen
Halfte von seiner Witwe, zur andern von den Kindcrii und Frauen
seiner Sohne (B', B^, B^ usw., den Enkeln und ihren Miittern, den
Schwiegertochtern von A) geerbt.
Im ersteren Fall ist das Erbrecht der Enkel ein starkeres, groHeres,
im zweiten ein schvvacheres, geringeres. Oher den Grund der Ver-
schiedenheit in der erbreciitlichen Beurteilung dieser beiden Faiie
aulJert sich der Verfasser nicht. Ob etwa die Tendenz, die Witwe des
Erblassers unter alien Umstanden sicher zu stellen, auch hier wie in
mehreren anderen Bestimmungen Simeons mitgewirkt hat?
Die Stellung der Mutter der Enkel, der Schwiegertochter des
Erblassers, wird von Simeon nicht naher bestimmt. Wir diirfen aber
den Ausdruck die andcre (Halfte) den Kinder n und Frauen der
Sohne so auffassen, daH diese Frauen die Habe ihrer Kinder wjihrend
der Minderjahrigkeit derselben eventuell unter Beihilfe eines Kurators
verwalteten, da(5 sie aber gegen das Vermogen ihrer Kinder das-
selbe Recht hatten wie gegen das Vermogen ihrer Ehemanner,
der Vater ihrer Kinder, d. i. das Recht auf Unterhalt und die Mittel
zur Wiederverheiratung, falls sie eine solche eingingen.
Der letzte Absatz der .\ntwort, betreffend die verheirateten Tochter,
ist bereits unter § 2 S. 351 besprochen.
In dem Fragment einer arabischen Version Cod. Arab. Vat. 153
BI. 153b liegt ein arges MiBverstandnis des syrischen Originals vor:
^»^LJ pLJ_j jVj> -.^; (sic) jrtiiiil ^^^ ^J^\ J iJji jVjI ^^ ^-^
Sachau, Syrische RechtsbOclier \\l. 23
H54
— ^ f-^^ViV ^U* <_)J \p jlj A_^ ji (^1 A„ l_^ jl ^^Vji,.
(das weitere felilt in cicr romischen Handschrift). Vj (.*-' jVjI V 0" J!b
Ubcrsetzunjr: Simeon der Perser: Wenn ein Mann Sohne iind ver-
heiratete Tochtcr hat, und wunn von seinen Sohncn einige einen Solin odtr
(niehrere) Kinder iialx-n, andcre da.Ljegen kinderlos sind; wenn es nun
passiert, da(5 dieser Mann und seine Kinder (Sohne), sowohl die niit
Kindern verselienen wie die kinderlosen, im Krieg getotet werden, dann
failt der Teil (Erbteii) den Gemordeten, die Kinder und Frauen hinter-
lassen, ihren Frauen und Kindern zu, falls sie nach ihrem Vater
oder zugleicli mil ihm getotet sind. Wenn sie aber vor ihm ge-
totet werden, dann gehort ihre Habe nur ihren Kindern. Und dle-
jenigen, die keine Kinder haben noch ....<-
S. 240, 26. § 6. Die in diesem Paragraphcn behandelte Frage hat
der Verfasser zweimal in der Einleitung gestreift, S. 214, 3: Wenn ein
Mann ohne Hinterlassung von Frau unci Kindern stirbt, wem gehort
sein NachlaB? , und S. 216, 8: Wenn ein Mann ohne Hinterlassung
von Frau und Kindern stirbt, soil seine Habe seinen Briidern und
Schwestern oder seineni iiltesten Bruder gegeben werden?-
Der Text dieses Paragraphen bedarf keiner Erlauterung. Eine
arabische Obersetzung war in Cod. Arab. Vat. 153 Bl. 220 b vorhanden,
ist aber fast bis zur Unkenntlichkeit zerstort.
Der Ausdruck voni Erbe seines Vaters bedeutet hier: von
der Habe, welche sein Vater zu Lebzeiten verteilt hat.
S. 240, 35. § 7. in der Fragestellung ist zu beachten, dalJ die
andere Frau, welche der Mann heiratet, im Oegensatz zur ersten Frau
eine Frau ohne Teilhaberschaft an seiner Habe, ohne Giitergemeinschaft
mit ihm ist, wie im Wortlaut der Antwort angegeben.
Von Ehe mit oder ohne Giitergemeinschaft ist bereits in den
Anmerkungen zu § 4 die Rede gewesen. Die Giitergemeinschaft, die
in diesem § 7 gemeint, ist derartig, daB der Mann bei dem Eingehen
der Ehe kontraktlich seine Frau und die Kinder ihrer Ehe zu Teil-
habern an seinem Vermogen erkiart.
Der aus dem Kontrakt zitierte Wortlaut iiber die Giitergemeinschaft
zwischen Mann, Weib und Kindern scheint auf den ersten Anblick
bedenklich. Wenn die Kinder der ersten Frau wirklich Teilhaber, d. h.
Mitbesitzer an dem gemeinsamen Vermogen ihrer Eltern sind, wenn
dies Vermogen dem Vater, der Mutter und den Kindern, und
nach dem Tode der Mutter dem Vater und den Kindern gehort,
so konnte man daraus folgern, daH nach dem Tode des Vaters diese
Kinder die einzigen Erben seines Vermogens, also die Kinder der
zweiten Ehe von seiner Erbschaft ausgeschlossen seien.
Anders unser Bischof Simeon. Er laBt die Kinder der zweiten
Fran, obgieich er weder diese Frau noch ihre Kinder kontraktlich zu
Teilhabern an seinem Vermogen erkiart hat, mit den Kindern der ersten
Ehe zu gleichen Teiien den gesaniten NachlaH ihres Vaters erben, be-
trachtet also das Anteilsrecht der Kinder aus erster Ehe als nicht vor-
handen. Es hat danach den Anschcin, als habe Simeon die Sozietat
eines Mannes mit seiner Frau und seinen mit ihr gezeugten Kindern
als durch ilen Tod der Frau aufgelost betrachtet. Denselben Fall mit
besonderer Begriindung s. bei Jesubocht V, V § S.
Wenn man den Ausdruck ihre Habe und ihr Ante il (Text
S. 243, 5) nicht allgemein als eine Bezeichnung fiir ihre Teilhaberschaft
an dem Vernuigen ihres Mannes auffassen will, kann man das erstere
als ihre Mitgift o'l^/mj und das letztere als ihren Anteil an dem Ver-
mogen ihres Mannes auffassen. In dem Fall wiirde das gemeinsiinie
— 355 —
Vermogen bzw. der NachlalJ des Mannes bestelien a) aiis dem, was
er hat und erwirbt, und b) aus dem, was die Frau niit in die Ehe
gebracht hat.
Fur die erbrechthche Stellung der Kinder ist zu beachten, daH
die unverheirateten Tochter die Halfte von dem Erbteil eines Sohnes
erben {§ 13).
Aus dem SchlulJabsatz der Antwort diirfen wir entnehmen, daB
in dem guterrechthchen Kontrai<t, der bei dem Eingelien einer Ehe
abgeschlossen wurde, die verschiedensten Kiausehi vorgei<ommen sein
mogen, wie z. B., da(5 der Nachlali des Mannes, falls er ohne Erben
sterbe, der Kirche zufaiien solie, oder ahnliches.
Von der arabischen Version ist nur ein Teil eriialten in Cod.
Arab. Vat. 153 BI. 174 b, 4 von unten:
Simeon der Perser: Wenn die Habe des Mannes und der Frau
vermischt ist, wenn er von ihr Kinder hat, und sie dann stirbt; wenn
er eine andere heiratet, audi von dieser Kinder hat und nun testament-
los stirbt; wenn das Obereinkommen zwischen ihm und der ersten
Frau Idar ist, und dalJ (sic) ihre Habe und ihre Kinder ihm gehoren;
wenn sie stirbt, kehrt ihre Habe zu ihrem Gemahl zuriick. Wenn er
dann eine andere heiratet und nun stirbt, wird verteilt . . . .
S. 242, 17. § 8. Auch dieser Paragraph scheint mir in der Haupt-
sache bestimmt, die erbrechtiiche Stellung der Witwe zu sichern, wie
die §§ 1. 9. 5. 19. Wie in § 1 bestimmt ist, dal5 bei Konkurrenz von
Mutter und Briidern des Erblassers nur die erstere zur Erbschaft berufen
wird, so gibt ihr dieser Paragraph dasseibe Recht auch in der Kon-
kurrenz mit den Schwestern des Erblassers. Was aber in diesem
Paragraphen besonders wichtig, ist der Umstand, dal5 ihr dies Erbrecht
selbst in dem Fall gesichert wird, wenn sie nach dem Tode des Erb-
lassers sich wieder verheiratet. Man hatte wohl so deduzieren konnen:
Durch die Ehe mit einem andern Manne ist die Frau aus der Gemein-
schaft mit dem ersten, dem verstorbenen Manne ausgeschieden, und
damit auch aus den Rechten dieser Gemeinschaft. Danach hatten die
Schwestern zur Erbschaft berufen werden miissen, nicht die Witwe.
Wenn ich nicht irre, ist auch dies Gesetz eines von denjenigen, durch
welche Simef)n der Witwe den Weg zur Wiederverheiratung zu ebnen
und zu sichern sucht (s. § 3).
In der Fragestellung diirfte der die Tochter betreffende Passus
besagen, dal5 einige der Tochter verheiratet sind und damit das Erb-
recht gegen ihren Vater verloren haben, andere dagegen unverheiratet
und noch am Leben sind. Diese letzteren haben noch ihr voiles Erb-
recht gegen ihren Vater, trotzdem wird ihre Mutter, obgleich sie einen
zweiten Mann geheiratet hat, ihnen als Erbin vorgezogen.
S. 242, 26. § 9. In weiterer .Ausfiihrung der §§ 1 und 8 schiitzt dies
Gesetz die ihren Gemahl beerbende Witwe gegen etwaige Anspriiche
seiner Bruder oder Schwestern.
S. 242,36. § 10. Oemeint ist, da(5 ein Mann, also ein Erwachsener,
nicht berechtigt ist, tlie Herausgabe seines Erbteils von seinem Vater,
solange dieser lebt, zu fordern. Dies Gesetz erieidet aber zwei Ausnahmen:
:!;■>(',
1. 1st iler ervvachsene Sohn tiiircli ein korpcrlidies Leiden erwcrbs-
unfaliiy, dann soil sein Vater ihn von seiner (des Vaters) Habe erbeii
lassen. Icii verstehe dies so: Der Vater soil ihm die Mittel des Unter-
iialts j^ewahren, ihm etwas von seinem Vermoj^en als Erbteil iiber-
weisen, obwolil er, der Vater, noch lebt, darf abcr in seinem Testament
diesen Betrai; in Rechnuni^ setzen, il. h. bestimmeii, da(5 dem betreffenden
Erben von dem ihm vermachteii Erbteil dasjenige abgezogen werden
soil, was ihm der Vater-Erblasser schon zu Lebzeiten iiberwiesen hat.
2. Zu dem Wortlaut betreffend den zweiten Fall ist zii bemerken,
dali das Wort Sohn li3 hier vvahrscheinlich den Sinn von Kind
haben diirfte, denn die Verpflichtung des Vaters muB dieselbe gegen
cine unverheiratete Tochter wie gegen einen Sohn gewesen sein. Ferner
diirfte das Wort .lY^.p, li. i. mini iiiidiges Kind, als Obersetzung
ilem persischen Original nicht ganz gerecht geworden sein, denn es
kaiiii hier nicht ein unniiindiges Kind gemeint sein, sondern ein
Erwachsener, welcher kindisch, also geistig minderwertig und dadiirch
erwerbsunfahig ist. Eine solche Bedeutimg wohnt aber dem syrischen
l\\. Z«j>\y nicht inne. Dal3 der Vater verpflichtet ist, fiir ein geistig
nicht normal entwickeltes Kind bis zum Mijndigkeitsalter zu sorgen,
ist selbstverstandlich und kanii hier nicht gemeint sein. Ich verstehe
daher den zweiten Fall so: Wenn ein Mann ein erwachsenes Kind
(Sohn Oder unverheiratete Tochter) hat, das infolge psychischer Mangel
erwerbsunfahig ist, dann verpflichtet das Oesetz seinen Vater, in der
Weise fiir dasselbe zu sorgen, daB er, solange er (der Vater) lebt, es
unterhalten muB, dal5 er aber diese Kosten in seinem Testament in
Anrechnung bringen, d. h. bestimmen darf, daI5 der diesem Kinde zu-
fallende Erbteil urn dasjenige geringer sein soil, was der Vater ihm
(dem Kinde), seitdem es miindig geworden, zugewiesen hat.
In der arabischen Version Cod. Arab. Vat. 153 Bl. 206 b, 11 lautet
dieser Paragraph folgendermaBen:
Jjl ^^ L^l ;^A. V jl jlLL. aJ ■<;x. ^j j jig' life U^l UsA. Y jl
f^A JU j^ Vl a! iL^ Vj j-1- j\ l^ >* ^j jU")!] jlS' jL* '^-^•r" J
.4j1^^ •w jl jyf-^ yVJ
Dieser Text, der wesentlich vom syrischen Original abweicht,
bedeutet:
Simeon: Wenn die Gemahlin oder der Sohn zu Lebzeiten des
Oemahls und des Vaters einen Erbteil verlangen, konnen sie (Gemahl
und Vater) ihn ihiien verweigern. Wenn es (dies) zur Zeit seines
Todcs geschielit (d. h. wenn diese Forderung an den sterbenden Ge-
mahl oder Vater gerichtet wird), ist er (Gemahl oder Vater) berechtigt,
ihn ihnen zu verweigern. Wie viel mehr, wenn 7A\ seinen Lebzeiten
(diese Forderung an ihn gerichtet wird). Wenn aber der Mann ein
Kind hat, das entweder unmiindig oder dauenul kriinklich ist und nicht
anders als von der Habe des Vaters leben kann, ilann darf er ihm
nicht seine Erbschaft verweigern.
S. 242, 44. § 11. Der SynodalbeschluB, auf den sich Simeon beruft,
ist ^ \2 der Synode des Mar Ezechiel vom jahre 576 (s. I. B. Chabot,
Synodicon Orientale S. 379). Vgl. anlxTdem den .'Xbschnitt Sklaverei
in iiieiner Schrift Von ilen reclitlichen Verhaltnissen der Christen im
Sasanidenreich S. 24. 25.
I
Aus dor einsclirankeiulen Bemerkiinjj dcs letzten Absatzes Man
soil aber diesen Orundsatz iisw. dart" man entnehnien, dali in ver-
schiedenen Landern der nestorianischen Cliristenlieit der Grnndsatz,
ein Freigelassener kcinne Kleriker werden, nicht iinbestritten yjewesen ist.
S. 244,32. § 13. In dem Passus >.Weil den Sohncn dor Besitz v(in
ilireni X'ater iisw. liegl dor Nachdruck auf don Worten auf ilom Wege
der Vererbnng. Der natiirliche Verlaiif der Din»e ist der, dali
a) die Tocliter heiratet, in die Familie ihres Gemahls iibertritt
und daniit aufhort Erbin Hires Vaters zu sein;
b) dali der Solin seinen Vater beerbt, seine Familie nnd seinen
Namen fortpflanzt.
Auf solche Weise geht das vaterliche Vermcigen in den meisten
Fallen diirch Vorerbung auf den Sohn fiber, wahrend nur ein Toil des-
selben als Mitgift oder etwa als Legat (§ 2) auf die Tochter iiber-
zugehen pflegt.
Der Ausdruck 03P'3».aa.je sich zu iiiiten, in aciit zu
n eh men ist ein alter Fehler. Man erwartet oinen Ausdruck wie sich
auszuriisten, ausgeriistet zu sein, etwas wie opop%iO>S.
DerVerfasser erwahnt in der EinleitungS.214,5 die Fiage, obSohne
und Tochter gleich erben, oder ob die Sohne bevorzugt werden sollen.
In der Begriindung des Satzes, daB die Tochter unter Umstanden
etwas mehr erben soil als die Halfte eines Sohnesanteils, zeigt sich
wiederum das Streben Simeons, alles zu verhindern, was zur Unzuclit
fiihren kann, in § 3 in bezug auf die Witwe, hier in bczug auf das
noch nicht yerheiratete Madchen.
Fine Obersetzung des ganzen § 13 finde ich boi dem Araber
nicht, aber auf den letzten Absatz desselben diirfte sich die folgende
Stelle Bl. 208 a 12 beziehen:
t>Vl Jfr j2air_« ^j\^rrJ W^ J "-^^ *^ ^^-''' '^^ <^-!. ^ i*^
Simeon ist der Ansicht, dali man fiir die Tochter, fiir ihre Be-
diirfnisse und Ausriistung sorgen und sie vor dem Sohne bevorzugen
muB, damit sie keine Veranlassung hat, ungehorige Dingo zu begehen.
S. 246, 11. § 14. Ober die Versorgung des verkruppelten Kindes
vgl. § 10.
Wie der Verfasser in § 13 bestimmt, daB die ihren Vater be-
erbende Tochter, falls ihr Erbteil fiir ihre berechtigten Anspriiche nicht
ausreicht, etwas mehr bekommen soli als ihr de jure zusteht, so verfiigt
er hier dasselbe zugunsten eines verkruppelten Kindes, dessen Erbteil
zur Bestreitung seiner Bediirfnisse nicht ausreicht.
S. 246, 22. § 15. Der Fall ist folgender: es sind vorlianden
a) rechte Geschwister, namlich Briider und einc verheiratete
Schwester;
b) die Mutter dieser Oesciiwister, weiche Witwe ist.
Nun stirbt einer der Briider, ohne Kinder und sonstige Erben und
ohne ein Testament zu hinterlassen. Was geschieht mit seinem NachlaB?
1. Die Schwester gilt als durch ihre Heirat aus der Familie ihres
Vaters ausgeschieden (§2). Daraus folgt, daB sie auch aus der Erb-
gemeinschaft mit ihren rechten Geschwistern ausgeschieden ist, also in
dem vorliegenden Fall nicht Erbin ist.
Simeon bemerkt, daB dieser Satz nicht unbestritten gewesen sei.
In friiheren Zeiteii hatten die Loiter der Kirche anders entschiedcn,
— :^r)8
wir erfaliren aber iiicht, wie sie deiin entschieden liaben. Ob sie ctwa
ilcr vcrlieirateteii Schwester die Halfte von deni Erbteil eines Bnidcrs
zii.t;cbilli.t>t liabcn? — Dies mag mm sein wie es will, Simeon cnt-
sclieidet sicii trotz mehrfacher Opposition fiir den oben erwahnten
Rechtssatz.
2. in betreff der Witwe, der Mutter, der Briider werden zwei
Situationen unterscliieden :
a) Ihr Gemaiil, der Vater ihrer Sohne, ist soeben j^estorben, sein
NachlaH nocii niclit imter seine Erben, d. i. seine Sohne verteilt. Nun
stirbt einer der Sohne ohne Hinterlassung von Kindern und sonstigen
Erben imd ohne Testament, bevor er nocli den iimi zusteliendcn Erbteil
in Besitz genomnien iiat.
In dieser Situation sieht unser Gesetzgeber den gesamten NachlaB
als gemeinsames Familienvermogen an. Da nun die Witwe, die
durch die Heirat in die Familie ihres Mannes eingetreten, durch seinen
Tod aus seiner Faniiiie wieder ausgeschieden, ihr fremd geworden ist,
so hat sie keinen Teii an dem nachgelassenen Familienvermogen.
Mit anderen Worten: In dieser Situation wird der verstorbenc Bruder
von seinen Briidern beerbt, luid seine Mutter geht leer aus.
b) Die zweite Situation ist foigende: Der Familienvater ist langst
gestorben, sagen wir: bereits vor lOJahren. Sein NachlaB ist iiber seine
Sohne verteilt. Das Vermogen dieser verschiedenen Bruder hat nun nicht
mehr den Charakter des Familienvermogens, sondern es ist indi-
viduelles Eigentum. Wenn nun einer dieser Bruder stirbt, ohne Erben
und Testament zu hiiiterlassen, danii beerbt ihn seine Mutter, nicht
seine Bruder, denn seine Mutter ist ihm naher verwandt als seine Bruder.
Diesen Rechtssatz hat der Verfasser bereits in der Einleitung S. 216, 12
erwahnt.
Diese sub a und b vorgetragenen Ansichten bezeichnet Simeon
als diejenigen der Richter von drauBen, womit er nach meiner An-
sicht nichtchristliche, heidnische Richter meint. Im Gegensatz zu diesen
erwahnt er dann im folgenden die Kirche, und als Ansicht der Kirche
stellt er den Grundsatz auf : Der Verstorbene wird zur einen Halfte von
seiner Mutter, zur andern von seinen Briidern beerbt.
Trotzdem scheint Simeon seiner Sache nicht sehr sicher zu sein,
denn der letzte Absatz dieses Paragraphen besagt, dafi seine Ansicht
bisher nicht gegolten habe, und dal5 vielmehr das bisherige Verfahren
auch noch weiterhin gelten werde, da eine solche Frage nicht dutch ein
Gesetz bestimmt werde, sondern durch den consensus.
Es ist mir nicht ersichtlich, wen der Verfasser mit den Richtern
von drauBen meint. Etwa zoroastrische Richter? Muslimische konnen
nicht gemeint sein, denn im Islam wird die Mutter des Erblassers neben
seinen Geschwistern zur Erbscliaft berufen.
S. 248, 19. 26. § 16. 17. Zu dem ersten Fa!l ist zu bemerken, daB
der Bruder bzw. seine Desziendenz dem Erblasser naher steht als der
Bruder seines Vaters, und ziun zweiten Fall, daB der Tochtersohn des-
halb nicht erbt, weil seine Mutter als durch ihre Ehc aus der Familie
(= Vater und Mutter) des Erblassers ausgeschieden gilt (s. § 2 und 15).
Von dieseni letzteren Grundsatz weicht Simeon ab, indem er in
der Konkurrenz zwischen Tochtersohn und Bruderssohn dem ersteren
den Vorzug gibt. Denn nach seinem in den §§ 2 und 15 dargelegten
_ Prinzip sollte der Tochtersohn infolge der Heirat seiner Mutter als aus
' der Familie des Erblassers ausgeschieden gelten. Wenn ihm aber hier
der Vorzug gegeben wird, so geschieht es deshalb, weil er ein direkter
Deszendent des Erblassers, nicht ein Seitenverwandter ist.
Einen Reflex dieses § 16 kann man in dem ersten Teil des folgenden
arabischen Textes Bl. 205 b fintlen:
359 —
a.V ^•lv^i Jt^ <j\
-?>>
o
Vl a! .
-> v..
jUl oU jl
Jr—
^Vjl <l ^C i j\
^ »^V.
;V
^\jJi K^J "^l jUVl
oU IJI
li^lij
(^Jf
^--'
>' r^i
4lll vlaJ
^ (n~
^^\ ■*^- -Sj
.4iw>«
.Li^V
^\A\
J^ <Ua
Simeon. Wenn jeniand stirbt, oline eincn anderen Yerwaiuitcn
zu hinterlassen als eineii Vaterhnicierssohn oder Miitterhruderssohn
(syrischer Text: Kruderssoliii), dann ijehort sein NachlalJ liem ersteren.
Im alljjenieinen, wenn jeniaiui oline Testament stirht, sj;eli()rt sein Erbe
seinen Kindern. Wenn er aher keine Kinder liatte, wind sein Naclilali
in drei Teile tjeteilt, einen fiir das Haus Gottes, einen fiir die Witwe und
einen fiir seine Verwandten. Wenn er abcr seine Gemahlin in seinem
Testament von seiner Erbschaft aiisschlieHt, wird sein Testament nicht
angenommen- (d. h. ist sein Testament nicht rechtsi<raftiu;).
Die arabische Version faBt den zweiten Absatz von § 16 umi 17
zusammen auf Bl. 152 b 4 von iinten:
•(jVI Cry >L>\j<^^ 7-\ ij\j C'^ ctL* »^^ <j vi-iii-j '\^\ C)'L jlj
Simeon der Perser: Wenn ein Mann stirbt imd einen Tocliter-
sohn und einen Bruderssohn hinterlal5t, geliort seine Erbschaft dem
Tochtersohn.
Wenn eine Frau stirbt imd einen Tochtersohn, Sohnessohn und
Bruderssohn (syrischer Text: Bruder) hinterlalU, gehcirt ihre Erbschaft
dem Sohnessohn.
S. 248,33. § 18. Es ist aus Simeons Wortlaiit nicht zu erschen, oh
er in dem ersten Absatz einen Apostaten von der zoroastrischen Religion
oder einen Apostaten vom Islam meint. Im Islam kann ein Niclitnuislim
unter keinen Umstanden einen Muslim heerben. Das Umgekehrte da-
gegen, dafJ unter Umstanden ein muslimisches Kind seinen christ-
lichen Vater beerbt, vviirde — trotz Simeon — in einem islaniischen
Lande nicht immer durch christliches Gesetz verhindert werden konnen.
Vgl. mein Muhammedanisches Recht nach schafiitischer Lehre, 1897,
S. 206. 207.
S. 248,47. J? 19. Dieser Paragraph besagt, dalJ die Kinder der ersten
Frau keinerlei Vermogensanspruch gegen das Eigenfum der zweiten
Frau haben, daB das Eigentum der Witwe durchaus ihr aliein untersteht
und gegen etwaige Velleitaten ihrer Stiefkinder geschiitzt werden soil.
Wenn ein Mann, der bereits eine Frau, von der er Kinder hat, durch
den Tod verloren hat, nach zweiter Ehc stirbt, so bekommt seine Witwe
aus seinem NachlaB (auBer der ihr gehorigen Atpvi], cwjiea und dem ihr
wahrend der Ehe zugefalienen Vermogenszuwachs) die Kosten des Unter-
halts und der Wicderverheiratung, letztero falls sic eine neue Ehe ein-
gehen will. Dies ist ihre rein individuelle Habe, iiber die sie nach Bc-
lieben verfiigen kann, gegen welchc ihre Stiefkinder kein Anrecht haben,
welche, wenn sie, die Kinderlose, ohne Testament stirbt, iliren Biutsver-
wandten (Eltern, Geschwistern usw.) zufallt.
Den Unterschied in der Stelkmg der Witwe, ob sie vor der Ver-
teilung des Nachlasses stirbt oder nachher, diirfte nur darin bestehen,
daB sie in erstercm Fall die ihr zustehenden Unterhalts- und eventuellen
Wiederverheiratungskosten noch nicht iiberwiesen bekonnnen hat. Ihre
Blutsverwandten wiirden also in diesem Falle nur ihr Individualeigentum
crben. Dagegen wiirden sie, wenn sie nach erfolgter Verteilnng des
Naclilassc's stirlit, aiilicr ilircni liulivicliialeit(i.'iitimi audi nocli die ilir bc-
rcits iiberwiescnen Uiitorhaltiings- iiiul eventiicllcii Wifclcr\'crhciraliinjjs-
kosten erben.
Fiir das Ei.E^eiitiim der Witwc kommt audi in Betradit, ob sie bei
der Verheiratung eineii Kontrakt auf Giitergcmeinschaft mit ihreni Gemahl
abgeschlosseii liat (s. § 4). Im dcni Falle kommt ihr iiach dem Ableben
ilires Gemahls audi der koiitraktlicli ihr zugesicherte Teil des Oesamt-
vermogens zu.
Die arabisclie Version ist, stellenweise sehr verwischl, auf Bl. 221 a 5
von unten erhalten :
Simeon der Perser: Es stirbt der Gemahl einer Frau nnd hinter-
laBt Kinder, die aber nicht von dieser Frau geboren sind. Bevor noch
der NachlaB verteilt wird, stirbt auch die Frau, und zwar ohne Testa-
ment. Nun ist sie durch den Tod der Faniilie ihres Gemahls ent-
fremdet. Was ihr von seiten ihres Gemahls gebiihrt, kommt, falls sie
seibst keine Kinder hat, ihren nachsten Verwandten zu.
S. 250, 7. § 20. Dieser Paragraph ist auch bei Ebedjesu in seinem
Werke ^la^^A. ill'? JQ»aa\. (Ms. Chabot, BI. 157b 14— 158a 15)
ill folgender Weise iiberliefert;
: lJ\\. ^^OuAcrp Lcx&sa^ A^ "txJO^ ^XmI x^2 l^cr eoTo
bOp* IxfT ^l Uacre ."Lseyjo >^ liso^^ ^ooaa^«s2p ^v^^m Uac^
la-Bax l!^p 1 . VVyP 2^.00^ 2^>^? l^'Lsa^^p .joa&^^^p
.^^oopCMSOL^p «^a^^^ oh,«»1j 1^2 .bu^oJ^'^^p Ja^p^ lA
^jb^po liciaAs L^2e ■♦veg;«\a> ^^oaMji 2JSo\.\."io '.iS^.ao2o
;aL!S 23aL\p .1ia.Ja wJ3 \\,^ : a^X:^ Uaor joepouA-Oae
'..^uya 3\^^^e ^oMXx ^il'i 2«otp .\. .\.t l!S : laauA ao
^Ijaei^ laaap : aaa«X3;^;s2 li'aap^M ^» or^^oA u\\ioV p lio
ci^ ^^2e 23ol\_ XaUA >.l'p l3axiJC3^l2i ^^p ^p« .2pw^auoe
(7;»970Ljy w» .2 2oAl^ >^?? 23iJL.\ 1%*^ : 23a.x* •.,..>.-i
JOcxx^ ^.ose o'c ^is^ u.ero>^l3 0 .L.'aaea ^ v2e 23aA, p
a.\^p ^p^^p L»a>.x : llA.\^ jcx.a '\.^.\ ocfo .dv^i^p eor
^eo;\«p i-&3>3a>^ >3^1^ 2JSa\..AA. ^^.p n\3o .2X>.0L,T'ttN
.l£^o^.> l^p > OlAsXu ^a l^o : lA^p
— 361
»SiiiiC()ii, Erzbischof iler Persis: Ein Maim liinterlalJt stL'iheiui
unmiindige Kinder; cr iibergibt sie der Fiirsorge eines aiuieren Maiines;
darauf stirbt auch der Mann, der diese Fiirsorge iibemonitnen liat; der
letztere betraut wieder einen anderen Mann niit der Fiirsorge fiir diese
Kinder. In dieser Weise ist die Sache meines Wissens von den Vorfahren
gehandhaht worden, und in dieser Weise mu(5 sie audi jetzt gehandiiabt
werden, weii die Verwalter der Kirche das Interesse der Unmiindigen
nicht unbevvacht lassen diirfen, sondern sich bestandig der Fiirsorge um
dieseiben annehmen und (hierbei) Fleili und Eifer zeigen niiissen.
Auch sehe ich, dali in den Canones des seiigen Catholicus Jesujabh
dasselbe bestimint ist, und in lier Synode ist also geschrieben: .Betreffend
Kleriker. Ein Kleriker darf nicht das Geld anderer Menschen nehmen
und damit Handel treiben' aulier (add. iSl) wenn ihin von seiten der
Verwalter (der Kirche) der Auftrag gegeben ist, Waisen und vereinsamte
Menschen (sic! Witwen?) Gewinn erzielen zu lassen. -
Wenn ein Mann stirbt und unmiindige Kinder hinteriaBt, muB der
Bischof einen gottesfiirchtigen Mann zu beschaffen suchen, sei es aus
der Verwandtschaft des Verstorbenen, sei es von Fremden, und dem muB
er den NachlaB des Verstorbenen fibergeben. Dieser niuB fiir die Un-
miindigen sorgen so lange, bis er weiB, daB sie niiindig geworden.
Mit ganzem Eifer soli der Verwalter (der Kirche?) fiir die Unmundigen
sorgen, und sie sollen nie ohne Pfleger belassen werden. «
Die zweife Halfte dieses Paragraphen findet sich auch bei Ebed-
jesu, Collectio canonum synodicoruni ed. Mai S. 243 in Scriptoruni
veterum nova collectio, toni. X, Rom 1838), beginnend mit: In der
okumenischen Synode ist geschrieben, daB ein Kleriker das Geld
anderer Menschen nicht nehmen soil usw.
Der Synodal-Canon, auf den der Verfasser Bezug nimmt, ist
Nr. XVI des Konzils des Catholicus Jesujabh I. vom Jahre 585 (s. Chabot,
Synodicon orientale S. 412). Im iibrigen vgl. meine Schrift Von den
rechtlichen Verhaltnissen der Christen im Sasanidenreich S. 23. 25 und
Dr. Riicker, Die Canones des Simeon S. 54.
S. 250,35. § 21. Dieser Paragraph hat zur Voraussetzung, daB nach
Simeon ein Vater seinem Sohn eine Sache (z. B. eine Herde Schafe)
schenken durfte. Ob hierbei der Sohn als noch unter der patria potestas
stehend oder als bereits aus derselben entlassen zu denken ist, ist nicht
zu ersehen, da in Simeons Gesetzen die patria potestas iiberhaupt nicht
erwahnt wird.
Eine solche Schenkung konnte miindlich oder schriftlich gemacht
werden. In letzterern Falle muBte deutlich angegeben werden, ob das
donum die Substanz allein ohne den NieBbrauch oder der NieBbrauch
ohne die Substanz, oder Substanz und NieBbrauch zusammen war.
Und wenn eine schriftliche Urkunde dieser Art nicht vorhanden war
(und wenn Zeugen der miindlichen Schenkung nicht existierten), dann
konnte allerdings uber die Natur der Schenkung keine Entscheidung
getroffen werden auBer durch einen ProzeB.
Nach Ebedjesu im ;U&^akX li-? JCa^o^ (Ms. Chabot, Bl. 140a)
konnte ein Mann sowohl seinem unmiindigen (noch nicht 15 Jahre alten)
wie seinem miindigen Sohne ein Geschenk niachen, konnte es aber
beiden wieder abnehmen, dem letzteren in dem Falle, wenn er den alt
und erwerbsunfahig gewordenen Vater nicht in der gebiihrenden Weise
ernahrte und unterhielt.
S. 250, 41. § 22. Ober die Stellung der Kinder der Sklavin und den
Grundsatz Partus sequitur ventrem s. § 12. Wenn Mutter, Bruder und
Schwester des Erblassers alle noch leben, erbt nur die Mutter unter Aus-
schluB der Geschwister (nach §8 und 15).
— 362 —
III cicni arabisclieii Text wiril iKicli als ein Gcset/ Simeftns, das sich
aluT ill iliosen 22 I'arasxrnpheii iiicht fiiulet, das folgende zitiert: Wenn
ein Mann Vatcr iiiul Mutter hintL-rlafit, soil der Vater seinen ganzen Nach-
Ial5 erben. Text Bl. 221a und b:
ill '^yij jOdl >~>yi f-_^l AX '<-^\j ^1 ^J^j oL J=-j
Tj- U-ilv olj^il J/" ^r'J^^^J ^">^ 3^\ Jy* (Bl. 221b) o^_^(_,
»Wenn ein Mann stirbt und Vater und Mutter hinterlaBt, dann
soli nach Ebedjesu der Vater 2/3, die Mutter ' 3, nach Jesubocht (IV, I § 10)
der Vater das Ganze erben; nach Timotheus (§87) sollen Vater und
Mutter den Nachlali zu gleiclien Teilen erben, wahrend nach den grie-
chischen Konigen (d. i. Leges Constantini Theodosii Leonis, wo?) sowie
nach Simeon der Vater das Ganze erbt.
Anmerkungen
Eherecht
des
Patriarchen Mar Abha.
365
S. 259, 5. Mit dem Inhalt dieses Traktats ist ein Sendschreiben des-
selben Verfassers Cher die Rechtleituna: der Giaiibigen (d.i. der Christen)
.Tt*n.gp03 IxaiAOJ^ Ax 2t^3k^2 zu verjjlelchen, das ediert ist von
Bedjan auf S. 274 — 2S7 eiiier Histoire de Mar-Jabalaha, de trois autres
patriarciies, d'un pretre et de deux laiques Nestoriens, Paris, Leipziij 1895,
iind iibersetzt von O. Braun, Bucii des Syrchados, Stuttgart und Wien 1900,
S. 127—133, sodann wieder ediert und iibersetzt von }. B. Chabot, Syno-
dicon orientale, Uberset_zung S. 332— 338. Ini Synodicon fiihrt dies Send-
schreiben den Titel Ober die ~o\ire,'a des gerechtcn Lebens-
vvandels UJoi>> I'ijopp U\.a^o5 \x.
Inhaltlich ist ferner zu \ergleiclieM der § 3S der Caiiones unseres
Mar Abha bei Braun, a. a. O. S. 143 und Chabot, a. a. O. S. 561, der
wortlich aus dem Sendschreiben Ober die TroKirela usu^. entnommen ist,
und auBerdem niehrere Stellen in der bei Bedjan S. 205- 287 ab-
gedruckten Vita unseres Patriarchen, besonders S. 235, 5. 6; 238,6—8;
S. 254, 4. 5.
S. 259, 35. Von diesen Arten der copulatio sind 3. und 4. be-
merkenswert. Was versteht Mar Abha unter der letzteren, der copulatio
cum muliere viri? Man sollte meinen, dal5 damit nur der Ehebruch be-
zeiclmet sein kann, indessen dieser ist bereits unter Nr. 1 erwahnt. Der
Verfasser spricht hier von Qebrauchen unter Nichtchristen. Ob er viel-
leicht an die Leviratsehe gedacht hat? Oder etwa an die Ehe mit einer
Witwe?
Was die dritte Art, die copulatio zum Zweck der hntjungferuiig
usw. betrifft, so ist die Angabe leider nicht so deutlich uiul ausfiihrlich,
wie man wohl wiinschen mochte. Mar .\bhk handelt jedenfalls von
einem zu seiner Zeit bestehenden Branch. Der Ausdruck durch heiil-
nische Priester legt die Vcrmutung nahe, dalj ein bei einem Heiligtuni,
z. B. einem Ischtartempel, bestehender Branch gemeint ist, etwa eine mit
gewissen Traditionen zusammenhangende, urspriinglich als Opfer fiir
die Gottheit gedachte Entjungferung, die dann im Laufe der Zeit in
erster Linie zu einem Institut der Prostitution geworden war. Eine
solche Sitte ist mir anderweitig nicht bekannt, ich mochte aber auf fol-
gende Stelle bei Strabo (ed. Kramer 111, S. 277, 21ff.) verweisen: nd<Tais
oe rats BajivKojx'iats tOos Kara rt Koytov ^^vm iti'yvru-Oai, Trptis -i 'A<j>pocifnov
a<inKOfi€vats fi€Ta TToKKtjs Oepatreias Ktn o^\ov 0o*fityyi r' htrTeTTTai tKafrrtj' ore
irpofTtotv Karafie]s erri -a yovara^ oa-ov Ka\o>s ey^i apyuptov, <rvyyi\'€Tm, ttTro^Oev
Toii Tf/Aevons aTtayaywv r'o o I'lpyvpiov itpov ri;s 'A<f>po?!Tijs vo/iiferni. In dicser
Beschreibimg der Sitte der Babvlonierinnen ist zwar von Entjungferung
und von den heidnischen Priestern nicht liie Rede, doch aber scheint
es mir nicht ausgeschlossen. daB zwischen den von Strabo und Mar
Abha beschriebenen Sitten ein innerer Zusaminenhang besteht, unci daH
aus einer im ersteii Jahrluindert n. Chr., der Zeit Strabos, bestehenden
Tempelsitte im Laufe der Jaiiriiunderte bis zur Zeit Mfir Aiihas (t 552)
dasjenige geworden war, was letzterer erwahnt.
— 366 —
Es frajjt sicli nun, bei welchcm Brucliteil cicr Bevolkcriiiig des
Sasanidciireichs die von Mar Abha geiiannte Sitte ini Schwantje war.
In dcm § 38 der Canones iinseres Mar Abha (s. Chabot, Synodicnn
Text S. 550,3. 4; Obersetziing S. 561 iind Bedjan, a. a. O. S. 281, 13. 14)
werden von der Bevoikerung des Sasanidenreichs zu seiner Zeit aiiBcr
den Christen folgende drei Elemente erwahnt: Magier ixo\», Jiiden
und Heiden jAJIm. Er iintcrschcidet S. 268, 20 Perser und Heiden.
DaB nun Mar Abha in seiner Beschreibiing eine heidnische Sitte im
Aiige hat, wird nahegelegt durch den Ansdrnck 23bMOLA kiimrc, da
dieser kauni etwas anderes als cinen heidnischen Priester, schwerlich
einen zoroastrisciien Mobed bezeichnen kann. Auch ist es absohit un-
vvahrscheinlich, dalJ Mar Abha einen zoroastrischen Branch gemeint
haben sollte, denn eine solche devirginatio und fornicatio hat sicher
niemals bei einem Feueraltar der Mazdaverehrer stattgefunden.
Wir niiissen daher anneiiinen, daH Mar Abha in Nr. 3 seiner Auf-
zahlung eine Sitte der Heiden seiner Zeit beschreibt. Welcher Art war
aber dies Heidentnin, diese heidnische Religion? Reste des alten baby-
lonisch-assyrischen Ischtarkultus? — Diese Frage weiteren religions-
geschichtiichen Studien anheinistellend, fiige ich nur noch hinzu, daB
Mar Abha selbst vielieicht aus diesem Heidentum, nicht aus dem
Mazdaismus hervorgegangen war.
S. 261,56. Der hier unter 3. ausgesprochene Gedanke des V'er-
fassers, daB dem Manne durch die Exogamie und die dadurch gegebenen
verwandtschaftlichen Beziehungen zu der Familie seiner Fran ein Zu-
wachs friedlicher und freundlicher Harmonic mit anderen Menschen
zuteil werde, ist ahnlicii und noch ausfiihriicher im Ehereciit des Jesu-
bocht dargelegt (s. oben S. 31).
S. 265, 19. Der Passus S. 265, 16—267, 5 ist bereits von Professor
O. Braun veroffentlicht in Synhados S. 143, Anm. 2 und Zeitschrift der
DMG., Bd. 57 (1903), S. 562ff. Vgl. auch Spicilegium Syriacum S. ?-.,
16ff. Die persische Inzestehe, chvaetvadatha im Avesta, im Pehlewi
chwetukdas und chwetodatih genannt, wird von dem Lyder Xanthos in
seinen Maytm schon nm 4S0 v. Ciir. bezeugt (s. Windischmann, Zoroastri-
sche Studien S. 269) und ist meines Erachtens auch im -Avesta erwahnt
(anders Hiibschmann in der Zeitschrift der DMG. 43, 308 ff.). Fiir die
Geltung der Inzestehe sind auBer den oben in der Anmerkung zu S. 37,28
gegebenen Stellen im Menoikhirad die folgenden zu vergleichen: Im
Bundehesch erscheint in Kap. XXXV die Inzestehe als ein Palladium
der Ormazdschopfung, gegcn the Ahriman nichts auszurichten vermag.
Im Arda-Viraf (Ausgabe von Hoshangji, Haug und West, Bombay-
London 1872) erscheint der Weise als verheiratet mit sieben Frauen, die
alle seine Sclnvestern sind (Chapter II). Wer in dieser Verwandtenehe
lebt, kommt in den Hinimel (Ch. XII); wer sie bricht, kommt in die
Holie (Ch. LXXXVI). Ober den Inzest in der zervanitischen Schopfungs-
theorie s. weiter unten S. 308.
Lehrreich fiir die praktische Bedeutung der Verwandtenehe ist die
Schilderung Jesnbochts (s. oben S. 37) davon, wie sie den Zwecken per-
sonliclier Habsnclit dienstbar gemacht werden konnte.
Gegen diese Eiie richtet sicli der intransigente Kampf der Vater
des ostlichen Christentums. Demjenigen Christen, der vor seiner Be-
kehrung mit einer Blutsverwandten, Mutter, Schwester, Tochter, ver-
heiratet war, wird ein Termin von cinem Monat bis zu einem Jahr zur
Auflosung dieser Ehe gegeben. Lost er sie nicht, so wird er mit .\us-
stoBung aus tier Kirche bestraft, bis er sich bessert (s. Sendschreiben
— 3t;7 —
des Mar Abha bei Bedjaii, a. a. O. S. 282. 283). Die Verwaiidtenehe inul5
aber so tief im BewuBtsein und in der Vorliebe der Perser gewurzelt
haben, dal5 sie auch dann, wenn sie Christen geworden waren, den
dringenden Wunscii hegten sie beizubehalten. Verlangten nun die
Bischofe von ihnen die Losiing ihrer Ehe, dann wandten sie sich sogar
an die persische Behorde mit der Bitte urn deren Vermittlung dafiir, daG
ihnen gestattet werden moge, ihre Ehen auch iin Christentum beizu-
behalten. In der Vita des .Mar .Abha wird erzat'ilt, dali die Magier von
ihm verlangten, er solle schriftlich erklaren, da() er die mit Vatersfrau,
Schwester oder Schwiegertochter verheirateten Personen nicht aus dein
Christentum ausstoBen werde (Bedjan, a. a. O. S. 238, 5 -8). Der per-
sische Oberpriester fordert ihn auf, er solle doch wenigstens diejenigen
Personen in die Kirche aufnehmen, die in der Zeit, bevor Abha Patriarch
wurde, also wahrend des Schismas, solche Ehen geschlossen batten.
Der Patriarch lehnt allemal bedingungslos ab, natiirlich bei Gefahr seines
Lebens (s. Bedjan, S. 235, lOff.). Wenn man dem Biographen Mar Abhas
glauben darf, ergibt sich die auffallende Tatsache, dal5 die persischen
Behorden den Reichsangehorigen auch dann noch ihr Interesse zu-
wendeten, wenn sie vom Mazdaglauben abgefallen und zum Christentum
iibergetreten waren.
Die Ehe mit der Mutter wird von Strabo ais eine Sitte der Naba-
taer erwahnt (XVI, 4,25, ed. Kramer, S. 340, 11 iiiymv-a « Km fit]Tpd<ri).
Von den Tragern soldier Ehen erwahnt Mar Abha (S. 265, 24. 25)
vier Personen: Zerdust, Westasp, Kai Khusrau und Farkhim Bar Ar-
tabagan.
Was Zerdust-Zoroaster betrifft, so hat der Verfasser vielleicht an
eine solche Tradition gedacht, wie sie im Dinkard (Sacred books of the
East vol. XXXVII, translated by West, Oxford 1892) S. 299 vorkommt,
wo es hei(5t, daB Porucast, die Tochter des Zoroaster, sich ihm in die
Ehe (zanciih oder neSmanih, d. i. Ehe, nicht womanly service, wie West
ubersetzt, vgl. auch S. 382, Abs. 9) gegeben habe. DaB diese Auffassung
der Stelle die richtige ist, wird auch dadurch gestutzt, daB in den gleich
darauf folgenden Zeilen (S. 300) die Rede ist von Hutos, Hutaosa, welche
die Frau und Schwester des Westasp (Oustasp) war. Ober letztere vgi.
Geiger, Das Yatkar-i-Zariran und sein Verhaltnis zum Shahname in den
Sitzungsberichten der Miinchener .Akademie, phil.-hist. Klasse 1890, 2. Band,
S. 59 und 76. Ebenso wie Westasp ist dem (jujl?-) verheiratet mit seiner
Schwester Gemek, s. Bundehesch, Kap. XXXII, und Pahlavitexts, trans-
lated by West, part II (1882), appendix S. 419.
Wie Mar ,\bha dazu gekommen ist, dem Kai Khusrau das Epithet
geschmiickt (ausgezeichnet) durch Kinder beizulegen, ist mir uherfind-
lich. Nach Spiegel, Eranische Altertumskunde I, 658 hatte Kai Khusrau
einen Sohn Akhrura, der aber nicht sein Nachfolger wurde. also wohl
als vor dem Vater gestorben zu denken ist, und bei seinem Tode hinter-
lieB er vier Tochter, so daB die Herrschaft auf eine Seitenlinie des Ka-
janierhauses uberging. In den zerstreuten Nachrichten der Parsenliteratur
iiber Kai Khusrau finde ich nichts, was zu dem Epitheton, das Mar
Abha ihm gibt, berechtigen oder AnlaB bieten konnte.
Fiir Farkhim Bar Artabagan verweist Braun, a. a. O. S. 564, Anm. 2
auf Farruchan, Sohn lies Parthers Artaban V., den Vater der Mutter des
groBen Sasaniden Sapor I., in Justis eranischem Namenbuch S. 94. Auf-
fallend ist die Namensform Artabagan, d. h. von Artabag abstammend.
Ob etwa ein Schreibfehler fiir Artaban? — Wenn die Identifikation des
Farkhim mit dem genannten Farruchan zutreffen sollte, beweist seine
Erwahnung bei Mar Abha in diesem Zusamiiienhang, daB die Ehesitten
der Parther dieselben waren wie diejenigen der Perser. daB auch die
Parther die Inzestehe batten.
S. 205, 33. Die zervam'tisclic Form ilcs Mazdaj^laubciis ist fiir das
fiiiifte Jahrhuiulert bezciiy^t durch Eznik und Martyrerakten, fiir das sechsle
diirch diese Angaben unseres Patriarchen Mar Abha. Vgl. dcs Wardapel
Eznik von Koib Wider die Sekten, iibersetzt von J. M. Sclimid, Wien 1900,
S. 89ff. (geschrieben zwischen 445—448 n. Chr.), und Syrische Poiemik
gegen die persische Religion von Noideke, in Festgru(5 an Roth S. 34
bis 38. In der Schopfungslehre der Zervaniten spielt der Inzest eine
groBe Rolle. Hormizd mul5 seine Mutter beschlafen uni die Sonne zu
erzeugen, und seine Schwester, uni den Mond zu erzeugen, s. Eznik,
a. a. O. S. 109. Wenn wir nach Mar Abha annehnien miissen. dafi der
zervanitische Magismus die aligemein im Sasanidenreich vorherrschende
Religionsform war, dann ist die Folgerung H. Oelzers, dafJ gerade in
dieser Zeit, d. h. unter Anosarwan (531—578), die reine Mazdalehre,
vvelche nach Dinkard IX, 30,4. 5; 31,6 — 10 die Geburt Orniuzds und
Ahrinians aus demselben Uterus als Liigc des Damons Aresch darstellt,
zur Herrschaft gelangt sei, nicht haltbar. Siehe Eznik und die Entwick-
lung des persischeii Religionssystems in der Zeitschrift fiir armenische
Philolqgie, Marburg 1903, Bd. 1, S. 149-163.
Ober das Vorkommen von Khwetukdas in der Parsenliteratur vgl.
West, Pahlavi texts, part II (1882), appendi.x S. 309^430, The meaning
of KhwetiJkdas or Khwetiidad.
S. 275,9. Nach der Chronik (I, 3, 16; II, 36, 10) waren Jechonjah
(Jehojachin) und Zedekiah (Mattanjah) Briider, wahrend nach 11. Konige
24, 17 Zedekiah der Onkel (Vatersbruder) des Jechonjah war.
S. 275, 31. Von den Synoden der Zeit vor Mar Abha hat nur
diejenige des Acacius voni Jahre 486 sich in Canon 111 (s. Chabot, Syno-
dicon orientale S. 303 — 306) eingehend mit Eherecht beschaftigt, aber
von dem Verbot der Ehe mit dem Bruder oder Vatersbruder des Oemahls
ist in der Zeit vor Mar Abha niemals die Rede.
S. 277, 21. Der Ausdruck eraoii,^ ol o;\^^ nachdem ihr Ge-
niahl oder ihr Mann gestorben;^ ist schwierig, weil zwischen ? j>^3
Gemahl und 2>tV^ Mann in diesem Zusammenhang nicht unter-
schieden zu werden pflegt. Oder versteht der Verfasser unter Gemahl
etwa denjenigen Ehemann, der mit seiner Frau in regularer Ehe zu-
sammenwohnt, dagegen unter Mann denjenigen Ehemann, der durch
Krieg oder Reisegeschafte gezwungen ist, fern von seiner Frau in der
Fremde zu leben?
S. 279, 25. Von der Bedeutung des christlichen Auferstehungs-
giaubens fiir die Argumentation gegen das Levirat handelt Jesubocht
11, VI (s. oben S. 43).
S. 281,9. Die Worte 2ft«.«o;*A . JS ^^^.aauJO I^? li'su.:? ^^a-
.c^^isoJi ys.o sind verderbt. Man kann allenfalls iibersetzen : (gleich-
wie Glieder fiir die Mutter), diese anderen (I. Xi Xm2 [Glieder]), die
ich nicht genannt habe. Fiir seinen Nutzen (NutznieBung) gedenkt sein
Genosse (Ehegenosse?) sich ihm zu nahern, (wie derjenige, der sich
erfrecht usw.). Sinn? Auch schon vorher, in Z. 7, diirfte ^aOU>^? in
aiiiOi zu andern sein.
— H(i5) —
S. 281, 43. Der Verfasser diirfte Kenntnis gehabt haben von solclieti
Sitten, wie sie im Spicilegium S. Ou, 5 ff. angedeutet vverden: >lni
Norden und unter den ihnen (den Nordlandern) benachbarten Germanen
sind schone Knaben den Mannern wie Frauen, und audi Gelage (Malil-
zeiten) werden ilinen gegeben.« Verkiirzt ist die Naciiriclit bei Eusebius:
flapa Cf HaWois oi vfoi yafiovvrai fierit —appiiai'us (Spicilegiuin S. 22). Vgl.
audi Strabo IV, 4 (ed. Kramer, S. 312,3), wo er von den Kelten in Gallien
berichtet: ov voitiC^erat Trap' avro?s aitr^pov to Ttjs uKfitjs a(}>etceiv Toi'S vt'oi'S.
Von der iepnj bei einer solchen Verbindung ist in diesen Quellen
keine Rede.
S. 283,3. Die Kaphtorini Genes. 10, 14 werden von der PeSitta mit
den Kappadokcrn identifiziert, von deiien aber aus anderen Quellen niclit
bekannt ist, da(5 sie den Vorwurf, den Mar Ablia ihnen niaclit, verdienten.
Corrigenda. S. 79,38 Anm. streichen. AufS. 145,49; 155,55; 191,39;
197,30 s. Anm. hinzufiigen. Auf S. 295, 3 v. u. nach S. 42, 13 hinzufiigen
= 43, 16, und auf S. 296, 5 nach S. 44, 3 hinzufiigen = 45, 6.
Sachau, Syrische Rechlsbucher III. 24
Sachindex.
Von Dr. Erich Pritsch.
J = Jesubocht, S ^ Simeon, A ^ Mar Abha.
I. Teil. Allgemeine Rechtslehre.
I. Biirgerliches Recht (dtna).
1. Begriff J 1,11 (11).
2. Unterschied vom gottlichen Idealgesetz (vn/ios) J l,\ii (15f.).
3. Unterschied vor der rectitude j I, iv (13).
4. Verschiedenheit der biirgerlichen Rechtssatzungen in den ein-
zeinen Landern und Zeiten J I, i (9); IV, i (93).
5. Grund dieser Verschiedenheit J I.viii (15).
6. Grund der Verschiedenheit der biirgerlichen Rechtssatzungen
unter den Christen J I, ix (15f.): Sill (234).
7. Oberliefertes und neues Recht J 1, i (9).
8. Widerlegung der Behauptung, daB die Christen kein biirger-
liches Recht hiitten J I, xiv (21).
9. Notvvendigkeit der Darstellung des bfirgerlichen Rechts im Alien
Testament" J I, xv (21 f.).
10. Weshalb das mosaische Gesetz nur noch teilweise beobachtet
wird J II, VII (45ff.); S II (218f.).
11. Grund des Schweigens des Neuen Testaments J I, x (17f.): VI, vi
§ 11 (201); SI (212ff.).
12. Weshalb trotzdem biirgerliches Recht angewendet wird J I, xi (19).
13. .•Xrt der Darstellung des Rechts J I, x\ i" (23).
II. Das gottliche Idealgesetz (lo'uos).
1. Begriff J I, VII (15).
2. Unterschied vom biirgerlichen Recht J l,vii (15).
3. Verschiedenheit der vouoi unter den Menschen J l,viil (15).
4. Einheitlichkeit des vo/ws unter den Christen J I, ix (17). .
III. Die rectitudo (terisiitha).
1. Begriff J I, ill (11 f.).
2. Unterschied vom biirgerlichen Recht J I, iv (13).
3. Anwendungsfall J VI, vi § 4 (199).
IV. Die rectificatio (turrasa).
1. Begriff J I, xii (21).
2. Grund der Verschiedenheit der rectificationes unter den Christen
J I, XIII (21).
3. Anwendungsfalle J II, xiv (63f.); Ill, i § 4 (75); § 6 (77); ii § 1
(79); III (Si); IX (S5).
— 371 —
V. Milderimg des sfreiigen Reclits diirch Entgegenkonimcn (pusend
und bihdiidhastinih).
1. Begriff J l,v (13 f.).
2. Vorzuij des Eiitgegenkommeiis J I,vi (15).
3. Einzelfalle J V.vin § 3 (167); xi § 6 (175); xiii § 7 (179).
VI. Wahrnehmiing seines Rechts ist jedem erlaiiht J VI.vi § 11 (201).
VII. Quellen und Mittel der Reclitsfindung Sill (222ff.).
1. Gewohnheitsrecht J IV, i (95); v (121); Sill (230ff.).
2. Kaufmannischer UsusJV.vni §3 (167).
3. Analogic J I, xvi Abs. 3 (23); Sill (222).
II. Teil. Privatrecht.
I. Personenrecht.
A. Minderjahrige.
I. Geschaftsunfahigkeit J V, III §8 (137).
II. Erreicliung der Volljahrigkeit mit tiem 15. Lebcnsjahre J V, ii § 1
(133); III §8 (137); vi §4 (151 f.).
B. Frauen.
I. Name J IV, i § 4 (97).
II. Geschaftsunfahigkeit J III, i § 5c (77).
III. Zeugnisunfiihigkeit S § 15 Abs. 4 (246).
IV. Sie stehen
1. als Jungfrauen unter der Gevvalt
a) des Vaters J IV, i § 5d (103); V, ii § 3 (135);
b) nach dessen Tode' der Briider J !V,i § 5d (103).
2. als Ehefrauen unter der Gewalt des Mamies J IV, i § 4 (97).
C. Geisteskranke sind geschaftsunfahig J IV,vii § 5 (125).
D. Sklaven.
I. Rechtsstellung.
1. Sie solien milde bchandelf werden J III, x § 3 (87).
2. Unfahig.keit zum Kleriker S § 11 Abs. 3 (244).
3. Peculium des Sklaven.
a) Verfiigungsbefugnis J V, ill § 16 (139); § 18 (141).
b) Wirkung der Frcilassung J V, xiii § 3 (179).
II. Entstehung der Sklaverei durch Geburt: das Kind folgt der argeren
Hand J III, i § 5c (77); S § 12 (244).
III. Erwerb der Freiheit.
1. Frcilassung.
a) Form (Freilassungsurkundc) J VI, ii § 6 (189); iv § 8 (195);
S § 11 Abs. 3; § 12 (244).
b) Kcine Geltung der lex Fiifia Caninia J V, xiii § 1 (177).
c) Wirkung.
a) Keine revindicatio in servitutem J IV, iv 5? 7 (117); V, xiii
§2(177).
p) Die Frcilassung erstreckt sich iin Zweifel iiicht aiif das t
peculium J V, xiii § 3 (179).
7) Nach Frcilassung der JVlutter geborene Kinder sind im
Zweifel frei J V, xiii § 4 (179). "
d) Frcilassung durch eincn Miteigentiimer.
a) Wirkung hinsichtlich des Sklaven J V, xiii §6.7 (179).
/J) Wirkung hinsiciitiich der Kinder der SklaVin J V, xiii
§5 (179).
e) Patronat iiber Freigelassene J V, xiii §2 (179).
24*
— a72 —
2. Die Sklavin vvircl frci
a) durch Erklariiii<j ziir Ehofraii eines Freien J III, i §4 (75);
b) durch Tod des Mannes, dessen Konkiibine sie war J IV, iv
§7 (117).
IV. Sklavenehe.
1. Oeschleciitsj):emfinschaft einer Freien mit einem Sklaven J III, i
§5b (77); X §4 (87).
2. Erlaubnis des Herrn ziir Elieschiiclkinij; J III, x § I (85).
3. Verbot der Heirat zwischen Kieriker iind Sklavin" S § 11 (242 f.).
4. Unziilassigkeit der Trennung eines Sklavenehepaares J III, x
§2.4 (85 f.).
V. Sklavenkinder.
1. Erbrechtlictie Stellung J IV, iv §4 (I15f.); §7 (117); S § 12
(244); § 22 (250 f.).
2. Sie werden beim Tode des Vaters zugleich mit der Mutter frei
J IV, IV §7 (117).
3. Wiilirend der Vcrpfanduns; einer Sklavin von dieser geborene
Kinder gelioren dem Verpfander J V.vii § 10 (159f.).
II. Obligationenrecht.
A. Allgemeiner Tell.
!. Gegenseitiger Vertrag: Leistung abtiiingig von Gegenleistung J V, v
§ 11 (149). Vgl. J VI, II § 2a (189).
II. Unzulassige Vertrage.
1. Torichte Vertrage J V, v § 1 (147).
2. Versprechen, nicht wieder zu heiraten J V, v § S (149).
3. AusschlieBiing der Kinder spaterer Ehe von der Erbschaft J V,v
§ 8 (149).
4. Verpfandung des ganzen Vermogens J V, vii § 7 (157f.).
III. Anfechtung
1. wegen Furcht J V,vii § 14 (163);
2. wegen Betruges J V, xi § 1 (173); § 4 (175);
3. wegen Olaubigerbenachteiligung J V, vii § 13 (161 f.).
IV. Anspruchsverzicht J V,vi § 10 (153); § 11 Abs. 2 (155).
V. Gefahrdete und gefahrlose Schuld J V,viii.§ 1. 2 (165 f.).
VI. Verzug
1. des Schuldners J V,vii § 11 Abs. 3 (161);
2. des Glaubigers J V,v § 7 (149); ix § 5 (169).
VII. Stellung des Schuldners.
1. Beschrankung der Verfiigungsgewalt J V, i § 2—4 (133); vii § 13
(161 f.); § 15 (163).
2. Beneficium competentiae J V, vi §7 (153).
3. Beweispflicht des Schuldners J V.vii § 22 (165); VI, vi § 7 (199).
4. Haftung bei Anspruchsbehauptung J V, vi § 11 (155).
5. Mehrere Schuldner haften als Tei'lschuldner J V,vii § 19 (163).
Vgl. J V, III §24 (143); Vii §21 (165).
VIII. Zinsen.
1. Keine Qeltung des Zinsverbots J V, ix § 1 (167).
2. Akzessorischer Charakter der Zinsforderung J V,vii § 20 (163).
3. Hohe der Zinsen J V, ix § 1.2 (167f.).
4. Versprechen der ortsiiblichen* Zinsen J V, ix §3 (169).
5. Antichrese J V, ix § 4 (169).
6. Keine Zinszahlungspflicht wahrend Glaubigerverzuges J V,v § 7
(149); IX § 5 (169).
373 —
B. Besonderer Teil.
1. Kauf.
1. Form J V,xi § 1 (173).
2. Kaufpreis.
a) Korrekter Preis J V,vi § 9a (153).
b) Perfektion des Kaufes mit der Preiszahlung J V, xi § 1 a (173);
VI, II §2a (189).
3. Riicktrittsrecht des Kaufers J VI, ii § 4 (189):
a) beim Marktkauf J V, xi §2 (173f.);
b) beim Tierkaiif J V, xi §3 (175).
4. Verkaiif ohne Veraiilierungsbefuirnis
a) durch den Nichteigentamer j'V, xi § 5 (175); VI, i §9(187);
b) von Klostergtit iisw. J V, xii § 1 (177);
c) einer Pfandsaclie J V, vii § 5 (157).
5. Vorkaufsrecht J IV, i § 5m (105); V,VI § 9a (153); xi § 6 (175).
II. Schenkung.
1. Schenkungsversprechen.
a) Form J V, ill i^ 15 (139); VI, v § 3 (197).
b) Verbindlichkeit J VI,v § 3 (197).
Ausnahmen J V,vi § 9 (153): VI,v § 4 (197).
c) Eigentumsiibergang bei Obergabe J I, iv (13).
2. Kein Riickforderungsrecht des Schenkers J V,ii § 4; in § 1 (135).
Ausnahmen:
a) bei Schenkungen an Gewaltunterworfene J V, ii § 1 (133);
§3 (135); ni §8 (137);
b) bei Verarmung des Schenkers J V, ii § 2 (135).
3. Schenkungen an Familienangehorige:
a) an den Sohn: Eigentum "oder NiefSbrauch? S § 21 (250).
b) an die Frau:
a) VerauBerungsbefugnis der Frau, Verwaltung des Mannes
JV,iii § 15 (139);
i^) fiir den Fall der Oeburt eines Sohnes oder einer Tochter
JV.v §12 (151).
c) an die Frau und die Kinder:
") das Oeschenkte verbleibt ihnen nach dem Tode des
Schenkers auiier ihrern Erbteil J V, ill §2 (135);
/i) keine Verpflichtung des Schenkers, das Schenkungsver-
sprechen vor seinem Tode zu erfiillen J V, ill §3 (135);
-/) Unwirksamkeit der Schenkung bei spaterer Verau(5erung
des Geschenkten J V,vi §9 (153);
c) Haftung fijr die Sciiulden des Schenkers bei Schenkung
des ganzen Vermogens J V, i § 2 (133).
d) des ganzen Vermogens an andere Vervvandte: Schuldenhaftung
JV,. §3.4(133).
e) an Skiaven J V, in § 16 (139f.); § 18 (141).
4. Schenkung des Nichteigentiimers.
a) Schadensersatzanspruch des Beschenkten bei Gutglaubigkeit
J V, III § 12 (139).
Ausnahme J V, ill § 13 (139).
b) Bosglaubigkeit des Beschenkten J V.iii § 12 (139); xi § 5a(175).
c) Konvaleszenz der Schenkung, wenn der Schenker Eigentiimer
wird J V, XI § 5b (175).
III. Darlehn.
1. Form J V.vii § 19 (163).
2. Oefahrdetes Dahrlehn.
a) Begriff J V,viii § I. 2a (165).
b) Befriedigung des Glaubigers J V, viii § 2 b, c (165f.).
— 374 —
3. Beweispfliclit des Schuldners fiir die Ruckzahlung J VI, ii § 2b.
3 (189).
4. Mehrere Darlehnsscluildner liafteii als Teilschuldner J V, vii
§ 19 (163).
5. Seedarlehn? J V.viii § 3 (167).
IV. Lcihe. Haftung des Entleihers
1. bei Leiiie von Geraten fiir Zufall J V, x § 7 (173);
2. bei Leilie von lebenden Wesen fiir Verschulden:
a) im allgemeinen J V, x § 8 (173);
b) bei Leilie zu bestimmtem Zweck J V, x § 9 (173).
V. Verwahrung.
1. Versiegeltes Dcpositum J V, x §4 (171).
2. Haftung des Vervvatirers
a) Grundsatz: niir fiir Verscluilden J V, x § 6 (171);
b) bei Geraten J V, X § 1 (169f.);
c) bei lebenden Wesen J V, x § 5 (171);
d) bei Aftervervvahrnng J V, x "§ 2 (171).
3. Benutzung der verwahrten Saclie J V, x §4 (171).
4. Verpfandung der verwahrten Sache J V, x § 3 (171).
5. Beweislast bei Untergang und Verschlechterung J VI, VI § 10 (201).
VI. Gemeinschaft.
1. Sozietatsvertrasr J V, iv § 1 (143).
zwischen Ehegatten S § 4 (238 f.); § 7 Abs. 2 (242);
zwischen Adoptivvater nnd Adoptivsohn J V, iv §3 (145);
s. a. Erbengemeinscliaft.
2. Anteile der Gemeinschafter.
a) Sie sind im Zweifel gleich J V, iv § 1 (143).
b) Verfiigungsrecht nur am eigenen Anteil J V, iv § 3b (145).
c) Keine Anwaclisiing beim Tode eines Gemeinschafters J V, IV
§2 (143f.).
3. Sondervermogen J V, iv § 6 (145 f.).
4. Auseinandersetzung:
a) Auflosung der Gemeinschaft J V, iv § 6c (147);
b) Anteil eines Abwesenden J V, iv § 5 (145);
c) beziiglich eines Grundstiicks J V, xi §6 (175).
5. Notwendige Streitgenossenschaft der Gemeinschafter J \'I, i
§ 4 (185).
VII. Deliktsobligationen.
1. Verfiihrung J III, i § 7 (77f.).
2. Frauenraub J lll,v § 3 (83).
3. Prozessieren vor heidnischen Richtern J VI, i § 2b (185).
4. Urkundenfaischung J VI, in § 2 (191).
5. Diebstahl und Ranb JV,vr§l Abs. 2 (151); VI, i § 9c (187).
III. Sachenrecht
A. Haupt- und Nebensache.
I. Substanz und Frucht J IV, i § 5 Abs. 4 (99); V.vii § 10 (159f.);
S § 21 (250).
II. Selbstandigkeit der Bodenerzeiignisse J V,V §6 (147).
B. Besitz.
1. RechtmaBiger und anzweifelbarer Besitz J VI, iv §1 (191).
Beweis'der F^echtmaBigkeit J VI, iv § 2 (191 f.); § 5 (193).
II. UnrechtmaHiger Besitz.
1. Begriff J VI, IV §6 (193).
— 375 —
2. Vermutiina; der UnrechtmaBigkeit bei Nichtvorhandensein von
Urkunden^J VI, iv § 7 (195). '^
3. Herausgabepflicht des unrechtma(5igen Besitzcrs J Vl,iv § 9 (195).
III. Stellung des Besitzers im Eigentumsprozesse.
1. Anzweifelbarer Besitz J VI, iv §2 (191 f.).
2. UnrechfmaBiger Besitz J VI, iv § 6 (193f.).
3. Behaiiptmig des Ervverbs diircli Kaiif JVI,vi §9 (201).
4. Bcneniuing des Reclitsvorgatigers J VI, i § 9. TO (187).
5. Stellniig des Besitzers gegeniiber dem Vorbesitzer J VI, iv § 5 (193).
6. Streit iim das Eigentuni an eineni Sklaven J VI, iv §8 (195).
7. Streitgenossenschaft mehrerer Besitzer J VI, i § 4 (185).
8. Ersitzimg J VI, iv § 3. 4 (193); vi § 8 (199).
:. Pfandrecht.
I. Arten der Verpfandung.
1. Mobiliarpfand (Besitzpfand) J V,vii § 1 (155);
2. Iintnobiliarpfand. Verpfiindiing diirch imtersiegelte Urkunde
J V.vii § 2a (155); § 8 (159): '
a) mit Besitzeinraiirnimg J V,vii § 2a, b, d (155);
b) ohne Besitzeiiirauiming J V.vii § 2c (155); § 3b (157).
3. Antichretisches Pfand J V, ix § 4 (169).
4. Verfallspfand J V,v § 10 (149).
II. Pfandsnche.
1. Verpfandung von Sklaven und Tiereii J V,vn § 10 (159f.).
2. Unzulassig ist die Verpfandung des ganzen Vermogens J V.vii
§ 7 (157 f.).
3. Wert der Pfandsache.
a) Uberwert.
") Keine Ausgieicliungspflicht des Pfandgiaubigers gegen-
iiber minder gesicherten Olaubigern JV.vii §9 (159).
/i) Die li\peroclia gebiihrt
aa) dem nachfolgeiiden Pfandglaubiger J V.vii § 6 (157),
bb) wenn ein soldier nicht vorhanden, dem Verpfander
J V.vii § 18 (163).
b) Mindervvert: die Forderung bleibt in Holie des Restes be-
stehen J V,vii § 9 Abs. 2 (159); § 18 (163).
III. Stellung des Verpfandcrs. I
1. Er darf die I'fandsache nicht veraufScrn J V, vii § 5 (157); § 8 (159). '
2. Haftung fiir Zufall beini anticlirctischen Pfand J V, -X §4 (169).
3. Ersatz von Aufwendungen des Pfandglaubigers J V.vii § 10 »
Abs. 2 (161).
4. Er hat die Verpfandung zu beweisen, wenn er die Pfandsache i
zuriickfordert J V,vn § 17 (163); VI, vi § 9a (201). |
IV. Stellung des Pfandglaubigers. i
1. Einraumung eines Wahlrechts J V.vii § 8 (159). ^
2. Riickgabcpfiicht nach Befriedigung J V, ix § 5 (169).
3. Bevveispflicht bez. der Hohe der Forderung J VI, VI § 9b (201).
4. Vorhandensein mehrerer Glaubiger s. Konkurs.
V. Befriedigung aus dem Pfande. '
1. Pfandreife.
a) Tod des Schuidners J V.vn § 1 (155f.).
b) Verarmung des Schuidners J V.vii §1 (155).
2. Regelung des Pfandvcrkaufs J V, vn §4 (157).
VI. Weiterverpfandung der Pfandsache durch den PfandglaubigerJ V,vn
§11 (161); §16 (163).
— 376 —
IV. Familienrecht.
A. Eherecht.
1. Arten des Gesclilechtsverkehrs A Einl. (259 f.).
II. AhscliIiiB des Ehevcrtraj^es (Verlobiiis).
1. Im normalen Falle Ringaustausch iiiiter kirchlicher Mitwirkung
J 111,1 §1 (75).
Ik^i Sklavvn J III, x 5? 1 (85).
Ungiiltig blolj sdiriftlicher Vertrag J 111, x § 9 (79).
2. In besoiuicren FallL-n.
a) In Ermangelung von Priestcrn J III, i § 2 (75).
b) In Ermangelung von christlichen Laien J III, i § 3 (75).
III. Elie nach vorausgegangenem Oesclilechtsverkelir.
1. Erklarung dor Konkubine zur Ehefrau J 111,1 § 4 (75).
2. Ubereinstimniende Erkiiirung beider Parteien unter kirchlicher
Mitwirkung J lll,i § 5 (75 f.).
3. Verfiihrung einer Jungfrau durch einen Unverheirateten.
a) Heirat bei Einverstiindnis beider Teile J 111, i § 6 (77).
b) Weigerung eines Teils:
a) der Mann iiat die Ehe versprochen und vveigert sich:
Entscliiidigungspflicht beider Teile J III, i § 7 (77f.):
ji) andernfall's Kirchenstrafe J III, i § 8 (79).
4. Frauenraub.
a) Raub einer Unverlobten J III,v § 1 (81).
b) Raub einer Verlobten
a) wider itiren Wiiien J Ill,v § 2 (83);
/?) mit ihrem Willen J lll,v § 3 (83).
IV. Ehehindernisse.
a) Bestehende Ehe J II, ii (35); ix (53f.).
b) Religionsverschiedenheit J II, i § 4 (31); viii (51 f.).
c) Frauenraub mit Einverstiindnis der Geraubteii J III,v §3 (83).
d) Bosliche Verlassung des friiheren Ehegatten J III,ni (81).
e) Verbot der Ehe mit einer wegen Ehebruchs Geschiedenen J II, i
§3 (29 f.).
f) Verwandtschaft.
a) Verbot der Verwandtenheirat im allgemeinen J II, ii — v (31 ff.);
A § 1 (261).
j3) Verbotene Grade:
1. Mutter J 11,1 § 1 (29); A § 2 (261).
2. Stiefmutter J II, i § 1 (29); A § 3 (267).
3. Tochter J II, i § 1 (29); A § 6 (271).
4. Stieftochter J II, i § 1 (29); A § 12 — 14 (279ff.).
5. soror germana J II, i § 1 (29); A § 4 (269).
6. soror consanguinea J II, i § 1 (29); A § 4 (269).
7. soror uterinaj II, i § 1 (29); A § 4 (269).
8. Tochter der Stiefmutter J II, i § 1 (29).
9. Sohnestochter J II, i § 1 (29); A § 5 (269).
10. Tochtertochter J II, i '§ 1 (29); A "^g 5 (269).
11. Stiefenkelin A § 12 — 14 (279f.).
12. Mutter der Mutter J II, i § 1 (29).
13. Vaterssch wester J II, i § 1 (29); A § 7 (271).
14. Mutterschwester J Ii, i § 1 (29); A § 8 (271).
15. Brudertochter J II, i § 2 (29).
16. Schwestertochter J II, i § 2 (29).
17. Tochtertochter der Stiefmutter J II, i § I (29).
IS. Schwiegermutter J II, i § 1 (29).
— 377 —
19. Schwiegertochter J II, i § 1 (29); A § 10 (275).
20. Frau des Bruders J 11, i § 1 (29); 11, VI (43); IV, i § 5 (97 ff.);
A § 1 1 (277).
21. Schwester der Frau J 11, i § 2 (29); A § 15 (281).
22. Frau des Vatersbruders J 11, i § 1 (29); A § 9 (275).
23. Frau des Mutterbruders J 11, i § 2 (29).
24. Tochter des Bruders der Frau'^J II, i § 2 (29).
25. Tochter der Schwester der Frau J II, i § 2 (29).
v. Konsutumation der Ehe.
1. Trennung vor der Konsumniation.
a) Beiderseitiges Eiuverstaiidnis J III, ii § 1 (79).
b) Weigerung eines Teils J III, ii § 2 (79).
c) Abvvesenheit des Mamies J III, ix Abs. 1 (85).
2. Unmoglichkeit der Konsumniation infolge Impotenz des Mannes.
a) Die Frau darf beim Manne bieiben J lll,vi § 1 (83).
b) Wartepflicht der Frau J lll,\i § 2. 5 (83).
c) Folge der Nichtkonsurumation: die Frau wird nicht Ehefrau
J llf,vn (83f.).
VI. Ehescheidung.
a) Sie ist im ailgemeinen verboten J II, x (55 f.).
b) Scheidungsgriinde:
1. Gottesieugnung (Zauberei) J II,xi Abs. 1 (57); xiv Abs. 1 (63f.).
2. Mord J 11, XI Abs. 1 und 3 (57f.); Xiv Abs. 1 (63f.).
3. Ehebruch der Frau J II, xi Abs. 1 und 2 (57 f.); xii (59f.).
a) Beweis des Ehebruchs J II, xv (65 f.).
b) Pfiicht des Klerikers zur Scheidung J II, xvi (67).
c) Unzulassigkeit der Scheidung bei Notzucht J III, xii (89).
4. Voreheiiche Defloration der Frau:
a) wenn sie offenbar ist J III, iv § 1 (81);
b) wenn sie nicht offenbar ist:
a) Eid des Mannes J HI, iv § 2 (81);
f^) Eid der Frau J III, iv §3 (81).
c) Unzulassigkeit der Scheidung bei Notzucht J III, xii (89).
5. Qefangenschaft eines Ehegatten (nach Ablauf der Wartezeit)
J III,v"iii (85).
6. AbwesenheitdesMannes(nach Ablauf tier Wartezeit) J lll,ix(85).
7. Bosliche Verlassung J III, in (81).
8. Krankheit.
a) Sie bestand schon vor der Konsununation der Ehe: bei
Unheilbarkeit Scheidung gestattet J III, xi § 1 (87).
b) Sie entstand erst nach der Konsummation der Ehe:
Scheidung nicht gestattet J III, xi § 2 (87).
VII. Wiederverheiratung nach Auflosung
1. der nicht konsummierten Ehe gestattet J lll,\ii (83f.);
2. der konsummierten Ehe:
a) nicht gestattet derwegen EhebruchsGeschiedenen J ll.xvii (67);
b) gestattet
") der aus anderen Griinden Oeschiedenen J II, xix (69);
111,111 Abs. 2 (81); ix Abs. 3 (85); x §2 (87);
Ii) der Witwe J II, xiv Abs. 2 (65); V,v §9 (149); S §3
Abs. 3 (238).
VIII. Ehemannliche Gcwalt J IV, i § 4 (97).
IX. Eheliches Giiterrecht.
1. Giiterrechtsvertrag J IV, i § 5a (101); i§ 15 (109); S § 2 (236);
§ 4 Abs. 3 (240); § 7 Abs. 2 (242).
2. GutergemeinschaftS § 1 Abs. 2 (236f.); §4(238f.); § 7 (240f.).
— 378 —
3. Vcrmogcnsmassen:
a) Donatio ante nuptias: des Verfuhrcrs J III, i § 7 (77).
b) Dos
a) der Verfiihrten J III, i § 7 (77).
fi) Anspruch auf clos gegen den NachlaB
aa) des Vaters J IV, i § 6 (105); V.vi § 8 (153);
bb) des Bruders J IV, i § 5h (103); § 12 (107).
c) Sonstlges Fraiienverniogen.
«) Zuvveiidimgen des Mannes J III, VI §3 (83); V, ni § 15
(139); V § 12 (151).
ji) Zuwendungen Dritter J V, iii §21 (141).
4. Das Fraiienverniogen wahrend der Ehe.
a) Verfiigungsgewalt des Mannes J IV, i § 5b (101); § 15 (109);
V, III § 15 (139); § 21 (141); V § 4 (147); S § 1 Abs. 3 (236).
b) Keine Verfiigungsgewalt der Fran J IV, i § 15 (109); V, in
§ 21 (141); V § 4 (147); S § 1 Abs. 3 (236).
c) Veraulkrungsbefugnis der Frau bez. Zuwendungen des
Mannes J V, in § 15 (139).
5. Schicksal des Fraucngutes bei Auflosung der Ehe
a) durcli Tod
a) des Mannes:
aa) Die dos gehort zum Nachlasse, wenn nur ledige Tochter
vorhanden J IV, i § 5b (101); § 5c (103).
bb) Die dos falit an die Witwe aufier ihrem Erbteil, wenn
nur verheiratete Tochter vorhanden J IV, i § 5e (103).
cc) Wenn die Ehe nicht konsummiert war: das ganze
Frauenvermogen fallt an die Witwe J Ill.vi § 3 (83).
dd) Stellung der Witwe im Nachlafikonkurse J V, vi § 3 (1 51).
/i) der Frau:
aa) Das Frauengut fallt an die Erben der Frau J IV, i § 15
bis 17 (109).
bb) Bei nicht konsummierter Ehe: die dos fallt an die
Eltern der Frau J Ill.vi §4 (83).
b) durch Scheidung
a) wegen unheilbarer Krankheit: das Frauengut fallt an die
Frau J III,\i § 1 (87);
/)) wegen Ehebruchs der Frau: die Frau verliert ihr ganzes
Vermogen J IV,v § 1 (121).
B. Verwandtschaft.
I. Allgemeines.
1. Verwandtschaftsgrade:
a) nahere J IV, i Abs. 2 (95);
b) entfcrntere J IV, ill § 1 (111).
2. Keine Verwandtschaft durch Heirat S § 15 Abs. 4 (246).
II. Haushaltertum (dudagsalarih).
1. Einsetzung des Haushalters durch letzlwillige Verfiigung J IV, IX
§ 1 (127).'
2. Einsetzung durch die Kirche J IV, ix § 2 (127).
III. Stellung der ehelichen Kinder.
1. Arten der Kinder iiberhaupt J IV, iv § 1 (115).
2. Vaterliche Oewalt (resaniitha)
a) iiber den minderjiihrigen Sohn J V, ii § 1 (133); IV § 4 (145);
b) iiber die ledige Tochter J IV, i § 5d (103); V, ii §3 (135).
3. Vermogensrechtliche Stellung der gewaltunterworfenen Kinder
a) zu Lebzeiten des Vaters.
— 371) —
a) Zuwenduntren ties Vaters konneii zurQckgefortlert werden
JV.ii §1 (133): §3 (135).
/i) Kauf vom Vater wirkt nicht gegen Dritte JV,vi § 9b (153).
y) Zuwendunjren Drifter fallen an tlen Vater J IV,v § 7 (123).
Konvaleszenz bei Volijahrigkeit J V, III § S (137).
b) nach dem Tode des Vaters: Das peculiuin verbleibt dem Sohne
auBer seinem Erbteil J V, iv § 4 (145).
4. Erbabfindnng der Kinder zii Lebzeiten des Vaters.
a) Keine Verpfliclitung d;un J IV.v § 2 (121); S § 10 (242).
b) Eine Zuwendiing enthalt ini Zweifel keine Abfindung J IV.vii
§ 3 (123f.): V, Ml § 2 (135); iv § 4 (145).
c) Abfindung der Tochter durch die dos J IV, i §4 (95); S
§ 2 (236).'
IV. Stellung der unehelichen Kinder.
1. Kein Erbrecht gegeniiber dem Erzeuger J IV, iv § 2 (115); § 5
bis 7 (117): S § 12 (244); § 22 Abs.'l (252).
2. Ehebrucliskinder beerben nicht den Mann der Mutter J IV, IV
§ S (117f.).
3. Ort der Steucrpflicht des unehelichen SohnesJ IV, iv § 13 (119).
4. Legitimation durch Anerkcnnung, wcnn der Erzeuger nicht ver-
heiratet ist J IV, iv § 4 (115f.); § 7 (117).
V. Wahlkindschaft.
1. Ainiahme aus der Taufe J IV, iv § 1 (115).
2. Annahme eines Findlings J IV, iv § 1 (115).
3. Adoption
a) mit Aufgabe des bisherigen KindesverhallnissesJ 1V,V §5 (121);
b) ohne diese J IV, v § 6 (121).
zu b) Zuwendungen des Adoptivvaters an das Adoptivkind
fallen an dessen natiirlichen Vater J IV, v § 7 (123).
c) Adoptionsvertrag mit dem Vater eines nasciturus J V,v § 2.
3 (147).
d) Giitergemeinschaft zwischen Adoptivvater und Adoptivkind
J V, IV § 3 (145).
4. Erbrechtliche Verhaltnisse.
a) Das Wahlkind beerbt den Wahlvater nicht ah intestate, kann
aber von ihm zum Erben gemacht vi'erden J IV, IV § 3 (115);
V, IV § 3a (145).
b) Das Wahlkind wird beerbt
") von dem Wahlvater J IV,v §4 (121); V,v §3 Abs. 1 (147);
/i) nach dessen Tode von den Verwandten des Wahlkindes
J lV,v § 4 (121); V.v § 3 Abs. 2 (147).
VI. Unterhaltsanspriiche:
1. der Frau gegen den Mann J Ill,vi § 2 (83); S § 1 Abs. 4 (236);
2. der wegen Ehebruchs Geschiedenen gegen den friiheren Ehe-
mann bei Erwerbsunfahigkeit J IV,v § 1 (121);
3. des Wahlkindes gegen den Wahlvater J IV, IV § 3 (115);
4. des unehelichen Kindes gegen den Erzeuger und dessen Erben
J IV, IV §2 (115); §7 (117); S § 22 Abs. 2 (252);
5. des Oeisteskranken gegen seine Verwandten J IV, vii § 5 (125).
C. Vormundschaft.
I. Fijrsorge fiir minderjahrige Waisen S § 20 (250).
II. Auseinandersetzungspfleger J IV.viii §1.2 (125).
— 380 —
V. Erbrecht.
A. Allgemeines.
I. Erbiinfahigkeit
1. iinelielicher Kinder J IV, iv § 2 (115); § 5—7 (117);
2. heidnisciicr Fraueii unci Kinder J IV.iv § 9. 10 (IIQ); S § 18 (248).
II. Beerbun.n von Heiden J IV, iv § 9 (119); S § 18 (248).
III. Beerbung von Komniorientcn J IV, V §8(123); S §5 Abs. 3 (240).
B. Intestaterbrecht.
I. Prinzip der Erbfolge: Deszcndenten liabcn den Vorrang vor Aszen-
denten J IV, i § 8. 9 (105); ill § 5 Abs. 2 (113); S § i? (248).
II. Erbfolgeordnung.
A. Beerbung von Mannern.
1. Erbrecht der Verwantitcn.
1. Sohne J IV, i § 1 (95).
2. Ledige Tochter J IV, i §1; §3 (95); §5b (101); § 5c
(103); §6 (105); S § 13 (244f.).
3. Verlieiratete Tochter.
a) Kein Erbrecht J IV, i § 1 (95); § 4 (95f.); § 7 (105);
S § 2 (236); § 5 Abs. 4 (240); §'l5 Abs. 2 (246).
b) Sie erben
«) neben der Witwe J IV, i § 5e (103);
/') neben ledigen Tochtern J IV, i § 6 (105).
zu 1 — 3:
a) Kein Erstgeburtsreclit S § 14 Abs. 2 (246).
b) Kinder aus verschiedenen Ehen S § 7 (240 f.).
c) Kein Erbrecht der Wahlkinder und der un-
ehehchen Kinder s. Faniilienrecht.
d) Bevorzugung
") unheilbar kranker Kinder J IV,vii § 4 (125);
rf) verkriippelter Sohne S § 14 Abs. 3 (246).
7) bedurftiger Tochter J I,v Abs. 2 (13 f.);
S § 13 Abs. 2 (246).
4. Sohneskinder J IV, Ml §2 (lllf.); §4—7 (113); S§5
Abs. 2 (240).
5. Tochtersohne J IV, iii § 5—7 (113); S § 17 (248).
6. Schwiegertochter J IV, ni §3 (113); S'§ 5 Abs. 3 (240).
7. Vater J IV, i § 5f. (103); § 7 (105); § 10 (107); S § 6 (240).
8. Mutter J IV, i § 5g (103); § 7 (105)"; § 11 (107). — Abw.
S § 8 (242); § 15 (246 f.).
Kein Erbrecht hat die Mutter:
a) wenn sie abgefunden ist J IV,vii §1 (123); V, in
§ 14 Abs. 1 (139);
b) wenn sie wieder heiratet J IV, vi §1.2 (123). —
Abw. S § 8 (242).
9. KonsanguineOeschwisterJlV,ii§l — 3(109f.);iii§7c(115).
a) Briider J IV, i § 5g (103); § 7 (105); S § 15 (246f.).
Kein Erbrecht des abgefundenen Brudersani Stamm-
gut J IV.vii § 3 (123 f.); V, 111 § 14 Abs. 2 (139).
b) Ledige Schwestern J IV, i § 5g, h (103); §7 (105);
§12^(107).
Sie haben kein Erbrecht
a) neben der Mutter S § 8 (242). — Abw. J IV, i
§5g, h (103); §7 (105); § 12 (107);
— 381 —
b) wenn sie diircli Vermachtnis abgefunden sind
JV,m § 14 (139).
c) Verheiratete Schwesterii.
Sie haben kein Erbreclit J IV, i § 12 (107); vii § 2
(123); S § 8 (242); § 15 (246f.).
Ausiiahme: wenn keine Briider vorlianden sind
J IV, I § 5h, i (103).
d) BruderskindorJIV.i § 5k (103); I1§1 (109); S§1C)(248).
10. Uterine Oeschwister J iV, ii § 1 — 3 (109); ni § 7d (115).
11. Konsanguine Vatergeschwister J IV, ni § 7e (115).
12. Uterine Vatergeschwister, Muttergesclnvister J IV, ill § 7f.
(115).
13. Der nachste Verwandte des Vaters Oder der Mutter J IV, i
§5k (103); §7g (115).
II. Erbrecht der Witwe.
a) Verfiigungsbesciirankungen liinsichtlich des Stanimgutes
J IV, 1 § 5 m (103 f.).
b) Erbrecht neben
1. Kindern J IV, i §1.2 (95);
2. ledigen Tochtern J IV,! § 5b (101);
3. einer ledigen Tochter J IV, i § 5c (103);
4. verheirateten Tochtern J IV, i § 5c (103);
5. Enkeln J IV, ill § 6 (113); S § 5 Abs. 3 (240);
6. Schwiegertochtern S § 5 Abs. 3 (240);
7. dem Vater J IV, i § 5f. (103);
8. Mutter, Brijdern und ledigen Schwestern J IV, i § 5g
(103). ^ Abw. S § 1 (234 f.); § 9 (242);
9. ledigen und verheirateten Schwestern J IV, i § 5h (103);
10. verheirateten Schwestern allein J IV, i § 5i (103);
11. anderen Verwandten J IV, i § 5k (103);
12. bei Fehlen von Verwandteirj IV, i § 51 (103).
Kein Erbrecht der Verwandten der Frau J IV, ill
§ 7h (115); vgl. S § 15 Abs. 4 (246).
III. Erbrecht der Kirche J IV, i § 51 (103).
B. Beerbung von Frauen.
I. Unterschied zwischen verheirateten und unverheirateten Frauen
J IV, I § 17 (109).
II. Die verheiratete Frau beerben
1. der Ehemann J IV, i § 1 1 (107); § 15 (109); S § 7 (240f.);
2. die Kinder J IV, i § 13. 14 (107);
kein Erbrecht der Stiefkinder S § 19 (248 f.);
3. die Sohne der Kinder S § 16 Abs. 2 (248);
4. der Vater des Mannes J IV, i § 16 Abs. 2 (109);
5. die Mutter und die Oeschwister des Mannes J IV, i § 16
Abs. 2 (109).
III. Beerbung
1. der unverheirateten Frau:
a) Mutter, Briider und ledige Schwestern J IV, i § 16 Abs. 1
(109); S § 17. 19 (248).
Kein Erbrecht
a) der abgefundenen Mutter (auBer wenn die Erb-
lasserin fruher verheiratet gewesen) J IV,vii § 1
(123);
,3) der abgefundenen Sch wester J IV,vii § 2 (123);
b) Bruderssohne S § 16 Abs. 1 (248);
2. der Frau bei nicht konsummierter Ehe J III.vi § 4 (83);
3. der Witwe S § 19 (248 f.).
— :S82 —
C. Oewillkiirte Erbfolge.
I. Arten der letzhvilligen Verfiigung.
1. Testament.
a) Form J IV, iv §3(115); V, m §3-5(135); §7(137); VI, II
§ 6 Abs. 1 (18Q).
b) Widemiflichkeit J V, iii § 1 (135); § 6 (135f.).
c) Keine Bindung inter vivos J V, iii §3.4 (135); §6 (135f.);
IV § 3 Abs. 1 (145).
2. Erbvertrag J V,v § 2. 3 (147).
II. Inhalt der ietztwilligen Verfiigung.
1. Erbeinsetzung
a) eines Universalerben J V, in § 5 (135);
b) oline Bezeichnung von Erbteilen
a) der Frau murder Kinder J V, ill § 26 (143);
(3) der Sohne und Tochter J V, in §27 (143);
y) der Frau und der Kinder eines Dritten J V, in § 28 (143);
<)) eines Dritten als Miterben J V, in §-29 (143).
2. Vermachtnis
a) an den besten« Sohn J V, in § 7 (137);
b) unter Bedingung J V, iii § 1 1 b (137).
3. Bestinimung, daB ein Dritter die Verfiigung treffen solle J V, in
§ 10 (137).
4. Aufiage J V, in § 9. 1 1 a (137); § 19 (141).
5. ErbausschlieBung
a) der Frau wegen Ungehorsams J IV, v § 3 (121);
nicht fiir den Fall der Wiederverlieiratung S § 3 (326 f.);
b) des Sohnes wegen Ungehorsams J IV, iv § 11 (119); v § 3
(121); V,I §6 (133);
c) der Tochter wegen Unzucht J IV, iv § 12 (119);
d) der Frau und Tochter bei Abfindung durch Vermachtnis
JV.iii §14 (139); S§4(238f.).
III. Beschrankung der Testierfreiheit:
1. hinsichtlich Erbunfiihiger J IV, iv §5.6 (117); V, i § 5 (133);
2. bei Verschuldung J V, i § 1 — 4 (131 f.);
3. Noterbrecht
a) der Sohne J V, i § 6 (133); vgl. S § 10 (242);
b) des Ehemannes J IV, i § 15 (109);
c) Anspruch der Kinder auf die dos ihrer Mutter J V,i § 5 (133);
d) Anspruch der Frau auf Versorgung S § 1 Abs. 3 (236); § 3
(236 f.).
D. Rechtsstellung der Erben und Vermachtnisnehmer.
1. Miterben.
1. Ungeteilte Erbengemeinschaft J IV.v § 4 (121); V, in § 14 Abs.2a
(139); § 15 Abs. 5 (246f.); S § 19 (24Sf.).
2. Auseinandersetzung zwischen vol!- und minderjahrigen Erben
a) auf Antrag der Volljahrigen J lV,viii § 1 (125);
b) von Amts wegen J IV, viii § 2 (125).
II. Vermachtnisnehmer.
1. Kein Verfiigungsrecht des Erben iiber die vermachte Sache
J V, III § 20(141).
2. Insuffizienz des Nachlasses J V, III §22 Abs. 2 (141); §25 (143).
3. Haftuiig fiir Untergang der vermachten Sache J V, in § 22
Abs. 1 (141).
— 38B —
III. NachlaBschulden.
1. Haftung:
a) des ungeteilten Nachlasses J V.vii § 12 (161);
b) der Erben als Teilschiiidner J V, ill § 24 (143); vii § 21 (165);
c) der Vermachtnisnehmer J V, ill § 23 (141); § 24 (f43).
2. Kein beneficium competentiae der Erben J V,vi § 6. 7 (133).
3. NachiaBverwaitung J V,vi § 1. 2 (151).
4. NachlaBkonkurs s. Konkurs.
IV. Ausschlagung der Erbschaft (abasakhuni).
1. Form J V',vi § I Abs. 1 (151).
2. Die Erben diirfen niclits behaltenj V.vi § 1 Abs.2 (151); §Q (153).
3. Keine Haftung der Erben fiir die Naclila(5schuliien:
a) wegen Unterhaits walirend der Minderjalirigkeit J V,vi §4
(151 f.);
b) wegen Wohnens im Hause des Erblassers vor der Aus-
schlagung J V, VI § 5 (153).
III. Teil. Offentliches Recht.
I. ProzeBrecht.
A. Weltliche Richter und Richter der Kirciie J IV,v §3 (121); V.vii
§2b (155); §8(159): §21 (165); .\i §4(175); VI, i § 1 (183); ii § 5
(189); S § 15 Abs. 5 (246).
Klage beim heidnischcn Richter J Vi, i § 2b (185).
B. Parteien.
I. Klager:
1. ProzeBvertretung J VI, i § 3 (185);
2. Fehlen von Bevveismittein J VI, i § 1 (183).
II. Beklagter:
1. Streitgenossenschaft J VI, i § 4 (185);
2. Benennung des Rechtsvorgangers J VI, i § 9. 10 (187).
C. Klage.
I. Keine Verjahrung J VI, i § 5 (185).
II. Einreden:
1. der Rechtshangigkeit J VI, i § 7 (185);
2. des Verzichts J V,vi § 10 (153);
3. der Arglist J VI, i §6 (185).
D. Verfahren.
I. Terminsanberaumung J VI, i § 8 (187).
II. Ladung des Beklagten J VI, i § 2 (183).
III. Versaumnisurteil gegen den Beklagten I VI, i §3 (185).
IV. Sitzungspolizei J VI,! § 2a (183 f.).
E. Beweiserhebung.
I. Beweiswiirdigung J II, xv (63f.); VI, i § 1 (183); v § 1 (I95f.).
II. Urkundenbeweis.
1. Beweiskraf t :
a) Urkunden mit Notariats- und Zeugensiegel J VI, ii § 1 (187f.);
b) alte Urkunden J VI, i § 5 (185); ii § 7 (189);
c) Abschriften von Urkunden J VI, ii §5.6 (189).
2. Entkraftung durch:
a) Ersitzung J VI, IV § 3 (193); vi § 8 (199);
— 384 —
b) Nachweis der Zahliing (Scliuklsehein) J VI, ii § 3 (189);
c) Nacliwcis der UnrichtiKkeit J VI, ii §2 (189);
d) Nachweis der Falschuiig J VI, iii § 3. 4 (191).
III. Zeuirenbeweis.
1. Zeiisjnisiinfahifjkcit:
a) cier Fraueii S § 15 Abs. 4 (246);
b) des Urkiiiuienfalsctiers J VI, iii § 2 Abs. 3 (191).
2. Beweiskraft ilcr Aiissajj^e:
a) klassische und anzweifeibare Zeugen J Vl,v § 1 (195f.);
b) iiiiglniibwiirdisje Zeiigen J VI,V § 2 (197);
c) Ehebruchszeugen J II, xv Abs. 1 und 2 (65).
IV. Eid.
1. Zulassiffkcit des Eides J Vl.vi § 1 — 5 (197f.).
2. Einzclfalle;
a) mangels anderer Beweismittel J Vl,vi § 0. 7 (199);
b) beim BesitzJVI, iv § 2b. 3. 5 (193); §5 (195); vi §8 (199);
c) bei Verpfiindung J VI,VI § 9 (201);
d) bei Verwaiirung J VI, vi § 10 (201);
e) bei Schenkung an Verwandte J V, i § 4 (133);
f) bei Ehebruch'j II, xv Abs. 3 — 5 (65 f.);
g) bei Verfiihrung J III, i § 7. 8 (77 f.);
h) beim Vorwurf voreheiiclier Defloration J 111, i\' § 2. 3 (81).,
F. Restitutionskiage J V.vii § 22 (165).
II. Konkurs.
1. Verhaltnis der Glaubiger untereinander.
I. Nicht bevorreclitigte Glaubiger J V,vii § 2e (155).
II. Pfandglaubiger und pfandlose Glaubiger.
1. Mobiiiarpfandglaubiger J V,vii §1 (155).
2. Immobiiiarpfandglaubiger J V,vii § 2a — c (155).
III. Pfandglaubiger untereinander J V,vii § 2d (155).
IV. Glaubiger einer gefahrlosen und einer gefahrdeten Schuld J V.vni
§2c (167).
. NachlaRkonkurs.
I. Verhaltnis der Glaubiger untereinander J V,vii §3 (155f.).
II. Stellung der Witvve und ledigen Toehter J V, vi § 3 (151); § 8 (153).
III. Strafrecht.
A. Strafen.
I. Verweis und offentliche Riige J III, i § 8 (79); V,v § 1 (147); vii
§ 22 (165); VI, I § 2 (185); ni § 3 (19^1).
II. KirchenbuBen J II, xii Abs. 4 (61); III, i §8 (79); VI, i §2 (185);
Ml § 1 (191).
III. GeldbuBe J lll,v § 3 (83); VI, ni § 2 (191).
IV. Kirchenbann J II, xn Abs. 4 (61);^III, i §8 (79); ill (81); V,v §1
(147); Vil § 22 (165); VI, I § 2 (185); III § 2 Abs. 3; § 3 (191).
B. Delikte.
I. Gegen die Ehe und die geschlechtliche Sittlichkeit:
1. Gesclilechtsverkelir oline nachfolgende Heirat J 111, i §8 (79).
2. Frauenraub J 111, v § 3 (83).
3. Bosliche Verlassung J III, iii (81).
4. Ehebruch des Mannes J II, Xii (61); A § 16 (281).
88^^
— H85 —
5. Paderastie A § 17. IS (281 f.).
6. MiBbrauch der Fran A § IS (2S1 f.).
7. Unziicht mit Tieren A § 19. 20 (2S3f.).
II. Sonstige Delikte.
1. Prozessieren vor heidnischen Richtern J VI, i § 2b (1S5).
2. Arsjlistige Kiasreerhebimg J V, vii §22 (165).
3. Diebstahl und" Raub J V,vi § 1 Abs. 2 (151); xi § 5 (175): VI, i
§9c (187).
4. Urkundenfalschung J VI, iii § 3 (191).
5. Hergabe des Siegels zur Falschung J VI, ill § 2 (191).
6. Besitz einer verfalschten Urkunde J VI, in § I — 3 (191).
IV. Kirchenrecht.
A. Vermogen kirchliclier Institute.
I. UnverauBerlichkeit J V.vil § 1 (177).
II. Verwaltung J V.vii § 3 (177).
III. Aufsicht der Kirche J V,vii §2 (177).
IV. Behandlung geschenkter Sklavinnen J V,vii § 4 (177).
B. Verbot der Ehe eines Klerikers:
I. mit einer Verlassenen J II, .Xl.X (69);
II. mit einer Sklavin S § 11 (282).
C. Unfahigkeit des Sklaven zum Kleriker S § 1 1 (2S2).
D. Der Kleriker soil sich von Geschaften fernhalten S § 20 Abs. 2 (250).
V. Verwaltungsrecht.
Ort der Steuerpflicht des unehelichen Sohnes J IV.iv § 13 (119).
Reichsdnickerei. Berlin.
Sachau, Synsche Rech'sbucher 111
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